Autor: tka_admin

  • Rollerfahrer nach Unfall schwer verletzt

    Rollerfahrer nach Unfall schwer verletzt

    Gemäss ersten Erkenntnissen fuhr ein 60-jähriger Schweizer gegen 21.30 Uhr mit einem Roller auf der Rosengartenstrasse Richtung Hardbrücke. Auf Höhe der Zschokkestrasse kam er aus noch unbekannten Gründen zu Fall und zog sich dabei schwere Verletzungen zu.

    Die Sanität von Schutz & Rettung Zürich brachte den Verunfallten nach der Erstversorgung in ein Spital. Für eine umfassende fotografische, massliche und materielle Beweissicherung rückten Spezialist*innen des Unfalltechnischen Dienstes der Stadtpolizei Zürich aus.

    Quelle: Medienmitteilung Stadtpolizei Zürich

  • Neues Physikgebäude wird teurer

    Neues Physikgebäude wird teurer

    Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) zieht in ihrem aktuellen Bericht die Schlussfolgerung, dass die ETH Zürich beim Bau ihres neuen Forschungslabors auf dem Hönggerberg nicht sparsam vorgehe. Konkret betrifft die Kritik das neue Physikgebäude HPQ. Das berichten diverse Medien.

    Ursprünglich waren für den Bau 311 Millionen Franken vorgesehen. Bald wurde jedoch klar, dass diese Summe nicht ausreichen würde und der Bundesrat genehmigte daraufhin 339 Millionen Franken. Inzwischen liegt das Projekt bei 387 Millionen Franken, wie es heisst.

    Die EFK kritisiert insbesondere die Projektwahl: Das Siegerprojekt des Zürcher Architekturbüros Ilg Santer Architekten überzeuge primär durch seine architektonischen und städtebaulichen Qualitäten. Aspekte wie Wirtschaftlichkeit und Funktionalität seien jedoch zu wenig berücksichtigt worden.

    Die ETH Zürich zeigt Verständnis für die Kritik und erklärt in den Medien auf Anfrage, dass die unzureichende Gewichtung der Wirtschaftlichkeit aus heutiger Sicht nachvollziehbar sei. Dennoch sei das gewählte Projekt für ein spezialisiertes Forschungsgebäude geeignet und erfülle höchste technische Anforderungen.

    Auch die Empfehlungen der Finanzkontrolle hinsichtlich möglicher weiterer Kostensteigerungen werde man teilen und weiterverfolgen. Die ETH betont jedoch, dass keine Verfahrensfehler oder Verstösse gegen interne Richtlinien festgestellt wurden.

    Laut der ETH werden die Mehrkosten über das reguläre Budget gedeckt. Die Hochschule führt die Kostensteigerung vor allem auf die ausserordentliche Teuerung der letzten Jahre zurück.

  • Linker Limmatuferweg – eine Endlosgeschichte

    Linker Limmatuferweg – eine Endlosgeschichte

    Ein Artikel von Judith Stofer, Vorstand Quartierverein Wipkingen

    Im privaten Gestaltungsplan Swissmill (701.390 Privater GP Aufstockung Kornhaus Swissmill V1) ist der linke Limmatuferweg unterhalb des Swissmill-Turms präzise eingetragen. Dieser Gestaltungsplan war Teil der Abstimmung über die Aufstockung des Swissmill-Turms vom Februar 2011. Der Weg besteht bereits, ist aber für die Bevölkerung geschlossen. Der Quartierverein Wipkingen hat darum beim Stadtrat nachgefragt, wo die Planung für diesen Weg links der Limmat steht.

    Die Antwort Anfang 2024 fiel ernüchternd aus. Weil der Weg teilweise nur mit einer Stegkonstruktion über dem Gewässerraum geführt werden könne, sei er nicht bewilligungsfähig. In der Zwischenzeit ist Anfang Februar 2025 das überarbeitete Leitbild Limmatraum erschienen. Dieses schlägt vor, den linken Limmatuferweg im Abschnitt Swissmill vom Limmatuferweg auf dem Sihlquai zu führen. Dies, weil der Uferabschnitt in diesem Abschnitt «supoptimale Voraussetzungen für die Schaffung eines Uferwegs» biete und gemäss heutiger Gesetzeslage nicht bewilligungsfähig sei.

    Und weiter heisst es im Leitbild (Seite 76): «Da die Bebauung unmittelbar ans Ufer angrenzt, könnte ein Uferweg nur mittels zusätzlicher Steganlagen (teils bestehen bereits Steganlagen/Auskragungen) über der Limmat realisiert werden.» Das zuständige kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) schätzt die Lage bei Nachweis des öffentlichen Interesses anders ein. Die Mitwirkung des privaten Eigentümers (Swissmill) sei aber zwingend.

  • Pilotversuch gegen Autoposing

    Pilotversuch gegen Autoposing

    Laut Medienmitteilung der Stadt sind sogenannte Autoposer*innen in Zürich seit Jahren ein Problem. Die Belastung der Bevölkerung durch Lärmemissionen und Verkehrsbehinderungen nimmt zu. Am 8. Juni 2022 hat der Gemeinderat ein Postulat überwiesen, das den versuchsweisen Einsatz von Lärmmessgeräten in Kombination mit einer Bilderfassung (sogenannte Lärmradare oder Lärmblitzer) fordert.

    Im Auftrag von Stadträtin Karin Rykart, Vorsteherin des Sicherheitsdepartements, startet die Stadtpolizei einen Versuch mit einem solchen Gerät. Getestet wird entlang von Strecken, die bei Autoposer*innen beliebt sind.

