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  • Der Donnerstag gehört nur ihnen

    Der Donnerstag gehört nur ihnen

    An diesem Donnerstagmittag trifft sich die Gruppe im Kirchgemeindehaus Oberstrass. Bereits kurz nach elf Uhr treffen die ersten Gäste ein. Karin Sommer, Demenzfachperson und Leiterin des «Dunnschtigs-Clubs» sowie Monika Hänggi, Sozialdiakonin und Co-Projektleiterin, empfangen die Besucherinnen herzlich. Man kennt sich, begrüsst sich, tauscht Neuigkeiten aus.

    Nach und nach tröpfeln auch die anderen Teilnehmenden herein. Sie kommen nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern reisen aus der ganzen Stadt an. Manche werden von ihren Angehörigen hierher begleitet, andere kommen mit dem Taxi, einige bewältigen die Anreise alleine mit dem öV.

    Tagesstruktur bieten

    Die Runde ist nun komplett, acht Personen zählt der «Dunnschtigs-Club» heute. Seit August 2021 existiert das Angebot, entstanden ist er aus dem Sing-Café, das im Rahmen des «Drehscheibe Demenz»- Angebots ebenfalls im Kirchenkreis durchgeführt wird. Seither treffen sich von Demenz Betroffene und Angehörige jeden Donnerstag im Kirchenkreis sechs, von 11.30 bis 17 Uhr.

    Das Angebot dient einerseits als Entlastung für pflegende Angehörige, andererseits aber auch als Möglichkeit, ungezwungen Zeit miteinander zu verbringen – in einem sicheren und betreuten Rahmen. Zunächst wird gemeinsam gegessen, anschliessend wird ein Programm geboten – Spiele, Spaziergänge, auch Ausflüge werden zusammen unternommen.

    Dabei wechselt die Lokalität zwischen den Kirchgemeindehäusern Ober- und Unterstrass. Teilnehmen können alle, das Angebot ist kostenlos, zu bezahlen ist jeweils nur das Mittagessen. Begleitet wird es von Karin Sommer sowie Pfarrer Daniel J. Frei.

    Entlastung und Gemeinschaft

    Heute fällt das Essen ein wenig einfacher aus als gewohnt, weil die Köchin im Kirchgemeindehaus Unterstrass krank ist. Deshalb bleibt die Gruppe hier. Im Foyer ist ein langer Tisch gedeckt, Salat und Wähen werden serviert. Beim Essen wird geplaudert: Die Organisatorinnen erkundigen sich bei E., wie es ihm und seiner Frau geht.

    Er ist einer der Teilnehmenden, die den «Dunnschtigs-Club» schon seit Beginn regelmässig besuchen. Seit Kurzem wohnt er gemeinsam mit seiner Frau in einer Pflegeeinrichtung. Nun reist er donnerstags jeweils alleine an, seine Frau ist nicht mehr so mobil und kann mittlerweile an den Angeboten nicht mehr teilnehmen.

    Er aber ist sehr gerne dabei: «Ich finde es super, dass die Kirche dieses Angebot bietet und Karin und Daniel uns hier jeden Donnerstag empfangen und betreuen», erläutert er seine Motivation. Es mangelt ihm aber auch nicht an Ideen, wie das Programm noch erweitert werden könnte: Noch mehr Bewegung, Turnen, oder besser noch Tanzen, das würde er sich wünschen.

    Auch R. und ihr Partner H. sind praktisch jeden Donnerstag dabei. Sie sind beide bereits über 90, wohnen noch zusammen in der gemeinsamen Wohnung. Er ist Demenzbetroffener, sie pflegt ihn zu Hause. «Manchmal komme ich da schon ein wenig ans Limit», gesteht sie. Deshalb schätze sie auch das Angebot des «Dunnschtigs-Clubs» so sehr, erklärt sie. Als Entlastung, aber auch als gemeinsames Freizeitangebot.

    Manchmal bleibt sie nur zum Mittagessen und holt ihn dann am Ende der Veranstaltung wieder ab, manchmal geniesst sie es aber auch, den ganzen Nachmittag mit ihm hier zu verbringen. Gerne hilft sie auch den beiden Organisatorinnen, wenn Unterstützung notwendig ist.

    Lachen tut gut

    Die Mägen sind nun angenehm gefüllt, die anwesenden Raucherinnen haben draussen gemeinsam ihre Rauchpause eingelegt, es wird Zeit für den zweiten Teil des Programms. Die Gruppe begibt sich ins Untergeschoss, in die Pellikan-stube. Zwei junge Lernende der Spitex, die hier im Haus ihre Ausbildungslokalität haben, kommen hinzu, sie begleiten das Nachmittagsprogramm.

    Für die Lernenden ist es Teil ihrer Ausbildung, für die Organisator*innen eine zusätzliche Unterstützung: «Die Hilfe durch die Spitex-Lernenden ist für uns sehr wichtig, insbesondere an den Tagen, an denen wir draussen mit der Gruppe unterwegs sind», erklärt Pfarrer Frei. Und an Tagen wie diesem, wo die Gruppe im Haus bleibt, stelle der Besuch der Lernenden eine wertvolle Ergänzung dar, so Frei weiter.

    Er erzählt den Teilnehmenden jetzt eine Geschichte, ein Kinderbuch, mit vielen Bildern illustriert. Es ist kurz vor Ostern, deswegen handelt die Geschichte sinnigerweise vom Küken, das unbedingt an Ostern ausschlüpfen wollte. Und deshalb drei Dinge beachten muss, um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Das gibt der Gruppe die Gelegenheit, ihr Wissen aufzufrischen. Wann findet Ostern statt? Wovon ist der Zeitpunkt abhängig? Ein angeregtes Gespräch entsteht, der Pfarrer ist mit seinem Fachwissen gefragt.

    Danach übernimmt Karin Sommer. Sie hat ein Spiel vorbereitet. Sie hat Kärtchen gedruckt, auf denen jeweils vier Begriffe stehen. Nun gilt es, herauszufinden, welcher der vier Begriffe nicht so recht zu den anderen passt. Klingt einfach, ist aber gar nicht so banal, die Begriffe sind komplex. Zum Beispiel «Krokus – Dahlie – Hyazinthe – Tulpe». Was passt nicht hinein? Die Teilnehmenden bilden Dreiergruppen und beginnen zu diskutieren.

    Ohne Berührungsängste mischen sich die Gruppen, auch die beiden jungen Frauen von der Spitex und Pfarrer Frei spielen mit. Es wird eifrig diskutiert und herzlich gelacht. Und es gibt auch nicht nur eine richtige Lösung, alle Antworten werden angehört und akzeptiert.

