Autor: tka_admin

  • Tempo 30 auf der Rosengartenstrasse: Stadt gegen Kanton

    Tempo 30 auf der Rosengartenstrasse: Stadt gegen Kanton

    Die Kantonspolizei Zürich wird die Höchstgeschwindigkeit für den Verkehr auf der Rosengarten- und Bucheggstrasse nicht herabsetzen. Das teilte die Kantonspolizei heute in einer Medienmitteilung mit. Sie stellt sich damit gegen die Stadt Zürich: Diese beabsichtigt, die heute 50 Kilometer pro Stunde auf 30 Kilometer pro Stunde herabzusetzen.

    Solche Verkehrsanordnungen bedürfen aber einer Zustimmung der Kantonspolizei, weil die Verkehrsanordnungen den Verkehr auf den Durchgangsstrassen ausserhalb des Stadtgebiets beeinflussen können.

    Die Kantonspolizei habe die geplanten Verkehrsanordnungen und die eingereichten Unterlagen sowie die andern Projekte im Zusammenhang mit der betroffenen Achse sorgfältig geprüft, wie sie schreibt. Dabei sei sie zum Schluss gekommen, dass es nicht möglich sei, eine Bewilligung zu erteilen.

    Gegen eine Zustimmung sprechen insbesondere «die mangelhaften Ausführungen, die widersprüchlichen Angaben und die fehlende Koordination mit anderen Lärmsanierungsmassnahmen und Projekten im betreffenden Strassenabschnitt».

    Zudem wurden laut der Kantonspolizei die Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der betroffenen Strassen und auf den öffentlichen Verkehr nur mangelhaft beurteilt. Und weiter: Auch die Verhältnismässigkeit der beabsichtigten Massnahme sei mangelhaft dargelegt worden.

    Stadt Zürich legt Rekurs ein

    Die Stadt Zürich reagierte umgehend: Sie werde gegen diese Verfügung Rekurs einlegen, wie der entsprechenden Medienmitteilung zu entnehmen ist. Die Rosengarten- und Bucheggstrasse führe mitten durch das dicht besiedelte Wohngebiet von Wipkingen und schneide das Quartier in zwei Teile. Die Lärmbelastung sei ausserordentlich hoch, die vom Bundesrecht festgelegten Grenzwerte seien selbst in der dritten Häuserreihe noch überschritten.

    Die Stadt Zürich betont, dass entlang der Achse rund 3000 Personen über dem Lärm-Immissionsgrenzwert, 1000 Menschen sogar über dem Alarmwert leben. Kanton und Stadt seien daher verpflichtet, Sanierungen vorzunehmen, wo die Immissionsgrenzwerte gemäss eidgenössischer Lärmschutzverordnung überschritten werden. Dabei haben Massnahmen an der Quelle Priorität, also bei der Entstehung des Lärms auf der Strasse.  

    Quelle: Medienmitteilungen Stadt Zürich und Kantonspolizei Zürich

  • Edelkastanien aus Höngg

    Edelkastanien aus Höngg

    Im Waldlabor Zürich auf dem Hönggerberg wird die Waldbewirtschaftung in verschiedensten Facetten gezeigt. Dort ist derzeit der erste Edelkastanienhain in der Stadt Zürich im Entstehen.

    Gemeinsam mit dem Staatswald des Kantons Zürich und dem Waldalbor Zürich hat der Verein Sirkku – Stadtfruchtbäume im Frühjahr 30 Jungbäume unterschiedlicher Kastaniensorten gepflanzt (die «Höngger Zeitung» berichtete).

    Alle Bäume sind gut angewachsen und haben die erste Vegetationsperiode überstanden. Zur Einweihung findet am Samstag, 7. Oktober, ein Eröffnungsanlass statt.

    Bei der Begehung der Fläche geben die verschiedenen involvierten Akteur*innen Inputs über das Waldlabor, das Projekt Stadtzürcher Maroni, den Wald im Klimawandel oder zur Bewirtschaftung des Kastanienhains. (e)

    Einweihung Kastanienhain

    Samstag, 7. Oktober, von 14 bis 16 Uhr
    Mit Begrüssung, Begehung und Apéro.
    Waldlabor Zürich, Hönggerberg, Sonderistrasse, direkt beim Kastanienhain  
    Anmeldung bis 5. Oktober unter www.waldlabor.ch

  • Ethische und nachhaltige Mode aus Wipkingen

    Ethische und nachhaltige Mode aus Wipkingen

    Sanaz Wasser, geboren im Iran, ist mit Stoffen und Geweben aller Art aufgewachsen. Mehrere ihrer Familienmitglieder waren in der Textil- und Teppichherstellung tätig, für die der Iran bekannt ist. «Das Pflegen der Materialien und die Langlebigkeit stand dabei im Fokus», sagt Wasser. Auch, dass man seine hochwertige Kleidung selbst nähe und Kleidungsstücke über Jahre trägt, sei etwas, mit dem sie gross geworden sei.

