Autor: tka_admin

  • Schon vor elfhundert Jahren gab es Kleingedrucktes

    Schon vor elfhundert Jahren gab es Kleingedrucktes

    Einst lebten hier helvetische Kelten, dann blühte Turicum auf, derweil am lieblichen Hang vor den Toren eine Römervilla stand. Dreihundert Jahre später siedelte hier ein Alemanne namens Wipko, Wibicho oder ähnlich und benannte seinen Weiler nach ihm selbst. Mit dem Ende des Römischen Reiches endete auch die Pax Romana – und es blieb fünfhundert Jahre lang dunkel.

    Das 9. Jahrhundert war turbulent, aber Wohlstand und längere Perioden von Frieden kamen. Die Menschen waren einigermassen frei und hatten Rechte. Handwerk entwickelte sich, grosse Bauten entstanden, vor allem Kirchen. Ein Strassennetz wurde gebaut, es gab Kunst und Kultur. Turicum war in das karolingische Münzsystem einbezogen.

    Die geschriebene Geschichte Wipkingens beginnt 881 mit einem Urenkel Karls des Grossen, dem Kaiser Karl dem Dicken. Es wurden Klöster gegründet und ausgebaut. Karl der Grosse gilt auch als Begründer des Zürcher Grossmünsters. Vor den Toren der Stadt baute man Häuser aus Holz und Stroh, beackerte die Felder und pflegte Vieh, Wald und Wiesen.

    Die «civitas turegum» profitierte von den Karolingern. Ludwig der Deutsche, auch ein Karolinger Kaiser, gründete 853 das Fraumünsterkloster. Er schenkte seiner ältesten Tochter Hildegard ein kleineres Kloster, das an der Stelle des heutigen Fraumünsters stand. Das Kloster war den Stadtheiligen Felix und Regula geweiht. Die Schenkung war verbunden mit Ländereien im Urnerland, im Sihlwald, bei Cham und Horgen.

    Der dritte Sohn Ludwigs des Deutschen hiess Karl III., geboren 839. Er war ein Urenkel Karls des Grossen. Vermutlich besuchte er schon als Kind seine Verwandten im Fraumünster. Bei der Reichsteilung sprach ihm sein Vater das ostfränkische Reich zu, dessen Regentschaft er nach dem Tod des Vaters übernahm. Am 12. Februar 881 wurde Karl III., genannt Karl der Dicke, zum Kaiser gekrönt.

    Das Lehenssystem

    Unter Karl dem Grossen verbreitete sich die grundherrliche Betriebsform in den Kloster- und Königsgütern. Es war ein Lehens-
    wesen, welches Kriegern eine Landleihe gewährte, mit dessen Erträgen sie für Pferd und Waffen verantwortlich waren. Es gab den Ehrendienst der Ritter und den Knechtsdienst der Eigenen. Das Lehen hiess Beneficium oder Feudum. Ritter und Lehensgeber unterstanden der Fidelitas, dem Treueeid.

    Die Lehensform war effizient, Herrscher, Ritter und Bauern waren symbiotisch aneinander gebunden und gegenseitig abhängig. Alle hatten Interesse an langfristigem Erfolg. Der Ritter, der seine Leibeigenen anständig behandelte, war erfolgreicher als jener, der sie ausbeutete. Der Herrscher war interessiert daran, dass die Ritter zu ihren Gütern Sorge trugen; nur mit wirtschaftlichem Erfolg konnten sie die teuren Rüstungen und Pferde erhalten. Und die Bauern schliesslich profitierten vom Schutz durch Ritter und Herrscher.

    Karl der Dicke übernahm das Lehenssystem von Karl dem Grossen. Er wählte für den Weiler Wibichinga vor den Toren Turicums eine Form, bei der das Eigentum nach dem Tod des Lehensnehmers an die Kirche übergehen würde. Schon damals wusch eine Hand die andere: Ludwig der Deutsche, Vater von Karl dem Dicken, versah das Fraumünster im Jahr 853 mit Schenkungen. Zwei seiner Töchter, Hildegard und Bertha – also Schwestern von Karl dem Dicken –, waren Äbtissinnen am Fraumünster. Sie starben früh.

    Karl der Dicke setzte 878 seine Gemahlin Richarda als Nutzniesserin des Fraumünsters ein. Es lag also nahe, die Schenkung des Weilers Wibichinga als späteres Erbe dem Fraumünster zu vermachen.

    Im Jahr 881, kurz nach seiner Krönung zum Kaiser, schenkte Karl der Dicke seinem Getreuen Wolfgrim den Weiler Wibichinga. Vom Nutzniesser Wolfgrim wissen wir nichts; er war wohl ein Ritter in Karls Gefolge. Die Schenkung war eine Lehenschaft im Sinne Karls des Grossen.

    Die Urkunde

    Diese Urkunde ist erhalten geblieben. Sie misst 62×53 Zentimeter und wird im Zürcher Staatsarchiv aufbewahrt. Am «XI. kal Jun. im Jahr des Herrn DCCCLXXXI», nach heutigem Kalender am 22. Mai 881, setzte Karl der Dicke die Urkunde in Latein auf (gekürzt, Übersetzung von Jakob Frei):

    Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreieinigkeit. Karl, durch die göttliche Vorsehung erlauchter Kaiser.
    Es sei allen unsern Getreuen zur Kenntnis gebracht, dass wir unserm Getreuen Wolfgrim etliche Gegenstände unseres eigenen Rechtes und Besitzes geschenkt haben zu gesicherter lebenslänglicher Nutzniessung, nämlich den Weiler, der Wibichinga heisst, mit allem, das rechtmässig dazu gehört, das ist: mit hörigen Leuten, mit Ackerfeldern, Wiesen, Wäldern, mit Gewässern und deren Ableitungen, mit gebautem und ungebautem Land, mit Beweglichem und Unbeweglichem, oder was irgend genannt werden kann. Und wir haben befohlen, dass er fortan lebenslang die oben genannten Gegenstände zur Nutzniessung besitze und dass niemand die Befugnis habe, diese Verfügung aufzuheben oder etwas daran zu ändern, sondern ihm zustehe, die oben genannten Sachen sicher zu besitzen behufs Vermehrung unseres Lohnes, dass aber nach seinem Tode alles in unversehrter Vollständigkeit an das Kloster Turegum zugunsten der Schwestern übergehen soll zu ewigem Besitz. Wenn aber irgendeiner diese unsere Bestimmung teilweise oder ganz ändern sollte, so ist ihm, dem Rechtsbrecher, eine Strafe von 1000 Mark puren Goldes aufzuerlegen.
    Unterschrift des erlauchten Kaiser Karl III.
    In Gottes Namen. Amen.