    Wohltuend anders

    Das Angebot des «Dunnschtigs-Clubs» sei anders als die meisten anderen, findet D. Vielleicht ein wenig Normalität in einem Alltag, der tagtäglich schwieriger wird. Auch sie ist an Demenz erkrankt. Bis vor Kurzem lebte sie noch alleine, jüngst ist aber eine Freundin bei ihr eingezogen, die sie nun etwas unterstützt.

    D. schätzt das Angebot aus verschiedenen Gründen: «Ich finde es sehr schön, wie wir hier gemeinsam Zeit verbringen, den Nachmittag geniessen können. Es treffen hier sehr unterschiedliche Personen aufeinander, die sich aber auf einem ähnlichen Niveau begegnen und die Möglichkeit erhalten, unterhaltsame Dinge miteinander zu erleben – so, wie es die Gesundheit erlaubt. Wir werden betreut, aber nicht überbehütet, es herrscht keine Spital- oder Heimatmosphäre, sondern ein lockeres und ungezwungenes Beisammensein.»

    Das Angebot beinhalte eine schöne Mischung an unterschiedlichen Aktivitäten, sie fühle sich richtiggehend verwöhnt, ergänzt sie. Und sie ist sich ihrer Situation durchaus bewusst: «Ich weiss, dass ich immer mehr Unterstützung brauchen werde. Deswegen geniesse ich es hier im «Dunnschtigs-Club», solange es noch geht. Das ist viel besser als zu Hause rumzuhocken.»

    Ein selbstverständlicher Platz

    Das Angebot der «Drehscheibe Demenz» umfasst jedoch noch weit mehr als nur den «Dunnschtigs-Club». Die reformierte Kirchgemeinde Zürich hat es sich zum Ziel gesetzt, zur «demenzsensiblen» Kirchgemeinde zu werden. Das beinhaltet Veranstaltungen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen wie Hirntraining, Bewegungsangebote, Tanz- und Sing-Cafés, aber auch Infoveranstaltungen, Beratungen, Filmnachmittage und sogar gemeinsame Ferien.

    Zudem stehen den Betroffenen niederschwellige Beratungen und Seelsorge sowie ein Vernetzungsangebot mit Personen und Institutionen, die in denselben Bereichen tätig sind, zur Verfügung. Mit ihrer Arbeit, so das Credo der Projektverantwortlichen, wollen sie sich dafür einsetzen, das Thema Demenz zu enttabuisieren und Betroffenen ihren «selbstverständlichen Platz in der Kirche und der Gesellschaft» zuzugestehen.

    Denn, so lautet der erste Leitsatz der «Drehscheibe Demenz»: «Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar und ist nicht abhängig von dessen Fähigkeiten und Leistungen. Deshalb darf der Lebenswert demenzerkrankter Menschen und ihrer Angehörigen nicht infrage gestellt werden.»

    Der «Dunnschtigs-Club», das wird an diesem Nachmittag deutlich spürbar, wird diesem Leitspruch bestens gerecht.

    Drehscheibe Demenz

    Neben dem «Dunnschtigs-Club» bietet die «Drehscheibe Demenz» im Kirchenkreis sechs ein umfassendes Angebot für Demenzbetroffene und Angehörige, darunter das Sing-Café, Bewegung im Sitzen, Tanz-Café, aber auch Informationsanlässe und Angehörigentreffpunkte.

    Quelle und Kontakt:
    Kirchenkreis sechs, www.reformiert-zuerich.ch/sechs

    Weitere Angebote für Menschen mit Demenz

    Auf der städtischen Website werden 20 Anlaufstellen gelistet. Hier eine Auswahl:

    Alzheimer Zürich
    Das Angebot von Alzheimer Zürich (ALZ), eine Sektion von Alzheimer Schweiz, umfasst laut der Website Beratung, Unterstützung, Begleitung und Schulung von Menschen mit Demenz, deren Angehörigen und deren Umfeld. Unter den Angeboten ist das «ALZ-Gipfeltreffen», das im Pfarreizentrum Guthirt in Wipkingen stattfindet. Die inhaltliche Gestaltung richtet sich nach den Interessen und Ressourcen der Teilnehmenden.
    Quelle und Kontakt:
    www.alzheimer-schweiz.ch/de/zuerich

    Städtische Tageszentren
    Im Tageszentrum vom Gesundheitszentrum für das Alter Bombach in Höngg, aber auch in den Zentren Entlisberg, Mattenhof und Riesbach, können gemäss der Website pflegebedürftige Menschen den Tag verbringen, regelmässig übernachten oder Ferien geniessen.
    Quelle und Kontakt:
    www.stadt-zuerich.ch/gesundheitszentren

    Verein Treffpunkt Demenz und Kultur
    Mit diesem Angebot werden Menschen mit einer Demenz angesprochen, die zu Hause leben und am öffentlichen Leben teilnehmen wollen, wie es auf der Website der Stadt Zürich heisst. Dazu gehören das «Atelier Mobile», das mit Malmaterialien unterwegs ist, und «Uf is Grüene» mit Ausflügen.
    Quelle und Kontakt:
    www.demenz-kultur.ch

    Pro Senectute
    Die private und gemeinnützige Stiftung setzt sich seit über 100 Jahren für das Wohl älterer Menschen ein, wie sie auf ihrer Website schreibt. Sie bietet Beratung, Dienstleistungen, Kurse und Veranstaltungen an. Ein wichtiger Pfeiler ist etwa Beratung zur Vorsorgeregelung, die sich an Personen richtet, die selbstbestimmt vorsorgen möchten – auch im Falle einer Urteilsunfähigkeit.
    Quelle und Kontakt: www.pszh.ch

    Selbsthilfe Zürich
    Selbsthilfe Zürich ist die Informations- und Beratungsstelle rund um das Thema gemeinschaftliche Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen in der Stadt Zürich und umliegenden Regionen, wie auf der Website nachzulesen ist. Es sind auch Gruppen zum Thema Demenz zu finden, etwa Treffen für Angehörige oder Treffen für Betroffene und Angehörige.
    Quelle und Kontakt:
    www.selbsthilfezuerich.ch

    Im Fokus: Wertvolle Jahre

    Der «Höngger» veröffentlicht verschiedene Artikel, die sich der Lebensrealität von Betagten und Menschen mit Behinderung widmen. Diese Reihe entsteht mit freundlicher Unterstützung der Luise Beerli Stiftung, die sich für solche Menschen stark macht.

