Autor: tka_admin

  • Schulen in Höngg, letzter Teil: Wie Menschen lernen

    Schulen in Höngg, letzter Teil: Wie Menschen lernen

    «Wir lernen nur von jenen, die wir lieben» − von dieser Weisheit ist der Schreibende zutiefst überzeugt. Man mag nun einwenden, Kinder oder Erwachsene könnten oft auch schwierige Situationen bewältigen, ja würden von äusserem Druck und Herausforderungen geradezu angespornt. Das trifft unter einer ganz bestimmten Voraussetzung zu: Die Lernprozesse finden in einem wohlwollenden Grundklima statt, das Fehler nicht bestraft, sondern als Lerngelegenheiten begrüsst werden. Wer als Kind über längere Zeit einem lieblosen, unterdrückenden oder gewalttätigen Milieu ausgesetzt ist, verfügt letztlich nur noch über zwei «Lern»-Optionen: Er wird entweder gegenüber Schwächeren selber zum Unterdrücker und setzt alles daran, in der sozialen Hackordnung stets oben zu bleiben. Oder er wendet die Aggressionen gegen sich selber und entwickelt psychische Störungen, die oft in eine Sucht führen und im Erwachsenenalter nur mit grösster Anstrengung überwunden werden können. Ausnahmen von dieser Regel − damit sind Kinder gemeint, die auch grobe Schwierigkeiten während des Aufwachsens weitgehend unversehrt überstehen − bezeichnet man als Resilienz. Deren Wurzeln liegen sowohl in der genetischen Ausstattung wie im Glück, ausserhalb des eigenen, schädigenden Umfeldes auf Erwachsene zu treffen, zu denen das Kind eine von Vertrauen geprägte Beziehung aufbauen kann.

    «Antiautorität» ist nicht gleich Vernachlässigung

    Über den Schulreformer Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) wurde im ersten Teil dieser Artikelserie bereits berichtet. Ein moderner Pionier humanistischer Lernformen war der Schotte A.S. Neill (1883-1973), dessen Buch: «Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung – das Beispiel Summerhill», 1969 für viele, auch für den Schreibenden, eine Offenbarung bedeutete. Neill selber hat den reisserischen Titel der deutschen Übersetzung und den Begriff «Antiautorität» stets abgelehnt. Er befürchtete, dass sein philosophisch-pädagogischer Ansatz mit einem verwöhnenden oder vernachlässigenden Erziehungsstil verwechselt werden könnte. Tatsächlich wird «Antiautorität» seit Jahrzehnten schlecht geredet und für allerlei Missstände verantwortlich gemacht. Diese sind aber in erster Linie Umwälzungen in Wirtschafts-, Arbeits- und Familienstrukturen, in Wissenschaft und Technik sowie den daraus resultierenden konsum- und genussorientierten Lebensstilen geschuldet.
    Hierzu nur ein (banales?) Beispiel: Die Klagen über unsere ausgangswütige, dabei Alkohol oder andere Drogen konsumierende und im Rausch nicht selten gewalttätige Jugend sind nur allzu bekannt. Der Hauptauslöser dieser Entwicklung war die Deregulierung des Clubwesens, verbunden mit der Abschaffung der Polizeistunde und der Einführung von Nacht-ÖV an Wochenenden: Wirtschaftsliberales Laisser-faire zugunsten von renditeversprechendem Konsum, nicht «antiautoritär» erziehende Eltern! Man darf diese neuen Freiheiten, die von einer Mehrheit zur genussvollen Entspannung genutzt werden, durchaus begrüssen, müsste die «Nebenwirkungen», die sie begleiten, aber richtig verorten. Um beim Thema zu bleiben: Auch Ordnungsstrukturen haben einen wesentlichen Einfluss darauf, was und wie Menschen lernen.
    Wer sich seriös mit dem Buch von A.S. Neill auseinandersetzt, erkennt schnell, worum es ihm ging: Er übertrug den Grundsatz der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht konsequent, der jeweiligen Entwicklungsstufe der Lernenden angemessen, auf den Umgang zwischen Lehrkräften und Schülern. Was soll daran schlecht sein?

    Zurück in den Mittelpunkt

    Nun rückt die moderne Bildungswissenschaft die Persönlichkeit jener, von denen wir lernen, sowie die Art und Weise, mit der sie die Perspektive der Schüler wahr- und ernstnehmen, wieder in den Mittelpunkt gelingender Lernprozesse. Das ist ein erfreuliches Ergebnis in einer derart von Technik und Maschinen dominierten und abhängigen Welt wie der heutigen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Mit diesen Ausführungen sollen nicht etwa moderne Lernmethoden wie computergestütztes und selbstorganisiertes Lernen abgewertet oder gegen den lehrerzentrierten Frontalunterricht, der bis in die 70er-Jahre vorherrschte, ausgespielt werden. Es geht darum, den Prinzipien von wirkungsvollem Lehren und Lernen nachzuspüren.

    Die Lehrperson ist entscheidend

    In die Arbeit von John Hattie, einem 1950 in Neuseeland geborenen Bildungsforscher, sind mehr als 800 Meta-Analysen, die wiederum über 50‘000 Einzelstudien zusammenfassen, eingeflossen. Insgesamt werden Daten von 250 Millionen Schülern ausgewertet. Seine Schlussfolgerungen hat er 2013 im eingangs erwähnten «Hattie-Bericht» veröffentlicht. Aus all den Zahlen generiert Hattie eine ganz persönliche Botschaft: «Lehrpersonen gehören zu den wirkungsvollsten Einflüssen beim Lernen. Lehrpersonen müssen direktiv, einflussreich, fürsorglich und aktiv in der Leidenschaft des Lehrens und Lernens engagiert sein».
    Nun gibt es Forschungsaussagen, wonach die Bildungsnähe der Eltern und deren Beteiligung an der Schule sowie die Gruppe der Gleichaltrigen eine ebenso grosse, wenn nicht gar wichtigere Rolle spielten als der Unterrichtsstil oder die Persönlichkeit des Lehrenden. Das ist allerdings kein Widerspruch zum Hattie-Bericht, denn dieser fokussiert auf Faktoren, die veränderbar sind. Aufgrund eigener Erfahrungen seien drei von sieben «Wegweisern», die John Hattie Lehrenden auf der ganzen Welt mitgibt, hervorgehoben:
    Zum einen müssen gemäss Hattie Lehrer das Lernen durch die Augen ihrer Schüler sehen und eine genaue Vorstellung entwickeln, wie der Lernprozess beim Einzelnen abläuft. In der Regel geschieht im Kopf des Schülers nicht das, was sich die Lehrperson bei der Vorbereitung einer Lektion vorstellt. Und letztlich entscheiden die Lernenden selbst, was sie lernen werden. Hattie spricht deshalb von der Wichtigkeit des Feedbacks zwischen Lehrenden und Lernenden während des gesamten Lernprozesses. Das ist im Kern mit «Lernen sichtbar machen» gemeint – und didaktisch sehr anspruchsvoll. Zum zweiten ist es gemäss Hattie entscheidend, alles Üben in Lernformen höherer Ordnung einzubinden. Denn: Üben ohne Bezug zu einem herausfordernden Ziel sei stumpfsinnig, repetitiv und wirke dem Engagement der Schüler für das Lernen entgegen. Und nicht zuletzt hält er es für wichtig, dass die Lernenden eine tiefe Grundlage an Faktenwissen erwerben und einen konzeptuellen Rahmen, eine Art geistigen Kompass entwickeln, damit sie in der Lage sind, neues Wissen und Informationen, zum Beispiel auch aus dem Internet, aufzunehmen, einzuordnen und zu verarbeiten.