    Wichtige Erfahrungen sammeln

    Auch auf nationaler Ebene gibt es Anstrengungen, übermässigen Fahrzeuglärm wirksamer zu sanktionieren. Im Rahmen der Umsetzung einer Motion hat der Bundesrat die Vorschriften zur vermeidbaren Lärmbelästigung aktualisiert. So ist es etwa ausdrücklich verboten, unnötigen Lärm mit Auspuffanlagen zu erzeugen. Aktuell fehlt aber noch die gesetzliche Grundlage, die es erlaubt, Lärmradargeräte einzusetzen, um Bussen auszusprechen, wie die Medienmitteilung erklärt.

    Auch die Kantone Genf und Basel-Landschaft haben im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) die praktische Anwendung von Lärmradargeräten getestet. Der Versuch in Genf hat gezeigt, dass die Technik grundsätzlich funktioniert. Die Stadt Zürich startet nun einen Versuch mit einem anderen Gerät, um wichtige Erfahrungen zu sammeln. «Wir wollen einen Lärmradar in unserem städtischen Umfeld testen, um bereit zu sein, wenn die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden», sagt Stadträtin Karin Rykart. 

    Der Lärmradar-Versuch wird begleitet durch den Umwelt- und Gesundheitsschutz (UGZ) und zusammen mit einer externen Firma wissenschaftlich ausgewertet. Der Versuch soll auch zeigen, inwiefern dessen Einsatz die Polizeiarbeit in diesem Bereich unterstützen kann. Bei den Aufnahmen des Lärmradars werden weder personenbezogene Daten aufgezeichnet noch werden Bussen oder Verzeigungen ausgesprochen.

    Sensibilisierungskampagne mit Lärmdisplays

    Um die Bevölkerung auf die Lärmproblematik aufmerksam zu machen, wird zusätzlich eine Sensibilisierungskampagne mit sogenannten Lärmdisplays durchgeführt. Dabei wird der Lärm von vorbeifahrenden Fahrzeugen gemessen. Die Fahrzeuglenker*innen erhalten über ein Display ein direktes, sichtbares Feedback, ob sie zu laut unterwegs sind oder nicht. Auch hier werden keinerlei personenbezogenen Daten gesammelt oder aufgezeichnet.

    Gemäss Medienmitteilung sind der Pilotversuch mit dem Lärmradar und die Lärmdisplays nur zwei von vielen Massnahmen im Kampf gegen übermässigen Motorenlärm. Unter anderem führt die Stadtpolizei Zürich an bekannten Hotspots regelmässig Kontrollen durch. Dabei werden Lenker*innen, die vermeidbaren Lärm verursachen oder technische Abänderungen vorgenommen haben, verzeigt und weggewiesen. Zudem entwickelte sie ein Sperrkonzept mit einem temporären Fahrverbot, das angewendet wird, sobald ein Gebiet von Autoposer*innen überlastet wird.

    Quelle: Medienmitteilung Stadt Zürich

  • Widerstand in allen Formen

    Widerstand in allen Formen

    Einen Tag nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen erliess der Bundesrat die Kriegsmobilmachung und einen Monat später folgte der «Operationsbefehl 2»: General Guisan befahl die Armee im Oktober 1939 an die «Linie Nord» die Limmat entlang, eine Verteidigungslinie von der Festung Sargans zum Walensee, Linth, Zürichsee, Limmat, Bözberg, Hauenstein, mit der Artillerie auf dem Gempenplateau und Befestigungen bis Basel. Die Stellung richtete sich einseitig gegen Nazi-Deutschland, mit der französischen Armee schloss der General eine geheime Vereinbarung, von der nicht einmal der Bundesrat etwas wusste.

    Die Limmatstellungen

    In Zürich stand die 6. Division, für die Stadt wurde eine eigene Heereseinheit geschaffen, das Stadtkommando Zürich. General Guisan bezeichnete die Limmatbrücken als «Obstacle absolu». Ein Übertritt der Wehrmacht über die Limmat wäre das sichere Ende der Schweiz gewesen. Einige Spuren der Limmatstellungen sind in Wipkingen noch sichtbar. Die Soldaten mussten das linke Limmatufer halten und sämtliche Flussübergänge zur Sprengung vorbereiten.


    Die militärische Tarnung in Wipkingen ist nicht einfach zu durchschauen. Vier Infanteriebunker mit Maschinengewehren und drei vorbereitete Brückensprengungen sind versteckt. Die Verteidigungslinie lag am linken Flussufer. (Foto: BAZ, 1940) –
    1 (blau) Infanteriestand Sihlquai / 2 (blau) Kampfstand Sihlquai / 3 (blau) LMG-Stand Lettenviadukt / 4 (blau) Bunker im SBB-Viadukt. 1 (rot) Sprengkammer Letten-Viadukt mit Schlaufkasten / 2 (rot) Sprengkammer SBB-Viadukt mit Zünder im Bunker / 3 (rot) Vorbereitete Sprengung Dammsteg mit Schlaufkasten.

    Das Territorialkommando 6 war zuständig für eine Evakuierung der Stadt. Die Zivilbevölkerung wurde im Januar 1940 vorbereitet, was bei einem Angriff zu tun wäre. Vom 15. bis 22. Mai 1940 waren die Schulen in Wipkingen wie überall in der Stadt geschlossen. 170 000 Zivilpersonen hätten gehen müssen. Alle Türen mussten offengelassen werden, Patrouillen sollten Plünderungen verhindern.

    Eine durchgehende Serie von MG-Ständen und Infanteriebunkern lag an der linken Limmatseite. Vorbereitet waren die Sprengungen der Kornhausbrücke, des Lettenviadukts, des SBB-Viadukts, des Dammstegs und der Wipkingerbrücke.


    Der Dammsteg mit Blick Richtung Sihlquai: Diese Leitung seitlich ist keine Wasserleitung, sondern ein Relikt der Verteidigungsstellung von 1940: Das Rohr war damals mit Sprengstoff gefüllt. In den Schlaufkästen (die beiden senkrecht stehenden Kästen rechts und links im Bild) lag die Sprengvorrichtung mit dem Zünder. (Foto: Kurt Gammeter, 2002).