    Der gute Wolfgrim wird sich gefreut haben über das tolle Geschenk. Ein ganzer Weiler mit Hörigen und schönen Töchtern.
    Karl der Dicke wird in Geschichtsbüchern stets als etwas beschränkt hingestellt. Es steht im lateinischen Text allerdings einiges zwischen den Zeilen. Man lese also die Urkunde über den Weiler Wibichinga nochmals genau durch:

    «…geschenkt haben zu (…) lebenslänglicher Nutzniessung…»

    Das heisst: Der gute Wolfgrim kommt hier nicht mehr weg. Der Weiler Wibichinga wird sein Grab.

    «…nämlich den Weiler, der Wibichinga heisst, mit allem, das rechtmässig dazu gehört, …»

    Der Weiler gehört nicht Wolfgrim, sondern alles gehört zum Weiler. Das ist nicht das Gleiche.

    «… Und wir haben befohlen…»

    Klartext: Das ist kein Geschenk, das ist ein Befehl.

    « … dass er fortan (…) zur Nutzniessung besitze …»

    Es ist nicht sein Eigentum, er darf nur nutzniessen. Verkauft wird nichts, die Sachen bleiben hier.

    « …wir (…) befehlen, dass (…) niemand die Befugnis habe, (…) daran zu ändern …»

    Die Meinung Wolfgrims ist nicht gefragt. Er tut, was man ihm sagt.

    « …dass er (…) besitze (…) behufs Vermehrung unseres Lohnes… »

    Zinserträge gehen ans Kloster, die sind nicht Teil des Geschenks.

    « …dass aber nach seinem Tode alles in unversehrter Vollständigkeit (…) an das Kloster (…) übergehen soll …»

    Die Werterhaltung wird nicht vom Zinsertrag finanziert. Investitionen in Realersatz sind sein Problem.

    « …mit Gewässern und deren Ableitungen… »

    Das sind die Bäche und der Abfluss in die Limmat, aber ohne Limmat. Der Fluss gehört zum See, nicht zum Weiler. Vom Flussübergang und von der Fähre steht nichts im Text. Der Fischertrag ist also nicht Teil des Geschenks. Das Kloster kann die Fischrechte sonst jemandem verkaufen oder verpachten. Und der Fährertrag fällt auf der anderen Seite des Flusses an.

    «Wenn aber irgendeiner diese (…) Bestimmung (…) ändern sollte, so ist ihm (…) eine Strafe (…) aufzuerlegen.»

    Wolfgrim haftet solidarisch für den Zinsertrag des Gutes. Bleibt der Zins aus, ist die Busse fällig und anschliessend wird er geköpft.

    Nach dem Lehensnehmer Wolfgrim ist heute der lauschige Bach benannt. Wir wissen nicht, wo er begraben ist. Seine Hörigen haben den Vertrag vielleicht besser verstanden als er selbst. Sie wussten: Der Weiler geht am Schluss unversehrt in die Hände des Klosters über. Die Hörigen pflegen ihre Höfe nur, wenn die schönen Töchter unbehelligt bleiben. Jedenfalls gab es keine Klagen des Fraumünsters über ausgebliebene Zinserträge, und der Weiler Wibichinga war bei Wolfgrims Ableben offenbar in gutem Zustand.

    Zu allem Elend war Wolfgrim nun auch noch Diener dreier Herren. Dem Kaiser verpflichtet, dem Fraumünster verdingt und dem Grossmünster zu Dank. Der Kaiser verliess sich auf seinen Vertrag, das Fraumünster erfreute sich des Zinses und das Grossmünster wusste, dass Wolfgrim in seinem goldenen Käfig gefangen blieb. Der Weiler Wibichinga blühte unter Wolfgrim im 9. Jahrhundert auf. Kirche und Kaiser konnten zufrieden sein. Vielleicht war Karl der Dicke doch nicht so beschränkt.

    Quellen

    Diverse Geschichtsbücher,
    Martin Bürlimann, Kurt Gammeter: «Damals», Wibichinga Verlag, 2023.

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    «Damals» erscheint als Buch

  • Bildergalerie: Wolfgrim und sein Bach

    Bildergalerie: Wolfgrim und sein Bach

    Der Wolfgrimbach ist der offen gelegte Bach beim Wolfgrimweg, der parallel zur Waidstrasse fliesst. Er entspringt dem Weiher im Käferbergwald und ist heute zusammen mit dem Oerisbach wieder sichtbar. Der Wolfgrimbach ist künstlich angelegt. Er entstand als Überlauf des Reservoirs der Brunnenversorgung von 1881; damals hatte er noch keinen Namen.

    Das städtische Forstamt renaturierte 1988 den Waldweiher im Käferbergwald, den Wolfgrim­bach und den Teich beim Reservoir hinter dem Jägerhaus in Höngg. Man wollte im Wald das Naturerlebnis wieder stärken.

    Im Jahr 2000 befreite das Forstamt den Wolfgrimbach auch im unteren Teil aus seiner Röhre. An den Ufern pflanzte man ein­heimische Sträucher, die mit ihrem Wurzelwerk das Bachbett festigen. Der Bach plätschert mun­ter zu Tale, und die Bänklein am Ufer laden zur Erholung.

    Das Bächlein lädt ein zum Spaziergang vom Über­laufbecken an der Waidstrasse zur Limmat – nur findet sich nirgends ein Abfluss. Das letzte Stück beim Gemeinschaftszentrum ist baulich vorbereitet, bloss – wo ist der Bach?

    Beim Bau des Wipkingerparks bereitete man den Abfluss für den Wolfgrimbach in die Lim­mat vor. Der Bach hätte dann unterirdisch bei den neuen Häusern zwischen Breitensteinstrasse und Im Sydefädeli der Baugenossenschaft Denz­lerstrasse durchfliessen sollen. Es gab technische Schwierigkeiten bei der Bachführung und uner­wartet hohe Kosten, weshalb die Genossenschaft und die Stadt auf das Bach-Projekt verzichteten. Das Wasser des Wolfgrimbaches wird nun un­terirdisch gefasst und abgeleitet.

    Bildergalerie: Wolfgrim und sein Bach


    Die älteste schriftliche Nennung des Weilers Wibichinga stammt aus dem Jahr 820.

    In den Zeilen 19 und 20 steht: … ex curtibus terre sallice ad mensam fratibus destinavit; id est de Stadilhove, de Wibichinga, de Ousta, de Illinga, de Fenichlanda, de Mure, de Hovistete, de Meilana … – was übersetzt heisst: (…) so von Stadelhofen, Wipkingen, Aeugst in Affoltern, Illnau, Fällanden, Maur, Hofstetten, Meilen.

