Wir kennen es: Da ist die Hose, die wie angegossen sitzt, die wegen einer losen Naht aber im Schrank bleibt. Dort das geliebte Velo mit dem Platten, das im Keller rumsteht. Das muss nicht sein, dachten sich fünf Mitglieder einer Wohngemeinschaft aus Höngg.
«Bei einem gemeinsamen Frühstück haben wir festgestellt, dass wir alle Sachen haben, die schon lange geflickt werden müssen», sagt Artemisia. So entstand die Idee eines Näh- und Flicktages – nicht nur mit den WG-Bewohnerinnen, sondern auch mit deren Freundinnen. Ganz nach dem Motto: Was man sich schon lange vornimmt, ist einfacher in Gesellschaft und mit gemeinsamer Motivation.
Dabei sind Näh- und Flickanlässe nicht neu, sie werden etwa in Gemeinden und bei den Kirchen als «offener Treff» angepriesen, manchmal als Werkstatt oder gar als Event. Im Vordergrund stehen nebst den Arbeiten auch die Gemeinschaft und das gegenseitige Helfen.
Einfach ausprobieren
In der Höngger WG ist es nun so weit: Ort des Geschehens ist das grosszügige Wohnzimmer in der Doppelhaushälfte an der Ottenbergstrasse. Die Bewohner*innen zeigen sich dankbar, dass sie in dieser Konstellation dort leben können. Sie würden von der Vermieterin die Möglichkeit und die Freiheit erhalten, das Haus neu zu beleben, sagen sie.
Und sie stehen mitten im Leben, studieren Kommunikation, Lobbyieren für die gute Sache, engagieren sich in Start-ups oder kreieren Computersimulationen. Und heute nähen und flicken sie.
Die Gruppe will sich aus Nachhaltigkeitsgründen nur ungern neue Sachen kaufen und deshalb wird versucht, das Leben der Gegenstände zu verlängern. Die Parole des Tages lautet: Einfach ausprobieren. Artemisia und Joelle widmen sich zunächst den Stoffen. «Mit einem einfachen Schnittmuster wollen wir uns Taschen schneidern», sagen sie. Man spricht auch von «Upcycling»; die kreative Wieder- oder Weiterverwendung gebrauchter Materialien.
Iwan sitzt derweil vor der Nähmaschine, die extra ausgeborgt wurde. Er wird versuchen, bei einer Jacke den Reissverschluss anzunähen. Ausserdem hat er eine Hose dabei, die im Schritt gerissen ist. «Ich will die Kleider flicken, damit ich sie wieder tragen kann, aber man darf ruhig sehen, dass es geflickt ist», so Iwan. Das habe Charme.
Seine Kollegin Andrea hat derweil ein altes ABB-T-Shirt entdeckt – es fehlt nur ein weiteres «A» und sie hat ein Fan-Shirt der schwedischen Kultband. Der Buchstabe wird mit viel Geduld auf das Shirt genäht. Schliesslich warten noch zwei Fahrräder, die auf Vordermann gebracht werden müssen.
Und so verfliegt die Zeit, immer wieder klingelt es an der Tür, neue Gesichter und neue Arbeiten finden sich ein. Die Stimmung ist locker, das Arbeiten verführt zu Gesprächen. «Ich fände es cool, wenn wir den Tag wiederholen», sagt Andrea.
Gemäss einer Medienmitteilung der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz (SUST) plage viele Tierhalter*innen die Sorge, was in einem Notfall mit ihrem Haustier geschehe.
Wenn Tierhalter*innen zum Beispiel nach einem Unfall vorübergehend nicht ansprechbar sind, seien deren Haustiere oft über längere Zeit ohne Betreuung alleine in der Wohnung.
Bis die Tiere dann endlich gefunden werden, kann es bereits zu spät sein. Um diesem Szenario vorzubeugen, bietet die SUST einen kostenlosen Notfallausweis an.
Diese Karte gibt darüber Auskunft, welche Tiere im Zuhause oder der Ferienwohnung der verunfallten Person auf Betreuung angewiesen sind und wer sich um sie kümmern wird, sollte der*die Halter*in vorläufig nicht dazu in der Lage sein.
Zum Ausweis gibt es auch einen Ratgeber, Kleber und weitere Vorsorgehilfsmittel.
Der Stadtrat hat die Gewinner*innen der diesjährigen Sportpreise bekanntgegeben. Für die Preisvergabe am Freitag, 26. Januar, folgt er dem Vorschlag der Sportpreis-Jury unter der Leitung von Stadtrat Filippo Leutenegger, Vorsteher des Schul- und Sportdepartements.