  • Die Nixe aus Höngg

    Die Nixe aus Höngg

    Das Sonnenlicht bricht sich in Gemmas strahlenden Augen, während sie von ihrer ersten Erinnerung ans Synchronschwimmen erzählt: «Vor zwei Jahren hat mich meine Kollegin in den Schulferien zum Synchronschwimmen mitgenommen. Mir hat es sofort gefallen.» Daraufhin hat sie ihre Mutter bei den Limmat-Nixen angemeldet. Heute trainiert das Mädchen dreimal pro Woche, jedes Mal mehrere Stunden am Stück. Ob sie das zusammen mit der Schule alles unter einen Hut kriegt?

    «Alles in allem ist es sehr streng, besonders am Montagabend. Da müssen wir schnell duschen, weil es dann draussen dunkel ist», sagt Gemma. Zum Training nimmt sie einen schweren, schwarzen Rucksack mit, der fast grösser ist als sie. Darin sind Flossen, Paddels, Yogamatte und Yogablöcke verstaut, die vor allem fürs Aufwärmen gedacht sind.

    Wie Ballett, einfach im Wasser

    Gemma hat vor dem Synchronschwimmen Ballett gemacht. Das hilft ihr beim neuen Sport sehr viel. «Synchronschwimmen ist wie Ballett und Gymnastik, einfach im Wasser. Man muss wie im Ballett sehr viel Beinarbeit leisten und starke Arme haben», sagt sie. Denn im Synchronschwimmen gilt: bloss nicht den Boden berühren!

    Die Schwimmerinnen müssen die Bewegungen aus eigener Kraft vollziehen, man darf sich also keine Hilfe vom Boden holen, um sich etwa abzustossen. Daneben sollen die Sportlerinnen beweglich sein und Skills wie den Spagat beherrschen. «Um die Choreografie synchron auszuführen, müssen wir uns an unseren Mitschwimmerinnen orientieren und schauen, was sie machen», erklärt Gemma.

    Im Synchronschwimmen nennt man diese Choreografien Kür. Momentan übt Gemmas Gruppe eine Abfolge zu einem Lied von Michael Jackson. Bis das Team diesen Wassertanz vollständig beherrscht, dauert es mehrere Monate. Zuerst werden die Bewegungen an Land geübt, bevor es ins Wasser geht. Vor dem Wasser hat Gemma keine Angst. «Besonders im Sommer mag ich es, im Wasser zu sein. Da dienen mir meine nassen Haare gut zur Abkühlung», sagt sie.

    Ausserdem trifft sie sich gerne mit den Mitschwimmerinnen. Hie und da passiert es, dass man beim Üben einen Bein- oder Armschlag abbekommt. «Manchmal sind meine Beine ganz blau davon. Aber das gehört dazu», sagt Gemma. Heute ist das Synchronschwimmen übrigens auch unter dem Namen «Artistic Swimming» bekannt.

    Ihr geht es nicht ums Gewinnen

    Und welchen Tipp würde Gemma einer Anfängerin, einem Anfänger geben? «Zuerst sollte man die Figuren an der Wand üben. Und ganz wichtig ist auch das Wasserstampfen», sagt sie. Für das Training unabdingbar ist ausserdem die «Nasi», die Nasenklemme. Die muss fest sitzen, ansonsten kommen gewaltige Wassermassen die Nasengänge hinauf.

    Für die Trainings benutzen die Limmat-Nixen Zürich verschiedene Schwimmanlagen. An Wettkämpfen nehmen sie etwa acht Mal im Jahr teil. Diese finden unter anderem auch im Hallenbad Bläsi statt. Gemma partizipiert auch an Figuren-Wettkämpfen. «Aber mir ist es egal, ob ich eine Medaille gewinne oder nicht», sagt Gemma dazu.

    «Ich gehe an die Wettkämpfe, um zu lernen.» Um den Limmat-Nixen beizutreten, benötigt es kein Aufnahmeverfahren. Wichtig ist, dass man Wasser liebt. Gemma ist die Zweitjüngste in ihrem Team, das aus sieben Mädchen besteht. Die Girls kommen aus dem Raum Zürich und haben viele unterschiedliche Nationalitäten. Ihre Trainerin ist streng, doch das
    mag Gemma: «Es ist besser, wenn man ein hartes Training hat, statt einfach nur rumzuträumen. Dann bringt es ja nichts.»

    Von Madrid nach Höngg

    Gemma wurde ursprünglich in Madrid geboren und spricht mit ihren Eltern fliessend Spanisch sowie Italienisch. Von Spanien ist die Familie dann zuerst in die Region Zürichberg gezogen, bevor sie vor zwei Jahren nach Höngg kam. Neben Synchronschwimmen spielt die Achtjährige Klavier und trifft sich gerne mit ihren Freundinnen zum gemeinsamen Spielen.

    In der Schule ist eines ihrer Lieblingsfächer Handarbeit, in Deutsch schreibt sie gerne Diktate. Geschwister hat sie keine, vermisst diese aber auch nicht. «Ich muss schon genug mit meinem Vater teilen, da will ich nicht noch mehr abgeben müssen», meint sie schmunzelnd. Was sie später werden möchte, steht für sie noch in den Sternen, wichtig ist für sie das Hier und Jetzt.

  • «Bei den Schaumweinen waren wir gut drauf»

    «Bei den Schaumweinen waren wir gut drauf»

    Die Prüfung des dritten Moduls für das Weinakademiker Diploma war für mich persönlich die herausforderndste: Vier Gläser mit verschiedenem Wein standen vor mir, insgesamt sollten es zwölf werden. Nicht zum Trinken, sondern um die edlen Tropfen einzuordnen. Also schrieb ich jeweils 21 Punkte auf, die mein mittlerweile geschulter Geschmack herausfilterte. Dabei geht es unter anderem um den Geruch, die Qualität, die Optik. Aber auch darum, ob der Wein Lagerpotenzial hat und in welchem Stadium er sich befindet. Gleich beim ersten Durchlauf bestand ich die Prüfung und mein Fazit ist: Der erste Gedanke ist meistens der richtige.

    Geboren und aufgewachsen bin ich in St. Gallen, dort absolvierte ich die Lehre als Koch im Gourmetbereich (es gibt hierbei keine weibliche Person, das ist die korrekte Bezeichnung). Schliesslich nahm ich die Hotelfachschule in Angriff und eines der Praktika führte mich ins Mandarin Oriental Palace Lucerne, eine angesehene Adresse mit einem beachtlichen Weinkeller. Dieser Reichtum an Genuss faszinierte mich. Da mich zudem auch Eventmarketing interessierte, bildete ich mich weiter aus und fand schliesslich meine ideale Aufgabe in Höngg als Leiterin Gastronomie und Events sowie der Weinwerkstatt mit Genusserlebnissen bei Zweifel 1898.

