Autor: tka_admin

  • Wo Medikamente noch in Höngg hergestellt werden

    Wo Medikamente noch in Höngg hergestellt werden

    Wenn Susanne Wolf, Geschäftsführerin der Apotheke Im Brühl, erzählt, was sie an der Herstellung von Medikamenten fasziniert, ist sie in ihrem Element. Die Apothekerin aus der Steiermark hat in ihrem Studium in Graz das Fach «Arzneistoffsynthese» noch studiert, unterdessen wird dies in Österreich nicht mehr gelehrt, während es in der Schweiz noch Bestandteil der Ausbildung ist. Wolf hat Arzneistoffe hergestellt, Tinkturen und allerlei Salben. «Und ich habe es geliebt», strahlt sie, die bedauert, dass diese Arbeit im heutigen Berufsbild der Apotheker*innen eher zu kurz kommt.

    Gegensteuer für Kinder

    Schon früher wurde auf ärztliche Anordnung ganz individuell Arzneimittel hergestellt, je nach Krankheit und Patient: Die sogenannte «Formula magistralis», die Magistralrezeptur, gibt es auch heute noch. Daneben spricht man von der «Formula officinalis», wenn nach einer offiziellen Formel des Arzneibuches nicht rezeptpflichtige Medikamente hergestellt werden. Am bekanntesten sind indes die Hausspezialitäten, welche die Apotheke nach eigenen Formeln anfertigen. Diese Präparate müssen von der Heilmittelkontrolle abgenommen werden. «Das lohnt sich nur, wenn man ein Steckenpferd hat, wie bei uns Medikamente für Kinder», so Wolf, «mein Ziel ist es, künftig in diesem Segment mehr solche Spezialitäten herzustellen».
    Schon immer werden direkt in Höngg Salben hergestellt. Speziell dann, wenn es keine Fertigprodukte mit den benötigten Wirkstoffen gibt. Häufiger jedoch sind es Salbenverdünnungen: «Eben gerade für Kinder», so Wolf, «da ist es oft ratsam, vorhandene Salben zu verdünnen, weil deren Wirkstoffe für die Anwendung bei Kindern zu hoch dosiert sind». Aber auch bei Erwachsenen Dermatologie-Patient*innen kann eine Verdünnung angezeigt sein. Genannt sei das Beispiel einer Salbe mit Capsaicin, einem Wirkstoff, welcher zur Desensibilisierung der Haut dient, zum Beispiel bei Nervenschmerzen: «Es gibt nur Pflaster mit diesem Wirkstoff, aber keine Créme, was oft besser wäre in der Anwendung. Wir nehmen die bestehende Salbe, mischen sie mit einer Salbengrundlage und füllen sie in neue Tuben ab». Generell sind alle Medikamente der Pharmaindustrie für einen Durchschnittspatienten – ja, in der Regel ist der Forschungsproband dort männlich – hergestellt, was dann natürlich nicht auf alle passt. Gut, wenn Apotheken wie die «Im Brühl», die sich auch auf Kinder spezialisiert hat, mit modernen Mitteln nach alter Berufstradition reagieren kann.

    Sicherheit in der Vielfalt

    Dabei ist Sicherheit ein grosses Thema, das mit viel Aufwand und Kosten verbunden ist: So wird jeder Wirkstoff, der vom Lieferanten bereits geprüft wurde, in der Apotheke erneut mit einem extra angeschafften Infrarot-Spektrometer untersucht, um sicher zu sein, dass, salopp gesagt, auch drinnen ist was draufsteht. «Speziell bei Arzneistoffen, die innerlich eingenommen werden, ist diese Kontrolle sehr wichtig, sonst kann es gefährlich werden», betont die Spezialistin.
    Auch Kapseln wurden früher mehr selbst hergestellt als heute. Dabei seien Kapseln perfekt, um besondere Vitaminmischungen herzustellen oder gegen Migräne ganz spezifisch Schmerzmittel zu mischen, die in dieser Kombination nicht als Fertigpräparate auf dem Markt sind. Meistens werden solche Rezepturen ärztlich verordnet, was auch mit der Kostenübernahme durch die Krankenkasse zusammenhängt. Kosten sind generell ein Aspekt, denn finanziell lohnt sich die Herstellung von individuellen Rezepturen kaum, wie Wolf sagt, im Wissen darum, dass die Kosten von zirka 25 Franken, welche zum Beispiel für die Herstellung einer Salbenmischung verrechnet werden, für die Kundschaft ein stolzer Betrag sind. Alltäglicher ist es indes, bestehende Pflegeprodukte, wie zum Beispiel rückfettende Salben, mit anderen Wirkstoffen wie Nachtkerzenöl noch zu verfeinern. Oder – nur um einige weitere Beispiele der Herstellung vor Ort zu nennen – Pulver wie spezielle Basenmischungen, Peroxid-Lösungen zur Desinfizierung der Mundhöhle, Tropfen auf Basis von eingekauften Urtinkturen oder Mundspüllösungen für Zahnärzte herzustellen. Und, was nur vordergründig einfach scheint, Arzneiteemischungen herzustellen: Auch wenn der Trend auf Konsumentenseite natürlich längst zu fertigen Beuteln geht, möchte doch ab und zu jemand eine spezielle Mischung, um sie selbst aufzubrühen.

    Es bleibt eine Leidenschaft

    So hat die Apotheke Im Brühl einen Grundstock an Substanzen immer an Lager, auch weil man hier ein Lehrbetrieb ist und den Auszubildenden das Wissen nicht nur weitergeben will, sondern auch muss: Der Praxisteil der Lehrabschlussprüfung wird von den Prüfungsexperten direkt in der Apotheke abgenommen, und ein Teil davon ist auch das Herstellen von Rezepturen.
    Doch leider seien Herstellungen vor Ort sehr selten, so Wolf, «das geht wöchentlich von gar keiner bis zehn Mal». Persönlich bedauert sie das sehr und sie will wie gesagt Gegensteuer geben. Andererseits sei man auch froh, müsse man gewisse Arbeiten nicht mehr selber machen. Zum Beispiel das Tablettenpressen: «Es ist gar nicht so einfach, Tabletten so zu pressen, das überall Menge und Form exakt stimmen», erinnert sich Wolf an eine gelernte, aber wohl nie wirklich geliebte Arbeit von früher. Trotzdem, sagt sie, sei für sie die Herstellung von Rezepturen eine Leidenschaft geblieben. Und es sei schade, dass das Arbeitsfeld der Apotheker*innen und auch die strengen Vorschriften sich so verändert haben, dass diese Arbeit heute seltener verlangt werde. «Dafür», so sinniert sie weiter, «haben sich andere spannende Arbeitsgebiete aufgetan, speziell im Bereich Beratung und Dienstleistungen: Wenn wir all unser Wissen über Medikamente und deren Interaktionen weitergeben können, so ist das ja auch sehr schön». Doch dann bricht gleich wieder die Leidenschaft durch: «Ringelblumensalbe, wo bitte bekommt man das noch?» – und dann schwärmt sie vom Herstellungsprozess, dem Duft der getrockneten Blüten, dem stundenlangen Kochen über dem Wasserbad – und man merkt, dass sie am liebsten gleich ins Labor im Untergeschoss der Apotheke Im Brühl abtauchen würde.

