Autor: tka_admin

  • Als Kanonenkugeln über Höngg und Wipkingen flogen

    Als Kanonenkugeln über Höngg und Wipkingen flogen

    Die beiden Schlachten um Zürich spielten sich 1799 während des zweiten Koalitionskrieges ab. Rund 90 000 Soldaten aus Frankreich, Österreich und Russland waren in Zürich stationiert und zogen die Bevölkerung in Mitleidenschaft. Bei der ersten Schlacht um Zürich zwischen dem 2. und 6. Juni 1799 war vor allem das Gebiet Käferberg-Milchbuck-Zürichberg-Adlisberg betroffen. Die Schlacht endete mit einem Sieg der österreichisch-russischen Koalitionstruppen. Knapp vier Monate später wendete sich das Blatt bei der zweiten Schlacht um Zürich. Am 25. September 1799 konnten die Truppen des französischen Generals Masséna bei Unterengstringen die Limmat überqueren und über Engstringen und Höngg gegen Zürich vorrücken. Die österreichischen und russischen Armeen wurden geschlagen und zogen sich aus der Schweiz zurück, die damit wieder unter die Kontrolle der Franzosen kam. Die Namen Dietikon und Zürich sind im Triumphbogen in Paris eingemeisselt – neben über 130 weiteren Schlachten, welche Napoleons Armeen gewonnen haben. Als dritter Schweizer Ort ist übrigens auch Mutta Thal (so geschrieben) verzeichnet; bei Muotatal im Kanton Schwyz erlitt der russische General Suworow nach einer verunglückten Alpenüberquerung sein grosses Debakel.

    Auf dem Müseli auf der Waid, wo heutzutage im Winter die Kinder schlitteln, lag damals eine Kanonenstellung der russischen Armee. Auch ein Waldweg im Hönggerberg mit dem harmlos klingenden Namen «Russenbrünnelistrasse» erinnert an die damalige Besatzung. Die heutige Wieslergasse, eine kleine Strasse zwischen der Limmattal- und der Regendorferstrasse nahe des Zwielplatzes, nannte die Bevölkerung zu jener Zeit «Russengasse», weil die russischen Soldaten am 25. und 26. September 1799 an diesem Ort stationiert waren.

    Im Jahr 1801 wurden die Kriegsschäden durch die kantonalen Behörden beziffert: Über 3 000 Franken entstanden durch Schäden an Häusern, Scheunen und zwei Trotten durch Beschiessungen. Des Weiteren kam es zu Verlusten von über 20 000 Franken wegen Plünderungen sowie von über 30 000 Franken wegen «Waldschändung durch Verhau», so beschreibt es der ehemalige Höngger Notar Georg Sibler in seinem Buch «Ortsgeschichte Höngg» von 1998. 

    «Russenhöhle» im Gubrist 

    Auch im Gubrist, einem 615 Meter hohem Hügel zwischen Oberengstringen und Regensdorf, erinnert die sogenannte «Russenhöhle» an Kriegszeiten. Die Höhle sei länglich und führe etwa 30 bis 50 Meter in den Berg hinein. Auf einer arenaartigen Wölbung des Bodens soll sich der Höhleneingang auf der linken Seite des Weges befinden. «Man musste durch den sehr schmalen Eingang kriechen, konnte dann aber sofort aufrecht stehen. Der Boden war teilweise feucht», erzählte der ehemalige Pfadfinder Walter Sommerhalder in der «Schweiz am Wochenende». Er hatte die Höhle mit elf Jahren zum ersten Mal betreten und versucht seither, sie wiederzufinden. Die Russen hätten dank der Höhle schnell von der einen auf die andere Seite des Berges fliehen können. Am Gestein könne man noch die Spuren von Spitzhacken sehen, mit denen die Höhle von russischen Soldaten gegraben wurde, weiss Sommerhalder. «Sie sollen sich so 1799 vor den napoleonischen Truppen des Generals Masséna, die ja bekanntlich bei Dietikon die Limmat überschritten haben, versteckt haben», so Sommerhalder weiter. 

    Viele Jahrzehnte später ist die Höhle jedoch zugedeckt und unauffindbar für Sommerhalder, der sich gemeinsam mit seiner Tochter Andrea auf die Suche nach dem geheimnisvollen Ort machte. Mehrere Stunden verbrachten die beiden im Wald des Gubrists – ohne Erfolg. Doch der ehemalige Pfadfinder denkt nicht ans Aufgeben. «Ich werde weitersuchen. Vielleicht kann mir der Förster oder ein Historiker helfen. Ich möchte die Höhle unbedingt wiederfinden», erklärt Walter Sommerhalder. Die Russenhöhle sei für ihn ein Mysterium, das er auf jeden Fall noch einmal sehen müsse. 

    Russen waren auch in Weiningen

    Nicht nur im Kreis 10, sondern auch in Weiningen im Limmattal, das für seinen Weinbau bekannt ist, waren die Russen stationiert und versuchten die Überquerung der Limmat durch die Franzosen zu verhindern. Diese hatten schon seit Wochen Boote von verschiedenen Gewässern herbeigeschafft. Am Morgen des 25. September um 4.45 Uhr überquerten die ersten Franzosen den Fluss und schon zwei Stunden später erreichte die französischen Vorhuten das Kloster Fahr und plünderten es.

    Dieses Ereignis hinterliess bei der Bevölkerung seine Spuren. So finden sich in Erzählungen diverse Anekdoten aus jener Zeit, als sich Russen und Franzosen im Limmattal aufhielten. 1915 berichtete der Weininger Sekundarlehrer Oskar Lüssi in seinem Buch «Aus schwerer Zeit», dass die russischen Soldaten im Wald bei Weiningen ihr Lager aufgeschlagen hätten. «Sie fällten Bäume bis zur Brusthöhe; offenbar in der Absicht, einen besseren Überblick über das Gelände und ein freies Schussfeld zu haben, ohne selbst bemerkt zu werden», schrieb Lüssi in seinem Buch. Weininger Frauen hätten den Soldaten ihr Mittagessen gebracht, generell konnte sich die lokale Bevölkerung nicht stark beklagen. Die Jungfrauen hätten jedoch während dieser Zeit Hausarrest gehabt. Die Russen hätten die Weininger sogar in ihren Häusern besucht und sollen einige Backöfen beansprucht haben.