    Seit rund vier Jahren ist Höngg mein Lebensmittelpunkt. Doch mein Weg zum eingangs erwähnten «Bachelor in Wein», wie ich meine Weiterbildung gerne bezeichne, begann schon vorher.

    Von der Pandemie profitiert

    Das Weinakademiker Diploma wird hierzulande in Wädenswil angeboten, meines Wissens gibt es heute nicht mehr als 250 Personen in der Schweiz, die dieses in der Tasche haben. Ich entschied mich schliesslich für die Partnerschule: die Weinakademie Österreich. Die Ausbildung baut auf fünf Modulen auf, unterrichtet wurde am Seminarzentrum Rust, das in der Nähe zur ungarischen Grenze am Neusiedlersee liegt. Den «österreichischen» Weg wählte ich, weil dieser vollständig in deutscher Sprache gehalten wird, während in der Schweiz das vierte Modul in London geplant wird und auf Englisch ist. 

    Der Löwenanteil der Ausbildung machte das Selbststudium aus und bei mir kam damals Corona «dazwischen». Der Lockdown bot mir die Möglichkeit, mich gleich zu Beginn der Ausbildung intensiv in die Materie einzulesen. Arbeit gab es wenig, bekanntlich wurden wir im Dienstleistungssektor für Monate ausgebremst. Diese Zeit verschaffte mir den idealen Grundstein, um später, als wieder Normalität einkehrte, die Balance zwischen Arbeit und Lernen zu wahren.

    Spuckbecher wurde zum besten Freund

    Es gab aber auch Tage, an denen wir vor Ort die praktischen Teile, sprich das Degustieren, erlernen konnten. Ich erinnere mich an drei Seminarwochen, in denen wir täglich um 9 Uhr mit dem Degustieren begannen. Die Weine wurden nach Sorte oder nach Ländern erklärt und dargeboten. Der Spuckbecher wurde in dieser Zeit zu meinem besten Freund. Dennoch nimmt man einen Rest Alkohol im Körper auf. Anstrengend waren besonders die Tage mit schweren Weinen aus Südfrankreich, da waren wir alle schon mittags ziemlich müde. Anders bei den Schaumweinen: Abends waren wir immer gut drauf.

    Das Studium vereint vieles: So kenne ich heute die Technik des Kelterns und bin mit dem Weinbau vertraut. Wobei ich keine Önologin bin, das ist ein Studium, das sich auf die Lehre und Wissenschaft der Weinwelt fokussiert. Auch bin ich keine Sommelière. Beim «Bachelor in Wein» sind es drei Aspekte, die zählen: die Produktion, die Kundschaft und der Verkauf. Ich nenne das auch «Wissen exportieren». Darum geht es mir: Den Wein verständlich der Kundschaft vermitteln.

    Die Fachsprache muss ich im Restaurant etwas in den Hintergrund stellen. Zum Beispiel, wenn es um die Auswahl geht. Mögen die Gäste lieber säurereiche oder -arme Weine? Dann beschreibe ich das mit dem Trinkfluss. Viel Säure bedeutet ein guter Trinkfluss und das Wasser läuft im Mund zusammen. Das ist ein guter Essensbegleiter. Mittlerweile bemerke ich gut, wenn jemand blufft und den Wein kommentiert. Ich habe einige Ideen, wie ich die Weinsprache noch verständlicher im Restaurant umsetzen könnte, wobei der Genuss nicht zu kurz kommt.

    Zeit für Privates

    Im letzten Herbst habe ich schliesslich mein Diplom erhalten. Ihm voraus ging das fünfte Modul, die Diplomarbeit: Ich schrieb über 30 Seiten zum Thema «Die Weinauswahl im Fokus – Wie finde ich den passenden Wein?», darauf bin ich sehr stolz. Die Graduierungsfeier, notabene die 30. Ausgabe der Akademie, fand in Österreich im Schloss Esterházy in Eisenstadt statt, nahe Rust. Das war ein fantastischer Moment. Wir waren 32 Personen aus 11 Nationen. Auch hier bei Zweifel 1898 haben wir mein Diplom gefeiert.

    Mittlerweile werde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die nächste Stufe anzugehen, den «Master of Wine». Aktuell gibt es in der Schweiz gerade einmal fünf Personen, die diesen Titel erwarben. Vier Männer und eine Frau. Aktuell hege ich keine Ambition, mich als zweite Frau in dieser Domäne durchzusetzen. Die Phase wird kommen, in der ich wieder etwas Neues lernen möchte. Das liegt in meiner Natur.

    Aber nach der langen Zeit des Lernens ist wieder Zeit für Privates angesagt, denn geheiratet habe ich Ende letzten Jahres auch noch. Meinen Mann lasse ich übrigens in einem Restaurant getrost den Wein aussuchen, das geniesse ich sehr.

    Aufgezeichnet von Daniel Diriwächter

  • Der Wipkinger Schulhausbau

    Der Wipkinger Schulhausbau

    Die Wipkinger Lokalgeschichte ist ein Mosaikstein der Landesgeschichte. Der Lehrerwahl von 1821 ging eine heftige Auseinandersetzung voraus. Pfarrer Hans Georg Finsler verkündete von der Kanzel die ausgeschriebene Lehrerstelle, worauf zwei Bewerber in die engere Wahl kamen, Amman von Obermeilen und Johannes Weber von Ebertswil. Der Pfarrer schätzte Amman sehr, da er ein Kirchenmann war. Die Stillständer (der Vorläufer der Kirchenpflege) zogen Weber vor; als Grund gegen Amman konnten sie aber nicht ihre Meinung kundtun, er sei frömmlerisch, es hiess vielmehr, Amman verströme «einen unangenehmen Geruch aus dem Munde».

    Ammans Wahl war für Pfarrer Finsler beschlossene Sache, aber zwei Stillständer weibelten bei jedem Erziehungsrat persönlich für ihren Kandidaten. Sie traten dabei ausdrücklich als «Vertreter der ganzen Vorstehschaft und der Gemeinde» auf, was gelogen war. Wahrscheinlich durchschauten die Erziehungsräte das Manöver, aber die Wahl zwischen einem pfaffenhörigen Frömmler und einem modernen Erzieher fiel zugunsten der Moderne aus. Pfarrer Finsler akzeptierte die Wahl, aber er konnte sich nicht damit abfinden und gab sein Amt zwei Jahre später ausdrücklich wegen Lehrer Weber ab.

