Autor: tka_admin

  • «8049 und ich»

    «8049 und ich»

    Ein Gespräch mit dem früheren Leiter des Gemeinschaftszentrums in Höngg, Patrick Bolle, Ende 2020, war haftengeblieben. Er blickte damals auf das erste Coronajahr zurück und machte sich Sorgen um den Generationendialog. Die Jungen hatten aus Solidarität lange auf vieles verzichtet, erhielten im Gegenzug aber wenig Verständnis, zum Beispiel wenn sie sich im Aussenraum in Gruppen trafen. War da tatsächlich ein Graben zwischen Jung und Alt aufgerissen? Oder sind sich die beiden im Grunde gar nicht so unähnlich, wie man meinen könnte? Diese Frage stand am Anfang des ersten Podcasts «8049 und ich» der Höngger Zeitung. Entstanden sind am Ende Porträts von fünf Höngger*innen, die daran erinnern, dass alle, egal ob jung oder alt, im Leben auf Hindernisse stossen und diese überwinden können. Mit Hilfe der Familie, dank Freund*innen oder aus eigener Kraft.

    Journalistin und Audioproduzentin Franziska Engelhardt von der Podcastschmiede hat die Idee umgesetzt und den Podcast im Auftrag der Höngger Zeitung produziert. Dank ihrer feinfühligen und professionellen Art ist es ihr gelungen, dass die Menschen sich ihr öffneten. Die Sounddesignerin und Audiokünstlerin Christina Baron hat die Geschichten musikalisch ineinander verwoben.

    Ein Quartier – fünf Geschichten

    Der 13-jährige Lorin will Rettungssanitäter werden und in seiner Freizeit Eishockey-Schiedsrichter. Dies nicht wegen eines bestimmten Clubs. Er sei Fan vom «Schiedsrichtern», weil man Entscheidungshoheit über Dinge habe, die sonst keiner hat. Als Jugendlicher wurde er in der Stadt von Gleichaltrigen überfallen, eine Erfahrung, die sein Verhalten bis heute beeinflusst. Er erzählt, wieso er kein Opfer sein will und wieso er trotzdem zuversichtlich in die Zukunft blickt.

    Chiara ist eine lebensfrohe junge Frau und absolviert gerade das zweite Lehrjahr als Fachfrau Gesundheit. Doch ihr Weg dahin war steinig. Sie erhielt eine Absage nach der anderen. Stimmte es, dass es ihr niemand zutraute, weil sie Sek-B-Schülerin war? Sie kämpfte weiter – erfolgreich. Kraft schöpft sie auch vom Tanzen. Die 17-jährige hat schon jetzt ihre eigenen Flamenco-Schüler*innen.

    Vreni und Kurt Blickenstorfer, seit 59 Jahren ein Paar, leben seit 1967 an der Segantinistrasse in Höngg. Sie führen ein erfülltes Leben mit Kindern und Enkelkindern, vielen Freundschaften und gesellschaftlichen Anlässen in und um Höngg. Doch das Leben war nicht immer nur einfach. Die Geschichten ihrer Eltern haben auch ihre eigene stark geprägt. Sie geben der Hörerschaft auch einen Einblick in die Lebensrealitäten, wie sie es vor 70 Jahren noch waren. Doch die schwierigen Zeiten haben die Familie noch enger zusammengeschweisst.

    Herman «Hermi» Weibel lebt nach dem Tod seiner Frau allein im Alterszentrum Riedhof. Eigentlich fühlte er sich noch nicht bereit für ein Altersheim, machte sich Sorgen um seine Selbstständigkeit. Mittlerweile ist er dankbar – er sei alles andere als ein Gefangener. Nach seinem Verlust fand der charmante ehemalige Tramführer Halt bei seiner Tochter und einem neuen besten Freund, den er im Riedhof kennengelernt hat. Der Tod ist immer nah. Die Liebe aber auch.

    Dank der Schmid-Wörner-Stiftung

    Dieser Podcast ist in Zusammenarbeit mit dem GZ Höngg und der freundlichen Unterstützung der Schmid-Wörner-Stiftung Höngg entstanden. Die Stiftung bezweckt die Unterstützung vorwiegend auf Höngg bezogene gemeinnützige Projekte aus den Bereichen Bildung, Kultur und Gesellschaft. Die Bedeutung des «Höngger» im Allgemeinen und dessen aktuelles Podcast-Projekt im Besonderen berührt alle drei Bereiche des Stiftungszweckes.

    «8049 und ich»
    Ab dem 16. Dezember ist der Podcast auch auf allen üblichen Plattformen (spotify, apple music, audible, youtube) zu hören.

    Folge 1

    Folge 2

    Folge 3

  • Ein Stück Schweden in Höngg?

    Ein Stück Schweden in Höngg?

    Seit bald dreissig Jahren steht die kleine, aus vier Gebäuden bestehende Überbauung an der Giblenstrasse, direkt neben der Pony- und Hühnerweide des QuarTierhofs. Leuchtend rot sind die 1994 erstellten Häuser mit den schwarzen Giebeln, würfelförmig und kompakt wirken sie, mit ihren zwei Stockwerken eher klein. Ihr Alter würde man ihnen nicht wirklich geben, dank der auffälligen Färbung wirken die Häuser immer noch fast wie Neubauten. Geplant und erstellt wurden sie vom Architekturbüro Stücheli Architekten AG in Zürich, Auftraggeberin und Bauherrin war die Pensionskasse der Tagesanzeiger AG. 1992 wurde die Baubewilligung erteilt, im Jahr 1994 war die Überbauung bezugsbereit.

