Autor: tka_admin

  • Sechste Berufsmesse zeigte Teenagern rund 70 Berufe

    Sechste Berufsmesse zeigte Teenagern rund 70 Berufe

    In der Aula und den Werkräumen wurde für einmal weder gesungen noch gesägt, sondern an der eigenen Zukunft gearbeitet. Über 170 Oberstufenschülerinnen und -schüler der Schule Lachenzelg und erstmals auch der Sekundarschule Waidhalde und der Freien Oberstufenschule Zürich FOSZ besuchten die übersichtliche Berufsmesse mit 21 Ständen von Firmen und Institutionen, mit wenigen Ausnahmen alle aus Höngg.

    Ehrenamtliche Messeteilnahme der Firmen und Institutionen

    Judith Eschmann, Mitglied des Organisationskomitees des Elternrats der Schule Lachenzelg, erzählte, dass sich die teilnehmenden Firmen mehr Schüler und damit eine bessere Auslastung der Stände gewünscht hätten, da die Messeteilnahme doch ein beträchtlicher Aufwand sei, den die Firmen natürlich gerne, aber auch ehrenamtlich auf sich nehmen.
    So wurde die Sekundarschule Waidhalde angefragt und die Freie Oberstufenschule Zürich FOSZ, welche einige Schüler aus Höngg unterrichtet. Beide Schulen nahmen das Angebot gerne an. Die Schüler der FOSZ nahmen den Weg von Zürich-Affoltern nach Höngg gar unter die Füsse und spazierten mit Muskelkraft ins Schulhaus Lachenzelg.

    Lange Listen mit Fragen

    Von 13.45 bis 16.30 Uhr dauerte die Berufsmesse, die in Gruppen besucht wurde. So hatten die Teenager jeweils genug Platz und Zeit, um die Firmeninhaber, Angestellten und die ebenfalls zahlreich anwesenden Lehrlinge mit Fragen zu «löchern». Sie mussten sich im Voraus auf drei Berufe festlegen, die sie sich zu lernen vorstellen konnten, zwei weitere aus anderen Bereichen mussten sie sich ebenfalls aussuchen, um ein breiteres Bild der angebotenen Berufe zu erhalten. In den Händen hielten sie eine lange Liste mit Fragen, von denen sie sich einige aussuchen mussten – die wohl oft gehörteste war «Was verdient man in Ihrem Beruf?», gefolgt von «Was ist das Spannendste bei Ihrer Arbeit?».
    Die Ausstellenden wurden nicht müde, immer die gleichen oder ähnliche Fragen zu beantworten, schliesslich waren diese Informationen für jeden einzelnen anwesenden Teenager im Alter von 14 bis 15 Jahren wichtig.

    Zielstrebig wurden bestimmte Stände angepeilt

    Zielstrebig wurde etwa der Stand von Urs Kropf, Zimmermann, von der Kropf Holz GmbH, angepeilt, genauso wie der Stand der UBS-Filiale Höngg, die Kaufleute und Informatiker ausbildet. «Die Schülerinnen und Schüler sind oft etwas scheu und zaghaft – sind sie dann aber mal <aufgetaut>, dann haben sie viele Fragen und reden gerne», so der Tenor der Ausstellenden. Jörg Hanselmann, Geschäftsstellenleiter der UBS-Filiale Höngg, findet die Berufsmesse eine «super Sache»: «Es gibt so viele verschiedene Berufe hier, die den Schülern vorgestellt werden, dass sie einen guten Überblick bekommen. Viele Schüler haben das KV im Blick und suchen deshalb unseren Stand auf.»

    Wenn die Lehrlinge mit «Sie» angesprochen werden

    Noah von Fellenberg, im zweiten Lehrjahr als Augenoptiker bei He-Optik, freute sich, dass er von den Teenagern mit «Sie» angesprochen wurde – so kam er sich gleich noch erwachsener vor. Beobachten konnte man auch, dass die Schüler bei Lernenden weniger Hemmungen hatten, Fragen zu stellen. Genau aus diesem Grund nahmen einige Firmeninhaber und Institutionen ihre Lehrlinge mit oder überliessen nach einer Einführung gleich diesen den Stand – so dass frei von der Leber hinweg aus dem Lehr-Alltag erzählt werden konnte, was von den gut 170 Jugendlichen geschätzt wurde.
    Sandra Fioklu und Magali van Hecke, beides 2.-Sekundar-Schülerinnen der Schule Lachenzelg, waren gut vorbereitet und fanden, es sei wichtig, eine offene Perspektive zu haben: «Wir möchten hier ganz verschiedene Berufe genauer anschauen», so die beiden Mädchen.
    Organisiert wurde die Berufsmesse zum wiederholten Mal vom Organisationskomitee des Elternrates der Schule Lachenzelg, dem Judith Eschmann, Ruth Meister, Ali Yildiz und Carmen Fatam angehören. Für alle ist ganz klar, dass es auch im nächsten Jahr die Berufsmesse im Schulhaus Lachenzelg geben wird.

    Teilnehmende Firmen:
    Alterswohnheim Riedhof
    Apotheke im Brühl AG
    Centrum Drogerie AG
    Greb Sanitäre Anlagen
    Jaisli-Xamax AG
    Ref. Kirche Höngg
    Grisoni Klima Lüftung GmbH
    He-Optik
    Hebamme Kathrin Pfäffli
    Kneubühler AG
    Koller Metallbautechnik
    Kropf Holz GmbH
    Kieferorthopädie Christoph Schweizer
    Steiner Flughafebeck AG
    Velo Lukas GmbH
    Hairline for you
    Gasser Hoch- und Tiefbau
    ERZ
    ETH
    SBB
    UBS
    Alle an der Berufsmesse angebotenen Berufe aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen – es waren knapp 70.

  • Schulen in Höngg, Teil 5: Das Rütihof-Schulhaus

    Schulen in Höngg, Teil 5: Das Rütihof-Schulhaus

    Bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts umfasste der Kernweiler des Rütihofs gerade mal 14 Wohnhäuser, die Einwohnerzahl bewegte sich über lange Zeit um die 80 herum. Seither ist an Häusern und Menschen einiges dazu gekommen, der Quartierverein Höngg vermeldet auf seiner Website aktuell um die 4000 Einwohner. Das ruhige, naturnahe Quartier zog viele Familien mit Kindern an und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich aufgrund der wachsenden Kinderschar ein neues Schulhaus mit dem Einzugsgebiet Rütihof aufdrängte. Die Kinder aus dem Rütihof hatten zuvor stets lange Schulwege unter ihre Füsse nehmen müssen. Bis 1824 besuchten sie das Schulhaus am Wettingertobel, von 1824 bis 1928 das Schulhaus in Oberengstringen und danach, bis 1953, die Bläsi-Schulhäuser. Nur noch etwa halb so weit war der Weg für die jungen Rütihöfler ab 1953 ins Schulhaus Lachenzelg, ab 1963 ins Schulhaus Riedhof. Nach einem Architekturwettbewerb wurde das Schulhaus-Projekt Rütihof 1992 vom Zürcher Stimmvolk angenommen.
    Mit der Eröffnung im Jahr 1994 verbinden den Schreibenden persönliche Erinnerungen, trat seine Tochter doch in diesem Jahr im Rütihof in die erste Klasse ein. Sie hatte das Glück, die Unterstufe bei einer engagierten und liebevollen Junglehrerin besuchen zu dürfen. Kein Wunder, nannten viele ihrer Klassenkameradinnen wie auch sie selber als ersten Berufswunsch Lehrerin. Ihr damaliges Vorbild unterrichtet im Übrigen heute noch an der Schule Rütihof.