    Der 23-jährige Lehrer Weber legte sich ins Zeug. 98 Schüler drängten sich in der winzigen Schulstube im Gemeindehaus neben dem Scharfen Eck. Seine Schüler bestanden das erste Winterexamen mit Bravour. «Der Schulmeister hat in der kurzen Zeit seit seinem Amtsantritt schon Bedeutendes geleistet und es wurde freudige Hoffnung für die Zukunft ausgesprochen», schrieb der Stillstand in einem Schulprotokoll.

    Weitsichtiger Schulhausbau

    Weber empfahl ein Schulhaus zu bauen, damit man in Klassen und nach einem neuen Lehrplan unterrichten könnte. Für 170 Gulden kaufte der Gemeinderat Boden «vor dem Eingang des Dorfes rechts an der Landstrasse», wie die heutige Hönggerstrasse damals hiess. Zur Finanzierung verkaufte man das alte Schul- und Gemeindehaus, sammelte Spenden und ersann Geldquellen. 5650 Gulden sollte das neue Schulhaus kosten, offerierte der Wollishofer Baumeister Staub. Die Industriellen in den Landsitzen im Letten schenkten der Gemeinde 1797 Gulden in einer freiwilligen Steuer. Die Holzkorporation spendete eine Eiche vom Käferberg. Für den Aushub reichte es nicht mehr, dazu wurden die Wipkinger zum Frondienst aufgeboten.

    Bereits am 19. Mai 1824, einem Mittwoch, fand die Einweihung statt. An der Spitze seiner Schülerschar zog Lehrer Weber von der Schulstube ins neue Schulhaus, wo die Schüler mit Brot, Wurst und Wein verköstigt wurden. Zum Fest sang der neu gegründete Sängerverein, der spätere Männerchor Wipkingen. Zu Martini 1824 begann das neue Schuljahr im prächtigen Schulhaus; alle 98 Kinder erschienen zur Winterschule.

    Hart umkämpfter Lehrplan

    Wer bestimmt den Lehrplan? Die Kirche oder der Kanton? Um diese Frage drehte sich der Konflikt ab den 1820er-Jahren. Nach einem turbulenten Wahlkampf setzte 1833 das Volk in einer Abstimmung ein neues kantonales Sekundarschulgesetz durch. Die «Schulmeister» hiessen nun offiziell «Schullehrer», die Volksschule war obligatorisch, und der neue Stundenplan war Pflicht. Das neue Schulgesetz entmachtete den Stillstand. An seine Stelle trat erstmals eine Schulpflege aus gewählten Volksvertretern.

    Von den Kirchenvertretern gab es Widerstand, da ihnen die Obhut über die Kinder entgleiten würde und die Stoffpläne unerhört modern waren: Nebst Fächern wie Deutsch und Französisch gab es nun Zahlenlehre, Geografie, Geschichte und vaterländische Staatseinrichtung, weiter Naturkunde, Gesang, Zeichnen und Schönschreiben. Damit kamen die damals gelehrten Stoffe Bibelkunde und Katechismus arg ins Hintertreffen. Stossend für viele waren die «angemessenen Leibesübungen» für Knaben und Mädchen auf einer Wiese. An der frischen Luft sollte der Turnunterricht Gesundheit, Stärke und Geschmeidigkeit fördern; für Mädchen und Knaben gemeinsam.

    Prägende Persönlichkeit

    Weber leistete seinen Schuldienst im neuen Schulhaus 44 Jahre lang, von 1824 bis 1868. Seine Schule in Wipkingen war lange Zeit eine Musterschule im Bezirk. Lehrer Weber war streng und legte Wert auf Disziplin, Pünktlichkeit und Exaktheit. Er gründete im neuen Schulhaus eine private, freiwillige Schule. Sie stand den gescheitesten Schülern offen. Heute würde man dies Hochbegabtenförderung nennen: Weber unterrichtete in der Privatschule auch Salomon Rütschi, den späteren Gemeindeschreiber und Seidenfabrikanten. Lehrer Weber sang ersten Tenor im Männerchor, dem kulturellen Zentrum der Gemeinde und dem politischen Gegengewicht zur Kirche. Seine bedeutende Bibliothek stand der Bevölkerung offen.

    Er verurteilte die Kinderarbeit scharf und setzte die Schulpflicht durch. Er wurde eine dominierende Persönlichkeit im Dorf. Allerdings gebärdete sich Weber öfters «ungehörig gegenüber der Kirchenpflege und der Schulpflege» und man hörte Klagen wegen «überharter Züchtigung der Zöglinge». Es gab Auseinandersetzungen und offene Feindschaften, da Weber die neuen Lehrpläne rigoros umsetzte. Wegen ihm büsste der Dorfpolizist reihenweise Eltern, die ihre Kinder in die Felder und in die Fabrik schickten statt in seine Schule.

    Zum 50-Jahr-Dienstjubiläum Webers 1868 organisierte das Dorf eine Feier und würdigte das lange Wirken ihres Lehrers; im Bewusstsein, was er für Dorf und Vaterland geleistet hatte. Wenige Monate später ersuchte Weber um seinen vorzeitigen Ruhestand. Dieser wurde ihm gewährt. Kurz darauf, am 15. Juli 1869, starb er und wurde im Friedhof neben dem Kirchlein zur Ruhe gebettet. Abdankung und Grabrede hielt Pfarrer Dieter Georg Finsler, ein Sohn von Hans Georg Finsler.

    Deklassiert und abgebrochen

    Das Schulhaus an der alten Landstrasse diente in all den Jahren auch als Feuerwehrmagazin, Polizeiposten, Singlokal, Weinkeller, Gefängniszelle und Pfarrwohnung. 1851 pflanzte die Gemeinde zur Feier des 500-Jahr-Jubiläums des Beitritts des Kantons Zürich in die Eidgenossenschaft eine Linde vor dem Schulhaus. Das Gebäude hiess im Volksmund «Beim Lindebänkli».

    Das Schulhaus wurde später unter Denkmalschutz gestellt. Mitte der 1960er-Jahre fand ein Landabtausch statt, und das Grundstück ging in private Hände über. 1971 ging ein Baugesuch für ein Bürogebäude mit Ladenlokal und Garage für 30 Parkplätze ein. Der Denkmalschutz setzte sich für das alte Schulhaus ein. Es stand in der Liste der Kunstdenkmäler des Kantons Zürich als «Giebelbau mit Erd- und Obergeschoss» und einem «Vordach vor der Haustür der nördlichen Giebelseite, das abgewalmt ist und auf zwei glatten Säulen mit Wulst ruht».

