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  • Digitale Unterstützung: gewusst wie

    Digitale Unterstützung: gewusst wie

    Ein Gastbeitrag von Gina Hinding, Geschäftsführerin Genossenschaft Zeitgut

    Seit Mitte Juni können Menschen, die auf eine digitale Unterstützung angewiesen sind, jeden ersten und dritten Samstag zwischen 10 und 11 Uhr im Höngger Infozentrum am Meierhofplatz vorbeikommen. Sie erhalten dort Antworten auf ihre Fragen, etwa zur Bedienung von mobilen Geräten. Ein Anmeldung ist nicht nötig, alle können einfach zu diesen Zeiten vorbeikommen.

    Möglich ist dieses Angebot von Zeitgut dank der Bereitschaft von freiwilligen Frauen und Männern, die gerne ihr Wissen teilen und Unterstützung bieten. Bereits nehmen regelmässig Menschen mit Fragen das Angebot in Anspruch und oft entsteht daraus ein dauerhaftes Unterstützungs-Tandem zwischen einem Freiwilligen und einer Person, die Hilfe benötigt.

    Das gibt zusätzliche Sicherheit und die Gewissheit, dass jemand da ist, an die oder den man sich wenden kann, gerade wenn Fragen auftauchen. So führt die digitale Welt zu zusätzlichen Kontakten im Quartier und leistet einen Beitrag zur Stärkung der Gemeinschaft.

    Ein Mobiltelefon zum Geburtstag

    Zwei konkrete Beispiele zeigen, wie hilfreich dieses Angebot ist. Ein 79-Jähriger erhielt von seiner Frau ein neues Mobiltelefon zum Geburtstag. Er freute sich darüber, bis er feststellte, dass er nicht einmal wusste, wie er damit telefonieren soll. Er ging damit in die Beratung von Zeitgut und schreibt mittlerweile sogar Textnachrichten. Beim nächsten Mal möchte er noch wissen, wie er ins Internet gelangt.

    Weiter besuchte eine Dame das Infozentrum, weil ihre E-Mails nicht mehr in der gewohnten Reihenfolge angezeigt wurden. Unabsichtlich hatte sie die Einstellungen geändert, doch unser IT-Experte konnte diese rasch und effizient wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen. Selbst für nur einen Klick im Programm können die Menschen vorbeikommen.

    Das Zeitgut-Team freut sich über alle, die vorbeikommen, egal ob mit kleinen oder grösseren Fragen. Die engagierten Freiwilligen beantworten diese gerne und bieten Unterstützung.

    Digitale Unterstützung

    Jeden ersten und letzten Samstag des Monats
    Von 10 bis 11 Uhr
    Meierhofplatz 2, Infozentrum, 8049 Zürich

  • Mit neuem Podcast durch Höngg spazieren

    Mit neuem Podcast durch Höngg spazieren

    Welche Potenziale hegt eine naturnahe Stadtgestaltung und wie kann diese umgesetzt werden? Was können einzelne Menschen bewirken? Wie stellen sich grosse Institutionen den aktuellen Herausforderungen? Solche Fragen sind in Zeiten von Klima- und Biodiversitätskrisen höchst aktuell.

    Konkret wollten wir herausfinden, wo Höngg Vorzeigebeispiele bietet und wo es im Quartier auch Verbesserungspotenzial gibt. So ist die dritte Folge des «Höngger Podcast» entstanden: Drei verschiedene Interviews bieten tiefgehende Auseinandersetzungen anhand von Projekten in Höngg.

    Ein grosses Dankeschön für die anregenden Gespräche geht an Benjamin Kämpfen, Präsident vom Natur- und Vogelschutzverein Höngg, an Fritz Graber, Green Space Management ETH Zürich Hönggerberg, Florine Geiser, Fachspezialistin nachhaltiges Bauen und Kreislaufwirtschaft ETH Zürich Hönggerberg, sowie an Markus Schaub, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer vom Verein «Bee’n’Bee». Sie alle setzen sich für die Natur im Quartier ein und beleuchten in dieser Podcast Folge Themen wie Entsiegelung, Stadtklima, Biodiversität und Partizipation.

    Also los, kommt mit auf unseren Spaziergang! Ab sofort ist die neue Folge auf Spotify und weiteren gängigen Podcast-Plattformen zu hören – oder natürlich gleich hier auf der Höngger Website:

    Wenn euch der Podcast gefällt, freuen wir uns über eine gute Bewertung. Feedback und Ideen nehmen wir gerne unter mitmachen@hoengger.ch entgegen.

    Höngg zum Hören

    Jina Vracko, Mitarbeiterin der «Höngger Zeitung», ist Urheberin und Produzentin der neuen Podcast-Folge.

    Jetzt alle Folgen hören: www.hoengger.ch/hoengger-podcast

    Der «Höngger Podcast» ist auch auf folgenden Plattformen zu hören:
    Spotify / Youtube / Amazon / Apple Podcasts

     

  • Die ETH wächst weiter

    Die ETH wächst weiter

    Insgesamt starteten rund 25’000 Studierende und Doktorierende am vergangenen Montag in das Herbstsemester an der ETH Zürich, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. Rund 3250 Bachelorstudierende nehmen gemäss derzeitigem Anmeldungsstand ihr Studium auf. Laut der Medienmitteilung der ETH Zürich stieg damit die Anzahl Neueintritte auf Bachelorstufe im Vergleich zum Vorjahr wieder an (2022: rund 3100).

    «Wir freuen uns, die kommende Generation von Wissenschaftler*innen, Ingenieur*innen, Architekt*innen und sonstigen Fachkräften an unserer Hochschule begrüssen zu dürfen und wünschen allen einen erfolgreichen Start», so ETH-Rektor Günther Dissertori in der Medienmitteilung.

    Die beliebtesten Studiengänge

    Unter den Studienanfänger*innen besonders beliebt seien die Studiengänge Maschineningenieurwissenschaften, Informatik und Architektur – wie bereits in den vergangenen Jahren. Und auch die Bachelorstudiengänge Physik, Mathematik sowie Gesundheitswissenschaften und Technologie stossen auf reges Interesse.

    Unter den Masterstudiengängen belegten die Studiengänge Maschineningenieurwissenschaften, Architektur und Umweltnaturwissenschaften vordere Plätze auf der Beliebtheitsskala der Studierenden.

    International vernetzte Hochschule

    Der Frauenanteil unter den neueintretenden Studierenden beträgt rund 33 Prozent. 81 Prozent der neuen Bachelorstudierenden kommen aus der Schweiz; 19 Prozent haben ihre vorherige Ausbildung im Ausland abgeschlossen. Bei den Masterstudierenden machen die Bildungsausländer*innen 43 Prozent aus. Am stärksten vertreten sind Personen, die ihre Vorbildung in Deutschland, Italien, China oder den USA erworben haben.