    Seit 21 Jahren eine Hönggerin in der Schulleitung

    Die 48-jährige Esther Zoller ist in Höngg an der Ottenbergstrasse aufgewachsen. Die Primarschule besuchte sie im Bläsi- und im Vogtsrain-, die Sekundarschule im Waidhalde-Schulhaus. Nach der Ausbildung zur Primarlehrerin am Seminar Unterstrass unterrichtete sie vorerst im Riedhof. Für die neue Schule am Rande des Rütihofs suchte der damalige Schulpräsident, Alfred Bohren, ein Team, das aus im Schulkreis bewährten und neu angestellten Lehrkräften gebildet werden sollte. Die anspruchsvolle, aber auch kreative Aufgabe, den Betrieb einer neuen Schule zu planen und vom ersten Tag an mit zu gestalten, reizte Esther Zoller. Mit Kollegen wechselte sie 1994 vom Riedhof in den Rütihof.
    21 Jahre später blickt sie mit Freude auf das Erreichte zurück. Bei der Eröffnung habe das Rütihof-Schulhaus mit seiner grosszügigen Aussenanlage − die Zeitungen schrieben 1995 von einem kleinen Stück Himmel und von einer Idylle – noch einer Baustelle geglichen. Erst ein Trakt war vollendet, der Platz knapp. Gerade dies habe die Bildung des neuen Schulteams beflügelt, denn man war aufeinander angewiesen, rückte zusammen und unterstützte sich gegenseitig. Für Esther Zoller ist dieser Pioniergeist bis heute lebendig geblieben und drückt sich in einem offenen, von Solidarität geprägten Teamklima aus. Das tägliche, gemeinsame Mittagspicknick im Lehrerzimmer sei eine wichtige «Station» im Tagesablauf. Seit dem Jahr 2002 wirkt sie zusammen mit Bettina Wyss als Schulleiterin, später stiess noch die dritte Ko-Schulleiterin, Agnes Weidmann, dazu. Das Trio teilt sich 120 Stellenprozente und trägt je die Verantwortung für Kindergarten, Unter- und Mittelstufe. Esther Zoller und Agnes Weidmann sind beide auch an der Pädagogischen Hochschule Zürich angestellt, wo sie Didaktik/Methodik unterrichten und als Mentorinnen für Junglehrerinnen wirken. Die Schule Rütihof ist Kooperationsschule der Pädagogischen Hochschule: Seit 2012 «üben» zukünftige Lehrkräfte im Rütihof und werden dabei von erfahrenen Lehrpersonen angeleitet.

    Etablierte Schüler-Vollversammlungen

    Zurzeit wird die Schule Rütihof von rund 350 Schülern besucht. Das Angebot umfasst zwölf Primarschulklassen, je zwei pro Jahrgang, vier Kindergärten und vier Horte. Der Schreibende begegnete der gesamten Schüler- und Lehrerschaft am 4. März anlässlich einer Schüler-Vollversammlung, die viermal pro Jahr in einer Turnhalle durchgeführt wird. Die «SVV» will das Gemeinschaftsgefühl fördern und stärken. Das Rütihof-eigene Schulorchester begleitet Lieder einzelner Klassen, die alle mitsingen dürfen, eine junge Geigensolistin spielt einen Czardas, eine Klasse zitiert Schulregeln, die das Motto «Ich bin wichtig für die Gemeinschaft, die Gemeinschaft ist wichtig für mich» unterstützen, eine 6. Klasse trägt vor, was sie als «Bläserklasse» der Musikschule Zürich gelernt hat. Die Freude an den Darbietungen ist spürbar. Das Ganze läuft ruhig und gelassen ab. Nach dreiviertel Stunden ist die SVV zu Ende, es folgt ein disziplinierter «Rückzug» ins Klassenzimmer. Im Kopf des Berichterstatters spielte ein 20 Jahre alter Film. Mit Rührung sah er seine kleine Tochter bei ähnlichen Schulveranstaltungen im gleichen Raum vor sich und staunte, wie kurz die Zeit erscheinen kann, die hinter uns liegt.

    Soziales Umfeld belastet den Unterricht

    Gefragt, was sich seit 1994 im Umfeld der Schule am stärksten verändert habe, nennt Esther Zoller den Zuzug von Familien in den Rütihof, die sozial belastet sind. Weil beide Elternteile arbeiten, damit das Familieneinkommen ausreicht, fehlen mancherorts Energie und Interesse für die Unterstützung der Kinder in der Freizeit oder in schulischen Belangen. Die Klassen seien schwerer führbar geworden. Auch die Rütihof-Schule setzt auf PFADE, das Programm zur Förderung alternativer Denkstrategien. Die Rütihof-Insel, in der Schüler zur Entlastung des Schulalltags eine Auszeit nehmen können, ist anders konzipiert als jene im kürzlich vorgestellten Schulhaus Vogtsrain: Aus dem Stellenplan der Schule wurden ausreichend Prozente für die Anstellung einer Lehrerin «extrahiert», die jederzeit in der Lage ist, Schüler für eine Stunde, einen halben oder einen ganzen Tag aufzunehmen. Die Insel-Lehrerin ist zudem für Aufgabenhilfe und die Begabtenförderung zuständig.

    ETH-Studie zu Physik-Unterricht

    An der Schule Rütihof haben musische Fächer einen hohen Stellenwert. Auf das bereits erwähnte, von einem Musik-Profi geleitete Schul-Orchester ist Esther Zoller besonders stolz. Mit einigem Schalk fragt sie, wieso es eigentlich einen obligatorischen Sporttag, hingegen keinen obligatorischen Musiktag gebe. Seit vier Jahren beteiligt sich die Schule aber auch an einer ETH-Studie, mit der geprüft werden soll, wie sich altersangemessener Physik-Unterricht ab Unterstufe langfristig auf Motivation und Kompetenz der Schüler in den naturwissenschaftlichen Fächern auswirkt. Es ist unverkennbar: Die Schule Rütihof will am Puls der Zeit bleiben.

    Quellen:
    – «Ortsgeschichte Höngg» von Georg Sibler
    – «Der Rütihof bei Höngg» von Georg Sibler, beide herausgegeben von der Ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.
    – «1934–2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg», von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg

    Bisher erschienen:
    15. Januar: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29. Januar: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5. Februar: Lachenzelg und Imbisbühl, die Oberstufe
    26. Februar: Vogtsrain mit Wettingertobel
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch / Archiv / Dossier Schulen Höngg

    Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u. a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.

  • Schulen in Höngg, Teil 4: Vogtsrain mit Wettingertobel

    Schulen in Höngg, Teil 4: Vogtsrain mit Wettingertobel

    Die Schulanlage Vogtsrain wurde in den Jahren 1970 bis 1973 in den steilen Hang neben den Vogtsrain gebaut, der vom ältesten noch erhaltenen Höngger Haus, dem 1506 errichteten Lehenshof des Fraumünsters, heute das Ortsmuseum, zur Kappenbühlstrasse führt. Den Namen verdanken Strasse und Schule zwei Bewohnern des früheren Hauses zum Kranz, die in Höngg im 18. Jahrhundert als Untervögte – heute spräche man von Gemeindepräsidenten – gewirkt haben. Wie Georg Sibler in seiner Ortsgeschichte Höngg festhält, war das Dorf seit 1384 eine Obervogtei der Stadt Zürich. In diesem Jahr kam es zu einer gröberen Schlägerei zwischen Weiningern und Klosterknechten aus Wettingen, wobei zwei Weininger getötet wurden. Das Kloster, das die Vogteirechte über Höngg seit 1365 innehatte, wurde zu einer hohen Busse verurteilt und verpfändete dafür das Dorf Höngg an Zürich. Da das Kloster die Busse nicht bezahlen konnte, wechselten die Vogteirechte zur Stadt. Streit zwischen frühen «Hooligans» ist also die Ursache für unsere gegenwärtige Zugehörigkeit zu Zürich. Bis Höngg mit der Eingemeindung 1934 seine rechtliche Eigenständigkeit endgültig verlor, sollten aber weitere 550 Jahre ins Land ziehen.