    Als schützenswert galt auch das baumbestandene öffentliche Plätzchen mit Durchgangstreppen, eingefügt in den Spitzwinkel der beiden Strassen. Als man die Hönggerstrasse erneut als zu schmal taxierte, verschwand das Schulhaus plötzlich aus der Liste der schützenswerten Bauten. 1971 wurde es abgerissen, zum Bedauern vieler Wipkinger.

    Quellen

    Martin Bürlimann, Kurt Gammeter: «Damals», Wibichinga Verlag, 2023.
    Nachlass Jakob Frei, Stadtarchiv.
    Diverse Urkunden und Unterlagen aus dem Stadtarchiv Zürich.

  • Übernehmen Immobilienkonzerne unsere Stadt?

    Übernehmen Immobilienkonzerne unsere Stadt?

    Von Florian Utz, Gemeinderat, SP Zürich 10

    Gewinnorientierte Unternehmen und Anlagefonds kaufen auf dem Zürcher Immobilienmarkt kräftig zu. Alleine im Jahr 2023 konnten sie ihren Marktanteil an den Zürcher Wohnungen von 32,7 auf 33,3 Prozent steigern. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, werden die Immobilienkonzerne bis zum Jahr 2050 jede zweite Wohnung in unserer Stadt besitzen. Für die Bevölkerung ist das eine Katastrophe. Denn diese Unternehmen und Fonds sind auf Renditemaximierung getrimmt, und deshalb erhöhen sie ihre Mieten so oft und so stark wie nur möglich.

    Ständig steigende Mieten

    Um ihr Ziel zu erreichen, kündigen sie häufig allen Mieterinnen und Mietern – und führen dann eine Luxussanierung oder einen Ersatzneubau durch. Anschliessend kosten die Wohnungen nicht selten doppelt so viel. Dass dadurch viele Menschen ein Stück Heimat verlieren und aus unserer Stadt verdrängt werden, nehmen diese Konzerne in Kauf – Hauptsache, die Rendite stimmt.

    So darf es nicht weitergehen. Wer in Zürich wohnt, muss die Gewissheit haben, auch morgen oder übermorgen nicht aus unserer Stadt verdrängt zu werden. Die hohe Lebensqualität, die wir in Zürich geniessen, nützt den Menschen nichts, wenn sie in Angst leben müssen, demnächst aus unserer Stadt verdrängt zu werden.

    Wirkungsvolle Lösungen

    Die SP kämpft deshalb schon seit vielen Jahren mit Herz und Verstand für mehr bezahlbare Wohnungen. Beispielsweise hat die SP dank Vorstössen im Gemeinderat erreicht, dass der Stadtrat die Kompetenz erhalten hat, Wohnliegenschaften zu kaufen. Ebenso hat die Stadt dank einem SP-Antrag zwei Personen angestellt, die auf dem Liegenschaftenmarkt nach Kaufmöglichkeiten für die Stadt Ausschau halten. In Kombination bewirken diese beiden Massnahmen, dass die Stadt endlich wieder Wohnungen kauft; so konnte sie beispielsweise vor einigen Wochen sechs Wohnliegenschaften mit insgesamt 138 Wohnungen erwerben. Diese Wohnungen werden nun dauerhaft zu bezahlbaren Preisen vermietet.

    Trotz dieser Erfolge bleibt noch viel zu tun. Die SP hat deshalb gemeinsam mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern zwei kantonale Volksinitiativen lanciert: Einerseits sollen die Gemeinden bei Liegenschaftsverkäufen ein Vorkaufsrecht erhalten und andererseits sollen die Mieterhöhungen bei Renovationen limitiert werden. Damit wollen wir unserem grossen Ziel einen weiteren Schritt näherkommen: einer Stadt, in der niemand Angst vor Verdrängung haben muss.

  • Gründung des neuen Gewerbevereins «Chreis Zäh»

    Gründung des neuen Gewerbevereins «Chreis Zäh»

    Am 7. März war es soweit: In der Weinbeiz von Zweifel 1898 wurde der neue Gewerbeverein «Chreis Zäh» gegründet. Der sechsköpfige Vorstand, bestehend aus Manuel Angst, Beatrice Falke, Thomas Herter, Marcel Hirzel, John Huizing und Andreas Kneubühler, feierte diesen Anlass bei hervorragender Stimmung. Die knapp einjährige Vorarbeit zur Gründung hat sich bezahlt gemacht.

    Nach der Auflösung des Gewerbevereins Wipkingen im Sommer 2020 und der offiziellen Auflösung des Vereins Handel & Gewerbe Höngg (HGH, siehe Box unten) an der nächsten Generalversammlung im August dieses Jahres, haben sich die erwähnten sechs Unternehmer*innen aus Höngg und Wipkingen zusammengetan, um einen neuen Verein ins Leben zu rufen.

    «Wir freuen uns, dem Gewerbe im Kreis 10 ein neues Zuhause bieten zu können, damit hier wieder ein Miteinandergefühl entstehen kann», sagt Vorstandsmitglied Marcel Hirzel.

    Der Gewerbeverein «Chreis Zäh» umfasst die beiden Stadtteile Höngg und Wipkingen. Er soll als Plattform zum Austausch und Netzwerken von Gewerbetreibenden und für Gewerbetreibende dienen. Das kollegiale und ungezwungene Miteinander steht im Vordergrund. So sind Business-Lunches geplant, begleitet von spannenden Referaten und guten Gesprächen.

    Der Gewerbeverein «Chreis Zäh» verfolgt den Zweck, den Gewerbetreibenden in beiden Quartieren die Möglichkeit zu bieten, wieder in einem aktiven Verein Mitglied zu sein. Das Ziel ist die Förderung des lokalen Gewerbes sowie die Interessen von KMU und Gewerbe gegenüber Stadt und Kanton Zürich zu vertreten.

    Zur Zeit laufen der Aufbau der Website und die Vorbereitungsarbeiten für die Gründungsfeier. Weitere Informationen sollen am 27. Juni folgen, wenn die zweite Grossauflage der «Höngger»- und «Wipkinger»-Zeitung erscheint.

    Eingesandt von Marcel Hirzel

    Auflösung von Handel & Gewerbe Höngg

    Der im Jahr 1978 gegründete Verein Handel & Gewerbe Höngg, kurz HGH, wird sich dieses Jahr auflösen. Das wurde in der Einladung zur voraussichtlich letzten Generalversammlung, die am 22. August stattfinden wird, offiziell bekanntgegeben. Das Vereinsziel war es, die Interessen der Höngger KMU, d. h. der Handels- und Gewerbebetriebe im Quartier, zu wahren und zu fördern. In seiner Geschichte war der HGH eine prägende Institution für Höngg. So waren etwa die Gewerbeschauen am Wümmetfäscht erklärte Höhepunkte des Quartierfestes.