    Diese Serie wird finanziell, ohne redaktionell eingeschränkt zu sein, durch die Höngger Rotpunkt Apotheken und Drogerien unterstützt.
    Nächster Artikel am 24. Oktober, zum Unterschied von Apotheken und Drogerien. Alle Artikel online unter www.hoengger.ch/archiv/dossiers/ «Apotheken»

    Stichwort Rotpunkt
    Die Rotpunkt-Pharma AG wurde 2001 gegründet und hat heute 105 selbstständige Mitglieder in 15 Kantonen. Sie zeichnet sich nebst ihrem Kerngebiet auch durch ihr soziales Engagement aus: einen grossen Anteil der anfallenden Konfektionierungsarbeiten lässt sie von der Vebo Werkstatt Oensingen ausführen und hilft so mit, Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderung zu sichern.
    Der Höngger Zünfter, Dr. Rudolf Andres, ist Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer der Rotpunkt-Pharma AG.

  • Auf nach Bern

    In der letzten NZZ am Sonntag las ich leider einen Bericht über die Arbeit der Lobbyisten in Bundesbern. Warum «leider»? Weil dieser sehr gut verfasste Artikel mit dem Titel «Nehmen und geben» mir mal wieder gründlich jeglichen Glauben an die Redlichkeit und die Unabhängigkeit der schweizerischen Demokratie verdorben hat. Nein, ich bin nicht naiv: Dass Parlamentarier*innen von rechts bis links den Lobbyist*innen überhaupt erst Zutritt ins Bundeshaus verschaffen, um dann mit ihnen in den Wandelhallen dieselben Bahnen zu drehen, ist allgemein bekannt. Auch dass sich beide Funktionen sehr, ja sehr-sehr oft in einer einzigen Person vereinen, ist Allgemeinwissen. Auch mit welcher Dreistigkeit regelmässig erklärt wird, dass man ohne die Vorarbeit und das Wissen von Lobbyisten gar keine Parlamentsarbeit machen könne, erstaunt kaum mehr. Selbst die Gelder, welche vom Volk als Vertretung gewählte Parlamentarier*innen für «Beraterdienste» oder den Einsitz in Vorständen irgendwelcher Organisationen erhalten, erschreckt leider längst keine Mastsau mehr.
    Was mich erschreckt, ist diese unverschämte Verlogenheit. Und dann auch noch zu behaupten, das hier sei ein Miliz- und kein Berufsparlament.
    Studien gehen bei einem Nationalratsmandat von einem 80-Prozent-Job aus. Dafür erhält man, mit Spesen, im Schnitt rund 10’300 Franken monatlich, im Ständerat sogar 11’500. Das reicht nicht? Aber nein doch, man nimmt «Nebenämter» bei Firmen, Verbänden, Gewerkschaften und anderen an, die Einfluss im Parlament haben möchten, und verdoppelt sich so locker das Jahresgehalt.
    Hierzulande weiss man, dass fast alle Politiker*innen, spätestens in Bundesbern, irgendwo die hohle Hand machen. Und natürlich wehren sich dieselben «Volksvertreter*innen» vehement und bislang erfolgreich gegen eine Offenlegungspflicht für Verwaltungsrats- oder andere Mandate. «Säuhäfeli, Säudeckeli», sagt man hier so niedlich – und zeigt gleichzeitig mit schmutzigen Fettfingerchen auf Korruption im Ausland. Aber wir, wir hier in der Schweiz, nein, wir sind doch nicht korrupt! Wir haben es nur viel besser organisiert, institutionalisiert und vor allem: stillschweigend legalisiert.
    So wird, egal wen ich bei den kommenden Wahlen nach Bern schicken würde, er oder sie auch die nächsten vier Jahre nur die Interessen der Partei, seine eigenen und ein paar andere, gut bezahlte vertreten. Nie und nimmer aber mich. Nie das Volk. Zum Glück erhalte ich, das Pseudonym, kein Abstimmungscouvert.

    Es grüsst, 2023 auch auf einer Nationalratswahlliste stehend
    Ihr Frank Frei

  • Neophyten im Höngger Wald

    Neophyten im Höngger Wald

    Es regnet bis zum Boden, als Schaggi Heusser IV., Höngger Landwirt und einer der grössten Privatwaldbesitzer des Quartiers, einen Hang in der Nähe des Holderbachs hinaufklettert und auf die Stelle deutet, wo die Zivildienstler von Grün Stadt Zürich bereits den Neophyten Henrys Geissblatt entfernt haben. Die halb-immergrüne Schlingpflanze, die ursprünglich aus China kommt, bildet lange Triebe, die an Bäumen hochwachsen und ein dichtes Geflecht bilden können. Auch am Boden kann sich dichter Bewuchs bilden, der den natürlichen Unterwuchs hemmt und die Verjüngung behindert. Die Aktion der Stadt ist schon einige Jahre her, aber sie war wohl gründlich, nur ein einzelnes Pflänzchen ragt neben einem Baumstamm aus der Erde. 2016 hatte die Stadt Zürich einen Informationsanlass organisiert, an den auch Heusser als Waldbesitzer eingeladen wurde und über die invasiven Neophyten unterrichtet wurde. «Es gab schon immer fremde Pflanzen im Wald, aber lange waren sie kein Problem – oder man war sich dessen einfach nicht bewusst», erzählt Heusser, während er trittsicher auf dem rutschigen Waldboden zwischen den Bäumen und Sträuchern zur nächsten Stelle führt. Sobald er eine Stelle entdeckt, die betroffen ist, meldet er sie bei Grün Stadt Zürich, welche sich um die Vernichtung kümmert. Sie müssen jede Pflanze mitsamt der Wurzel entfernen, eine strenge Arbeit. «Für diese wertvolle Unterstützung bin ich dankbar», sagt der Waldwirt in vierter Generation. Das Verhältnis Stadt und Kanton bezeichnet Heusser als sehr gut, man hat einen gemeinsamen angenehmen Umgang gefunden, das war nicht immer so. Sinnvoll findet er die Bekämpfung der invasiven Arten auch, «wenn man nichts dagegen tut, überwuchern sie alles, die jungen Triebe anderer Bäume und Sträucher haben keine Chance, aufzukommen».