    Reste der militärischen Verteidigungsbauten sind heute noch sichtbar. Was am Dammsteg aussieht wie eine Wasserleitung, ist ein Sprengrohr: Den Kasten in der Mitte nennt man «Schlaufkasten», in ihm befand sich die Sprengvorrichtung. Der Dammsteg mag klein erscheinen, wäre aber gefährlich gewesen. Ein Zug SS-Fallschirmjäger konnte hier innert Minuten einen Brückenkopf bilden, den man nicht mehr zurückerobern kann. Deshalb musste die Sprengung funktionieren. Sie wäre sofort bei einem Übertritt der Wehrmacht über den Rhein erfolgt.

    Gleich daneben lag der Infanteriebunker, eingebaut im Brückenpfeiler der SBB-Linie Hauptbahnhof-Oerlikon. Erbaut wurde er zwischen Februar und Juli 1940 von der Firma Ed. Züblin & Cie AG, Zürich 10 im Auftrag des Stadtkommandos. Im zweistöckigen Bunker war ein MG-Stand eingebaut. Die beiden Scharten waren bis 1993 mit dem Bretterverschlag verdeckt und getarnt. Die vorbereitete Sprengung der Eisenbahnbrücke befand sich über dem Bunker. Die Sprengkammern wurden im März 2002 deklassiert und zurückgebaut.

    Der Bunker unter dem Park

    Bereits 1934 schuf ein Bundesbeschluss die Rechtsgrundlage für einen landesweiten Luftschutz. Eine der vielen Anlagen in der Schweiz baute die Stadt Zürich als Sanitätshilfsstelle im Landenbergpark. Die GGW (Gemeinnützige Gesellschaft Wipkingen, heutiger Quartierverein) schrieb 1938, ein Jahr vor dem Kriegsausbruch, in ihrem Jahresbericht zum Landenbergpark: «Die Anlage ist in einem sehr argen Zustande. Es kommt vorläufig keine Instandstellung in Frage, da unter der Anlage voraussichtlich ein grosser Luftschutzkeller erstellt wird.» Auch der Promenadenweg die Limmat entlang musste warten, da der Bau «durch die gewaltigen Ansprüche der Luftschutzbauten zurückgestellt» werden musste.

    An der Soldatenweihnacht 1939 führte die GGW im Auftrag des Generals am 9. und 10. Dezember unter der Devise «Das Schweizervolk beschenkt seine Soldaten» den Plakettenverkauf durch. Die Vorstandsmitglieder Lehrer Jakob Frei und Diakon Otto Schmid organisierten den Verkauf, und bereits am Samstagnachmittag waren alle 1000 Plaketten abgesetzt. 956 Franken konnten abgeliefert werden. Es gab noch keinen Erwerbsersatz; die Spenden gingen an Soldaten.


    Luftschutzbunker Landenbergpark: Der Eingang an der Habsburgstrasse im Jahr 2025. Heute ist der ehemalige Rundbunker als Zivilschutz-Museum öffentlich zugängig. (Foto: Kurt Gammeter)

    «Die Stadt hat mit dem Bau eines Luftschutzraumes begonnen», vermerkt der Jahresbericht 1939. Der Landenbergpark mutierte gemäss dem Plan Wahlen zum Kartoffelacker. 1941 berichtete der GGW-Jahresbericht, dass die unter der Landenberganlage vorgesehene Luftschutzbaute fertiggestellt wurde. Der Rundbunker bezweckte den Betrieb einer geschützten Sanitätshilfsstelle zugunsten der Zivilbevölkerung. Auf drei Etagen lagen Behandlungs-, Pflege- und Mannschaftsräume. Die Belüftung erfolgte hinter Kampfstofffiltern. Mit dem Notstromaggregat, einem Öltank und Wasser- und Lebensmittelvorräten war ein mehrwöchiger autarker Betrieb möglich.

    Das Problem der Sanitätshilfsstelle war, dass sie auf der «falschen» Flussseite lag. Geplant wurde sie vor dem Kriegsausbruch. Für den Fall Nord, den Einmarsch der Wehrmacht über den Rhein, wäre sie nicht verteidigt worden. Bei einem Versuch deutscher Truppen über die Limmat zu gelangen, wäre sie unter Artillerieschuss gelegen. Daher ist die Frage berechtigt: Hätten die Soldaten die Befehle ausgeführt?

    Im Feuerraum der Artillerie

    Für den vorgeschobenen Widerstand war die Grenzbrigade 6 zuständig. Ihr Auftrag im «Verzögerungsraum» lautete: den Vormarsch stören mit Verminungen, Brückensprengungen und Beschuss der Fallschirmjäger mit vorrückenden Panzern.

    Gegenangriffe auf Nachschubkolonnen waren ebenfalls Teil der vorgeschobenen Verteidigung. Die Wehrmachtsdivisionen aufhalten war nicht möglich, so die realistische Einschätzung von General Guisan. «Verzögern und stören» lautete die Devise. Dies betraf auch Wipkingen: Beim Durchmarsch der Wehrmacht zur Limmat wäre Artillerie zum Zug gekommen.


    Wipkingen im Krieg: Die Spitze der Verteidigung der «Linie Nord» von 1940 lag bei der reformierten Kirche. Das linke Limmatufer war unter dem Stadtkommando Zürich vom See bis zur Wipkingerbrücke befestigt (dicke schwarze Linie), verlief zur Hohlstrasse nach Altstetten und Albisrieden zur 6. Division. Die Artillerie der Feldhaubitzen-Abteilung 44 (violetter Kreis) mit dem Zielraum Wipkingen und Höngg lag hinter dem Üetliberg bei der Reppisch. (Karte: Walter Lüem)

    Der Abschnitt Wipkingen war der Korps-Artillerie des 1. Armeekorps zugeteilt. Die Feldhaubitzen-Abteilung 44 bestand aus den Batterien 160, 159 und 158 mit je vier Geschützen Feldhaubitze 12. Ein älteres, aber funktionsfähiges Modell. Die zwölf Kanonen lagen gut getarnt an der Reppisch hinter dem Üetliberg, ausserhalb der Reichweite der deutschen Artillerie und für Stukas schwer zu treffen. Die Feuerkraft betrug 3 bis 4 Schuss pro Minute, also insgesamt 36 bis 48 Artilleriegranaten pro Minute. Sie wären am nördlichen Limmatufer eingeschlagen, mitten in Wipkingen.