    Zudem werden rund 280 Studierende von Partnerhochschulen an der ETH studieren. Darunter sind Studierende von schweizerischen, schwedischen und britischen Hochschulen am stärksten vertreten. Etwa 170 Studierende, die an Mobilitätsprogrammen teilnehmen, werden zudem eine Studien- oder Projektarbeit an der ETH durchführen. Diese Studierenden kommen grösstenteils von deutschen, schweizerischen und italienischen Hochschulen.

    Die Immatrikulation für das Herbstsemester 2023 ist an der ETH noch nicht abgeschlossen. Die endgültigen Zahlen stehen jeweils im November fest.

  • Scientifica 2023: Auch der Quartierverein Höngg war dabei

    Scientifica 2023: Auch der Quartierverein Höngg war dabei

    Seit 2011 öffnen die ETH Zürich und die Universität Zürich an einem langen Wochenende ihre Tore und laden die Bevölkerung ein, Wissenschaft am Ort des Geschehens zu erleben.

    Unter dem Titel «Scientifica» finden dann eine Vielzahl an Workshops, Führungen und Shows statt. Das diesjährige Motto lautete «Was die Welt zusammenhält». Auch auf dem Campus der ETH Zürich Hönggerberg konnte sich das Publikum umsehen, lernen und staunen.

    Bei der hiesigen Ausstellung waren auch die Quartiervereine (QV) aus Höngg und Affoltern vor Ort: Gemeinsam betrieben sie einen grossen Stand. Es galt, sich den Wissbegierigen vorzustellen, aber auch etwas zu bieten: eine Mostpresse. Jung und Alt konnte sich darin üben, wie man aus Äpfeln leckeren Saft herstellt.

    «Die Kinder zu erleben, die mit aller Kraft die Mostpresse bedienten und dann mit strahlenden Augen ihren eigenen Most tranken, war sehr erfüllend», sagte Tiziana Werlen-Oberti, Vizepräsidentin des QV Höngg.

    Gemeinsam mit dem Präsidenten Alexander Jäger und den Vorstandsmitgliedern Michael Brian, Tanja Ramah und Andreas Egli sowie den Helferinnen Susi Brian und Jrène Rösli führten sie an zwei Tagen allerlei Gespräche. «Das war sehr spannend, auch wegen dem internationalen Publikum», so Werlen-Oberti.

    Die Konkurrenz war gross: So konnte das Publikum auf dem Hönggerberg einen Roboterhund erleben, oder die Schwerkraft erforschen. Dort hiess es, dass selbst der Apfel, der vom Baum falle, gleichermassen der Schwerkraft unterliege, wie die Planeten, welche die Sonne umkreisen. Nur dass die Äpfel aus Höngg eben in der Mostpresse landen.

  • Neues Leben für alte Produkte

    Neues Leben für alte Produkte

    Gegenstände, die man selbst nicht mehr braucht, die jedoch noch brauchbar wären sowie einen Wert und Sinn haben: Eine Online-Verkaufsplattform bietet sich regelrecht an, um ihnen ein zweites Leben zu schenken. Dieser Prozess gestaltet sich in der Regel als zeitintensiv und ist mit einigem Aufwand verbunden. Angefangen von der Reinigung und Funktionsüberprüfung, über das Verfassen des Verkaufstextes, das Erstellen von Fotos bis hin zur Organisation des Verpackungsmaterials.

    All das kann nun in andere Hände gelegt werden: Seit Juli betreibt ESPAS, eine dynamische Unternehmung auf dem Gebiet der beruflichen Rehabilitation und Integration in Höngg, das Projekt «Restwert». Dieses wurde im Rahmen des «Social Franchising» der Grundlagenwerk AG in den eigenen Betrieb integriert und ist bereits an anderen Standorten in der Schweiz aktiv. Insgesamt übernimmt das ESPAS-Team rund 50 Arbeitsschritte im gesamten Online-Verkaufsprozess. Auch das Beantworten von Fragen, der Versand und die Betreuung des Zahlungsverlaufs gehören dazu.

    Eine Win-Win-Situation

    Und so funktioniert’s: Über die Website des Projekts «Restwert» wird das Produkt angemeldet und bei einer Annahmestelle vorbeigebracht. Das betrifft auch grössere Produkte, etwa Möbelstücke, da diese auf die Funktionalität getestet werden. Im Anschluss sorgt das «Restwert»-Team für ein ansprechendes Online-Inserat auf einer bekannten Plattform und leitet den Verkauf in die Wege. Ist dieser erfolgreich, überweist ESPAS den jeweiligen Auftraggebenden im Anschluss 70 Prozent des Verkaufspreises. Sollte kein Verkauf zustande kommen, stehen zwei Optionen zur Verfügung: Das Produkt wird wieder zurückgenommen oder es wird an «Restwert» gespendet.

    Die ESPAS spricht von einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten. «Das Projekt schafft sinnvolle Arbeitsplätze mit Perspektive», so Christoph Meier-Krebs, Bereichsleiter Eingliederungsmassnahmen. Denn der vielfältige Arbeitsprozess unterstütze die soziale und berufliche Reintegration der beeinträchtigten Personen. Das Projekt selbst finanziert sich unter anderem aus den erwirtschafteten Einnahmen.

    Projekt Restwert

    https://projekt-restwert.ch/

  • Trainieren für das Knabenschiessen

    Trainieren für das Knabenschiessen

    Das Knabenschiessen dürfte in seiner Art einmalig sein: Nicht nur, dass rund 4500 Kinder zwischen 13 und 17 Jahren für den traditionellen Wettkampf erwartet werden, sondern auch, weil es möglich ist, eine solche Anzahl Jugendlicher friedlich mit Waffen und Munition für das Punktemaximum schiessen zu lassen.

    «Ich glaube nicht, dass es irgendwo auf der Welt eine vergleichbare Veranstaltung gibt», sagt Roland Spitzbarth, Präsident der Schiessplatzgenossenschaft Höngg. Er betont, dass das Knabenschiessen Jahr für Jahr ohne Unfall abläuft. «Das belegt den sehr hohen Sicherheits-Standard, der im schweizerischen Schiesswesen herrscht.»

    Doch es ist nicht nur der Wettbewerb: Fast «nebenbei» wird im Albisgüetli die grösste Chilbi der Schweiz auf die Beine gestellt. Laut Spitzbarth sei eine Heerschar von Freiwilligen unter der Leitung der Schützengesellschaft der Stadt Zürich für das Gelingen des Schützenfestes beteiligt. «Für einige ist der Einsatz am Knabenschiessen das Highlight in ihrem Jahresablauf.»  