    Kaiser Karl der Dicke gibt im Jahr 881 den Weiler Wibichinga seinem Getreuen Wolfgrim zu lebenslänglicher Nutzniessung. Der Text klingt reichlich pathetisch, ist aber sorgfältig und weitsichtig formuliert. Das Aussergewöhnliche hinter der schwülstigen Sprache ist, dass die Interessen der Hörigen mit berücksichtigt sind. Diese Urkunde legte das Fundament für eine jahrhundertelange, gedeihliche Entwicklung des Fraumünsterlehens Wibichinga.

    Mit dieser Urkunde beginnt die geschriebene Geschichte Wipkingens. Ausschnitt aus der Schenkungsurkunde von 881, zweite kleingeschriebene Zeile ganz links, in Latein: «id est wilarem unum, qui dicitur Wibichinga»; zu Deutsch «nämlich den Weiler, der Wibichinga heisst».

    Der heu¬tige Wolfgrimbach ist nach dem mittelalterlichen Lehensherr benannt: «…dass wir auf Ansuchen einiger unserer Getreuen unserm Getreuen, Wolfgrim mit Namen, etliche Gegenstände unseres eigenen Rechtes und Besitzes geschenkt haben…». (Ausschnitt aus der Schenkungsurkunde von 881).


    Mit dieser Urkunde beginnt die geschriebene Geschichte Wipkingens. Ausschnitt aus der Schenkungsurkunde von 881, zweite kleingeschriebene Zeile ganz links, in Latein: «id est wilarem unum, qui dicitur Wibichinga»; zu Deutsch «nämlich den Weiler, der Wibichinga heisst».

    Der heu¬tige Wolfgrimbach ist nach dem mittelalterlichen Lehensherr benannt: «…dass wir auf Ansuchen einiger unserer Getreuen unserm Getreuen, Wolfgrim mit Namen, etliche Gegenstände unseres eigenen Rechtes und Besitzes geschenkt haben…». (Ausschnitt aus der Schenkungsurkunde von 881).


    Einer der vielen versteckten lauschigen Orte Wipkingens: Der freigelegte Wolfgrimbach am gleichnamigen Weg im oberen Teil Wipkingens. (Foto: Martin Bürlimann, Kurt Gammeter)

    Beim Bruggerweg fliesst der Wolfgrimbach in ein Überlaufbecken. Leider dauernd verschmiert. (Foto: Martin Bürlimann, Kurt Gammeter)


    Ein Abfluss ohne Wasser: Hier sollte eigentlich der Wolfgrimbach in die Limmat fliessen – aber das Wasser kommt nicht bis hierher. (Foto: Martin Bürlimann, Kurt Gammeter)

    Das absurde Ende des Wolfgrimbachs passt durchaus zum Namensgeber, von dem nur der Anfang seiner Geschichte bekannt ist. Wolfgrim verschwand aus den Geschichtsbüchern, wie sein Bach.

    Quellen: Diverse Geschichtsbücher
    Martin Bürlimann, Kurt Gammeter: «Damals», Wibichinga Verlag, 2023.

  • Quartierwache Höngg bleibt bis 2033 bestehen

    Quartierwache Höngg bleibt bis 2033 bestehen

    Die Stadt Zürich plant eine Zentralisierung der Standorte der Stadtpolizei. Künftig soll von drei regionalen Stützpunkten sowie einem zentralen Hauptstandort aus operiert werden.

    Für Höngg bedeutet dies: Die heutige Quartierwache an der Limmattalstrasse 160 bleibt noch bis zur geplanten Eröffnung des Stützpunkts West auf dem «Albis-Areal» bestehen – aus heutiger Sicht Anfang 2033.

    Dies geht aus der Antwort des Stadtrates auf eine Schriftliche Anfrage der Gemeinderatsmitglieder Martina Zürcher-Böni und Andreas Egli, beide FDP, vom 9. Juli heraus.

    Und weiter: Mit dem Umzug werden die sieben Mitarbeitenden der Quartierwache vom neuen Stützpunkt aus in ihr Revier ausrücken. Laut Stadtrat bleibt die polizeiliche Präsenz im Quartier somit gesichert, insbesondere durch das «Revierpolizistinnen und -polizisten-Modell».

    Ziel sei es, durch die Zentralisierung mehr Personal für Patrouillen auf Strasse, Velo und zu Fuss verfügbar zu machen und so die Sichtbarkeit im Quartier zu erhöhen.

    Was wird aus dem Gebäude?

    Auch die Zukunft des Gebäudes an der Limmattalstrasse 160 war Teil der Schriftlichen Anfrage. Der Stadtrat betont, dass die Stadt grundsätzlich an einer Eigennutzung ihrer Liegenschaften interessiert ist. Nach dem Auszug der Polizei wird eine quartierbezogene Nutzung angestrebt, die der Bau- und Zonenordnung entspricht – etwa für Wohnen oder öffentliche Einrichtungen.

    Ein Entscheid ist jedoch noch nicht gefallen. Sollte das Gebäude dereinst verkauft werden, könnte die Stadt über Auflagen im Kaufvertrag sicherstellen, dass das Erdgeschoss weiterhin eine belebende Nutzung erfährt. Um dies abzusichern, kämen Rückkaufsrechte oder Konventionalstrafen in Betracht.

  • «Wo ich die Leute cool finde, bin ich gerne dabei»

    «Wo ich die Leute cool finde, bin ich gerne dabei»

    Das Gemeinschaftszentrum in Wipkingen steht mit seinem breiten soziokulturellen Angebot allen Quartierbewohnenden zur Verfügung. Dabei ist es nicht nur ein beliebter Begegnungsraum und Treffpunkt, sondern auch ein Ort, an dem sich die unterschiedlichsten Menschen engagieren. Hauptamtlich sind das die Mitarbeitenden des GZ, doch daneben ist noch eine Vielzahl an Freiwilligen aktiv. Aber wer sind die Menschen, die sich hier ehrenamtlich engagieren und was motiviert sie, sich unentgeltlich für die Gemeinschaft einzusetzen? Der «Wipkinger» hat drei von ihnen getroffen, die sich in ganz verschiedenen Bereichen einsetzen.

    Das eigene Bedürfnis umsetzen

    Da ist zum Beispiel Willi Fillinger. Der 77-Jährige wohnt bereits seit ungefähr dreissig Jahren in Wipkingen und betreibt hier eine philosophische Praxis. Seit einiger Zeit macht er sich vermehrt Gedanken über die Herausforderungen des Alterns und auch über die Endlichkeit des Lebens: «Noch bis vor wenigen Jahren hat mich das Älterwerden nicht besonders beschäftigt. Aber mittlerweile gibt es viele Dinge, über die ich mich gerne mit Gleichaltrigen austauschen möchte.»