    Quellen:
    – «Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung – das Beispiel Summerhill» von A.S. Neill, Reinbek: Rowohlt Taschenbuch 1969, ISBN 3499167077
    – «Lernen sichtbar machen», von John Hattie, übersetzt und überarbeitet von Wolfgang Berwyl und Klaus Zierer, Schneider Verlag, 2013, ISBN 978-3-8340-1190-9

     

    Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u.a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.

     

    Alle Artikel
    15. 1. 2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29. 1. 2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5. 2. 2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    26. 2. 2015: Vogtsrain mit Wettingertobel
    12. 3. 2015: Das Schulhaus Rütihof
    26. 3. 2015: Riedhof-Pünten
    30. 4. 2015: Am Wasser
    21. 5. 2015: Bläsi
    Der «Höngger» dankt dem Autor für die ehrenamtlich verfasste Artikelserie.
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch / Archiv, Dossier Schulen Höngg

  • Schul-Projektwoche in «Respektistan»

    Schul-Projektwoche in «Respektistan»

    Damit Freundlichkeit, Zusammenarbeit und Freude die Welt regieren, braucht es ein kleines Wörtchen, das beachtet werden muss: Respekt. Man hört anderen zu, macht aufmerksam mit, beleidigt niemanden, wirkt auf andere freundlich, versucht Streitereien zu vermeiden, lobt andere und hilft allen, die es wünschen. Das alles macht eine respektvolle Person aus. Menschen, die streiten, soll man allerdings nicht als unfreundlich und böse abstempeln, jedenfalls, solange diese auch wieder Frieden schliessen können.

    Jedes Zimmer war ein Kanton

    Die Schule Riedhof-Pünten ist nun auf die Idee gestossen, zu diesem Thema ein Projekt für alle Kinder des Kindergartens und der Primarschule durchzuführen. Der Einfachheit halber erfanden die Lehrpersonen gleich ein ganzes Land: Respektistan. Jedes Zimmer wurde in einen kleinen Kanton verwandelt. Da kamen die lustigsten Kantonsnamen vor wie Gurkenschneidikon, Bubendorf, Schlaraff, Zähmungen, Wartbisdran, Wehrenbach, Entscheidikon.
    Für die Lehrerschaft war es nicht einfach, Posten zu gestalten, welche für die Kindergärtner nicht zu anspruchsvoll und für die Schüler der 6. Klasse nicht lächerlich sein sollen. Die Grossen erwarten Action, die Kleinen wohl eher Geborgenheit. Die Reise führte im Verlauf der Woche durch alle Kantone. Überall gab es etwas zu erleben: Geschichten schreiben, Zeichnen, Musik machen, Dance-Workshops, sogar Trickfilme und elektrisch geladene Wutpüppchen konnte man gestalten. Im Nachbarland Ostfiesland sperrte die Theatertruppe schon einmal die Lehrerin ins Geräteräumchen – natürlich nur im Namen der Mobbingforschung. Nachdem alles säuberlich als Fotoroman dokumentiert war, feierten «Täter» und «Opfer» gemeinsam die erfolgreiche Arbeit. Beim Kämpfen auf den Matten wurde auf Fairness geachtet, beim Musizieren musste man gut aufeinander hören und beim Kochen für vierhundert Personen war intensives Teamwork verlangt.

    «Gurkenschneidikon» und «Obstwaschingen»

    Bei allen scheint die Woche gut angekommen zu sein. Die meisten Buben konnte man in Bubendorf beim Kämpfen beobachten. Am Donnerstag führte sogar ein richtiger Schwinger, Daniel Reichlin vom Schwingclub Zürich, in seine Sportart ein. Beim Kletterturm, der mit ellenlangen gestrickten Bändern eingewickelt wurde, hielten sich Jungs und Mädchen etwa die Waage. Die Mädchen zeigten grosses Interesse für die Trickfilme, obwohl das doch sonst eher Jungs anzieht. Unterdessen haben andere Kinder in Gurkenschneidikon und Obstwaschingen für alle vierhundert Reisenden eine leckere Mahlzeit vorbereitet, welche dann in Tischsitten serviert wurde.
    Um halb zwei ging es dann jeweils weiter; die Kinder strömten in Scharen in die Kantone, in denen sie vormittags gearbeitet hatten. Bis um halb drei wurde dann nochmals tüchtig getüftelt, gelötet, geknobelt und getanzt, bevor die Gäste von der Reiseleitung in den wohlverdienten Feierabend entlassen wurden.

    Eingesandt von Aline Fuhrer, 6. Klasse Schule Riedhof

  • Polizei, Weihnachten und Schirme beim Quartierverein

    Polizei, Weihnachten und Schirme beim Quartierverein

    Meist lockt ein Apéro nach getaner Arbeit, doch an der Generalversammlung des QVH stärkte man sich davor. Munter wurde geplaudert, ernst diskutiert und der eine oder andere flüchtig Bekannte nochmals nach seinem Namen gefragt. Kein Wunder, weiss man bei knapp 100 Leuten, welche man nicht alle regelmässig sieht, auf Anhieb den Namen. «Tja, also ich weiss von einigen schon mehr als den Vor- und Nachnamen, zum Beispiel den Ehe-Jahrestag», schmunzelte ein Besucher. Des Rätsels Lösung: Er hat denselben Jahrestag.

