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  • Beschwerde gegen «Ringling» erneut abgelehnt

    Beschwerde gegen «Ringling» erneut abgelehnt

    Drei beteiligten Bauträgerinnen – die Stiftung für Alterswohnungen und die Genossenschaften GBMZ und Sonnengarten – dürfen mindestens für den Moment wieder aufatmen: «Wir freuen uns über den klaren Entscheid und hoffen, möglichst bald mit dem Bau der dringend benötigten Wohnungen und Quartiernutzungen beginnen zu können», schreiben sie in der gemeinsamen Medienmitteilung.

    Bundesgericht anrufen oder nicht?

    Die Beschwerdeführenden, die IG pro Rütihof – contra «Ringling» und die Interessengemeinschaft der Eigentümer (IGER) entschieden erst nach Redaktionsschluss, ob sie die Beschwerde ans Bundesgericht weiterziehen werden oder nicht.
    «Es gilt zu prüfen», teilt IG-Pro-Rütihof Präsident Jean E. Bollier per Mail mit, «ob ein weiteres Verfahren vor dem Bundesgericht, das in der Hauptangelegenheit betreffend ‚Gestaltung‘ nur noch auf Willkür prüft und nur noch allfällige Verletzungen von Bundesrecht in der Sache Lärm, Gewässer und Quartierplanverfahren in seine Erwägungen ziehen wird, überhaupt Sinn macht und wie gross die Chancen zu gewinnen überhaupt wären.»
    Die Gegner des «Ringling» führen insbesondere eine Verletzung des Paragraphen 71 des Planungs- und Baugesetzes, «Besonders gute Gestaltung für Arealüberbauungen» ins Feld. Dieser sei, so ihre Ansicht, beim Projekt «Ringling» weder berücksichtigt, geschweige denn erfüllt und noch von keiner Rekursinstanz angemessen geprüft und beurteilt worden.

    Weiterziehen oder nicht?
    Informationen zum Entscheid über den Weiterzug ans Bundesgericht voraussichtlich ab Donnerstag, 28. Mai auf www.höngger.ch.
    Und im Archiv auf www.hoengger.ch unter Dossiers alle bislang seit 2009 erschienenen Artikel.
    Informationen allgemein:
    www.wohnen-am-gruenwald.ch
    www.pro-ruetihof.ch

  • Schulen in Höngg, Teil 8:  Das Bläsi

    Schulen in Höngg, Teil 8: Das Bläsi

    Das 1977 abgetragene Bläsi-Schulhaus B mit vier Klassenzimmern wurde 1883 eingeweiht. Es war – 240 Jahre nach der Eröffnung der Schule «Am Wettingertobel» − das zweite Schulhaus in Höngg und lag östlich des heutigen Schulgebäudes. Bereits 1893 waren die vier Zimmer voll belegt. Man begann mit der Planung eines weiteren Schulhauses. Nicht zuletzt aufgrund einer Intervention des Turnvereins, der energisch nach einer Halle rief, beschlossen die Höngger 1906 mit 185:1 Stimmen den Bau des Bläsischulhauses A mit neun Klassenzimmern, Nebenräumen und einer Turnhalle. 1907 konnte es bezogen werden. Die neue Turnhalle begrenzte das Schulareal gegen Osten.

    Prägende «Container-Kultur»

    Seither wurde der grosse Schulhausplatz mehrfach umgestaltet. Wo einst Bäume Schatten spendeten und Bänke zum Ausruhen luden, kann heute im Hallenbad geschwommen und in der Halle nebenan Sport betrieben werden. Doch bekanntlich wird das Bläsi-Schulhaus zurzeit umfassend erneuert. Unterrichtet wird deshalb in Containern, die ziemlich genau am Ort der 1907 gebauten, längst abgerissenen Turnhalle aufgestellt wurden.
    Zum Gespräch wird der Berichterstatteter von Schulleiter David Zimmermann und von Carol Brogli, Leiterin Betreuung, in einem Zimmer der hinteren Schul-Container empfangen. David Zimmermann hat seine Stelle im August 2014 direkt im Provisorium angetreten. Carol Brogli ist seit dem 1. März 2013 im Bläsi tätig. Was das gesamte Schulteam − unabhängig von der Anstellungsdauer − verbindet: Allen steht diesen Herbst die Rückkehr ins renovierte Schulhaus bevor. Die anstehende, gemeinsam vorzubereitende Aufgabe, aber auch die räumliche Nähe, welche das Schulprovisorium erzwingt, schweisse das Team zusammen, berichten David Zimmermann und Carol Brogli. Natürlich sei es manchmal eng, laut und nicht einfach, den Alltag zu organisieren. Ein Vorteil liege aber darin, dass der Austausch unter den Lehr- und Betreuungskräften – neben den formellen Besprechungsgefässen das «Schmiermittel» guter Zusammenarbeit – direkter ist. Beide machen sich Gedanken, wie die positiven Aspekte der «Container-Kultur» ins erneuerte Bläsi-Schulhaus mitgenommen werden können.

    Tauschhandel mit Esswaren

    In den zwei Kindergärten und den sechs Primarschulklassen der Schule Bläsi werden 175 Schüler unterrichtet. 107 von ihnen besuchen an einem oder mehreren Tagen pro Woche den Hort, der in zwei Gruppen unterteilt ist. Die überschaubare Grösse unterstützt das Projekt «Lebensraum Schule», mit dem Unterricht und Betreuung zu einem «Gesamtpaket» zusammengefasst werden.
    Der Besuch an einem Donnerstag um 11:30 Uhr im Bläsi-Hort illustriert dies. In vier Räumen ist für rund 70 Kinder und die entsprechenden Betreuungspersonen gedeckt und jeder Platz mit einem Namenstäfelchen versehen. Die Hortleiter- und Betreuungsassistentinnen haben das von «menuandmore» gelieferte Essen − Teigwaren, Rindsragout, warme Bohnen sowie verschiedene Salate − fertig zubereitet und angerichtet. Die Atmosphäre ist gelöst, die Teamfrauen wirken routiniert. Ab 11:55 Uhr strömen immer mehr Kinder in den Hort und setzen sich an ihren Platz. Teller mit rohem Gemüse als «amuse bouche» warten auf sie. Nach einigen Erläuterungen zum Tag wird tischweise das Essen geholt. Regel Nummer 1: Es muss von allem etwas genommen werden. Amüsiert beobachtet der Schreibende danach am Tisch einen kleinen Tauschhandel! Das Menu schmeckt, die Kinder essen entspannt, die Stimmung ist friedlich. Das sei natürlich nicht jeden Tag so, versichert Hortleiterin Sue Georgantas – die schon so lange im Bläsi arbeitet, dass sie mittlerweile «Hort-Grossmami» ist! Ab 13 Uhr gehen die Kinder zum Spielen nach draussen, es wird ruhig im Hort. Der Schulnachmittag kündigt sich an.