    Lichtverhältnisse sind entscheidend

    Weiter geht es durch den satten Hönggerwald fast bis zur Stadtgrenze Richtung Oberengstringen. Dort hat Sturm Lothar am 26. Dezember 1999 in nur 2,5 Stunden, die er brauchte, um über die Schweiz zu ziehen, erheblichen Schaden angerichtet. Nach fast zehn Jahren sind noch Spuren dieser Naturgewalt zu sehen, doch der Wald hat sich zurückgekämpft und das in einer erstaunlichen Vielfalt: «Hier gedeihen Ahorn, Buchen, Vogelbeeren, Eiben und sogar Rot- und Weisstannen», erzählt Heusser begeistert. Was an diesem Fleck scheinbar auch sehr gut wächst, ist die Amerikanische Goldrute, auf einer Lichtung hat sich ein beeindruckendes Feld davon gebildet. Später wird Heusser zum Mähen zurückkommen und den Standort bei der Stadt melden. Obwohl der Wald eine langfristige Angelegenheit ist und keine schnelllebigen Trends mitmachen kann, ist er gleichzeitig ein komplexes, sensibles Geschöpf. Die Lichtverhältnisse sind ausschlaggebend dafür, welche Arten gedeihen und welche nicht. Es braucht Licht am Boden, damit die Jungpflanzen überhaupt wachsen. Zu viel davon, und schon spriesst der Sommerflieder und andere Wucherpflanzen, wie die Brombeere oder die Gemeine Waldrebe, besser bekannt als «Niele», die Heusser, wie viele anderen auch, als junger Bursche geraucht hat. «Da wurde mir manchmal schlecht davon». Auch Efeu kann einem Baum schaden, wenn er in die Krone wächst. «Wir hauen nicht immer sofort alles ab, aber wenn es ungesund wird, handeln wir, sonst wird auch der Aufwand irgendwann unverhältnismässig gross». Momentan beschäftigt den Privatwaldbesitzer aber ein anderer Schädling stärker, als die Neophyten: Der Borkenkäfer hat zahlreiche Bäume befallen.

    Auch Vereine werden aktiv

    Neben Grün Stadt Zürich und den Privateigentümern beteiligt sich auch der Natur- und Vogelschutzverein (NVV) am Kampf gegen die invasiven Neophyten. Insbesondere auf ihren eigenen Pachtflächen am Ruggernweg und am Kappenbühl und in ihren Projekten entfernen sie die Pflanzen konsequent. «Beim Einjährigen Berufskraut machen wir pro Jahr bis zu fünf Durchgänge», sagt Benjamin Kämpfen vom NVV. Der NVV setzt sich auch bei der Stadt für die Beseitigung besonders schädlicher Arten, wie das erwähnte Henrys Geissblatt ein und informiert die Bevölkerung über das Thema. Neben dem Berufskraut sind vor allem die Goldruten und Schneebeeren sehr verbreitet. «Andere Arten wie der Essigbaum sind auf unseren Flächen praktisch verschwunden», so Kämpfen.
    Korrigendum zum Artikel «Neo-was? Exotische Pflanzen in Höngg»: Anders als im Artikel geschrieben, ist der Kirschlorbeer nicht verboten. Obwohl er nicht auf der Schwarzen Liste erscheint, zählt der Kanton Zürich ihn zu den invasiven Neophyten, die bekämpft werden müssen. Grün Stadt Zürich empfiehlt ebenfalls, die Pflanzen zu entfernen. Sie ist allerdings noch immer zum Verkauf freigegeben.

    Bereits zum Thema erschienen: «Neo-Was? Exotische Pflanzen in Hönggers Gärten», 29. August

  • Das Schliessgespenst geht um

    Das Schliessgespenst geht um

    Nun ist es gewiss: Die Apotheke Drogerie und Parfümerie Hönggermarkt schliesst Ende September. Ein Schock, denn damit verschwindet nicht nur ein grösserer Betrieb, sondern es endet an dieser Stelle eine Tradition: Die einstmalige «Dorfbach-Drogerie» bestand seit den 1920er-Jahren.
    Seit diesem Frühjahr, man muss es leider deutlich sagen, hat man sich in Höngg beinahe an Geschäftsaufgaben im Zentrum gewöhnt. Das Schliessgespenst geht um, besonders entlang der Limmattalstrasse: «Wohnderbar», Ende April weggezogen. «Schoggikönig», seit Ende Mai zu. Wo bis Anfang 2016 das Blumengeschäft «Gardenia» war, zog «Lekka Design» ein und schloss erst kürzlich wieder. Hier gibt es allerdings auch eine gute Nachricht: Ende Oktober, Anfang November eröffnet hier zum ersten Mal in Höngg eine Buchhandlung. Oder die Modeboutique «Dialog», gleich neben der UBS. Sie schloss Anfang 2016. Eingezogen ist eine Fahrschule, deren Räume meistens nur abends genutzt werden.
    Was war einst im kleinen Lokal Ecke Limmattalstrasse 206/Schärrergasse? Dort zog Anfang 2010 die Firma PrintAs.ch ein, die verschiedenste Kunstdrucke anbot und nicht lang überstand. Auf sie folgte ein Aikido-Dojo, das tagsüber auch keine Kundenfrequenz in die Gegend bringt.

    Hin und weg am Meierhofplatz

    Stetig und mit Einfluss auf einen lebendigen Laden-Mix vollzogen sich diverse Wechsel rund um den Meierhofplatz. Aus der «Dorfmetzg», geschlossen im August 2011, wurde nach Leerstand zuerst ein «Jean Keller Bistro», eine zu jenem Zeitpunkt an diesem Ort überflüssige Bäckerei. Erst nach deren Konkurs folgt ein Lichtblick mit der Eröffnung der Bar «Caprileone» Anfang dieses Jahres. Als 2015 am Meierhofplatz die Apotheke Höngg schloss und mit der Drogerie Hönggermarkt fusionierte, zog nach Leerstand und einer Zwischennutzung ein Friseur ein. Der Hundeshop «Hunter Store», 2015 an der Regensdorferstrasse eröffnet, schloss 2018 wieder, dafür zog Anfang dieses Jahres Coiffeur Tanya vom Zwielplatz um in die neu gestalteten Räume. Ihr Platz am Zwielplatz nahm ein: Ein Friseur.
    «Foto Video Peyer»? Gibt es noch, ist aber nach dem Besitzerwechsel aus dem Zentrum weg in Richtung Schwert gezogen: Dort standen, nach der Schliessung von TV Reding und dem Wegzug von B&O Höngg, zwei Ladenlokale leer. Ins zweite zog ein Architekturbüro.
    Eine Odyssee hat der «Jet Schneider» hinter sich: Er zog vom Meierhofplatz unter die Bögen an der Limmattalstrasse 195. Wo er wegzog, zog an bester Lage eine weitere Fahrschule ohne Kundenfrequenz ein. Enttäuscht von der schlechten Passantenlage zog der «Jet Schneider» bei erster Gelegenheit wieder zurück an den Meierhofplatz, in die inzwischen freigewordenen Räume von «Foto Video Peyer». Und was hat sich an seiner Stelle unter den Bögen in der städtischen Liegenschaft einquartiert? Überraschung: Ein weiteres Nagelstudio. Per Ende September auch angekündigt ist die Schliessung des «Gwunderfizz» am Meierhofplatz. Dort zumindest laufen, so hat der «Höngger» erfahren, vielversprechende Verhandlungen zur Weiterführung unter neuer Inhaberschaft. Und was ist mit Restaurants? Da will man gar nicht erst mit Nachdenken beginnen, so häufig folgten Schliessungen auf Wiedereröffnungen und Besitzerwechsel, seit Jahrzehnten. Der «Rebstock», die «Alte Trotte» und das Restaurant «Rütihof» blieben letztlich für immer geschlossen, um nur die drei aktuellsten zu nennen. Wenigstens hat der Rütihof seit Anfang August mit dem «CaBaRe» wieder ein Restaurant erhalten. Ermüdet von den traurigen Aufzählungen? Nun, leider ist diese Aufzählung weder vollständig geschweige denn abschliessend. Fakt ist: Das Schliessgespenst geistert seit Jahren durch Höngg.