    Neue PFADE bei Disziplinarproblemen

    Aus der Vogelperspektive erinnert die Schulanlage Vogtsrain an ein kubistisches Gemälde. Das Gelände ist weitläufig, Treppensteigen Alltag. Die Schule Vogtsrain beherbergt Kindergarten-, Unter- und Mittelstufenklassen, Horte sowie eine Abteilung der Heilpädagogischen Schule der Stadt Zürich. Die beiden Schulleiterinnen, Heidi Zandbergen und Nora Borschberg, empfangen den Berichterstatter in der ehemaligen Hauswartwohnung – auf mittlerem Höhenniveau, gleich unterhalb des künstlichen Baums von Rolf Flachsmann aus farbigem Scobalit. Die Wohnung wurde umgebaut und mit einem Büro für die Schulleitung, einem Sitzungszimmer, einem Kleingruppenraum und der Ecke für eine Insel im Schulalltag ausgestattet. Die jeweils von einer Schulleiterin betreute «Insel» dient – in Absprache mit der verantwortlichen Lehrperson – als Rückzugsort für einzelne Schüler. Ein solches Time-out soll Schüler, Klasse und Lehrkraft vorübergehend entlasten und eine für alle Beteiligten schwierige oder gar explosive Situation entschärfen. Die Vorgehensweise steht exemplarisch für den offenen Zugang zu Problemen, wie ihn das «Vogtsrain» pflegt. Seit drei Jahren nimmt die Schule am Projekt PFADE teil: «Programm zur Förderung alternativer Denkstrategien». Das Programm zielt auf zwei Ebenen. In Bezug auf das Kind möchte man Problemverhalten verringern – sowohl gegen aussen gerichtetes wie Aggressionen, Ablenkbarkeit, tiefe Frustrationstoleranz, Unruhe als auch gegen innen gelenktes: Traurigkeit, Ängstlichkeit, sozialer Rückzug. Die damit verbundene Verbesserung des Selbstwertgefühls und der sozialen Kompetenzen hilft dem Kind, seine Lernbereitschaft und seine Leistungen zu erhöhen. Gleichzeitig trägt das Programm dazu bei, Disziplinarproblemen in den Klassen vorzubeugen und das Schulhausklima insgesamt zu verbessern. Damit werden Lehrkräfte entlastet und Burn-outs reduziert. Als Teil des Projektes hat jede Klasse unter dem Titel: «Unsere Schule – so soll sie sein?» eine eigene Regel erarbeitet, die Eingang in die Hausordnung der Schule Vogtsrain gefunden hat.
    Die Schulleitung beurteilt den Erfolg des PFADE-Projekts, das mit Weiterbildung für alle an der Schule Tätigen verbunden war, positiv. Der Aufwand habe sich gelohnt. Man verfüge nun im Unterricht und in der Betreuung über eine gemeinsame Sprache und über gemeinsame Handlungsstrategien. So werden bei Regelverstössen Konsequenzen mit Rücksicht auf die Unterschiedlichkeit von Personen und Situationen individuell ausgesprochen. Wichtig sei – neben der angemessenen «Sühne» – das Wiedergutmachen. Damit soll eine von Schuld entlastete Rückkehr in die Gemeinschaft ermöglicht werden. Für die Lehr- und Betreuungspersonen bestehe situativ selbstverständlich pädagogischer Spielraum.

    Balance aller Ansprüche

    Heidi Zandbergen und Nora Borschberg legen grossen Wert auf eine gute Vernetzung aller an der Schule Beteiligten. Sie haben in den letzten Jahren viel Zeit und Energie in den Aufbau eines fachlichen und persönlichen Austauschs zwischen Lehrpersonen, Hortleitungen, Schülern, Eltern, Fachstellen und Schulpflege investiert. Das Ziel, das alle verbindet: Die bestmögliche Förderung eines jeden Kindes gemäss seines individuellen Potenzials. Die Grundlage dafür stellt eine tragfähige Beziehung zu den unterrichtenden und betreuenden Personen dar. Man wolle so seinen Teil zur zukünftigen Gesellschaft beitragen und ist stolz darauf, auch ein Lehrbetrieb zu sein. Zurzeit werden in den Horten drei Lehrlinge zu Fachpersonen Betreuung ausgebildet. Die Schulleiterinnen sehen eine ihrer zentralen Aufgaben darin, für eine gute Balance zwischen den nach wie vor wachsenden Ansprüchen, die von aussen an die Schule getragen werden, und der Belastbarkeit ihrer Mitarbeitenden zu sorgen. Es brauche manchmal Mut, weniger zu machen und dadurch Verzettelung vorzubeugen. Aber es zahle sich aus: Viele langjährige Angestellte wie auch ihre eigene Zusammenarbeit weisen auf eine hohe Kontinuität hin.

    Der Elternrat als Schnittstelle

    Der 2008 ins Leben gerufene Elternrat bildet einen weiteren wichtigen Pfeiler dieser Vision von Schulgemeinschaft. Der 47-jährige Christian Knapp hat den Aufbau des Elternrates massgeblich mitgestaltet, war von Anfang an Vorstandsmitglied und wirkte später mehrere Jahre als dessen Präsident. Der Vater zweier Töchter im Alter von 13 und 15 Jahren ist in der Elektrobranche tätig. Als Kind besuchte er im Vogtsrain die Primarschule von der 1. bis zur 6. Klasse und erinnerte sich auch später gerne an diese Zeit zurück. Nach einigen «Wanderjahren» zog er mit seiner jungen Familie nach Höngg und als seine erste Tochter im «Vogtsrain» eingeschult wurde, suchte er einen direkten Bezug zur ehemaligen Lernstätte. Der fast zum selben Zeitpunkt getroffene Beschluss, die Elternarbeit an den städtischen Schulen zu institutionalisieren, bot Christian Knapp die Chance, sich an dieser Schnittstelle zu engagieren. 2008 entwarf eine Spurgruppe, an der er beteiligt war, das Reglement für die Zusammenarbeit der Schule Vogtsrain mit «ihren» Eltern. Es mussten funktionierende Strukturen aufgebaut und gleichzeitig zwei wichtige Aspekte berücksichtigt werden: Zum einen galt es, allzu hohen Erwartungen von Seiten der Eltern zuvorzukommen, zum anderen standen Befürchtungen der Lehrerschaft im Raum, Eltern könnten sich via Elternrat in methodisch-didaktische Belange einmischen. Das wichtigste Ziel aus Sicht des mittlerweile ehemaligen Präsidenten, zu dessen Erreichen das neue Gremium Wesentliches beitragen konnte: Nebeneinander wirken, ohne einander zu konkurrenzieren, damit die Kinder gerne in die Schule gehen – denn so lernen sie am besten. Allerdings wurde der Elternrat anfänglich von manchen Eltern nicht ernst genommen. Man vermutete hinter dem Ganzen eine Alibiübung. Nicht alle Vorurteile liessen sich abbauen. Christian Knapp zieht heute aber eine positive Bilanz zur Entwicklung der Elternarbeit im Vogtsrain, die von gegenseitigem Verständnis, Respekt und Wertschätzung geprägt sei. Das zeige sich auch immer wieder bei der Bewältigung von Problemsituationen um einzelne Schüler. Selber hat er mit dem Wechsel der zweiten Tochter in die Oberstufe sein Amt abgegeben. Wer sich von den vielfältigen Aktivitäten des Elternrats überraschen lassen will, braucht nur auf www.elternrat-vogtsrain.ch zu klicken.

    Quellen:
    – Ortsgeschichte Höngg von Georg Sibler, herausgegeben von der ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.
    – 1934–2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg, von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg.

    Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u.a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.

    Bisher erschienen
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5.2.2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch, Archiv, Dossier Schulen Höngg.

     

  • Quartierverein Höngg – Bericht aus dem Vorstand

    Quartierverein intern, neue Vorstandsmitglieder

    Wie bereits früher berichtet, ist es dem QVH-Vorstand ein Anliegen, dass alle im Gemeinderat vertretenen Höngger Parteien auch im QVH-Vorstand Einsatz nehmen. Aktuell sind weder die SP Zürich 10 noch die Grünliberalen Zürich Kreis 6 + 10 im QVH-Vorstand vertreten. Wegen Ressourcenmangel ist leider von den Grünliberalen eine vorläufige Absage für das kommende Vereinsjahr eingegangen. Hingegen ist man weiterhin im Gespräch mit der SP und hofft auf die Kandidatur einer an der aktiven Mitarbeit interessierten Persönlichkeit, die sich an der Generalversammlung vom 1. Juni den QVH Mitgliedern zur Wahl stellt.

