Laut Medienmitteilung der Stadt Zürich will die Altersstrategie 2035 optimale Rahmenbedingungen schaffen, damit die Menschen in der Stadt Zürich auch im Alter selbstbestimmt und nach ihren individuellen Bedürfnissen leben können. Eine 2023 erstmals durchgeführte Befragung von rund 4500 Zürcher*innen ab 65 Jahren gibt Anhaltspunkte, wie altersfreundlich Senior*innen die Stadt Zürich wahrnehmen. Rund 2500 zurückgesendete Fragebogen mit Angaben zu verschiedensten Lebensbereichen zeigen ein starkes Interesse der älteren Bevölkerung, sich in die städtische Alterspolitik einzubringen.
Lebensqualität im Quartier ist wichtig
Die Mehrheit der Befragten lebt gerne in Zürich und schätzt die Stadt als grundsätzlich altersfreundlich ein. Besonders zufrieden sind die Senior*innen mit der Gesundheitsversorgung, dem öffentlichen Verkehr, den Beratungs-, Betreuungsdiensten und mit dem Freizeitangebot. Auffallend ist die starke Verbundenheit der älteren Menschen mit ihrem Wohnquartier: Die meisten Befragten finden hier alles, was sie im Alltag brauchen. Mehr als die Hälfte (58 %) würde im Falle eines Umzugs nur innerhalb des gleichen Quartiers umziehen wollen, weitere rund 21 % bevorzugen den gleichen Stadtkreis.
Viele Senior*innen sind integriert und engagiert
Wie der Medienmitteilung zu entnehmen ist, sind viele Senior*innen sozial gut eingebunden. Sie erhalten in ihrem Umfeld vielfältige Hilfeleistungen und bieten diese auch selbst an, am häufigsten innerhalb der eigenen Familie, aber auch in der Nachbarschaft oder unter Freund*innen.
Gleichzeitig ist auch die ältere Bevölkerung mit dem Thema Einsamkeit konfrontiert. Die Häufigkeit von Einsamkeit entspricht den Werten der Schweizer Gesamtbevölkerung ab 15 Jahren (Gesundheitsbefragung 2022). In ihrer Freizeit gehen die älteren Stadtzürcher*innen einer Vielzahl von Aktivitäten nach. Mehr als ein Viertel der Befragten leistet schon heute Freiwilligenarbeit und über 40 Prozent der 65- bis 79-Jährigen können sich vorstellen, zukünftig Freiwilligenarbeit zu leisten.
Unterschiede bei Information und Digitalisierung
Obwohl viele Angebote und einige Anbieter*innen im Altersbereich bekannt sind – so auch die 2020 im Rahmen der Altersstrategie etablierte Fachstelle Zürich im Alter – fühlen sich noch nicht alle Befragten gut über die verfügbaren Angebote informiert. Grosse Unterschiede zeigen sich in der grossen Gruppe der über 65-Jährigen auch in der Mediennutzung. Ein beträchtlicher Teil wünscht sich bei der Nutzung neuer, digitaler Technologien mehr Unterstützung.
Hinweise auf wichtige Handlungsfelder
«Die erste Altersbefragung bestätigt, dass die Altersstrategie 2035 auf die richtigen Themen fokussiert», freut sich Andreas Hauri, Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartements. Die Rückmeldungen zeigen zudem auf, wo die Stadt ihre Bemühungen fortsetzen oder verstärken kann.
Dazu gehört allen voran der weitere Einsatz für geeigneten Wohnraum für Senior*innen. Essenziell bleiben auch die Unterstützung und Pflege zuhause sowie die Entlastung pflegender Angehöriger. Die Stadt will in den Quartieren aktiv bleiben und die Information der Senior*innen über das Altersangebot weiter stärken.
Die Altersbefragung ist eine von 44 Massnahmen zur Umsetzung der Altersstrategie 2035. Im Herbst dieses Jahres wird der Stadtrat einen Bericht über den Fortschritt nach vier Jahren Umsetzung der Altersstrategie vorlegen und einen Ausblick auf die nächste Phase geben.
Es war ein besonderer Event im «Astra Kitchen & Bar» in Zürich: Im Fokus stand Maison Bercoula, das neue Weinhaus im Wallis, das mit Höngg verbunden ist. So suchte die «Wein-Ikone» Gérald Clavien unlängst eine Nachfolgelösung für seine Rebberge in Miège und Sierre und fand diese dank den beiden Freunden, dem Höngger Winzer Urs Zweifel und seinem Kollegen Amédée Mathier, Nachfahre einer der ältesten Weinfamilien der Schweiz.
Diese nutzten die Gunst der Stunde, gründeten eine Firma und benannten sie nach der bekanntesten Weinlage des Guts, «Maison Bercoula». Insgesamt sind es fünf Hektaren, darauf gedeihen die Sorten Petite Arvine, Heida, Sauvignon Blanc, Chardonnay, Pinot Gris, Humagne Blanc, Humagne Rouge, Pinot Noir und Syrah.
Bereits beim traditionellen Neujahrs-Apéro von Zweifel 1898 machte Walter Zweifel die «Expansion» ins Wallis publik. Die Weine sollen das Walliser Herz und den Zürcher Geist vereinen.
Eine Reise beginnt
Insgesamt 16 Weine standen beim Wine-Tasting auf dem Programm: Urs Zweifel und Amédée Mathier nahmen ihre Gäste mit Anekdoten auf eine Reise mit, die beim Weisswein, dem Bercoula Chardonnay & Sauvignon Blanc begann, dessen Frische der ideale Auftakt war. Beim Petite Arvine wurden gleich zwei Jahrgänge serviert (2022 und 2023), auch der Heida Paien 5 durfte nicht fehlen, alle aus der Bercoula-Linie.
Die Clavien-Linie bot ebenfalls erwähnte Sorten an, dazu den Clavien Humagne Blanc, der als elegant beschrieben wurde. Es handle sich um einen sogenannten «Wöchnerinnen-Wein», wie Amédée Mathier erzählte. Im Wallis werde der Mutter nach der Geburt eine Flasche dieses Weines geschenkt.