Den Nachwuchspreis erhält Jon Kistler. Er ist in Höngg kein Unbekannter und besuchte einst beim Radfahrerverein Höngg das Kids-Training. Mittlerweile legte er eine Karriere als Skitourenläufer hin.
Beim U20-Weltcup 2022/23 gewann Kistler die Gesamtwertung über alle Disziplinen und im Sprint. In der gleichen Saison holte er an den U20-Weltmeisterschaften den zweiten Rang im Sprint und zusammen mit der Walliserin Thibe Deseyn die Staffel-Goldmedaille.
Ebenfalls ausgezeichnet wird die Stabhochspringerin Angelica Moser in der Kategorie «Einzelsport/Team». Mit dem Sportförderpreis wird Alfred Meili für sein ausserordentliches Engagement im Tennissport geehrt.
Quelle: Medienmitteilung Stadt Zürich Schul- und Sportdepartement
Im Rahmen eines Pilotprojekts finanziert die Stadt Zürich seit September 2023 Covid-19-Tests. Mit dem Pilotprojekt wird einem Postulat entsprochen. Wie das Gesundheits- und Umweltdepartement der Stadt Zürich nun mitteilt, wird das Projekt neu bis 30. April 2024 verlängert.
Seit Januar 2023 werden nur noch ärztlich angeordnete Corona-Tests über die Krankenkasse abgerechnet. Alle weiteren Covid-19-Testungen müssen seitdem durch betroffene Personen selbst getragen werden. Das städtische Pilotprojekt ermöglicht mittels Gratistests, dass private Präventivmassnahmen zur Vermeidung von Ansteckungen im eigenen Umfeld gefördert werden. Von September bis Ende November 2023 sind durchschnittlich 100 Tests pro Woche durchgeführt worden (insgesamt 1287 Tests).
Die Tests werden im Zentrum für Reisemedizin des EBPI (Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention) durchgeführt. Das Angebot besteht aus Antigen-Schnelltests und PCR-Testungen. Welcher Test (PCR oder Antigen) durchgeführt wird, entscheidet sich nach festgelegten Kriterien.
Termine können über das Anmeldetool des Zentrums für Reisemedizin gebucht werden. Weiterhin kostenpflichtig bleiben Corona-Tests für Personen, die den Test für Reisezwecke benötigen. Diese Personen haben die Möglichkeit, die Tests auf eigene Kosten im Zentrum für Reisemedizin durchführen zu lassen.
Neben diversen Events des Sportvereins Höngg (SVH), etwa das beliebte Oktoberfest auf dem «Hönggi», wurde auch viel Fussball gespielt. Die 1. Mannschaft des SVH blickt auf eine spielstarke Vorrunde zurück, wie dem aktuellen Vereinsmagazin «Der Anstoss» und einem Text von Antonio Mihail Dragusin zu entnehmen ist.
Dieser erwähnt Höhen und Tiefen: Das 1:1-Unentschieden gegen den AC Taverne läutete die Meisterschaft im Tessin ein, doch gleich im ersten Heimspiel setzte sich die Höngger Mannschaft gegen FC Kreuzlingen mit 3:1 durch. Es war ein packender, beidseitig engagierter Match, wie im Jahresrückblick nachzulesen ist. Erfolgreich ging es weiter und so stand die 1. Mannschaft nach drei aufeinanderfolgenden Siegen an der Tabellenspitze.
Anfang September kam die erste Niederlage gegen die U21 des FC Winterthur. Umso stärker war die Reaktion im nächsten Spiel gegen den FC Linth 04: Die Höngger Mannschaft gewann mit 4:0. Es folgten zwei weitere Gewinne, aber auch einige Niederlagen und Unentschieden.
Es zeigte sich, dass jeder Punkt in dieser 1.-Liga-Gruppe 3 hart erkämpft werden musste. Schliesslich zieht der SVH eine Bilanz von sechs Siegen, drei Unentschieden und sechs Niederlagen. Daraus resultieren 21 Punkte, was einer durchaus gelungenen Vorrunde entspricht.
«Auch die anderen Teams des SVH aus den Abteilungen Jugend, Aktive und Senioren haben uns Freude bereitet und günstige Voraussetzungen für den Start in die Rückrunde geschaffen», schreibt Martin Gubler, Präsident SVH, im Editorial des Magazins.
Über die Entwicklung des Vereins sagt er: «Es ist erfreulich, dass wir in allen Kadern der Aktiv-Teams junge Spieler*innen aus unseren Jugendteams nachziehen und integrieren konnten.»
Für die 1. Mannschaft geht es jetzt im Januar bereits los mit den Trainingsspielen, bevor dann im Februar die Rückrunde 2023/24 beginnt.