    Diese Mentalität spiegelt sich heute in ihrem Label «sanikai» wider. «Das Label habe ich vor elf Jahren als Abschlussprojekt für mein Studium in Fashion-Design gewählt», erzählt sie. Der Titel ist eine Kombination aus Sanaz und dem Vornamen ihres damaligen Partners und jetzigen Ehemannes Kai, der sie bei der Gründung des Unternehmens im Jahr 2015 stark unterstützt hat.

    Seither setzt Wasser ganz auf ethische und vegane Mode aus der Schweiz, die Stil und Qualität repräsentieren soll. Sie benutzt natürliche biologische und recycelte Materialien, etwa organische Baumwolle, Leinen und Hanf, recycelter Kaschmir, aber auch PET-Materialien.

    Und es sind nicht nur die Stoffe: Auch bei den Knöpfen und Zutaten legt Wasser Wert darauf, dass diese beispielsweise aus Kokosnussschalen oder Holz sind. Die Fäden werden aus recycelten Materialien hergestellt oder sind aus Bio-Baumwolle. Selbst die Farbstoffe sind vegan und wassersparend, wie Wasser erklärt.

    Die Auswahl an Kleidungsstücken ist vielfältig: Da sind der Anzug-Blazer aus Bio-Cord, das schwarze Kleid aus veganer Seide oder die Hose aus Bio-Baumwolle. Alle Kleider werden mit viel Herzblut von Hand in Zürich genäht, sind einzigartig und passen kompromisslos.

    Mode on demand

    «Dass man Kleidung aus recycelten Materialien produziert, war damals kurz nach Start des Brands sehr neu in der Schweiz», sagt Wasser im Rückblick auf ihre Gründungsstunde. Heute habe sich dafür ein viel grösseres Bewusstsein entwickelt. «Die Menschen haben das Bedürfnis nach Individualität und Einzigartigkeit», weiss die Modeschöpferin. Genau das biete Sanikai, so Wasser.

    Anstatt Massenware zu produzieren, würden die Kleidungsstücke einzeln und mehrheitlich auch nach Mass angefertigt, sprich: Mode on demand. «Ich nehme mir für jede einzelne Person sehr viel Zeit», sagt sie. Dies sei ihre Art, um ihrer Kundschaft Wertschätzung entgegenzubringen. Wer beispielsweise ein Kleid anfertigen lassen möchte, könne bei ihr im Showroom einen Termin vereinbaren.

    Dabei ist ihr Label nicht die einzige Aufgabe, die sie innehat: Die Mutter zweier fünfjähriger Zwillingsmädchen arbeitet neben der selbstständigen Tätigkeit auch als Head of Marketing and Communications bei einem High-End Seconhand-Laden in Zürich, doziert an der Schweizerischen Textilfachschule und ist Vorstandsmitglied bei Fashionrevolution Switzerland.

    So kann Wasser ihre berufliche Tätigkeit ganz der Leidenschaft für Mode widmen und gleichzeitig ihr Bestreben nach Nachhaltigkeit verfolgen.

    sanikai

    Design-Studio & Showroom auf Termin:
    Kornhausstrasse 43, 8037 Zürich
    www.sanikai.com

  • Erste Hilfe im Betrieb: Sicherheit und Ausbildung

    Erste Hilfe im Betrieb: Sicherheit und Ausbildung

    Ratgeber des Samaritervereins Höngg

    Das Arbeitsgesetz verpflichtet Arbeitgeber*innen zur Gewährleistung der Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeitenden, einschliesslich der Erste-Hilfe-Schulung. Das bedeutet, dass in jedem Betrieb ausreichend qualifiziertes Personal vorhanden sein muss, um im Notfall adäquate Hilfe zu leisten.

    Das SECO hat die folgenden zehn häufigsten medizinischen Notfälle in seiner gesetzlichen Verordnung aufgeführt:

    Herz-/Kreislaufstillstand: Wiederbelebung und Defibrillator nutzen.