    Wohnen und Arbeiten

    In den drei Wohnhäusern befinden sich je zwei kleine 2,5 Zimmer-Wohnungen im Erdgeschoss mit Gartensitzplatz sowie zwei grössere 4,5 Zimmer-Maisonette-Wohnungen im Obergeschoss, wie Christof Glaus, Mitinhaber der Stücheli AG, dem «Höngger» in einem Gespräch verrät. Er hat die alten Pläne und Zeichnungen aus dem Archiv geholt und nimmt sich die Zeit, das Projekt genau anzuschauen, auch wenn er selbst damals nur peripher an der Erstellung beteiligt war. Ein weiteres, quer stehendes Gebäude beinhaltet Büroräumlichkeiten. 90 Prozent der Gesamtfläche habe, so Glaus, nach den Vorgaben der Bauherrschaft Wohnungen beinhalten müssen, 10 Prozent seien für Büros konzipiert – ein Versuch also, Wohnen und Arbeiten im Bau zu kombinieren. Zwischen den Wohnhäusern befinden sich zudem einstöckige Ateliers, die von den Parterrewohnungen aus zugänglich sind.

    Komposition soll sich harmonisch in Umgebung einfügen

    Die städtebauliche Überlegung des Architekturbüros war es, mit den Neubauten eine Siedlung zu erstellen, die sich harmonisch in die Umgebung und die natürlichen Gegebenheiten einfügt und dem Geländeverlauf folgt. Von der Höhe, so Glaus, sollten sich die neuen Häuser den bereits bestehenden Gebäuden an der Regensdorfer- sowie der Giblenstrasse anpassen, zwischen denen sie erbaut wurden. Anders als diese wurden die Giebel der drei Wohnhäuser jedoch quer zur Regensdorferstrasse errichtet und nicht parallel zu ihr.
    Mit der kubischen Form habe das Architekturbüro versucht, «ein klassisches Schweizer Giebelhaus etwas moderner zu gestalten», führt Glaus aus. Der Bau sei bewusst sehr einfach und minimal gehalten, ohne jegliche Schnörkel und Verzierungen, auch die Giebeldächer stünden nicht vor, auf Vordächer wurde verzichtet.

    Was leuchtet so rot?  

    Die blutrote Farbe sei es, die die einfache Kubatur der Gebäude so speziell mache und der Überbauung eine eigene Identität verleihe. Die Idee, den Gebäuden diese auffällige Farbe zu verpassen, sei dem Architekten, Renzo Bader, bei einer Umgebungsbesichtigung gekommen. Dabei sei ihm ein rotes Garagentor ins Auge gestochen, klärt Glaus auf. «Die Farbe betont den Kontrast zum Grün der Gärten und Weideflächen der Umgebung. Die klassische Holzfarbe verleiht den Gebäuden zudem eine gewollte Natürlichkeit.» Mit Schweden allerdings hätten die Häuser eigentlich nicht viel zu tun, auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht so wirke: «Die Assoziation zu Schweden war von uns nicht unbedingt beabsichtigt», klärt Glaus auf. Anders als bei den klassischen Häuschen, die für das nordische Land so typisch sind, handelt es sich bei den Häusern an der Giblenstrasse auch nicht um Holzbauten: «Obwohl die Fassade wie eine Holzfassade wirkt, besteht sie in Wirklichkeit aus grossflächigen Eternitplatten», erläutert Glaus. Eternit sei damals ein eher ungewöhnlicher und etwas verpönter Baustoff gewesen, weil das Material vor allem in den 50er- bis 70er-Jahren Asbest enthalten hatte und die Verwendung stark eingeschränkt wurde. Doch selbstverständlich enthielten die Platten in den 90er-Jahren keinerlei Spuren mehr von Asbest. Dafür sei das Material sehr günstig, extrem robust, langlebig und recyclierbar – allerdings auch ziemlich dünn. In der Fassade wurde daher bewusst darauf geachtet, den «papierenen Charakter des Eternits», wie es Glaus nennt, zu verbergen. So weisen die Fenster starke Rahmen aus Metall auf, die Fugen der Eternitplatten sind gegenüber den Ecken der Fenster verschoben. Die Fassade wirkt so nicht gerastert, sondern erscheint als eine ganze, einheitliche Fläche.

    Im digitalen Zeitalter angekommen

    Und schliesslich ist das Bauprojekt noch aus einem weiteren Grund besonders: für das Architekturbüro waren die Skizzen zu diesen vier Gebäuden wohl die ersten, die auf digitale Weise gezeichnet und erfasst werden konnten. Während die ersten groben Skizzen und Studien noch von Hand angefertigt wurden, wie damals allgemein üblich, konnten die definitiven Baupläne schliesslich am Computer erstellt und bearbeitet werden. Modern in jeder Hinsicht also, die roten Häuschen an der Giblenstrasse.

  • 83. Historisches Pistolen-Rütlischiessen

    83. Historisches Pistolen-Rütlischiessen

    Die Pistolenschütz*innen der Standschützengesellschaft Neumünster vom Hönggerberg erreichten am historischen Pistolen-Rütlischiessen vom Sonntag, 17. Oktober den hervorragenden siebten Schlussrang. Insgesamt hatten 86 Gruppen teilgenommen. Der Gruppe Neumünster vom Hönggerberg fehlten in der Gesamtwertung am Ende nur 0,625 Punkte für einen Podestplatz. Diese berechnet sich aus dem Durchschnitt der in der Gruppe geschossenen Einzelresultate. Es braucht also eine tadellose Teamleistung dafür. Siegerin wurde mit grossem Abstand die Gruppe der Stadtpolizei Zürich.

    Achtung: Zusätzliches Schiessdatum im November
    Am Mittwoch, 10. November wird auf dem Rütli mit Gewehren kniend auf 250 Meter geschossen, am Montag, 15. November am Morgarten liegend auf 330 Meter. Das sind so verschiedene Stellungen sowie Einstellungen an den Gewehren, dass die Schützinnen und Schützen in Höngg um die zusätzliche Trainingsmöglichkeit am Samstag, 13. November nachgesucht haben. Durch den Ausfall verschiedener grosser Schiessen im Sommer und Herbst waren noch Schiesshalbtage frei, sodass die Stadtpolizei den zusätzlichen Samstagvormittag bewilligen konnte. Die Schiessplatzgenossenschaft Höngg bittet um Verständnis.