    Stete Unruhe im Hönggermarkt

    Auch im Hönggermarkt, wo nun die gleichnamige Apotheke-Drogerie schliesst, kam es immer wieder zu Wechseln und Leerständen. Um nur einige aufzulisten: «Fawer Radio TV» schloss 2012. Kurz darauf zog «Sandra Schuhe» gleich gegenüber weg. Es folgte ein Leerstand, bis dann der «Hong Kong Take-Away» einzog. Was einst das Restaurant «Al Porto» war, mutierte nach längerem Leerstand Ende 2014 zur Weinhandlung der darunterliegenden Coop-Filiale, auf die Höngg kaum gewartet hatte. Im Geschäft nebenan zog eine Firma für Hörgeräte ein, keine 50 Meter entfernt von einer zweiten dieser Branche.

    Wem «Lupfts dä Huet»?

    Nächsten Montag, 16. September, wird von der Reformierten Kirchgemeinde Zürich im Rahmen des Zwingli-Jahres am Meierhofplatz eine Kopie der Zwinglistatue aufgestellt. Als ob sie es gewusst hätte, hat sie «Wirtschaft» zum Thema. Gemeint sind nicht Restaurants. Zu einem passenderen Zeitpunkt könnte dieser Zwingli Höngg kaum heimsuchen, denn es wäre an der Zeit, wenn es mal nicht nur dem guten alten Reformator den sprichwörtlichen «Hut lupfen» würde, sondern endlich mal noch ganz anderen Höngger*innen.

    Geschichte der Drogerie Hönggermarkt, «Von der Handlung zur Fusion», «Höngger» vom 7. Mai 2015 unter www.hoengger.ch

  • Schliessung nach turbulenten Jahren

    Schliessung nach turbulenten Jahren

    Offenbar hörte man die Ketten dieses Schliessgespenstes  auch in der Apotheke Drogerie Parfümerie Hönggermarkt schon länger rasseln. Dem erwähnten, kurzgefassten Kundenschreiben ist zu entnehmen, dass nebst den Sanierungsarbeiten in der Limmattalstrasse (2012, Anm. d. Redaktion), die «Abgänge langjähriger Mieter, gefolgt von lange leerstehenden Ladenlokalen» turbulente Zeiten bedeutet hätten. 
    Dr. Rudolf Andres, Geschäftsführer der Rotpunkt-Pharma AG, präzisiert auf Nachfrage des «Hönggers», was im Kundenbrief knapp formuliert war: «Mit jedem Abgang oder Wechsel im Zentrum ‹Hönggermarkt› nahm die Frequenz ab und während den Gleissanierungen damals war die Umsatzeinbusse mit bis zu 50 Prozent dramatisch». Auch vom Zentrumsumbau 2014 hatte man sich mehr erhofft, doch weder die neu gebaute Treppe direkt zur Regensdorferstrasse, noch die Öffnung des Eingangsbereichs brachten mehr Kundenfrequenz. Ebenso wenig die Versuche der Zentrumsverwaltung, nach dem Umbau einen kleinen Markt ins Leben zu rufen. Dabei gab es früher vielversprechende Versuche seitens der Mieterschaft, selbst einen solchen Markt zu etablieren, doch Dr. Andres sagt, der Kampf für einen selbstorganisierten Markt sei einer gegen Windmühlen gewesen: «Bei der Verwaltung hatten wir jedes Jahr neue Ansprechpartner, die uns Besserung versprachen und uns auf später vertrösteten». Was die Verwaltung in letzter Zeit dann zum Thema «Wochenmarkt» anstiess, bewies – warum auch immer – weder Vielfalt noch Kontinuität.
    Doch die Frage der Kontinuität muss sich nun auch die Rotpunkt-Gruppe gefallen lassen: Erst Ende 2011 hatte sie die Drogerie Hönggermarkt übernommen und sie dann 2015 mit der Apotheke Höngg fusioniert. Und nun bereits die Schliessung? Nein, die Fusion sei auch aus heutiger Sicht richtig gewesen, sagt Dr. Andres: «Wir konnten dadurch Miet- und Personalkosten einsparen». Erklärend und sehr kritisch führt er an, dass die Mieten für Ladenlokale in Höngg bei Verträgen, die vor mehr als fünf Jahren abgeschlossen wurden, meistens viel zu hoch seien. Dabei sei es längst zu einem Wechsel vom Vermieter zum Mietermarkt gekommen. Das heisst, das Angebot an Verkaufsflächen ist grösser als die Nachfrage. Bloss reagieren die meisten Vermieter darauf nicht mit Mietzinssenkungen, sondern nehmen lieber Leerstände in Kauf. Ja, so absurd es klingt, doch mit Leerständen fahren Liegenschaftsbesitzer – insbesondere grössere Firmen – besser als mit tieferen Mietzinseinnahmen, denn diese schlagen als Reduktion des Liegenschaftswertes zu Buche. Kreditgebende Banken, Pensionskassen und andere Player der Branche interessiert nur der theoretisch mögliche Ertragswert – ob tatsächlich auch vermietet ist, ist ihnen egal.

    Das Problem in einer grösseren Dimension

    Im Gespräch fasst der Rotpunkt-Chef die Vermieter nicht mit Samthandschuhen an. Er wirft ihnen Fantasielosigkeit bei der Regenerierung der Bausubstanz vor und fordert sie auf, endlich «von passiven Verwaltern zu aktiven Bewirtschaftern zu werden, die sich nebst den Liegenschaften auch um das Wohl des Quartiers und um jenes der Mieterschaft kümmern». Allgemein hebt er, nicht als einziger, das Problem auf eine höhere Ebene, wenn er sagt, dass Liegenschaftsbesitzer auch aktiv werden müssten, wenn es um die Gestaltung der öffentlichen Plätze und des Verkehrs in Höngg geht: «Ein Zusammenschluss und damit ein gemeinsames Auftreten gegenüber der Stadtregierung werden nötig sein, um die Verkehrsmisere am Meierhofplatz zu beheben». Das Herz von Höngg, so resümiert er, sei eine verstopfte Verkehrskreuzung, statt ein Ort für die Bevölkerung, wo man einkauft, sich trifft und sich gerne aufhält.
    Der Mann weiss, wovon er spricht, denn er engagiert sich seit Jahren auch in der City Vereinigung Zürich und der Vereinigung Bellevue/Stadelhofen, dem Standort seiner eigenen Apotheke. In zahlreichen Gesprächen mit dem Stadtrat wurde schon gefordert, den leidenden Detailhandel mehr zu unterstützen. Und zwar durch Entlastung: Hört man Dr. Andres und anderen zu, so ist der bürokratische Aufwand, um einen Laden, ein Geschäft zu betreiben, ins Uferlose gewachsen. Für die simpelsten Umbauten müsse man mit verschiedensten Ämtern verhandeln und Gebühren entrichten, oft helfe nur ein Anwalt.
    Was nach allen Ausführungen bleibt: Am Montag, 30. September, um 19 Uhr, schliesst die Apotheke Drogerie Parfümerie Hönggermarkt und fusioniert mit der Apotheke Im Brühl. Die Parfümerie- und Drogerieartikel wechseln zusammen mit den Drogistinnen in die Limmat Apotheke. Auch das andere Personal wird vollständig übernommen, versichert Dr. Rudolf Andres: «Die Flexibilität der Mitarbeiterinnen und ihr Verständnis für diesen Schritt hat uns sehr gefreut. Man spürt, wie sehr ihnen die Kunden und Höngg als Arbeitsort am Herzen liegen».