    Herzinfarkt: Rettungsdienst rufen, Patient*in und Symptome überwachen.

    Schlaganfall: Rettungsdienst alarmieren, Patient*in beruhigen und flach lagern.

    Verletzung der Wirbelsäule: Patient*in nicht bewegen und Kopf/Nacken stabilisieren.

    Starke innere/äussere Blutung: Blutung stoppen (Druckverband).

    Krampfanfall: Patient*in vorsichtig ablegen und Umgebung sichern.

    Verlegung der Atemwege/Atemnot: Rettungsdienst rufen und wenn möglich Fremdkörper entfernen.

    Gravierende Kreislauf-/Bewusstseinsstörung: Rettungsdienst alarmieren und Bewusstlose in die stabile Seitenlage bringen.

    Schwerwiegende Verletzung der Haut/Schleimhäute: Verbrennung kühlen, Verätzung spülen. Keine Salben oder Cremes auftragen.

    Psychische Notfallsituation: Ruhe bewahren, Patient*in beruhigen. Bei Bedarf professionelle Hilfe hinzuziehen.

    Regelmässige Schulungen gewährleisten, dass Ersthelfende Unfälle möglichst verhindern und im Notfall Leben retten.

    Eingesandt vom Samariterverein Zürich-Höngg

  • Die Bilderstürmer von Wipkingen

    Die Bilderstürmer von Wipkingen

    Die Geschichte des mittelalterlichen Weilers Wibichinga ist eng verknüpft mit dem Fraumünster. Die geschriebene Geschichte des Weilers beginnt im Jahr 881, als der deutsche Kaiser Karl der Dicke seinem Getreuen Wolfgrim den Weiler Wibichinga als Fraumünsterlehen zur Nutzniessung schenkte. Der Weiler selbst ist viel älter; bereits zur Römerzeit lebten hier Menschen. Bei der heutigen Lehenstrasse stand einst ein stolzer römischer Gutshof (siehe «Wipkinger Zeitung» Juni/2021).

    Der Name Wibichinga geht auf alemannische Siedler zurück, die im 3. Jahrhundert einwanderten. Siedler mit einem Anführer namens Wipko, Wibeko oder ähnlich, liessen sich hier nieder und gaben dem Dorf seinen Namen.

    Das Fraumünster wurde im Jahr 853 von Ludwig dem Deutschen, einem Enkel Karls des Grossen, gegründet und mit Schenkungen versehen. Der Getreue Wolfgrim, der Wibichinga als Lehen zur Nutzniessung erhielt, sollte es bei seinem Ableben wieder der Äbtissin im Fraumünster zurückgeben.

    Die Nachbarsgemeinde Höngg hatte seit Jahrhunderten eine eigene Kirche, aber diese gehörte nicht zum Grossmünster und Höngg war kein Lehen des Fraumünsters. Deshalb gingen die Wipkinger im frühen Mittelalter nicht in die Höngger Kirche zum Gottesdienst. In einer Urkunde aus dem Jahr 1270 ist erstmals ein Kirchlein in Wibichinga erwähnt.

    In der Urkunde wird die kleine Kapelle zu Wibichinga zusammen mit jenen in Albisrieden, Oerlikon, Schwamendingen und Zollikon genannt. Die Mutterkirche war das Grossmünster, da Wibichinga zum Pfarrsprengel des Grossmünsters gehörte. Einen Friedhof gab es nicht, die Toten wurden in der Stadt Zürich auf dem Totenacker neben dem Grossmünster bestattet. Zur Kirche gehörte ein «Widumgut», also ein Pfrundgut, das jährlich «vier Mütt Kernen Zins» abwarf, mit denen der Leutpriester bezahlt werden sollte.

    Wohlstand dank dem Fraumünster

    Aus dem 14. und 15. Jahrhundert existiert eine Vielzahl von Urkunden, die in Wipkingen Handel mit Weingärten und ganzen Höfen bezeugen. Unter der Obhut der Fraumünsterabtei herrschte im Dorf ein Unternehmergeist, der reiche Bürger anzog und Landleute zu Gutsbesitzern werden liess. Wipkingen entwickelte sich vom armen Bauerndorf zur reichen Vorortsgemeinde Zürichs.