Quelle: «Der Anstoss» (SVH-Magazin)
Die Sportspalte im «Höngger»
Es gibt seit 2023 wieder eine Sportspalte im «Höngger», deren Inhalte sich vorerst um die Spiele der 1. Mannschaft des SVH drehten. Die Sportspalte ist auch für weitere Sportarten, Resultate und Meldungen offen: redaktion@hoengger.ch.
Vier Jahre nach der Schlacht in Zürich, 1803, ist eine aus heutiger Sicht nur schwer verständliche Episode überliefert. In Wipkingen fand eine organisierte Betteljagd statt. «Verarmte Menschen, Verwahrloste, Kranke und Invalide hatten sich in unheimlicher Weise vermehrt», berichten alte Protokolle. Die kirchlichen Hilfswerke waren überfordert. Nebst Bettelei und Almosen kam es zu Diebstählen und Plünderungen von Vorratskammern. Die Betteljagden waren von alters her verbreitet. Man trieb das Gesindel zusammen und jagte es fort, möglichst weit weg. Im Ancien Régime, der Zeit vor dem napoleonischen Einmarsch, sind Betteljagden überliefert. Jene in Wipkingen war eine der letzten.
Im Herbst 1803 waren 32 Mann aus der Bürgerschaft aufgeboten, «das Gesindel zusammenzutreiben, die Bettler in Gewahrsam zu nehmen». In einer eigens gebildeten Hauptwache sollten die Einlieferung und Arretierung der verhafteten Personen erfolgen. Pro Mann des Detachements gab es ein Mass Wein und ein halbes Brot, zudem zählte der Einsatz als Extra-Frondienst. Major Ruppert kommandierte das Ganze. Ihm unterstand der Hauptteil der Mannschaft im Zentrum. Gemeinderat Hausheer kommandierte den rechten Flügel und Präsident Laubi den linken Flügel des Aufgebots.
Salomon Ruppert war Kirchengutsverwalter, Seckelmeister und «Adjunkt des löbl. Stadtquartiers». Er lebte von 1741 bis 1805 und war der Sohn von J.J. Ruppert, welcher 26 Jahre lang bis 1751 das Amt des Almosenpflegers bekleidet hatte. Sein Sohn Salomon war Major der Infanterie. 1779, im Alter von 38 Jahren, wurde er Untervogt in Wipkingen. Als Kirchengutsverwalter leitete er auch zwei Renovationen am Turm der alten Kirche. Als Infanterist tat er sich in Zürcher Diensten besonders hervor. Ihm wurden Aufgaben anvertraut, die ansonsten nur Stadtbürgern übertragen wurden. Seine guten Dienste in der Wipkinger Gemeindeverwaltung fiel den Stadtbehörden auf. Die Stadt Zürich schenkte ihm das Bürgerrecht, anschliessend war er in den Gerichtsbehörden tätig.
Dieses rabiate Begebnis gegen die Bettler im Herbst 1803 blieb die einzige militärische Massnahme gegen Armut in Wipkingen. Über den Erfolg ist nichts bekannt, Verletzte oder Opfer gab es aber keine. Es war ein Relikt aus einer vergangenen Zeit.
Salomon Ruppert war eine prägende Figur der Gemeinde. Im Jahr nach den Kriegswirren waren die Gemeindefinanzen arg aus dem Lot geraten. Im Rechnungsbericht des Jahres 1800 finden sich Einträge für verzinsliche Darlehen, «an einen guten Freund». Mit «Belohnung und Verköstigung» aus der Gemeindekasse bei Anlässen war man überaus spendabel und mehrere «besondere Dienstleistungen» waren grosszügig vergeben worden. Die Gemeinde setzte eine Rechnungsprüfungskommission unter Salomon Ruppert ein.
Inzwischen war Ruppert zum Distriktsrichter ernannt worden. Seine Kommission hatte den Auftrag, eine strammere Ordnung in das Rechnungswesen zu bringen. Offenbar mit Erfolg, denn die Gemeindeversammlung vom 4. Dezember 1803 verlas den von der Administrationskommission ausgearbeiteten Antrag und der vormalige Seckelmeister Wilpert Abegg dankte ab. An seiner statt wurde Kaspar Laubi gewählt.
Beinahe wäre Major Ruppert in einem Strassennamen verewigt worden. Ein neu angelegter Weg in der Gegend in den Steimeren bei der heutigen Lehenstrasse musste benannt werden. Die Strassenbenennungskommission erwog auch den Namen Ruppertweg, entschied sich aber 1934 einstimmig, den Wipkinger Lokaldichter Brugger zu Ehren kommen zu lassen.