Der einzige Rosé des Abends, der Clavien Dôle Blanche, stand den Weissen in Nichts nach. Bis die Roten kamen: Freude bereiteten sie alle, der Humagne Rouge & Syrah 4, der Clavien Pinot Noir, der Clavien Syrah und der Clavien Humagne Rouge. Doch es war der Mocioto Assemblage Rouge, der tiefrot für Aufsehen sorgte. Der kräftige Körper hat Aromen von Himbeere und Erdbeere. Ein Gast meinte, er wolle das Glas nicht mehr loslassen.
Walter Zweifel sagte an diesem Abend in seiner Ansprache, dass er und sein Bruder Urs stets die Philosophie verfolgen, die Tradition mit der Moderne zu verbinden. Das Maison Bercoula verkörpert dies perfekt.
Für die Elektrifizierung der Busline 69 werden im Bereich Milchbuck und Emil-Klöti-Strasse respektive Tièchestrasse, im Abschnitt Bucheggplatz bis Gsteigstrasse, eine neue Fahrleitung und die dafür notwendigen kombinierten Masten für die Fahrleitung und öffentliche Beleuchtung erstellt. Im Bereich der Gsteigstrasse wird ein neuer Gleichrichter gebaut.
Die Bauarbeiten beginnen am Montag, 17. Juni, und dauern voraussichtlich bis Ende April 2025, wie der Baustellen-Information des Tiefbauamtes der Stadt Zürich zu entnehmen ist. Die Zufahrten zu den Liegenschaften sind gewährleistet.
Damit der Verkehr nicht zu stark beeinträchtigt wird, muss ein Teil der Arbeiten in der Nacht ausgeführt werden. Die Daten für die Nachtarbeiten werden, sobald bekannt, online publiziert: www.stadt-zuerich.ch/buslinie69
Das Wohnhaus an der Imbisbühlstrasse 12 hebt sich deutlich von den Häusern in der Nachbarschaft ab: Während rundherum die Gebäude klassisch verputzt sind und relativ einheitliche Fassaden in pastellartigen Farben wie Gelb und Rosa aufweisen, präsentiert sich die Imbisbühlstrasse 12 in einem dunklen Grau, glatt und glänzend.
Städtisch wirkt es und modern. Modern ist diese Fassade tatsächlich – sie besticht nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch, weil sie Energie liefert: Sie besteht komplett aus Photovoltaik-Modulen.
Diese Module wurden vor zwei Jahren in die Fassade integriert: Damals liess der Hausbesitzer, Walter G., das Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen und einem Coiffeur-Betrieb in bewohntem Zustand energetisch sanieren. «Bei der Sanierung wurde die Wärmeisolierung des Hauses, die zuvor nur wenige Zentimeter dick war, durch eine Dämmung von rund 20 Zentimetern ersetzt. Auch die Fenster haben wir ausgetauscht», erklärt Walter G. der «Höngger Zeitung».
Anschliessend wurde die bestehende Eternit- durch eine Solarfassade ersetzt. Auch auf dem Flachdach des Gebäudes wurde eine PV-Anlage installiert.
Rund 2 000 000 Franken hat die Sanierung gekostet, doch aus energietechnischer Sicht hat sie sich auf jeden Fall gelohnt. Mit der Renovierung hat nämlich der Energiebedarf des Wohnhauses deutlich abgenommen: von fast 120 000 Kilowattstunden pro Jahr auf nunmehr nur noch rund 45 000, der Verbrauch ist also um fast zwei Drittel gesunken.
Zu 57 Prozent selbstversorgend
Der verbleibende Bedarf kann jetzt zu einem grossen Teil selbst produziert werden. Denn allein die Fassade liefert rund 14 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, die Anlage auf dem Dach produziert zusätzlich rund 12 600 Kilowattstunden jährlich. Damit ist das Gebäude in der Lage, rund 57 Prozent des Stromverbrauchs selbst zu decken.
Was nicht für den Eigenbedarf in den Wohnungen verwendet wird, geht einerseits in den Betrieb der Erdsonden, die für die Beheizung der Räumlichkeiten zuständig sind. Die übrige Energie wird in das Stromnetz der EWZ eingespeist. Zudem wurden in der Garage Ladestationen für Elektroautos installiert, eine davon wird bereits genutzt.
Neben den Photovoltaik-Elementen wurden auch thermische Module auf dem Hausdach installiert, die für Warmwasser sorgen. Sie dienen der Regeneration der Erdsonden und speisen warmes Wasser in die Leitungen des Hauses ein.
Auszeichnung für die besondere Fassade
Für diese umfangreichen Massnahmen wurde das Haus im Februar mit dem Diplom des Schweizer Solarpreises 2023 ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wird von der Solaragentur alljährlich an «wegweisende Neubauten und Bausanierungen» vergeben, die «architektonisch und energetisch optimal konzipiert sind».
Ein ganz besonderes Haus also – und das nicht nur optisch und energetisch, sondern auch architektonisch. Denn, so erklärt der Bauherr nicht ohne Stolz: «Häuser, deren ganze Fassade aus PV-Modulen besteht, finden sich in Zürich erst sehr wenige.»
Es sei der erste Schritt aus der Einsamkeit im Alter, schreibt der Verein Silbernetz Schweiz auf seiner Website. Gemeint ist das Angebot «malreden», das ein «Gespräch für zwischendurch» anbietet; eine telefonische Hotline, die den Wunsch zum Reden erfüllen kann. Wie der Verein weiter schreibt, habe dabei alles Platz: ob Plaudern, Erzählen oder intensives Diskutieren. Die Hotline ist täglich von 9 bis 20 Uhr anonym, vertraulich und kostenlos erreichbar. Die Gesprächspartner*innen arbeiten ehrenamtlich und werden von Fachpersonen geschult und begleitet.
Langfristige Gesprächspartnerschaft
Das Angebot hat offenbar Erfolg: Laut dem Verein Silbernetz Schweiz wurden im vergangenen Jahr 6930 Gespräche geführt, was einer Zunahme von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese Zunahme zeige, so der Verein, dass die Hotline einen wichtigen Beitrag zur Förderung des sozialen Austausches leistet und einem Bedürfnis entspricht.