    Die Äbtissinnen förderten Arbeit und Fleiss. Die kirchliche Seelsorge, stets vom Grossmünster besorgt, legte den geistigen Nährboden für den Wohlstand, der sich mit der Zeit ausbreitete. Im Zentrum des Dorfes lag die schlichte, kleine Kirche, von den Menschen geliebt und gepflegt. Sie taten sich zusammen und kauften eine Glocke für ihre Kirche.

    Im Jahr 1500 ertönte die Marienglocke im Dorf und rief weit ins Land hinaus. Ein lateinischer Spruch zierte das Marienglöcklein: «Ave.Maria.gracia.dominus.tecum.MCCCCC.» Unter Schirm und Schutz des Fraumünsters entwickelte sich der Weiler Wibichinga gedeihlich. Die Äbtissinnen sorgten sich um die Menschen in den Weilern, und unter benediktinischer Obhut blühten die Obstgärten, wurden Felder und Weiden gepflegt, Tiere gezüchtet und Wälder genutzt.

    Nie in der elfhundertjährigen Geschichte des Fraumünsters wurden die Höfe geplündert oder die Leibeigenen versklavt. Zinsen und Zehnten waren zwar hoch, aber immer zahlbar für die Leibeigenen, ohne dass sie wegen der Zinslast verarmten. Das Fraumünster selbst bot immer Schutz für die kleine Gemeinde und die Äbtissinnen missbrauchten ihre Macht nie.

    Die Reformation

    In den 1520er-Jahren nahmen die Wirrnisse ihren Lauf, die wir heute als Reformation bezeichnen. Die Reformation im Jahr 1524 trennte Kirche und Staat. Die göttlichen Gesetze und die weltlichen Gesetze galten nun als Zweierlei. Gesang und Orgel verschwanden, man entfernte alle Bilder in der Kirche und übertünchte die Wandmalereien. Dies galt im Grossmünster und bald auch in allen Kirchen der nahen Umgebung. Die Leutpriester verkündeten dies den Kirchgängern.

    Inmitten der Umwälzungen blühte Wipkingen, trotz der Unbill jener Zeit. So beurkundete die Äbtissin vom Fraumünster im Jahr 1522 den Verkauf eines Hofes an Hans Lavater, Bürger von Zürich für 547 Pfund und 9 Schillinge. Das Herrschaftsgut umfasste Hof, Schürtrotte und Reben am Käferberg, Weide mit Scheune sowie Holz und Holzrechte im Wald. Die Urkunde beweist, dass es damals prächtige Wipkinger Gehöfte gab, für welche reiche Bürger ganze Vermögen bezahlten. Auffallend häufig waren es Frauen, die mit Lehen oder Rebgütern handelten. Die Gemeinde zeigte sich erstarkt und selbstbewusst.

    Der Wipkinger Bildersturm

    Die Zürcher Chorherren wählten 1518 Ulrich Zwingli zum Leutpriester. Die Leutpriester besuchten die umliegenden Dörfer und predigten in den Kirchen. Auf seinen Wanderungen durch die Zürcher Landschaft kam Zwingli auch nach Wipkingen, wo er die Messe las und Kranke besuchte.

    Er zog die Kirchgänger in den Bann: Sehr wohl hörten sie seine Zweifel an der rechten Umsetzung der Lehre Jesu Christi durch die hohen Herren im Grossmünster. Zwingli sprach zu den Leuten, er wählte einen Psalm oder ein Gleichnis aus der Bibel und predigte in Mundart, damit die Kirchgänger darüber nachdenken sollten.

    In Höngg stahlen Unbekannte die Bilder aus der Kirche, und in der Kirche Stadelhofen sei ein Kruzifix am heiterhellen Tag umgeworfen worden, erzählte man im Dorf. Der Kirchenstreit wurde immer schärfer und handgreiflicher geführt. Im September 1523 taten sich drei Wipkinger, Grosshans Ruotsch, Thomann Scherer und Lienhart Baumgartner, zusammen, schlichen nächtens in das Kirchlein, rissen die Heiligenbilder von der Wand und warfen sie in den Fluss. Sie wollten die «Götzen zu Wipkingen aus dem Kilchli tuen».

    Am nächsten Morgen war der Schrecken im Dorf gross. Viele waren mit der Tat wohl einverstanden, auch wenn niemand dies zu sagen wagte. Büttel verhafteten die Frevler und sie kamen vor den Rat der Stadt. Die Kirchgenossen im Dorf stellten sich mutig auf ihre Seite.