    Die «Höngger Zeitung» wird sich in einer späteren Ausgabe ausführlich der Vereinsgeschichte sowie der Auflösung widmen.

  • «Hot Wok»: Das Gute liegt so nah

    «Hot Wok»: Das Gute liegt so nah

    Die kulinarische Reise durch Asien beginnt unmittelbar nach der Stadtgrenze: In Regensdorf, gleich beim «Zänti», liegt das Restaurant Hot Wok. Der Familienbetrieb ist seit 1996 im Gebäude des Gemeinschaftszentrums Roos beherbergt. Fünf verschiedene Küchen stehen zur Auswahl: chinesische, thailändische, indische, japanische und malaysische Gerichte warten darauf, entdeckt zu werden. Letztere sind jene des Heimatlands der Familie.

    «Ursprünglich gründete mein Vater das Restaurant, vor elf Jahren habe ich den Betrieb übernommen», sagt Prashant Nair. Schon als Kind arbeitete er in der familiären Gastronomie mit und schliesslich wurde das Restaurant auch seine Bestimmung. Das liege in den Genen, sagt er lächelnd.

    Die grosse Karte verspricht neben den Klassikern der asiatischen Küche wie gebratener Reis, Süss-und-Sauer-Variationen, Sushi oder Chopsuey auch Überraschungen. «Aktuell steht das chinesische Gan Sau Gau hoch im Kurs, das ist in der Regel knuspriges Poulet an einer süssen, leicht pikanten Sesamsauce. Auf Wunsch kann es aber mit Rindfleisch oder Tofu zubereitet werden», so Prashant.

    Immer ein Renner sind die Spiesschen malaysischer Art an Satay-Sauce. «Falls jemand keine Spiesschen will, servieren wir das Fleisch wie Geschnetzeltes.» Auch beliebt: die Thai-Currys in Rot, Grün oder Gelb. Und wie steht es um die Schärfe? «Wir gehen immer auf die Wünsche der Gäste ein, manche mögen es mild, andere scharf». Prashant und sein Team – insgesamt sind es zehn Mitarbeitende – legen neben dem Essen weiter grossen Wert auf die Servicequalität wie auch auf ein angenehmes Ambiente.

    Mittagskarte, Lieferdienst, Catering und Feste

    Es muss nicht immer ein Dinner sein, auch die Mittagszeit kann im «Hot Wok» genossen werden: Den Gästen steht an Werktagen sowie am Sonntag die ganze Karte offen. 55 Plätze bietet das «Hot Wok» und bald, wenn es wärmer wird, kommen weitere 60 Plätze auf der grossen Terrasse mit Pflanzen und Palmen dazu.

    Wer für den Ausflug nach Regensdorf keine Zeit findet, dem steht der Lieferservice offen, ebenso wird Takeaway geboten, auf Wunsch auch ein Catering – denn beim Restaurant Hot Wok sind grosse Anlässe keine Seltenheit. «Wir haben einen kleinen Saal, der Platz für bis zu 20 Personen bietet, weiter stehen uns zwei grosse Säle für Banketts bis zu 40 und 80 Plätzen zur Verfügung», erklärt Prashant. Ideal für Geschäftsessen oder Familienfeiern.

    Damit all das gelingt, vertraut Prashant auf zwei Köche, die seit Jahren für «Hot Wok» engagiert sind. Die Chefs haben die verschiedenen Rezepte verinnerlicht und schwören darauf, alles von Hand zu machen. Selbst die Frühlingsrollen werden, wie alle anderen Gerichte, frisch zubereitet. «Mise en Place» gilt nicht nur in der französischen, sondern ganz besonders in der asiatischen Küche.

    Ein Fest zu Ostern

    Im «Hot Wok» werden auch Events organisiert, um die kulinarische Reise zu begleiten: Eine Drachenshow gab es am chinesischen Neujahr und der Valentinstag lockte mit einem Buffet für Verliebte. Nun steht Ostern vor der Tür: Ein Lunch-Buffet à discrétion, angerichtet am Sonntag, 31. März, von 11 bis 14 Uhr, wird für österliche Stimmung sorgen. Statt auf Hasen setzt das «Hot Wok»-Team auf eine Bauchtanzshow. Eine Reservation wird empfohlen

    Bistro Restaurant Hot Wok

    Roosstrasse 40
    8105 Regensdorf
    Montag bis Freitag:
    11 – 14 Uhr / 17 – 22 Uhr
    Samstag: 17 – 22 Uhr
    Sonntag: 11 – 22 Uhr
    Bushaltestelle: Regensdorf, Ostring
    044 840 54 07 (auch Lieferdienst nach Höngg)
    www.hotwok.ch
    www.hotwok-kurier.ch

  • Walk-ins zur Netzentwicklungsstrategie der VBZ

    Walk-ins zur Netzentwicklungsstrategie der VBZ

    Die Netzentwicklungsstrategie 2040 schafft die Grundlage für eine umweltverträgliche und effiziente Mobilität der Zukunft. Um die wachsenden Herausforderungen im städtischen ÖV zu bewältigen, braucht es deutlich mehr ÖV-Kapazitäten im stark wachsenden Norden und Westen der Stadt. Bis 2050 und darüber hinaus soll etappenweise ein modulares Ringsystem entstehen, das die Innenstadt entlastet (die «Höngger Zeitung» berichtete).

    Im Rahmen von öffentlichen Informationsveranstaltungen stehen Stadtrat Michael Baumer, Vorsteher Industrielle Betriebe der Stadt Zürich, und Marco Lüthi, Direktor der VBZ, zusammen mit Fachleuten der VBZ Rede und Antwort zum geplanten Generationenprojekt.

    Informationen aus erster Hand:

    Freitag, 8. März 2024, 16–18 Uhr
    Restaurant Anna, Anna-Heer-Strasse 2 in 8057 Zürich (VBZ-Haltestellen Hirschwiesenstrasse und Milchbuck)

    Montag, 11. März 2024, 18–20 Uhr
    Hotel Spirgarten, Lindenplatz 5, 8048 Zürich (VBZ-Haltestelle Lindenplatz)

    Montag, 8. April 2024, 18–20 Uhr
    Theater im Zollhaus, Zollstrasse 121, 8005 Zürich (VBZ-Haltestellen: HB oder Röntgenstrasse)

    Quelle: Medienmitteilung Stadt Zürich

  • Treffpunkt Science City: Lebensräume

    Treffpunkt Science City: Lebensräume

    Rund 10 000 Gäste haben beim Herbstprogramm von «Treffpunkt Science City» zum Thema «Der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz» für volle Hörsäle  und Workshops gesorgt.