    Obwohl er in einer Beziehung lebe, einen intakten Freundeskreis besitze und noch sehr aktiv in seiner eigenen Praxis sei, fühle er sich manchmal einsam. Es müsste doch, so dachte er, eine Gruppe von Leuten geben, denen man sich mitteilen kann und mit denen man die Sorgen und Probleme, aber auch die speziellen Freuden und Hoffnungen dieses Lebensabschnitts teilen kann. Er machte sich auf die Suche nach einem derartigen Angebot, wurde aber nirgends fündig. Also wurde er selber aktiv.

    Via Inserat im «Höngger Wipkinger» suchte er nach Menschen im Quartier, die sich in einem ähnlichen Alter befinden und an einem regelmässigen Austausch interessiert sind. Daraus ist eine Gruppe von acht bis zehn älteren Menschen entstanden, die sich nun seit einigen Monaten im GZ Wipkingen treffen. Die Themen bestimmen die Teilnehmenden jeweils gemeinsam, bei der Sitzungsleitung wechseln sie sich ab.

    Auf seine Motivation für das Engagement angesprochen, winkt er eher ab: «Ich weiss gar nicht, ob ich das überhaupt als Freiwilligenarbeit bezeichnen würde», erklärt er bescheiden. Im Grunde genommen bin ich nur meinem eigenen Bedürfnis gefolgt und hatte das Glück, dass das GZ mich unterstützt und die Räumlichkeiten und Infrastruktur zur Verfügung stellt.»


    Gina Menegola (Foto: zvg)

    «Mir liegt das Netzwerken»

    Auch Gina Menegola lebt seit etlichen Jahren in Wipkingen. Im GZ ist sie schon lange aktiv, wie lange genau, das weiss sie schon gar nicht mehr. Sie ist Mitglied beim Netzwerk «Tauschen am Fluss» und bietet hier verschiedene Dienstleistungen wie einfache Gartenarbeiten, Pflanzengiessen oder auch Kinderhüten an. Ausserdem leitet sie im «Netzwerk 8037» die sogenannte Spieleria, organisiert also regelmässig stattfindende Spieltreffen. Für sie ist es der Kontakt zu anderen Menschen, der sie motiviert, sich gemeinschaftlich zu engagieren: «Ich liebe das Vernetzen», sagt sie, «und die Kommunikation mit Menschen.» Deshalb nutze sie eigentlich jede Gelegenheit, die sich ihr biete, um sich mit anderen austauschen zu können.

    Eine solche gute Gelegenheit bietet ihr das Netzwerk «Tauschen am Fluss». «Die Tauschanlässe empfinde ich als sehr wertvoll», erklärt Gina. «Denn hier kann man Dienste anbieten und von anderen in Anspruch nehmen, ohne dass es um Geld gehen muss.» Eine wichtige Qualität haben für sie auch Anlässe wie die Spieleria: «Einmal monatlich organisieren wir einen Spieleabend, sorgen für Getränke und Sandwiches, man trifft sich, quatscht und spielt miteinander.» Ein einfaches Konzept, aber für Gina ein überaus kostbares: «Die Gespräche, das Lachen mit anderen, das macht mir nicht nur Spass, sondern bringt mir persönlich enorm viel. Diese schönen Begegnungen öffnen das Herz.»

    Ehrenamtlich aktiv war Gina schon früher, neben ihrer Tätigkeit als Hortleiterin. Und das GZ ist bei Weitem nicht der einzige Ort, an dem sie ihre Leidenschaft für menschliche Begegnungen ausübt. Daneben hat sie noch zahlreiche weitere Passionen: Tanzen beispielsweise, etwa in der Tanzart «Ecstatic». Oder Fitness. Wichtig sind ihr vor allem auch die spirituellen Seminare, die sie besucht. Ihr Ziel dabei ist es nicht nur, ihr eigenes Bewusstsein zu erweitern, sondern auch, anderen etwas davon weitergeben zu können.


    Tamara Vandewall (Foto: zvg)

    «Helfen passt zu mir»

    Tamara Vandewall ist mit ihren 14 Jahren eine der jüngsten Freiwilligen im GZ. Das Gemeinschaftszentrum ist wie ihre zweite Heimat. Hier bewegt sie sich schon seit ihrer jüngsten Kindheit. Als Kleinkind besuchte sie mit ihren Eltern die Mal-Oase, wo die Jüngsten auf Leinwänden frei malen können, später war sie regelmässig am Mittwochnachmittag im Atelier anzutreffen. Selbst als die Familie vor einigen Jahren aus Wipkingen wegzog und sich zuerst im Zürcher Oberland und dann in Winterthur niederliess, ist Tamara dem GZ treu geblieben und hat schon sehr früh begonnen, den weiten Weg mit dem öV alleine in Angriff zu nehmen.

    Seit einigen Jahren ist sie nun im Atelier keine Teilnehmerin mehr, sondern freiwillige Helferin. Denn irgendwann mal, als sie aus dem Alter der Krea-Kids herauswuchs, wurde sie von Rita, der Leiterin des Ateliers, gefragt, ob sie nicht aushelfen wolle. Da hat sie nicht lange gezögert. Sie engagiert sich freiwillig, weil, wie sie erklärt, «mich die Möglichkeit, anderen beim Ausführen ihrer Projekte behilflich zu sein, total motiviert. Ich helfe einfach sehr gerne.» Dafür nimmt sie auch in Kauf, dass sie an den Ateliernachmittagen meist nun gar nicht mehr dazukommt, selber kreativ tätig zu werden: «Helfen passt einfach zu mir», sagt Tamara.

    Das haben auch schon andere entdeckt: Nicht nur im GZ, sondern auch in der Kletterhalle, in der sie oft und gerne zu finden ist, wurde sie vor Kurzem gefragt, ob sie nicht Jüngeren behilflich sein wolle, Klettern zu lernen. Dafür wird sie in naher Zukunft sogar eine kleine Coach-Ausbildung absolvieren.

    Und warum sucht sie sich nicht in ihrer näheren Wohnumgebung eine Möglichkeit, aktiv zu werden? Erstens, so Tamara, mache ihr das Reisen mit dem öV Spass. Und zweitens «hat es etwas mit den Leuten zu tun. Wenn ich irgendwo coole Leute kennenlerne, dann bleibe ich auch sehr gerne dabei.» Nur schade, dass sich das wahrscheinlich nächstes Jahr ändern wird: Dann will Tamara eine Lehre beginnen und wird keine Zeit mehr für die Krea-Kids haben.