    Erinnerungen einer alten Hönggerin

    Ursula Kuhn, am 12. April 89 Jahre alt geworden und seit 62 Jahren an der Brunnwiesenstrasse zu Hause, wurde 1932 im Dorf Höngg eingeschult. Ihre «Schulkarriere» beendete sie neun Jahre später im städtischen Quartier Zürich-Höngg. Die beiden Kinder der mittlerweile dreifachen Urgrossmutter gingen in den 1960er-Jahren ebenfalls ins Bläsi zur Schule. Die Unterstufe besuchte Ursula Kuhn im Bläsi A, für die Mittelstufe wechselte sie ins Bläsi B und die Oberstufe absolvierte sie wieder im Bläsi A, wo die Schulzimmer der Sekundarschule im 2. und 3. Stock lagen. Sie wohnte damals mit ihren Eltern und einem älteren Bruder im Rütihof an der Hurdäckerstrasse. Ihr erster Lehrer, Heinrich Leemann, habe gemeint, sie sei etwas klein für die Schule, aber man wolle es versuchen − immerhin musste die Erstklässlerin den langen Schulweg an manchen Tagen bis zu viermal zu Fuss bewältigen können. Sie habe sich am Morgen jeweils kurz nach Sieben auf den Weg gemacht, damit sie die Schule rechtzeitig erreichte, erinnert sie sich. Ihre «Wanderung» führte der Riedhofstrasse entlang über weitgehend offenes Land. Begleitet wurde sie von zwei älteren «Gspänli». Eines davon war Fritz Meier, Vater von Fredi Meier, der heute im Rütihof den letzten Bauernhof betreibt. Ursula Kuhn ging gerne zur Schule: sie sei ein glückliches Kind gewesen und habe andere oft zum Lachen gebracht. Französisch war ihr Lieblingsfach in der Sekundarschule. Ihr Vater, Hans Schaub, betrieb in Höngg ein Fotoartikelgeschäft. Alte Klassenbilder und Schulhausfotos sind mit seinem Namen gezeichnet. Der zweite Weltkrieg ist tief im Gedächtnis von Ursula Kuhn verwurzelt. Auch weil im Rütihof die Familie Schaub unter den ersten war, die einen Radioapparat besassen. Sie erinnert sich, wie sie manchmal angstvoll in der Stube gesessen ist und Hitlers aggressive Reden mithörte. Einer ihrer Sekundarlehrer, Jakob Schnetzer, kommandierte während des Kriegs als Oberstleutnant ein Panzerbataillon und fehlte deshalb oft in der Schule. Die Schüler waren stolz auf ihren «Schnasi», erst recht als sie einmal einer Demonstration seiner Truppe in Höngg beiwohnen durften. Gefragt, was ihr an Unterschieden aufgefallen sei, als ihre Kinder rund 30 Jahre später zur Schule gingen, meint Ursula Kuhn, die Jungen hätten es schwieriger als sie gehabt, die Leistungsanforderungen seien in diesen Jahren deutlich gestiegen.

    Quellen:
    – Mitteilung Nr. 19 «Von der Bauernstube zur Gross-Schulhausanlage» von Reinhold Frei.
    – Ortsgeschichte Höngg von Georg Sibler
    Beide herausgegeben von der ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.

     

    Bisher erschienen
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5.2.2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    26.2.2015: Vogtsrain mit Wettingertobel
    12.3.2015: Das Schulhaus Rütihof
    26.3.2015: Riedhof-Pünten
    30.4.2015: Am Wasser
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch / Archiv

     

  • Schulen in Höngg, Teil 7: Am Wasser

    Schulen in Höngg, Teil 7: Am Wasser

    An den Ufern der Limmat entstanden im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Fabriken, welche die Wasserkraft als Energiequelle nutzten. Eine davon war die ab 1873 an der Ackersteinstrasse gebaute Seidenstoffweberei Höngg. Ein kurzer Kanal führte das Wasser ins Turbinenhaus, wo der Strom zum Betrieb der Maschinen erzeugt wurde. Heute gibt es im 1874 errichteten Gebäude im Obergeschoss einen Mehrzweckraum für die Schule, im Erdgeschoss ein Bistro mit Gartenrestaurant. Bis zum Ersten Weltkrieg war die Seidenstoffweberei Höngg eine der wichtigsten Arbeitgeberinnen der Region. Nach dem Krieg ging es mit der Textilindustrie bergab und so musste auch die Seidenstoffweberei Höngg ihre Tore schliessen. Das Areal blieb vorerst ungenutzt. 1942 kaufte es die Stadt auf und vermietete es fortan an Gewerbebetriebe. 1990 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, doch an Weihnachten 1992 zerstörte ein Grossbrand – dessen Ursache bis heute ungeklärt geblieben ist – erhebliche Teile der Anlage. Der Brand ermöglichte ein neues Kapitel in der Geschichte des Areals. Der 1996 aus einem öffentlichen Wettbewerb hervorgegangene Gestaltungsplan führte zu politischen Kontroversen, schliesslich aber zu einem Kompromiss im Gemeinderat. Denn Wohnungs- und Schulraumnot drängten. Im Jahr 2000 konnte das Schulhaus, 2002 die Siedlung Am Wasser mit 34 Wohnungen, einem Kindergarten und einem Hort bezogen werden. Das auf sechs Primarschulklassen angelegte Schulhaus gelangte wider Erwarten schnell an die Grenzen seiner Kapazität. Die starke Bautätigkeit entlang der Limmat in Höngg hatte viele Familien angelockt. Schon 2004 wurden deshalb auf der anderen Flussseite zwei Ersatz-Pavillons aufgestellt. Das Schulhaus «Am Wasser» bot mit der Erweiterung 2007 im Obergeschoss Platz für drei zusätzliche Klassen. Im Erdgeschoss wurden eine Bibliothek, ein Musikraum, ein Werkzimmer sowie die Räume für das Lehrerteam, die Schulleitung und die Hauswartung erstellt.

    Beziehungen als Basis für Lernprozesse

    Die 62-jährige Susanne Gauch ist seit 2004 Schulleiterin. Sie hat die Entwicklung der Schule «Am Wasser» massgeblich geprägt. Eindrücklich die «demografischen» Zahlen: Startete man im Jahr 2000 mit vier Klassen, zwei Kindergärten und zwei Horten, umfasst die Schule «Am Wasser» heute mit allen Aussenstationen fünf Kindergartenklassen, insgesamt zwölf 1. bis 6. Klassen und sechs Horte. Etwa zwei Fünftel der 365 Kinder kommen aus «Zürich West»; rund 80 Prozent besuchen an einem oder mehreren Tagen einen Hort. Susanne Gauch nimmt neben den «normalen» Schulleitungspflichten, die bereits in früheren Artikeln dieser Serie beschrieben worden sind, kein fixes Unterrichtspensum wahr. Die ehemalige Kleinklassenlehrerin vikarisiert bei Bedarf. Zudem entlastet sie das Lehrer-Team, indem sie die Betreuung von Kindern in Krisensituationen, bei denen ein Timeout angezeigt ist, bis zu einem halben Tag übernimmt – was immer wieder hohe Flexibilität fordert. Dass die Schulleiterin einen partizipativen Führungsstil pflegt und auf Kooperation setzt, wird bereits mit der Beschriftung «Teamzimmer» an der Türe des landläufig als «Lehrerzimmer» bekannten Raums deutlich. Ein Kernthema von Susanne Gauch ist die Beziehungsgestaltung. Sie ist der festen Überzeugung, dass stabile, von gegenseitigem Wohlwollen und Respekt getragene Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schülern unabdingbare Basis für gelingende Lernprozesse sind. Damit dies möglich wird, müssen alle Schnittstellen der Schule – die pädagogischen Stufenteams, die Elternarbeit, die Hortbetreuung, schulische Fachstellen und nicht zuletzt jene der Schulleitung zu den Lehrkräften – entsprechend gestaltet werden.

    Drei Bezugspersonen

    Die Schule «Am Wasser» nimmt denn auch am kantonalen Schulprojekt «Fokus starke Lernbeziehung» teil. Das Projekt will eine Antwort auf Nachteile des integrativen Unterrichts geben, der seit seiner Einführung die Zahl der Lehr- und Fachpersonen pro Klasse stark gesteigert hat – zu stark, wie viele Eltern, aber auch Experten meinen. Das Modell «Am Wasser»: Zwei Lehrkräfte teilen sich pro Klasse, abhängig von deren Bedarf, in 130 bis 180 Stellenprozente. Dazu kommt bei den meisten Kindern eine Bezugsperson im Hort. Um jeden Schüler – und dessen Eltern – bildet sich somit im Idealfall höchstens ein Trio von für ihn zuständigen Personen. Ausgebildete Heilpädagoginnen beraten punktuell und situativ Lehrkräfte und Betreuerinnen. Da das Projekt erst seit zwei Jahren läuft, fand noch keine der Öffentlichkeit zugängliche Evaluation statt.