  • Brandstifter von der Waid muss ins Gefängnis

    Brandstifter von der Waid muss ins Gefängnis

    Am 31. Januar 2019 drang die Polizei in die Wohnung eines Schweizer Anarchisten in der Stadt Zürich ein und nahm den damals 31-Jährigen fest.
    Dem Mann aus der linksextremen Szene wurden Brandstiftungen in Hinwil und Zürich vorgeworfen. So soll er beim Brandanschlag auf Armeefahrzeuge in der Logistikbasis in Hinwil im September 2015 involviert gewesen sein. Dabei brannten neun Militärwagen aus und weitere Fahrzeuge wurden beschädigt. Es entstand ein Sachschaden von 110 000 Franken.
    Im Weiteren wurde ihm vorgeworfen, im Juli 2016 auf dem Waidberg bei der Notfunkanlage der Stadtpolizei Zürich Feuer gelegt zu haben. Die Anlage kommt zum Einsatz, wenn der normale Polizeifunk ausfällt. Zusammen mit einem Komplizen drangen die beiden auf das mit einem Zaun abgeriegelte Areal ein. Durch das Feuer entstand ein Schaden von rund 120 000 Franken, die Notfunkanlage war für mehrere Tage nicht betriebsbereit.   

    Verräterische DNA-Spuren

    Dass die Polizei den verhafteten Anarchisten überhaupt mit den Brandanschlägen in Verbindung bringen konnten, verdankte sie seinen DNA-Spuren in einem ganz anderen Zusammenhang. Der Mann war in einer anarchistischen Bibliothek im Kreis 4 tätig. Dort soll er Plakate, die zu Gewalt aufriefen, aufgehängt oder zumindest geduldet haben. Die Behörden stellten dabei seine DNA sicher, die mit jener bei den beiden Brandanschlägen übereinstimmte. So wurde die DNA des Beschuldigten an einem Mountainbike, an Schutzkleidung, Handschuhen und einem Seitenschneider gefunden. Zudem blieb auch ein Rucksack liegen, in dem ein Reisepass und die DNA eines mutmasslichen Mittäters sichergestellt werden konnten. Dieser namentlich bekannte Verdächtige ist seither auf der Flucht.
    Das Bezirksgericht Hinwil verurteilte den Mann im Januar 2020 wegen Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Vom Vorwurf der mehrfachen öffentlichen Aufforderung zu Verbrechen oder Gewalttätigkeit wurde der Anarchist mangels Beweisen freigesprochen. Auf den fragwürdigen Plakaten fand man keine DNA von ihm. Der Beschuldigte verweigerte am Prozess jegliche Aussage.

    Urteil vom Obergericht bestätigt

    Der Staatsanwalt hatte am Prozess gesagt, dass die Gesinnung des Beschuldigten durch Radikalität und Gewaltbereitschaft gekennzeichnet sei. So erwähnte er ein Gespräch auf Radio LoRa, wo er unter anderem erzählt habe, wie er es liebe, «Pflastersteine gegen Bullen zu schmeissen». Sein Verteidiger dagegen hatte einen Freispruch verlangt. Die DNA-Spuren seien einzig Indizien, keine Beweise. Alles sei möglich, sagte er. Das Urteil ist inzwischen vom Zürcher Obergericht bestätigt worden, der Mann muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis sowie Schadenersatz zahlen.
    Im Vorfeld des Prozesses veröffentlichte ein Online-Portal aus der linksextremen Szene eine Mitteilung, in der sie sich vom Beschuldigten distanzierten: «Wir als bisherige Soligruppe beenden hiermit öffentlich unsere solidarische und unterstützende Tätigkeit für den Gefangenen», hiess es in der Stellungnahme. Der Grund:  Der Mann habe in einer schriftlichen Erklärung zuhanden des Staatsanwaltes Aussagen gemacht, die gegen den noch auf der Flucht befindlichen «Gefährten» im Fall des Brandanschlages auf der Waid verwendet werden könnten und diesen belasten würden. Der Beschuldigte hat diese schriftliche Erklärung allerdings kurz vor Prozessbeginn wieder vollständig zurückgezogen. Welche Erklärungen der Mann gemacht hat, wurde am Prozess in Hinwil aufs Tapet gebracht. So hatte der Beschuldigte in seiner Schlusserklärung beim Staatsanwalt behauptet, beim Waidberg zwei Leute getroffen und ihnen nur geholfen zu haben, eine Leiter zu tragen und ein Velo zu schieben. Laut Anklageschrift überwand der Beschuldigte aber selber zuerst einen ersten Drahtzaun mit einer Leiter und durchtrennte dann einen weiteren mit einem Seitenschneider.

    Weitere Sabotageakte

    Die beiden Vorfälle waren Teil einer Serie von Brandstiftungen, vermutlich aus der linksextremen Szene. Unter anderem gab es Sabotageakte auf das türkische Konsulat in Zürich und auf Autos der städtischen Graffiti-Stelle. 2017 wurde auf der Baustelle des Polizei- und Justizzentrums (PJZ) im Kreis 4 Feuer gelegt, das auf eine benachbarte Trafoanlage übergriff und zu einem Stromausfall und mehreren Explosionen führten. Auch die Brandstiftung 2016 in einem SBB-Kabelkanal wird dieser Szene zugeschrieben. Damals wurde der Bahnverkehr in Zürich während Stunden lahmgelegt.

     

    Die Serie «Tatort Kreis 10» befasst sich mit Verbrechen oder Unfällen, die sich in Wipkingen und Höngg ereignet haben. Sie endet vorläufig mit dieser Episode. Die Redaktion ist offen für Hinweise auf weitere Fälle im Kreis 10 aus der Bevölkerung auf redaktion@hoengger.ch.

  • Wer baut was wo wie und warum?