    Redaktionelle Beiträge von:
    GZ Wipkingen, Breitensteinstrasse 19a, Telefon 079 606 98 65, 8037 Zürich
    Mail: karl-guyer@gz-zh.ch, www.gz-zh.ch

    Für mich und andere: Freiwilligenarbeit als gesellschaftliches Engagement

    «Wofür stehen wir ein? Für alle Menschen in Zürich. Wir schaffen Räume und Gelegenheiten für alle Menschen in Zürich. Egal, ob sie einfach sein und verweilen wollen oder sich aktiv betätigen, Ideen verwirklichen und Neues ausprobieren möchten.»
    (aus dem Leitbild der Zürcher Gemeinschaftszentren)

    Kinderkultur organisieren, Tiere am Sonntagmorgen füttern, Spielabende durchführen, eine Gesprächsgruppe für das Altern leiten, ein kreatives Begegnungsatelier oder Kurse für Asylbewerbende anbieten, beim Kerzen- giessen und Binden von Adventskränzen mithelfen, im «Offenen Stall» die Kasse führen – es gibt unzählige Möglichkeiten, sich zu engagieren. Dafür musst du keine Spezialistin sein.

    Was es braucht: unentgeltlich Zeit zur Verfügung stellen, Lust und Interesse, mit anderen etwas zu teilen, die Bereitschaft, eigenes Können und Gelerntes einzubringen und vielleicht Neues zu lernen, sich allenfalls in neuen Rollen zu erfahren. Reich wirst du an Erfahrungen, Erlebnissen, Begegnungen und durch das Verschenken. Und vielleicht profitierst du auch von anderen Angeboten, die auf diese Weise entstehen.

    Als GZ-Betrieb sehen wir uns als Werkzeug und Geburtshilfe, damit dieses Engagement geschehen kann. Der Support von freiwilligem Einsatz ist ein wesentlicher Teil unserer DNA. Es ist vielleicht das, was die GZ einmalig macht: alle die verschiedenen Möglichkeiten, tätig zu werden, für sich und andere. Und für ein lebenswertes Quartier.

    2024 wurden in den beiden GZ-Wipkingen-Standorten rund 5220 Stunden in Freiwilligenarbeit erbracht, das sind mehr als 100 Stunden jede Woche. Sie bilden das Fundament vieler Angebote. Das GZ ist ein ausgeprägter Mitwirkungsort. Es ist darum klar, dass wir den 5. Dezember besonders ins Visier nehmen, es ist der Internationale Tag der Freiwilligen.

    Interessiert mitzuwirken? Nimm doch mit dem GZ-Sekretariat Kontakt auf. Alle Angaben auf der Website: gz-zh.ch/gz-wipkingen

     

  • «In Wipkingen kennt man einander»

    «In Wipkingen kennt man einander»

    Wir treffen Daniel Konrad Jung im «Nordbrüggli» und wir duzen uns auf Anhieb. «Ich hätte früher nie einen Fuss in dieses Lokal gesetzt», sagt er. Warum, wird er im Laufe des Gesprächs verraten. In diesem geht es um seine Masterarbeit – und Daniel ist immerhin schon über 60 Jahre alt. Nach dem Studium in Betriebswirtschaft war er einige Jahre in der Unternehmensberatung tätig, dann 30 Jahre in Verbänden und 25 Jahre davon bei GastroSuisse, dort zum Schluss als stellvertretender Direktor.

    Ihm gefiel die Arbeit, doch er wollte nochmal etwas ganz anderes machen. Daniel entschied sich, den Master of Advanced Studies in «Applied History» zu absolvieren: «Angewandte Geschichte führt in die Gegenwart – das fand ich spannend.» Im Jahr 2021 begann das Studium, im Frühjahr 2025 war seine Masterarbeit vollbracht. Das Thema: Wipkingen.

    Als gebürtiger Wipkinger erlebte er den Wandel vom – laut eigener Aussage – heruntergekommenen Viertel zum angesagten Quartier. «Meine Eltern hatten keine Freude, wenn wir Kinder damals ins GZ Wipkingen gingen. Da war der erste Robinsonspielplatz. Dort wollte man die Kinder vor dem Autoverkehr schützen und ihnen einen Raum geben, wo sie sich ausleben konnten. Diese Gedanken waren sehr progressiv», erzählt Daniel.


    Daniel Jung schrieb eine Masterarbeit über Wipkingen. (Foto: Jina Vracko)

    Von der vierten bis zur sechsten Klasse besuchte er die Schule Waidhalde: «Man begann dort die Kinder mehr zu aktivieren und in den Dialog mit ihnen zu treten. Zuvor war der Schulunterricht fast militärisch.»

    Die Masterarbeit beschreibt die Geschichte von Wipkingen bis in die Gegenwart. Das Quartier sei ein Brennpunkt der Spannungsfelder im öffentlichen Raum. «Wipkingen ist das Labor vom Stadtrat», meint Daniel. «Hier beim Bahnhof liegt die sogenannte Begegnungszone, nur 300 Meter weiter die Westtangente. Dieser Kontrast, das ist Wipkingen.»

    Eine von zahlreichen Entdeckungen, die Daniel in seiner Arbeit festhält, ist die Geschichte der Siedlung Lettenhof, einer Wohngenossenschaft für alleinstehende, berufstätige Frauen: «Diese Überbauung wurde im Jahr 1927 von Lux Guyer erstellt», sagt er. Innovative Innenausstattung, Südorientierung mit Balkonen, Waschküche und Telefonanschluss – die Siedlung war einzigartig. «Das ganze Raumkonzept hat sie neu gedacht, alles aus der Sicht einer Frau. Das bedeutete viel – damals war es sicher nicht einfach, als alleinstehende Frau zu leben.»

    «Wipkingen ist immer ein Spiegel»

    Anhand der Geschichte von Wipkingen analysierte Daniel die urbane Entwicklung im Allgemeinen. Im Vorwort schreibt er: «Auf die Landflucht folgte eine Stadtflucht und schliesslich wieder in entgegengesetzter Richtung.» In den 1990er-Jahren nahm Daniel den Einwohnerverlust in seinem Quartier stark wahr, die Statistik bestätige das: «30 Prozent ist massiv. Erst 2010 kam der Wendepunkt und die Bevölkerungszahl in Wipkingen stieg wieder an.»