    Die Wipkingertagungen

    In Höngg stand an der heutigen Regensdorferstrasse 176 das «Fröntlerhaus». Das Besitzer-Ehepaar wurde verdächtigt, der Frontenbewegung nahezustehen. Die «Fronten», deutschfreundliche Gruppierungen, sympathisierten mit dem nationalsozialistischen Deutschland und wollten, dass sich die Schweiz im «Neuen Europa» einordne. Im November 1940 verbot der Bundesrat die frontistische «Nationale Bewegung der Schweiz». Sie war laut und präsent, hatten aber im Volk sehr wenig Unterstützung. Die Fröntler hatten nur 1 Prozent Wahlanteil.

    Ihre Propaganda war überall, es gibt viele Aufnahmen von Hakenkreuz-Veranstaltungen in Zürich, von Fackelmärschen oder Kampfschriften. Im Zürcher Gemeinderat hatten die Fröntler nur einen Sitz; dieser gehörte auch dem einzigen frontistischen Nationalrat. Dieser wurde bei den Gemeinderatswahlen 1938 und den Kantonsratswahlen 1939 abgewählt.

    Die Gegenbewegung gegen die Fröntler oder die «Fünfte Kolonne», wie sie hiessen, war stark und in Wipkingen sehr aktiv. Der Wipkinger Pfarrer Fritz Bäumle war entschiedener Gegner der Diktatur. 1937 wurde er als Pfarrer gewählt. Zusammen mit Pfarrer Paul Vogt aus Seebach organisierte er Sitzungen und Tagungen. Sie kritisierten den bundesrätlichen Umgang mit Nazi-Propaganda in der Schweiz und die Zensur der freien Presse. Sie setzten sich für Flüchtlinge ein und verlangten von der evangelischen Kirche klare Bekenntnisse gegen die Tyrannei. Häufiger Tagungsteilnehmer im reformierten Kirchgemeindehaus war Karl Barth, Professor für Theologie aus Göttingen. Karl Barth verlor wegen seiner Schriften die Professur und musste 1935 in die Schweiz ziehen. Er rief bereits 1938 zum bewaffneten Widerstand gegen die braune Diktatur auf. Seine Versammlungen, Gesprächsrunden, Vortragsreihen und Arbeitsgruppen von Theologen, kirchlichen Vertretern, Referenten und Gästen fanden starke Beachtung.


    Im reformierten Kirchgemeindehaus fanden während des Zweiten Weltkriegs die Wipkingertagungen statt. Pfarrer Bäumle hatte diese ins Leben gerufen. An den Tagungen nahmen bis zu 500 Personen teil. Man kritisierte die Zensur, setzte sich für Flüchtlinge ein und verlangte von der evangelischen Kirche klare Bekenntnisse gegen die Tyrannei. Das Kirchgemeindehaus war in den Kriegsjahren ein Hort der geistigen Landesverteidigung. (Foto: BAZ, 1944).

    Ein wichtiger Teil dieser Tätigkeiten fand im Kirchgemeindehaus Wipkingen statt. Diese hatten eine so starke Ausstrahlung, dass sie weithin «Wipkingertagungen» genannt wurden. Die Wipkingertagungen begannen kurz vor dem Krieg und hatten in den ausgehenden 1940er-Jahren ihren Höhepunkt. Tatsächlich war das Kirchgemeindehaus in den Kriegsjahren ein Hort der geistigen Landesverteidigung. Diese war ebenso wichtig wie die militärische Verteidigung.

    Landi-Geist in Wipkingen

    «Als Wipkinger unter Wipkingern» begrüsste die GGW den freisinnigen Stadtrat Stirnemann auf der Waid. Erwin Stirnemann, Oberst und Geniechef des Stadtkommandos Zürich, sprach 1937 in seiner 1.-August-Rede auf der Wiese neben der Waid vom Wehrwillen, von der «Landi», der geplanten Landessausstellung im Sommer 1939, und von den grossen Konflikten, die in der Luft lagen. Die Schweiz werde nur so lange respektiert, wie sie in der Lage sei, ihre Unabhängigkeit wirksam zu verteidigen – wenn nötig bis zum Äussersten.

    Fünf Jahre später, 1942, mitten im Krieg, trat er erneut an der Wipkinger 1.-August-Feier als Redner auf. Er erinnerte an die Landi, sprach vom Roten Kreuz, rief zur Hilfe für kriegsgeschädigte Kinder und Flüchtlinge auf und erwähnte die «Anbauschlacht». Die zahlreichen Vorträge und Referate von Oberst Stirnemann waren Teil der landesweiten Kampagne «Heer und Haus», bei der Persönlichkeiten den Wehrwillen stärkten und gegen den Defätismus und die Mutlosigkeit antraten.

    Ein Mikrokosmos

    Ein Blick zurück in die schwierige Epoche zeigt in unserem Quartier alle Elemente des schweizerischen Widerstandes gegen Nazideutschland und auch den Umgang mit der entscheidenden Frage: Anpassung oder Widerstand? Entweder Unterwerfung unter die Militärmaschinerie einer schrecklichen Diktatur oder suizidaler Kampf, der militärisch nicht zu gewinnen war.