    Eine eigens einberufene Gemeindeversammlung schützte die drei Bilderstürmer und man beauftragte einen Untervogt und einen zweiten Bürger, beim Rat in Zürich vorstellig zu werden. Im Namen der Kirchgemeinde bat der gesandte Wipkinger Untervogt um Verzeihung, mit der Begründung: «hätte vorher eine Gemeindeversammlung stattgefunden, so hätte man vielleicht beschlossen, die Bilder in ordentlicher Weise hinauszutun; denn man hätte es nicht ungern vollzogen, sofern es M. Herren vom Rat nicht widrig sein möchte», zitiert die Escher-Chronik die Fürbitte des Untervogts.

    Der Rat in Zürich erhörte die Fürbitte, zumal Ruotsch, Scherer und Baumgartner «weder ärgerliche Reden noch Schwüre geführt, ihr Unternehmen niemand zu Trotz oder Verachtung ausgeführt, sondern seien der besten Meinung gewesen, recht zu handeln». Sie schworen auch beim Verhör, dass sie die Bilder nicht zerschlagen hatten. Die Wipkinger Kirche war leer und die Reformation vollstreckt, gut ein halbes Jahr vor dem Bildersturm im Grossmünster.

    Das Kirchlein wird geschlossen

    Die letzte Fraumünster-Äbtissin, Katharina von Zimmern, hob im Zuge der Reformation 1524 den Konvent auf und übergab alle Rechte und Besitzungen dem Rat von Zürich. Dieser verfügte im selben Jahr, dass das kleine Kirchlein in Wipkingen geschlossen werden sollte. Es diente lediglich der Messe, und die Leutpriester konnten weder Predigt noch das neu eingeführte Abendmahl abhalten.

    Erst 1601, bei Anbeginn des neuen Jahrhunderts, wagten es die Wipkinger Gläubigen, mit untertänigster Bitte an die gnädigen Herren des Rats zu gelangen. Es möge der Gemeinde erlaubt werden, die alte Kapelle als neue Kirche herzustellen. Weiter möge die Obrigkeit einen Gemeindegottesdienst einrichten und einen Pfarrer bestellen. Der Rat bewilligte diesen Wunsch und die Chorherren im Grossmünster gaben ihren Segen für den Umbau.

    Im Zuge der Reformation erhielt der Pfarrsprengel auch die Erlaubnis für einen eigenen Friedhof. Bis 1541 bestatteten die Wipkinger ihre Verstorbenen in der Stadt Zürich auf dem Totenacker neben dem Grossmünster. Danach beerdigten sie die Verstorbenen beim «Spitalergarten», einem Platz neben der Predigerkirche. In Wipkingen lag der neue, eigene Friedhof von 1601 hinter dem Kirchlein, der dem Dorf abgewandten Seite. Er war mit einem Mäuerchen umfriedet. Der erste Wipkinger Pfarrer der Neuzeit, Hans Rudolf Leemann, hielt die Abdankungen und leitete die Begräbnisse.

    Superreiche in Wipkingen

    Einige Zeit nach der Reformation erlebten die Zürcher Vorortsgemeinden einen wirtschaftlichen Aufschwung. Wipkingen wurde begehrtes Ziel wohlhabender Bürger, die der Enge und dem Gestank der mittelalterlichen Stadt entfliehen wollten. Ab den 1580er-Jahren zogen vermehrt Auswärtige nach Wipkingen, was sich mit den Einzugsbriefen belegen lässt.

    Im Einzugsbrief stand, wie viel ein Bürger für die Niederlassung in Wipkingen zahlen musste. Damit verbunden war die Haushofgerechtigkeit, also Erlaubnis, einen Haushalt zu führen, die Dorfgerechtigkeit, also Stimmrecht, und das Recht auf «Holtz und Veld, Wunn und Weid», Weiderecht und Ernterecht. Der Einzugsbrief galt auch als Beitritt zur Korporation mit Nutzungsrechten an Allmend, Wasser und Wald.

    1590 betrug der Preis für den Einzugsbrief neun Gulden, was sehr teuer war: ein Pferd kostete drei Gulden. Die Stadt erhöhte den Preis für den Einzugsbrief bald auf 12 Gulden, für Auswärtige zusätzlich 24 Gulden. Bereits 1610 stieg der Preis auf 30 Gulden und für jene, die von ausserhalb der Eidgenossenschaft zuzogen auf 60 Gulden und nochmals 60 Gulden Schirmgeld. Dies zeigt, dass Wipkingen damals blühte. Hier liessen sich die Superreichen nieder.