    Das Frühlingsprogramm wird diesen Hunger nach Wissen erneut stillen: Im März dreht sich alles um «Lebensräume». Erneut stehen zahlreiche Veranstaltungen auf dem Programm, viele davon auf dem Hönggerberg.

    Im Zentrum sind die drei Erlebnissonntage mit den Titeln «Helvetia: Unruhe im Paradies» (3. März), «Von der Tiefsee bis ins Weltall» (10. März) und «Verschollene Arten, tückische Viren» (24. März).

    Die Podiumsdiskussion am 14. März widmet sich dem Thema «Wohn-Albtraum ohne Ende?», ebenso sind das Jugendlab und die Science City Kids wieder am Start. Die Führung der Science City findet am 21. März im Gebäude NEST in Dübendorf statt.

    Treffpunkt Science City:

    Lebensräume
    Erlebnissonntage: 3., 10. & 24. März
    Programm: www.ethz.ch

  • «Ich lese ‹Ulysses› seit 40 Jahren»

    «Ich lese ‹Ulysses› seit 40 Jahren»

    Aufgezeichnet von Dagmar Schräder

    Ich lebe bereits seit über 90 Jahren in Zürich. Geboren bin ich 1928 zwar in Basel, doch als ich fünf Jahre alt war, ist meine Familie nach Zürich übergesiedelt. Aufgewachsen bin ich in Unterstrass, anschliessend lebte ich in Unterengstringen und bin 2006 nach Höngg gekommen, wo auch meine Tochter wohnt.

    Die Leidenschaft zum Beruf gemacht

    Meine schulische Ausbildung habe ich an der Oberrealschule Zürich, dem heutigen Realgymnasium, abgeschlossen. Anschliessend studierte ich an der Universität Germanistik und Anglistik, konnte mein Studium aber leider nicht abschliessen, weil das tägliche Leben zum Zug kommen musste. Daraufhin war ich lange Jahre als Korrektor in einer Druckerei und anschliessend als Lektor beim Diogenes-Verlag tätig.

    Schon während meines Studiums versuchte ich mich an James Joyce; er galt als schwierig, und ich wollte ausprobieren, ob ich mich zurechtfinden konnte. Das Werk faszinierte mich und liess mich nicht mehr los, es war eine willkommene Ablenkung. In der Auseinandersetzung mit den Texten lernte ich andere Leute kennen, denen es ähnlich ging und die wie ich kaum mehr loslassen konnten – und schon bald gehörte ich zum weiten Kreis von «Joyceanern».

    Den weltbekannten irischen Autor verband einiges mit der Stadt Zürich: Er lebte während des Ersten Weltkriegs einige Jahre hier und verfasste mehrere Kapitel seines monumentalen Werks «Ulysses» im Seefeld und an der Universitätsstrasse 38 und 29. Anschliessend an seinen Aufenthalt in Zürich verbrachte er zwanzig Jahre in Paris, bevor er während des Zweiten Weltkriegs hierher zurückkam – allerdings für sehr kurze Zeit: Nur wenige Wochen nach seiner Ankunft verstarb er an den Folgen eines Darmdurchbruchs. Er ist auf dem Friedhof in Fluntern begraben, genau wie seine Frau Nora und sein Sohn Giorgio.

    1985 wurde in Zürich die James-Joyce-Stiftung mit ihrer umfangreichen Bibliothek gegründet, deren Leitung ich übernahm. Damit wurde mein Hobby zum Beruf, und so sollte es noch eine Weile bleiben. Ich bin also Tag für Tag hier in den Räumlichkeiten am Strauhof anzutreffen. Anhaltendes Interesse lässt das Alter (beinahe) vergessen.

    Das Rätsel entschlüsseln

    Unsere Stiftung besitzt eine umfangreiche Joyce-Sammlung, dazu Übersetzungen in viele Sprachen, Interpretationen und Sekundärliteratur. Daneben findet sich hier eine Fülle an persönlichen Gegenständen und Erinnerungsstücken aus seinem privaten Leben, so dass wir uns als «Joyce-Museum» bezeichnen könnten. Wir empfangen hier nicht nur Gäste und organisieren Lesungen, Vorträge und Ausstellungen, wir treffen uns auch regelmässig jeden Donnerstag zur gemeinsamen Lektüre.

    Nachmittags lesen wir uns durch den nicht so unlesbaren Roman «Ulysses», abends beschäftigen wir uns mit «Finnegans Wake». Es fasziniert, diese Werke gemeinsam zu lesen und immer wieder Neues zu entdecken. Denn einfach zu verstehen sind Joyces Werke nicht. Auch nach einer so intensiven Beschäftigung mit dem Werk, nach über 40 Jahren Lektüre, kann ich immer noch nicht alles erklären. Vor allem «Finnegans Wake» ist sehr kryptisch angelegt, mit literarischen Exkursionen in alle möglichen Sprachen, Wortneuschöpfungen und Bedeutungsüberlagerungen.

    Oft versteht man nicht, ob es sich beim Geschilderten um einen Traum, eine Gedankensequenz oder ein reales Erlebnis handelt. Da hilft es, sich untereinander auszutauschen. Jede Leserin hat einen anderen Hintergrund, anderes Wissen und eine ganz eigene Herangehensweise und so können wir uns gut ergänzen.

    Und wenn die anderen das Werk genau so wenig verstehen wie ich selber, weiss ich wenigstens, dass ich nicht der einzige Dumme bin. Genau gesehen, geht es uns doch mit vielen Dingen im Leben so – wir merken es nur nicht, weil wir uns mittlerweile daran gewöhnt haben, dass wir keine Erklärung für sie finden.

    Hohe Ehren in Irland

    Mit der Arbeit unserer Stiftung stellen wir einen irischen Aussenposten in Zürich dar, was erst vor zwei Wochen mit einem Preis der irischen Regierung belohnt wurde, dem «Presidential Distinguished Service Award». Das führte zu einer Reise in Begleitung meiner Tochter nach Dublin, wo ich den Preis übernehmen durfte. Auch sonst war ich bereits viel in Sachen Joyce unterwegs, mit Vorlesungen und gelegentlichen Gastprofessuren. Diese Woche reise ich nach Rom zu einer weiteren Veranstaltung, doch allmählich werde ich mit dem doch mühsamen Reisen etwas zurückstecken.