    Wipkingen als Abbild im Kleinen des eidgenössischen Widerstandes: Es gab Anpassung, Defätismus, Mutlosigkeit, aber eben auch militärischer Widerstand, Widerstand gegen die Zensur und eine Art Volksaufstand, der geistige Landesverteidigung genannt wurde.

    Grosse Bildergalerie

    Eine Auflistung der militärischen Objekte im Abschnitt Wipkingen und die Spuren, die heute noch sichtbar sind: 

    www.wipkinger-zeitung.ch/grosse-bildergalerie-widerstand-in-allen-formen

    Quellen

    Nachlass Erwin Stirnemann, Geniechef Stadtkommando Zürich, Stadtarchiv, Signatur VII. 76.
    Walter Lüem, «Hütet Euch an der Limmat!», Baden Verlag, 1997.
    Matthias Dürst, Felix Köfer, Die Verteidigungswerke der Stadt Zürich, «Der Zürcher Bunkerwanderführer», Eigenverlag, Zürich, 2014.
    Martin Bürlimann, Kurt Gammeter: «Damals», Wibichinga Verlag, 2023.

  • Grosse Bildergalerie: Widerstand in allen Formen

    Grosse Bildergalerie: Widerstand in allen Formen


    Originaldokument des Befehls von Korpskommandant Miescher vom 12. Mai 1940 an das Stadtkommando. (Bild: Aus dem Nachlass von Oberst Stirnemann, FDP-Stadtrat und Geniechef Stadtkommando Zürich 1939-1945.)

    Am 1. September 1939 begann der militärisch geführte Krieg. Am Tag nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen erliess der Bundesrat die Kriegsmobilmachung. Der «Operationsbefehl 2» von General Guisan legte eine Verteidigungslinie fest. Die «Linie Nord» führte von der Festung Sargans zum Walensee, Linth, Zürichsee, Limmat, Bözberg, Hauenstein, mit der Artillerie auf dem Gempenplateau und Befestigungen bis Basel. Die Verteidigungslinie führte also genau durch Wipkingen. Das «Stadtkommando Zürich» als Teil der 6. Division erhielt im Mai 1940 den Befehl, Verteidigungsstände an der Limmat zu bauen.

    Die Limmatstellungen

    Ein Übergang von Wehrmachtssoldaten über die Brücken in Wipkingen wäre das sichere Ende der Schweiz gewesen. Deshalb gab General Guisan den Befehl, an der Limmat sämtliche Objekte zur Sprengung vorzubereiten und mit getarnten Bunkern durch Maschinengewehrfeuer zu sichern.


    (Foto: BAZ, 1940)

    Blaue Markierung Nr 1: Infanteriestand Sihlquai
    Blaue Markierung Nr 2: Kampfstand Sihlquai
    Blaue Markierung Nr 3: LMg Stand Lettenviadukt
    Blaue Markierung Nr 4: Bunker im SBB-Viadukt

    Rote Markierung Nr 1: Vorbereitete Sprengung Letten-Viadukt
    Rote Markierung Nr 2: Vorbereitete Sprengung SBB-Viadukt
    Rote Markierung Nr 3: Vorbereitete Sprengung Dammsteg

    Blaue Markierung Nr 1: Infanteriestand Sihlquai (Signatur Z 717)


    Infanteriestand Sihlquai (Signatur Z 717). (Foto: Bunkerwanderführer, 2014)

    Im Sockel des ehemaligen Transmissionsriemen von 1875 befand sich ein doppelter Leicht-Maschinengewehrstand (LMg). Die eine Schiessscharte flussabwärts überwachte das Ufer entlang des Sihlquai in Richtung Lettenviadukt und jene flussaufwärts Lettensteg und Kornhausbrücke. Die militärischen Anlagen wurden nach dem Krieg entfernt und die einstigen Scharten verschlossen.

    Blaue Markierung Nr 2: Kampfstand Sihlquai (Signatur A 4855)


    Kampfstand Sihlquai (Signatur A 4855). (Foto: Kurt Gammeter, 2025)

    Blick von der Lettenbadi Richtung Sihlquai 240: Im Sockel befand sich ein betonierter, einstöckiger Maschinengewehrstand des Stadtkommandos. Erbaut wurde er im Mai 1940. Der Zugang erfolgte von der Seite Sihlquai her über einen kleinen Steigschacht. Zielraum war die Lettenbrücke und beide Ufer. Der Bunker wurde im 1982 zurückgebaut.

    Blaue Markierung Nr 3: LMg Stand Lettenviadukt (Signatur A 4856)


    LMg Stand Lettenviadukt (Signatur A 4856). (Foto: Kurt Gammeter, 2025)

    LMg Stand Lettenviadukt (Signatur A 4856). (Foto: Kurt Gammeter, 2025)

    Was aussieht wie eine Holzbaracke am Fuss des Brückenpfeilers war ein betonierter LMg-Stand, erbaut im Mai 1940 als Teil der Limmatstellungen. Zielraum des leichten Maschinengewehrs war flussaufwärts/Lettenbrücke, die damalige Eisenbahnlinie Stadelhofen-Letten-Hauptbahnhof. Rechts am Fuss des Brückenpfeilers war ebenfalls ein betonierter LMg-Stand angebaut mit Zielraum flussabwärts/SBB-Viadukt.

    Blaue Markierung Nr 4 mit Katasterplan: Bunker im SBB-Viadukt (Signatur A 4858, ältere Bezeichnung Z 753)


    Katasterplan vom Technischen Büro Stadtkommando Zürich vom 20. September 1940, aufbewahrt im Stadtarchiv.

    Bunker im SBB-Viadukt (Signatur A 4858, ältere Bezeichnung Z 753). (Foto: Kurt Gammeter, 2002)

    Der am stärksten befestigte Bunker der Limmatstellungen im Abschnitt Wipkingen war im Pfeiler der SBB-Brücke eingebaut. Im zweistöckigen Bunker waren 2 leichte Maschinengewehre in zwei Scharten mit Zielräumen flussaufwärts, abwärts und an das gegenüberliegende Ufer.