Neben der gestiegenen Anrufzahl wurden im selben Zeitraum 21 neue Telefontandems gebildet, was die Erwartungen weit übertroffen hat. Das «Malreden-Tandem» bietet den Seniorinnen einen regelmässigen Austausch an: Einmal pro Woche werden Sie von ihren Telefonfreundinnen, die ähnliche Interessen und Hobbys haben,n angerufen. Das Angebot setzt auf Regelmässigkeit, Verbindlichkeit und Vertrautheit. So entstehe eine langfristige Beziehung, die wiederum für Halt und Struktur sorge.
Für die emeritierte Psychologieprofessorin und Präsidentin des Vereins, Pasqualina Perrig-Chiello, ist es laut der Medienmitteilung daher klar: «Einsamkeit ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabu- und Schamthema. Erfreulicherweise wird dem Problem zunehmend mehr Aufmerksamkeit geschenkt und es entstehen neue niederschwellige Angebote. Zu diesen gehört seit 2021 auch das pionierhafte Projekt ‹malreden›. Für mich ist es ein grosses Anliegen und eine Freude, hier mitzuwirken und meine langjährige Forschungs- und Berufserfahrung einzubringen.»
Freiwillige sind das Herzstück
Der Verein hält fest, dass «malreden» kein Beratungs- und Krisentelefon ist. Gleichwohl erfordert die Gesprächsführung an der Hotline von den Freiwilligen ein feines Gespür für die Situation. Spezifische Kommunikationstechniken unterstützen sie dabei, die Bedürfnisse der Anrufenden wahrzunehmen, empathisch und authentisch zu bleiben, gut zuzuhören und auch in herausfordernden Gesprächen wertschätzend zu reagieren.
Teil der Ausbildung der Freiwilligen ist die Vermittlung verschiedener Gesprächstechniken, dies mit dem Ziel, eine stimmige Balance zwischen Mitgefühl, Leidanerkennung und Abgrenzung zu halten. Gerade bei heraus-fordernden Anrufen gilt es, die eigenen Grenzen zu spüren und diese auch bewusst zu ziehen.
Quelle: Medienmitteilung Verein Silbernetz Schweiz
malreden
Geschulte Freiwillige sind täglich von 9 bis 20 Uhr unter der Gratisnummer 0800 890 890 erreichbar. Alle Anrufe sind anonym und vertraulich. Das Angebot besteht aus einer Hotline und der Möglichkeit einer exklusiven Gesprächspartnerschaft im Tandem. Bei Bedarf werden Adressen zu weiterführenden (Unterstützungs-)Angeboten von passenden Fachstellen oder Organisationen vermittelt. Für weitere Informationen: https://malreden.ch
An diesem Donnerstagmittag trifft sich die Gruppe im Kirchgemeindehaus Oberstrass. Bereits kurz nach elf Uhr treffen die ersten Gäste ein. Karin Sommer, Demenzfachperson und Leiterin des «Dunnschtigs-Clubs» sowie Monika Hänggi, Sozialdiakonin und Co-Projektleiterin, empfangen die Besucherinnen herzlich. Man kennt sich, begrüsst sich, tauscht Neuigkeiten aus.
Nach und nach tröpfeln auch die anderen Teilnehmenden herein. Sie kommen nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern reisen aus der ganzen Stadt an. Manche werden von ihren Angehörigen hierher begleitet, andere kommen mit dem Taxi, einige bewältigen die Anreise alleine mit dem öV.
Tagesstruktur bieten
Die Runde ist nun komplett, acht Personen zählt der «Dunnschtigs-Club» heute. Seit August 2021 existiert das Angebot, entstanden ist er aus dem Sing-Café, das im Rahmen des «Drehscheibe Demenz»- Angebots ebenfalls im Kirchenkreis durchgeführt wird. Seither treffen sich von Demenz Betroffene und Angehörige jeden Donnerstag im Kirchenkreis sechs, von 11.30 bis 17 Uhr.
Das Angebot dient einerseits als Entlastung für pflegende Angehörige, andererseits aber auch als Möglichkeit, ungezwungen Zeit miteinander zu verbringen – in einem sicheren und betreuten Rahmen. Zunächst wird gemeinsam gegessen, anschliessend wird ein Programm geboten – Spiele, Spaziergänge, auch Ausflüge werden zusammen unternommen.
Dabei wechselt die Lokalität zwischen den Kirchgemeindehäusern Ober- und Unterstrass. Teilnehmen können alle, das Angebot ist kostenlos, zu bezahlen ist jeweils nur das Mittagessen. Begleitet wird es von Karin Sommer sowie Pfarrer Daniel J. Frei.
Entlastung und Gemeinschaft
Heute fällt das Essen ein wenig einfacher aus als gewohnt, weil die Köchin im Kirchgemeindehaus Unterstrass krank ist. Deshalb bleibt die Gruppe hier. Im Foyer ist ein langer Tisch gedeckt, Salat und Wähen werden serviert. Beim Essen wird geplaudert: Die Organisatorinnen erkundigen sich bei E., wie es ihm und seiner Frau geht.
Er ist einer der Teilnehmenden, die den «Dunnschtigs-Club» schon seit Beginn regelmässig besuchen. Seit Kurzem wohnt er gemeinsam mit seiner Frau in einer Pflegeeinrichtung. Nun reist er donnerstags jeweils alleine an, seine Frau ist nicht mehr so mobil und kann mittlerweile an den Angeboten nicht mehr teilnehmen.
Er aber ist sehr gerne dabei: «Ich finde es super, dass die Kirche dieses Angebot bietet und Karin und Daniel uns hier jeden Donnerstag empfangen und betreuen», erläutert er seine Motivation. Es mangelt ihm aber auch nicht an Ideen, wie das Programm noch erweitert werden könnte: Noch mehr Bewegung, Turnen, oder besser noch Tanzen, das würde er sich wünschen.