    Keine Gnade auf der Werdinsel

    Derart gut gelaunt erwartete man mit Spannung das Referat von Roman Thür, FwmbA (Feldweibel mit besonderen Aufgaben) und Kreischef 10 der Quartierwache Höngg. Der 37-Jährige informierte, dass auf der Werdinsel neue Fahrrad-Signalisationen Rechtskraft hätten und nur noch ein Weg gesetzlich befahrbar sei – überall sonst könne gebüsst werden. Zum Spitz der Werdinsel, dem Nudisten-Bereich, sagt er: «Nacktsein und auch Sex in der Öffentlichkeit sind grundsätzlich nicht verboten. Wer sich aber davon gestört und belästigt fühlt, kann gegen den Verursacher Anzeige erstatten. Es geht uns aber stark um den ‚Sexspiel-Wald‘ im unteren Teil der Insel, dort führen wir oft Kontrollen durch, nehmen Personalien auf und haben dieses Jahr während proaktiven, sexuellen Handlungen bereits über 25 Personen ‚aus den Büschen‘ geholt und deshalb Wegweisungen gemäss dem Polizeigesetz ausgesprochen.» Diese Massnahme ist infolge der wiederkehrenden Beschwerden in der Vergangenheit notwendig.
    Speziell und erstmalig zur Sommersaison seien vermehrt Doppelpatrouillen der Quartierwache Höngg an Wochenenden an neuralgischen Punkten, speziell im Bereich der Werdinsel, unterwegs, um Präsenz zu markieren und bei Bedarf einzugreifen. «Wir sind neun Leute auf der Quartierwache, am Wochenende, wenn die Wache geschlossen ist, sind Streifenpolizisten mit ‚Limmat 10‘ unterwegs», erläuterte der sympathische Rheintaler, der seit 16 Jahren bei der Stadtpolizei Zürich arbeitet und unter anderem zehn Jahre im Kreis 4 Streife fuhr: «In Höngg ist es glücklicherweise verhältnismässig ruhig.»

    Polizeinummer 117 nicht nur für Notrufe

    Roman Thür betonte, dass die Rufnummer 117 nicht nur für Notfälle gedacht sei, sondern auch für andere Anliegen, bei denen die Polizei nötig ist – auch wenn man eine Beobachtung melden wolle oder eine dringende Frage habe. «Es sind entsprechend Mitarbeitende unter dieser Nummer vor Ort, Sie blockieren mit ihrem Anruf die Linie somit nicht», beruhigte er eine Dame im Publikum, die dachte, ihr dringliches Anliegen sei kein Fall für die Nummer 117 gewesen. Die Einsatzzentrale der Stadtpolizei Zürich disponiert, setzt die Einsatzmittel ein und wahrt somit einen Überblick über sämtliche Vorkommnisse innerhalb der Stadt Zürich. Eine weitere Publikumsfrage handelte von Velofahrern auf den Trottoirs und Gehwegen Hönggs. «Natürlich ist das Velofahren an diesen Orten verboten, aber wir können nicht überall sein. Treffen wir jedoch einen solchen Fall an, wird gebüsst», stellte Roman Thür klar. Nach seinem Referat hatte man das sichere Gefühl, dass die Quartierwache Höngg jederzeit die richtige Anlaufstelle für Fragen ist und man sich dort um die Quartierbewohner kümmert. Dementsprechend gross war der Applaus, den Roman Thür erhielt.

    Änderungen im Vorstand und viele Abstimmungen

    Alexander Jäger, QVH-Präsident, führte durch die Generalversammlung und unterliess es nicht, Werbung für die neuen QVH-Schirme zu machen: «Wir haben neu die Farben rot und blau, und alles geht automatisch: Auf und zu, auf und zu, solange, bis es nicht mehr geht», pries er das neue Modell an und erntete damit herzliche Lacher.
    Neu in den Vorstand gewählt wurde Tiziana Werlen, vielen Stimmberechtigten bekannt vom Optikfachgeschäft He-Optik. Sie war entschuldigt und konnte ihre Wahl nicht persönlich annehmen. Verabschiedet wurde Heidi Mathys, sie trat nach fünf Jahren im Vorstand zurück.
    Liliane Forster und Fredy Haffner stellten den Antrag, dass der QVH-Vorstand «künftig prüft, wie er Mitglieder in die Entscheidungsfindung, welche die übergeordneten Interessen des Quartiers oder Teile davon betreffen, einbezieht und entsprechende Massnahmen zur Vernehmlassung unter den Mitgliedern umsetzt.». Auch dieser Antrag wurde angenommen, wollen die Vereinsmitglieder doch offensichtlich mehr in Entscheidungsfragen miteinbezogen werden – Demokratie in den eigenen Reihen sei gefragt, so Fredy Haffner, der den Antrag als Privatperson und nicht als «Höngger»-Vertreter stellte.

    Unterstützung ist gefragt

    Ueli Stahel vom OK Wümmetfäscht informierte, dass die Vorbereitungen in vollem Gange seien und der «Vereinsabend» stattfinden werde. «Ein letztes Mal geben wir auch bei den Abendunterhaltungen Gas – unterstützt das Publikum diese aber nicht, so gibt es diese Sparte in Zukunft nicht mehr», stellte er unmissverständlich klar.
    Jean Bollier, Präsident der «Interessengemeinschaft Pro Rütihof – contra Ringling», informierte zum Ringling und erhielt grossen Applaus (mehr zum Thema Ringling auf der Frontseite).
    Weihnachtlich zu und her ging es bei den Ausführungen von Karin Keller, die zusammen mit Tiziana Werlen den «Adventszauber Höngg» am Donnerstag, 26. November, von 17 bis 21 Uhr, organisiert: «Das wird kein Weihnachtsmarkt, sondern ein nicht kommerzieller Anlass, an dem man gemütlich im Dorfzentrum Glühwein trinken, etwas Feines essen und eine schöne Zeit geniessen kann.» So hat bereits der Männerchor ein Konzert zugesagt, und wer seine private Lokalität oder seinen Garten zur Verfügung stellen möchte, kann dies laut Karin Keller «sehr gerne tun – melden Sie sich bei mir oder Tiziana Werlen.» Zufrieden mit dem Ausgang der Generalversammlung machte man sich danach auf den Heimweg.

    Kontakt Adventszauber Höngg
    Karin Keller und Tiziana Werlen, E-Mail: adventszauber@zuerich-hoengg.ch, Telefon Tiziana Werlen: 044 341 22 75. Weitere Infos zum Quartierverein Höngg: www.zuerich-hoengg.ch.

     

     

  • Der «Ringling» kommt vor Bundesgericht

    Der «Ringling» kommt vor Bundesgericht

    Das erste Projekt, 2006 eingereicht, war vor der Baurekurskommission, an welche die Rekurrenten gelangt waren, wegen der als gefährlich taxierten Erschliessung der unterirdischen Parkierungsanlage an der Geeringstrasse im Juni 2010 gescheitert. Die Zufahrt wurde im zweiten Projekt an die Strasse «Im oberen Boden» verlegt, worauf am 3. Januar 2013 die Baubewilligung erneut erteilt wurde – und die Gegner erneut dagegen vorgingen. Das Baurekursgericht schützte Anfang April 2014 die Baubewilligung, und so ging der Fall ans Verwaltungsgericht Zürich, das bereits 2011 über den Fall zu entscheiden hatte.