    Dieser Bunker wurde bereits im Dezember 1939 geplant, Baubeginn war im Februar 1940, fertig gestellt wurde er im Juli 1940. Als die Schweiz nach der Kapitulation der französischen Armee umzingelt war, wurden die Limmatstellungen aufgegeben und die Armee bezog das «Réduit Nationale». Im Oktober 1941 erliess der Generalstabschef die Anordnung, das gesamte Werk im Viadukt zu räumen, inklusive der Waffen und aller übrigen Installationen.

    Tarnung blaue Markierung Nr 4:


    Bunker Viadukt Holzverkleidung. (Bild: Pläne vom Technischen Büro Stadtkommando Zürich, aufbewahrt im Stadtarchiv)

    Bunker Viadukt Holzverkleidung. (Bild: Pläne vom Technischen Büro Stadtkommando Zürich, aufbewahrt im Stadtarchiv)

    Der Bunker beim SBB-Viadukt war mit einer Holzverschalung getarnt. Diese wurde erst 1993 entfernt. Das Stadtkommando war zuständig für die Tarnung. Rechts die Ansicht der Holzverschalung flussaufwärts. Ein «Deckel zum wegnehmen» verbarg die Schiessscharte.

    Rote Markierung Nr 1: Vorbereitete Sprengung Letten-Viadukt (Objekt-Nr M 2315)


    Vorbereitete Sprengung Letten-Viadukt (Objekt-Nr M 2315). (Fotos: Bunkerwanderführer, 2014)

    Sämtliche Flussübergänge waren nach Ausbruch des Krieges zur Sprengung vorbereitet. Jene an der Lettenbrücke war im zweiten Pfeiler versteckt. Der Schlaufkasten lag hinter der Stahltüre im mittleren Pfeiler (Foto rechts). Die Sprengladung selbst war im Pfeiler eingemauert.

    Der Bundesrat kam dem Naziregime weit entgegen mit Verhandlungen und der Zulassung von Materialtransporten durch die Schweiz. Die vorbereiteten Sprengungen – insbesondere alle Alpenquerungen – dienten der Abschreckung. Bei einem Einmarsch der Wehrmacht wäre keine Brücke stehen geblieben. Diese Strategie half mit, dass die Schweiz verschont blieb.

    Im Kalten Krieg wurden die Sprengobjekte in den Brücken gelassen und verbessert. Ab 1970 erfolgte der Zugang zur Sprengkammer durch einen fingierten Dolendeckel am Fussweg bei der Lettenbadi. Die Sprengkammern sind nicht mehr sichtbar, sie wurden 2012 bei der Brückensanierung entfernt.

    Rote Markierung Nr 3: Vorbereitete Sprengung Dammsteg (Objekt-Nr M 2313)


    Vorbereitete Sprengung Dammsteg (Objekt-Nr M 2313). (Foto: Kurt Gammeter, 2025)

    Vorbereitete Sprengung Dammsteg (Objekt-Nr M 2313). (Foto: Kurt Gammeter, 2025)

    Dammsteg, Blick Richtung Sihlquai: Diese Leitung seitlich unter dem Dammsteg ist keine Wasserleitung, sondern ein Relikt der Verteidigungsstellung von 1940: Das Rohr war damals mit Sprengstoff gefüllt. In den Schlaufkästen (die kleinen vertikalen Stahlkästen) lag die Sprengvorrichtung mit dem Zünder. Links der Infanteriebunker im SBB-Viadukt. Die Sprengvorrichtung der Eisenbahnbrücke befand sich in diesem Bunker (Objekt-Nr M 2313).

    Im Feuerraum der Artillerie


    Wipkingen im Krieg: Die Spitze der Verteidigung der «Linie Nord» von 1940 lag bei der reformierten Kirche. Das linke Limmatufer war unter dem Stadtkommando Zürich vom See bis zur Wipkingerbrücke befestigt (dicke schwarze Linie), verlief zur Hohlstrasse nach Altstetten und Albisrieden zur 6. Division. Die Artillerie der Feldhaubitzen-Abteilung 44 (violetter Kreis) mit dem Zielraum Wipkingen und Höngg lag hinter dem Üetliberg bei der Reppisch. (Karte: Walter Lüem)

    Die Limmat war am südlichen Ufer stark befestigt mit getarnten Bunkern und vorbereiteten Brückensprengungen. Beim Durchbruch der Wehrmacht zur Limmat wäre Artillerie zum Zug gekommen. Den Batterien waren klare Feuerräume zugeordnet. Die Feldhaubitzen-Abteilung 44 hatte Wipkingen als Zielraum zugeteilt. Sie bestand aus 3 Batterien mit je 4 Geschützen vom Typ Feldhaubitze 12 (Jahrgang 1912). Die Kanonen waren alt, aber funktionsfähig. Die Kanonen lagen gut getarnt an der Reppisch hinter dem Üetliberg. Ihre Feuerkraft betrug 3-4 Schuss pro Minute, also insgesamt 36 bis 48 Artilleriegranaten pro Minute.

    Violett eingezeichnet ist die Stellung der 3 Batterien hinter dem Üetliberg und ihr Feuerraum, der Wipkingen und Höngg abdeckte.


    (Bild: Sammlung Gammeter)

    Die Kanonen wären bei einem Durchbruch der Wehrmacht vom Rhein nach Zürich zum Schuss gekommen. Wohlgemerkt: Die Kanonen waren im Bogenschuss nicht sehr genau. Die 12-cm-Granaten wären in ganz Wipkingen und Höngg als Bombenteppich eingeschlagen, um einen Brückenbau zu verhindern.