Auch R. und ihr Partner H. sind praktisch jeden Donnerstag dabei. Sie sind beide bereits über 90, wohnen noch zusammen in der gemeinsamen Wohnung. Er ist Demenzbetroffener, sie pflegt ihn zu Hause. «Manchmal komme ich da schon ein wenig ans Limit», gesteht sie. Deshalb schätze sie auch das Angebot des «Dunnschtigs-Clubs» so sehr, erklärt sie. Als Entlastung, aber auch als gemeinsames Freizeitangebot.
Manchmal bleibt sie nur zum Mittagessen und holt ihn dann am Ende der Veranstaltung wieder ab, manchmal geniesst sie es aber auch, den ganzen Nachmittag mit ihm hier zu verbringen. Gerne hilft sie auch den beiden Organisatorinnen, wenn Unterstützung notwendig ist.
Lachen tut gut
Die Mägen sind nun angenehm gefüllt, die anwesenden Raucherinnen haben draussen gemeinsam ihre Rauchpause eingelegt, es wird Zeit für den zweiten Teil des Programms. Die Gruppe begibt sich ins Untergeschoss, in die Pellikan-stube. Zwei junge Lernende der Spitex, die hier im Haus ihre Ausbildungslokalität haben, kommen hinzu, sie begleiten das Nachmittagsprogramm.
Für die Lernenden ist es Teil ihrer Ausbildung, für die Organisator*innen eine zusätzliche Unterstützung: «Die Hilfe durch die Spitex-Lernenden ist für uns sehr wichtig, insbesondere an den Tagen, an denen wir draussen mit der Gruppe unterwegs sind», erklärt Pfarrer Frei. Und an Tagen wie diesem, wo die Gruppe im Haus bleibt, stelle der Besuch der Lernenden eine wertvolle Ergänzung dar, so Frei weiter.
Er erzählt den Teilnehmenden jetzt eine Geschichte, ein Kinderbuch, mit vielen Bildern illustriert. Es ist kurz vor Ostern, deswegen handelt die Geschichte sinnigerweise vom Küken, das unbedingt an Ostern ausschlüpfen wollte. Und deshalb drei Dinge beachten muss, um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Das gibt der Gruppe die Gelegenheit, ihr Wissen aufzufrischen. Wann findet Ostern statt? Wovon ist der Zeitpunkt abhängig? Ein angeregtes Gespräch entsteht, der Pfarrer ist mit seinem Fachwissen gefragt.
Danach übernimmt Karin Sommer. Sie hat ein Spiel vorbereitet. Sie hat Kärtchen gedruckt, auf denen jeweils vier Begriffe stehen. Nun gilt es, herauszufinden, welcher der vier Begriffe nicht so recht zu den anderen passt. Klingt einfach, ist aber gar nicht so banal, die Begriffe sind komplex. Zum Beispiel «Krokus – Dahlie – Hyazinthe – Tulpe». Was passt nicht hinein? Die Teilnehmenden bilden Dreiergruppen und beginnen zu diskutieren.
Ohne Berührungsängste mischen sich die Gruppen, auch die beiden jungen Frauen von der Spitex und Pfarrer Frei spielen mit. Es wird eifrig diskutiert und herzlich gelacht. Und es gibt auch nicht nur eine richtige Lösung, alle Antworten werden angehört und akzeptiert.
Wohltuend anders
Das Angebot des «Dunnschtigs-Clubs» sei anders als die meisten anderen, findet D. Vielleicht ein wenig Normalität in einem Alltag, der tagtäglich schwieriger wird. Auch sie ist an Demenz erkrankt. Bis vor Kurzem lebte sie noch alleine, jüngst ist aber eine Freundin bei ihr eingezogen, die sie nun etwas unterstützt.
D. schätzt das Angebot aus verschiedenen Gründen: «Ich finde es sehr schön, wie wir hier gemeinsam Zeit verbringen, den Nachmittag geniessen können. Es treffen hier sehr unterschiedliche Personen aufeinander, die sich aber auf einem ähnlichen Niveau begegnen und die Möglichkeit erhalten, unterhaltsame Dinge miteinander zu erleben – so, wie es die Gesundheit erlaubt. Wir werden betreut, aber nicht überbehütet, es herrscht keine Spital- oder Heimatmosphäre, sondern ein lockeres und ungezwungenes Beisammensein.»
Das Angebot beinhalte eine schöne Mischung an unterschiedlichen Aktivitäten, sie fühle sich richtiggehend verwöhnt, ergänzt sie. Und sie ist sich ihrer Situation durchaus bewusst: «Ich weiss, dass ich immer mehr Unterstützung brauchen werde. Deswegen geniesse ich es hier im «Dunnschtigs-Club», solange es noch geht. Das ist viel besser als zu Hause rumzuhocken.»
Ein selbstverständlicher Platz
Das Angebot der «Drehscheibe Demenz» umfasst jedoch noch weit mehr als nur den «Dunnschtigs-Club». Die reformierte Kirchgemeinde Zürich hat es sich zum Ziel gesetzt, zur «demenzsensiblen» Kirchgemeinde zu werden. Das beinhaltet Veranstaltungen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen wie Hirntraining, Bewegungsangebote, Tanz- und Sing-Cafés, aber auch Infoveranstaltungen, Beratungen, Filmnachmittage und sogar gemeinsame Ferien.
Zudem stehen den Betroffenen niederschwellige Beratungen und Seelsorge sowie ein Vernetzungsangebot mit Personen und Institutionen, die in denselben Bereichen tätig sind, zur Verfügung. Mit ihrer Arbeit, so das Credo der Projektverantwortlichen, wollen sie sich dafür einsetzen, das Thema Demenz zu enttabuisieren und Betroffenen ihren «selbstverständlichen Platz in der Kirche und der Gesellschaft» zuzugestehen.
Denn, so lautet der erste Leitsatz der «Drehscheibe Demenz»: «Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar und ist nicht abhängig von dessen Fähigkeiten und Leistungen. Deshalb darf der Lebenswert demenzerkrankter Menschen und ihrer Angehörigen nicht infrage gestellt werden.»