    Geplante Fussgänger- und Fahrradüberführung «Am Wasser»

    Im Bereich «Am Wasser 108» soll die bergseitige Trottoirlücke mittels eines provisorischen Fusswegs geschlossen werden. Ein entsprechendes Projekt ist beim Tiefbauamt Zürich in Erarbeitung. Die Realisierung erfolgt, vorbehältlich der Bewilligungen durch die zuständigen Instanzen (Stadt und Kanton), voraussichtlich noch in diesem Jahr.

    Neuer Adventsanlass im November

    Der Vorstand des QVH hat die Idee von Tiziana Oberti Werlen aufgenommen, gemeinsam einen Adventsanlass zu planen. An der alljährlichen Koordinationssitzung Ende Januar wurden die Vertreterinnen und Vertreter der Höngger Vereine diesbezüglich informiert, der Puls gefühlt und erste Meinungen und Vorschläge gesammelt. Als Datum wurde der Donnerstag, 26. November 2015, festgelegt. Weitere Informationen zum «Adventszauber Höngg» folgen.

    Alexander Jäger, Präsident Quartierverein Höngg

  • Schulen in Höngg, Teil 3: Lachenzelg und Imbisbühl, die Oberstufe

    Schulen in Höngg, Teil 3: Lachenzelg und Imbisbühl, die Oberstufe

    Die Oberstufe der Volksschule Höngg hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Mit dem kantonalen Schulgesetz von 1832 wurden ab dem 7. Schuljahr getrennte Real- und Sekundarschulabteilungen eingeführt. Als eine der ersten Sekundarschulen im Kanton nahm Regensdorf 1834 den Betrieb auf. Sechs Schüler aus Höngg wanderten damals jeden Tag über den Berg. 1835 schloss sich Höngg mit mehreren Nachbargemeinden zu einem Sekundarschulkreis zusammen. Während vieler Jahre wurden die Höngger Sekundarschüler nun in Oberengstringen unterrichtet. Die Sekundarschule der beiden Gemeinden zog 1871 nach Höngg ins Schulgebäude am Wettingertobel, das sie ab 1883 – die Primarschule wechselte ins eben eröffnete Schulhaus Bläsi-B – ganz belegte. 1907 zügelte die Sekundarschule Höngg-Oberengstringen weiter ins Obergeschoss des neuen Schulhauses Bläsi A. Am Wettingertobel verstummten die Geräusche von spielenden, schwatzenden oder streitenden Schülern für 27 Jahre.

    Planung und Bau dauerten 20 Jahre

    Die Planung eines eigentlichen Oberstufenschulhauses startete die Gemeinde Höngg im Jahr 1933. Das Baugelände am Lachenzelg wurde gekauft, ein Planwettbewerb aufgegleist. Mit der Eingemeindung von Höngg im Jahr 1934 wurde es aber still um das Bauprojekt. Dafür kam das alte Schulhaus «Am Wettingertobel» nochmals zu Ehren (1934–1958). Infolge Schulraummangels nahm die Planung ab 1943 wieder Fahrt auf. Der Kreditantrag für die neue Schulhausanlage betrug 3,29 Millionen Franken und wurde 1951 vom Zürcher Stimmvolk bewilligt. Auf das Schuljahr 1953/54 konnte das Lachenzelg bezogen werden. Die elf Klassenzimmer waren von Anfang an belegt.
    1956 löste sich die Sekundarschule Oberengstringen von Zürich-Höngg. Im Zuge der rasanten Bevölkerungsentwicklung im Quartier wurde das Lachenzelg 1957 mit dem Bau der Schulhäuser Imbisbühl und Pünten zu einer architektonischen Einheit zusammengefügt.
    In den Jahren 2002 bis 2004 entstand das heutige Oberstufenzentrum Lachenzelg, das zurzeit zwölf gemischte 1. bis 3. Sek-A/B-Klassen, sowie eine 3. Sek A- und eine 3. Sek B-Klasse mit insgesamt 270 Schülern umfasst. 40 Angestellte unterrichten und betreuen die Schüler oder warten Schulgebäude und Anlagen.

    Sek heute, vielseitig für alle

    Valentin Vella, der 44-jährige Schulleiter, Vater dreier Söhne, empfängt den Berichterstatter in seinem Büro im ehemaligen Imbisbühl-Schulhaus. Die Türe ist verglast: der Schulleiter will für alle, die ihn aufsuchen, sicht- und erreichbar sein. Sein Amt trat er mit Beginn des Schuljahres 2003/04 an. Seit kurzem teilt er es mit seinem jüngeren Kollegen, Thomas Flückiger. An der Schule ist er seit 1996 tätig. Valentin Vella beschreibt sich als Person, die es liebt, mit offenen Situationen umzugehen. Er wisse nie genau, was ihn an einem Tag erwarte. Gerade heute seien zwei Lehrpersonen infolge Krankheit ausgefallen, da müsse er nach Ersatz suchen oder notfalls sogar selber einspringen. Ein Anwohner spaziert mit seinem Hund auf dem Areal, der Hauswart sucht ihn wegen eines Heizungsproblems, eine Lehrkraft möchte eine Situation mit einem schwierigen Schüler besprechen, besorgte Eltern rufen wegen der beruflichen Zukunft ihrer Tochter an: Nein, langweilig werde es ihm wahrlich nie. Zu den operativ-aktuellen kommen wichtige mittel- und langfristige Aufgaben hinzu: Schulische Qualitäts- und Teamentwicklung, Personalführung, Mitarbeiterbeurteilung, Schuljahrplanung, Projekte anstossen, begleiten, evaluieren, Beratung von Eltern mit Jugendlichen, die Probleme haben oder machen.
    Parallel zu seiner Funktion als Schulleiter wirkt Valentin Vella in einem Teilpensum von acht Stunden pro Woche als Co-Klassenlehrer in einer 1. Sek A/B. Der Schulleiter müsse stets am Puls des Schulgeschehens bleiben und wissen, was es heute bedeute, junge Menschen zu unterrichten. Das Projekt der gemischten Sek A/B empfindet er als Bereicherung. Wichtige Vorteile: Die Schülergemeinschaften aus der Mittelstufe bleiben erhalten, die Schwachen werden oft von den Starken mitgezogen und es gibt keine Häufung von Verhaltensauffälligen mehr. Selbstverständlich sollen auch die Leistungsstarken auf ihre Rechnung kommen, was mit den individualisierten Lehr- und Lernformen von heute insgesamt aber gewährleistet werden könne.

    Die Schule als Lebenswelt

    Das Lachenzelg sieht Valentin Vella als «Lebenswelt Schule», in der alle Beteiligten dazu beitragen, dass sie möglichst gewalt- und suchtfrei funktioniert und derart ihren Bildungsauftrag erfüllen kann. Ein Ausdruck dieses Geistes stellt das Projekt «BasU» dar: Betreuungsassistierter Unterricht, wobei Hortleiter bestimmte Aufgaben während des Unterrichts übernehmen und dadurch die Klassenlehrkräfte entlasten. Prävention wird im Lachenzelg grossgeschrieben. Bei Problemen mit Schülern setzt man zuerst – unter Einbezug der Eltern – auf Gespräche und verbindliche Zielsetzungen. Der Mittagstreff «Oase», der zwischen 11 und 14 Uhr von rund 130 Schülern besucht wird, gehört ebenfalls zur «Lebenswelt Schule». Neben dem Essen werden Hausaufgabenhilfe oder Hallensport angeboten, aber auch «töggelen» und «chillen» sind möglich. Für die Mitwirkung und Mithilfe der Eltern besteht ein Elternrat, für jene auf Schülerebene eine Schülerorganisation.
    Das Lachenzelg begleitet Schüler und deren Eltern in einem wichtigen Lebensabschnitt: Zwischen Kindheit und Erwachsenenwelt, zwischen spielerischem Erproben und dem Einstieg ins Berufsleben. Es gelinge praktisch immer, für die Schulabgänger eine Lehrstelle oder eine weiterführende Schule zu finden, sagt Vella. Dass sich viele Eltern aufgrund der gerade aktuell unsicheren Wirtschaftslage Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder machen, kann er trotzdem gut nachvollziehen.