    1634 fand in Wipkingen die erste Volkszählung statt. Pfarrer Hans Caspar Waser besuchte jedes Haus im Dorf und erfasste Vater, Mutter und ihre Kinder mit Namen und Alter. Die Zählung ergab 230 Seelen in der Gemeinde. Um diese Zeit tauchten auch neue Namen auf; nebst den Rütschis, Syfrigs, Okenfies oder Dietschis findet man in Urkunden Namen neuer Geschlechter, zum Beispiel den Besitzer der Weid, den Junker Blarer.

    Die ältesten Landsitze, die namentlich bekannt sind, entstanden in dieser Zeit, so der «Grenzstein» oder das «Sydefädeli». Wipkingen war ein Jahrhundert nach der Reformation eine stolze, reiche, freie Gemeinde.

    Quellen

    Conrad Escher, Rudolf Wachter: Chronik der Gemeinde Wipkingen, Orell Füssli, 1917.
    Archiv Jakob Frei (Stadtarchiv Zürich).
    Handschrift: Johann Jakob Wick: Sammlung von Nachrichten zur Zeitgeschichte aus den Jahren 1560 bis 1587.

  • Digitale Unterstützung: gewusst wie

    Digitale Unterstützung: gewusst wie

    Ein Gastbeitrag von Gina Hinding, Geschäftsführerin Genossenschaft Zeitgut

    Seit Mitte Juni können Menschen, die auf eine digitale Unterstützung angewiesen sind, jeden ersten und dritten Samstag zwischen 10 und 11 Uhr im Höngger Infozentrum am Meierhofplatz vorbeikommen. Sie erhalten dort Antworten auf ihre Fragen, etwa zur Bedienung von mobilen Geräten. Ein Anmeldung ist nicht nötig, alle können einfach zu diesen Zeiten vorbeikommen.

    Möglich ist dieses Angebot von Zeitgut dank der Bereitschaft von freiwilligen Frauen und Männern, die gerne ihr Wissen teilen und Unterstützung bieten. Bereits nehmen regelmässig Menschen mit Fragen das Angebot in Anspruch und oft entsteht daraus ein dauerhaftes Unterstützungs-Tandem zwischen einem Freiwilligen und einer Person, die Hilfe benötigt.

    Das gibt zusätzliche Sicherheit und die Gewissheit, dass jemand da ist, an die oder den man sich wenden kann, gerade wenn Fragen auftauchen. So führt die digitale Welt zu zusätzlichen Kontakten im Quartier und leistet einen Beitrag zur Stärkung der Gemeinschaft.

    Ein Mobiltelefon zum Geburtstag

    Zwei konkrete Beispiele zeigen, wie hilfreich dieses Angebot ist. Ein 79-Jähriger erhielt von seiner Frau ein neues Mobiltelefon zum Geburtstag. Er freute sich darüber, bis er feststellte, dass er nicht einmal wusste, wie er damit telefonieren soll. Er ging damit in die Beratung von Zeitgut und schreibt mittlerweile sogar Textnachrichten. Beim nächsten Mal möchte er noch wissen, wie er ins Internet gelangt.

    Weiter besuchte eine Dame das Infozentrum, weil ihre E-Mails nicht mehr in der gewohnten Reihenfolge angezeigt wurden. Unabsichtlich hatte sie die Einstellungen geändert, doch unser IT-Experte konnte diese rasch und effizient wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen. Selbst für nur einen Klick im Programm können die Menschen vorbeikommen.

    Das Zeitgut-Team freut sich über alle, die vorbeikommen, egal ob mit kleinen oder grösseren Fragen. Die engagierten Freiwilligen beantworten diese gerne und bieten Unterstützung.

    Digitale Unterstützung

    Jeden ersten und letzten Samstag des Monats
    Von 10 bis 11 Uhr
    Meierhofplatz 2, Infozentrum, 8049 Zürich

  • Mit neuem Podcast durch Höngg spazieren

    Mit neuem Podcast durch Höngg spazieren

    Welche Potenziale hegt eine naturnahe Stadtgestaltung und wie kann diese umgesetzt werden? Was können einzelne Menschen bewirken? Wie stellen sich grosse Institutionen den aktuellen Herausforderungen? Solche Fragen sind in Zeiten von Klima- und Biodiversitätskrisen höchst aktuell.

    Konkret wollten wir herausfinden, wo Höngg Vorzeigebeispiele bietet und wo es im Quartier auch Verbesserungspotenzial gibt. So ist die dritte Folge des «Höngger Podcast» entstanden: Drei verschiedene Interviews bieten tiefgehende Auseinandersetzungen anhand von Projekten in Höngg.