Die alten Institutionen überdauerten
Nur vier Jahre vor der Betteljagd war Zürich 1799 Schauplatz der napoleonischen Kriege. Französische, österreichische und russische Truppen bezogen Stellungen auf dem Käferberg (siehe «Wipkinger Zeitung» im September 2021). 1802 marschierte nochmals eine Armee durch Wipkingen, diesmal die eigene. Die helvetischen Truppen erteilten ihrem General Andermatt den Befehl, in Zürich einzumarschieren. Der Stand Zürich hatte eine starke Abneigung gegen die helvetische Regierung. Diese war von Napoleon installiert worden.
Als sich Zürich weigerte, helvetische Truppen einzuquartieren, stationierte General Andermatt am 13. September 1802 Kanonen auf dem Zürichberg und beschoss die Stadt einen Tag und eine Nacht lang. Es kam zu einer Konvention und Andermatt rückte ab, über Guggach und Waid nach Baden.
Gewalttätige und kriegerische Ereignisse wie diese bleiben haften. Beinahe vergessen sind die demokratischen Institutionen in den Schweizer Gemeinden nach der Helvetik. So nennt man die Zeit der République Helvétique, jenem 1798 von Napoleon installierten zentralisierten Staatsgebilde beruhend auf den Idealen der Französischen Revolution. Der Widerstand war gross. Nach dem Abzug der napoleonischen Truppen erfolgten verschiedene Widerstandsphasen; die Geschichtsschreibung nennt sie Mediation, Restauration und Regeneration. Napoleon Bonaparte beantwortete den Widerstand nicht nur militärisch, sondern auch mit der Mediationsakte, einer Art Zwischenverfassung, die den Kantonen grosse Teile der Souveränität wieder zurückgab. Der Sturz Napoleons leitete die Restauration ein.
Wipkingen, in dieser Zeit eine landwirtschaftlich geprägte Siedlung mit starker Industrie, blieb in den kriegerischen Zeiten widerspenstig. Eine ganze Reihe von alten demokratischen Institutionen, die es ausserhalb der Schweiz nirgends in Europa gab, zeugen davon. Abgestufte Niederlassungs- und Stimmrechte
Am 24. März 1804 waren die Wipkinger Bürger zur Huldigung gegenüber der Obrigkeit nach Höngg einberufen. Nach Beendigung einer Gemeindeversammlung fand der Gemeindetrunk in Wipkingen statt. Vom Umtrunk waren die Beisässen (Niedergelassenen) entlassen. Diese hatten allerdings ein gewisses Stimmrecht in den Versammlungen, aber am Gemeindetrunk durften sie nicht teilnehmen.
Die Niederlassungsfreiheit war gewährleistet, aber an harte Bedingungen geknüpft. Es gab «Hintersässen-Gelder», welche Zugezogene in die Gemeindekasse zu zahlen hatten. Für Eingeheiratete gab es den «Weiberkronen», eine Abgabe für zugezogene Ehepartner in der Höhe von 1 Krone.
Auch das «Ansässengeld» war von der Gemeindeversammlung geregelt. Ansässen (Zugezogene) mit Grundeigentum mussten 10, ohne Grundeigentum 6 und Einzelpersonen 2 alte Franken bezahlen. Die Ansässen waren frondienstpflichtig, mussten aber keine Armensteuer bezahlen. Ein «Braut- und Bechergeld», also eine Einheiratungs-Gebühr, betrug für Kantonsbürger 10 alte Franken, für Schweizer Bürger 20 und für «Landesfremde» 40 alte Franken.
Man war sparsam bis zur Knausrigkeit: 1828 schaffte die Gemeinde den Abendumtrunk bei Fronarbeiten ab. Alle Männer bis 60 Jahre waren Frondienstpflichtig; mit Ausnahme der «Tischgänger», die stattdessen pro Jahr 30 Heller zu zahlen hatten.
Auch die Einbürgerungen erfolgten basisdemokratisch auf Gemeindeebene. Am 4. Oktober 1804 nahm Wipkingen Heinrich Schäppi in die Bürgerschaft auf. Seine Einkaufsgebühr betrug 200 Gulden, bezahlen musste er 175 Gulden, da sich Schäppi um die Gemeinde sehr verdient gemacht hatte. Er war schon längere Zeit in der Gemeinde tätig. Als Auswärtiger konnte er nicht mitwirken, daher zog man ihn als kundigen Ratgeber bei. Heinrich Schäppi wurde Gemeindeamman und später in den Regierungsrat des Kantons Zürich gewählt.