    «Willkürliches Verfahren»

    Damals, im 2011, taxierte es einen drei Meter breiten und 300 Meter langen Fuss- und Radweg rund um den Bau, der als unmittelbare Erschliessung der Wohnungseingänge gedacht war, als unzulässig. Trotzdem sei dieser nun im zweiten Projekt noch auf 400 Meter verlängert worden, ärgern sich die Gegner: «Im jetzigen Urteil des Verwaltungsgerichtes fehlt dazu eine jegliche Stellungnahme. Überdies hat es eine ganze Reihe von Beanstandungen gar nicht behandelt, was als Verletzung des rechtlichen Gehörs zu bezeichnen ist und somit einen willkürlichen Akt darstellt», monieren die Gegner des «Ringling».
    Das Verwaltungsgericht sei verpflichtet, die Frage der Gestaltung beziehungsweise der Einordnung der grossen, die Regelbauweise übersteigenden Arealüberbauung frei zu beurteilen – das mache es jedoch nicht oder in ungenügender Weise: «Ein Augenschein wurde verweigert, und die Erstellung eines 3-D-Modelles, an welchem die Auswirkungen der massiven, bis 25 Meter hohen Mauer-Baute hätten bewertet werden können, fand nicht statt. Ein solches Verfahren ist willkürlich.»
    Doch damit nicht genug: Das Verwaltungsgericht beurteile sogar bundesrechtliche Bestimmungen bezüglich Lärm, Schallschutz und Gewässerabstandslinien – in diesem Falle des Fürtlibaches − als nicht verletzt. «Es wird interessant und mitentscheidend sein, inwieweit das Bundesgericht diese bundesgesetzwidrige kantonale Zürcher Praxis beurteilen wird», sagen die Rekurrenten mit Blick nach Lausanne.
    Und zu guter Letzt ist man auch nicht einverstanden mit der Haltung des
    Verwaltungsgerichts zu einem Quartierplan aus dem Jahr 1975: Damals wurden mit den Landbesitzenden, darunter auch die Stadt Zürich mit ihrem nun für den «Ringling» vorgesehenen Areal, die maximalen Bruttogeschossflächen vertraglich festgesetzt, welche die Rekurrenten nun durch den «Ringling» verletzt sehen. «Dieser Vertrag ist nie geändert oder aufgehoben worden und auch eine neue Bau- und Zonenordnung, wie sie seit 1975 zweimal erfolgte, macht den Vertrag nicht ungültig», sind die Rekursführenden überzeugt. Das Verwaltungsgericht sieht das anders, und das Bundesgericht wird auch das zu prüfen haben.

    Was ist «städtebaulich zurückhaltend»?

    Selbst zum im Frühling 2010 erlassenen regionalen Richtplan zur «Räumlichen Entwicklungsstrategie der Stadt Zürich» nähme das Verwaltungsgericht nicht Stellung oder dann bezeichne es ihn als auf den «Ringling» nicht anwendbar, wird beklagt. Das neue Projekt sei aber 2013 eingereicht worden und müsste sich somit an die seit 2010 geltenden Vorgaben halten. Verlangt werde dort unter anderem eine «zurückhaltende städtebauliche und architektonische Erscheinung» − nur einer von vielen
    Grundsätzen, welche nach Ansicht der Ringling-Gegner massiv verletzt werden. Der Gründe, warum die IG pro Rütihof und die Interessengemeinschaft der Immobilienbesitzer die Beschwerde ans Bundesgericht weiterziehen sind also viele.

    Im Archiv auf www.hoengger.ch unter Dossiers sind alle seit 2009 erschienenen Artikel abrufbar.
    Informationen allgemein:
    www.wohnen-am-gruenwald.ch
    www.pro-ruetihof.ch

  • Quartierverein Höngg: Bericht aus dem Vorstand

    Quartierverein Höngg: Bericht aus dem Vorstand

    Generalversammlung

    Die letzte Vorstandssitzung stand ganz im Zeichen der kommenden Generalversammlung. Roman Thür, FwmbA, Kreischef 10 der Stadtpolizei Zürich, ist der diesjährige Gastreferent an der Generalversammlung. Er stellt die Aufgaben der Quartierwache vor und geht in seinem sicherlich sehr spannenden Referat auf die aktuelle Situation auf der Werdinsel ein.

    Neue Höngger Schirme

    In Kürze werden die nachbestellten Höngger Knirpse geliefert. Erstmalig steht eine limitierte Anzahl roter Höngger Schirme zum Verkauf bereit. Wir sind auf die Reaktionen der Käuferinnen und Käufer gespannt.

    Quartierverein intern, Vorstand

    Mittlerweile wurden zwei Interessenten für ein Vorstandsamt gefunden. Beide werden für das gegenseitige Kennenlernen zur nächsten Vorstandssitzung eingeladen.

    Eingesandt von Alexander Jäger, Präsident Quartierverein Höngg

    Weitere Informationen unter: www.zuerich-hoengg.ch

  • Beschwerde gegen «Ringling» erneut abgelehnt

    Beschwerde gegen «Ringling» erneut abgelehnt

    Drei beteiligten Bauträgerinnen – die Stiftung für Alterswohnungen und die Genossenschaften GBMZ und Sonnengarten – dürfen mindestens für den Moment wieder aufatmen: «Wir freuen uns über den klaren Entscheid und hoffen, möglichst bald mit dem Bau der dringend benötigten Wohnungen und Quartiernutzungen beginnen zu können», schreiben sie in der gemeinsamen Medienmitteilung.

    Bundesgericht anrufen oder nicht?

    Die Beschwerdeführenden, die IG pro Rütihof – contra «Ringling» und die Interessengemeinschaft der Eigentümer (IGER) entschieden erst nach Redaktionsschluss, ob sie die Beschwerde ans Bundesgericht weiterziehen werden oder nicht.
    «Es gilt zu prüfen», teilt IG-Pro-Rütihof Präsident Jean E. Bollier per Mail mit, «ob ein weiteres Verfahren vor dem Bundesgericht, das in der Hauptangelegenheit betreffend ‚Gestaltung‘ nur noch auf Willkür prüft und nur noch allfällige Verletzungen von Bundesrecht in der Sache Lärm, Gewässer und Quartierplanverfahren in seine Erwägungen ziehen wird, überhaupt Sinn macht und wie gross die Chancen zu gewinnen überhaupt wären.»
    Die Gegner des «Ringling» führen insbesondere eine Verletzung des Paragraphen 71 des Planungs- und Baugesetzes, «Besonders gute Gestaltung für Arealüberbauungen» ins Feld. Dieser sei, so ihre Ansicht, beim Projekt «Ringling» weder berücksichtigt, geschweige denn erfüllt und noch von keiner Rekursinstanz angemessen geprüft und beurteilt worden.