  • Die «bösen» Pflanzen

    Die «bösen» Pflanzen

    Am Höngger Waldrand wartet Daniel Eichenberger, Projektleiter des Vereins Naturnetz, der sich für die Natur-, Kultur- und Siedlungslandschaften einsetzt. Im Auftrag der Stadt sucht er am steilen Zielhang hinter der 300-Meter-Schiessanlage zusammen mit seinem Team von drei Zivildienstleistenden und einer Praktikantin nach invasiven Neophyten. Die gebietsfremden Pflanzen werden mitsamt der Wurzel entfernt und in einen Müllsack gesteckt. Diese Arbeit ist wichtig, weil sonst langfristig eine monokulturähnliche Landschaft entstehen würde, welche die Biodiversität der Schweiz gefährdet, denn invasive Neophyten haben in der Schweiz kaum natürliche Feinde, die den Pflanzenbestand regulieren könnten. Neben den Neophyten gibt es auch invasive Neozoe. So zum Beispiel wurde der Asiatische Marienkäfer ursprünglich zur biologischen Bekämpfung von Blattläusen in Gewächshäusern eingesetzt und hat sich mittlerweile draussen in der Natur dermassen unkontrolliert vermehrt, dass er inzwischen die über 80 einheimischen Marienkäferarten bedroht. «Das Gleichgewicht des Ökosystems kann durcheinandergeraten, deshalb kann man zur Bekämpfung invasiver Neophyten nicht einfach irgendwelche fremden Organismen einführen, ohne die Folgen zu kennen», sagt Eichenberger. Die Art der Bekämpfung sei von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich, erklärt er. Die Nordamerikanische Goldrute beispielsweise kann im Frühling gemäht oder ausgerissen werden. Diese Methode ist hingegen für den Riesenbärenklau, dessen weisse Blütenstände eine Wuchshöhe von zwei bis drei Meter erreichen, weniger geeignet. Der Hautkontakt mit dieser Pflanze – insbesondere bei direkter Sonneneinstrahlung – führt zu Hautentzündungen und kann Verbrennungen zweiten Grades hervorrufen. Werden die Pflanzen unsachgemäss entfernt, können sie wieder austreiben oder versamen. Der Samenvorrat im Boden kann auch nach Jahren, bei gewissen Arten nach Jahrzehnten, noch auskeimen. Auch Sträucher und Bäume wie Sommerflieder, Essigbaum, Robinie oder Götterbaum gelten als invasiv. Diese Pflanzen werden entweder mitsamt den Wurzeln ausgegraben oder man entfernt 80 Prozent des Borkenumfangs. Durch dieses sogenannte «Ringeln» wird der Nährstoff- und Wassertransport unterbrochen und die Bäume sterben innerhalb einiger Jahre langsam ab. Würde man die Bäume fällen, würde die Pflanze in Stress geraten und eine Wurzelbrut ausbilden. Das bedeutet, dass anstelle eines Baumes plötzlich beliebig viele Bäumchen aus den im Boden verbleibenden Wurzeln austreiben würden.

    Neophyten im Garten, ein Problem

    In vielen Gärten pflanzen Menschen unwissentlich invasive Neophyten, wie zum Beispiel Kirschlorbeer oder Sommerflieder an. Genau darin sieht der Fachmann ein grundlegendes Problem: Es bräuchte ein nationales Gesetz, welches den Verkauf dieser Pflanzen verbietet. «Während wir mit viel Aufwand invasive Neophyten bekämpfen, werden sie weiterhin verkauft», sagt Eichenberger. Das führt zu absurden Situationen, in denen der Verein Naturnetz auf einer Seite eines Zauns Pflanzen ausreisst, während sie wenige Zentimeter entfernt, auf der anderen Seite, auf Privatgrund, munter weiterwachsen und sich erneut auf die bekämpfte Fläche verbreiten können. «Das ist frustrierend», meint Eichenberger. «Dazu kommt, dass die Leute ihre Pflanzen unsachgemäss entsorgen, so, dass sie sich zum Beispiel im Unterholz unkontrolliert vermehren. Aber nicht nur Menschen, sondern auch Tiere tragen zur Weiterverbreitung bei, indem sie die Samen passiv in ihrem Fell transportieren oder die Beeren fressen und die Samen zusammen mit dem Kot weit entfernt wieder ausscheiden. Zudem werden insbesondere an stark befahrenen Verkehrswegen durch den Individualverkehr oder die Bahn Samen durch den Wind aufgewirbelt und über weite Strecken mitgeschleppt. Eine wichtige Rolle spielt auch der Umgang der Politik mit diesem Thema. Werden zum Beispiel in einem Kanton die Neophyten am Ufer eines Gewässers stehen gelassen, können diese bei Hochwasser flussabwärts getrieben werden. Der Wurzelstock des Japanischen Staudenknöterichs wird so von einem Kanton in den nächsten verschleppt. «Wir können den Knöterich zwar jährlich bei uns entfernen, aber solange die Ursache flussaufwärts nicht behoben wird, ist das eine Sisyphusarbeit.»

    Integrierte Neophyten

    Zu den Neophyten zählen aber auch wertvolle Nutzpflanzen wie zum Beispiel die Kartoffel, die Tomate oder die Sonnenblume. Die meisten stellen keine direkte Bedrohung für die Artenvielfalt in der Schweiz dar. Viele von ihnen bieten Nektar für Insekten, dienen als Heilpflanzen oder können zum Färben von Textilien verwendet werden. Im Verhältnis sind es nur wenige, die invasiv sind und deshalb bekämpft werden müssen.

    Nach diesem Halbtag ist klar, wieso diese Arbeit wichtig ist, wenn die Biodiversität und die einheimische Flora geschützt werden soll. Seit langem fordert Pro Natura die Aufnahme weiterer invasiver Pflanzenarten in die Freisetzungsverordnung des Bundes – und somit ein Verkaufsverbot. Immerhin kostet die Bekämpfung der Neophyten die Steuerzahler*innen jährlich über 20 Millionen Franken.