  • Der Bombenleger von Höngg

    Der Bombenleger von Höngg

    Die Wohnsiedlungen rund um die Riedhofstrasse gelten als ruhig, familienfreundlich und sicher. Niemand würde dort das organisierte Verbrechen oder gar einen Autobombenanschlag vermuten. Doch im Dezember 2006 kam es um ein Haar zu einem tödlichen Attentat auf einem Parkplatz an der Reinhold-Frei-Strasse. Ein 32-jähriger Bosnier hätte mit 429 Gramm Sprengstoff, wie er in der serbischen Armee verwendet wird, einen Serben in dessen Mercedes töten sollen.

    Das später vom Wissenschaftlichen Forschungsdienst der Stadtpolizei Zürich, heute Forensisches Institut Zürich, erstellte Gutachten hielt fest, dass die Bombe funktionstüchtig gewesen sei. Die Explosion wäre «für Personen auf dem Führer- und Beifahrersitz kaum überlebbar gewesen». Personen auf den Hintersitzen und auch solche im Umkreis von 3,5 Metern um das Fahrzeug hätten mit «tödlichen Verletzungen beziehungsweise mit irreversiblen Körperschäden» rechnen müssen, heisst es im Gutachten weiter.

    In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 2006 montierte der Bosnier die Sprengvorrichtung unter den Mercedes, den Sprengstoff hatte er von seinem Auftraggeber erhalten. Nachdem er gesehen hatte, dass jemand in den Mercedes gestiegen war, verliess er den Tatort in seinem Auto und soll wenige Minuten später versucht haben, die Bombe per Handy zur Detonation zu bringen, was allerdings misslang. Er habe dabei «in Kauf genommen, weitere Personen wie Mitfahrer, Fussgänger sowie andere Verkehrsteilnehmer zu töten», schrieb die Bundesanwaltschaft in der Anklageschrift. Dem widersprach der Bombenleger vor Gericht. Er habe Gewissensbisse bekommen und im letzten Moment entschieden, die Bombe nicht explodieren zu lassen: «Ich kann niemanden umbringen», sagte er.

    Das Bundesstrafgericht in Bellinzona, wo sich der Mann im Jahr 2010 verantworten musste, vertrat dieselbe Ansicht wie die Bundesanwaltschaft. Der Bosnier habe zwar Skrupel bekommen und die Bombe nicht explodieren lassen. Doch sie sei scharf gewesen und hätte durchaus auch aus einem anderen Grund hochgehen können. Weil er Leib und Leben anderer Menschen gefährdet hatte, wurde er zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Der Mann war nach dem versuchten Anschlag nach Serbien geflohen. Im Dezember 2008 war er in die Schweiz zurückgekehrt und hatte sich den Behörden gestellt.

    «Werkzeug» eines Auftragsmordes

    Doch wie kam es überhaupt zu dieser Situation und was hatte die organisierte Kriminalität in Serbien damit zu tun? Laut dem Bombenleger war das geplante Attentat die Folge einer langjährigen Familienfehde gewesen. Der Bosnier selbst bezeichnete sich als «Werkzeug» einer kriminellen Organisation in Serbien, die auch mit wichtigen Personen aus Politik und Militär in Kontakt gewesen sein soll. Ausserdem sagte er aus, dass er selbst getötet worden wäre, hätte er den Auftrag abgelehnt. Der Auftraggeber sei ein 56-jähriger Serbe gewesen, der beim Prozess jedoch abwesend war, da er in seinem Heimatland wegen Drogenhandels in Untersuchungshaft sass. Vor dem Auftraggeber hätten viele Leute Angst, nicht nur in Serbien, auch in der Schweiz. Der Mann sei ein ranghohes Mitglied einer kriminellen Organisation, die sich bis in politische und militärische Kreise erstrecke.

    «Er kann über Leben und Tod entscheiden», sagte der 32-jährige Bosnier und befürchtete: «Nun ist mein Todesurteil gesprochen». Die Aufgabe habe er sowohl aus Angst als auch aus Respekt angenommen. Mitglied der kriminellen Organisation sei er nicht gewesen, er habe lediglich «Befehle ausgeführt», so der Beschuldigte. Für die Zündung der Bombe hätte er eine gute Anstellung am Flughafen in Belgrad bekommen. Auch für die Zeit nach der Gerichtsverhandlung fürchtete der Beschuldigte um sein Leben. Seine Geständnisse würden gewissen Leuten in Serbien nicht gefallen. «Ich fühle mich nicht einmal im Gefängnis sicher«, sagte er.

    Grund für den Mordversuch war die Annahme des Auftraggebers, dass der Mann, dem der Anschlag galt, 1998 seinen Cousin ermordet habe. Dieser kam bei einer Schiesserei in Amsterdam ums Leben. Der Besitzer des Mercedes, der mit der Bombe hätte getötet werden sollen, sagte in der Gerichtsverhandlung, dass er den Cousin nicht umgebracht habe; der Auftraggeber irre sich. Er beteuerte auch, dass er nach wie vor um sein Leben fürchte, auch weil serbische Medien seinen Namen veröffentlicht hatten. Der 36-jährige Serbe hatte den Plastiksack mit der Bombe unter seinem Mercedes auf einem Parkplatz der Reinhold-Frei-Strasse selbst entdeckt und die Polizei alarmiert. Die ausgerückte Patrouille forderte Verstärkung an, um die Örtlichkeit aus Sicherheitsgründen grossräumig abzusperren. Rund 150 Anwohner wurden evakuiert und der Sprengkörper entschärft.

    Aus Medienberichten wurde bekannt, dass es sich beim Mercedes-Besitzer um einen in Dietikon lebenden Serben handelte. Er hatte in Höngg eine Kroatin besucht, mit der er in Regensdorf ein Restaurant geführt hatte. Das Lokal war 2006 in Konkurs gegangen und das Wirtepaar hatte einen Schuldenberg hinterlassen.