    Der Bunker unter dem Park


    Luftschutzbunker Landenbergpark: Der Eingang an der Habsburgstrasse im Jahr 2025. Heute ist der ehemalige Rundbunker als Zivilschutz-Museum öffentlich zugängig. (Foto: Kurt Gammeter)

    Unter dem Landenbergpark baute die Stadt einen Luftschutzbunker zum Schutz der Zivilbevölkerung. Der Park wurde gemäss «Plan Wahlen» als Kartoffelacker genutzt. 1941 war der Luftschutzbau fertiggestellt. Die geschützte Sanitätshilfsstelle zugunsten der Zivilbevölkerung beherbergte auf drei Etagen Behandlungs-, Pflege- und Mannschaftsräume. Im Bild der Eingang an der Habsburgstrasse. Heute ist der ehemalige Rundbunker als Zivilschutz-Museum öffentlich zugängig.

    Landi-Geist in Wipkingen


    Originaldokument der Erstaugustrede von 1937 aus dem Nachlass von Geniechef Erwin Stirnemann, aufbewahrt im Stadtarchiv.

    Stadtrat Erwin Stirnemann, Oberst und Geniechef des Stadtkommandos Zürich, hielt 1937 eine Erstaugustrede auf der Wiese neben der Waid. Er sprach von der «Landi», der geplanten Landessausstellung im Sommer 1939, vom Wehrwillen und von den grossen Konflikten, die in der Luft lagen. Drei Jahre später, 1942, mitten im Krieg, trat er erneut an der Wipkinger Erstaugustfeier auf. Er erinnerte an die Landi, sprach auch vom Roten Kreuz, Hilfe für kriegsgeschädigte Kinder und Flüchtlinge, von der «Anbauschlacht» und vom Wiederaufleben des Landigeistes.


    Originaldokument der Erstaugustrede von 1942 aus dem Nachlass von Geniechef Erwin Stirnemann, aufbewahrt im Stadtarchiv.

    Stirnemann hielt hunderte Vorträge und Referate im Verlauf des Krieges. Sie waren Teil der landesweiten Kampagne «Heer und Haus», bei welcher Persönlichkeiten den Wehrwillen stärken und gegen den Defätismus und die Mutlosigkeit antraten.


    Das Restaurant Waid in Wipkingen ist einer der wenigen erhaltenen Bauten im Landi-Stil. (Foto: BAZ, 1939)

    Die «Landi» im Sommer 1939 enthielt auch eine Kulturbotschaft des Bundesrates unter dem Titel «Sinn und Sendung der Schweiz». Sie hatte einen politischen Hintergrund und war Teil der so genannten «Geistigen Landesverteidigung».

    Die Wipkingertagungen


    Pfarrer Bäumle an einer Feier im Kirchgemeindehaus Wipkingen. (Foto: ref. Kirche Wipkingen)

    Fritz Bäumle wurde 1937 Pfarrer in Wipkingen. Er organisierte Sitzungen und Tagungen im reformierten Kirchgemeindehaus. Kirchenvertreter stellten sich gegen die bundesrätliche Zensur und kritisierten den Umgang der Behörden mit Nazi-Propaganda. Sie setzten sich für Flüchtlinge ein und verlangten von der evangelischen Kirche klare Bekenntnisse gegen die Tyrannei.


    Im reformierten Kirchgemeindehaus fanden während des Zweiten Weltkriegs die Wipkingertagungen statt. Pfarrer Bäumle hatte diese ins Leben gerufen. An den Tagungen nahmen bis zu 500 Personen teil. Man kritisierte die Zensur, setzte sich für Flüchtlinge ein und verlangte von der evangelischen Kirche klare Bekenntnisse gegen die Tyrannei. Das Kirchgemeindehaus war in den Kriegsjahren ein Hort der geistigen Landesverteidigung. (Foto: BAZ, 1944).

    Häufiger Tagungsteilnehmer im reformierten Kirchgemeindehaus war Karl Barth. Die Versammlungen fanden starke Beachtung und wurden «Wipkingertagungen» genannt. Tatsächlich war das Kirchgemeindehaus in den Kriegsjahren ein Hort der «Geistigen Landesverteidigung». Diese war ebenso wichtig wie die militärische Verteidigung. Pfarrer Bäumle amtierte bis 1963 als Pfarrer in Wipkingen.

    Wipkingen in der Kriegszeit


    Die Vorbereitung zur Vereidigung eines Bataillons auf der Turnwiese vor dem Waidhaldeschulhaus. (Foto: BAZ, 1939)

    Die Schweizer Armee war 1939 mangelhaft ausgerüstet, aber einsatzfähig und gut organisiert. Die neue Truppenordnung (TO) war sehr modern und auf den schnellen Bewegungskrieg der Wehrmacht ausgerichtet. Im Verlaufe des Krieges gab es mehrere Mobilmachungen.


    Die «Rationierungskarten-Ausgabe» an der Hönggerstrasse. (Foto: BAZ, 1944)

    Im Neuhof an der Hönggerstrasse war die «Rationierungskarten-Ausgabe» einquartiert. Lebensmittel gab es gegen Marken; Zucker, Milch, Brot waren rationiert. «Lebensmittelabteilung der Zentralstelle für Kriegswirtschaft» steht an der Türe (Foto BAZ 1944).

    Hauptartikel

    Diese Bildergalerie gehört zum Artikel:

    www.wipkinger-zeitung.ch/widerstand-in-allen-formen

    Quellen

    Nachlass Erwin Stirnemann, Geniechef Stadtkommando Zürich, Stadtarchiv, Signatur VII. 76.
    Walter Lüem, «Hütet Euch an der Limmat!», Baden Verlag, 1997.
    Matthias Dürst, Felix Köfer, Die Verteidigungswerke der Stadt Zürich, «Der Zürcher Bunkerwanderführer», Eigenverlag, Zürich, 2014.
    Martin Bürlimann, Kurt Gammeter: «Damals», Wibichinga Verlag, 2023.