Eine ganze Reihe von Zuzügern wurde 1835 ins Bürgerrecht aufgenommen, so beispielsweise der erste Rektor der Universität, Lorenz Oken, Namensgeber der Okenstrasse, wo damals sein Landsitz stand. Dem Naturforscher und Naturphilosoph schenkte die Gemeinde das Bürgerrecht. Anderen bedeutenden Gelehrten wie Karl Heinz Gräffe aus Braunschweig, Professor für höhere Mathematik, wurde das Bürgerrecht geschenkt. Die Industriellen Friedrich Kornetz, Tochtermann von J. Hofmeister im Letten, oder Heinrich Studer, ein feuriger Vertreter der Radikalen und weitere wurden als Verdankung der Leistung ins Bürgerrecht aufgenommen, so etwa auch Pfarrer Konrad Bleuler.
Wesentlich ist der Umstand, dass die Gemeindeversammlung diese Kompetenz besass. Es gab auch abgelehnte Gesuche. In dieser Zeit, 1836, lebten in Wipkingen 959 Seelen, davon 462 in Wipkingen-Dorf und 163 im Letten. Es gab abgestufte Stimmrechte für Zugezogene, beispielsweise konnten auswärtige Grundbesitzer über Grundbesitz-Fragen und geplante Bauprojekte abstimmen. Auch Gegenleistung wurde verlangt: Gemäss einem Gemeindebeschluss vom 24. Oktober 1813 hatte jeder, der sich in die Gemeinde einkaufte, auf der Allmend einen Baum zu setzen.
Das verlorene Frauenstimmrecht
Viele Institutionen, insbesondere die Gemeindeautonomie und direktdemokratische Elemente auf Gemeinde- und Vereinsebenen, überdauerten die kriegerische Zeit. Eines ging komplett verloren: das Frauenstimmrecht. Wipkinger Frauen hatten Ende des 18. Jahrhunderts Stimmrecht in verschiedenen Vereinigungen und in der «Weibergemeinde». Frauen hatten Mitspracherechte und Entscheidungskompetenzen in der Krankenpflege oder auch in landwirtschaftlichen Gremien und Korporationen, wo Witwen das Stimmrecht der verstorbenen Männer ausüben konnten.
Die Weibergemeinde von 1794 – also vor dem Einmarsch der napoleonischen Truppen – wählte Adelheid Burkhart zur Spett-Hebamme. Die Versammlung beschloss, der bisherigen Hebamme, die aus Altersgründen ihr Amt nicht mehr richtig ausführen konnte, eine Rente zu finanzieren. Alle Frauen, welche die Dienste der neuen Geburtshelferin in Anspruch nahmen, mussten der alten Hebamme eine Gebühr von 1 Gulden bezahlen.
Zehn Jahre später, 1804, wollte die Weibergemeinde Adelheid Burkhart zur Gemeindehebamme wählen. Der Stillstand (der Vorläufer der Kirchenpflege) verhinderte diese Wahl durch das Frauengremium und begründete dies mit dem kuriosen Argument, eine Geburtshilfe sei als ein «Kunststück» zu betrachten, über welches die Weibergemeinde nicht befinden könne. Adelheid Burkhard wurde als Hebamme eingesetzt, aber die Versammlungsfreiheit und das Stimmrecht war für die Weibergemeinde verloren und die Institution wurde abgeschafft.
Bürger, nicht Untertanen
Die Schweiz war Anfang des 19. Jahrhunderts umgeben von Obrigkeitsstaaten. Preussen verlangte nach dem Sturz Napoleons den Anschluss der Schweiz. Ziel war ein Königreich Helvetien mit dem Grossherzog von Baden (DE) als Kronenträger. Eine andere Forderung hätte das Königshaus Württemberg zum Haupt der Schweizer Monarchie gemacht. Die regenerierten Kantone waren indes Kleinrepubliken mit ausgebauter Demokratie, Presse- und Redefreiheit. Es gab massive Spannungen; die Schweiz galt als Auffangbecken für Revolutionäre und Umstürzler. Fürst Metternich bezeichnete die Schweiz als «befestigte Kloake», die gesäubert werden solle.
Gemeindeautonomie, eigenständige Festlegung der Steuern, Zahlung der Steuern an die eigene Gemeinde, direktdemokratische Elemente betreffend Sachfragen, Autonomie betreffend Einbürgerungen – solche Elemente gab es in den umliegenden Königs- und Kaiserreichen nicht. Die Einwohner Deutschlands hiessen offiziell «Untertanen». Davon waren die Bürgerinnen und Bürger Wipkingens weit entfernt.
Die Beispiele sollen zeigen, dass die moderne Schweiz nicht 1848 in einer verfassunggebenden Versammlung aus dem Nichts entstanden ist, sondern dass hierzulande viele demokratische Institutionen aus der Vorzeit der europäischen Revolutionen die Wirren überstanden hatten und einen Nährboden für eine gedeihliche Entwicklung in sich trugen.