    In der Arbeit ist ebenfalls beschrieben, welch verheerende Auswirkungen die Schliessung der Drogenszene auf dem Platzspitz für Wipkingen hatte: Die Szene verlagerte sich zum oberen Letten. Erst als 1994 die Drogenabgabe für Schwerstsüchtige eingeführt wurde, entspannte sich die Situation und das Gebiet konnte neugestaltet werden

    Daniel und seine Frau, inzwischen in Höngg wohnhaft, erhielten im Jahr 1998 einen Tipp über ein Restaurant beim Lettenareal. «An einem Abend schlichen wir im Dunkeln dort hin. Plötzlich sahen wir die Lichter: Das war die erste Version vom ‹Primitivo› – es war ein kleines Paradies.» Dies war der Anfang der Entwicklung des oberen Letten zum «Sommer-Hotspot schlechthin», wie Stefan Tamò, der das «Primitivo» damals konzipierte und betrieb, in der Arbeit von Daniel zitiert wird.

    Er hatte zuvor das «Josef» übernommen und es inmitten der Drogenszene zur beliebten Beiz transformiert. Solche jungen, innovativen Unternehmer waren wichtig für die Entwicklung des Quartiers, betont Daniel: «Das Nordbrüggli betrat man nicht, es gingen seltsame Gestalten ein und aus. Dann brachte ein Unternehmer das Lokal moderat auf Vordermann und bewahrte dabei dessen Charme. Es ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.»

    Das Rezept für Wipkingen

    Wird die Stadt attraktiver, so wird das Wohnungsangebot aufgewertet, was oft eine Verdrängung von wirtschaftlich Schwächeren aus der Innenstadt bedeutet, schreibt Daniel in seiner Arbeit. Dieser Vorgang, die «Gentrifizierung», sei in Wipkingen eher moderat vonstatten gegangen.

    Nicht nur weil es wenig Landreserven gab, auf denen Neubauten erstellt werden konnten, wie er erklärt: «Wipkingen ist ein Opfer der Verkehrs- und Drogenpolitik. Eventuell sind aus diesem Grund keine grossen Investoren gekommen, so wurde eher sanft renoviert.» Dies hat langanhaltende Auswirkungen auf den Wohnraum: «In Wipkingen war 2023 annähernd jede dritte Wohnung Eigentum einer Genossenschaft oder der öffentlichen Hand», sagt er.

    Zu den drei Faktoren «neue Mittelklasse», «moderate Gentrifizierung» und «unternehmerische Persönlichkeiten», kommt der Gemeinschaftsgeist in Wipkingen, so Daniel: «Die Stadt steht für Anonymität, aber in Wipkingen kennt man einander, man ist schnell per du.»

    So war das auch mit Beni Weder, Präsident des Quartiervereins Wipkingen, mit dem er sich für die Arbeit austauschte. Die Publikationen von Martin Bürlimann und Kurt Gammeter dienten Daniel als wertvolle Basis – Bürlimann übernahm zudem das Lektorat der Masterarbeit.

    Schliesslich möchten wir wissen, was sich Daniel für die Zukunft des Quartiers wünscht. Sein Anliegen ist der Verkehr: «Man muss das Problem nicht mit Verboten, sondern mit Technologie lösen. Es gibt Situationen, wo es das Auto braucht, auch das Gewerbe ist darauf angewiesen. Ich finde die dogmatische Politik der Stadt nicht gut – es braucht ein Miteinander, nicht ein Ausschliessen vom Autoverkehr – auch in den Verkehrsmitteln braucht es Diversität.»

  • Stadtspital Zürich Waid – spezialisierte Grundmedizin und universitäre Altersmedizin

    Stadtspital Zürich Waid – spezialisierte Grundmedizin und universitäre Altersmedizin

    Emilija Mihajlovic ist 24 Jahre alt und wurde wegen einer Blinddarmentzündung im Stadtspital Zürich Waid behandelt. Der 64-jährige Alessandro Schlumpf suchte aufgrund von Atemnot Hilfe im Wipkinger Spital. Und der 84-jährige Benedikt Herger wurde nach einem Oberschenkelhalsbruch als Notfall eingeliefert.

    Alle drei Personen schildern in Videos des Stadtspitals Zürich ihre Erfahrungen im Waid. Sie alle wurden am selben Ort umfassend medizinisch versorgt. Es sind Szenen, die zeigen, wie im Stadtspital Zürich Waid die interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit funktioniert.

    Medizin für jedes Alter

    Am Standort Waid hat die Altersmedizin eine lange Tradition. Seit über 40 Jahren verfügt das Waid über eine Klinik für Altersmedizin, die in der Zwischenzeit universitär ist, das heisst mit einem integrierten Lehrstuhl der Universität Zürich. Neben der Altersmedizin bietet das Stadtspital Zürich Waid aber auch ein breites Angebot in der stationären und ambulanten Grundversorgung. Dazu gehören eine rund um die Uhr verfügbare Grund- und Notfallversorgung, aber auch spezialisierte Fachbereiche wie Innere Medizin und Chirurgie.

    Vor drei Jahren wurde das Programm Waid gestartet. Eines der Ziele ist, die Altersmedizin auf dem Campus Waid mit einer Geriatrischen Rehabilitation (GerReha) zu erweitern. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachbereichen wurde ausgebaut und vertieft.

    So kann die geriatrische Akutrehabilitation heute bereits im Zentrum für Alterstraumatologie beginnen. Die Patientinnen profitieren damit vom ersten Aufenthaltstag an und am gleichen Standort von einem umfassenden Therapieangebot.

    Parallel dazu wurde die Altersmedizin ausgebaut: Die Zahl der Betten stieg von 48 auf 59, der Patientenfluss zwischen dem Triemli und dem Waid wurde optimiert, und die Präsenz der Ärzteschaft für Altersmedizin in der Notfallstation wurde verstärkt.

    Weitere Massnahmen

    Das Programm hat auch Veränderungen bei der Infrastruktur verlangt: Büros und Untersuchungszimmer wurden verdichtet, um Platz für die geplante geriatrische Rehabilitation auf dem Campus Waid zu schaffen. Diese entsteht in enger Zusammenarbeit zwischen der universitären Klinik für Altersmedizin, dem Lehrstuhl für Geriatrie und Altersforschung und den Gesundheitszentren für das Alter (GFA).

    Weiter wurden für die Onkologie neue Räumlichkeiten eingerichtet und die Untersuchungszimmer des Departements Innere Medizin wurden saniert. In Planung sind noch der Ausbau der Notfallstation mit vier zusätzlichen Kojen für ältere Patientinnen und die Sanierung der Patientenzimmer in der Altersmedizin.