    Ein besonderer Nachmittag pro Woche

    Eine weitere Besonderheit der Schule «Am Wasser» stellt der Projektunterricht am Dienstagnachmittag dar. Initiiert und konzipiert wurde das schulinterne Projekt von Käthi Mühlemann mit dem Ziel, zwei Lektionen pro Woche für die Begabungs- und Begabtenförderung einzusetzen. Der Projektunterricht am Dienstagnachmittag will nicht nur kognitive Begabungen fördern, sondern möglichst alle Intelligenztypen. Er bietet eine Alternative zu Ansätzen, die mit einer Auswahl von Hochbegabten arbeiten. «Wir wecken Neugier, Motivation, Interesse und Freude am Lernen», ein Leitsatz, der für alle gilt. Zur Organisation: Jede Lehrkraft der Schule «Am Wasser» bietet einen Kurs zu einem Thema aus den Bereichen Gestaltung und Musik oder Mensch und Umwelt an. Die Schüler wählen nach Neigung drei Angebote aus und werden danach klassen-übergreifend so verteilt, dass sinnvolle Kursgruppen entstehen. Die Unterrichtsformen sind das A und O für das Gelingen des Projektes. Kurze Fachinputs durch die Lehrkräfte und Kleingruppenarbeit wechseln sich ab. Die Schüler sollen, ihren Begabungen und Interessen angemessen, eigene Themen vertiefen können. Der Berichterstatter war in drei Kursen auf Stippvisite: Magnetismus, Gärtnern auf der Hardturmbrache sowie Ukulele-Unterricht. Er traf dabei auf eifrige, sich gegenseitig unterstützende und vergnügt arbeitende Schüler – und kam zum Schluss: Lernen und Üben macht besonders Spass, wenn Thema und Interesse zusammenpassen.

    Quellen:
    – «1934-2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg», von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg
    – Grünzeit Zürich, Juli 2007, Spielplätze
    – Architekturbericht Schulanlage „Am Wasser“ vom 5.12.2007
    – Medienmitteilung der Stadt Zürich vom 7.12.2007 zum Erweiterungsbau Schulhaus „Am Wasser“

     

    Bisher erschienen:
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5.2.2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    26.2.2015: Vogtsrain mit Wettingertobel
    12.3.2015: Das Schulhaus Rütihof
    26.3.2015: Riedhof-Pünten

     

  • Schulen in Höngg, Teil 6: Riedhof-Pünten

    Schulen in Höngg, Teil 6: Riedhof-Pünten

    Die topografische Aufnahme des Kantons Zürich von Höngg und Umgebung aus dem Jahre 1851 zeigt im Massstab 1:25 000 für den Weiler Riedhof gerade mal vier Gebäude. Vom möglichen Erstbesiedler des Riedhofs, dem 1579 zum Hofmeier von Höngg gewählten Rudolf Appenzeller, existiert ein zeitgenössisches Bild, auf dem auch vier Mondgesichter abgebildet sind. Der gute Mann berichtete nämlich am 14. Juni 1581, er habe in der Nacht zuvor, etwa um ein Uhr, gleichzeitig vier Vollmonde am Himmel gesehen und sich über «eine söllichte Heiteri verwundret». Man hielt ihn zwar für «ein wahrhaffter Man, der auch nüt vertrunken»! Ob aber Fata Morgana, spirituelle Erleuchtung oder Vollrausch – der reale Hintergrund dieser Geschichte blieb im Dunkeln. Nach dem Brand des Riedhofs 1888 entdeckte man in einem Haus die Jahreszahl 1560. Sofern diese Zahl den ersten Hausbau im Riedhof markiert, wird der Ort seit 455 Jahren bewohnt.

    Pavillonstruktur bald zu eng

    Die meisten Häuser zwischen Wieslergasse und Giblen wurden ab Ende der 50er- bis Mitte der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts errichtet. Die stark steigende Bewohnerzahl und der daraus resultierende Kinderboom führten zum Bau der Schulhäuser Imbisbühl, Pünten und Riedhof. Das in den Hang westlich des Wildenwegs eingebettete Riedhof-Schulhaus verteilt auf zwei räumlich getrennte, gleich grosse Trakte zwölf Klassenzimmer. Neun davon werden heute noch als Klassenzimmer genutzt; dazu gesellen sich Räume für Musik, Handarbeit, Werken und die Bibliothek. Die Schulanlage wird durch einen Doppelkindergarten oberhalb sowie durch eine Turnhalle auf der untersten Höhenlage ergänzt. Aktuell besuchen 375 Schüler die Schule Riedhof-Pünten, die zwölf Primarklassen, fünf Kindergartenklassen, drei Tageshorte und einen Mittagshort umfasst. Für das nächste Schuljahr ist ein weiterer Hort geplant, denn die Nachfrage nach dieser familienergänzenden Betreuungsform ist gross. Das Riedhof-Schulhaus wurde wegen seiner Pavillonstruktur Anschauungsobjekt für Architekturstudenten aus der ganzen Welt.

    Zwei Personen, 120-Prozent-Schulleitung

    Ursula Sâadi und Claudio Bernasconi bilden gemeinsam die Leitung der Schule Riedhof-Pünten. Sie sprechen dem über 50 Jahre alten Architekturkonzept eine erhebliche Bedeutung für den Schulalltag aus. Positiv hervorgehoben wird die Raumstruktur, die mit vielen Nischen gezielt Gruppenunterricht ermöglichen und eine Abkehr vom Frontalunterricht befördern will. Nachteilig auf die Anpassung an neue schulische Bedürfnisse wirken sich die strengen baugeschichtlichen Vorschriften aus. Wegen Platzmangels ist vorgesehen, ab 2016 auf dem Areal Unterrichtspavillons aufzustellen. Ähnlich wie im Vogtsrain ist auch im Riedhof Treppensteigen Alltag. Das Schulhaus ist aber, da es über keinen Lift verfügt, nicht rollstuhlgängig.
    Ursula Sâadi amtete bereits von 2002 bis 2011, zusammen mit dem mittlerweile pensionierten Marcel Ruppen, als Ko-Schulleiterin. Heute setzt sie rund 20 Stellenprozente für die Schulleitung ein und erteilt zudem Unterricht. Claudio Bernasconi kam 2012 ins Riedhof-Schulhaus und ist zu 100 Prozent als Schulleiter angestellt. Er hat kein festes Unterrichtspensum, sondern springt bei Bedarf auf allen Stufen ein. Zu seiner eigenen Überraschung hätten es ihm seine Einsätze im Kindergarten besonders angetan. Bei den Kleinen könne man nicht «spetten», das heisst Kinder auf andere Klassen verteilen, wenn die Lehrkraft ausfällt. Da müsse jemand hinstehen und übernehmen.

    Keine «Timeout-Struktur» nötig

    In der Schule Riedhof-Pünten hat eine flache Hierarchie Tradition. Lehrkräfte und Betreuungspersonen stehen sich im Alltag nahe. Der Umgang untereinander ist von Respekt und Offenheit geprägt. Auch ihm sei, so Claudio Bernasconi, als neuer Schulleiter ein Vertrauensvorschuss entgegengebracht worden, der einen guten Einstieg ermöglicht habe. Mit «Blauäugigkeit» dürfe ein solches Teamklima nicht verwechselt werden. Soziale Nähe bedeute hinschauen, wenn nötig kritisch nachfragen, Anteil nehmen, Verbesserungspotenzial suchen, Ziele vereinbaren und überprüfen. Respekt und Selbstbehauptung sind denn auch Schwerpunktthemen für das Schuljahr 2014/15. Eine Projektwoche mit klassenübergreifenden Angeboten wird dafür eingesetzt.
    Für Ursula Sâadi hat sich der Lehrerberuf in den letzten drei Jahrzehnten so entwickelt, dass man von einer neuen Profession sprechen müsse. Solistentum ist nicht mehr gefragt. Der stark individualisierte Unterricht werde in der Regel mit der Teamkollegin oder Fachlehrkräften gemeinsam vorbereitet und gestaltet. Jeder einzelne Schüler bringt ihm eigene Begabungen, eine andere Lernbereitschaft und einen individuellen Hintergrund mit. Dieser Heterogenität gerecht zu werden, sei die grosse Herausforderung der heutigen Schule. Eine mehrheitlich an ihren Kindern interessierte und kooperative Elternschaft unterstütze die Ziele der Schule, halten Sâadi und Bernasconi fest. Es gebe wenig disziplinarische Probleme, weshalb man auch keine besondere «Timeout-Struktur» aufgebaut habe.