Quellen
Martin Bürlimann, Kurt Gammeter: «Damals», Wibichinga Verlag, 2023.
Conrad Escher, Rudolf Wachter: Chronik der Gemeinde Wipkingen, Institut Orell Füssli, Zürich 1917.
Diverse Literatur zur Helvetik, Mediation und Regeneration.
Das gemeinsame Mittagessen ist gerade vorbei, der Duft von Riz Casimir hängt noch in der Luft. In der Küche sind zwei Mitbewohnerinnen mit dem Abwasch beschäftigt. Im Gemeinschaftsraum wird geraucht und Kaffee getrunken, es herrscht eine behagliche Atmosphäre an diesem regnerischen Novembernachmittag.
Philipp Schneider, der Teamleiter des Wohnhauses, empfängt den «Wipkinger» und erklärt, wie das betreute Wohnen hier an der Waidstrasse organisiert ist: «Das Ziel unserer Einrichtung», erklärt Schneider, «ist es, Wohnraum zu schaffen, der Menschen in schwierigen Lebenssituationen Stabilität und Sicherheit bietet.»
Dabei ist das Wohnhaus, das zur sozialen Institution der Arche Zürich gehört, keine therapeutische Einrichtung, es geht nicht primär um das Heilen von Erkrankungen. Auch Abstinenz ist keine Bedingung für den Aufenthalt. Vielmehr decke das Angebot die Grundbedürfnisse ab und verhindere, dass Betroffene in die Obdachlosigkeit geraten: «Mit dem betreuten Wohnen schaffen wir zunächst einmal die notwendigen Rahmenbedingungen, damit die Betroffenen überhaupt die Möglichkeit und Energie haben, über einen Entzug nachzudenken.»
Individuelle Betreuung
15 Menschen leben hier gemeinsam, jeweils zu zweit oder zu dritt, in einer kleinen Wohnung, verteilt auf drei Stockwerke. Ein fünfköpfiges Betreuungsteam ist während der Woche tagsüber vor Ort und unterstützt die Bewohnenden. Auch nachts und am Wochenende ist das Team in Notfällen jederzeit telefonisch erreichbar. Mittags wird für alle gekocht, wer möchte, kann am Essen teilnehmen.
Ansonsten leben alle selbstständig, haben komplett eingerichtete Wohnungen. «Wir bieten hier eine Mischung aus Betreuung und Selbstständigkeit an», so Schneider. Was für Hilfe gebraucht wird, ist sehr unterschiedlich. Für manche der Bewohnenden ist es wichtig, dass ihre Medikamente verwaltet werden, andere wünschen Begleitung bei Arztbesuchen oder nehmen Unterstützung bei der Reinigung ihrer Räume in Anspruch. Auch für Gespräche oder Beratungen sind die Mitarbeitenden jederzeit da.
Wollishofen statt Wipkingen
Doch nun stehen gravierende Veränderungen bevor. Anfang 2026 muss das Wohnhaus umziehen. Ein grosser Einschnitt für das Team und insbesondere die Bewohnenden, der zudem völlig unerwartet eintraf. Glücklicherweise konnte mittlerweile in Wollishofen ein Haus zur Miete gefunden werden, in dem alle Platz finden.
«Mit diesem Wohnhaus», freut sich Schneider, «hatten wir wirklich Glück im Unglück. Doch eigentlich wäre es aus unserer Sicht wünschenswert, ein Objekt zu finden, das zum Verkauf steht, das wir nach unseren Bedürfnissen einrichten könnten. So würden wir nicht Gefahr laufen, wieder nach ein paar Jahren umziehen zu müssen. Bis jetzt hat sich eine solche Möglichkeit noch nicht geboten.»
In Wipkingen zu Hause
Einer der langjährigen Bewohner der Arche ist Peter Vögelin. Er ist hier seit 15 Jahren zu Hause. Vögelin kam damals zufällig vorbei und begegnete Connie, die bereits da lebte. Es war «Liebe auf den ersten Blick», erinnert er sich. Einige Zeit später konnte er gemeinsam mit Connie eine Wohnung im Haus beziehen.
Im Quartier ist er mittlerweile stark verwurzelt: «Wipkingen ist meine Heimat, mein ganzes Leben spielt sich hier ab. Connie und ich haben gute Kontakte zur Nachbarschaft und unsere kleine Hündin Sari hat geholfen, Freundschaften zu anderen «Hündelern» in Wipkingen zu schliessen», erklärt er.
Doch diesen Sommer hat sich sein Leben auf dramatische Weise verändert: Aufgrund einer Infektion verstarb Connie an einem Multiorganversagen. Ihr Tod hat Vögelin schwer getroffen: «Connie war für mich eine grosse Stütze, sie hat mir sehr viel über das Leben beigebracht und fehlt mir unendlich.