    Zuerst wird geübt

    Um den Schützenkönig 2022, Nils Oliver Stolz, zu beerben, benötigt es Übung: Zur optimalen Vorbereitung bietet das Schiesssport Zentrum Hönggerberg ein öffentliches Training am Mittwoch, 6. September, an. Geübte Schütz*innen aus vielen Vereinen unterweisen die Jugendlichen geduldig in die Handhabung des Gewehrs. Geschossen wird das Knabenschiessenprogramm: Fünf Schüsse für fünf Franken. Die Scheibe ist in sechs Kreise eingeteilt. Zusätzlich gibt es für jeden Scheibentreffer einen Punkt. Das ergibt ein Maximum von 35 Punkten.

    Beim Probetraining darf mehrfach geschossen werden, man muss aber bei jeder Wiederholung für ein neues Standblatt anstehen, um Ungerechtigkeiten zu vermeiden.

    Training für das Knabenschiessen

    Mittwoch, 6. September, 14 bis 18 Uhr.

    Schiessplatz Hönggerberg, Kappenbühlstrasse 80.

  • Olympische Wettkämpfe mit Pipette und Reagenzglas

    Olympische Wettkämpfe mit Pipette und Reagenzglas

    Es ist Montagnachmittag, die zweite Woche der Sommerferien ist gerade angebrochen. Viele der Zürcher Schüler*innen befinden sich nun in den Ferien, irgendwo am Strand, weit weg von der Schule und all dem, was sie dort zu lernen haben. Bloss keinen Gedanken mehr verschwenden an Deutsch, Mathematik – oder gar Chemie.

    Ganz anders geht es da den 348 Jugendlichen aus der ganzen Welt, die an diesem Nachmittag den grossen Saal in der Tonhalle bevölkern. Sie gehören zu den Teilnehmenden der Chemie-Olympiade, die vom 16. bis zum 25. Juli unter dem Motto «Let’s find solutions together» an der ETH Zürich Hönggerberg durchgeführt wurde. In Viererteams aus 89 verschiedenen Nationen sind die Jugendlichen angereist und sind in der «olympischen Disziplin» Chemie gegeneinander angetreten. Dazu haben sie je eine fünfstündige praktische und theoretische Prüfung absolviert.

    Nun steht die Abschlussveranstaltung in der Tonhalle auf dem Programm. In den nächsten zwei Stunden werden die Jugendlichen erfahren, wie sie beim Wettbewerb abgeschnitten haben und ob sie es in die Medaillenränge geschafft haben. Spannung liegt in der Luft, es herrscht ein buntes Gewusel und Sprachenwirrwarr. Viele der Jugendlichen haben sich in der traditionellen Tracht ihres Landes gekleidet. Aufgeregt schwenken sie die kleinen Fähnchen, die Aufschluss über ihre Herkunft geben und können es kaum erwarten, ihre Trophäen entgegenzunehmen.

    Dabeisein ist alles

    Bereits seit 1968 wird dieser wissenschaftliche Wettkampf alljährlich durchgeführt, jedes Jahr ist ein anderes Land Gastgeber. Bei dieser 55. Ausgabe der Olympiade feiert die Schweiz nun ihre Premiere als Gastgeberin. Organisiert wird der Anlass von der ETH Zürich, dem Verband Wissenschafts-Olympiade, dem Verein Schweizer Chemie-Olympiade und der Swiss Chemical Society, finanziell unterstützt vom Bund, privaten Sponsoren und Stiftungen.

    Teilnahmeberechtigt sind Schülerinnen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren. Um an der Olympiade partizipieren zu können, müssen sich die Teilnehmenden zunächst in den nationalen Ausscheidungen qualifizieren. Die vier besten Schülerinnen jedes Landes stellen dann die Landesdelegation, die gemeinsam zur Olympiade reisen darf, begleitet und unterstützt von zwei Lehrerinnen und Coaches.

    Das Ziel der Olympiade ist dabei nicht nur der Wettbewerb selbst, sondern auch, das Interesse der jungen Wissenschaftlerinnen zu wecken, aktuelle chemische Probleme zu lösen. Und selbstverständlich steht zudem der internationale Austausch und Kontakt zu Schüler*innen ganz anderer Kulturkreise im Fokus des Programms.

    Schlauer als die Professoren

    Die Abschlussveranstaltung beginnt. Professorin Helma Wennemers und Professor Wendelin Stark von der ETH Zürich begrüssen die Teilnehmenden. Stark, selbst ehemaliger Teilnehmer, zeigt sich begeistert davon, so viele junge Menschen zu treffen, die so gut in einer Disziplin seien. Und gesteht dem «Höngger» im anschliessenden Gespräch, dass selbst er nicht mehr all die Prüfungsfragen hätte beantworten können – zumindest nicht so aus dem Stegreif.

    «Die Aufgaben werden von den Verantwortlichen entsprechend den olympischen Regeln gemeinsam erarbeitet», so Stark. «Dabei handelt es sich um aktualitätsbezogene, spannende Probleme, die von den jungen Nachwuchstalenten gelöst werden müssen.» Das erfordere, so Stark weiter, ein Verständnis von Chemie, das sich auf hohem Niveau bewege und weit über das übliche Schulwissen hinausgehe.

    Schweiz nicht ganz vorne mit dabei

    Bei der Siegerehrung werden Urkunden, Bronze-, Silber- und Goldmedaillen verteilt, je nach erreichter Punktezahl. Jeder, der sich eine Urkunde oder Medaille verdient hat, wird persönlich aufgerufen und auf der Bühne geehrt. Insgesamt 217 der Teilnehmenden erhalten eine Medaille. Dabei haben die asiatischen Nationen ganz klar die Nase vor. Bester in Theorie und Praxis ist der chinesische Schüler Weijie Mao.

    «In Nationen wie China ist die Teilnahme an der Olympiade eine grosse Sache», erklärt Stark. «Für die Ausbildung und das Coaching des Nationalteams wird hier ein grosser Aufwand betrieben.» In der Schweiz dagegen, so Stark, werde die Olympiade eher stiefmütterlich behandelt. Anders als in anderen Länder existiere hier keine nationsweite Ausscheidung unter allen Gymnasial- oder Berufsschülerinnen. Es liege an motivierten Gymnasial- und Berufsschullehrpersonen, junge Talente zur Teilnahme zu bewegen.

    Die unterschiedliche Gewichtung des Anlasses zeigt sich dann auch im Resultat. Die Schweizer Delegation gehört an diesem Abend nicht zu den grossen Gewinnerinnen. Doch das stört die vier Jugendlichen gar nicht. Ihnen habe vor allem der Austausch mit den anderen gefallen, erklären die vier. «Ich fands super, all die Jugendlichen der anderen Nationen zu sehen und die teils so ganz unterschiedlichen Lebenseinstellungen kennenlernen zu können», schwärmt etwa Andrin Hauenstein, der Zürcher Teilnehmer. Und wer weiss, vielleicht ergibt sich im nächsten Jahr wieder die Gelegenheit, an der Olympiade teilzunehmen. Das nächste Mal in Saudi-Arabien.