    Ein Morgen im Kindergarten

    Zu Besuch bei der Kindergartenklasse von Rahel Ramsauer: 21 Räupli und Schmetterlinge sitzen um halb neun im Kreis. Mit einem Lied, das sie gekonnt am Klavier begleitet, sammelt die Lehrerin ihre Klasse für den Tag. Danach erklärt sie ihnen die Anwesenheit des Berichterstatters. Kaum haben die Kinder etwas von Zeitungsbericht gehört, melden sich die Forschesten unter ihnen für ein Foto. Nun geht es in Zweierreihen geordnet in die Turnhalle hinunter. Der zurzeit als Klassenassistent im Riedhof eingesetzte Zivildienstler, Jürg Läderach, hat bereits fünf Bewegungsposten aufgebaut. Es setzt ein munteres Treiben ein. Die Kinder klettern, springen, balancieren, versuchen Purzelbäume oder schwingen an Seilen durch die Luft. Gelegentlich klinkt sich ein Kind aus oder sucht Trost bei einer Lehrperson. Die meisten Kinder bewegen sich geschickt, keines fällt in seiner Motorik deutlich auf oder ab. Die Entwicklungsunterschiede unter den Kindern seien vor allem im Bereich sozialer Kompetenzen gross, erklärt auf dem Rückweg die Lehrerin. Es sei nicht einfach, allen stets gerecht zu werden. Aber sie liebe die Kinder und ihre Arbeit. Das ist aus Sicht des Schreibenden zentrale Voraussetzung für ein gutes Klassenklima und für gelingende Lernprozesse.

    Quellen:
    – «Das Neue Schulhaus» von Alfred Roth, Girsberger Zürich, 1961
    – «Ortsgeschichte Höngg» von Georg Sibler, herausgegeben von der Ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.
    – «1934–2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg», von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg

    Bisher erschienen:
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5.2.2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    26.2.2015: Vogtsrain mit Wettingertobel
    12.3.2015: Das Schulhaus Rütihof
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch / Archiv

 

 

 

  • Quartierverein Höngg: Bericht aus dem Vorstand, 3. März 2015

    Höngger Adventszauber

    Der Quartierverein Höngg (QVH) begrüsste Tiziana Werlen, die treibende Kraft hinter dem voraussichtlich dieses Jahr erstmals stattfindenden «Höngger Adventszauber», als Gast an der letzten Vorstandssitzung. Zusammen mit QVH-Vizepräsidentin und Mitorganisatorin Karin Keller informierte sie über den aktuellen Planungsstand, der sich folgendermassen umreissen lässt:
    Datum, Zeit: Donnerstag, 26. November, voraussichtlich von 18 bis 21 Uhr. Details: (Kurz-)Konzept, Anmeldeformulare, Teilnehmerlisten usw. werden auf www.zuerich-hoengg.ch publiziert und auf dem aktuellen Stand gehalten. QVH-Mitglieder dürfen anlässlich der Generalversammlung auf weiterführende Informationen gespannt sein. Organisation: Um die bereits an der parallel zum Wümmetfäscht stattfindenden Gewerbeschau stark engagierten HGH-Mitglieder zu entlasten, hat der QVH das Patronat für den «Höngger Adventszauber» übernommen. Bei Fragen sind Tiziana Werlen und Karin Keller unter der E-Mail-Adresse adventszauber@zuerich-hoengg.ch erreichbar. Presse: Der Vorstand des Quartiervereins nimmt mit Freude zur Kenntnis, dass der «Höngger» sich als Pressepartner für den «Höngger Adventszauber» zur Verfügung stellt.

    Vernetzungsanfrage des Quartiervereins Wipkingen

    Der Vorstand des QV Wipkingen (QVW) hat dem QVH eine «Vernetzungsanfrage» bezüglich der neuen Fahrpläne im ZVV gesandt. In der Anfrage ging es darum, dass die neuen Fahrpläne für die Jahre 2016/2017 aufgelegt werden und alle Interessierten bis zum 25. März 2015 Eingaben machen können. Der QVW beteiligt sich mit einer Eingabe und macht sich für den Viertelstundentakt ab Bahnhof Wipkingen stark. Der QVH-Vorstand hat das Anliegen diskutiert und einhellig die Unterstützung des QVW beschlossen.

    Quartierverein intern: Vorstand

    Heidi Mathys hat per Generalversammlung 2015 ihren Rücktritt aus dem QVH-Vorstand bekanntgegeben, woraufhin Alexander Jäger bezüglich eines an der aktiven Vorstandsarbeit interessierten SVP-Mitgliedes mit der Höngger Parteileitung Kontakt aufgenommen hat. Aus den Reihen von SP und GLP Höngg wurden bis dato noch keine Interessenten für ein QVH-Vorstandsamt nominiert.

    Eingesandt von Alexander Jäger, Präsident Quartierverein Höngg

  • Sechste Berufsmesse zeigte Teenagern rund 70 Berufe

    Sechste Berufsmesse zeigte Teenagern rund 70 Berufe

    In der Aula und den Werkräumen wurde für einmal weder gesungen noch gesägt, sondern an der eigenen Zukunft gearbeitet. Über 170 Oberstufenschülerinnen und -schüler der Schule Lachenzelg und erstmals auch der Sekundarschule Waidhalde und der Freien Oberstufenschule Zürich FOSZ besuchten die übersichtliche Berufsmesse mit 21 Ständen von Firmen und Institutionen, mit wenigen Ausnahmen alle aus Höngg.

    Ehrenamtliche Messeteilnahme der Firmen und Institutionen

    Judith Eschmann, Mitglied des Organisationskomitees des Elternrats der Schule Lachenzelg, erzählte, dass sich die teilnehmenden Firmen mehr Schüler und damit eine bessere Auslastung der Stände gewünscht hätten, da die Messeteilnahme doch ein beträchtlicher Aufwand sei, den die Firmen natürlich gerne, aber auch ehrenamtlich auf sich nehmen.
    So wurde die Sekundarschule Waidhalde angefragt und die Freie Oberstufenschule Zürich FOSZ, welche einige Schüler aus Höngg unterrichtet. Beide Schulen nahmen das Angebot gerne an. Die Schüler der FOSZ nahmen den Weg von Zürich-Affoltern nach Höngg gar unter die Füsse und spazierten mit Muskelkraft ins Schulhaus Lachenzelg.

    Lange Listen mit Fragen

    Von 13.45 bis 16.30 Uhr dauerte die Berufsmesse, die in Gruppen besucht wurde. So hatten die Teenager jeweils genug Platz und Zeit, um die Firmeninhaber, Angestellten und die ebenfalls zahlreich anwesenden Lehrlinge mit Fragen zu «löchern». Sie mussten sich im Voraus auf drei Berufe festlegen, die sie sich zu lernen vorstellen konnten, zwei weitere aus anderen Bereichen mussten sie sich ebenfalls aussuchen, um ein breiteres Bild der angebotenen Berufe zu erhalten. In den Händen hielten sie eine lange Liste mit Fragen, von denen sie sich einige aussuchen mussten – die wohl oft gehörteste war «Was verdient man in Ihrem Beruf?», gefolgt von «Was ist das Spannendste bei Ihrer Arbeit?».
    Die Ausstellenden wurden nicht müde, immer die gleichen oder ähnliche Fragen zu beantworten, schliesslich waren diese Informationen für jeden einzelnen anwesenden Teenager im Alter von 14 bis 15 Jahren wichtig.

    Zielstrebig wurden bestimmte Stände angepeilt

    Zielstrebig wurde etwa der Stand von Urs Kropf, Zimmermann, von der Kropf Holz GmbH, angepeilt, genauso wie der Stand der UBS-Filiale Höngg, die Kaufleute und Informatiker ausbildet. «Die Schülerinnen und Schüler sind oft etwas scheu und zaghaft – sind sie dann aber mal <aufgetaut>, dann haben sie viele Fragen und reden gerne», so der Tenor der Ausstellenden. Jörg Hanselmann, Geschäftsstellenleiter der UBS-Filiale Höngg, findet die Berufsmesse eine «super Sache»: «Es gibt so viele verschiedene Berufe hier, die den Schülern vorgestellt werden, dass sie einen guten Überblick bekommen. Viele Schüler haben das KV im Blick und suchen deshalb unseren Stand auf.»