  • Der Pseudonymphe entwachsen

    Neulich wollte eine neugierige Leserin dieser Zeitung wissen, warum ich nur ein Pseudonym sei. Die Redaktion wusste es (wie immer) auch nicht und fragte mich direkt an. Also via Mail natürlich, denn Pseudonyme treten ja nirgends leibhaftig auf. «Nur» ein Pseudonym? Werte Dame, das «nur» verbitte ich mir, denn als Pseudonym kommt man nicht zur Welt, das muss man sich erarbeiten. Hart. Es ist ein Werdegang.
    Wie jedes anständige Pseudonym wollte auch ich zuerst unter meiner wahren Identität weltberühmt werden. Wie Madonna, gepaart mit Hemingway und einem bildenden Künstler, dessen Namen ich vergessen habe. Aber dann schaute ich mir deren Leben an. Die eine kann unerkannt keinen Schritt mehr machen, der andere ist tot und der dritte? Wer war das gleich? Also entschied ich mich, noch bevor ich überhaupt über meine potenziellen Fähigkeiten nachdachte, für ein Leben in totaler, immerwährender, zeitloser Freiheit. Eben als Pseudonym.
    Das Larvenstadium des Pseudonyms ist die Pseudonymphe. Ein Ferkel, wer da eine falsche Assoziation macht, denn Nymphen sind grundsätzlich einfach Naturgeister, die sich durch die griechische Mythologie tummeln. In der Zoologie – nun kommen wir mir näher – werden Jungtiere verschiedener Gliederfüssler als Nymphen bezeichnet. Also Tausendfüssler, Spinnentiere und Entenmuscheln zum Beispiel. Sie ähneln ihren Erwachsenen Artgenoss*innen schon in jüngsten Tagen. Da musste ich also durch und übte mich im stillen Kämmerlein. Zuerst singend und bildhauernd, doch nach zwei Wohnungskündigungen verlegte ich mich auf das stille Gewerbe des Schreibens und durfte sesshaft bleiben. Meine ersten Pseudonymphen-Texte waren Leserbriefe unter falschem Namen, was mich daran erinnert, dass die deutsche Grammatik das «Pseudo» wie die Nymphe den Griechen geklaut hat, bei denen «pseudos» für «falsch» oder «lügenhaft» steht (wobei ich mir Letzteres verbitte). Um von der «-nymphe» zum «-nym» (übrigens eine Abkürzung von «onyma», für «Name», und klar, wem wir das geklaut haben). zu werden, musste ich dann den Sprung aus den Leserbriefspalten schaffen. Der Rand dieser Spalten ist relativ hoch. Gletscherspaltenmässig hoch, hätte ich beinahe gesagt, doch das ist heute ja auch kein imposanter Wert mehr. Nicht egal, doch nach mehreren Versuchen schaffte ich es, hob erstaunt den noch vom Anstieg in die dünne Luft wirren Kopf und fand mich wo wieder? Direkt im «Höngger». Ok, jedes Pseudonym fängt mal klein an. Und ich darf mich hier austoben. Was nach der Pseudonymphe und dem Pseudonym kommt? Keine Ahnung, wie das Altersstadium eines Pseudonyms heisst. Pseudonyke? Pseudonylonstrumpf? Alles, bloss kein Pseudonout.

    Es grüsst, wahrhaftig
    Frank Frei

  • Malen zwischen zwei Welten

    Malen zwischen zwei Welten

    Marta Elizondo, die Leiterin des Kulturzentrums, begrüsste die Gäste mit einer kurzen Rede. Elizondo war es, die vor 20 Jahren das Zentrum gründete. «In dieser Zeit sind verschiedene künstlerische Kreationen entstanden», erklärt sie. Nicht nur Ausstellungen, auch Theateraufführungen, Videopräsentationen, Konferenzen, Debatten, Lesungen und Buchpräsentationen fanden schon statt. Damit soll lateinamerikanische Kunst verbreitet und der Kunstaustausch gefördert werden. Die Künstlerin wurde sodann mit einer Laudatio von Cynthia Ringgerberg geehrt.

    Kulturkontrast

    Zum 20 Jahre Jubiläum stellte die in Mexiko geborene Künstlerin Fabiola Quezada ihre Bilder aus. Farbenfroh, naturverbunden und wild kommt die Ausstellung «Ewiges Abenteuer» daher. Im Zentrum der gezeigten Arbeiten stehen meist Pflanzen: Sonnenblumen, Lilien oder Kakteen zum Beispiel. Eine wichtige Inspiration für sie, erklärte Quezada im Gespräch, sei der Kontrast der Kulturen, den sie erlebe. «Die zweite Hälfte meines Lebens verbrachte ich in der Schweiz, aber trotzdem hat Mexico noch eine grosse Bedeutung für mich», sagt sie. Diesen Kontrast zwischen den Welten will sie auch in ihren Bildern vermitteln, und die kulturellen Einflüsse der Schweiz und Mexikos vermischen. Die Werke für die Ausstellung entstanden jedoch grösstenteils in Mailand, wo sie ein Atelier hat. Einige dieser Gemälde konnte sie leider nicht in die Schweiz transportieren, weil sie schlichtweg zu gross waren. Quezada malt gerne auf riesigen Leinwänden – aber auch sehr kleine Bilder sind in der Ausstellung zu finden.

    Menschliche und pflanzliche Körper

    Neben Pflanzen spezialisierte sich die Künstlerin auch auf den menschlichen Körper. Für diesen Anlass beschloss sie zusammen mit Marta Elizondo, sich auf Pflanzenmotive zu beschränken. Doch für Quezada sind die Grenzen zwischen menschlichen und pflanzlichen Körpern oft gar nicht so klar: «Wenn ich eine Blume male, dann sehe ich immer auch einen Körper darin.» Für Quezada hat die Malerei immer zwei Ziele. Zum einen ist es die Botschaft, die übermittelt werden soll: «Bei der Kunst geht es nicht nur ums Machen, es geht auch ums Denken.» Der zweite wichtige Aspekt sei die Ästhetik, ohne diese sei ein Werk nicht Kunst, sondern Philosophie, findet Quezada. Bevor die Künstlerin jeweils zu malen beginnt, sieht sie nie die weisse Leinwand, sondern sie stellt sich immer schon die Farben vor. Trotzdem komme es am Schluss meist nicht genau so heraus, wie sie es sich anfänglich vorstellt: «Das Endprodukt ist für mich immer eine völlige Überraschung.»

    Die Ausstellung von Fabiola Quezada ist noch bis am 28. September zu sehen. Finissage: Samstag, 28. September, 18 Uhr, mit Lyrikabend. Centro Cultural Hispanoamericano, Riedhofstrasse 354. Die Ausstellung ist geöffnet von Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung.