    Angeklagter Gehilfe freigesprochen

    Der Bombenleger soll noch einen Gehilfen gehabt haben, auch dieser stammte aus Bosnien-Herzegowina und war wegen anderer Delikte bereits mehrfach vorbestraft. Er soll die mit Funkzünder versehene Bombe konstruiert haben. Der 29-jährige Hilfsarbeiter sagte aus, dass er in die Sache hineingezogen worden sei und mit der Organisation nichts zu tun gehabt hätte. Seine DNA wurde in Form von Schweiss auf Innenteilen des Handys gefunden, das die Bombe hätte hochgehen lassen sollen. Dies reichte aber nicht aus, um zweifelsfrei beweisen zu können, dass die DNA beim Anlöten von Drähten dorthin gelangt sei, sagten die Richter. Der Angeklagte wurde vom Vorwurf der Gehilfenschaft zwar freigesprochen, musste aber trotzdem für 14 Monate ins Gefängnis, da er mehrfach betrunken Auto gefahren war und Polizisten verletzt hatte.

  • Wer hat Hans Ulrich Lenzlinger ermordet?

    Wer hat Hans Ulrich Lenzlinger ermordet?

    Hans Ulrich Lenzlinger war eine schillernde und exzentrische Figur im biederen Höngg der 70er-Jahre: Der Selfmademan war Teil der Zürcher Unterwelt, hatte exotische Tiere, unter anderem einen zahmen Gepard in seinem Garten, liebte Waffen und war mit einer Miss-Schweiz-Kandidatin verheiratet.

    Lenzlinger wurde 1929 in Uster als Sohn einer Bauerntochter und eines Innenarchitekten geboren. Schon als junger Mann galt er als Frauenheld und Lebemann. Freunde beschrieben ihn als «netten, charmanten und liebenswerten Kerl», doch Hans Ulrich hatte auch eine andere Seite – seinen Widersachern gegenüber konnte er aggressiv und aufbrausend sein. Er liebte es auch, zu provozieren und zu pöbeln.

    Mit seiner Mutter hatte Lenzlinger bis zu seinem Tod im Alter von 49 Jahren ein inniges Verhältnis. Seine Mutter lebte mit ihm in seinem stattlichen Haus an der Ackersteinstrasse in Höngg. Lenzlinger war ein klassischer Selfmademan. Bereits im Alter von 31 Jahren gründete er eine Chinchilla-Zucht und verkaufte die exotischen Tiere zu überhöhten Preisen. Mit seiner halb so alten Ehefrau, Bernadette, betrieb Lenzlinger im Keller seines Hauses ein florierendes Bordell, welches er «Salon Procot» nannte und als Massagesalon tarnte. Doch nur sechs Monate nach der Eröffnung schloss die Polizei das Etablissement. 1972 wurden er und seine Ehefrau wegen Kuppelei verurteilt.

    Staatsfeind und Fluchthelfer

    Berühmt und berüchtigt wurde Lenzlinger aber als Fluchthelfer, der Menschen aus der damaligen kommunistischen DDR von Schleusern in den Westen bringen liess. Über die Zahl gehen die Meinungen auseinander. Wie der Fluchthelfer in den Medien behauptete, habe er in den siebziger Jahren insgesamt über 700 Personen in den Westen geschleust, die Stasi sprach jedoch von 122. Dieser Meinung waren auch die Behörden in der Schweiz.

    Dem Ministerium für Staatssicherheit in der DDR, der Stasi, war der Zürcher Fluchthelfer natürlich ein Dorn im Auge. Er galt als Staatsfeind. Deshalb setzte die Stasi ein Heer von Spitzeln auf Lenzlinger, seine Ehefrau Bernadette und die Mitarbeiter seiner Fluchthelferfirma Aramco an; insgesamt waren es gegen 50. In den Stasi-Akten mit dem Namen «Leopard» dokumentierten sogenannte IM (Informelle Mitarbeiter) alles genauestens, was sie über den Fluchthelfer erfahren konnten. In 37 Bänden wird auf über zehntausend Seiten über Lenzlingers Schleusertätigkeit berichtet.

    Furcht vor einem Anschlag schien Lenzlinger dabei keine zu haben. In Zeitungen warb er offiziell für die Dienste seiner Firma und auch im Fernsehen zeigte er sich. Auf die Frage, ob er Angst um seine Sicherheit habe, sagte der Fluchthelfer: «Nein, das habe ich nicht. Ich bin auch nicht mehr der Jüngste, habe ein schönes Leben gehabt, und jeder muss irgendwann mal unter irgendwelchen Umständen gehen». Voller Stolz zeigte Lenzlinger auch der Zürcher Stadtpolizei seine Fluchtwagen und beschrieb, wie er die Schleusungen vor allem aus dem damaligen Westberlin von deutschen Mitarbeitern durchführen liess.

    Am 5. Februar 1979 nahm das Leben von Hans Ulrich Lenzlinger ein jähes Ende. Von fünf Kugeln durchlöchert in einer Blutlache lag der ehemalige Fluchthelfer rücklings neben seinem Schreibtisch auf dem Boden. Morgens um acht Uhr hatte Lenzlingers Freundin das Haus verlassen, um neun Uhr kam sein Geschäftsführer. Der Mord, welche die Schweiz erschütterte, muss also in diesem Zeitfenster stattgefunden haben. Wahrscheinlich hatte Lenzlinger seinen Mörder persönlich gekannt, denn es deutete nichts auf einen Einbruch oder Überfall hin. Auch Kampfspuren gab es keine. Somit muss Lenzlinger den Täter in sein Haus gelassen haben.

    Seine Ex-Freundin, Doris, wusste, dass sich Lenzlinger verfolgt gefühlt habe. «In den letzten zwei, drei Wochen vor seinem Tod hatte er immer eine Pistole auf dem Nachttisch neben seinem Bett», sagte sie.