    Wenn die Lehrlinge mit «Sie» angesprochen werden

    Noah von Fellenberg, im zweiten Lehrjahr als Augenoptiker bei He-Optik, freute sich, dass er von den Teenagern mit «Sie» angesprochen wurde – so kam er sich gleich noch erwachsener vor. Beobachten konnte man auch, dass die Schüler bei Lernenden weniger Hemmungen hatten, Fragen zu stellen. Genau aus diesem Grund nahmen einige Firmeninhaber und Institutionen ihre Lehrlinge mit oder überliessen nach einer Einführung gleich diesen den Stand – so dass frei von der Leber hinweg aus dem Lehr-Alltag erzählt werden konnte, was von den gut 170 Jugendlichen geschätzt wurde.
    Sandra Fioklu und Magali van Hecke, beides 2.-Sekundar-Schülerinnen der Schule Lachenzelg, waren gut vorbereitet und fanden, es sei wichtig, eine offene Perspektive zu haben: «Wir möchten hier ganz verschiedene Berufe genauer anschauen», so die beiden Mädchen.
    Organisiert wurde die Berufsmesse zum wiederholten Mal vom Organisationskomitee des Elternrates der Schule Lachenzelg, dem Judith Eschmann, Ruth Meister, Ali Yildiz und Carmen Fatam angehören. Für alle ist ganz klar, dass es auch im nächsten Jahr die Berufsmesse im Schulhaus Lachenzelg geben wird.

    Teilnehmende Firmen:
    Alterswohnheim Riedhof
    Apotheke im Brühl AG
    Centrum Drogerie AG
    Greb Sanitäre Anlagen
    Jaisli-Xamax AG
    Ref. Kirche Höngg
    Grisoni Klima Lüftung GmbH
    He-Optik
    Hebamme Kathrin Pfäffli
    Kneubühler AG
    Koller Metallbautechnik
    Kropf Holz GmbH
    Kieferorthopädie Christoph Schweizer
    Steiner Flughafebeck AG
    Velo Lukas GmbH
    Hairline for you
    Gasser Hoch- und Tiefbau
    ERZ
    ETH
    SBB
    UBS
    Alle an der Berufsmesse angebotenen Berufe aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen – es waren knapp 70.

  • Schulen in Höngg, Teil 5: Das Rütihof-Schulhaus

    Schulen in Höngg, Teil 5: Das Rütihof-Schulhaus

    Bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts umfasste der Kernweiler des Rütihofs gerade mal 14 Wohnhäuser, die Einwohnerzahl bewegte sich über lange Zeit um die 80 herum. Seither ist an Häusern und Menschen einiges dazu gekommen, der Quartierverein Höngg vermeldet auf seiner Website aktuell um die 4000 Einwohner. Das ruhige, naturnahe Quartier zog viele Familien mit Kindern an und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich aufgrund der wachsenden Kinderschar ein neues Schulhaus mit dem Einzugsgebiet Rütihof aufdrängte. Die Kinder aus dem Rütihof hatten zuvor stets lange Schulwege unter ihre Füsse nehmen müssen. Bis 1824 besuchten sie das Schulhaus am Wettingertobel, von 1824 bis 1928 das Schulhaus in Oberengstringen und danach, bis 1953, die Bläsi-Schulhäuser. Nur noch etwa halb so weit war der Weg für die jungen Rütihöfler ab 1953 ins Schulhaus Lachenzelg, ab 1963 ins Schulhaus Riedhof. Nach einem Architekturwettbewerb wurde das Schulhaus-Projekt Rütihof 1992 vom Zürcher Stimmvolk angenommen.
    Mit der Eröffnung im Jahr 1994 verbinden den Schreibenden persönliche Erinnerungen, trat seine Tochter doch in diesem Jahr im Rütihof in die erste Klasse ein. Sie hatte das Glück, die Unterstufe bei einer engagierten und liebevollen Junglehrerin besuchen zu dürfen. Kein Wunder, nannten viele ihrer Klassenkameradinnen wie auch sie selber als ersten Berufswunsch Lehrerin. Ihr damaliges Vorbild unterrichtet im Übrigen heute noch an der Schule Rütihof.

    Seit 21 Jahren eine Hönggerin in der Schulleitung

    Die 48-jährige Esther Zoller ist in Höngg an der Ottenbergstrasse aufgewachsen. Die Primarschule besuchte sie im Bläsi- und im Vogtsrain-, die Sekundarschule im Waidhalde-Schulhaus. Nach der Ausbildung zur Primarlehrerin am Seminar Unterstrass unterrichtete sie vorerst im Riedhof. Für die neue Schule am Rande des Rütihofs suchte der damalige Schulpräsident, Alfred Bohren, ein Team, das aus im Schulkreis bewährten und neu angestellten Lehrkräften gebildet werden sollte. Die anspruchsvolle, aber auch kreative Aufgabe, den Betrieb einer neuen Schule zu planen und vom ersten Tag an mit zu gestalten, reizte Esther Zoller. Mit Kollegen wechselte sie 1994 vom Riedhof in den Rütihof.
    21 Jahre später blickt sie mit Freude auf das Erreichte zurück. Bei der Eröffnung habe das Rütihof-Schulhaus mit seiner grosszügigen Aussenanlage − die Zeitungen schrieben 1995 von einem kleinen Stück Himmel und von einer Idylle – noch einer Baustelle geglichen. Erst ein Trakt war vollendet, der Platz knapp. Gerade dies habe die Bildung des neuen Schulteams beflügelt, denn man war aufeinander angewiesen, rückte zusammen und unterstützte sich gegenseitig. Für Esther Zoller ist dieser Pioniergeist bis heute lebendig geblieben und drückt sich in einem offenen, von Solidarität geprägten Teamklima aus. Das tägliche, gemeinsame Mittagspicknick im Lehrerzimmer sei eine wichtige «Station» im Tagesablauf. Seit dem Jahr 2002 wirkt sie zusammen mit Bettina Wyss als Schulleiterin, später stiess noch die dritte Ko-Schulleiterin, Agnes Weidmann, dazu. Das Trio teilt sich 120 Stellenprozente und trägt je die Verantwortung für Kindergarten, Unter- und Mittelstufe. Esther Zoller und Agnes Weidmann sind beide auch an der Pädagogischen Hochschule Zürich angestellt, wo sie Didaktik/Methodik unterrichten und als Mentorinnen für Junglehrerinnen wirken. Die Schule Rütihof ist Kooperationsschule der Pädagogischen Hochschule: Seit 2012 «üben» zukünftige Lehrkräfte im Rütihof und werden dabei von erfahrenen Lehrpersonen angeleitet.

    Etablierte Schüler-Vollversammlungen

    Zurzeit wird die Schule Rütihof von rund 350 Schülern besucht. Das Angebot umfasst zwölf Primarschulklassen, je zwei pro Jahrgang, vier Kindergärten und vier Horte. Der Schreibende begegnete der gesamten Schüler- und Lehrerschaft am 4. März anlässlich einer Schüler-Vollversammlung, die viermal pro Jahr in einer Turnhalle durchgeführt wird. Die «SVV» will das Gemeinschaftsgefühl fördern und stärken. Das Rütihof-eigene Schulorchester begleitet Lieder einzelner Klassen, die alle mitsingen dürfen, eine junge Geigensolistin spielt einen Czardas, eine Klasse zitiert Schulregeln, die das Motto «Ich bin wichtig für die Gemeinschaft, die Gemeinschaft ist wichtig für mich» unterstützen, eine 6. Klasse trägt vor, was sie als «Bläserklasse» der Musikschule Zürich gelernt hat. Die Freude an den Darbietungen ist spürbar. Das Ganze läuft ruhig und gelassen ab. Nach dreiviertel Stunden ist die SVV zu Ende, es folgt ein disziplinierter «Rückzug» ins Klassenzimmer. Im Kopf des Berichterstatters spielte ein 20 Jahre alter Film. Mit Rührung sah er seine kleine Tochter bei ähnlichen Schulveranstaltungen im gleichen Raum vor sich und staunte, wie kurz die Zeit erscheinen kann, die hinter uns liegt.