  • Gemeinsamer Einsatz für die Kinderrechte

    Gemeinsamer Einsatz für die Kinderrechte

    Elf indigene Gruppen mit verschiedenen Sprachen, Sitten und Religionen leben in den Chittagong Hill Tracts, einem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Bangladesch, Myanmar und Indien. Die grössten sind die Chakma, Marma, Mro und Tripura – als Gesamtheit bezeichnen sie sich als «Jumma».

    Mit dem Ende des britischen Kolonialreichs 1947 wurde ihre Heimat Ostpakistan angeschlossen, dem heutigen Bangladesch. Damit begann für die Indigenen der traumatische Übergang in die Moderne, wie der Verein CO-OPERAID in Wipkingen in einer Medienmitteilung schreibt.

    Der Kaptai-Staudamm hat in den 60er-Jahren die Reisfelder von 100’000 indigenen Bauern verschlungen. Die systematische Ansiedlung von Bengalen, der Mehrheitsbevölkerung Bangladeschs, machte eine unbekannte Zahl weiterer indigener Familien zu landlosen, intern Vertriebenen. Der Bürgerkrieg (bis 1997), der durch diese Konflikte verursacht wurde, hat einen Flüchtlingsstrom nach Indien ausgelöst.

    Bis heute werden laut dem Verein die Menschenrechte der Jumma missachtet. In neuerer Zeit sorgt die «Entwicklung» durch Tourismus für Konflikte. Von der Weltöffentlichkeit wurde die Situation der Bevölkerung in den Chittagong Hill Tracts bisher kaum zur Kenntnis genommen.

    Hilfe durch Bildung

    Zusammen mit der Hilfsorganisation Humanitarian Foundation, einem Hilfswerk von Indigenen, investiert CO-OPERAID seit 2009 in die Bildung in dieser Konfliktregion. Grundschulbildung in Dorfschulen mit Kindergarten, Sekundarschulbildung durch Wohnheime, Berufsbildung und Stipendien für tertiäre Bildung eröffnen jungen Indigenen Entwicklungschancen.

    Die langfristige angelegte Hilfe für diese unterprivilegierte Bevölkerung zeigt Wirkung. Lehrpersonen, medizinisches Personal, Rechtsanwält*innen sowie Angestellte und Selbständige in Handwerk und Dienstleistungen sind aus dem Projekt hervorgegangen. Sie sind Teil einer jungen Generation, die bessere Chancen hat als ihre Eltern, sich Gehör zu verschaffen und ihren Platz in der Gesellschaft zu erstreiten.

    Die Umsetzung des Kinderrechts auf Bildung für Minderheiten-Kinder wird durch eine breit abgestützte Spenderschaft in der Schweiz möglich. Dazu gehört auch die Wipkinger Pfarrei Guthirt, die während mehrerer Jahre für die Projektarbeit in Bangladesch gesammelt hat.

    Podiumsdiskussion

    Am Anlass unter dem Titel «Bildung als Weg in die Moderne? – Indigene in Bangladesch zwischen Postkolonialismus, Rebellion und Aufbruch» diskutiert ein hochbesetztes Panel die Herausforderungen, vor der die Indigenen der Chittagong Hill Tracts stehen und beschreibt Lösungsansätze. Diskussionsteilnehmende:

    • Willem van Schendel, Professor für moderne asiatische Geschichte an der Universität Amsterdam
    • Bablu Chakma, Menschenrechtsaktivist und Doktorand an der Hochschule Fulda
    • Marcel Auf der Maur, Co-Geschäftsleiter von CO-OPERAID und Projektleiter

    Moderation: Robin Fritschi

    Am Freitag, 1. September, von 18.30 bis 20 Uhr, im Volkshaus Zürich (gelber Saal).

    www.co-operaid.ch

  • Wipkingen zur Sonderbundszeit

    Wipkingen zur Sonderbundszeit

    Die Lehrerwahl von 1821

    Für die Kirche war die Sonntagsschule entscheidend. Der Pfarrer verkündete jeweils am Sonntag vor Martini, welche Kinder die Prüfung bestanden hatten. Das Examen bestand aus Bibelkunde, biblischen Geschichten, Katechismus und Gebeten. Wer die Prüfung bestand, musste nur die Repetierschule am Sonntag besuchen. Fürs Schwänzen gab es saftige Geldbussen. Vermehrt kamen die Ideen von Johann Heinrich Pestalozzi auf. Statt Unterricht nach Jahrgängen wollte man Schulklassen bilden, Stoffpläne modernisieren und vor allem in der Volksschule eine Schulpflicht für alle Kinder einführen.

    Die Kirchenvertreter waren deswegen nicht glücklich; ihnen würde die Obhut über die Kinder entgleiten. Insbesondere kämen die Fächer Bibelkunde und Katechismus ins Hintertreffen. Der kirchliche Widerstand gegen Pestalozzis Ideen war subtil, aber hart. Lehrerseminare gab es damals nicht. Die Lehrer hiessen offiziell Schulmeister, angesprochen wurden sie mit «Herr Lehrer». Sie waren sehr unterschiedlich befähigt. Eine regelrechte Landplage waren gewalttätige Schulmeister, welche die Kinder prügelten und demütigten. Als der Dorflehrer Heinrich Siegfried einmal mehr ohne ersichtlichen Grund eine Schülerin mit dem Stab so hart geschlagen hatte, dass der Stab zerbrach und die Schülerin zum Doktor musste, setzte ihn der Erziehungsrat ab.

    Pfarrer Hans Georg Finsler verkündete 1821 von der Kanzel herab, dass ein neuer Schulmeister gesucht werde. Drei Wipkinger Bürger meldeten sich, zwei zogen nach Kritik des Stillstandes (der Vorläufer der Kirchenpflege) ihre Bewerbung zurück. Ein Dritter bestand die Aufnahmeprüfung, wurde aber vom Erziehungsrat wegen seines jugendlichen Alters von 17 Jahren als nicht wählbar erklärt. Der Stillstand schrieb die Stelle erneut in den Zeitungen aus. Auf die Annoncen in der «Zürcherischen Freitagszeitung» und dem «Zürcherischen Wochenblatt» meldeten sich drei Personen. Zwei Bewerber kamen in die engere Wahl, Amman von Obermeilen und Johannes Weber von Ebertswil.

    Pfarrer Finsler schätzte Bewerber Amman sehr, da er ausgesprochen religiös war. Die meisten Stillständer zogen Weber vor; als Argument gegen Amman konnten sie natürlich nicht ihre Meinung kundtun, er sei frömmlerisch, es hiess vielmehr, Amman verströme «einen unangenehmen Geruch aus dem Munde».