  • 285 Meter um komplett kirre zu werden

    Hi Frank, hier spricht der Bordcomputer deines selbstfahrenden Autos. Übernimm doch mal eben Steuer, Gas und Bremse, denn ich muss mich voll auf diese 285 Meter Regensdorferstrasse konzentrieren, hier, zwischen Wieslergasse und Meierhofplatz. Ich werde laut vor mich hindenken, aber lass dich nicht davon ablenken.
    Also los: 8 Meter, ein Fussgängerstreifen über den gemäss blauem Signal nur Männer mit Hut dürfen. Rechts warnt mich zudem ein Plakat, dass jederzeit Kinder aus dem Gelb des Fussgängerstreifens spicken können. Ich habe da meine Zweifel und prompt weist mich 25 Meter weiter ein Pfeil nach links zu diesen, was mich aber nur rätseln lässt, Mi gross doch meine Rechenleistung sein müsste, um das zu verstehen.
    Oh Gott, jetzt bricht rechts das totale Chaos aus. Halteverbot in beide Richtungen, höchstens Tempo 30 und 16 Meter weiter zwickts mich am Avia: Die Tempozone 30 wird aufgehoben, darunter aber gleich Tempo 30 vorgeschrieben, wobei das egal ist, ich müsste sowieso anhalten, weil ich keinen Vortritt habe – oder würde der nur gelten, käme ich aus der Riedhofstrasse? Jedenfalls sollte ich hier gleichzeitig zur Veloprüfung rechts abbiegen, was ich aber ignoriere, weil ich trotz allem noch immer überzeugt bin, ein Auto zu sein. Also weiter mit 30, allerdings total verunsichert. Ich stottere mir besser schon Ausreden zusammen, sollte dieser Höngg-bekannte Polizist hinter dem nächsten Signal hervorspringen. Wenigstens sagt mir die Gesichtserkennung meiner Rückspiegelkamera, dass er nicht auf seinem Roller hinter mir fährt. 24 Meter links ein Parkhausschild, «Im Brühl», darunter grün «Frei». Google meldet mir ungefragt 28 deiner Kolumnen online. Dass mir gleichzeitig rechts ein rot-weisser Kasten signalisiert, dass ich mich endlich selecta soll, verwirrt mich kaum mehr. 17 Meter weiter und es würde rechts das Bord runter in ein Parkverbot gehen, in dem lauter Autos vor Parkuhren stehen. Bestimmt sind deren Bordcomputer durchgeschmörzelt. Kein Wunder, mir wird es ja auch total fugu ohne überhaupt nach links zu schauen. Wie dem Manndli mit Hut auf dem nächsten Signal, das hier wieder auf die andere Strassenseite soll. Ausser es wäre denn auf ein Fahrrad umgestiegen wie auf diesem kleinen Signal, das mir unter dem blauen Signal dunkelrot und mit einem «przg» anzeigt ich soll leicht rechts halten, um dort den Weg mit Männern zu teilen, die ein kleines Kind an der Hand halten (Nein, hier wird nichts gegoogelt!). Was die übereinanderstehenden Buchstaben «F», «C» und «Z» auf diesem Schild sollen? Keine Ahnung! Von der anderen Seite (mit dem Hinweis auf eine «Zürcher Südkurve» aufgepeppt) muss das Manndli übrigens gleich wieder zurück, bis in alle Ewigkeit. Damit der arme Sisyphos das tun kann, hat man beidseits ein Halteverbot signalisiert, was mich aber verwirrt, weil ich wegen des Vortrittsrechts des Manndlis ja doch halten müsste. Kaum wieder angefahren würde ich rechts an einer Verkehrsinsel vorbei und, wenn ich nicht aufpasse, in ein Parkhaus «Hönggermarkt» hineindirigiert, wo ich gemäss grüner Anzeige unter 91 Plätzen wählen soll, obwohl Höngg seit Jahrzehnten keinen echten Markt mehr hat. Doch mein Frank steuert mich und mein Auto weiter.
    In 30 Metern endet das Halteverbot, sagt mir dort ein Schild, dann muss ich mein Velo mit einem roten Balken zweiteilen und zur Veloprüfung links abbiegen, um nach Wipkingen auf den Hönggerberg zu kommen. Logisch, oder? 25 Meter und ein Halteverbotsschild sagt mir, das gelte dann also im Fall in beide Richtungen. Wie nun, das wurde doch vorher eben aufgehoben? Wenigstens sagt mir an diesem Pfosten ein Schild deutlich, dass ich höchstens 30 fahren soll. Ja, himmela….undzwirn, ich hab’s ja kapiert! Links wirbt eine Schrift für «Froid am Velo», die ich nicht habe, weil meines ja seit 53 Metern zweigeteilt ist. Gleich rechts von mir zeigt ein Pfeil unter einem blauen «P» mit Zürcher Südkurve nach rechts. Folge ich ihm, lande ich in einem Fahrstuhl, ja coopferdamminomal! Dabei ist doch noch immer totales Halteverbot, das total haltlos ist, weil ich vor dem Meierhofplatz im Stau stehe. Ups, jetzt rechts abbiegen und dann, endlich eine klare Ansage: ein Rotlicht! Danke, das verstehe ich, stehe und frage mich, warum hier Velofahrer zur City geradeaus und doch in eine Zürcher Südkurve sollen. Nach so vielen Südkurven ist das doch längst ein Kreisverkehr und die haben keine Himmelsrichtungen!
    Frank? Hallo? Bist du noch am Steuer oder während der Fahrt rausgehechtet? Geht ja, wir waren ja nur mit 30 unterwegs. Oder so. Und sorry, dass ich sicher die maximale Zeichenzahl überschritten habe, aber da konnte ich nicht auch noch mitrechnen.

    Es grüsst die nun total schizophrene Navigation Ihres
    Frank Frei

  • Neo-was? Exotische Pflanzen in Höngg

    Neo-was? Exotische Pflanzen in Höngg

    Im Sommer leuchten seine roten Kolben wie kleine Lampions, im Herbst verfärbt er sich erst gelb, dann orange und schliesslich Karmesinrot: Der Essigbaum ist sehr schön anzusehen, steht aber auf der Schwarzen Liste der sogenannt invasiven Neophyten. Gelangt die Pflanze in die freie Natur, verwildert sie in dichten Beständen und verdrängt die einheimische Pflanzenwelt. Ihr Milchsaft kann ausserdem zu Haut- und Augenentzündungen führen. Doch was sind eigentlich Neophyten?

    Manche Neophyten sind gesundheitsschädigend

    Neophyt heisst wörtlich übersetzt «neue Pflanze» und bezeichnet Arten, die erst nach der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 absichtlich oder aus Versehen eingeschleppt wurden und verwildert sind. In der Schweiz ist die Mehrheit der rund 550 Pflanzenarten gut integriert und hat die heimische Flora sogar bereichert. Zurzeit gelten in der Schweiz lediglich 41 Arten als nachweislich, und 17 Arten als potenziell schädliche invasive Neophyten. Im Gegensatz zu anderen gebietsfremden Arten breiten sie sich sehr stark aus und verdrängen die heimische Flora und Fauna. Sie können in der Land- und Forstwirtschaft zu Ertragsausfällen führen und Vieh gefährden, manche sind auch für den Menschen eine gesundheitliche Gefahr, so zum Beispiel Ambrosia, Riesenbärenklau oder das Schmalblättrige Greiskraut. Diese sind – unter anderen Pflanzen – gemäss Freisetzungsverordnung (FrSV) verboten; Verboten bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Verkaufen, Verschenken, Züchten und Anpflanzen nicht erlaubt ist. Insbesondere Ambrosia gilt als sehr gefährlich. Da Ambrosiasamen auch in Vogelfuttermischungen enthalten sein können, müssen die Futterstellen besonders beobachtet werden. Die Samen bleiben über zehn Jahre keimfähig.