    Von diesen Veränderungen profitieren nicht nur die Patientinnen, auch die Mitarbeitenden können Nutzen daraus ziehen. «Wir haben aktuell weniger Probleme, neues Pflegepersonal zu finden», sagt Gabriela Stocker, die das «Programm Waid» leitet. Dem Waid haftete lange das Etikett der Altersmedizin an, sagt sie. Heute hingegen sei in Fachkreisen bekannt, dass es im Waid neben der universitären Altersmedizin auch verschiedene andere Disziplinen mit attraktiven Arbeitsangeboten gibt. «Wir bieten eine Medizin für jedes Alter», betont sie.

    Zu erwähnen ist auch, dass das «Programm Stärkung Pflege» des Stadtspitals wesentlich zur Verbesserung der Personalrekrutierungen beigetragen hat. Auf dem Campus Waid gibt es weiter eine integrierte Versorgungskette, die es landesweit nur an wenigen Orten gibt.

    Neben der universitären Klinik für Altersmedizin besteht eine spezielle Spital- und Klinikstruktur mit einer engen Verzahnung zur Austritts- und Übergangspflege mit dem nahen Gesundheitszentrum für das Alter Käferberg.

    In den sozialen Medien

    In den Sozialen Medien Ein wichtiger Schritt ist die Kommunikation. Die drei eingangs erwähnten Personen wurden gezielt angefragt, ob sie ihre Erlebnisse im Stadtspital Zürich Waid öffentlich weitergeben möchten. «Es sind ehemalige Patientinnen, die wir für die Aufnahmen gewinnen konnten, und sie sagten mit Begeisterung zu», so Kathrin Bolliger, Projektleiterin Marketing und Kommunikation im Stadtspital.

    Die Videos bilden den Kern der laufenden Kampagne in den sozialen Medien. «Wir wollen vermitteln, wie Menschen unterschiedlichen Alters am gleichen Ort die bestmögliche interdisziplinäre Betreuung erhalten.»

    Die kurzen Filme sind auf Facebook, Instagram, LinkedIn, YouTube und TikTok zu sehen. Sie machen deutlich, wie eng die Fachbereiche untereinander zusammenarbeiten, und sie vermitteln die Botschaft wohl authentischer als jede Broschüre. «Wichtig ist, dass dabei immer klar bleibt: Alle Massnahmen rund um das Programm Waid dienen nur einem Ziel – dem Wohl der Patient*innen», sagt Bolliger.

  • Die älteste Nutzpflanze wächst im Rütihof

    Die älteste Nutzpflanze wächst im Rütihof

    Wenn Roger Urs Bottlang von Hanf zu sprechen beginnt, gerät er ins Schwärmen. Der «Höngger» trifft ihn im Rütihof auf einem Feld – einem Hanffeld notabene. Hier baut Grün Stadt Zürich in Kooperation mit der Firma Harmonius GmbH in diesem Sommer Nutzhanf an. Eine ideale Gelegenheit, um sich über die Vorzüge dieser Pflanze auszutauschen. Und da hat Bottlang so einiges zu erzählen. Denn Hanf, so wird schnell klar, ist ein Multitalent.


    Das Hanffeld beim Rütihof. (Foto: das)

    Zunächst mal ist die Pflanze sehr vielseitig verwendbar – als Nahrungsmittel, als Faser für die Produktion von Textilien – und sogar Mercedes und Porsche profitieren davon. Sie verarbeiten Fasern und Hanfschäben zu Türverkleidungen und Armaturenisolationen. Sogar wer mit seinem Körpergewicht unzufrieden ist, kann zu Hanf greifen: Mit dem regelmässigen Konsum von einigen Esslöffeln Hanfsamen vor jeder Mahlzeit, so Bottlang, könne man einfacher sein Traumgewicht erreichen. Selbst Tiere profitieren vom Hanfkonsum – zum Beispiel in Form einer Wurmkur.

    Die Menschen erkannten den Nutzen dieser Pflanze bereits sehr früh: «Hanf oder Sativa, wie er auf Lateinisch heisst, ist die älteste Kulturpflanze der Welt», erklärt Bottlang. «Schon vor 12 000 Jahren dienten Hanfsamen den Menschen als Nahrungsmittel. Und mit den Fasern wurden Seile und Kleider gefertigt.» Auch in Pyramidengräbern wurden bereits kleine Beutel mit Hanfsamen gefunden, die sogar noch keimfähig waren. Und Cleopatra badete in Hanföl für eine schöne und junge Haut.

    Lange Zeit verboten

    Heute ist Hanf ein absolutes Nischenprodukt. Nach Angaben des Bundesamts für Landwirtschaft wurden 2023 schweizweit 112 Hektaren Hanf angebaut. Eine verschwindend geringe Menge, vergleicht man sie etwa mit Weizen: Hiervon werden pro Jahr zwischen 70- und 80 000 Hektaren in der Schweiz produziert.

    Das liege unter anderem daran, so Bottlang, dass der Anbau der Pflanze lange Zeit verboten war. Ab den 1920er-Jahren begann zuerst in den USA die Politik, Hanfanbau zu verbieten. Und das primär nicht etwa wegen der berauschenden Wirkung des Marihuanas, so erzählt Bottlang, sondern eher wegen der Konkurrenz zu synthetischen Fasern. Hanf als Droge habe lediglich als Vorwand gedient, um den Anbau zu stoppen.

    Auch in der Schweiz wurde der Anbau von Hanf verboten. Erst gegen die Jahrtausendwende wurden die Gesetze wieder gelockert und die Produktion von Hanf wurde wieder erleichtert – sofern sich der THC-Gehalt in einem Wert von unter einem Prozent bewegt.

    Hanfsamen als Nahrungsmittel

    Nun wächst in diesem Sommer also auch im Rütihof Hanf. Angebaut wird der Hanf hier für die menschliche Ernährung. Vier Hektar gross ist das Feld, Ende Mai wurde der Hanf angepflanzt, bald ist er reif, dann werden die Samen geerntet. Der Ertrag liege in der Regel bei 300 bis 1000 Kilogramm Samen pro Hektar, erklärt Bottlang. Pflanzung, Pflege und Ernte erfolgen durch Grün Stadt Zürich, die Samen gehen dann zu Bottlang. Geerntet wird mit einem Drescher. Danach geht es schnell zum Trocknen und Reinigen, sonst verschimmeln sie in kürzester Zeit. Dann werden sie gelagert und bei Bedarf geschält.