    Weiterziehen oder nicht?
    Informationen zum Entscheid über den Weiterzug ans Bundesgericht voraussichtlich ab Donnerstag, 28. Mai auf www.höngger.ch.
    Und im Archiv auf www.hoengger.ch unter Dossiers alle bislang seit 2009 erschienenen Artikel.
    Informationen allgemein:
    www.wohnen-am-gruenwald.ch
    www.pro-ruetihof.ch

  • Schulen in Höngg, Teil 8:  Das Bläsi

    Schulen in Höngg, Teil 8: Das Bläsi

    Das 1977 abgetragene Bläsi-Schulhaus B mit vier Klassenzimmern wurde 1883 eingeweiht. Es war – 240 Jahre nach der Eröffnung der Schule «Am Wettingertobel» − das zweite Schulhaus in Höngg und lag östlich des heutigen Schulgebäudes. Bereits 1893 waren die vier Zimmer voll belegt. Man begann mit der Planung eines weiteren Schulhauses. Nicht zuletzt aufgrund einer Intervention des Turnvereins, der energisch nach einer Halle rief, beschlossen die Höngger 1906 mit 185:1 Stimmen den Bau des Bläsischulhauses A mit neun Klassenzimmern, Nebenräumen und einer Turnhalle. 1907 konnte es bezogen werden. Die neue Turnhalle begrenzte das Schulareal gegen Osten.

    Prägende «Container-Kultur»

    Seither wurde der grosse Schulhausplatz mehrfach umgestaltet. Wo einst Bäume Schatten spendeten und Bänke zum Ausruhen luden, kann heute im Hallenbad geschwommen und in der Halle nebenan Sport betrieben werden. Doch bekanntlich wird das Bläsi-Schulhaus zurzeit umfassend erneuert. Unterrichtet wird deshalb in Containern, die ziemlich genau am Ort der 1907 gebauten, längst abgerissenen Turnhalle aufgestellt wurden.
    Zum Gespräch wird der Berichterstatteter von Schulleiter David Zimmermann und von Carol Brogli, Leiterin Betreuung, in einem Zimmer der hinteren Schul-Container empfangen. David Zimmermann hat seine Stelle im August 2014 direkt im Provisorium angetreten. Carol Brogli ist seit dem 1. März 2013 im Bläsi tätig. Was das gesamte Schulteam − unabhängig von der Anstellungsdauer − verbindet: Allen steht diesen Herbst die Rückkehr ins renovierte Schulhaus bevor. Die anstehende, gemeinsam vorzubereitende Aufgabe, aber auch die räumliche Nähe, welche das Schulprovisorium erzwingt, schweisse das Team zusammen, berichten David Zimmermann und Carol Brogli. Natürlich sei es manchmal eng, laut und nicht einfach, den Alltag zu organisieren. Ein Vorteil liege aber darin, dass der Austausch unter den Lehr- und Betreuungskräften – neben den formellen Besprechungsgefässen das «Schmiermittel» guter Zusammenarbeit – direkter ist. Beide machen sich Gedanken, wie die positiven Aspekte der «Container-Kultur» ins erneuerte Bläsi-Schulhaus mitgenommen werden können.

    Tauschhandel mit Esswaren

    In den zwei Kindergärten und den sechs Primarschulklassen der Schule Bläsi werden 175 Schüler unterrichtet. 107 von ihnen besuchen an einem oder mehreren Tagen pro Woche den Hort, der in zwei Gruppen unterteilt ist. Die überschaubare Grösse unterstützt das Projekt «Lebensraum Schule», mit dem Unterricht und Betreuung zu einem «Gesamtpaket» zusammengefasst werden.
    Der Besuch an einem Donnerstag um 11:30 Uhr im Bläsi-Hort illustriert dies. In vier Räumen ist für rund 70 Kinder und die entsprechenden Betreuungspersonen gedeckt und jeder Platz mit einem Namenstäfelchen versehen. Die Hortleiter- und Betreuungsassistentinnen haben das von «menuandmore» gelieferte Essen − Teigwaren, Rindsragout, warme Bohnen sowie verschiedene Salate − fertig zubereitet und angerichtet. Die Atmosphäre ist gelöst, die Teamfrauen wirken routiniert. Ab 11:55 Uhr strömen immer mehr Kinder in den Hort und setzen sich an ihren Platz. Teller mit rohem Gemüse als «amuse bouche» warten auf sie. Nach einigen Erläuterungen zum Tag wird tischweise das Essen geholt. Regel Nummer 1: Es muss von allem etwas genommen werden. Amüsiert beobachtet der Schreibende danach am Tisch einen kleinen Tauschhandel! Das Menu schmeckt, die Kinder essen entspannt, die Stimmung ist friedlich. Das sei natürlich nicht jeden Tag so, versichert Hortleiterin Sue Georgantas – die schon so lange im Bläsi arbeitet, dass sie mittlerweile «Hort-Grossmami» ist! Ab 13 Uhr gehen die Kinder zum Spielen nach draussen, es wird ruhig im Hort. Der Schulnachmittag kündigt sich an.

    Erinnerungen einer alten Hönggerin

    Ursula Kuhn, am 12. April 89 Jahre alt geworden und seit 62 Jahren an der Brunnwiesenstrasse zu Hause, wurde 1932 im Dorf Höngg eingeschult. Ihre «Schulkarriere» beendete sie neun Jahre später im städtischen Quartier Zürich-Höngg. Die beiden Kinder der mittlerweile dreifachen Urgrossmutter gingen in den 1960er-Jahren ebenfalls ins Bläsi zur Schule. Die Unterstufe besuchte Ursula Kuhn im Bläsi A, für die Mittelstufe wechselte sie ins Bläsi B und die Oberstufe absolvierte sie wieder im Bläsi A, wo die Schulzimmer der Sekundarschule im 2. und 3. Stock lagen. Sie wohnte damals mit ihren Eltern und einem älteren Bruder im Rütihof an der Hurdäckerstrasse. Ihr erster Lehrer, Heinrich Leemann, habe gemeint, sie sei etwas klein für die Schule, aber man wolle es versuchen − immerhin musste die Erstklässlerin den langen Schulweg an manchen Tagen bis zu viermal zu Fuss bewältigen können. Sie habe sich am Morgen jeweils kurz nach Sieben auf den Weg gemacht, damit sie die Schule rechtzeitig erreichte, erinnert sie sich. Ihre «Wanderung» führte der Riedhofstrasse entlang über weitgehend offenes Land. Begleitet wurde sie von zwei älteren «Gspänli». Eines davon war Fritz Meier, Vater von Fredi Meier, der heute im Rütihof den letzten Bauernhof betreibt. Ursula Kuhn ging gerne zur Schule: sie sei ein glückliches Kind gewesen und habe andere oft zum Lachen gebracht. Französisch war ihr Lieblingsfach in der Sekundarschule. Ihr Vater, Hans Schaub, betrieb in Höngg ein Fotoartikelgeschäft. Alte Klassenbilder und Schulhausfotos sind mit seinem Namen gezeichnet. Der zweite Weltkrieg ist tief im Gedächtnis von Ursula Kuhn verwurzelt. Auch weil im Rütihof die Familie Schaub unter den ersten war, die einen Radioapparat besassen. Sie erinnert sich, wie sie manchmal angstvoll in der Stube gesessen ist und Hitlers aggressive Reden mithörte. Einer ihrer Sekundarlehrer, Jakob Schnetzer, kommandierte während des Kriegs als Oberstleutnant ein Panzerbataillon und fehlte deshalb oft in der Schule. Die Schüler waren stolz auf ihren «Schnasi», erst recht als sie einmal einer Demonstration seiner Truppe in Höngg beiwohnen durften. Gefragt, was ihr an Unterschieden aufgefallen sei, als ihre Kinder rund 30 Jahre später zur Schule gingen, meint Ursula Kuhn, die Jungen hätten es schwieriger als sie gehabt, die Leistungsanforderungen seien in diesen Jahren deutlich gestiegen.