    Ein grosses Dankeschön für die anregenden Gespräche geht an Benjamin Kämpfen, Präsident vom Natur- und Vogelschutzverein Höngg, an Fritz Graber, Green Space Management ETH Zürich Hönggerberg, Florine Geiser, Fachspezialistin nachhaltiges Bauen und Kreislaufwirtschaft ETH Zürich Hönggerberg, sowie an Markus Schaub, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer vom Verein «Bee’n’Bee». Sie alle setzen sich für die Natur im Quartier ein und beleuchten in dieser Podcast Folge Themen wie Entsiegelung, Stadtklima, Biodiversität und Partizipation.

    Also los, kommt mit auf unseren Spaziergang! Ab sofort ist die neue Folge auf Spotify und weiteren gängigen Podcast-Plattformen zu hören – oder natürlich gleich hier auf der Höngger Website:

    Wenn euch der Podcast gefällt, freuen wir uns über eine gute Bewertung. Feedback und Ideen nehmen wir gerne unter mitmachen@hoengger.ch entgegen.

    Höngg zum Hören

    Jina Vracko, Mitarbeiterin der «Höngger Zeitung», ist Urheberin und Produzentin der neuen Podcast-Folge.

    Jetzt alle Folgen hören: www.hoengger.ch/hoengger-podcast

    Der «Höngger Podcast» ist auch auf folgenden Plattformen zu hören:
    Spotify / Youtube / Amazon / Apple Podcasts

     

  • Die ETH wächst weiter

    Die ETH wächst weiter

    Insgesamt starteten rund 25’000 Studierende und Doktorierende am vergangenen Montag in das Herbstsemester an der ETH Zürich, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. Rund 3250 Bachelorstudierende nehmen gemäss derzeitigem Anmeldungsstand ihr Studium auf. Laut der Medienmitteilung der ETH Zürich stieg damit die Anzahl Neueintritte auf Bachelorstufe im Vergleich zum Vorjahr wieder an (2022: rund 3100).

    «Wir freuen uns, die kommende Generation von Wissenschaftler*innen, Ingenieur*innen, Architekt*innen und sonstigen Fachkräften an unserer Hochschule begrüssen zu dürfen und wünschen allen einen erfolgreichen Start», so ETH-Rektor Günther Dissertori in der Medienmitteilung.

    Die beliebtesten Studiengänge

    Unter den Studienanfänger*innen besonders beliebt seien die Studiengänge Maschineningenieurwissenschaften, Informatik und Architektur – wie bereits in den vergangenen Jahren. Und auch die Bachelorstudiengänge Physik, Mathematik sowie Gesundheitswissenschaften und Technologie stossen auf reges Interesse.

    Unter den Masterstudiengängen belegten die Studiengänge Maschineningenieurwissenschaften, Architektur und Umweltnaturwissenschaften vordere Plätze auf der Beliebtheitsskala der Studierenden.

    International vernetzte Hochschule

    Der Frauenanteil unter den neueintretenden Studierenden beträgt rund 33 Prozent. 81 Prozent der neuen Bachelorstudierenden kommen aus der Schweiz; 19 Prozent haben ihre vorherige Ausbildung im Ausland abgeschlossen. Bei den Masterstudierenden machen die Bildungsausländer*innen 43 Prozent aus. Am stärksten vertreten sind Personen, die ihre Vorbildung in Deutschland, Italien, China oder den USA erworben haben.

    Zudem werden rund 280 Studierende von Partnerhochschulen an der ETH studieren. Darunter sind Studierende von schweizerischen, schwedischen und britischen Hochschulen am stärksten vertreten. Etwa 170 Studierende, die an Mobilitätsprogrammen teilnehmen, werden zudem eine Studien- oder Projektarbeit an der ETH durchführen. Diese Studierenden kommen grösstenteils von deutschen, schweizerischen und italienischen Hochschulen.

    Die Immatrikulation für das Herbstsemester 2023 ist an der ETH noch nicht abgeschlossen. Die endgültigen Zahlen stehen jeweils im November fest.

  • Scientifica 2023: Auch der Quartierverein Höngg war dabei

    Scientifica 2023: Auch der Quartierverein Höngg war dabei

    Seit 2011 öffnen die ETH Zürich und die Universität Zürich an einem langen Wochenende ihre Tore und laden die Bevölkerung ein, Wissenschaft am Ort des Geschehens zu erleben.