    Erinnerungen einer Schülerin

    Die heute 39-jährige Claudia Meister besuchte die Sekundarschule im Lachenzelg von 1988 bis 1991. Aufgewachsen ist sie an der Winzerhalde. Schon früh zog es Claudia in die Höhe. Ihre Mutter habe sie zum Einkaufen in Höngg jeweils im Kinderwagen das Strässchen am Wettingertobel hinaufgestossen. Der Weg in die Primarschule im Imbisbühl und später ins Lachenzelg führte steil den Hang oberhalb der Werdinsel hinauf, danach über die Winzer- und die Limmattalstrasse. Sie ging ihn meist zusammen mit «Gspänli». Claudia erinnert sich an einen Trampelpfad, der von einem grimmig wirkenden und heftig kläffenden Boxerhund verteidigt wurde. Die Angst verlieh ihr Flügel! Gelegentlich hatte sie am Morgen ihren Kopf nicht bei der Sache und nahm die falschen Unterlagen für den Unterricht mit. Das führte dann ganz gemäss dem Motto «Wär kein Chopf hätt, hätt Bei» dazu, dass sie ihren Schulweg gleich noch zweimal absolvieren durfte. Von diesem «Fitnessprogramm» profitiere sie bis heute. Die Zeit in der Oberstufe kommt Claudia Meister rückblickend wie eine helle, heile Welt vor. Sie sei gerne in die Schule gegangen, sie liebte das Zusammensein mit ihren Schulkolleginnen. Und sie hat in der Sek eine Freundin fürs Leben gefunden. Das Lernen fiel ihr leicht; es war sozusagen das «Nebenprodukt» einer tollen Klassengemeinschaft. Entscheidend zu dieser guten Atmosphäre beigetragen hätten ihre beiden Klassenlehrer, Angelo Botti und Martin Keller. Obwohl sehr unterschiedlich, der eine impulsiv und übersprudelnd vor Ideen, der andere ruhig und gelassen, ergänzten sie sich in ihrer Wirkung auf gute Weise. Bei beiden seien Herzblut und Berufung für ihre pädagogische Tätigkeit spürbar gewesen. Mit leuchtenden Augen erzählt Claudia Meister von den vier Klassenlagern, die sie miterleben durfte. Dass es vier waren, lag an der Verschiebung des Schulbeginns während ihrer Sekundarschulzeit auf den Spätsommer; für sie dauerte die Oberstufe beinahe dreieinhalb Jahre! Kurzum: Das Lachenzelg hat für das spätere Leben von Claudia Meister eine tragfähige Basis bereitgestellt.

    Autor Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension, geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u.a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.

     

    Quellen:
    – Mitteilung Nr. 19 «Von der Bauernstube zur Gross-Schulhausanlage» von Reinhold Frei.
    – Ortsgeschichte Höngg von Georg Sibler
    Beide herausgegeben von der ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg.
    – 1934 – 2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg, von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg.

     

    Bisher erschienen:
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch, Archiv, Dossier Schulen Höngg

  • Schulen in Höngg: Teil 2, «Der Schulkreispräsident und die Schulpflege»

    Schulen in Höngg: Teil 2, «Der Schulkreispräsident und die Schulpflege»

    Der 59-jährige Urs Berger, Vater von drei erwachsenen Kindern, ist SP-Mitglied und seit dem Jahr 2000 Präsident des Schulkreises Waidberg, zu dem die Quartiere Höngg, Wipkingen, Unter- und Oberstrass zusammengefasst sind. Einige statistische Daten, der offiziellen Webseite entnommen: Im Schulkreis Waidberg werden täglich über 4500 Kinder und Jugendliche von mehr als 600 Lehrpersonen in rund 250 Klassen unterrichtet, betreut und gefördert. Der Schulkreis ist in 15 Schulen unterteilt. Eine Schule umfasst ein oder mehrere Schulhäuser, die zugeordneten Kindergärten und Horte. Eine Aufsichtskommission betreut und beaufsichtigt jeweils zwei bis vier Schulen. Sie besteht aus einem Präsidium und einer der Grösse der Schulen angepassten Anzahl von Mitgliedern der Kreisschulpflege. In Höngg gibt es zwei Aufsichtskommissionen. Höngg I betreut die Schulhäuser Lachenzelg, Riedhof-Pünten und Rütihof, Höngg II die Schulhäuser Am Wasser, Bläsi und Vogtsrain.

    Die Schulpflege entspricht dem Parteienproporz

    Der Schulpräsident wird alle vier Jahre durch direkte Volkswahl für sein Amt bestimmt oder darin bestätigt. Der «Volkswille» wird nicht durch ihn allein transportiert; ihm zur Seite steht die gemäss parteipolitischem Proporz zusammengesetzte Kreisschulpflege, die 25 Personen umfasst. In der Zusammenarbeit mit den Behördemitgliedern steht für Urs Berger das Verbindende im Vordergrund. Wie seine bisher 14 Jahre Amtszeit beweisen, funktioniert das im Schulkreis Waidberg gut, auch wenn ein Blick in die Bildungspapiere der Parteien, die sowohl in der Grundhaltung als auch bei einzelnen Positionen erhebliche Unterschiede ausweisen, eher das Gegenteil vermuten liesse. Wer sich für Details interessiert, findet diese in den jeweiligen Partei-Webseiten. Urs Berger betont, dass parteipolitische Differenzen im Arbeitsalltag eine untergeordnete Rolle spielen. Es bestehe bei den Schulpflegern ein grosses Interesse an den Belangen der Schule und an deren Gelingen. Eine wesentliche Bedeutung des Milizgremiums Kreisschulpflege sieht er im Engagement von Personen mit unterschiedlichen politischen, beruflichen, sozialen und familiären Hintergründen. Sie alle bringen aufgrund ihrer Sichtweise bestimmte Anliegen ein und konfrontieren die Schule damit.

    Verschiedenste zentrale Aufgaben

    Seine Tätigkeitsfelder gliedert Urs Berger in vier Kernbereiche. Mit der Zuteilungsfrage sehen sich Eltern, deren Kind ins Kindergartenalter kommt, und neu Zugezogene konfrontiert. Unterstützt durch das Sekretariat an der Rotbuchstrasse in Wipkingen ist der Schulpräsident dafür besorgt, dass jedes im Schulkreis wohnhafte Kind einen Platz in einer Schule und in einer Klasse erhält. Er ist gleichzeitig verantwortlich für die Anstellung von genügend Lehrkräften und Betreuungspersonal. 2014 wurden 190 Kinder mehr angemeldet als im Vorjahr. Bemerkenswert: Der Ausländeranteil im Schulkreis Waidberg ist am Sinken. Urs Berger führt dies zum einen auf Einbürgerungen zurück, zum anderen besteht ein Verdrängungseffekt durch steigende Mieten. Höngg und Wipkingen werden trendy!
    Die Mitglieder der Schulpflege begleiten, beurteilen und kontrollieren Schulleitungen, Lehrkräfte und Betreuungspersonen. Schulbelange werden unter der Leitung des Schulpräsidenten, im Beisein von Schulvertretungen, regelmässig in verschiedenen Gremien diskutiert. Schulische Qualitätsentwicklung und deren Sicherung ist dabei ein herausragendes Thema. Einige Zeit beanspruchen Einzelgespräche aufgrund besonderer Situationen in Schulen, Klassen oder mit Eltern.
    Schüler, Lehr- und Betreuungspersonen benötigen für ihr auftragsgemässes Zusammenwirken ausreichend Raum. Dieser Aufgabe nimmt sich der Schulpräsident in Kooperation mit der Fachstelle für Schulraumplanung und Immobilien Stadt Zürich an. Er berichtet von einem oft zähen Ringen, denn beim Thema Neubau, Renovation oder Umnutzung bestehender Räume treffen verschiedenste Interessen aufeinander. Erwähnt seien hier die Anliegen der Denkmalpflege, die Auflagen von Feuerpolizei und Gesundheitsschutz sowie die vom Zürcher Souverän beschlossene 2000-Watt-Gesellschaft, die speziell bei der Wärmedämmung der Schulhäuser als Kostentreiber wirken.
    Und nicht zuletzt amtet Urs Berger als Vize-Präsident der Schulpräsidentenkonferenz der Stadt Zürich, deren Vorsitzender Stadtrat Geri Lauber ist. Als oberste städtische Schulbehörde diskutiert und entscheidet sie über gesamtstädtische Rahmenbedingungen wie beim Projekt Tagesschulen, den Blockzeiten, der Gliederung der Oberstufe oder der Begabtenförderung. Dabei hat sie sowohl kantonale als auch städtische Vorgaben zu befolgen.