    Quellen:
    – Mitteilung Nr. 19 «Von der Bauernstube zur Gross-Schulhausanlage» von Reinhold Frei.
    – Ortsgeschichte Höngg von Georg Sibler
    Beide herausgegeben von der ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.

     

    Bisher erschienen
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5.2.2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    26.2.2015: Vogtsrain mit Wettingertobel
    12.3.2015: Das Schulhaus Rütihof
    26.3.2015: Riedhof-Pünten
    30.4.2015: Am Wasser
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch / Archiv

     

  • Schulen in Höngg, Teil 7: Am Wasser

    Schulen in Höngg, Teil 7: Am Wasser

    An den Ufern der Limmat entstanden im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Fabriken, welche die Wasserkraft als Energiequelle nutzten. Eine davon war die ab 1873 an der Ackersteinstrasse gebaute Seidenstoffweberei Höngg. Ein kurzer Kanal führte das Wasser ins Turbinenhaus, wo der Strom zum Betrieb der Maschinen erzeugt wurde. Heute gibt es im 1874 errichteten Gebäude im Obergeschoss einen Mehrzweckraum für die Schule, im Erdgeschoss ein Bistro mit Gartenrestaurant. Bis zum Ersten Weltkrieg war die Seidenstoffweberei Höngg eine der wichtigsten Arbeitgeberinnen der Region. Nach dem Krieg ging es mit der Textilindustrie bergab und so musste auch die Seidenstoffweberei Höngg ihre Tore schliessen. Das Areal blieb vorerst ungenutzt. 1942 kaufte es die Stadt auf und vermietete es fortan an Gewerbebetriebe. 1990 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, doch an Weihnachten 1992 zerstörte ein Grossbrand – dessen Ursache bis heute ungeklärt geblieben ist – erhebliche Teile der Anlage. Der Brand ermöglichte ein neues Kapitel in der Geschichte des Areals. Der 1996 aus einem öffentlichen Wettbewerb hervorgegangene Gestaltungsplan führte zu politischen Kontroversen, schliesslich aber zu einem Kompromiss im Gemeinderat. Denn Wohnungs- und Schulraumnot drängten. Im Jahr 2000 konnte das Schulhaus, 2002 die Siedlung Am Wasser mit 34 Wohnungen, einem Kindergarten und einem Hort bezogen werden. Das auf sechs Primarschulklassen angelegte Schulhaus gelangte wider Erwarten schnell an die Grenzen seiner Kapazität. Die starke Bautätigkeit entlang der Limmat in Höngg hatte viele Familien angelockt. Schon 2004 wurden deshalb auf der anderen Flussseite zwei Ersatz-Pavillons aufgestellt. Das Schulhaus «Am Wasser» bot mit der Erweiterung 2007 im Obergeschoss Platz für drei zusätzliche Klassen. Im Erdgeschoss wurden eine Bibliothek, ein Musikraum, ein Werkzimmer sowie die Räume für das Lehrerteam, die Schulleitung und die Hauswartung erstellt.

    Beziehungen als Basis für Lernprozesse

    Die 62-jährige Susanne Gauch ist seit 2004 Schulleiterin. Sie hat die Entwicklung der Schule «Am Wasser» massgeblich geprägt. Eindrücklich die «demografischen» Zahlen: Startete man im Jahr 2000 mit vier Klassen, zwei Kindergärten und zwei Horten, umfasst die Schule «Am Wasser» heute mit allen Aussenstationen fünf Kindergartenklassen, insgesamt zwölf 1. bis 6. Klassen und sechs Horte. Etwa zwei Fünftel der 365 Kinder kommen aus «Zürich West»; rund 80 Prozent besuchen an einem oder mehreren Tagen einen Hort. Susanne Gauch nimmt neben den «normalen» Schulleitungspflichten, die bereits in früheren Artikeln dieser Serie beschrieben worden sind, kein fixes Unterrichtspensum wahr. Die ehemalige Kleinklassenlehrerin vikarisiert bei Bedarf. Zudem entlastet sie das Lehrer-Team, indem sie die Betreuung von Kindern in Krisensituationen, bei denen ein Timeout angezeigt ist, bis zu einem halben Tag übernimmt – was immer wieder hohe Flexibilität fordert. Dass die Schulleiterin einen partizipativen Führungsstil pflegt und auf Kooperation setzt, wird bereits mit der Beschriftung «Teamzimmer» an der Türe des landläufig als «Lehrerzimmer» bekannten Raums deutlich. Ein Kernthema von Susanne Gauch ist die Beziehungsgestaltung. Sie ist der festen Überzeugung, dass stabile, von gegenseitigem Wohlwollen und Respekt getragene Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schülern unabdingbare Basis für gelingende Lernprozesse sind. Damit dies möglich wird, müssen alle Schnittstellen der Schule – die pädagogischen Stufenteams, die Elternarbeit, die Hortbetreuung, schulische Fachstellen und nicht zuletzt jene der Schulleitung zu den Lehrkräften – entsprechend gestaltet werden.

    Drei Bezugspersonen

    Die Schule «Am Wasser» nimmt denn auch am kantonalen Schulprojekt «Fokus starke Lernbeziehung» teil. Das Projekt will eine Antwort auf Nachteile des integrativen Unterrichts geben, der seit seiner Einführung die Zahl der Lehr- und Fachpersonen pro Klasse stark gesteigert hat – zu stark, wie viele Eltern, aber auch Experten meinen. Das Modell «Am Wasser»: Zwei Lehrkräfte teilen sich pro Klasse, abhängig von deren Bedarf, in 130 bis 180 Stellenprozente. Dazu kommt bei den meisten Kindern eine Bezugsperson im Hort. Um jeden Schüler – und dessen Eltern – bildet sich somit im Idealfall höchstens ein Trio von für ihn zuständigen Personen. Ausgebildete Heilpädagoginnen beraten punktuell und situativ Lehrkräfte und Betreuerinnen. Da das Projekt erst seit zwei Jahren läuft, fand noch keine der Öffentlichkeit zugängliche Evaluation statt.