    Wer baut was wo wie und warum?

    Der Architektur kann sich niemand entziehen. Ob draussen auf der Strasse oder in den eigenen Wohnräumen: Sie umgibt jeden Menschen permanent. Es ist so gut wie unmöglich, ihr völlig indifferent zu begegnen. Dabei geht es nicht nur um ästhetische Beurteilungen, also darum, ob etwas als schön oder hässlich empfunden wird. Sondern auch darum, ob es praktisch und so konzipiert ist, dass es die Aufgabe, die es hat, auch erfüllen kann. Denn wenn an den Bedürfnissen der Nutzer*innen «vorbeigebaut» wurde, macht sich das sofort bemerkbar. Wie ärgerlich, wenn die Abteilungen in der Ausziehschublade der Küche gerade knapp zu wenig hoch sind, um eine normalgrosse Flasche darin aufrecht zu lagern. Oder wenn das «Brünneli» im Badezimmer zwar sehr elegant aussieht, die raue Oberfläche sich aber nur schlecht reinigen lässt. Solche Beispiele lassen sich auch im öffentlichen Raum finden.

    Nutzen und Geschichte
    Jedes Gebäude erzählt ausserdem eine Geschichte über die Zeit, in der es entstand und über die Menschen, die sich darin aufhalten sollten. Gerade in Höngg finden sich zahlreiche Zeugen ganz verschiedener Baustile. Der «Höngger» wird in den kommenden Monaten verschiedene Gebäude im Quartier vorstellen, sich dem Sinn und der Aufgabe der Architektur philosophisch nähern, mit Architekt*innen über ihre Lieblingsstücke sprechen, hoffentlich Einblick in das eine oder andere Gebäude erhalten und mit etwas Glück im kommenden Frühjahr einige Führungen organisieren. Um es gleich vorwegzunehmen: Als Quartierzeitung wäre es anmassend, für sich in Anspruch zu nehmen, architektonische Fachartikel zu verfassen. Dafür gibt es renommierte und spezialisierte Zeitschriften wie das Hochparterre. Der «Höngger» nähert sich dem Thema, das omnipräsent ist, aus Laiensicht und aus purer Neugierde. Denn die Architektur in Höngg ist reich: Max Bill baute hier mit 24 Jahren sein erstes Haus. Es gibt zahlreiche Exemplare des Brutalismus, die nach Art von Le Corbusier gebaut wurden. Dann sind da aber auch weniger auffällige Gebäude, über deren Geschichte und Nutzung sich jedoch viel sagen lässt und andere, die für ihre innovative Bauweise ausgezeichnet wurden.

    Gerne nimmt die Redaktion unter redaktion@hoengger.ch Wünsche oder Anregungen aus der Leserschaft entgegen, und macht sich, sofern möglich, auf die Suche nach der Geschichte bestimmter Häuser.

  • Alice im Wunderland

    Alice im Wunderland

    Im Sommerlager ging es für den Cevi Züri 10 zwei Wochen nach Weglosen im Kanton Schwyz. In der ersten Woche wurde dafür eine Lagerstadt gebaut, welche sich nach und nach in ein Wunderland verwandelte. In der zweiten Woche trafen sich die jüngeren Cevis beim Landesmuseum, wo Alice und der weisse Hase zur Gruppe stiessen. Mitsamt Gepäck folgte die Gruppe dem weissen Hasen ins Wunderland. Da auch in dieser Welt viele Gefahren herrschen, lernten sie, wie man sich in der Natur und in Gewässern verhält und wie man erste Hilfe leistet. Ausserdem durfte das Kartenlesen nicht fehlen, damit sich niemand im Wunderland verirrte. Nach dem sich alle eingelebt hatten, beobachteten sie, wie der Fischbutler der Herzogin eine Einladung zu einem Krocketspiel der Herzkönigin überreichte. Die Gruppe wollte gemeinsam mit Alice an diesem Spektakel teilnehmen. Doch zuerst musste sie herausfinden, wo die Herzogin wohnte, die Hinweise dazu sammelten sie bei einem Orientierungslauf.

    Humptydumpty, Tweedlede und Tweedledum
    Nach den anstrengenden Tagen gab es die geliebten Cevihörnli. Schon bald darauf lernte die Gruppe den Hutmacher kennen, welcher nach seiner Niederlage in einem Spiel seinen Hut zerriss. Um diesen wieder zu flicken, wanderten alle ans Ende des Wunderlands. Auf der Reise machten die Cevis neue Bekanntschaften mit Humptydumpty, Tweedlede und Tweedledum. Als der Hut wieder repariert war und das böse Monster Jabberwocky besiegt werden konnte, war es Zeit fürs Krocketspiel. Ebenso sollte bewiesen werden, dass nicht die beschuldigte Alice, sondern die Grinsekatze den Kuchen der Herzkönigin gefressen hatte. Die Herzkönigin wurde rasend vor Wut als sie beim Krocketspiel verlor und forderte Alice bei einem Schachturnier am Abschlussabend erneut heraus. Doch auch da konnten Alice und die Gruppe erneut siegen und die Königin gab sich geschlagen. Bei der anschliessenden Siegesfeier ging es ab, so dass am Abend alle erschöpft, aber glücklich wieder in ihren eigenen Betten lagen. So ging wieder ein abenteuerliches Sommerlager zu Ende.