    Unter dem Titel «Scientifica» finden dann eine Vielzahl an Workshops, Führungen und Shows statt. Das diesjährige Motto lautete «Was die Welt zusammenhält». Auch auf dem Campus der ETH Zürich Hönggerberg konnte sich das Publikum umsehen, lernen und staunen.

    Bei der hiesigen Ausstellung waren auch die Quartiervereine (QV) aus Höngg und Affoltern vor Ort: Gemeinsam betrieben sie einen grossen Stand. Es galt, sich den Wissbegierigen vorzustellen, aber auch etwas zu bieten: eine Mostpresse. Jung und Alt konnte sich darin üben, wie man aus Äpfeln leckeren Saft herstellt.

    «Die Kinder zu erleben, die mit aller Kraft die Mostpresse bedienten und dann mit strahlenden Augen ihren eigenen Most tranken, war sehr erfüllend», sagte Tiziana Werlen-Oberti, Vizepräsidentin des QV Höngg.

    Gemeinsam mit dem Präsidenten Alexander Jäger und den Vorstandsmitgliedern Michael Brian, Tanja Ramah und Andreas Egli sowie den Helferinnen Susi Brian und Jrène Rösli führten sie an zwei Tagen allerlei Gespräche. «Das war sehr spannend, auch wegen dem internationalen Publikum», so Werlen-Oberti.

    Die Konkurrenz war gross: So konnte das Publikum auf dem Hönggerberg einen Roboterhund erleben, oder die Schwerkraft erforschen. Dort hiess es, dass selbst der Apfel, der vom Baum falle, gleichermassen der Schwerkraft unterliege, wie die Planeten, welche die Sonne umkreisen. Nur dass die Äpfel aus Höngg eben in der Mostpresse landen.

  • Neues Leben für alte Produkte

    Neues Leben für alte Produkte

    Gegenstände, die man selbst nicht mehr braucht, die jedoch noch brauchbar wären sowie einen Wert und Sinn haben: Eine Online-Verkaufsplattform bietet sich regelrecht an, um ihnen ein zweites Leben zu schenken. Dieser Prozess gestaltet sich in der Regel als zeitintensiv und ist mit einigem Aufwand verbunden. Angefangen von der Reinigung und Funktionsüberprüfung, über das Verfassen des Verkaufstextes, das Erstellen von Fotos bis hin zur Organisation des Verpackungsmaterials.

    All das kann nun in andere Hände gelegt werden: Seit Juli betreibt ESPAS, eine dynamische Unternehmung auf dem Gebiet der beruflichen Rehabilitation und Integration in Höngg, das Projekt «Restwert». Dieses wurde im Rahmen des «Social Franchising» der Grundlagenwerk AG in den eigenen Betrieb integriert und ist bereits an anderen Standorten in der Schweiz aktiv. Insgesamt übernimmt das ESPAS-Team rund 50 Arbeitsschritte im gesamten Online-Verkaufsprozess. Auch das Beantworten von Fragen, der Versand und die Betreuung des Zahlungsverlaufs gehören dazu.

    Eine Win-Win-Situation

    Und so funktioniert’s: Über die Website des Projekts «Restwert» wird das Produkt angemeldet und bei einer Annahmestelle vorbeigebracht. Das betrifft auch grössere Produkte, etwa Möbelstücke, da diese auf die Funktionalität getestet werden. Im Anschluss sorgt das «Restwert»-Team für ein ansprechendes Online-Inserat auf einer bekannten Plattform und leitet den Verkauf in die Wege. Ist dieser erfolgreich, überweist ESPAS den jeweiligen Auftraggebenden im Anschluss 70 Prozent des Verkaufspreises. Sollte kein Verkauf zustande kommen, stehen zwei Optionen zur Verfügung: Das Produkt wird wieder zurückgenommen oder es wird an «Restwert» gespendet.

    Die ESPAS spricht von einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten. «Das Projekt schafft sinnvolle Arbeitsplätze mit Perspektive», so Christoph Meier-Krebs, Bereichsleiter Eingliederungsmassnahmen. Denn der vielfältige Arbeitsprozess unterstütze die soziale und berufliche Reintegration der beeinträchtigten Personen. Das Projekt selbst finanziert sich unter anderem aus den erwirtschafteten Einnahmen.

    Projekt Restwert

    https://projekt-restwert.ch/