    Ein besonderer Nachmittag pro Woche

    Eine weitere Besonderheit der Schule «Am Wasser» stellt der Projektunterricht am Dienstagnachmittag dar. Initiiert und konzipiert wurde das schulinterne Projekt von Käthi Mühlemann mit dem Ziel, zwei Lektionen pro Woche für die Begabungs- und Begabtenförderung einzusetzen. Der Projektunterricht am Dienstagnachmittag will nicht nur kognitive Begabungen fördern, sondern möglichst alle Intelligenztypen. Er bietet eine Alternative zu Ansätzen, die mit einer Auswahl von Hochbegabten arbeiten. «Wir wecken Neugier, Motivation, Interesse und Freude am Lernen», ein Leitsatz, der für alle gilt. Zur Organisation: Jede Lehrkraft der Schule «Am Wasser» bietet einen Kurs zu einem Thema aus den Bereichen Gestaltung und Musik oder Mensch und Umwelt an. Die Schüler wählen nach Neigung drei Angebote aus und werden danach klassen-übergreifend so verteilt, dass sinnvolle Kursgruppen entstehen. Die Unterrichtsformen sind das A und O für das Gelingen des Projektes. Kurze Fachinputs durch die Lehrkräfte und Kleingruppenarbeit wechseln sich ab. Die Schüler sollen, ihren Begabungen und Interessen angemessen, eigene Themen vertiefen können. Der Berichterstatter war in drei Kursen auf Stippvisite: Magnetismus, Gärtnern auf der Hardturmbrache sowie Ukulele-Unterricht. Er traf dabei auf eifrige, sich gegenseitig unterstützende und vergnügt arbeitende Schüler – und kam zum Schluss: Lernen und Üben macht besonders Spass, wenn Thema und Interesse zusammenpassen.

    Quellen:
    – «1934-2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg», von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg
    – Grünzeit Zürich, Juli 2007, Spielplätze
    – Architekturbericht Schulanlage „Am Wasser“ vom 5.12.2007
    – Medienmitteilung der Stadt Zürich vom 7.12.2007 zum Erweiterungsbau Schulhaus „Am Wasser“

     

    Bisher erschienen:
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5.2.2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    26.2.2015: Vogtsrain mit Wettingertobel
    12.3.2015: Das Schulhaus Rütihof
    26.3.2015: Riedhof-Pünten

     

  • Schulen in Höngg, Teil 6: Riedhof-Pünten

    Schulen in Höngg, Teil 6: Riedhof-Pünten

    Die topografische Aufnahme des Kantons Zürich von Höngg und Umgebung aus dem Jahre 1851 zeigt im Massstab 1:25 000 für den Weiler Riedhof gerade mal vier Gebäude. Vom möglichen Erstbesiedler des Riedhofs, dem 1579 zum Hofmeier von Höngg gewählten Rudolf Appenzeller, existiert ein zeitgenössisches Bild, auf dem auch vier Mondgesichter abgebildet sind. Der gute Mann berichtete nämlich am 14. Juni 1581, er habe in der Nacht zuvor, etwa um ein Uhr, gleichzeitig vier Vollmonde am Himmel gesehen und sich über «eine söllichte Heiteri verwundret». Man hielt ihn zwar für «ein wahrhaffter Man, der auch nüt vertrunken»! Ob aber Fata Morgana, spirituelle Erleuchtung oder Vollrausch – der reale Hintergrund dieser Geschichte blieb im Dunkeln. Nach dem Brand des Riedhofs 1888 entdeckte man in einem Haus die Jahreszahl 1560. Sofern diese Zahl den ersten Hausbau im Riedhof markiert, wird der Ort seit 455 Jahren bewohnt.

    Pavillonstruktur bald zu eng

    Die meisten Häuser zwischen Wieslergasse und Giblen wurden ab Ende der 50er- bis Mitte der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts errichtet. Die stark steigende Bewohnerzahl und der daraus resultierende Kinderboom führten zum Bau der Schulhäuser Imbisbühl, Pünten und Riedhof. Das in den Hang westlich des Wildenwegs eingebettete Riedhof-Schulhaus verteilt auf zwei räumlich getrennte, gleich grosse Trakte zwölf Klassenzimmer. Neun davon werden heute noch als Klassenzimmer genutzt; dazu gesellen sich Räume für Musik, Handarbeit, Werken und die Bibliothek. Die Schulanlage wird durch einen Doppelkindergarten oberhalb sowie durch eine Turnhalle auf der untersten Höhenlage ergänzt. Aktuell besuchen 375 Schüler die Schule Riedhof-Pünten, die zwölf Primarklassen, fünf Kindergartenklassen, drei Tageshorte und einen Mittagshort umfasst. Für das nächste Schuljahr ist ein weiterer Hort geplant, denn die Nachfrage nach dieser familienergänzenden Betreuungsform ist gross. Das Riedhof-Schulhaus wurde wegen seiner Pavillonstruktur Anschauungsobjekt für Architekturstudenten aus der ganzen Welt.

    Zwei Personen, 120-Prozent-Schulleitung

    Ursula Sâadi und Claudio Bernasconi bilden gemeinsam die Leitung der Schule Riedhof-Pünten. Sie sprechen dem über 50 Jahre alten Architekturkonzept eine erhebliche Bedeutung für den Schulalltag aus. Positiv hervorgehoben wird die Raumstruktur, die mit vielen Nischen gezielt Gruppenunterricht ermöglichen und eine Abkehr vom Frontalunterricht befördern will. Nachteilig auf die Anpassung an neue schulische Bedürfnisse wirken sich die strengen baugeschichtlichen Vorschriften aus. Wegen Platzmangels ist vorgesehen, ab 2016 auf dem Areal Unterrichtspavillons aufzustellen. Ähnlich wie im Vogtsrain ist auch im Riedhof Treppensteigen Alltag. Das Schulhaus ist aber, da es über keinen Lift verfügt, nicht rollstuhlgängig.
    Ursula Sâadi amtete bereits von 2002 bis 2011, zusammen mit dem mittlerweile pensionierten Marcel Ruppen, als Ko-Schulleiterin. Heute setzt sie rund 20 Stellenprozente für die Schulleitung ein und erteilt zudem Unterricht. Claudio Bernasconi kam 2012 ins Riedhof-Schulhaus und ist zu 100 Prozent als Schulleiter angestellt. Er hat kein festes Unterrichtspensum, sondern springt bei Bedarf auf allen Stufen ein. Zu seiner eigenen Überraschung hätten es ihm seine Einsätze im Kindergarten besonders angetan. Bei den Kleinen könne man nicht «spetten», das heisst Kinder auf andere Klassen verteilen, wenn die Lehrkraft ausfällt. Da müsse jemand hinstehen und übernehmen.