    Elternmitarbeit, ein zentrales Element

    Krisenmanagement gehört zu den zentralen Aufgaben eines Chefs und kann jeden seiner Tätigkeitsbereiche betreffen. Der Schulpräsident kommt dann zum Zug, wenn sich Konflikte vor Ort nicht mehr lösen lassen. Erfahrungsgemäss geschieht das am häufigsten an der Schnittstelle der Schule zu den Eltern. In der vor fünf Jahren institutionalisierten Elternmitarbeit sieht Urs Berger ein wichtiges und für beide Seiten hilfreiches Element. Mit guter, transparenter Kommunikation könne vielen Konflikten oder Missverständnissen zuvorgekommen werden.
    Ein grosses Anliegen ist Urs Berger, dass die Schule allen Kindern ermöglicht, ihr individuelles Potenzial auszuschöpfen. Gleichzeitig soll jede Schule auch «Spezialitäten» anbieten und darf sich damit von den anderen unterscheiden. Das drückt sich in besonderen Formen der Eltern-Mitarbeit und bei Angeboten wie Sport- oder Projektnachmittagen aus – ein Abbild sowohl eines heterogenen und sozial durchmischten Quartiers als auch von spezifischen Kompetenzen der Lehrkräfte. Darüber hinaus stellt die Volksschule für Urs Berger eine wichtige gesellschaftliche Klammer dar. Hier, wo alle sozialen Schichten zusammenkommen, könne ein toleranter Umgang mit Unterschiedlichkeit «trainiert» werden, mit dem jedes Schulkind den Platz findet, der ihm gerecht wird.

    Langeweile kommt nie auf

    Urs Berger erlebt seine Arbeit als Traumjob, als extrem spannende Aufgabe. Er treffe jeden Tag interessante Menschen, sehe in einzelne Klassen hinein und könne sich parallel dazu mit übergeordneten Fragestellungen befassen. Langweilig sei es ihm noch keine Sekunde geworden. Er werde von guten Leuten unterstützt und seine Familie gebe ihm den Halt und die emotionale Geborgenheit, die ihn bisher alle Belastungen, die sein Job mit sich bringt, habe bewältigen lassen.

    Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u.a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.

     

    Bisher erschienen:
    15. Januar: «Eine Reise durch vier Jahrhunderte»

  • Der «Limmatsprützer» auf dem Stauwehr wurde abgebaut

    Der «Limmatsprützer» auf dem Stauwehr wurde abgebaut

    Wer am Dienstagmorgen seinen Hund spazieren führte, joggte oder einfach seines Weges beim Stauwehr ging, bekam mit, wie der «Limmatsprützer» endgültig abgebaut wurde. «Der von Künstler Ruedi Müller konstruierte Limmatsprützer wurde als Kunst am Bau 1983 im Auftrage der Wasserversorgung errichtet. Seinen Namen erhielt die Einrichtung, weil das Windrad laufend Wasser hochpumpte, welches dann periodisch als kräftiger Strahl in die Limmat befördert wurde», so Marianne Locher, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit bei der Wasserversorgung der Stadt Zürich.

    Windrad hätte herabstürzen können

    «Wegen erneuter Funktionsstörungen erfolgte am 16. Februar 2011 die Demontage der Windradelemente per Helikopter. Grund dafür waren erhebliche Schäden an den Befestigungen und im Getriebe. Der «Limmatsprützer» war deswegen nicht nur funktionsuntüchtig, sondern er stellte ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar: Es drohte ein mögliches Herabstürzen des Windrades», so Marianne Locher.
    Die Sachlage rund um den gefährlichen Defekt wurde bereits 2013 bekannt gegeben. Dies führte zu einem eingehenden Informationsaustausch zwischen der Wasserversorgung und interessierten Kreisen. Etliche Reparaturversuche blieben erfolglos, so dass ein Abbruch unumgänglich wurde. Trotz intensiver Suche konnte keine zufriedenstellende Lösung gefunden werden, um den «Limmatsprützer» betriebssicher zu machen, weder in technischer noch in finanzieller Hinsicht.

    Regelmässig gewartet, mehrmals revidiert

    Das pinkfarbene Windrad und die Pumpvorrichtung wurden regelmässig gewartet, mehrmals revidiert und 1995, 2003 sowie 2005 umfassend instand gestellt. 2011 erwiesen sich in der Werkstatt die Schäden an der Konstruktion noch umfangreicher als angenommen. Die Überprüfung ergab, dass die mechanischen Bauteile einer stärkeren Windbelastung nicht standhalten konnten.
    Eine Analyse der Wasserversorgung und der damaligen Herstellfirma führten zu keiner Lösung. Ebenso verliefen die Gespräche mit dem Künstler und mit einem Hersteller von Windkraftanlagen ergebnislos. Auch deswegen konnte die überaus raffinierte, aber störungsanfällige Konstruktion nicht revidiert und sicherheitstechnisch nachgerüstet werden. Ein weiterführender Umbau hätte erhebliche Kosten verursacht und wäre darüber hinaus nicht im Sinne des Künstlers gewesen.
    «Die Wasserversorgung bedauert es ausserordentlich, dass die von der Höngger Bevölkerung hoch geschätzte Einrichtung leider nicht gerettet werden konnte», so Marianne Locher. Die Einzelteile des «Limmatsprützers» sind nun bei der Wasserversorgung der Stadt Zürich eingelagert – und wer weiss, vielleicht meldet sich ja «jemand mit viel Geld, der irgendetwas aus den Einzelteilen machen möchte».

     

  • Schulen in Höngg, Teil 1: Eine Reise durch vier Jahrhunderte

    Schulen in Höngg, Teil 1: Eine Reise durch vier Jahrhunderte

    Die meisten von uns haben einen gewichtigen Teil ihrer Kindheit in der Volksschule verbracht. Die unterschiedlichsten Lehrkräfte standen uns gegenüber. Wir liebten sie, wir hassten sie, sie begeisterten, sie langweilten uns. Wir fanden Freunde und trafen auf Feinde. Manche gingen mit Leichtigkeit und erfolgreich durch die Schule, anderen bekundeten Mühe mit dem Lernen oder fanden sich in der Klassenhackordnung weit unten. Erinnerungen an die Schulzeit verbinden und trennen, mit Sicherheit lassen sie uns aber nicht gleichgültig! Prägend für unseren weiteren Lebensweg war diese Zeit allemal.
    Die hier umschriebenen persönlichen Erlebnisse gründen auf einem ganz besonderen «sozialen System». Der Kindergarten-Eintritt beendet schlagartig den Vorrang des Privaten in der frühen Kindheit. Die Volksschule ist in hohem Mass ein öffentlicher und damit politisch bestimmter «Betrieb», dessen Ziele allerdings nicht einheitlich und eindeutig definiert werden können. Zur Schule gehören zwei grundsätzlich unterschiedliche Zielebenen. Zum einen die technokratische: die Schule als Organisation zur Steuerung von Lernprozessen, zum Erwerb von Qualifikationen, abgestimmt auf den jeweiligen Bedarf der Wirtschaft. Dazu kommt die Selektion aufgrund individueller Leistungsfähigkeit in den Kernfächern Sprache(n) und Mathematik – mit grossem Einfluss auf den zukünftigen sozialen Status der Schüler.
    Zum anderen die humanistische oder pädagogische Ebene: Hilfe an der Bildung eines jeden Menschen als Individuum, zur Entfaltung seines ganz persönlichen Potenzials, aber auch zur Übermittlung von moralischen, gesellschaftlichen und politischen Vorstellungen. Der Pädagoge, Philosoph und Politiker Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827), dessen Grossvater Andreas Pestalozzi als reformierter Pfarrer in Höngg gewirkt hat, formulierte seinen ganzheitlichen Ansatz mit der bekannten «Dreifaltigkeit» Kopf, Herz und Hand, die für Intellekt, Sitte und praktische Fähigkeiten steht. Dieser Spannungsbogen lässt sich nicht auf die eine oder andere Seite hin auflösen, ohne dass dabei Wesentliches verloren geht. Wirtschaft, politische Parteien, Zeitgeist und Medien haben seit jeher unterschiedliche Positionen zum Thema Schule und (Aus)Bildung vertreten oder propagiert. Die Auseinandersetzungen darüber verliefen und verlaufen stets emotional.