  • Alternative Mobilitätsformen denken

    Alternative Mobilitätsformen denken

    Die Bürgerlichen sagen es schon lange, nun ist es offiziell: Will die Stadt das Klimaziel Netto-Null erreichen, müssten die Fahrleistungen des motorisierten Individualverkehrs (MIV) bis 2040 auf dem ganzen Stadtgebiet um 15 Prozent abnehmen. So steht es in der entsprechenden Weisung des Stadtrates. Die Mobilität verursacht rund 23 Prozent des stadtweiten CO2-Ausstosses. Um diese Emissionen von heute 0,66 auf 0,16 Tonnen pro Person und Jahr zu senken, muss der Verkehr «gezielt reduziert, verlagert und rasch elektrifiziert werden», schreibt der Stadtrat. Erreicht werden soll dies durch eine Zunahme der Verkehrsleistung des öffentlichen Verkehrs um rund 40 Prozent, bei gleichzeitiger Elektrifizierung mit Erneuerbaren Energien. Auch der Velo- und Fussverkehrs soll massiv gesteigert werden, ein Wunsch, den auch die Stimmbevölkerung am letzten Urnengang vom 13. Juni eindeutig bestärkte. Daneben setzt der Stadtrat für das Erreichen des Zieles Netto-Null bis 2040 auf neue Mobilitätsangebote, die Fahrzeuge gemeinsam nutzen und Fahrten bündeln. So testet die Stadt seit vergangenem Herbst das «On Demand»-Angebot «Pikmi»: Zwischen Altstetten und Albisrieden können Kleinbusse jeden Abend von 20 bis 1 Uhr über ein Smartphone gebucht werden. Die Fahrtwünsche mit ähnlichen Reisezielen werden vom System automatisch gebündelt («pooling») und im gleichen Fahrzeug zusammengefasst. Das System berechnet laufend die beste Linienführung für einen effizienten Fahrzeugeinsatz, um mit möglichst wenig Fahrzeugen möglichst viele Personen an ihr Ziel zu bringen. Gemeinsam mit dem Tiefbauamt (TAZ) und der Dienstabteilung Verkehr (DAV) haben die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) mehrere Pilotversuche lanciert, darunter die Mobilitätsplattform «ZüriMobil». Ausserdem setzen sie auf neue Technologien wie künstliche Intelligenz oder automatisiertes Fahren, die dazu beitragen sollen, dass der Verkehrsfluss verbessert wird.
    Den grössten CO2-Ausstoss verursachen die Stadtzürcher*innen jedoch auch was die Mobilität betrifft ausserhalb der Stadtgrenzen. Diese indirekten Emissionen inklusive Flugverkehr machen 2,9 Tonnen CO2-eq pro Einwohner*in aus, also mehr als viermal so viel wie innerhalb der Stadt. Der Einfluss der Politik auf das Reiseverhalten der einzelnen Personen ist beschränkt. Mit der Sensibilisierungskampagne «Wir haben ein Klimaziel. Mehr Zürich – weniger CO2» möchte die Stadt die Menschen dazu animieren, im alltäglichen Leben ihren Beitrag für das gesetzte Klimaziel zu leisten. Zumindest die Stadtzürcher Bevölkerung, die das CO2-Gesetz mit 72 Prozent angenommen hat, sollte dafür bereit sein.
    Innerhalb ihres Handlungsspielraums als Arbeitgeberin hat die Stadt bereits erste Massnahmen getroffen. So schreibt das Personalreglement der Stadt Zürich vor, dass Flugreisen auf Kurz- und Mittelstrecken zu vermeiden sind. «Bis zu einer Reisezeit von sechs Stunden ist, wenn möglich, die Bahn zu benutzen. Für alle Flüge sind zudem die CO2-Emissionen mittels eines Klimatickets einer anerkannten Organisation zu kompensieren».

    Elektrifizierung 80er- und 69er-Bus bis 2025

    Bereits heute sind 80 Prozent der Trams und Trolleybusse in der Stadt Zürich elektrisch betrieben. Bis 2030 sollen gemäss Elektrobus-Strategie der VBZ 100 Prozent der Fahrzeugflotte mit erneuerbaren Energien fahren. Ein wesentlicher Bestandteil der VBZ-Strategie ist die Umstellung der Linien 69 und 80 auf Trolleybusbetrieb. Diese beiden frequenzstarken und topographisch anspruchsvollen Linien sollen auf Teilstrecken Fahrleitungsinfrastrukturen erhalten und zukünftig mit modernen Batterietrolleybussen betrieben werden. Während der Zürcher Regierungsrat seinen Kredit schon gesprochen hat, wird der Kantonsrat voraussichtlich 2022 über den kantonalen Staatsbeitrag für die Realisierung der beiden Vorhaben befinden. Der Bund hat im Herbst 2019 beschlossen, einen Anteil von 40 Prozent der Kosten zu übernehmen. Läuft alles nach Plan, könnten die Linie 69 Anfang 2024 und die Linie 80 Mitte 2025 auf Trolleybusbetrieb umgestellt werden. Mit den neuen Doppelgelenktrolleybussen können rund ein Drittel mehr Passagiere befördert werden. Voraussetzung dafür sind leistungsfähige Stromversorgungs- und Lade-Infrastrukturen, welche durch ein intelligentes Lade-Managementsystem und gegebenenfalls den Einsatz von Alt-Batterien als Pufferspeicher unterstützt werden.

    Energiegesetz kommt höchstwahrscheinlich vor das Volk

    Wie im Gebäudebereich, ist die Stadt auch im Verkehrsbereich in ihren Bemühungen stark von der Gesetzgebung auf bundes- und kantonaler Ebene abhängig. Am 13. Juni wurde allerdings das revidierte CO2-Gesetz abgelehnt. Ausserdem hat der Hauseigentümerverband 8000 Unterschriften für ein Referendum gegen das kantonale Energiegesetz eingereicht. Zwar läuft die Prüfung noch, es ist jedoch davon auszugehen, dass das Referendum zustande kommt. Dennoch bleibt auf städtischem Boden Handlungsspielraum, zum Beispiel durch verschiedene Strategien und insbesondere den kürzlich vom Gemeinderat angenommenen revidierten kommunalen Richtplan Verkehr. Doch auch hier gibt es Gegenwind: Die FDP hat ihre Parole für die voraussichtliche Abstimmung am 28. November bereits gefasst, sie sagt Nein zum Verkehrsrichtplan. Ähnliches dürfte von Seiten der SVP zu erwarten sein.