    Ammans Wahl war für Finsler beschlossene Sache, aber zwei Stillständer weibelten bei jedem Erziehungsrat persönlich für ihren Kandidaten. Sie traten dabei ausdrücklich als «Vertreter der ganzen Vorstehschaft und der Gemeinde» auf, was gelogen war. Wahrscheinlich durchschauten die Erziehungsräte das Manöver, aber die Wahl zwischen einem pfaffenhörigen Frömmler und einem modernen Erzieher fiel zugunsten der Moderne aus. Pfarrer Finsler akzeptierte die Wahl, aber er konnte sich nicht damit abfinden und trat nur zwei Jahre später ausdrücklich wegen Lehrer Weber vom Amt zurück.

    Der 23-jährige Weber legte sich ins Zeug. Seine Schüler*innen bestanden das erste Winterexamen mit Bravour. «Der Schulmeister hat in der kurzen Zeit seit seinem Amtsantritt schon Bedeutendes geleistet und es wurde freudige Hoffnung für die Zukunft ausgesprochen», schrieb der Stillstand in einem Schulprotokoll.

    Im Jahr 1831 trat nach einer Volksabstimmung die neue kantonale Verfassung in Kraft. Zürich mutierte zum souveränen Stand der Eidgenossenschaft. Liberale Kräfte forcierten die Bildung, sie stärkten die Volksschulen und gründeten ein Lehrerseminar. Bald gab es neue Schulbücher mit weltlichem statt religiösem Lernstoff. In kirchlichen Kreisen und in der Landbevölkerung wuchs der Widerstand.

    Lehrer Kottinger und der Bildungszwist

    Woher er kam, wusste keiner so recht. Man munkelte, er sei ein entlaufener Mönch. Er passte nicht so recht in die kleine Zürcher Vorortsgemeinde. Mit seinem Rigorismus passte er aber in den herrschenden Kulturkampf, insbesondere in die Revolution im zürcherischen Schulwesen in den 1830er-Jahren. Nach heftigem Widerstand und einem turbulenten Wahlkampf setzte 1833 das Volk in einer Abstimmung ein neues Sekundarschulgesetz durch. Das neue Schulgesetz entmachtete den Stillstand. An seine Stelle trat erstmals eine Schulpflege aus gewählten Volksvertretern. Die «Schulmeister» hiessen nun offiziell «Schullehrer», die Volksschule war obligatorisch, und ein neuer Stundenplan war Pflicht.

    Die Gemeinde wählte Markus Kottinger, aus Uster zugezogen, zum ersten Sekundarlehrer. Er hatte sich auf eine Annonce in der «Zürcherischen Freitagszeitung» vom 13. März 1837 gemeldet. Die Annonce zeigt, welch tiefgreifenden Wandel das Land in den 16 Jahren seit der Wahl Webers durchgemacht hatte. Nicht mehr Schulmeister, sondern Lehrer wurden gesucht für das geplante Sekundarschulhaus im Röthel: «…ein Lehrer und eine Lehrerin», welche «die Lehrfächer … die in §. 4. des Gesetzes betreffend die höheren Volksschulen» umsetzen sollten.

    Die Lehrerin hatte ein Mindestpensum von acht Stunden garantiert bei einem Lohn von 240 Franken. Das Wichtigste: Die Bewerbungen gingen nicht mehr zuhanden des Pfarrers wie 1821, sondern an den Präsidenten der Sekundarschulpflege, Regierungsrat Schäppi. Es mag als Detail erscheinen, aber es ist das Ergebnis eines epochalen Kulturkampfes: Die Politik entschied neu über Schule und Schulstoff, nicht mehr die Kirche.

    Kottinger setzte das neue Gesetz in tiefster Überzeugung und voller Energie um. In der Sekundarschule richtete er Blockzeiten ein. 1837 unterrichtete Lehrer Kottinger 21 Knaben und 11 Mädchen. Nebst herkömmlichen Fächern wie Religion, Deutsch und Französisch gab es nun Zahlenlehre, Arithmetik und Geometrie, Geografie, Geschichte und vaterländische Staatseinrichtung, Naturkunde mit besonderer Rücksicht auf Landwirtschaft und Gewerbe, Gesang, Zeichnen und Schönschreiben. Unerhört für viele waren die «angemessenen Leibesübungen» für Knaben und Mädchen auf der Wiese hinter dem Schulhaus an der Röthelstrasse. An der frischen Luft sollte der Turnunterricht Gesundheit, Stärke und Geschmeidigkeit fördern; Mädchen und Knaben gemeinsam.

    1853, viele Jahre nach dem Sonderbundskrieg, nahm Kottinger eines Tages Ferien und ward nie wieder gesehen – mitsamt Familie war er nach Amerika ausgewandert. Hundert Jahre später finden sich Spuren über ihn. Im August 1934 schrieb die NZZ ein Porträt zur 100-Jahr-Feier der Sekundarschule Uster. Sie war aus der Ustertagbewegung herausgewachsen: «Als erster Lehrer war der ehemalige katholische Geistliche Kottinger, ein Flüchtling aus Mähren, gewählt worden».

    Offenbar ging es nicht lange gut, denn «bald kam aber eine Gegenströmung auf, der Lehrer fand den Kontakt mit Pflege und Gemeinde nicht und wurde 1837 erster Lehrer der Sekundarschule Wipkingen». In einem anderen Bericht hiess es, «der erste Lehrer, Kottinger, soll ursprünglich Mönch gewesen sein und wanderte später nach Amerika aus».

    In der Chronik der Stadt Zürich vom Juni 1903 steht ein Hinweis, wie Kottinger seine neue Heimat fand. In einer Auflistung zur Vergabe des Landrechts – eine Art Aufenthaltsbewilligung mit reduziertem Stimm- und Wahlrecht –, ist auch der Sekundarlehrer vermerkt: «Hermann Maurus Kottinger, Urbau-Mähren, Sünikon-Uster, Skdrlehrer, Ldr. geschenkt 1834.» Offenbar stammte er ursprünglich aus Vrbovec, deutsch Urbau, einer kleinen Gemeinde in Tschechien. In Urbau gab es einst das Kloster Bruck, welches bereits 1784 aufgelöst wurde.

    Sein Geburtsjahr war 1803, als entlaufener Mönch aus einem Kloster kommt er nicht infrage. Dem Ustemer Sekundarlehrer wurde das Landrecht geschenkt, drei Jahre bevor er die Stelle in Wipkingen antrat. In Wipkingen erhielt er dann die Bürgerrechte.