    Soziales Umfeld belastet den Unterricht

    Gefragt, was sich seit 1994 im Umfeld der Schule am stärksten verändert habe, nennt Esther Zoller den Zuzug von Familien in den Rütihof, die sozial belastet sind. Weil beide Elternteile arbeiten, damit das Familieneinkommen ausreicht, fehlen mancherorts Energie und Interesse für die Unterstützung der Kinder in der Freizeit oder in schulischen Belangen. Die Klassen seien schwerer führbar geworden. Auch die Rütihof-Schule setzt auf PFADE, das Programm zur Förderung alternativer Denkstrategien. Die Rütihof-Insel, in der Schüler zur Entlastung des Schulalltags eine Auszeit nehmen können, ist anders konzipiert als jene im kürzlich vorgestellten Schulhaus Vogtsrain: Aus dem Stellenplan der Schule wurden ausreichend Prozente für die Anstellung einer Lehrerin «extrahiert», die jederzeit in der Lage ist, Schüler für eine Stunde, einen halben oder einen ganzen Tag aufzunehmen. Die Insel-Lehrerin ist zudem für Aufgabenhilfe und die Begabtenförderung zuständig.

    ETH-Studie zu Physik-Unterricht

    An der Schule Rütihof haben musische Fächer einen hohen Stellenwert. Auf das bereits erwähnte, von einem Musik-Profi geleitete Schul-Orchester ist Esther Zoller besonders stolz. Mit einigem Schalk fragt sie, wieso es eigentlich einen obligatorischen Sporttag, hingegen keinen obligatorischen Musiktag gebe. Seit vier Jahren beteiligt sich die Schule aber auch an einer ETH-Studie, mit der geprüft werden soll, wie sich altersangemessener Physik-Unterricht ab Unterstufe langfristig auf Motivation und Kompetenz der Schüler in den naturwissenschaftlichen Fächern auswirkt. Es ist unverkennbar: Die Schule Rütihof will am Puls der Zeit bleiben.

    Quellen:
    – «Ortsgeschichte Höngg» von Georg Sibler
    – «Der Rütihof bei Höngg» von Georg Sibler, beide herausgegeben von der Ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.
    – «1934–2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg», von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg

    Bisher erschienen:
    15. Januar: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29. Januar: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5. Februar: Lachenzelg und Imbisbühl, die Oberstufe
    26. Februar: Vogtsrain mit Wettingertobel
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch / Archiv / Dossier Schulen Höngg

    Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u. a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.

  • Schulen in Höngg, Teil 4: Vogtsrain mit Wettingertobel

    Schulen in Höngg, Teil 4: Vogtsrain mit Wettingertobel

    Die Schulanlage Vogtsrain wurde in den Jahren 1970 bis 1973 in den steilen Hang neben den Vogtsrain gebaut, der vom ältesten noch erhaltenen Höngger Haus, dem 1506 errichteten Lehenshof des Fraumünsters, heute das Ortsmuseum, zur Kappenbühlstrasse führt. Den Namen verdanken Strasse und Schule zwei Bewohnern des früheren Hauses zum Kranz, die in Höngg im 18. Jahrhundert als Untervögte – heute spräche man von Gemeindepräsidenten – gewirkt haben. Wie Georg Sibler in seiner Ortsgeschichte Höngg festhält, war das Dorf seit 1384 eine Obervogtei der Stadt Zürich. In diesem Jahr kam es zu einer gröberen Schlägerei zwischen Weiningern und Klosterknechten aus Wettingen, wobei zwei Weininger getötet wurden. Das Kloster, das die Vogteirechte über Höngg seit 1365 innehatte, wurde zu einer hohen Busse verurteilt und verpfändete dafür das Dorf Höngg an Zürich. Da das Kloster die Busse nicht bezahlen konnte, wechselten die Vogteirechte zur Stadt. Streit zwischen frühen «Hooligans» ist also die Ursache für unsere gegenwärtige Zugehörigkeit zu Zürich. Bis Höngg mit der Eingemeindung 1934 seine rechtliche Eigenständigkeit endgültig verlor, sollten aber weitere 550 Jahre ins Land ziehen.

    Neue PFADE bei Disziplinarproblemen

    Aus der Vogelperspektive erinnert die Schulanlage Vogtsrain an ein kubistisches Gemälde. Das Gelände ist weitläufig, Treppensteigen Alltag. Die Schule Vogtsrain beherbergt Kindergarten-, Unter- und Mittelstufenklassen, Horte sowie eine Abteilung der Heilpädagogischen Schule der Stadt Zürich. Die beiden Schulleiterinnen, Heidi Zandbergen und Nora Borschberg, empfangen den Berichterstatter in der ehemaligen Hauswartwohnung – auf mittlerem Höhenniveau, gleich unterhalb des künstlichen Baums von Rolf Flachsmann aus farbigem Scobalit. Die Wohnung wurde umgebaut und mit einem Büro für die Schulleitung, einem Sitzungszimmer, einem Kleingruppenraum und der Ecke für eine Insel im Schulalltag ausgestattet. Die jeweils von einer Schulleiterin betreute «Insel» dient – in Absprache mit der verantwortlichen Lehrperson – als Rückzugsort für einzelne Schüler. Ein solches Time-out soll Schüler, Klasse und Lehrkraft vorübergehend entlasten und eine für alle Beteiligten schwierige oder gar explosive Situation entschärfen. Die Vorgehensweise steht exemplarisch für den offenen Zugang zu Problemen, wie ihn das «Vogtsrain» pflegt. Seit drei Jahren nimmt die Schule am Projekt PFADE teil: «Programm zur Förderung alternativer Denkstrategien». Das Programm zielt auf zwei Ebenen. In Bezug auf das Kind möchte man Problemverhalten verringern – sowohl gegen aussen gerichtetes wie Aggressionen, Ablenkbarkeit, tiefe Frustrationstoleranz, Unruhe als auch gegen innen gelenktes: Traurigkeit, Ängstlichkeit, sozialer Rückzug. Die damit verbundene Verbesserung des Selbstwertgefühls und der sozialen Kompetenzen hilft dem Kind, seine Lernbereitschaft und seine Leistungen zu erhöhen. Gleichzeitig trägt das Programm dazu bei, Disziplinarproblemen in den Klassen vorzubeugen und das Schulhausklima insgesamt zu verbessern. Damit werden Lehrkräfte entlastet und Burn-outs reduziert. Als Teil des Projektes hat jede Klasse unter dem Titel: «Unsere Schule – so soll sie sein?» eine eigene Regel erarbeitet, die Eingang in die Hausordnung der Schule Vogtsrain gefunden hat.
    Die Schulleitung beurteilt den Erfolg des PFADE-Projekts, das mit Weiterbildung für alle an der Schule Tätigen verbunden war, positiv. Der Aufwand habe sich gelohnt. Man verfüge nun im Unterricht und in der Betreuung über eine gemeinsame Sprache und über gemeinsame Handlungsstrategien. So werden bei Regelverstössen Konsequenzen mit Rücksicht auf die Unterschiedlichkeit von Personen und Situationen individuell ausgesprochen. Wichtig sei – neben der angemessenen «Sühne» – das Wiedergutmachen. Damit soll eine von Schuld entlastete Rückkehr in die Gemeinschaft ermöglicht werden. Für die Lehr- und Betreuungspersonen bestehe situativ selbstverständlich pädagogischer Spielraum.