    Weniger Lohn als der Schweinehirt

    Begeben wir uns nun auf eine «Schulreise» durch die Vergangenheit: Eine Lohnzahlung an den Schulmeister Oth (Otto) Guldibeck, 1579 in der Kirchengutsrechnung Höngg vermerkt, ist der erste schriftliche Hinweis auf schulische Tätigkeiten in Höngg. Es gilt aber als sicher, dass schon einige Jahre vor 1579 in Höngg gelegentlich Schule gehalten wurde, denn dem Zürcher Reformator Zwingli (1484-1531) und seinem Nachfolger Bullinger (1504-1575) war es wichtig, dass das Volk die Bibel lesen lerne. «Dem Schulmeister syn lon» – ein Dauerthema bis zum heutigen Tag! Der Oth Guldibeck erhielt für ein halbes Jahr Schulmeisterei 2 Pfund, was, verglichen mit den 3 Pfund, die der Höngger Schweinehirt für ein ganzes Jahr bezog, nicht eben von grosser Wertschätzung für die Schule zeugt. Erst das kantonale Schulgesetz von 1832 erlöste die Lehrkräfte von der dörflichen Finanzwillkür. Immerhin, der Lehrer bekam noch ein Schulgeld, das ihm die Schüler jeden Montagmorgen abzuliefern hatten, und im Winter täglich das Schulscheit. Mit 100 Schülern im Winter kam er gut durch, mit nur gegen 30 im Sommer war er auf Nebenbeschäftigungen, unter anderem als Sigrist der reformierten Kirche, angewiesen. Unterrichtet wurde vorerst im Haus des Schulmeisters, in der eigenen, zur Verfügung gestellten Bauernstube. Wo diese ersten «Schulhäuser» standen, ist nicht bekannt. 1615 platzierte die Gemeinde das Schulzimmer dann im neuen Gemeinde- und Gesellenhaus Rebstock. Aber da «das Gesellenhaus und ein Schul sich so wenig wie als liecht und finsternuss zemen rymend», bemühte man sich beim Abt von Wettingen um die leerstehende Kaplanei am Wettingertobel. Mit einem Staatsbeitrag vom Grossmünsterstift, den die Höngger mit untertänigstem Dank in Empfang nahmen, entstand 1643 das erste Höngger Schulhaus. 1856 erweitert erfüllte es seinen Dienst bis 1907 und dann nochmals von 1934 bis 1958. Heute beherbergt das Wettingertobel einen Kindergarten, eine Klasse der heilpädagogischen Schule, einen Hort sowie Räume für das Musikkonservatorium und ist Teil der Schule Vogtsrain.

    Erst ab 1750 entstand, was heute noch ist

    Bis etwa 1750 standen die sogenannten unteren Schulen ganz im Dienste der kirchlichen Unterweisung. Es ging ums Lesen und Auswendiglernen, rechnen konnten die wenigsten. In der Stadt gab es Lateinschulen, die heutigen Gymnasien. Eine grundlegende Erneuerung erlebte die Schule, parallel zur Industrialisierung, durch den Einfluss von Aufklärern wie Rousseau oder Pestalozzi. Es entstanden Lehrerseminare, 1832 trat ein kantonales Schulgesetz in Kraft und 1874 wurde die obligatorische, unentgeltliche Primarschule in der Bundesverfassung verankert.
    Das Dorf Höngg entwickelte sich vom bäuerlichen Flecken unweit der Stadt Zürich zu deren Vorort, in dem Gewerbetreibende, Kaufleute, Beamte und Industriearbeiter die Bauernschaft bald in Minderheit versetzten. Die Bevölkerung und mit ihr die Schülerzahl wuchsen stetig. Diese Entwicklung spiegelt sich im Bau neuer Schulhäuser – eine kurze Aufzählung: 1883 wurde das vierzimmrige Bläsischulhaus (B) eingeweiht. Es lag westlich des heutigen Bläsischulhauses (A), das mit seinen neun Klassenzimmern 1907 den Dienst aufnahm. Das Bläsi B wurde 1977 abgetragen. Es folgten 1953 die Sekundarschule Lachenzelg, 1957 ergänzt durch die Schulhäuser Imbisbühl und Pünten, 1963 das Riedhof-, 1973 das Vogtsrain- und 1994 das Rütihofschulhaus. Das Schulhaus Am Wasser beschliesst im Jahr 2000 den Reigen der Höngger Schulhäuser. Alle Schulgebäude wurden und werden seit ihrer Eröffnung regelmässig neuen Bedürfnissen angepasst, erweitert, renoviert, umgebaut.

    Quellen:
    – Mitteilung Nr. 19 «Von der Bauernstube zur Gross-Schulhausanlage» von Reinhold Frei.
    – Ortsgeschichte Höngg von Georg Sibler
    Beide herausgegeben von der ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.
    – 1934-2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg, von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg.

    Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, zum Beispiel als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.

     

  • Umfrage Höngg: Ein Ergebnis ohne Folgen?

    Ende 2012 wurde unter dem Patronat des Vereins Handel und Gewerbe Höngg (HGH) die grosse Umfrage zum Thema «Höngg – quo vadis?» lanciert und im Januar 2013 durchgeführt. Der «Höngger» informierte später über die Ergebnisse (siehe Infobox).
    Die Arbeitsgruppe, welche jene Studie ausgearbeitet hatte, traf sich weiterhin unter dem nichtoffiziellen Namen «Netzwerk Höngg». Anfänglich von engagierten Personen aus dem Umfeld des HGH dominiert, stiessen Schritt für Schritt weitere aus anderen Höngger Vereinen, Institutionen und der Politik hinzu – alle nicht als offizielle Vertretung ihrer Organisation, sondern lediglich in Botschafterfunktion. Man wollte dabei und informiert sein, ohne sich gleich festzulegen.
    Zusammen wollte man die Voraussetzung schaffen, um die Bedürfnisse der Höngger Bevölkerung zu erkennen, den Austausch zu fördern und Aktivitäten zu koordinieren. Alles mit dem Ziel, die Besonderheiten und das Image von Höngg auch längerfristig positiv zu prägen.
    Vor diesem Hintergrund führten vier im Departement Wirtschaft der Kalaidos Fachhochschule Schweiz Studierende zwischen Juli und Ende August dieses Jahres im Auftrag des «Netzwerks Höngg» eine Online-Umfrage durch, um die Ergebnisse der ersten Umfrage zu präzisieren.

    Nicht repräsentativ, trotzdem wertvoll

    320 vollständig ausgefüllte Fragebögen konnten die Studierenden auswerten, was sie als «eine ordentliche Stichprobe» sehen, die aber «wissenschaftlich nicht als repräsentativ gewertet werden kann». Die Ergebnisse, ausgewertet in einer 29-seitigen Präsentation und einem 64-seitigen Marketingkonzept unter dem Titel «Stärkung des „Wir-Gefühls“ der Höngger Bevölkerung» sind trotzdem interessant.
    Als Fazit heisst es da: «Das Produkt- und Dienstleistungsangebot bildet das grösste Defizit, welches aber mit kreativen Lösungen angesprochen werden könnte» und weiter: «Fakt ist auch, dass die Bevölkerung sich mit dem Quartier identifiziert. Die Einwohner sind grundlegend mit Höngg und der gebotenen Wohnqualität zufrieden.» Verbesserungen seien jedoch für die Altersgruppe 25 bis 50 nötig: «Hierzu müssen kreative Einkaufsmöglichkeiten geboten, die Verkehrssituation angegangen und die Strukturen und das Marketing gefördert werden.»
    Die Datenauswertung ergab weiter, dass die Wohnqualität der wichtigste Einflussfaktor auf die Zufriedenheit ist – in Höngg wird die Wohnqualität sehr geschätzt. Die Studierenden folgern, dass dies vermarktet werden müsste. Die Quintessenz sei, die Bevölkerung auf die bestehenden, gebotenen Stärken zu sensibilisieren und mit der Redensart «Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah» zu konfrontieren.