    Ein tofu-ähnliches Medaillon, das etwa für eine Bolognese oder ein Zürcher Geschnetzeltes verwendet werden kann, ist das jüngste Produkt, das aus dem hiesigen Hanf entsteht. Bottlang verkauft zudem auch rohe Hanfsamen, kaltgepresstes Hanfnussöl, hochwertiges Protein und zahlreiche weitere Produkte. Seine Mission ist es, die Pflanze wieder bekannter zu machen – als nachhaltiges und regionales, vielseitig verwendbares landwirtschaftliches Produkt.

    Hanf – drei Nutzungen

    Ernährung: enthält praktisch kein THC, reich an Eiweiss, Omega-Fettsäuren und Mineralstoffen. Grundlage für Samen, Öl und pflanzliche Proteine.

    Medizin: spezielle Sorten mit höheren Gehalten an THC (psychoaktiv) oder CBD (nicht berauschend, therapeutisch wirksam).

    Industrie: liefert Fasern und Holz für über 1000 Anwendungen – von Textilien und Baustoffen bis zu Papier und Bioplastik.

  • Verkehrsbeschränkung Hardturmrampe

    Verkehrsbeschränkung Hardturmrampe

    Der Autoverkehr wird via Rosengartenstrasse, Wipkingerplatz, Wipkingerbrücke, Escher-Wyss-Platz und Hardturmstrasse umgeleitet.

    Die Umleitung für Lastwagen und Cars erfolgt über die Hardbrücke, Rampe Hardplatz, Hohlstrasse und Duttweilerbrücke.

    Der Grund für die Verkehrsbehinderungen sind Gleisbauarbeiten.

    Quelle: Medienmitteilung Stadt Zürich

  • Finger weg von unseren Quartierfesten

    Finger weg von unseren Quartierfesten

    Bezahlter Inhalt

    Zürich ist besser im Verbieten als im Festen. Die Stadt will internationale Strahlkraft – und schafft es nicht, ein eigenes Volksfest zu stemmen. Das Zürifäscht 2026 fällt aus, wegen der vielen Auflagen haben sich die bisherigen Organisatoren zurückgezogen.

    Die Stadt weiss alles besser

    Erst jetzt, über zwei Jahre nach der letzten Durchführung, beauftragt stattdessen die Stadt zwei Agenturen damit, ein Konzept für ein neues Stadtfest mit dezentralen Festplätzen aus dem Boden zu stampfen. Klingt partizipativ, die Stadt macht ja sonst für alles und jedes Echogruppen und Mitwirkungsverfahren. In Wahrheit wird hier aber von oben herab orchestriert, und das in Konkurrenz zu bestehenden Volksfesten wie der Schwamendinger Chilbi, die bestens funktionieren.

    Die Stadt torpediert Eigeninitiative

    Bleiben wir beispielhaft bei der Schwamendinger Chilbi: Seit über 50 Jahren organisieren lokale Parteien, Vereine, Firmen und Private dieses Volksfest sehr erfolgreich. Aktuell kämpft man dort mit einer Petition gegen neue städtische Auflagen und Gebühren, die Eigeninitiative ersticken. Muss die Stadt wirklich an Freiwilligenarbeit verdienen? Depot für Mehrweggeschirr ist das eine, aber Depot für Pet-Flaschen bei den Weltmeistern im Pet-Sammeln? Konkret standen Pet-Container überall auf dem Festgelände zum Entsorgen herum. Das ist Schikane und unnötiger Mehraufwand für die Veranstalter. Besonders wenn man bedenkt, wie viel Verpackung in der Stadt permanent nur schon bei der Verpflegung über Mittag im Freien anfällt – und von der Stadt im Rahmen ihres Auftrags entsorgt wird.

    Die Stadt hat die Wahl

    Während die Politik also Verbotskultur pflegt, bleibt die Frage: Warum klappt die Street Parade – eine der grössten Partys der Welt – jedes Jahr, während ein Zürifäscht angeblich an Sicherheitsbedenken scheitert? Offenbar liegt der Unterschied nicht im Können, sondern im Wollen.

    Fazit: Wer das Feiern den Agenturen überlässt, bekommt keine Feste, sondern Projekte. Wer Volksnähe will, muss den Leuten auch etwas zutrauen und sie nicht im Regulierungswahn ersticken. Zürich hat die Wahl.

    Nicole Barandun-Gross
    Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich
    gewerbezuerich.ch

  • Nachruf auf die Telecab 2000

    Nachruf auf die Telecab 2000

    Von Lukas Erdin

    Diesen Sommer wurden im Quartier die beiden letzten Exemplare der Telecab 2000 von der Bildfläche entfernt: eine am Röschibachplatz, die andere an der Rotbuchstrasse. Damit ist eine Ära beendet, die streng genommen nie richtig angefangen hat.

    1995 entwarf der Architekt Hans Ulrich Imesch diesen leuchtenden Glaszylinder, halb Ufo-Landeplatz, halb futuristische Minibar. Wer die Tür schloss, wurde mit Musik berieselt und konnte sich für einen kurzen Moment fühlen, als sei Zürich doch noch auf dem Weg ins 21. Jahrhundert.

    Schon damals war klar, dass Handys das Geschäftsmodell der öffentlichen Telefonie verdrängen würden. Und trotzdem liess man sie bauen, in einer Dreiecksbeziehung zwischen Stadt, Telecom und APG, welche die Kabinen als Werbesäulen brauchte. Stadtbildpflege, Technik, Reklame: public private partnership at its finest.

    Doch wie das so ist: Verträge laufen aus, die Zukunft von gestern wird zum Abbruch von heute. Die Stadt Zürich verlängerte den Vertrag mit der APG nicht. So verschwinden die Designperlen nun nach und nach, mit schwerem Gerät und leichter Handbewegung.

    «Mach was aus mir!»

    Dabei war die Telecab 2000 mehr als nur ein Rohr fürs Münztelefon. Sie war eine hochwertig produzierte, langlebige Glas-Symphonie, ein Stück urbane Science-Fiction. Ein Objekt, das schrie: «Mach was aus mir!»

    Ob als Mini-Galerie, Musikbox, Gesprächsraum, als Heimat-Hologramm verstorbener Lokalgrössen, als Karaoke-Kapsel für Mutige oder irgendwann als Wartezimmer fürs Beamen. Stattdessen schreit heute nur noch der Presslufthammer.

    Wir nehmen Abschied von der Telecab 2000. Sie hat nie so recht ihren Platz gefunden, war ihrer Zeit voraus und gleichzeitig überflüssig. Genau darin lag ihr Zauber. Wipkingen bleibt zurück, ein wenig ärmer und vielleicht bald mit einer neuen Standard-Werbetafel am Röschibachplatz.

    Ein Artikel vom Quartierverein Wipkingen