Der «Dunnschtigs-Club», das wird an diesem Nachmittag deutlich spürbar, wird diesem Leitspruch bestens gerecht.
Drehscheibe Demenz
Neben dem «Dunnschtigs-Club» bietet die «Drehscheibe Demenz» im Kirchenkreis sechs ein umfassendes Angebot für Demenzbetroffene und Angehörige, darunter das Sing-Café, Bewegung im Sitzen, Tanz-Café, aber auch Informationsanlässe und Angehörigentreffpunkte.
Auf der städtischen Website werden 20 Anlaufstellen gelistet. Hier eine Auswahl:
Alzheimer Zürich
Das Angebot von Alzheimer Zürich (ALZ), eine Sektion von Alzheimer Schweiz, umfasst laut der Website Beratung, Unterstützung, Begleitung und Schulung von Menschen mit Demenz, deren Angehörigen und deren Umfeld. Unter den Angeboten ist das «ALZ-Gipfeltreffen», das im Pfarreizentrum Guthirt in Wipkingen stattfindet. Die inhaltliche Gestaltung richtet sich nach den Interessen und Ressourcen der Teilnehmenden.
Quelle und Kontakt: www.alzheimer-schweiz.ch/de/zuerich
Städtische Tageszentren
Im Tageszentrum vom Gesundheitszentrum für das Alter Bombach in Höngg, aber auch in den Zentren Entlisberg, Mattenhof und Riesbach, können gemäss der Website pflegebedürftige Menschen den Tag verbringen, regelmässig übernachten oder Ferien geniessen.
Quelle und Kontakt: www.stadt-zuerich.ch/gesundheitszentren
Verein Treffpunkt Demenz und Kultur
Mit diesem Angebot werden Menschen mit einer Demenz angesprochen, die zu Hause leben und am öffentlichen Leben teilnehmen wollen, wie es auf der Website der Stadt Zürich heisst. Dazu gehören das «Atelier Mobile», das mit Malmaterialien unterwegs ist, und «Uf is Grüene» mit Ausflügen.
Quelle und Kontakt: www.demenz-kultur.ch
Pro Senectute
Die private und gemeinnützige Stiftung setzt sich seit über 100 Jahren für das Wohl älterer Menschen ein, wie sie auf ihrer Website schreibt. Sie bietet Beratung, Dienstleistungen, Kurse und Veranstaltungen an. Ein wichtiger Pfeiler ist etwa Beratung zur Vorsorgeregelung, die sich an Personen richtet, die selbstbestimmt vorsorgen möchten – auch im Falle einer Urteilsunfähigkeit.
Quelle und Kontakt: www.pszh.ch
Selbsthilfe Zürich
Selbsthilfe Zürich ist die Informations- und Beratungsstelle rund um das Thema gemeinschaftliche Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen in der Stadt Zürich und umliegenden Regionen, wie auf der Website nachzulesen ist. Es sind auch Gruppen zum Thema Demenz zu finden, etwa Treffen für Angehörige oder Treffen für Betroffene und Angehörige.
Quelle und Kontakt: www.selbsthilfezuerich.ch
Im Fokus: Wertvolle Jahre
Der «Höngger» veröffentlicht verschiedene Artikel, die sich der Lebensrealität von Betagten und Menschen mit Behinderung widmen. Diese Reihe entsteht mit freundlicher Unterstützung der Luise Beerli Stiftung, die sich für solche Menschen stark macht.
Das Sonnenlicht bricht sich in Gemmas strahlenden Augen, während sie von ihrer ersten Erinnerung ans Synchronschwimmen erzählt: «Vor zwei Jahren hat mich meine Kollegin in den Schulferien zum Synchronschwimmen mitgenommen. Mir hat es sofort gefallen.» Daraufhin hat sie ihre Mutter bei den Limmat-Nixen angemeldet. Heute trainiert das Mädchen dreimal pro Woche, jedes Mal mehrere Stunden am Stück. Ob sie das zusammen mit der Schule alles unter einen Hut kriegt?
«Alles in allem ist es sehr streng, besonders am Montagabend. Da müssen wir schnell duschen, weil es dann draussen dunkel ist», sagt Gemma. Zum Training nimmt sie einen schweren, schwarzen Rucksack mit, der fast grösser ist als sie. Darin sind Flossen, Paddels, Yogamatte und Yogablöcke verstaut, die vor allem fürs Aufwärmen gedacht sind.
Wie Ballett, einfach im Wasser
Gemma hat vor dem Synchronschwimmen Ballett gemacht. Das hilft ihr beim neuen Sport sehr viel. «Synchronschwimmen ist wie Ballett und Gymnastik, einfach im Wasser. Man muss wie im Ballett sehr viel Beinarbeit leisten und starke Arme haben», sagt sie. Denn im Synchronschwimmen gilt: bloss nicht den Boden berühren!
Die Schwimmerinnen müssen die Bewegungen aus eigener Kraft vollziehen, man darf sich also keine Hilfe vom Boden holen, um sich etwa abzustossen. Daneben sollen die Sportlerinnen beweglich sein und Skills wie den Spagat beherrschen. «Um die Choreografie synchron auszuführen, müssen wir uns an unseren Mitschwimmerinnen orientieren und schauen, was sie machen», erklärt Gemma.
Im Synchronschwimmen nennt man diese Choreografien Kür. Momentan übt Gemmas Gruppe eine Abfolge zu einem Lied von Michael Jackson. Bis das Team diesen Wassertanz vollständig beherrscht, dauert es mehrere Monate. Zuerst werden die Bewegungen an Land geübt, bevor es ins Wasser geht. Vor dem Wasser hat Gemma keine Angst. «Besonders im Sommer mag ich es, im Wasser zu sein. Da dienen mir meine nassen Haare gut zur Abkühlung», sagt sie.
Ausserdem trifft sie sich gerne mit den Mitschwimmerinnen. Hie und da passiert es, dass man beim Üben einen Bein- oder Armschlag abbekommt. «Manchmal sind meine Beine ganz blau davon. Aber das gehört dazu», sagt Gemma. Heute ist das Synchronschwimmen übrigens auch unter dem Namen «Artistic Swimming» bekannt.