    Verschiedene Mordtheorien

    Über Lenzlingers Ermordung kursieren diverse Theorien. Für einige war klar: Es war die Stasi, die den ehemaligen Staatsfeind beseitigt hatte. Der deutschen Zeitschrift «Quick» wurden 1979 mehrere anonyme Briefe zugespielt, die darauf hindeuteten, dass sowohl die Stasi, als auch frühere Mitarbeiter Lenzlingers hinter der Tat steckten. In den offiziellen Stasiakten war jedoch kein Hinweis auf einen Mord zu finden.

    Andere wiederum glaubten an ein Beziehungsdelikt aus Lenzlinger privatem Umfeld, so auch der damalige zuständige Bezirksanwalt. Man habe intensiv ermittelt, über 150 Personen näher überprüft, die Protokolle hätten Dutzende von Ordnern gefüllt. Doch nichts deutete auf die Stasi hin. Er glaubte, dass der Geschäftsführer von Lenzlingers Firma Aramco der Täter war, beweisen konnte man diesem aber nichts. Aktenkundig war, dass Lenzlinger und der Geschäftsführer zum Zeitpunkt der Ermordung zerstritten waren, dieser soll hinter Lenzlingers Rücken «krumme Geschäfte» getätigt haben. Eine dritte Theorie ist, dass eine seiner vielen Frauengeschichten ein Motiv für den Mord gewesen sein könnte, sei es ein gehörnter Ehemann oder eine hintergangene Geliebte.

    Wer Hans Ulrich Lenzlinger getötet hatte, ist bis heute unbekannt. Der Mord war 2009 nach 30 Jahren verjährt; der Täter kann nicht mehr gerichtlich belangt werden. So kann nur noch Kommissar Zufall oder eine späte Gewissensnot auf dem Sterbebett den Fall «Leopard» lösen.

  • Im Auto mit zwei Kopfschüssen hingerichtet

    Im Auto mit zwei Kopfschüssen hingerichtet

    Es war am 21. Januar 1996 kurz vor 10 Uhr morgens, als Passanten im Grünwald auf dem Hönggerberg eine schreckliche Entdeckung machten: In einem parkierten Auto fanden sie die Leiche eines jungen Mannes, er war mit zwei gezielten Schüssen aus einer Armeepistole buchstäblich hingerichtet worden. Die Spaziergänger alarmierten die Polizei, welche auf Grund des Spurenbildes ein Selbstmord schnell ausschliessen konnten.

    Die ersten Ermittlungen wiesen auf ein Beziehungsdelikt hin, und die Polizei setzte eine Belohnung von 5000 Franken aus. Fünf Tage später konnte sie drei tatverdächtige Personen verhaften, eine Frau und zwei Männer. Eine 27-jährige Frau aus Portugal legte ein Geständnis ab. Dabei belastete sie ihren 38-jährigen portugiesischen Schwager schwer und sagte, dass dieser den Mann erschossen habe. Sie habe die Ermordung ihres Peinigers zusammen mit ihrem Schwager geplant. Der Grund: Das verheiratete Opfer soll die Portugiesin bedrängt, bedroht und regelmässig sexuell belästigt haben. Sogar mit dem Tod habe er ihr gedroht, solle sie sich ihm nicht fügen, sagte die Frau. Der Ehemann der geständigen Frau, der anfänglich ebenfalls als Tatverdächtiger galt und in Untersuchungshaft gesetzt wurde, wurde bald wieder entlassen, weil sich der Verdacht gegen ihn nicht erhärtet hatte.

    Die Frau sagte in der Untersuchung, sie habe dem Opfer gesagt, sie werde sich auf ein sexuelles Abenteuer mit ihm einlassen. Mit dem Auto fuhren die beiden morgens in die Nähe des Restaurants Grünwald. Unter dem Vorwand, ihre Blase zu erleichtern, stieg die Frau aus dem Auto aus, während sich der 26-jährige Mann bereits auszog. In diesem Moment soll sich der Schwager dem Auto genähert haben und ihn mit zwei Schüssen in den Kopf hingerichtet haben. Pistole und Munition hatte die Frau von einem früheren Arbeitskollegen erhalten.

    Kassationsgericht hob Urteil auf

    Am Prozess 1998 vor dem inzwischen abgeschafften Geschworenengericht wurde der portugiesische Bauarbeiter wegen vorsätzlicher Tötung zu zehn Jahren Zuchthaus, wie es damals hiess, verurteilt. Der Mann hatte die Tat immer bestritten. Die geständige Frau war im gleichen Jahr vom Obergericht wegen Totschlags rechtskräftig zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden.

    Der 29-jährige Schweizer, welcher die Armeepistole und Munition bereitgestellt hatte, wurden wegen eventualvorsätzlicher Gehilfenschaft zur vorsätzlichen Tötung belangt und zu drei Jahren verurteilt. Er war nach einigen widersprüchlichen Aussagen geständig und sagte aus, dass er der Frau, zu der er eine enge Beziehung pflegte, die Pistole gegeben habe. Auch bekräftigte er, dass er ihre Äusserungen bezüglich des geplanten Mordes nicht ernst genommen habe und verlangte wie der Hauptangeklagte einen Freispruch.

    Der Portugiese und der Waffenlieferant akzeptierten das Urteil nicht und gelangten an das damalige Kassationsgericht. An dieses oberste kantonale Gericht, das 2012 eingestellt wurde, konnten zivil- und strafrechtliche Entscheide weitergezogen werden, wenn die Parteien Verfahrensfehler rügen wollten. Das Gericht konnte das Urteil dann aufheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückweisen. Dies war beim Tötungsdelikt Grünwald der Fall. Anfangs 2000 hob das Kassationsgericht des Kantons Zürich den Schuldspruch gegen den Portugiesen und den Waffenlieferanten auf und wies die Fälle ans Geschworenengericht zurück. Im gleichen Sommer wurde der Prozess gegen die beiden Männer neu aufgerollt.