    Die Studie verrät im Detail auch anderes

    So zeigen zum Beispiel «Wortwolken» − Ansammlungen von Wörtern, in denen häufig genannte Begriffe grösser erscheinen als andere −, grafisch auf, wo Höngg der Schuh drückt. Auch wenn die Erkenntnis nicht neu ist, aber es stechen die Worte «Meierhofplatz», «Verkehr», «Verkehrssituation», «Zentrum» und «fehlt» hervor. Auf der Positivseite sind es dafür Begriffe wie «Lage», «Nähe», «Wald», «Aussicht», «Stadt», «Limmat», «Werdinsel», «Hönggerberg», «Dorfcharakter» und Ähnliches. Ebenfalls in Wortwolken wird aufgezeigt, wie aus Sicht der Antwortenden die Verbundenheit mit Höngg weiter gesteigert werden könnte. Hier stechen die Begriffe «Vereine», «Kinder», «Restaurants», «Cafés», «Einkaufsmöglichkeiten», «Meierhofplatz», «Junge» und «Treffpunkt» hervor. «Der Meierhofplatz», so werten die Studienverfasser aus, «wird von den meisten als Kernproblem genannt.» Als Massnahme wird angeregt, den Platz allgemein «politisch im Fokus zu behalten» oder, etwas konkreter, es seien «autofreie Sonntage, abends Tempo 30 und bauliche Massnahmen» zu prüfen. Doch zu diesen Problemzonen ist die Stadt Zürich im Rahmen des «Mitwirkungsprozesses Verkehr Kreis 10» seit längerem am Abklären, ohne bislang greifbare Ergebnisse liefern zu können (siehe «Höngger» vom 20. November 2014).

    Ideen und Massnahmen, aber kein «Netzwerk Höngg»

    Die Kalaidos-Studie nennt in einigen Bereichen interessante Lösungsansätze. Das daraus abgeleitete Marketing-Konzept der Studierenden hält zu Recht fest, dass Höngg ein hervorragendes Fundament für den zukünftigen Erfolg als Vorzeigebezirk in Zürich hat und sicherlich nicht in einer schlechten Verfassung ist. Sie empfehlen, «einen Dachverband zu schaffen, welcher sich nicht an konkreten „Mikro-Zielwerten“ orientiert wie eine Partei oder ein Handel- und Gewerbeverein, sondern sicherstellt, dass übergreifende Marketingmassnahmen weiter vorangetrieben werden und konkrete Massnahmen nach aussen getragen werden».
    Doch Höngg steht nun wie bereits nach der HGH-Umfrage vor der Frage, wer sich an die Umsetzung dieser Ziele macht. Und mit welcher Legitimation. Dies zu klären, war das Ziel des «Netzwerks Höngg». Doch die Geschichte kam anders. An zahlreichen Sitzungen wurde über Sinn, Zweck und Zusammensetzung des als Verein geplanten Netzwerks gerungen. Dabei war die Skepsis, um nicht zu sagen Angst, der beiden grossen Höngger Vereine − des Quartiervereins und des HGH – vor einer Konkurrenzorganisation unüberhörbar. Schliesslich einigte man sich darauf, das Netzwerk als «Think-Tank» zu verstehen, der lediglich Bedürfnisse aufgreift, thematisiert und jene vernetzt, welche bereit sind, etwas umzusetzen Doch auch dagegen entstanden Bedenken. Als sich dann auch noch die beiden letzten Botschafter des HGH aus dem kurz vor der offiziellen Vereinsgründung stehenden «Netzwerk Höngg» zurückzogen, war die Luft draussen. Ein auf den 20. November angesetzter Podiumsabend wurde kurzfristig abgesagt. An der letzten Sitzung am 4. November wurde von einzelnen Privatpersonen und Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik geäussert, man wolle einzelne Massnahmen auf anderer Ebene thematisieren und konkretisieren. So zum Beispiel einen Weihnachtsmarkt oder einen eigentlichen Dorfplatz. Auch hat der Botschafter des Quartiervereins (QVH) angekündigt, dass gewisse Ideen auch vom QVH weiter verfolgt werden können.

    Die Studienergebnisse und das daraus abgeleitete Marketingkonzept sind hier abrufbar.
    Die Artikel zur HGH-Umfrage und andere zum Themenbereich sind im Dossier «Höngg – Quo vadis?» unter www.hoengger.ch, Archiv, Dossiers abrufbar.

  • Kommentar: Naiv und trotzdem richtig

    Kommentar: Naiv und trotzdem richtig

    Und heute, nach zwei Jahren? Was hat es gebracht? Ich bin weniger naiv. Und ja: auch persönlich enttäuscht. Dass die Idee einer neutralen Organisation wie dem «Netzwerk Höngg» scheitert, war im Nachhinein betrachtet vorhersehbar. Aber genau da liegt in Höngg wie andernorts auch seit vielen Jahren das Problem: Auf den Verdacht hin, etwas sei «vorhersehbar», wird es gar nicht erst versucht. Bloss, damit kommt man nirgends hin. Man bleibt stehen – und zurück, denn das Umfeld zieht weiter. Ich glaube nicht, dass mich meine Erinnerung täuscht, wenn ich einen Satz zitiere, den ich eigentlich furchtbar finde: «Früher war das besser». Aber heute? «Man» nennt fehlende zeitliche oder finanzielle Ressourcen als Grund, etwas nicht anzugehen. Oder ist es der fehlende Mut zur Veränderung?
    Was ich ganz persönlich bedaure ist, dass mit den beiden Umfragen und den Artikelserien dazu in Höngg Fragen aufgeworfen und gewisse Erwartungen geweckt wurden, die nun niemand beantwortet und erfüllt. Und der «Höngger» war, vielleicht über seine Informationspflicht hinaus, Verkünder der zweifelhaften Botschaft. Asche auf mein Haupt, dafür entschuldige ich mich bei allen, welche sich die Zeit nahmen, um die Umfragen zu beantworten. Bei allen, die sich ein lebendigeres Höngg wünschen. Aber als Meilensteine auf einem Weg, der vielleicht – von wem auch immer – dereinst weiter begangen wird, waren beide Umfragen wichtig.

    Was mir bleibt ist, jenen Menschen zu danken, die sich in der Arbeitsgruppe des HGH und dem «Netzwerk Höngg» bis zuletzt engagiert haben: Ihr habt es zumindest versucht, ihr habt viel Zeit und zum Teil auch Geld investiert, ihr habt heftig diskutiert, kreative Ideen gesponnen, wieder verworfen und nicht aufgegeben. Erst ganz am Schluss und auch da nicht alle. Nein, das «Netzwerk Höngg» ist nicht tot, aber es liegt auf der Intensivstation – und das Pflegepersonal ist abgewandert oder im Bummelstreik. Ich hoffe, die eine oder andere Massnahme wird doch noch umgesetzt. Ich denke da an die Idee Dorfplatz oder an den Weihnachtsmarkt. Eines ist sicher: Ich werde mich – naiv hin oder her − persönlich für das eine oder andere Projekt weiter engagieren und der «Höngger» ist jederzeit bereit, um für alles, das sich konkretisiert, die unabhängige Medienplattform zu sein.
    In diesem Sinne wünsche ich allen Hönggerinnen und Hönggern eine versöhnliche Adventszeit!

    Fredy Haffner, Verlagsleiter Quartierzeitung Höngg GmbH