Ihr geht es nicht ums Gewinnen
Und welchen Tipp würde Gemma einer Anfängerin, einem Anfänger geben? «Zuerst sollte man die Figuren an der Wand üben. Und ganz wichtig ist auch das Wasserstampfen», sagt sie. Für das Training unabdingbar ist ausserdem die «Nasi», die Nasenklemme. Die muss fest sitzen, ansonsten kommen gewaltige Wassermassen die Nasengänge hinauf.
Für die Trainings benutzen die Limmat-Nixen Zürich verschiedene Schwimmanlagen. An Wettkämpfen nehmen sie etwa acht Mal im Jahr teil. Diese finden unter anderem auch im Hallenbad Bläsi statt. Gemma partizipiert auch an Figuren-Wettkämpfen. «Aber mir ist es egal, ob ich eine Medaille gewinne oder nicht», sagt Gemma dazu.
«Ich gehe an die Wettkämpfe, um zu lernen.» Um den Limmat-Nixen beizutreten, benötigt es kein Aufnahmeverfahren. Wichtig ist, dass man Wasser liebt. Gemma ist die Zweitjüngste in ihrem Team, das aus sieben Mädchen besteht. Die Girls kommen aus dem Raum Zürich und haben viele unterschiedliche Nationalitäten. Ihre Trainerin ist streng, doch das mag Gemma: «Es ist besser, wenn man ein hartes Training hat, statt einfach nur rumzuträumen. Dann bringt es ja nichts.»
Von Madrid nach Höngg
Gemma wurde ursprünglich in Madrid geboren und spricht mit ihren Eltern fliessend Spanisch sowie Italienisch. Von Spanien ist die Familie dann zuerst in die Region Zürichberg gezogen, bevor sie vor zwei Jahren nach Höngg kam. Neben Synchronschwimmen spielt die Achtjährige Klavier und trifft sich gerne mit ihren Freundinnen zum gemeinsamen Spielen.
In der Schule ist eines ihrer Lieblingsfächer Handarbeit, in Deutsch schreibt sie gerne Diktate. Geschwister hat sie keine, vermisst diese aber auch nicht. «Ich muss schon genug mit meinem Vater teilen, da will ich nicht noch mehr abgeben müssen», meint sie schmunzelnd. Was sie später werden möchte, steht für sie noch in den Sternen, wichtig ist für sie das Hier und Jetzt.
Die Prüfung des dritten Moduls für das Weinakademiker Diploma war für mich persönlich die herausforderndste: Vier Gläser mit verschiedenem Wein standen vor mir, insgesamt sollten es zwölf werden. Nicht zum Trinken, sondern um die edlen Tropfen einzuordnen. Also schrieb ich jeweils 21 Punkte auf, die mein mittlerweile geschulter Geschmack herausfilterte. Dabei geht es unter anderem um den Geruch, die Qualität, die Optik. Aber auch darum, ob der Wein Lagerpotenzial hat und in welchem Stadium er sich befindet. Gleich beim ersten Durchlauf bestand ich die Prüfung und mein Fazit ist: Der erste Gedanke ist meistens der richtige.
Geboren und aufgewachsen bin ich in St. Gallen, dort absolvierte ich die Lehre als Koch im Gourmetbereich (es gibt hierbei keine weibliche Person, das ist die korrekte Bezeichnung). Schliesslich nahm ich die Hotelfachschule in Angriff und eines der Praktika führte mich ins Mandarin Oriental Palace Lucerne, eine angesehene Adresse mit einem beachtlichen Weinkeller. Dieser Reichtum an Genuss faszinierte mich. Da mich zudem auch Eventmarketing interessierte, bildete ich mich weiter aus und fand schliesslich meine ideale Aufgabe in Höngg als Leiterin Gastronomie und Events sowie der Weinwerkstatt mit Genusserlebnissen bei Zweifel 1898.
Seit rund vier Jahren ist Höngg mein Lebensmittelpunkt. Doch mein Weg zum eingangs erwähnten «Bachelor in Wein», wie ich meine Weiterbildung gerne bezeichne, begann schon vorher.
Von der Pandemie profitiert
Das Weinakademiker Diploma wird hierzulande in Wädenswil angeboten, meines Wissens gibt es heute nicht mehr als 250 Personen in der Schweiz, die dieses in der Tasche haben. Ich entschied mich schliesslich für die Partnerschule: die Weinakademie Österreich. Die Ausbildung baut auf fünf Modulen auf, unterrichtet wurde am Seminarzentrum Rust, das in der Nähe zur ungarischen Grenze am Neusiedlersee liegt. Den «österreichischen» Weg wählte ich, weil dieser vollständig in deutscher Sprache gehalten wird, während in der Schweiz das vierte Modul in London geplant wird und auf Englisch ist.
Der Löwenanteil der Ausbildung machte das Selbststudium aus und bei mir kam damals Corona «dazwischen». Der Lockdown bot mir die Möglichkeit, mich gleich zu Beginn der Ausbildung intensiv in die Materie einzulesen. Arbeit gab es wenig, bekanntlich wurden wir im Dienstleistungssektor für Monate ausgebremst. Diese Zeit verschaffte mir den idealen Grundstein, um später, als wieder Normalität einkehrte, die Balance zwischen Arbeit und Lernen zu wahren.
Spuckbecher wurde zum besten Freund
Es gab aber auch Tage, an denen wir vor Ort die praktischen Teile, sprich das Degustieren, erlernen konnten. Ich erinnere mich an drei Seminarwochen, in denen wir täglich um 9 Uhr mit dem Degustieren begannen. Die Weine wurden nach Sorte oder nach Ländern erklärt und dargeboten. Der Spuckbecher wurde in dieser Zeit zu meinem besten Freund. Dennoch nimmt man einen Rest Alkohol im Körper auf. Anstrengend waren besonders die Tage mit schweren Weinen aus Südfrankreich, da waren wir alle schon mittags ziemlich müde. Anders bei den Schaumweinen: Abends waren wir immer gut drauf.