Momentan bin ich mit allem ziemlich überfordert, das Räumen ihres Zimmers, die Tatsache, dass ich nun ganz alleine auf mich gestellt bin, die Sorge für unseren Hund, das sind alles grosse Belastungen.» Und demnächst droht nun noch der Umzug: «Ich habe das Gefühl, mein Leben bröckelt gerade so dahin», beschreibt er seine Emotionen.
Alles in Wipkingen aufzugeben, das vertraute Umfeld zu verlassen, die Kontakte hinter sich zu lassen und am neuen Wohnort von vorne zu beginnen, das fällt ihm sehr schwer. Doch eine Alternative bietet sich ihm nicht wirklich: «Wenn es ginge, würde ich mir liebend gern eine eigene Wohnung suchen – aber das ist auf dem heutigen Wohnungsmarkt, mit meiner nicht ganz einfachen Lebensgeschichte wahrscheinlich sehr schwierig».
Stabilität wäre wichtig
So wie Vögelin geht es vielen der Bewohnenden. «Wechsel und Umzüge sind für sie schwierig», erklärt Schneider. «Wenn es darum geht, feste Strukturen und Kontinuität in ein bewegtes Leben zu bringen, sind solche Herausforderungen nur schwer zu bewältigen.» Was den Betroffenen bleibt, ist die Hoffnung auf Stabilität am neuen Ort. Oder die Möglichkeit, doch noch ein Haus zu finden, das käuflich erworben werden kann.
Die Werdinsel ist eine biodiverse Oase und in jeder Jahreszeit sind dort viele Vogelarten anzutreffen, darunter diverse Wasservögel. Wer mehr über diese Arten erfahren möchte, hat im Januar 2024 Gelegenheit dazu, und zwar auf dem Wasservogelpfad des Natur- und Vogelschutzvereins Höngg.
Vom 1. bis 31. Januar sind die über 20 Poster auf der Werdinsel und im angrenzenden Limmatraum von den Haltestellen Frankental, Winzerhalde oder Tüffenwies frei zugänglich. Die Tafeln sind dort platziert, wo die beschriebene Art oft zu beobachten ist. Der Spaziergang führt durch verschiedene Landschaften; häufige Vögel sind an mehreren Orten zu beobachten. Beim regelmässigen Vorbeispazieren lässt sich vielleicht auch einmal eine Seltenheit entdecken.
Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) bewegt momentan die Öffentlichkeit. In fast allen Berufssparten wird ihr Vormarsch nicht nur zu angenehmen Arbeitserleichterungen führen, sondern wirft auch Fragen nach der Zukunft unserer Tätigkeit auf und führt zu ethischen Grundsatzdiskussionen. Die ETH widmete sich in ihrer Veranstaltungsreihe «Treffpunkt Science City» dem Thema an vier Erlebnissonntagen, mit Führungen und Podiumsdiskussionen.
Am Veranstaltungssonntag vom 26. November wurden insbesondere die politischen Implikationen der KI betrachtet: In den zahlreichen öffentlichen Vorlesungen ging es dabei um die Auswirkungen von KI auf unsere demokratischen Systeme, um die ungeahnten Techniken, die bereits heute verwendet werden können, um Konsument*innen zu beobachten und zu manipulieren, um Kriegsführung mithilfe von KI oder den Einsatz von Geodaten zum Aufspüren von Menschen in Not, um nur einige Beispiele zu nennen.
Welche Zukunft hat der Journalismus?
Der IT-Spezialist Timo Grossenbacher, der bei Tamedia für neue Technologien und redaktionelle Automation zuständig ist, beschäftigte sich in seiner Vorlesung mit der Frage, die vor allem die Vertreter*innen der schreibenden Zunft beschäftigt: Werden die Redaktionen bald menschenleer sein, weil ChatGPT alle redaktionelle Arbeit alleine verrichten kann?
Sein Vortrag vermochte die Journalist*innen, die um ihre Zukunft bangen, ein wenig zu beruhigen. Zumindest momentan, so Grossenbacher, sei der Mensch auf den Redaktionen noch unersetzlich. Denn, so erklärte er seinem Publikum, bis heute folge die KI noch immer demselben Paradigma, wie sie es seit ihren Anfängen in den 1950er-Jahren getan habe, als die ersten Schachcomputer aufkamen.
ChatGPT könne zwar Texte generieren und Unterhaltungen führen, doch dessen Arbeit beruhe im Grunde genommen immer noch auf den gleichen Prinzipien maschinellen Lernens wie früher – das Generieren von Regeln und Klassifikationen anhand von Informationen. Selber denken, so Grossenbacher, das könnten die Maschinen auch heute noch nicht. Und genau deswegen sei auch eine enge Kontrolle und Überwachung der maschinellen Arbeit durch den Menschen unumgänglich.