    Schweigen der Kronzeugin

    Was folgte, war eine Überraschung: Am 7 Juli 2000 sprachen die Geschworenen in neuer Besetzung den Portugiesen «in dubio pro reo» (im Zweifel für den Angeklagten) frei. Für die viereinhalb Jahre, die der Mann zwischen 1996 und 2000 im Gefängnis sass, erhielt er Schadenersatz und Genugtuung. Im Fall des Nebenangeklagten – des Waffenlieferanten – wurde die Anklage zwecks Ergänzung an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

    Der Grund, warum das Gericht beim Hauptbeschuldigten nun plötzlich zu einem Freispruch kam, waren die Aussagen der Schwägerin, die beim Prozess eine Kronzeugin war. Sie hatte ihren Schwager am ersten Prozess noch der Tat beschuldigt, in der zweiten Verhandlung aber plötzlich jegliche Aussage verweigert. Dies war massgeblich entscheidend für den Freispruch des Portugiesen. «Sie verhinderte damit, dass sich das Gericht ein einheitliches und widerspruchsfreies Bild von ihr machen konnte», sagte der Vorsitzende damals. Nach Ansicht des Gerichts könnte auch eine Dritttäterschaft in Frage kommen – eine solche war im ersten geschworenengerichtlichen Prozess noch klar verneint worden.

    Ein Kapitalverbrechen, das ungelöst ist, hinterlässt immer ein ungutes Gefühl. Vor allem dann, wenn die Hinweise im ersten Prozess für eine Verurteilung reichten, es dann aber wegen der Aussageverweigerung der Kronzeugin zu einem Freispruch kam. Vermutlich wäre der Beschuldigte heute nicht so glimpflich davongekommen, hinterlässt doch fast jeder Täter seine DNA-Spuren. Die DNA-Analyse in der Kriminalistik steckte damals aber noch in den Kinderschuhen.

  • Goodbye Höngg!

    Meine Zeit beim «Höngger» endet mit dieser Ausgabe. Das Praktikum war definitiv nicht so, wie ich mir das zu Beginn vorgestellt hatte. Wer hätte schon gedacht, dass eine weltweite Pandemie ausbrechen und die ganze Welt lahmlegen würde.
    Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf den «Höngger» und mein Praktikum. Das Pensum musste gekürzt werden, die Zeitung erschien nur noch einmal im Monat, statt alle zwei Wochen, und nur kurz, nachdem ich mich in der Redaktion eingelebt hatte, wurde ich gezwungenermassen wieder ins Homeoffice verbannt.
    Meine Vorstellungen von spannenden Aussenreportagen und dem Einblick in die verschiedenen Facetten des Höngger Quartierlebens fand ein jähes Ende. Und so lernte ich die Welt des Journalismus vorerst von zu Hause an meinem Laptopbildschirm kennen. Und zum Kontakt mit Höngger*innen kam es vor allem via Telefongesprächen und Mailaustausch.
    Glücklicherweise hat sich die Situation im Verlaufe meines Praktikums etwas verbessert. Schritt für Schritt wurden die Corona-Massnahmen gelockert und ich kam so doch noch meiner Vorstellung von Journalismus näher: ein Beruf, der Einblick in tausend andere Berufe und Lebenswelten gewährt.
    Und mit dieser Kolumne konnte ich meine persönlichen Gedanken über diese Welten mit den Lesenden teilen und mir von der Seele schreiben.
    Ich habe vieles gelernt in meiner Zeit beim «Höngger». Besonders gefreut haben mich die vielen Rückmeldungen der Höngger*innen. Es gab Komplimente für Gelungenes, aber auch kritische Rückmeldungen. Über beides habe ich mich gefreut. Denn wichtig ist mir der Austausch generell. Nur so können wir alle voneinander lernen und uns weiterentwickeln.
    Und die vielen (teils handgeschriebenen) Leserbriefe haben mir gezeigt, dass sich viele Leute mit dem «Höngger» beschäftigen, die Artikel lesen und auch ihre Gedanken mit uns teilen wollen. Das zeigt mir auch, dass es den Lokaljournalismus braucht und dass er lebt.
    Dieses Praktikum war anders, als ich es erwartet habe. Und doch hat es mir alles gegeben. Ich möchte mich an dieser Stelle vor allem bei Patricia und Eva bedanken, die mit Herzblut und Engagement unsere Quartierzeitung durch diese schwierige Zeit geführt haben und mir mit dem Praktikum trotz widrigen Umständen einen unglaublich spannenden Einblick in den Journalismus bieten konnten. Ich hätte mir professionell, aber auch menschlich keine besseren Cheffinnen wünschen können.
    Ich werde das ganze «Höngger»-Team, das Quartier und die spezielle Zeit beim «Höngger» vermissen. Ich freue mich nun aber auch darauf, ein neue Herausforderungen anzupacken. Goodbye Höngg!

  • Hilfe bei krankhaftem Übergewicht

    Hilfe bei krankhaftem Übergewicht

    Dr. med. Anita Scheiwiller, Leitende Ärztin Viszeralchirurgie, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefässchirurgie, Stadtspital Waid und Triemli.

    Dr. med. Anita Scheiwiller, Leitende Ärztin Viszeralchirurgie, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefässchirurgie, Stadtspital Waid und Triemli.

     

    Warum braucht es im Stadtspital Waid und Triemli ein Adipositaszentrum?

    Dr. med. Anita Scheiwiller: Die bariatrische Chirurgie stellt aktuell die einzige Therapie dar, die
    längerfristige Erfolge in der Gewichtsreduktion bieten kann. Da Übergewicht in unseren westlichen Kulturen sowohl medizinisch als auch ökonomisch ein riesiges Problem darstellt, ist eine angemessene Therapie notwendig. Die bariatrische Therapie besteht aber aus viel mehr als
    nur der Operation selber. Eine intensive Vor- und Nachbetreuung ist elementar und wird durch ein
    grosses interdisziplinäres Team gewährleistet. Es besteht aus Spezialistinnen und Spezialisten aus den Bereichen Chirurgie, Gastroenterologie, Endokrinologie, Innere Medizin, Ernährungs- und
    Physiotherapie, Psychiatrie sowie weiteren Spezialisten.