    Balance aller Ansprüche

    Heidi Zandbergen und Nora Borschberg legen grossen Wert auf eine gute Vernetzung aller an der Schule Beteiligten. Sie haben in den letzten Jahren viel Zeit und Energie in den Aufbau eines fachlichen und persönlichen Austauschs zwischen Lehrpersonen, Hortleitungen, Schülern, Eltern, Fachstellen und Schulpflege investiert. Das Ziel, das alle verbindet: Die bestmögliche Förderung eines jeden Kindes gemäss seines individuellen Potenzials. Die Grundlage dafür stellt eine tragfähige Beziehung zu den unterrichtenden und betreuenden Personen dar. Man wolle so seinen Teil zur zukünftigen Gesellschaft beitragen und ist stolz darauf, auch ein Lehrbetrieb zu sein. Zurzeit werden in den Horten drei Lehrlinge zu Fachpersonen Betreuung ausgebildet. Die Schulleiterinnen sehen eine ihrer zentralen Aufgaben darin, für eine gute Balance zwischen den nach wie vor wachsenden Ansprüchen, die von aussen an die Schule getragen werden, und der Belastbarkeit ihrer Mitarbeitenden zu sorgen. Es brauche manchmal Mut, weniger zu machen und dadurch Verzettelung vorzubeugen. Aber es zahle sich aus: Viele langjährige Angestellte wie auch ihre eigene Zusammenarbeit weisen auf eine hohe Kontinuität hin.

    Der Elternrat als Schnittstelle

    Der 2008 ins Leben gerufene Elternrat bildet einen weiteren wichtigen Pfeiler dieser Vision von Schulgemeinschaft. Der 47-jährige Christian Knapp hat den Aufbau des Elternrates massgeblich mitgestaltet, war von Anfang an Vorstandsmitglied und wirkte später mehrere Jahre als dessen Präsident. Der Vater zweier Töchter im Alter von 13 und 15 Jahren ist in der Elektrobranche tätig. Als Kind besuchte er im Vogtsrain die Primarschule von der 1. bis zur 6. Klasse und erinnerte sich auch später gerne an diese Zeit zurück. Nach einigen «Wanderjahren» zog er mit seiner jungen Familie nach Höngg und als seine erste Tochter im «Vogtsrain» eingeschult wurde, suchte er einen direkten Bezug zur ehemaligen Lernstätte. Der fast zum selben Zeitpunkt getroffene Beschluss, die Elternarbeit an den städtischen Schulen zu institutionalisieren, bot Christian Knapp die Chance, sich an dieser Schnittstelle zu engagieren. 2008 entwarf eine Spurgruppe, an der er beteiligt war, das Reglement für die Zusammenarbeit der Schule Vogtsrain mit «ihren» Eltern. Es mussten funktionierende Strukturen aufgebaut und gleichzeitig zwei wichtige Aspekte berücksichtigt werden: Zum einen galt es, allzu hohen Erwartungen von Seiten der Eltern zuvorzukommen, zum anderen standen Befürchtungen der Lehrerschaft im Raum, Eltern könnten sich via Elternrat in methodisch-didaktische Belange einmischen. Das wichtigste Ziel aus Sicht des mittlerweile ehemaligen Präsidenten, zu dessen Erreichen das neue Gremium Wesentliches beitragen konnte: Nebeneinander wirken, ohne einander zu konkurrenzieren, damit die Kinder gerne in die Schule gehen – denn so lernen sie am besten. Allerdings wurde der Elternrat anfänglich von manchen Eltern nicht ernst genommen. Man vermutete hinter dem Ganzen eine Alibiübung. Nicht alle Vorurteile liessen sich abbauen. Christian Knapp zieht heute aber eine positive Bilanz zur Entwicklung der Elternarbeit im Vogtsrain, die von gegenseitigem Verständnis, Respekt und Wertschätzung geprägt sei. Das zeige sich auch immer wieder bei der Bewältigung von Problemsituationen um einzelne Schüler. Selber hat er mit dem Wechsel der zweiten Tochter in die Oberstufe sein Amt abgegeben. Wer sich von den vielfältigen Aktivitäten des Elternrats überraschen lassen will, braucht nur auf www.elternrat-vogtsrain.ch zu klicken.

    Quellen:
    – Ortsgeschichte Höngg von Georg Sibler, herausgegeben von der ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.
    – 1934–2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg, von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg.

    Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u.a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.

    Bisher erschienen
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5.2.2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch, Archiv, Dossier Schulen Höngg.

     

  • Quartierverein Höngg – Bericht aus dem Vorstand

    Quartierverein intern, neue Vorstandsmitglieder

    Wie bereits früher berichtet, ist es dem QVH-Vorstand ein Anliegen, dass alle im Gemeinderat vertretenen Höngger Parteien auch im QVH-Vorstand Einsatz nehmen. Aktuell sind weder die SP Zürich 10 noch die Grünliberalen Zürich Kreis 6 + 10 im QVH-Vorstand vertreten. Wegen Ressourcenmangel ist leider von den Grünliberalen eine vorläufige Absage für das kommende Vereinsjahr eingegangen. Hingegen ist man weiterhin im Gespräch mit der SP und hofft auf die Kandidatur einer an der aktiven Mitarbeit interessierten Persönlichkeit, die sich an der Generalversammlung vom 1. Juni den QVH Mitgliedern zur Wahl stellt.

    Geplante Fussgänger- und Fahrradüberführung «Am Wasser»

    Im Bereich «Am Wasser 108» soll die bergseitige Trottoirlücke mittels eines provisorischen Fusswegs geschlossen werden. Ein entsprechendes Projekt ist beim Tiefbauamt Zürich in Erarbeitung. Die Realisierung erfolgt, vorbehältlich der Bewilligungen durch die zuständigen Instanzen (Stadt und Kanton), voraussichtlich noch in diesem Jahr.

    Neuer Adventsanlass im November

    Der Vorstand des QVH hat die Idee von Tiziana Oberti Werlen aufgenommen, gemeinsam einen Adventsanlass zu planen. An der alljährlichen Koordinationssitzung Ende Januar wurden die Vertreterinnen und Vertreter der Höngger Vereine diesbezüglich informiert, der Puls gefühlt und erste Meinungen und Vorschläge gesammelt. Als Datum wurde der Donnerstag, 26. November 2015, festgelegt. Weitere Informationen zum «Adventszauber Höngg» folgen.

    Alexander Jäger, Präsident Quartierverein Höngg

  • Schulen in Höngg, Teil 3: Lachenzelg und Imbisbühl, die Oberstufe

    Schulen in Höngg, Teil 3: Lachenzelg und Imbisbühl, die Oberstufe

    Die Oberstufe der Volksschule Höngg hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Mit dem kantonalen Schulgesetz von 1832 wurden ab dem 7. Schuljahr getrennte Real- und Sekundarschulabteilungen eingeführt. Als eine der ersten Sekundarschulen im Kanton nahm Regensdorf 1834 den Betrieb auf. Sechs Schüler aus Höngg wanderten damals jeden Tag über den Berg. 1835 schloss sich Höngg mit mehreren Nachbargemeinden zu einem Sekundarschulkreis zusammen. Während vieler Jahre wurden die Höngger Sekundarschüler nun in Oberengstringen unterrichtet. Die Sekundarschule der beiden Gemeinden zog 1871 nach Höngg ins Schulgebäude am Wettingertobel, das sie ab 1883 – die Primarschule wechselte ins eben eröffnete Schulhaus Bläsi-B – ganz belegte. 1907 zügelte die Sekundarschule Höngg-Oberengstringen weiter ins Obergeschoss des neuen Schulhauses Bläsi A. Am Wettingertobel verstummten die Geräusche von spielenden, schwatzenden oder streitenden Schülern für 27 Jahre.