Wann es denn zu einem Paradigmenwechsel komme, wurde Grossenbacher gefragt. Eine Antwort hierauf konnte er nicht geben. Wann und ob jemals die KI die «Singularität» erreichen und die Intelligenz des Menschen übertreffen wird, so, dass sie selber kreative Prozesse ausführen kann, das sei eine der grossen Fragen in diesem Zusammenhang, über die bei Expert*innen keine Einigkeit bestehe.
Bauwerke planen leicht gemacht
Weniger theoretisch, dafür viel praktischer konnten die Leistungen der modernen Computer in mehreren Führungen und Demonstrationen bestaunt werden. So etwa im «Immersive design lab», das dem «Center for augmented computational design in architecture, engineering and construction» angehört. Hier können Audio- und visuelle Effekte simuliert und für die verschiedensten Bereiche genutzt werden.
Im Lab kann etwa die Schallübertragung in einer Bahnhofshalle realitätsgetreu simuliert werden, um zu ermitteln, wie und an welchen Stellen eine Schallisolierung Sinn macht. Architekt*innen können das Labor nutzen, um hier mit Virtual-Reality-Brillen Bauprojekte direkt in der geplanten Umgebung zu simulieren. So lässt sich viel einfacher erkennen, wie ein Bauwerk in seiner Umgebung wirken könnte, als wenn nur eine Bauzeichnung existiert.
Spielerische Annäherung an die KI
Natürlich hatte der Erlebnissonntag auch für die Kinder einiges zu bieten. Deren Interesse an den Veranstaltungen war mindestens so gross wie dasjenige der Erwachsenen. In verschiedenen Workshops konnten etwa Brücken aus Papier erstellt, Geheimschriften entwickelt oder mit Detektivarbeit Gefühle ermittelt werden.
Für die etwas Älteren gab es die Möglichkeit, sich mit Robotern spielerisch zu messen. Lange Schlangen bildeten sich ausserdem vor der lernfähigen Kugelschreiberfabrik, die im Foyer des Physikgebäudes aufgebaut war: Auf Wunsch produzierten hier die Roboter den Besucher*innen ihren persönlichen Kugelschreiber.
Der 700 Quadratmeter grosse Burrischopf auf dem Letten-Areal, Wasserwerkstrasse 105, wird ab voraussichtlich 2027 zu einer Energiezentrale umgebaut. Bis zum Baustart soll er nun für eine Zwischennutzung vorbereitet werden, wie einer Medienmitteilung der Stadt Zürich zu entnehmen ist. Die dafür notwendigen baulichen Massnahmen beschränken sich auf kleinere Anpassungen zum Ausgleich der Traglast, auf die Sicherung von Brüstungen und auf die Verschiebung des Zufahrtstors.
Partizipative Ideensammlung
Die Zwischennutzung des Burrischopfs wird in einem partizipativen Verfahren mit dem Quartier festgelegt. Der Quartierverein Wipkingen sammelt über seine Webseite wipkingen.net ab sofort und bis Ende Januar 2024 entsprechende Ideen. Der Zuschlag soll bis Ende Februar 2024 erfolgen.
In Anlehnung an das vom Gemeinderat überwiesene Postulat GR Nr. 2022/544 zum benachbarten Kesselhaus stehen selbstorganisierte kulturelle und politische Veranstaltungen sowie Selbsthilfewerkstätten im Fokus. Die Infrastruktur ist minimal, wie auf der Website des Quartiervereins Wipkingen nachzulesen ist. Der grosse Raum ist ungeheizt, das Dach ist nicht isoliert. Im Sommer könnte es darum für eine Nutzung zu heiss werden. Es sind keine WC-Anlagen vorhanden. Ziel ist, einen Verein zu gründen, der als Plattform zur Deckung möglichst vieler Nutzungsbedürfnisse aus dem Quartier dient. Der Quartierverein Wipkingen amtet dabei als “Geburtshelfer” mit seinem Know-how und seiner Vernetzung.
Laut Medienmitteilung eignet sich das unmittelbar an den Burrischopf anschliessende Kesselhaus aufgrund seines schlechteren Zustands nicht für eine Zwischennutzung. Die baulichen Massnahmen, die für einen sicheren Betrieb mit Publikum erforderlich sind, wären zu umfangreich. Die Eingriffstiefe wiederum würde auf Kosten der Nutzungsdauer gehen. Das Kesselhaus wird dem ewz deshalb weiterhin als einfacher Lagerraum überlassen.