    Dr. med. Thomas Gürtler: Es macht meiner Meinung nach Sinn und ist gut, dass wir ein solches,
    hochspezialisiertes Team an beiden Standorten haben, also im Waid und im Triemli.

    Antonija Cvitkovic: Weil das Stadtspital Waid und Triemli für die Gesundheitsversorgung vieler
    Menschen in der Stadt Zürich und Umgebung verantwortlich ist, ist es von grosser Bedeutung, dass wir ein Zentrum führen, wo sich alles unter einem Dach befindet. Bei uns können sich die Patientinnen und Patienten mit Übergewicht unkompliziert beraten und behandeln lassen.

    Dr. med. Thomas Gürtler, Leitender Arzt Viszeralchirurgie, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefässchirurgie, Stadtspital Waid und Triemli.

    Dr. med. Thomas Gürtler, Leitender Arzt Viszeralchirurgie, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefässchirurgie, Stadtspital Waid und Triemli.

     

    Welche Funktion haben Sie in diesem Zentrum? Was sind Ihre Aufgaben?

    Gürtler: Ich bin bariatrischer Chirurg und beteilige mich an der Evaluation, Aufklärung und Nachsorge der Eingriffe. Diese führe ich bei denjenigen Patientinnen und Patienten durch, die ich in meiner Sprechstunde kennengelernt und untersucht habe. Wichtig ist, bei der Patientenauswahl zu erkennen, wer geeignet ist und von einer solchen Operation profitieren kann, sowie die richtige Einschätzung des Operationsrisikos. Letztendlich trägt der Chirurg die Verantwortung bei jedem operativen Eingriff. Selbstverständlich gehört eine sorgfältige Operationstechnik und eine gute Betreuung nach der OP dazu. Und damit alles funktioniert, braucht es eine gute Koordination. Dafür ist Antonija Cvitkovic besorgt.

    Cvitkovic: Ich arbeite als Clinical Nurse im Adipositaszentrum Waid und Triemli und habe vielseitige, interdisziplinäre Aufgaben. Ich stimme die Patiententermine aufeinander ab und sorge dafür, dass alles reibungslos läuft. Unsere Patientinnen und Patienten brauchen eine sehr lange Nachbetreuung, die ich gründlich überwache. Eine gute Betreuung liegt mir sehr am Herzen, denn die Lebensstilveränderung nach der Operation ist eine grosse Herausforderung. Unterstützung ist gerade dann besonders wichtig. Ebenso pflege ich eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit mit den Hausärztinnen und Hausärzten. Dies ist für die positiven Langzeitresultate sehr wichtig.

    Und Sie, Anita Scheiwiller?

    Ich arbeite als Viszeralchirurgin am Standort Waid. Die bariatrischen Operationen werden seit dem Zusammenschluss zum Stadtspital Waid und Triemli alle am Standort Triemli durchgeführt. Die damit gesteigerte Fallzahl garantiert eine hohe Qualität. Die Vor- und Nachbetreuung der Patienten gewährleisten wir in beiden Häusern – ideal für unsere Patienten. Da ich eine langjährige Erfahrung in bariatrischer Chirurgie habe und mir dieses Gebiet besonders am Herzen liegt, bin ich sehr glücklich, beim Aufbau des neuen Adipositaszentrums mitwirken zu können. Denn neben dem durchaus spannenden operativen Teil finde ich vor allem die langjährige Betreuung der Patientinnen und Patienten sehr befriedigend. Ihre oft sehr grosse Dankbarkeit macht die bariatrische Chirurgie zu einem äusserst zufriedenstellenden Fachgebiet.

    Welche Patientinnen und Patienten können von einer Beratung und Behandlung bei Ihnen im Zentrum profitieren?

    Scheiwiller: Grundsätzlich können alle Übergewichtigen an unser Zentrum zugewiesen werden. Meistens über die Hausärzte oder über sonstige Spezialisten. Sehr gerne können sich die Betroffenen aber auch direkt bei uns für einen Sprechstundentermin melden. Wir schauen dann mit ihnen, ob eine bariatrische Operation in Frage kommt oder ob eher eine konservative Gewichtsreduktion anzustreben ist.

    Gürtler: Natürlich gibt es Richtlinien. Generell können Patientinnen und Patienten mit einem Body-Mass-Index von über 35 operiert werden. Zudem dürfen sie nicht jünger als 18 und nicht älter
    als 75 Jahre sein. Darüber hinaus müssen sie die Einschlusskriterien der Swiss Society for the Study of Morbid Obesity and Metabolic Disorders erfüllen.

    Scheiwiller: Ich möchte noch erwähnen, dass es für übergewichtige Patientinnen und Patienten
    oft sehr wichtig ist, dass sie in einem Zentrum längerfristig begleitet werden – auch wenn sie sich
    nicht für einen Eingriff entscheiden oder die Bedingungen dazu nicht oder noch nicht erfüllen.

    Das Interview führte Markus Meier.

    Das Waid ist Mitglied des Gewerbe Wipkingen. 

    Adipositaszentrum Stadtspital Waid und Triemli
    Allen übergewichtigen Patientinnen und Patienten sowie zuweisenden Ärztinnen und Ärzten steht die kompetente Clinical Nurse Antonija Cvitkovic bei medizinischen und administrativen Fragen zur Verfügung.
    Kontakt: Tel. 044 416 43 76, E-Mail: adipositaszentrum@zuerich.ch.

  • Mittagstisch findet wieder statt

    Mittagstisch findet wieder statt

    Nach dem unfreiwilligen Unterbruch sind die Fachgeschäfte in Wipkingen wieder offen. Die Restaurants haben in der Lockdown-Zeit Take-away- und Hauslieferdienste angeboten. Das Angebot wurde rege genutzt. Allerdings konnten die meisten Geschäfte den Umsatzausfall nicht ganz kompensieren. Umso mehr freuen sich nun die Läden und Fachgeschäfte, ihre Kunden wieder zu begrüssen.