    Die Klosteraufhebungen

    Was einen Krieg auslöst, ist nicht immer die Ursache dafür. Die Klosteraufhebungen im Aargau führten letzlich zum Sonderbundskrieg. Die Ursachen dafür lagen aber tiefer. Es ging um den Gesellschaftsvertrag. Was gilt; Völkerrecht oder Naturrecht? Wer hat das letzte Wort? Wer entscheidet? Der Souverän? Das Parlament? Der Papst? König? Gott?
    Es ging in der Eidgenossenschaft um dieselbe Frage wie bei der Lehrerwahl in Wipkingen. Man wollte das Verhältnis von Kirche und Staat neu regeln.

    Die Kirche, insbesondere die katholischen Kantone, wollten ihre Macht nicht hergeben. Weite Teile des privaten Lebens waren mit Kirchengesetz geregelt, von Feiertagen, Essensgewohnheiten über Ehegesetze bis zu Schulpflichten und Lehrplänen. Anfang der 1830er-Jahre spitzte sich der Konflikt zu. Der liberale Kanton Luzern verlangte eine Konferenz und lud einige Kantone nach Baden ein.

    An der Konferenz 1834 beschlossen die anwesenden Kantone Besteuerung der Klöster, zivilgesetzliche Zulassung konfessionell gemischter Ehen, Beschränkung der arbeitsfreien kirchlichen Feiertage, Unabhängigkeit vom Papst sowie staatliche Kontrolle über die Kirchen und Priesterseminare. Diese «Badener Artikel» – ohne Tagsatzungsbeschluss oder Rechtsgrundlage – lösten geharnischte Reaktionen aus bei katholischen Kantonen. Der Papst verurteilte sie in einer Enzyklika scharf. Frankreich und Österreich verlangten die Rücknahme der Artikel und drohten mit militärischen Mitteln, wenn die Klöster besteuert oder gar aufgehoben werden.

    Die Klosteraufhebung entgegen den Kantonsverfassungen von 1815 waren für die europäischen Mächte ein klarer Casus Belli. Volksabstimmungen dazu waren selbstverständlich verboten und wurden auch von der Entente den eidgenössischen Kantonen untersagt. Die Aargauer Regierung ging forsch vor. Sie stellte die Klöster 1835 unter staatliche Verwaltung und schloss mehrere Klosterschulen.

    Im Januar 1841 forderte der Seminardirektor Keller im Aargauer Grossen Rat die Schliessung sämtlicher Klöster. Bei der Abstimmung wurde nachgeholfen. Der Sitzungstermin war so knapp angesetzt, dass die katholischen Volksvertreter aus dem Freiamt gar nicht teilnehmen konnten. Der Rat foutierte sich um Einsprachen und Beschwerden und setzte den offensichtlich rechtsmissbräuchlichen Beschluss um. Zwei Bernische Regimenter wurden aufgeboten. Nonnen und Mönche erhielten eine Frist von 48 Stunden, ihr Kloster zu verlassen. Alles wurde konfisziert, aber nichts zerstört.

    Was in Wipkingen mit der Wahl der Lehrer Weber und Kottinger im Kleinen passierte, geschah im Land im Grossen. Der Klosterschliessungsbeschluss verstiess gegen Gepflogenheiten, gegen alle Regeln und auch gegen die Verfassung von 1815. Die katholischen Kantone waren komplett schockiert, ebenso der Papst und die europäischen Mächte, die eine sofortige Wiederherstellung verlangten.

    Fabrikant Studer und der Straussenhandel

    Der Letten war in den 1830er-Jahren ländlich geprägt mit Weiden, Feldern und Baumgärten. Nebst den Höfen und Wohnhäusern standen hier auch die stattlichen Landsitze. Kaufmann Kahlbaum wohnte hier, Seidenfabrikant Cornetz, Professor Wyss und Fabrikant Studer. Die Nummer 82a (heutige Wasserwerkstrasse 141) war ein Wohnhaus, 82b eine Kattundruckerei. Bei Nummer 83a (Wasserwerkstrasse 142) handelt es sich um die Fabrikantenvilla. Die Fabrikgebäude befanden sich auf dem Areal des heutigen Flussbades Unterer Letten.

    Das Studersche Fabriketablissement färbte und bedruckte Stoffe. Studer war einer der mehreren äusserst erfolgreichen Wipkinger Industriellen (siehe «Wipkinger Zeitung», Ausgabe 3/2017). Die Fabrikanten handelten mit Baumwolle, färbten Tücher und Stoffe und produzierten edle Indienne-Ware. Studer war in der Gemeinde Wipkingen politisch engagiert, zudem Kantonsrat. «Der Vater namentlich war feurig, stark radikal, doch dabei ehrenhaft; zur Zeit des Straußenhandels war er ein begeisterter Anhänger der Straußenpartei», schrieb Conrad Escher in der Wipkinger Chronik über ihn.

    Sein Sohn, ebenfalls Heinrich getauft, war später Regierungsrat, erster Kantonalbankpräsident und Nordostbahndirektionspräsident. Fabrikant Studer war eine treibende Kraft im «Straussenhandel» und begeisterter Verfechter der «Straussenpartei». Der deutsche Theologe David Friedrich Strauss wurde an die Universität berufen. Strauss war Reformtheologe aus Tübingen, er sollte als Professor für Dogmatik und Kirchengeschichte auch die Kirche erneuern.

    Er veröffentlichte eine Schrift «Das Leben Jesu». Darin beschrieb er die Wunder Jesu als Mythen. Dies rief heftigsten Protest hervor aus kirchlichen und konservativen Kreisen, insbesondere bei der Landbevölkerung. Es gab Aufstände und ein Gegenkomitee setze durch, dass Strauss noch vor Antritt des Lehrstuhls in den Ruhestand treten musste.

    Fabrikant Studer und der Lehrer Kottinger vertraten die Professur vehement. Kottinger verfasste 1839 eine Schrift «Doktor Strauss und seine Lehre», in der er das Leben und die Lehre des Reformtheologen erörterte auf Basis der liberalen Verfassung von 1831, welche Glaubensfreiheit, Volkssouveränität und Säkularisierung des Bildungswesens vertrat.

    Die Schrift des Sekundarlehrers war auch in Wipkingen ein Skandal, auch wenn er viel Rückhalt in Teilen der Bevölkerung hatte, insbesondere von Fabrikanten wie Heinrich Studer. Die Opposition nahm in der Landbevölkerung Fahrt auf. Der Glaubenskampf endete schliesslich in einem Aufstand des Landvolkes und ging als «Züriputsch» von 1839 in die Geschichte ein.

    Am 6. September 1839, einem Freitag, trafen die über 2000 Bewaffneten in Zürich ein. Sie kamen bis Oberstrass. Es gab 14 Tote bei den Unruhen. Der Aufstand richtete sich gegen Leute wie Studer und Kottinger, die den Ketzer Strauss als Theologieprofessor ernennen wollten. Bemerkenswert ist die Reaktion von Heinrich Studer auf den bewaffneten Aufstand, der leicht in einen flächendeckenden Bürgerkrieg hätte ausufern können. Am folgenden Montag, dem September, tagte der Grosse Rath (heutiger Kantonsrat) um halb zehn Uhr im Grossmünster. Die Sitzung verlief tumultuös. Heinrich Studer, überall als «feurig, stark radikal» bezeichnet, blieb besonnen.