    Auf Ersatzpflanzen setzen

    Patrik Wey von Pawi Gartenbau in Höngg trifft auf seiner Arbeit oft auf Neophyten. Wo möglich, macht er die Hauseigentümer auf die unerwünschten Gäste aufmerksam, was nicht immer einfach ist, weil bei Mietshäusern die Besitzer meist woanders wohnen. «Aber jeder, der selber eine Liegenschaft besitzt, ist mit Sicherheit daran interessiert, keine invasiven Neophyten im Garten zu haben», meint der Fachmann, «denn sie können auch Gebäude beschädigen». Manchmal trennen sich die Leute aber ungern von den Pflanzen, weil manche von ihnen sehr schön blühen oder sich im Herbst prachtvoll verfärben. «Da können wir als Gärtner auch nichts machen, ausser Ersatzgewächse vorzuschlagen – es gibt für jeden Neophyten mindestens eine heimische Pflanze, die genauso schön ist». Anstatt des Kirschlorbeer aus Kleinasien könne man zum Beispiel Eibe oder Stechpalmen pflanzen, das «Einjährige Berufskraut», leicht zu verwechseln mit Margeriten, könne durch echte Margeriten oder Gänseblümchen ersetzt werden. In der Stadt Zürich setzte man bislang auf Aufklärung der Privateigentümer, um diese zum Ersetzen von Neophyten zu motivieren. Von anderen Gemeinden wie Thalwil weiss Wey aber, dass dort die Zuständigen Kontrollgänge machen und die Hauseigentümer*innen auffordern, die Neophyten zu vernichten. «Wird der Aufforderung nicht nachgekommen, setzt die Gemeinde die Massnahme selber durch und schickt eine Rechnung». Wenn er selber bei seiner Arbeit auf einen grossen Neophytenherd stosse, melde er es bei Grün Stadt Zürich, dann kümmerten die sich für gewöhnlich darum.
    Welchen Schaden Neophyten anrichten können, zeigt sich am Beispiel des Japanknöterichs. Das mehrjährige Kraut, das ein bis drei Meter hoch werden kann, kommt oft an Bach- und Flussläufen vor, wo es die natürliche Ufervegetation und in der Folge die davon abhängigen Tiere verdrängt. Die im Winter kahlen Böschungen erodieren und die Wurzeln der Pflanze machen die Uferbefestigung unsicher, so dass der Hochwasserschutz nicht mehr gewährleistet ist.

    Der Aktionsplan der Stadt

    Gibt man auf dem GIS-Browser des Kanton Zürich (Adresse siehe Infobox) «Neophyten» in die Stichwortsuche ein und zoomt auf Höngg, erscheinen viele farbige Quadrate. Jede Farbe steht für eine andere Art von Neophyten. Besonders häufig kommen rote und gelbe Kästchen vor, die roten stehen für das bereits erwähnte Einjährige Berufskraut, das wahrscheinlich oft als Margerite wahrgenommen wird, und die gelben für die Goldrute, die wegen ihrer leuchtend gelben Blüten sehr beliebt ist. Auch Armenische Brombeeren und Kirschlorbeer – beide auf der schwarzen Liste, siehe Infobox – finden sich relativ oft. Grün Stadt Zürich hat in ihrem «Aktionsplan invasive Neophyten» vom März 2016 die Verantwortlichkeiten und Massnahmen im Umgang mit auf der Schwarzen Liste und der Watchlist aufgeführten Blütenpflanzen festgehalten. Auf Stadtgebiet sind es rund 30 Arten an 5000 Standorten. Auf ihren eigenen Flächen bekämpft Grün Stadt Zürich sie bereits seit rund zehn Jahren und konnte in dieser Zeit die negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt lokal begrenzen und auf ein geringes Mass reduzieren. Die gesundheitsgefährdenden Arten Ambrosia, Riesen-Bärenklau und Schmalblättriges Greiskraut konnten bereits ausgemerzt werden. Dennoch befürchtet die Dienststelle, dass sich das Problem im Zuge der klimatischen Veränderungen ohne entsprechende Massnahmen wieder verschärfen kann. Neben der eigentlichen Bekämpfung gehören die jährliche Kontrolle und das Erfassen des Bestandes, das Führen einer Schwarzen Liste mit verbotenen Pflanzen sowie ein Bildungsangebot für städtische Stellen und Private zu den formulierten Massnahmen. Private Eigentümer*innen, Genossenschaften und Kapitalgesellschaften werden spezifisch angegangen. Für die Umsetzung des Aktionsplans wurde eine 50-Prozent-Stelle geschaffen, die Kosten für das Projekt belaufen sich jährlich auf etwa 350’000 Franken. 2020 wird nach vorgängiger Evaluation entschieden, inwiefern der Aktionsplan weitergeführt werden soll.

    Neophyten im Garten – was nun?

    Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) hat eine Zusammenstellung der acht häufigsten Neophyten, die als Unkraut in Gärten anzutreffen sind, publiziert (siehe Link in Infobox). Darin wird auch beschrieben, wie die einzelnen Pflanzen fachgerecht entfernt werden. Beim Ausreissen muss die gesamte Pflanze inklusive Wurzeln vor der Samenbildung herausgezogen werden. Wenn Mähen als Art der Bekämpfung möglich ist, muss dies vor der Blüte und je nach Art mehrmals pro Saison gemacht werden, gleiches gilt für das Zurückschneiden von Pflanzen. Herbizide dürfen nur nach Abklärung mit einer Fachperson verwendet werden. Manche Pflanzen müssen ausgegraben und teilweise mit dem Erdmaterial entsorgt werden. Nach der Bekämpfung müssen Wurzeln, Stängel, Blüten und Blätter fachgerecht beseitigt werden. Welche Neophyten welcher Behandlung bedürfen, kann ebenfalls im Flyer des AWEL nachgelesen werden. Für den Link und  andere Informationsmaterialien siehe unten.

    Informationsblätter zum Herunterladen

    Schwarze Liste und Watch Liste Neophyten

    Praxishilfe invasive Neophyten (Kanton Zürich)

    Exotische Pflanzen – eine Übersicht (AWEL)

    Verbotene invasive gebietsfremde Organismen

    Informationen und Beratungen Neophyten allgemein:
    GIS Browser Vorkommen Neophyten https://maps.zh.ch/
    Neobiota-Kontaktperson www.neobiota.zh.ch > Gemeinden
    Meldepflicht bei Ambrosia: www.ambrosia.zh.ch
    Grün Stadt Zürich > Beratung und Wissen > Pflanzen > Problempflanzen

    Private Personen können Neophyten melden unter
    www.awel.zh.ch > Biosicherheit & Neobiota > Neobiota

    Quellen:
    www.neophyt.ch
    www.neobiota.zh.ch
    AWEL Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft
    Grün Stadt Zürich