    Auch der traditionelle Mittagstisch musste eine Zwangspause einlegen und ist jetzt wieder offen. Seit 15 Jahren pflegt die Kochschule «La Cuisine» an der Nordstrasse nebst dem konventionellen Angebot diesen Mittagstisch. Ursprünglich war das Treffen am jeweils letzten Donnerstag im Monat den Gewerbemitgliedern vorbehalten. Der Mittagstisch steht seit einiger Zeit auch Nicht-Mitgliedern offen.
    Der Betreiber der Kochschule, Peter Bechter, kocht mit Unterstützung von Sämi Räss für einen bescheidenen finanziellen Beitrag ein leckeres Mehrgangmenü. Der Treffpunkt bietet nebst feinem Essen die Möglichkeit, Freundschaften zu pflegen und sich auszutauschen. Die Beliebtheit des Mittagstisches ist in den letzten Jahren soweit gestiegen, dass die Gewerblerinnen und Gewerbler öfters in der Minderheit waren, was der Geselligkeit keinen Abbruch tat. Ein spontanes Vorbeikommen ist leider nicht möglich. Eine Anmeldung ist notwendig, da der Anlass meist ausgebucht ist.

    Kompletter Viergänger

    Das Menü des letzten Mittagstisches bestand aus einem Viergänger – mit Baba Ganoush zur Vorspeise, einer Mais- und Kressesuppe, Boeuf Bourguignon zur Hauptspeise und einer Erdbeercrèmeschnitte zum Dessert. Profi-Koch Peter Bechter hat langjährige Erfahrung aus der beruflichen Tätigkeit in erstklassigen Hotels in der Schweiz und im Ausland. Seine Erfahrung ist zudem Garantin für die hohe Qualität der Kochkurse, welche regelmässig zu verschiedenen Themen stattfinden.

    Vorspeise: Baba Ganoush mit Ratatouillesalat und Tuna.

    Vorspeise: Baba Ganoush mit Ratatouillesalat und Tuna.

    Suppe: Zweifarbige Suppe, Mais- und Kressesuppe.

    Suppe: Zweifarbige Suppe, Mais- und Kressesuppe.

    Hauptgang: Boeuf Bourguignon.

    Hauptgang: Boeuf Bourguignon.

    Dessert: Millefeuille mit Erdbeeren.

    Dessert: Millefeuille mit Erdbeeren.

  • Wir sind wieder für Sie da

    Wir sind wieder für Sie da

    «z’Wipkinge findsch es!»

    Unser Ziel sind zufriedene Kunden. Besuchen Sie ein Fachgeschäft in Wipkingen! In unserem lebhaften Quartier ist praktisch alles erhältlich. Für Dinge des täglichen Bedarfs, Gebrauchsgüter, Dienstleistungen aller Art oder Service und Reparatur finden Sie in Wipkingen ein interessantes Angebot.
    Viel Vergnügen beim Einkauf!

  • Eine traurige Debatte

    Der gewaltsame Mord des Afroamerikaners George Floyd hat eine weltweite Protestwelle ausgelöst. Die systematische Chancenungleichheit und die Gewalt an Schwarzen ist schon viel zu lange ein Problem. Und das nicht nur in der USA. Die «Black Lives Matter»-Bewegung bringt nun ans Tageslicht, wieviel Wut und Trauer sich angestaut hat. Die Forderung ist ganz klar. Rassismus hat keinen Platz auf der Welt. Die systematische Unterdrückung der Schwarzen muss beendet werden, und es muss sich grundlegend etwas ändern.
    Im Zuge dieser weltweiten Bewegung wurde auch in der Schweiz sehr viel über Rassismus diskutiert. Dabei ist unter anderem auch einmal mehr das Schokoladegebäck, das als «Mohrenkopf» bekannt ist, in die Kritik geraten.
    Der Begriff ist fragwürdig und historisch eng verbunden mit einer abwertenden Bezeichnung für dunkelhäutige Menschen.
    Die Debatte hat insbesondere durch die umstrittene Entscheidung der Migros, den «Dubler Mohrenkopf» aus dem Sortiment zu nehmen, viel mediale Aufmerksamkeit erhalten. Das Unternehmen Dubler weigert sich unter allen Umständen, sein beliebtes Verkaufsprodukt umzubenennen.
    Besonders in rechten Kreisen, aber auch darüber hinaus wird der «Mohrenkopf» mit allen Mitteln und roten Köpfen verteidigt. Das Produkt habe schon immer so geheissen. Das habe nichts mit Rassismus zu tun. Es gäbe viel wichtigere Probleme und das «Gejammere» der Gegner des «Mohrenkopfes» sei völlig ungerechtfertigt. Eine Änderung des Namens würde gar nichts ändern und es sei eine masslose Übertreibung. Die junge SVP Zürich hat sogar eine «Mohrenkopf-Verteilaktion» gestartet, um auf diese unerhörte Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, dass dieses arme Schweizer Traditionsprodukt sabotiert wird. Der Eifer und der unermüdliche Einsatz und Kampf in der Verteidigung dieses rassistisch konnotierten Namens finde ich bedauerlich.
    Ich unterstelle nicht jeder Person, die den Schokokuss «Mohrenkopf» nennt, rassistisch veranlagt zu sein. Wenn man jedoch mit einem solchen Eifer proaktiv für die Aufrechterhaltung dieses historisch fragwürdigen Begriffes kämpft, wirft das bei mir Fragen auf.
    Wieso ist es wichtig, dass dieser Name behalten wird? Hat ein «Schokokuss» einen anderen Geschmack als ein «Mohrenkopf»? Wieso kann man nicht akzeptieren, dass der Begriff verletzend wirken kann und darauf verzichten? Ist etwas richtig und gut, nur weil es schon immer so war?
    Oft wird auch das Argument aufgeworfen, dass es doch viel wichtigere Probleme gibt und die Leute nicht so ein Drama wegen eines Begriffes machen sollten. Ich stimme zu hundert Prozent zu, dass die Probleme des Rassismus viel tiefer liegen als in der Bezeichnung einer Süssigkeit.
    Umso trauriger deshalb, dass man sogar für diese winzige Änderung und einen minimalen Schritt in die richtige Richtung, durch die Abschaffung dieses Namens kämpfen muss. Und genau durch diese Debatte wird das tieferliegende Problem des Rassismus sichtbar. Dinge die selbstverständlich sein sollten, sind es nicht.
    Viele dunkelhäutige Menschen sind täglich mit Rassismus konfrontiert. Vielleicht ist es auch nicht für alle dunkelhäutigen Menschen ein Problem, wie diese belanglose Süssware nun bezeichnet wird. Fakt ist jedoch, dass es Menschen gibt, die durch den Begriff verletzt werden. Als Person, die nicht betroffen ist von Rassismus im Alltag, hat man also absolut kein Recht zu sagen, dass der Begriff in Ordnung ist.
    Die Sprache und Begriffe, die wir verwenden sind auch Teil unserer Realität. Einst wurden die Schokoküsse auch «Negerköpfe» genannt. Würden die Leute, die heute den «Mohrenkopf» verteidigen, dieselben Argumente auch auf diesen Begriff anwenden, weil man das Gebäck lange Zeit so genannt hat? Ich hoffe nicht.
    Und das zeigt auch, dass sich Begriffe und Traditionen entwickeln können und nicht in Stein gemeisselt sind. Mir ist bewusst, dass der Rassismus durch die Abschaffung dieses einen Begriffes nicht verschwinden wird. Doch es würde ein Zeichen setzen, dass die Gesellschaft bereit für einen Wandel ist.
    Mit dieser traurigen Debatte wurde nun bereits ein Zeichen gesetzt. Es wurde nämlich gezeigt, dass viele Leute bereit dazu sind, ihre Traditionen zu verteidigen, koste es was es wolle. Ich denke, es ist an der Zeit, dass nun die richtigen Zeichen gesetzt werden.