    Sein Antrag lautete: Es sei «eine Amnestie über alles Vorgefallene auszusprechen, die vorörtlichen Geschäfte an die Tagsatzung überzutragen», weiter «aus der Mitte des Gr. Rathes eine Commission zu ernennen mit Vollmacht» und anschliessend «in allen politischen Gemeinden abstimmen zu lassen, ob der jetzige Gr. Rath abtreten und von einem neuen die Behörden erneuert werden sollen». Das Wichtigste an seinem besonnenen Antrag war, ausdrücklich keine eidgenössischen Truppen aufzubieten. Es wäre ein Leichtes gewesen, den Aufstand mit Truppen niederzuschlagen. Dazu kam es nicht, der Staatsrat beschloss die Selbstauflösung und setzte Neuwahlen an. Es blieb unruhig, aber weitgehend gewaltlos. Erst 1845 kamen wieder liberale Mehrheiten an die Macht.

    Schütze, frei, bewaffnet

    Die Schützentradition wurde hochgehalten. Die meisten erwachsenen Männer waren Mitglied in einem Schiessverein. Fabrikant Studer muss ein guter Schütze gewesen sein, am Eidgenössischen Schützenfest vom 4. Juli 1844 in Basel belegte Studer den 3. Rang und wurde mit einem Gemälde im Wert von 1400 Franken geehrt. Für selbiges wurde ihm aus Paris 6000 Franken geboten.

    Er verkaufte es nicht und schenkte es später der Allgemeinheit. «Wir wissen nun gewiss, dass Hr. Kantonsrath Studer in Wipkingen das schöne Oelgemälde (Schlacht bei St. Jakob) zur nächsten Kunstausstellung im Hochschulgebäude hier darleihen wird», schrieb eine Zeitung später.

    Studer starb im Dezember 1853, erst 60 Jahre alt. Nur acht Tage zuvor war sein Sohn verstorben. Sein neues Amt als Verwalter des Kantonsspitals konnte er nur noch kurze Zeit ausüben. «Der rechtschaffene Mann, der hienieden keine Ruhe finden konnte, möge nun im Jenseits den ewigen Frieden finden», hiess es in einem Nachruf.

    Revolutionär Knoch und die Radikal-Liberalen

    In den schwierigen Zeiten entwickelte sich die Gemeinde trotz aller Unbill erstaunlich. Die «Zürcherische Freitagszeitung» annoncierte im Mai 1837 «den Verkauf aus freier Hand»: «Der Gütergewerb zum Neuhaus in Wipkingen, bestehend aus einem doppelten Wohngebäude, Scheune, Trotte und einem Waschhaus, dabei ein laufender und ein Sodbrunnen, ferner 16 Juch. Land um das Haus herum, dann zwei Juch. Holz und Boden und einen Anteil an der Corporations-Waldung»; dies alles «in der frohmüthigsten Lage». Ein prächtiger Hof im Herzen Wipkingens.

    «Die Schweiz, diese befestigte Kloake»

    Aufstände und Unruhen tobten in Europa. Revolutionen und Niederschlagungen wechselten sich ab. Es war eine gewalttätige Zeit. Viele flüchteten in die Schweiz, Tausende aus Frankreich und Deutschland. Es waren Revolutionäre, abgesetzte Professoren, desertierte Soldaten, aber auch Vagabunden und Abenteurer aller Couleur. Im Gefolge tauchten Spitzel, Spione und Überwacher auf aus Preussen und Österreich. Es gab einen Befehl vom österreichischen Staatskanzler Fürst Metternich an die Schweiz, die «schlimmsten Köpfe» auszuweisen, so etwa Wilhelm Snell, radikal-liberaler Revolutionär und Naturrechtler und erster Rektor der Universität Bern. Die Schweizer Behörden ignorierten den Befehl.

    Den Grossmächten war die Schweiz verhasst und unheimlich zugleich. Der revolutionäre Geist breitete sich aus. Die Kaiser, Könige, Fürsten, Bischöfe und Adlige, allesamt Herrscher von Gottes Gnaden, wurden nervös. Die Grossmächte blickten auf die Schweiz. Metternich diagnostizierte die Schweiz als gefährliches soziales und politisches Laboratorium mit hohem Ansteckungspotenzial. Ebenso war die Sorge gross wegen der Schweiz als Fluchtort und Auffangbecken für Revolutionäre. Sein Ziel war die Säuberung der «befestigten Kloake Schweiz».

    Einer der vielen Flüchtlinge war Philipp Knoch, der im «Neuhaus» wohnte. Er war ein eingewanderter Revolutionsflüchtling aus Hirschberg an der Saale, Thüringen. In den schwierigen Zeiten war er eingewandert, da er als Anhänger der freiheitlichen Bestrebungen seiner Heimat als Radikal-Liberaler galt und verfolgt wurde.

    Er sei «in Untersuchung gezogen», also in Thüringen in Haft genommen worden. In Wipkingen war er weiterhin aktiv als Radikal-Liberaler, auch wenn er kein öffentliches Amt inne hatte. «Allerlei bedeutende Männer, meistens Gesinnungsgenossen aus der 1848er-Zeit, die in Zürich eine Heimat gefunden hatten, verkehrten in dem allseits gastfreundlichen Hause», schrieb Conrad Escher in der Wipkinger Chronik über Knoch. Unter anderen war Professor Zeuner oft zu Gast bei ihm. Nach dem Professor für Mechanik und theoretische Maschinenlehre am Polytechnikum ist die Zeunerstrasse benannt.

    Auf seinem Hof Neuhaus experimentierte Knoch, offenbar mit Erfolg, an Maschinen, neuen landwirtschaftlichen Techniken, an Düngemitteln und Pflanzenzucht. Sein Sohn wurde später Pfarrer in Uster. Knoch war Gründungsmitglied der GGW, der Gemeinnützigen Gesellschaft Wipkingen, dem heutigen Quartierverein. Diese ehrte in einem Jahresbericht den einstigen Revolutionär in den höchsten Tönen: «Seit der Gründung unserer Gesellschaft hat er daselbst angehört.»
    An den Sitzungen habe er selten gefehlt. Reden habe man ihn wenig gehört. «Aber umso mehr war er ein Mann der Tat. Der Mann einer tief humanen Gesinnung, wie sie das Ideal unserer Gesellschaft ist», hiess es im Nachruf. 1878 schenkten seine Erben der Gemeinde Wipkingen nach seinem Tod 1000 Franken für verschiedene Anstalten.