    Keine «Timeout-Struktur» nötig

    In der Schule Riedhof-Pünten hat eine flache Hierarchie Tradition. Lehrkräfte und Betreuungspersonen stehen sich im Alltag nahe. Der Umgang untereinander ist von Respekt und Offenheit geprägt. Auch ihm sei, so Claudio Bernasconi, als neuer Schulleiter ein Vertrauensvorschuss entgegengebracht worden, der einen guten Einstieg ermöglicht habe. Mit «Blauäugigkeit» dürfe ein solches Teamklima nicht verwechselt werden. Soziale Nähe bedeute hinschauen, wenn nötig kritisch nachfragen, Anteil nehmen, Verbesserungspotenzial suchen, Ziele vereinbaren und überprüfen. Respekt und Selbstbehauptung sind denn auch Schwerpunktthemen für das Schuljahr 2014/15. Eine Projektwoche mit klassenübergreifenden Angeboten wird dafür eingesetzt.
    Für Ursula Sâadi hat sich der Lehrerberuf in den letzten drei Jahrzehnten so entwickelt, dass man von einer neuen Profession sprechen müsse. Solistentum ist nicht mehr gefragt. Der stark individualisierte Unterricht werde in der Regel mit der Teamkollegin oder Fachlehrkräften gemeinsam vorbereitet und gestaltet. Jeder einzelne Schüler bringt ihm eigene Begabungen, eine andere Lernbereitschaft und einen individuellen Hintergrund mit. Dieser Heterogenität gerecht zu werden, sei die grosse Herausforderung der heutigen Schule. Eine mehrheitlich an ihren Kindern interessierte und kooperative Elternschaft unterstütze die Ziele der Schule, halten Sâadi und Bernasconi fest. Es gebe wenig disziplinarische Probleme, weshalb man auch keine besondere «Timeout-Struktur» aufgebaut habe.

    Ein Morgen im Kindergarten

    Zu Besuch bei der Kindergartenklasse von Rahel Ramsauer: 21 Räupli und Schmetterlinge sitzen um halb neun im Kreis. Mit einem Lied, das sie gekonnt am Klavier begleitet, sammelt die Lehrerin ihre Klasse für den Tag. Danach erklärt sie ihnen die Anwesenheit des Berichterstatters. Kaum haben die Kinder etwas von Zeitungsbericht gehört, melden sich die Forschesten unter ihnen für ein Foto. Nun geht es in Zweierreihen geordnet in die Turnhalle hinunter. Der zurzeit als Klassenassistent im Riedhof eingesetzte Zivildienstler, Jürg Läderach, hat bereits fünf Bewegungsposten aufgebaut. Es setzt ein munteres Treiben ein. Die Kinder klettern, springen, balancieren, versuchen Purzelbäume oder schwingen an Seilen durch die Luft. Gelegentlich klinkt sich ein Kind aus oder sucht Trost bei einer Lehrperson. Die meisten Kinder bewegen sich geschickt, keines fällt in seiner Motorik deutlich auf oder ab. Die Entwicklungsunterschiede unter den Kindern seien vor allem im Bereich sozialer Kompetenzen gross, erklärt auf dem Rückweg die Lehrerin. Es sei nicht einfach, allen stets gerecht zu werden. Aber sie liebe die Kinder und ihre Arbeit. Das ist aus Sicht des Schreibenden zentrale Voraussetzung für ein gutes Klassenklima und für gelingende Lernprozesse.

    Quellen:
    – «Das Neue Schulhaus» von Alfred Roth, Girsberger Zürich, 1961
    – «Ortsgeschichte Höngg» von Georg Sibler, herausgegeben von der Ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.
    – «1934–2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg», von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg

    Bisher erschienen:
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5.2.2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    26.2.2015: Vogtsrain mit Wettingertobel
    12.3.2015: Das Schulhaus Rütihof
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch / Archiv

 

 

 

  • Quartierverein Höngg: Bericht aus dem Vorstand, 3. März 2015

    Höngger Adventszauber

    Der Quartierverein Höngg (QVH) begrüsste Tiziana Werlen, die treibende Kraft hinter dem voraussichtlich dieses Jahr erstmals stattfindenden «Höngger Adventszauber», als Gast an der letzten Vorstandssitzung. Zusammen mit QVH-Vizepräsidentin und Mitorganisatorin Karin Keller informierte sie über den aktuellen Planungsstand, der sich folgendermassen umreissen lässt:
    Datum, Zeit: Donnerstag, 26. November, voraussichtlich von 18 bis 21 Uhr. Details: (Kurz-)Konzept, Anmeldeformulare, Teilnehmerlisten usw. werden auf www.zuerich-hoengg.ch publiziert und auf dem aktuellen Stand gehalten. QVH-Mitglieder dürfen anlässlich der Generalversammlung auf weiterführende Informationen gespannt sein. Organisation: Um die bereits an der parallel zum Wümmetfäscht stattfindenden Gewerbeschau stark engagierten HGH-Mitglieder zu entlasten, hat der QVH das Patronat für den «Höngger Adventszauber» übernommen. Bei Fragen sind Tiziana Werlen und Karin Keller unter der E-Mail-Adresse adventszauber@zuerich-hoengg.ch erreichbar. Presse: Der Vorstand des Quartiervereins nimmt mit Freude zur Kenntnis, dass der «Höngger» sich als Pressepartner für den «Höngger Adventszauber» zur Verfügung stellt.

    Vernetzungsanfrage des Quartiervereins Wipkingen

    Der Vorstand des QV Wipkingen (QVW) hat dem QVH eine «Vernetzungsanfrage» bezüglich der neuen Fahrpläne im ZVV gesandt. In der Anfrage ging es darum, dass die neuen Fahrpläne für die Jahre 2016/2017 aufgelegt werden und alle Interessierten bis zum 25. März 2015 Eingaben machen können. Der QVW beteiligt sich mit einer Eingabe und macht sich für den Viertelstundentakt ab Bahnhof Wipkingen stark. Der QVH-Vorstand hat das Anliegen diskutiert und einhellig die Unterstützung des QVW beschlossen.

    Quartierverein intern: Vorstand

    Heidi Mathys hat per Generalversammlung 2015 ihren Rücktritt aus dem QVH-Vorstand bekanntgegeben, woraufhin Alexander Jäger bezüglich eines an der aktiven Vorstandsarbeit interessierten SVP-Mitgliedes mit der Höngger Parteileitung Kontakt aufgenommen hat. Aus den Reihen von SP und GLP Höngg wurden bis dato noch keine Interessenten für ein QVH-Vorstandsamt nominiert.

    Eingesandt von Alexander Jäger, Präsident Quartierverein Höngg