  • IG Pro Rütihof reicht erneut Rekurs ein

    IG Pro Rütihof reicht erneut Rekurs ein

    Eins muss man der Interessensgemeinschaft Pro Rütihof lassen: Sie hat einen langen Atem. Zwölf Jahre sind vergangen, seit sie gegen das «Strassenbauprojekt Regensdorfer-/Frankentalerstrasse», das am 16. Mai 2008 erstmals öffentlich aufgelegt worden war, Einsprache erhob. Es folgte ein Marathon bis vor Bundesgericht, das den Einsprechenden schliesslich recht gab und die Streitsache an den Stadtrat zurückwies. Das Verwaltungsgericht verlangte in seinem Urteil von 2012, die Sicherheitslage für Fussgänger*innen und Velofahrer*innen zu prüfen sowie die Notwendigkeit einer Lichtsignalisierung beim Knoten Regensdorfer-/Frankentalerstrasse. In der Folge beauftragte der Stadtrat das externe Ingenieurbüro verkehrsteiner AG mit der Prüfung. 2014 kam dieses zum Schluss, dass das Strassenbauprojekt «den einschlägigen Normen und Regeln der Baukunde Rechnung trage». Dennoch empfahl es weitere Anpassungen, um die Sicherheit für die Fussgänger*innen zu erhöhen. 2016 äusserte das Amt für Verkehr des Kanton Zürichs noch zwei kleinere Begehren, die ebenfalls berücksichtigt wurden. Dann passierte zwei Jahre lang nichts. «Der zuständige Projektleiter konnte das Projekt nicht mehr weiterführen», heisst es beim Tiefbauamt auf Anfrage. Aufgrund des Fachkräftemangels in der Branche habe man einige Zeit keine Nachfolge finden können, welche das Projekt hätte vorantreiben können. 2018 wurde die IG Pro Rütihof zu einer Besprechung beim Tiefbauamt eingeladen, an der der Prüfungsbericht jedoch, gemäss Aussagen der IG Vertreter, nicht erwähnt worden sei. Eineinhalb Jahre später kam es schliesslich zum Stadtratsbeschluss.

    Vorwurf: Mangelnde Transparenz

    Wie die IG Pro Rütihof auf ihrer Webseite kommuniziert, hat sie gegen diesen halböffentlichen Stadtratsbeschluss vom 26. Februar beim Regierungsrat Rekurs eingelegt. Da es sich bei den Änderungen des betroffenen Strassenbauprojekts Regensdorfer-/Frankentalerstrasse nur um «untergeordnete Massnahmen» handle, sei eine erneute Planauflage nicht nötig, so der Stadtrat. Die Rekurrenten wenden ein, dass sich die Bevölkerungszahl und das Verkehrsaufkommen sowie die rechtlichen Grundlagen der damaligen Projektierung wesentlich geändert hätten und es angezeigt sei, das Projekt grundsätzlich zu überarbeiten. Neben inhaltlichen Punkten kritisiert sie die mangelnde Transparenz von Seiten der Stadt, denn das Protokoll wurde auf aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht auf dessen Webseite publiziert. «Die Stadt hätte die Namen der Rekurrenten einfach schwärzen können, ein Vorgehen, das auch bei Gerichtsbeschlüssen üblich ist», meint Walter Giger, Mitglied der Interessensgemeinschaft.

    Projekt Grünwaldareal weiterhin on hold

    Ebenfalls hängig ist ein Rekursverfahren gegen die Aufhebung von Ausnützungszuteilungen im Quartierplan (Neuüberbauung Grünwaldareal). Die beiden Projekte sind zwar unabhängig voneinander und das Projekt Grünwald werde weiter vorangetrieben, auch wenn das Strassenbauprojekt behindert sei, so die Auskunft des Tiefbauamts. Die Stadt habe jedoch bereits vor zwei Jahren gemeinsam mit den Bauträgerinnen entschieden, dass der Architekturwettbewerb erst starten kann, wenn rechtskräftige Urteile sowohl fürs Strassenprojekt als auch für die Anpassungen im Quartierplan vorliegen. Momentan sieht es so aus, als könnte sich die endlose Geschichte noch um ein Kapitel verlängern.

    Alle Informationen zum Thema Neuüberbauung des Grünwaldareals (früher Ringling) unter www.hoengger.ch/dossiers