Das Studium vereint vieles: So kenne ich heute die Technik des Kelterns und bin mit dem Weinbau vertraut. Wobei ich keine Önologin bin, das ist ein Studium, das sich auf die Lehre und Wissenschaft der Weinwelt fokussiert. Auch bin ich keine Sommelière. Beim «Bachelor in Wein» sind es drei Aspekte, die zählen: die Produktion, die Kundschaft und der Verkauf. Ich nenne das auch «Wissen exportieren». Darum geht es mir: Den Wein verständlich der Kundschaft vermitteln.
Die Fachsprache muss ich im Restaurant etwas in den Hintergrund stellen. Zum Beispiel, wenn es um die Auswahl geht. Mögen die Gäste lieber säurereiche oder -arme Weine? Dann beschreibe ich das mit dem Trinkfluss. Viel Säure bedeutet ein guter Trinkfluss und das Wasser läuft im Mund zusammen. Das ist ein guter Essensbegleiter. Mittlerweile bemerke ich gut, wenn jemand blufft und den Wein kommentiert. Ich habe einige Ideen, wie ich die Weinsprache noch verständlicher im Restaurant umsetzen könnte, wobei der Genuss nicht zu kurz kommt.
Zeit für Privates
Im letzten Herbst habe ich schliesslich mein Diplom erhalten. Ihm voraus ging das fünfte Modul, die Diplomarbeit: Ich schrieb über 30 Seiten zum Thema «Die Weinauswahl im Fokus – Wie finde ich den passenden Wein?», darauf bin ich sehr stolz. Die Graduierungsfeier, notabene die 30. Ausgabe der Akademie, fand in Österreich im Schloss Esterházy in Eisenstadt statt, nahe Rust. Das war ein fantastischer Moment. Wir waren 32 Personen aus 11 Nationen. Auch hier bei Zweifel 1898 haben wir mein Diplom gefeiert.
Mittlerweile werde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die nächste Stufe anzugehen, den «Master of Wine». Aktuell gibt es in der Schweiz gerade einmal fünf Personen, die diesen Titel erwarben. Vier Männer und eine Frau. Aktuell hege ich keine Ambition, mich als zweite Frau in dieser Domäne durchzusetzen. Die Phase wird kommen, in der ich wieder etwas Neues lernen möchte. Das liegt in meiner Natur.
Aber nach der langen Zeit des Lernens ist wieder Zeit für Privates angesagt, denn geheiratet habe ich Ende letzten Jahres auch noch. Meinen Mann lasse ich übrigens in einem Restaurant getrost den Wein aussuchen, das geniesse ich sehr.
Die Wipkinger Lokalgeschichte ist ein Mosaikstein der Landesgeschichte. Der Lehrerwahl von 1821 ging eine heftige Auseinandersetzung voraus. Pfarrer Hans Georg Finsler verkündete von der Kanzel die ausgeschriebene Lehrerstelle, worauf zwei Bewerber in die engere Wahl kamen, Amman von Obermeilen und Johannes Weber von Ebertswil. Der Pfarrer schätzte Amman sehr, da er ein Kirchenmann war. Die Stillständer (der Vorläufer der Kirchenpflege) zogen Weber vor; als Grund gegen Amman konnten sie aber nicht ihre Meinung kundtun, er sei frömmlerisch, es hiess vielmehr, Amman verströme «einen unangenehmen Geruch aus dem Munde».
Ammans Wahl war für Pfarrer Finsler beschlossene Sache, aber zwei Stillständer weibelten bei jedem Erziehungsrat persönlich für ihren Kandidaten. Sie traten dabei ausdrücklich als «Vertreter der ganzen Vorstehschaft und der Gemeinde» auf, was gelogen war. Wahrscheinlich durchschauten die Erziehungsräte das Manöver, aber die Wahl zwischen einem pfaffenhörigen Frömmler und einem modernen Erzieher fiel zugunsten der Moderne aus. Pfarrer Finsler akzeptierte die Wahl, aber er konnte sich nicht damit abfinden und gab sein Amt zwei Jahre später ausdrücklich wegen Lehrer Weber ab.
Der 23-jährige Lehrer Weber legte sich ins Zeug. 98 Schüler drängten sich in der winzigen Schulstube im Gemeindehaus neben dem Scharfen Eck. Seine Schüler bestanden das erste Winterexamen mit Bravour. «Der Schulmeister hat in der kurzen Zeit seit seinem Amtsantritt schon Bedeutendes geleistet und es wurde freudige Hoffnung für die Zukunft ausgesprochen», schrieb der Stillstand in einem Schulprotokoll.
Weitsichtiger Schulhausbau
Weber empfahl ein Schulhaus zu bauen, damit man in Klassen und nach einem neuen Lehrplan unterrichten könnte. Für 170 Gulden kaufte der Gemeinderat Boden «vor dem Eingang des Dorfes rechts an der Landstrasse», wie die heutige Hönggerstrasse damals hiess. Zur Finanzierung verkaufte man das alte Schul- und Gemeindehaus, sammelte Spenden und ersann Geldquellen. 5650 Gulden sollte das neue Schulhaus kosten, offerierte der Wollishofer Baumeister Staub. Die Industriellen in den Landsitzen im Letten schenkten der Gemeinde 1797 Gulden in einer freiwilligen Steuer. Die Holzkorporation spendete eine Eiche vom Käferberg. Für den Aushub reichte es nicht mehr, dazu wurden die Wipkinger zum Frondienst aufgeboten.
Bereits am 19. Mai 1824, einem Mittwoch, fand die Einweihung statt. An der Spitze seiner Schülerschar zog Lehrer Weber von der Schulstube ins neue Schulhaus, wo die Schüler mit Brot, Wurst und Wein verköstigt wurden. Zum Fest sang der neu gegründete Sängerverein, der spätere Männerchor Wipkingen. Zu Martini 1824 begann das neue Schuljahr im prächtigen Schulhaus; alle 98 Kinder erschienen zur Winterschule.