    Planung und Bau dauerten 20 Jahre

    Die Planung eines eigentlichen Oberstufenschulhauses startete die Gemeinde Höngg im Jahr 1933. Das Baugelände am Lachenzelg wurde gekauft, ein Planwettbewerb aufgegleist. Mit der Eingemeindung von Höngg im Jahr 1934 wurde es aber still um das Bauprojekt. Dafür kam das alte Schulhaus «Am Wettingertobel» nochmals zu Ehren (1934–1958). Infolge Schulraummangels nahm die Planung ab 1943 wieder Fahrt auf. Der Kreditantrag für die neue Schulhausanlage betrug 3,29 Millionen Franken und wurde 1951 vom Zürcher Stimmvolk bewilligt. Auf das Schuljahr 1953/54 konnte das Lachenzelg bezogen werden. Die elf Klassenzimmer waren von Anfang an belegt.
    1956 löste sich die Sekundarschule Oberengstringen von Zürich-Höngg. Im Zuge der rasanten Bevölkerungsentwicklung im Quartier wurde das Lachenzelg 1957 mit dem Bau der Schulhäuser Imbisbühl und Pünten zu einer architektonischen Einheit zusammengefügt.
    In den Jahren 2002 bis 2004 entstand das heutige Oberstufenzentrum Lachenzelg, das zurzeit zwölf gemischte 1. bis 3. Sek-A/B-Klassen, sowie eine 3. Sek A- und eine 3. Sek B-Klasse mit insgesamt 270 Schülern umfasst. 40 Angestellte unterrichten und betreuen die Schüler oder warten Schulgebäude und Anlagen.

    Sek heute, vielseitig für alle

    Valentin Vella, der 44-jährige Schulleiter, Vater dreier Söhne, empfängt den Berichterstatter in seinem Büro im ehemaligen Imbisbühl-Schulhaus. Die Türe ist verglast: der Schulleiter will für alle, die ihn aufsuchen, sicht- und erreichbar sein. Sein Amt trat er mit Beginn des Schuljahres 2003/04 an. Seit kurzem teilt er es mit seinem jüngeren Kollegen, Thomas Flückiger. An der Schule ist er seit 1996 tätig. Valentin Vella beschreibt sich als Person, die es liebt, mit offenen Situationen umzugehen. Er wisse nie genau, was ihn an einem Tag erwarte. Gerade heute seien zwei Lehrpersonen infolge Krankheit ausgefallen, da müsse er nach Ersatz suchen oder notfalls sogar selber einspringen. Ein Anwohner spaziert mit seinem Hund auf dem Areal, der Hauswart sucht ihn wegen eines Heizungsproblems, eine Lehrkraft möchte eine Situation mit einem schwierigen Schüler besprechen, besorgte Eltern rufen wegen der beruflichen Zukunft ihrer Tochter an: Nein, langweilig werde es ihm wahrlich nie. Zu den operativ-aktuellen kommen wichtige mittel- und langfristige Aufgaben hinzu: Schulische Qualitäts- und Teamentwicklung, Personalführung, Mitarbeiterbeurteilung, Schuljahrplanung, Projekte anstossen, begleiten, evaluieren, Beratung von Eltern mit Jugendlichen, die Probleme haben oder machen.
    Parallel zu seiner Funktion als Schulleiter wirkt Valentin Vella in einem Teilpensum von acht Stunden pro Woche als Co-Klassenlehrer in einer 1. Sek A/B. Der Schulleiter müsse stets am Puls des Schulgeschehens bleiben und wissen, was es heute bedeute, junge Menschen zu unterrichten. Das Projekt der gemischten Sek A/B empfindet er als Bereicherung. Wichtige Vorteile: Die Schülergemeinschaften aus der Mittelstufe bleiben erhalten, die Schwachen werden oft von den Starken mitgezogen und es gibt keine Häufung von Verhaltensauffälligen mehr. Selbstverständlich sollen auch die Leistungsstarken auf ihre Rechnung kommen, was mit den individualisierten Lehr- und Lernformen von heute insgesamt aber gewährleistet werden könne.

    Die Schule als Lebenswelt

    Das Lachenzelg sieht Valentin Vella als «Lebenswelt Schule», in der alle Beteiligten dazu beitragen, dass sie möglichst gewalt- und suchtfrei funktioniert und derart ihren Bildungsauftrag erfüllen kann. Ein Ausdruck dieses Geistes stellt das Projekt «BasU» dar: Betreuungsassistierter Unterricht, wobei Hortleiter bestimmte Aufgaben während des Unterrichts übernehmen und dadurch die Klassenlehrkräfte entlasten. Prävention wird im Lachenzelg grossgeschrieben. Bei Problemen mit Schülern setzt man zuerst – unter Einbezug der Eltern – auf Gespräche und verbindliche Zielsetzungen. Der Mittagstreff «Oase», der zwischen 11 und 14 Uhr von rund 130 Schülern besucht wird, gehört ebenfalls zur «Lebenswelt Schule». Neben dem Essen werden Hausaufgabenhilfe oder Hallensport angeboten, aber auch «töggelen» und «chillen» sind möglich. Für die Mitwirkung und Mithilfe der Eltern besteht ein Elternrat, für jene auf Schülerebene eine Schülerorganisation.
    Das Lachenzelg begleitet Schüler und deren Eltern in einem wichtigen Lebensabschnitt: Zwischen Kindheit und Erwachsenenwelt, zwischen spielerischem Erproben und dem Einstieg ins Berufsleben. Es gelinge praktisch immer, für die Schulabgänger eine Lehrstelle oder eine weiterführende Schule zu finden, sagt Vella. Dass sich viele Eltern aufgrund der gerade aktuell unsicheren Wirtschaftslage Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder machen, kann er trotzdem gut nachvollziehen.

    Erinnerungen einer Schülerin

    Die heute 39-jährige Claudia Meister besuchte die Sekundarschule im Lachenzelg von 1988 bis 1991. Aufgewachsen ist sie an der Winzerhalde. Schon früh zog es Claudia in die Höhe. Ihre Mutter habe sie zum Einkaufen in Höngg jeweils im Kinderwagen das Strässchen am Wettingertobel hinaufgestossen. Der Weg in die Primarschule im Imbisbühl und später ins Lachenzelg führte steil den Hang oberhalb der Werdinsel hinauf, danach über die Winzer- und die Limmattalstrasse. Sie ging ihn meist zusammen mit «Gspänli». Claudia erinnert sich an einen Trampelpfad, der von einem grimmig wirkenden und heftig kläffenden Boxerhund verteidigt wurde. Die Angst verlieh ihr Flügel! Gelegentlich hatte sie am Morgen ihren Kopf nicht bei der Sache und nahm die falschen Unterlagen für den Unterricht mit. Das führte dann ganz gemäss dem Motto «Wär kein Chopf hätt, hätt Bei» dazu, dass sie ihren Schulweg gleich noch zweimal absolvieren durfte. Von diesem «Fitnessprogramm» profitiere sie bis heute. Die Zeit in der Oberstufe kommt Claudia Meister rückblickend wie eine helle, heile Welt vor. Sie sei gerne in die Schule gegangen, sie liebte das Zusammensein mit ihren Schulkolleginnen. Und sie hat in der Sek eine Freundin fürs Leben gefunden. Das Lernen fiel ihr leicht; es war sozusagen das «Nebenprodukt» einer tollen Klassengemeinschaft. Entscheidend zu dieser guten Atmosphäre beigetragen hätten ihre beiden Klassenlehrer, Angelo Botti und Martin Keller. Obwohl sehr unterschiedlich, der eine impulsiv und übersprudelnd vor Ideen, der andere ruhig und gelassen, ergänzten sie sich in ihrer Wirkung auf gute Weise. Bei beiden seien Herzblut und Berufung für ihre pädagogische Tätigkeit spürbar gewesen. Mit leuchtenden Augen erzählt Claudia Meister von den vier Klassenlagern, die sie miterleben durfte. Dass es vier waren, lag an der Verschiebung des Schulbeginns während ihrer Sekundarschulzeit auf den Spätsommer; für sie dauerte die Oberstufe beinahe dreieinhalb Jahre! Kurzum: Das Lachenzelg hat für das spätere Leben von Claudia Meister eine tragfähige Basis bereitgestellt.

    Autor Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension, geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u.a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.

     

    Quellen:
    – Mitteilung Nr. 19 «Von der Bauernstube zur Gross-Schulhausanlage» von Reinhold Frei.
    – Ortsgeschichte Höngg von Georg Sibler
    Beide herausgegeben von der ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg.
    – 1934 – 2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg, von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg.

     

    Bisher erschienen:
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch, Archiv, Dossier Schulen Höngg