  • Klimaschutz auf dem Teller

    Klimaschutz auf dem Teller

    Es ist eine Binsenwahrheit: viele unserer momentanen Herausforderungen und Umweltprobleme liessen sich entscheidend verringern, wenn sich das individuelle Konsumverhalten ändern würde. Klimaschutz betrifft eben nicht nur die Energieversorgung, den Verkehr oder die Industrie, Emissionen entstehen vielmehr in grossem Ausmass auch in Zusammenhang mit all den ganz alltäglichen Kaufentscheidungen und Konsummustern.

    Konsum – was ist das?

    Was aber genau beinhaltet der Begriff Konsum? Grundsätzlich unterteilt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) den Konsum auf die verschiedenen Bereiche «Wohnen, private Mobilität, Ernährung, Konsumgüter und Dienstleistungen sowie öffentliche Dienste und Versicherungen». Das umschliesst also den individuellen Einkauf von Waren und Gütern ebenso wie die Wohnsituation und das Reise- und Freizeitverhalten.

    Wir verbrauchen weit mehr als eine Erde

    Wie gross die Menge der durch den Konsum verursachten Treibhausgasemissionen ist, ist nicht ganz einfach zu berechnen: Einerseits sind die individuellen Konsumentscheidungen schwieriger zu ermitteln als etwa der Stromverbrauch oder das Verkehrsaufkommen, andererseits kommt erschwerend hinzu, dass gerade bei den Konsumgütern ein Grossteil der Emissionen in die Kategorie «grauer Emissionen» fällt, also Emissionen von Gütern und Rohstoffen, die im Ausland produziert werden.
    Hochrechnungen des BAFU gehen jedoch davon aus, dass die Schweizer*innen pro Kopf und Jahr einen Treibhausgas-Ausstoss in der Grössenordnung von rund 13 Tonnen CO2- Äquivalenten verursachen (Zahlen aus dem Jahr 2018). Damit liegt die Schweiz mit ihrem «Treibhausgas-Fussabdruck» deutlich über dem Durchschnitt der EU mit rund 8.5 Tonnen pro Kopf und Jahr (vergleiche hierzu auch den Einführungsartikel zum Fokusthema vom 3. Juni).

    Was essen wir?

    Wie die Stadt Zürich in ihrem «Masterplan Umwelt» erklärt, ist es innerhalb des Problemfelds Konsum die Ernährung, welche am meisten Umweltschäden verursacht: «Mit unserer Ernährungsweise in der Stadt Zürich verursachen wir rund 30 Prozent aller Umweltbelastungen – durch den Verbrauch von grauer Energie, Treibhausgasemissionen, intensive Bodennutzung – und damit mehr als im Bereich Wohnen mit 17 Prozent oder der Mobilität mit 9 Prozent.» In Bezug auf die Treibhausgase, so die Informationen der Stadt weiter, liege der Anteil der durch die Ernährung verursachten Emissionen bei rund 20 Prozent. Diese entstehen in der Landwirtschaft beim Anbau von pflanzlichen Produkten, bei der Produktion von tierischen Lebensmitteln, durch den Einsatz von Maschinen und Düngemitteln, bei der Lagerung sowie beim Transport.

    Tierische Produkte

    Am meisten Emissionen verursacht dabei aber die Nutztierhaltung: laut Angaben von Agroscope ist die Nutztierhaltung in der Schweiz insgesamt für ungefähr 13 Prozent der gesamthaft ausgestossenen Treibhausgase verantwortlich; rund 80 Prozent der Lachgas- und 83 Prozent der Methanemissionen hierzulande stammen aus der Landwirtschaft. Klimapolitisch relevant sind dabei nicht nur die hohen Ausstösse an Emissionen, die durch die Nutztiere direkt verursacht werden, sondern auch das Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag bei der Fleischproduktion: um ein Kilo Fleisch zu produzieren sind laut dem Interessensverband «swissveg» je nach Getreidesorte sieben bis 16 Kg Getreide nötig. 80 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen weltweit werden für die Produktion von tierischen Erzeugnissen eingesetzt, rund ein Drittel der weltweiten Anbauflächen dient alleine der Futtermittelproduktion für die Tierzucht.
    Nach Meinung von Experten stellt somit die Reduktion der Tierbestände eine der wichtigsten Massnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft dar. In einer Studie von ewz zur 2000 Watt-Gesellschaft aus dem Jahr 2012 etwa kommen die Autor*innen zum Schluss, dass alleine durch eine deutliche Reduktion des Fleischkonsums bis zu 13 Prozent der Umweltbelastungen eingespart werden könnten. Davon ist die Schweiz momentan allerdings noch ziemlich weit entfernt:  Gemäss «swissveg» verzichten zurzeit lediglich drei Prozent der Schweizer Bevölkerung ganz auf tierische Produkte, elf Prozent ernähren sich vegetarisch. Seit 2010 ist der Fleischkonsum hierzulande zwar um sieben Prozent zurückgegangen, im Schnitt verspeisen die Schweizer*innen im Jahr aber immer noch gut 50 Kilogramm Fleisch pro Kopf.