Hart umkämpfter Lehrplan
Wer bestimmt den Lehrplan? Die Kirche oder der Kanton? Um diese Frage drehte sich der Konflikt ab den 1820er-Jahren. Nach einem turbulenten Wahlkampf setzte 1833 das Volk in einer Abstimmung ein neues kantonales Sekundarschulgesetz durch. Die «Schulmeister» hiessen nun offiziell «Schullehrer», die Volksschule war obligatorisch, und der neue Stundenplan war Pflicht. Das neue Schulgesetz entmachtete den Stillstand. An seine Stelle trat erstmals eine Schulpflege aus gewählten Volksvertretern.
Von den Kirchenvertretern gab es Widerstand, da ihnen die Obhut über die Kinder entgleiten würde und die Stoffpläne unerhört modern waren: Nebst Fächern wie Deutsch und Französisch gab es nun Zahlenlehre, Geografie, Geschichte und vaterländische Staatseinrichtung, weiter Naturkunde, Gesang, Zeichnen und Schönschreiben. Damit kamen die damals gelehrten Stoffe Bibelkunde und Katechismus arg ins Hintertreffen. Stossend für viele waren die «angemessenen Leibesübungen» für Knaben und Mädchen auf einer Wiese. An der frischen Luft sollte der Turnunterricht Gesundheit, Stärke und Geschmeidigkeit fördern; für Mädchen und Knaben gemeinsam.
Prägende Persönlichkeit
Weber leistete seinen Schuldienst im neuen Schulhaus 44 Jahre lang, von 1824 bis 1868. Seine Schule in Wipkingen war lange Zeit eine Musterschule im Bezirk. Lehrer Weber war streng und legte Wert auf Disziplin, Pünktlichkeit und Exaktheit. Er gründete im neuen Schulhaus eine private, freiwillige Schule. Sie stand den gescheitesten Schülern offen. Heute würde man dies Hochbegabtenförderung nennen: Weber unterrichtete in der Privatschule auch Salomon Rütschi, den späteren Gemeindeschreiber und Seidenfabrikanten. Lehrer Weber sang ersten Tenor im Männerchor, dem kulturellen Zentrum der Gemeinde und dem politischen Gegengewicht zur Kirche. Seine bedeutende Bibliothek stand der Bevölkerung offen.
Er verurteilte die Kinderarbeit scharf und setzte die Schulpflicht durch. Er wurde eine dominierende Persönlichkeit im Dorf. Allerdings gebärdete sich Weber öfters «ungehörig gegenüber der Kirchenpflege und der Schulpflege» und man hörte Klagen wegen «überharter Züchtigung der Zöglinge». Es gab Auseinandersetzungen und offene Feindschaften, da Weber die neuen Lehrpläne rigoros umsetzte. Wegen ihm büsste der Dorfpolizist reihenweise Eltern, die ihre Kinder in die Felder und in die Fabrik schickten statt in seine Schule.
Zum 50-Jahr-Dienstjubiläum Webers 1868 organisierte das Dorf eine Feier und würdigte das lange Wirken ihres Lehrers; im Bewusstsein, was er für Dorf und Vaterland geleistet hatte. Wenige Monate später ersuchte Weber um seinen vorzeitigen Ruhestand. Dieser wurde ihm gewährt. Kurz darauf, am 15. Juli 1869, starb er und wurde im Friedhof neben dem Kirchlein zur Ruhe gebettet. Abdankung und Grabrede hielt Pfarrer Dieter Georg Finsler, ein Sohn von Hans Georg Finsler.
Deklassiert und abgebrochen
Das Schulhaus an der alten Landstrasse diente in all den Jahren auch als Feuerwehrmagazin, Polizeiposten, Singlokal, Weinkeller, Gefängniszelle und Pfarrwohnung. 1851 pflanzte die Gemeinde zur Feier des 500-Jahr-Jubiläums des Beitritts des Kantons Zürich in die Eidgenossenschaft eine Linde vor dem Schulhaus. Das Gebäude hiess im Volksmund «Beim Lindebänkli».
Das Schulhaus wurde später unter Denkmalschutz gestellt. Mitte der 1960er-Jahre fand ein Landabtausch statt, und das Grundstück ging in private Hände über. 1971 ging ein Baugesuch für ein Bürogebäude mit Ladenlokal und Garage für 30 Parkplätze ein. Der Denkmalschutz setzte sich für das alte Schulhaus ein. Es stand in der Liste der Kunstdenkmäler des Kantons Zürich als «Giebelbau mit Erd- und Obergeschoss» und einem «Vordach vor der Haustür der nördlichen Giebelseite, das abgewalmt ist und auf zwei glatten Säulen mit Wulst ruht».
Als schützenswert galt auch das baumbestandene öffentliche Plätzchen mit Durchgangstreppen, eingefügt in den Spitzwinkel der beiden Strassen. Als man die Hönggerstrasse erneut als zu schmal taxierte, verschwand das Schulhaus plötzlich aus der Liste der schützenswerten Bauten. 1971 wurde es abgerissen, zum Bedauern vieler Wipkinger.
Quellen
Martin Bürlimann, Kurt Gammeter: «Damals», Wibichinga Verlag, 2023.
Nachlass Jakob Frei, Stadtarchiv.
Diverse Urkunden und Unterlagen aus dem Stadtarchiv Zürich.
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Ständig steigende Mieten
Um ihr Ziel zu erreichen, kündigen sie häufig allen Mieterinnen und Mietern – und führen dann eine Luxussanierung oder einen Ersatzneubau durch. Anschliessend kosten die Wohnungen nicht selten doppelt so viel. Dass dadurch viele Menschen ein Stück Heimat verlieren und aus unserer Stadt verdrängt werden, nehmen diese Konzerne in Kauf – Hauptsache, die Rendite stimmt.
So darf es nicht weitergehen. Wer in Zürich wohnt, muss die Gewissheit haben, auch morgen oder übermorgen nicht aus unserer Stadt verdrängt zu werden. Die hohe Lebensqualität, die wir in Zürich geniessen, nützt den Menschen nichts, wenn sie in Angst leben müssen, demnächst aus unserer Stadt verdrängt zu werden.
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