    Wirt Mahler und die Befreiung aus dem Kesselturm

    Joh. Jakob Mahler, gelernter Spenglermeister, kaufte 1846 das Waidgut. Mit Wirt Mahler begann die Glanzzeit des Waidguts als Aussichtsplatz und Vergnügungsort. Wie aufgeheizt die allgemeine Volksstimmung und wie tief der Jesuitenhass ging, zeigte ein Volksfest am 29. August 1847 auf der Waid, wenige Wochen vor dem Sonderbundskrieg. Beim «Sängerfest der Vereine des Limmatthals» fanden sich über 200 Sänger zum gesanglichen Wettbewerb ein, bei «vollkommen befriedigendem Resultat».

    Man erhob sich zum Toast auf den Sängervater Nägeli. Anschliessend erhob sich ein Lehrer aus Albisrieden zum politischen Parteitoast; unter grossem Beifall «trug er seine Weisheit zum Besten, dass ohne Vertreibung der Jesuiten und Auflösung des Sonderbundes kein Friede möglich sei».

    Die Klosterschliessungen hatten zu Opposition der katholischen Kantone gegen die Säkularisierung des Staatenbundes geführt. Die politische Reaktion der innerschweizer Kantone war heftig. In Luzern und in Freiburg wollten die Jesuiten die Klosterschliessungen nicht hinnehmen. Die Jesuiten in Luzern restaurierten ihre Klöster wieder und setzten Geistliche der «Gesellschaft Jesu» als Lehrkräfte in den Schulen ein. Sieben Kantone beschlossen den Austritt aus der Eidgenossenschaft, falls die Aargauer Klöster nicht wieder hergestellt würden. Sie sondierten gar bei den europäischen Grossmächten Frankreich und Österreich zwecks militärischer Unterstützung.

    Dies war der Auslöser der berühmten Freischarenzüge. Liberale Hitzköpfe marschierten als bewaffnete Miliz Richtung Luzern. Es verlief chaotisch, nach kleinen Gefechten im Dezember 1844 bei Emmenbrücke fiel der Freischarenzug auseinander und die unorganisierten Milizen zogen heimwärts.

    Im Kanton Luzern brach fast ein Bürgerkrieg aus; der Hass gegen die Jesuiten stieg ins Unermessliche. Es gab Anti-Jesuiten-Vereine, Petitionen, Demonstrationen und lokale Unruhen. Am 31. März 1845 sammelten sich erneut 3500 Milizionäre, darunter der Dichter Gottfried Keller, der spätere Bundesrat Ochsenbein als militärischen Führer und der Luzerner Regierungsrat Jakob Robert Steiger. Sie marschierten bewaffnet gegen Luzern. Auch dieser Feldzug scheiterte. Die luzernischen Truppen verhafteten eine der führenden Figuren, Jakob Robert Steiger, und verurteilten ihn zu Tod durch Erschiessen. Die Todesstrafe wurde umgewandelt in lebenslängliche Galeerenstrafe.

    Ein Schelmenstück erster Klasse

    Steiger lag im Luzerner Kesselturm in Ketten. In Zürich war die Wut grenzenlos. Wirt Gross vom Café Littéraire, der als Leutnant beim zweiten Freischarenzug am Gefecht bei Luzern teilgenommen hatte, beschloss mit Kameraden, Steiger zu befreien. Er kontaktierte die Ehefrau Steigers, die weit fortgeschrittene Pläne mit Verbündeten hatte. Die Legende geht so: «Zwei Tage später erhielt Gross von der Frau Steiger einen Brief, in welchem sie bat, er möge noch einmal kommen und 6000 bis 8000 Franken mitbringen». Da Gross nur 2000 Franken hatte, bat er den zufällig neben ihm sitzenden Gast, Mahler von der Waid, um Unterstützung.

    Nach einigen Bedenken «kehrte Mahler in aller Eile nach Hause zurück und brachte Gross die 6000 Franken». Dieser bestellte sofort zwei Fuhrwerke und fuhr ohne Halt nach Luzern. Die Wachen wurden bestochen, Steiger befreit; und dieser kehrte triumphal nach Zürich zurück.

    Historisch gesichert ist, dass die drei namentlich bekannten Wächter im Kesselturm für Steigers Flucht insgesamt 10 000 Franken erhielten (rund 700 000 Franken in heutigem Geld) und Luzern natürlich fluchtartig verliessen. Einer der Organisatoren der spektakulären Flucht, der spätere Bundesrat Ochsenbein, bestätigte die Befreiung aus dem Kesselturm in einem Brief, «…die Summe wurde uns aus Geldern, die in allen Kantonen flossen, ersetzt».

    Die Befreiung war ein Schenkelklopfer und erheiterte die liberalen Kantone aufs Äusserste, so wie sie den Sonderbund desavouiert hatte. Nach dem Sonderbundskrieg kehrte Steiger nach Luzern zurück und wurde Mitglied der verfassungsgebenden Kommission. Die besiegten Kantone wurden nicht gedemütigt, es gab keine Exzesse, weder Brandschatzungen noch Plünderungen. Der politische Ausgleich gelang und machte den Weg frei zur modernsten, liberalen Verfassung in Europa.

    Was auch immer Dichtung und Wahrheit sein mag an der Anekdote der Finanzierung – sie machte damals die Runde und der erzliberale Wirt Mahler von der Waid durfte sie noch manche Male an manchem Sängerfest auf der Waid erzählen.

    Quellen

    Die Kolumnen der «Wipkinger Zeitung» sind als Buch erschienen:
    Martin Bürlimann, Kurt Gammeter: «Damals – Wipkingen, ein Bilderbogen», Wibichinga Verlag, 2023.

    Markus Kottinger: «Doktor Strauss und seine Lehre», 1839.

    Albert Heer: «Der Sonderbund», Verlag von Ed. Schäubli, Zürich 1913.

    Rolf Holenstein: «Stunde Null», Echtzeit, 2018.

    Nachlass Jakob Frei, Stadtarchiv.

    Angaben zu den Häusern von Staschia Moser, Baugeschichtliches Archiv BAZ.

  • Public Viewing auf dem Röschi

    Public Viewing auf dem Röschi

    Diesen Sommer findet die Frauen-Fussballweltmeisterschaft in Neuseeland und Australien statt. Die Schweizerinnen sind mit von der Partie. Am 20. August, einem Sonntag, findet um 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit das Finale in Sydney statt.

    Und auch in Wipkingen wird es hoffentlich sportlich zu und her gehen – der hiesige Quartierverein hat einen LED-Grossbildschirm gemietet und veranstaltet ein Public Viewing auf dem Röschibachplatz.

    Eintritt gratis, Kollekte, Stühle, Bänke und Decken bitte selber mitbringen.

    Eingesandt vom Quartierverein Wipkingen