    Politische Regulatorien

    Um den Individualkonsum klimafreundlicher zu gestalten und den eigenen Klimazielen, sei es auf Bundes-, Kantons- oder Stadtebene, gerecht zu werden, versucht daher auch die Politik, das Thema Ernährung aufzugreifen.  
    Auf internationaler Ebene haben sich etwa die Mitgliedsstaaten der UNO 2015 mit der Agenda 2030 dazu verpflichtet, 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung zu verfolgen, die bis 2030 erreicht werden sollen. Neben den hochgesteckten Zielen, Armut und Hunger weltweit zu beenden, ist einer der erklärten Inhalte der Agenda auch die Förderung von nachhaltiger Produktion und Konsum. Auch auf nationaler Ebene verfolgt die Schweiz die «Strategie zur nachhaltigen Entwicklung», welche am 23. Juni 2021 gemeinsam mit dem dazugehörigen «Aktionsplan 2021 bis 2023» vom Bundesrat verabschiedet wurde.  
    In der Stadt Zürich hat sich im November 2017 die Mehrheit der Zürcher Stimmbevölkerung für die «Förderung einer umweltschonenden Ernährung» ausgesprochen. Damit soll das Ziel der 2000 Watt-Gesellschaft um die Bemühungen um eine umweltschonende Ernährung ergänzt werden, basierend auf dem «Milan Urban Food Policy Pact», einem internationalen Abkommen von weltweit über 100 Städten. Zudem gehört das Thema «Ernährung» neben «Stadtklima» sowie «Siedlung und Mobilität» zu den drei Schwerpunkten der städtischen Umwelt- und Klimapolitik, wie es im «Masterplan Umwelt», dem Steuerungsinstrument des Stadtrats für die städtische Umweltpolitik, vorgegeben wird.

    Vorbild und Information

    Die Zürcher Politik in diesem Bereich zielt einerseits darauf hin, in städtischen Betrieben eine Vorbildfunktion in punkto Ernährung und Nachhaltigkeit einzunehmen. Die Produktion von Speisen und das Angebot öffentlicher Kantinen soll so möglichst ausgewogen, saisonal und umweltfreundlich gestaltet, das Fleischangebot reduziert werden. Die Stadt bemüht sich weiter darum, Lebensmittelverluste zu verringern und unterstützt die regionale Produktion und Verteilung, wobei sie mit externen Partner*innen kooperiert. Andererseits wird mittels Informationskampagnen versucht, die Bevölkerung aufzuklären und zu einem nachhaltigen Lebensstil zu animieren:  «Potenziale hat die Stadt bei ihren Ernährungsangeboten und der Verminderung von Lebensmittelabfällen in den städtischen Betrieben wie Schulen, Spitäler sowie Alters- und Pflegezentren. Mit gezielten Aktivitäten so z.B. Informationen und Kooperationen kann die Stadt sowohl Kundinnen und Kunden, Teile der Bevölkerung als auch nicht-städtische Betriebe zu einer umweltfreundlichen Ernährung ermuntern», so der Wortlaut des Masterplans. Auch in der schulischen Bildung steht Nachhaltigkeit auf dem Lehrplan: sie ist im Lehrplan 21 der Volksschule ebenso verankert wie in den Berufslehren, die im Zusammenhang mit der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln stehen.
    Mit dem Projekt «Zürich isst» wird darüber hinaus das städtische Ernährungssystem genauer analysiert und das Verbesserungspotenzial insbesondere in Bezug auf den Konsum regionaler Produkte aufgezeigt. Daraus sollen Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Die Projektphase dauerte von Ende 2019 bis Mitte 2021, die Ergebnisse werden in Bälde publiziert werden.

    Eigenverantwortung und Ethik

    Das konkrete politische Ziel der Stadt lautet unter anderem, in den städtischen Verpflegungsbetrieben die Umweltbelastung bis zum Jahr 2030 gegenüber 2020 um 30 Prozent zu senken, vermeidbare Lebensmittelverluste auf weniger als zehn Prozent der Produktionsmenge zu beschränken und den Anteil nachhaltiger Produkte auf mindestens 50 Prozent zu erhöhen. In Bezug auf das individuelle Konsumverhalten erweist es sich insgesamt jedoch als besonders herausfordernd, nachhaltiges Verhalten durch konkrete Gesetze, Verbote, Regulierungen und Massnahmen zu steuern. Schliesslich geht es bei diesem Thema doch viel stärker noch als in anderen Bereichen darum, die individuelle Verantwortung wahrzunehmen. Das führt zu ganz grundlegenden Fragen, die weniger politisch, als vielmehr ethisch beantwortet werden müssen: wieviel kann und muss jede*r einzelne dazu beitragen, dass die Emissionen nicht weiter steigen? Worauf lässt sich verzichten und inwiefern können Konsumgewohnheiten geändert werden?

  • Kunstausstellung Litauen – Schweiz mit Höngger Künstler

    Kunstausstellung Litauen – Schweiz mit Höngger Künstler

    Nein, erinnern kann sich heute niemand mehr daran. Im August 1921, vor 100 Jahren, anerkannte die Schweiz die damalige Republik Litauen, die sich 1918 konstituiert und für unabhängig erklärt hatte. Wie die meisten von uns wissen, erlebte das Land, das mit Lettland und Estland zu den Baltischen Staaten gehört, später lange Jahre die Besetzung durch Deutschland und die Sowjetunion. Erst nach der Perestroika, 1990, erklärte sich Litauen als erste der Sowjetrepubliken erneut für unabhängig.
    Aktuell kommt nun eine Galerie ins Spiel, die mit einem Event der Unabhängigkeit dieses Landes gedenkt. Sie heisst Gamta ir kultūra (Natur und Kultur) und ist eine junge Kunstgalerie in Laukagalis, Litauen, etwa 90 Kilometer von der Hauptstadt Vilnius entfernt. Die Galerie liegt idyllisch im wald- und seenreichen Regionalpark Labanoras und organisiert vom 1. August bis 12. September eine Kunstausstellung aus Anlass des 100-Jahre-Jubiläums der diplomatischen Anerkennung.
    Tatsächlich hat Gamta ir kultūra, diese im Nordosten Litauens gelegene Kunstgalerie, zum Teil Schweizer Wurzeln. Lukas Handschin, ehemals Pressemann bei Grün Stadt Zürich, hat sie mit seiner aus Litauen stammenden Frau Vilija aufgebaut. Nach seiner Pensionierung nutzte Handschin, der einst in Basel eine Galerie geführt hatte und leidenschaftlicher künstlerischer Fotograf ist, sein Netzwerk mit Kunstschaffenden, um mit ihnen diese Kunstschau möglich zu machen. Je 14 Kunstschaffende aus Litauen und der Schweiz sind beteiligt.

    Wie eine Begegnung in Höngg bis nach Litauen ausstrahlt
    Handschin förderte immer wieder Künstlerinnen und Künstler. Auch war er oft in der Redaktion des «Hönggers» zu Gast, wenn eine Vernissage stattfand. Und exakt dort traf Kunstmaler Heiner Fierz anlässlich seiner eigenen Ausstellung 2018 wieder auf ihn, mit dem er eine frühere gemeinsame Vergangenheit bei Tamedia hat. Für sein Projekt nahm Handschin also schon vor etlichen Jahren Anlauf. Doch für Fierz bedeutete die Begegnung den Startpunkt fürs Abenteuer Litauen: Er wurde Teil der künstlerischen Gruppe. Fierz war und ist in den letzten zwei Jahren in Litauen präsent und fängt landspezifische Eindrücke malerisch ein. Den dort entstandenen Bildern stellt er Werke aus der Schweiz entgegen. So konzipiert er seinen persönlichen Auftritt an der Gruppenausstellung in Laukagalis. Dies ist sein Beitrag zur Feier, an der die ganze Gruppe eine symbolische Brücke zwischen der Schweiz und Litauen baut.
    Die Vernissage findet am 1. August in Laukagalis statt. Auch der Künstler Heiner Fierz wird anwesend sein. Passend zum 100-Jahre-Jubiläum wird von den Künstlerinnen und Künstlern je ein besonderes Werk zum symbolischen Preis von 100 Euro angeboten. Sollte jemand noch unschlüssig sein, wohin seine Ferienreise gehen soll, nicht zögern, es könnte ein unvergessliches Erlebnis werden. 

    Kunstgalerie Gamta ir kultūra (Natur und Kultur) 1. August bis 12. September. Ausstellende Kunstschaffende aus der Schweiz: Christa Baumgartner, Kurt Bratschi, Marlys Bratschi, Zsofia Daniel, Andrea Eberhard, René Fehr-Biscioni, Heiner Fierz, Bruno Gasser, Mireille Gros, Dominik His, Myriam Kachour, Désirée Kägi Pedrina, Lucia Munuera, Stephan Spicher.

    www.gamtairkultura.com (in Englisch);
    www.facebook.com/gamtairkultura

  • «Einfach ruhig bleiben»

    «Einfach ruhig bleiben»

    «Es hat sich schon sehr viel verändert», erzählen Antonia* und Lara* beim Mittagessen im Esszimmer ihrer Wohngruppe. Die beiden 13 und 14 Jahre alten Mädchen, die teilweise im Wohn- und Tageszentrum Heizenholz in Höngg wohnen, mussten in der Zeit seit dem Lockdown im Frühling 2020 auf vieles verzichten. So seien etwa Ferien mit der Familie und das Lager mit der Wohngruppe abgesagt worden und es habe weniger Ausflüge gegeben. Auch viele Feiern, zum Beispiel Abschiede, seien nicht so wie sonst gewesen.
    Dass die pandemiebedingten Massnahmen Kinder und Jugendliche besonders hart trifft, darüber scheint in Fachkreisen und Medien Einigkeit zu bestehen. Ihr Entwicklungsraum hat sich seit Beginn der Pandemie eingeschränkt oder mindestens verändert. Einige Kinder und Jugendliche, wie Lara und Antonia, verbringen einen Teil ihres Alltags in einem Kinder- und Jugendheim, da sie mindestens zeitweise nicht oder nur teilweise bei ihrer Familie leben können.
    Von einem veränderten Alltag berichtet auch Martina*, die in einer Wohngruppe Jugendliche begleitet. Der Umgang mit Hygiene sei viel bewusster geworden, berichtet sie. Die Hände würden öfter sowie genauer gewaschen und desinfiziert, zusätzliche Massnahmen seien das Maskentragen und das Abstandhalten. In den Gruppen könnten nicht mehr alle gemeinsam an einem Tisch essen und das sonst regelmässig stattfindende Gruppen-Weihnachtswochenende sei abgesagt worden. «Die Jugendlichen haben einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass Corona wirklich gefährlich ist und solche Massnahmen nötig sind», sei die Wohngruppe doch auch eine Art zweites Zuhause für sie. Als Mitarbeiter*in gelte es, den sozialpädagogischen Auftrag weiter zu erfüllen und zugleich die eigene Gesundheit sowie jene anderer zu schützen.

    Chance für neue Ideen

    Zu den nötigen Massnahmen gehörten auch Besuchsverbote und Quarantäneregeln, die die zwischenmenschliche Nähe zusätzlich erschweren. «Wir haben viel weniger mit Freunden abmachen können», erzählen Antonia und Lara. Einmal seien sie als Gruppe in Quarantäne gewesen und konnten dann nicht nach Hause zu ihren Familien, das sei sehr schwierig für sie gewesen. Wenn es vorkam, dass eine ganze Gruppe in Quarantäne musste, ging das auch mit einem Gefühl der Isolation einher, sagt Martina. Begegnungen hätten, wenn überhaupt, weniger und mit grösserer Distanz stattgefunden. Das Miteinander aller Menschen im Wohn- und Tageszentrum Heizenholz habe sich verändert.
    Und doch, trotz der Herausforderungen, wirken Antonia und Lara sehr aufgestellt. Sie haben gelernt, was ihnen in der schwierigen Zeit hilft: «Einfach ruhig bleiben, mit Freunden und der Familie reden, rausgehen, spazieren und essen». Und sie sehen auch Positives: Antonia erzählt, sie habe sich viel mehr auf die Schule konzentrieren und so mehr lernen können. Die Situation habe aber die Suche nach alternativen und neuen Ideen ermöglicht, den Blick geöffnet, findet auch Martina. Geholfen habe dabei die klare Kommunikation des Betriebes rund um die Massnahmen zur Pandemie.
    * Namen geändert