  • Erhöhte Sichtbarkeit dank neuer Einsatzweste

    Erhöhte Sichtbarkeit dank neuer Einsatzweste

    Die Stadtpolizei Zürich gibt seit 1991 persönlich zugeteilte Unterziehschutzwesten ab. Ursprünglich wurden rund 100 Mitarbeitende ausgerüstet, die in der offenen Drogenszene tätig waren. Damals wurde die ballistische Schutzweste mit zusätzlichem Stichschutz entwickelt – insbesondere zum Schutz vor Angriffen mit Injektionsnadeln. 

    Dieses Konzept hat sich bewährt und wurde seither kontinuierlich weiterentwickelt. Mit der neuen Ausrüstung erhöht die Stadtpolizei Zürich die Sicherheit und den Komfort ihrer Einsatzkräfte.

    Wie an der Medienkonferenz zur letztjährigen Sicherheitsumfrage vom 11. November 2024 durch Kommandant Beat Oppliger angekündigt, soll mit den neuen Westen die Sichtbarkeit der Einsatzkräfte verbessert werden. Das ist bei der neuen Ausrüstung ein zentrales Element.

    Die Schutzweste ist mit lemonfarbenen Beschriftungselementen auf Brust, Rücken und Schultern ausgestattet. Zusätzlich können je nach Einsatz weitere gut sichtbare Beschriftungselemente angebracht werden, um die Erkennbarkeit zu erhöhen. 

    «Ich bin überzeugt, dass unsere Mitarbeiter*innen mit den neuen Westen noch besser wahrgenommen werden und dadurch das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung weiter verbessert wird», sagt Kommandant Beat Oppliger.

    Optimierter Schutz

    Die bisherige Schutzweste musste bei erhöhten Bedrohungslagen durch eine schwere Überziehweste ersetzt werden. Die neue persönliche Schutzweste ermöglicht eine schnellere Reaktion: Sie kann einfach mit ballistischen Schutzplatten verstärkt werden und bietet dann Schutz gegen Lang- und Kurzwaffen.

    Zudem kann die Schutzweste mit Armprotektoren ausgerüstet werden, um bei spontanen Ordnungsdiensteinsätzen optimalen Schutz zu gewährleisten. Je nach Einsatzart können an der Weste flexibel weitere Ausrüstungsgegenstände angebracht werden. 

    Ergänzend zur neuen Schutzweste wurde ein neuer Waffengurt beschafft. Dieser ist optimal auf die Einsatzweste abgestimmt. Die moderne Polizeiarbeit erfordert das Mitführen zahlreicher Ausrüstungsgegenstände, was die Gewichtsbelastung auf der Hüfte der Einsatzkräfte erhöht.

    Der neue Waffengurt ist anatomisch vorgeformt und gepolstert, um den Tragekomfort deutlich zu verbessern, indem die Belastung bestmöglich verteilt wird und um Druckstellen vorzubeugen.

    Quelle: Medienmitteilung Stadtpolizei Zürich

  • Ein Happy End für Hannibal

    Ein Happy End für Hannibal

    Roman Wasik

    Hannibal Buris Handy klingelt ununterbrochen. «Es hört nicht mehr auf», sagt der von Krankheit gezeichnete, aber sehr glückliche Wipkinger mit Luzerner Wurzeln. Ein öffentlicher Hilferuf hat eine Solidaritätswelle ausgelöst, die der quartierbekannte Musiker nicht für möglich gehalten hätte.

    Grund dafür ist seine elfjährige Appenzeller Hündin Lillifee, für deren Spaziergänge der 61-Jährige kaum mehr Kraft hat. Hannibal Buri leidet unter Achalasie, einer Funktionsstörung der Speiseröhre, und wiegt anfangs Februar nur noch 44 Kilogramm.

    Er leidet, aber mehr als seine Krankheit schmerzt ihn, dass er nicht mehr adäquat für seine Lillifee sorgen kann. In den sozialen Medien bittet er deshalb um Unterstützung und auch im «TeleZüri» erzählt er von seinem Schicksal.

    Grosse Solidarität

    Die berührende Geschichte bewirkte ein enormes Echo und Lillifee wird seither täglich mehrmals von diversen Freiwilligen spazieren geführt. Hannibal Buri, dessen Verpflegung über eine Magensonde bis zu zwei Stunden dauert, ist erleichtert: «Dank dem Verein Mensch und Tier im Glück ist für Lillifee auch langfristig gesorgt.»

    Der Verein unterstützt, koordiniert die Spaziergänge und sorgt damit, dass die Lebensgemeinschaft von Mensch und Tier bestehen bleiben kann. Hannibal Buri ist überglücklich. Die grosse Solidarität verleiht ihm neue Kräfte: «Bald will ich wieder Musik machen und mein Solo-Album fertigstellen.» 

    Ein Beitrag des Quartiervereins Wipkingen

  • «Fälleler» in flagranti erwischt

    «Fälleler» in flagranti erwischt

    Ein Anwohner der Nordstrasse meldete am Montagabend, 24. März, um 22.30 Uhr der Stadtpolizei Zürich, dass er eine Gruppe «Fälleler» beobachte, die von Fahrzeug zu Fahrzeug gehe.

    Sofort rückten mehrere Uniformpatrouillen aus. In der Folge kontrollierten Polizisten*innen eine Dreiergruppe, die auf das Signalement passte.

    Bei der Kontrolle stellten sie bei einer Person mutmassliches Deliktgut sicher, das einem soeben verübten Diebstahl aus einem Fahrzeug zugeordnet werden konnte.

    Bei den Tatverdächtigen handelt es sich um eine 20-jährige Schweizerin, einen 24-jährigen Schweizer und um einen 23-jährigen Spanier.

    Alle drei wurden festgenommen und für weitere Abklärungen auf eine Polizeiwache gebracht. Eine umfassende Spurensicherung wird vom Forensischen Institut Zürich gemacht.

    Quelle: Medienmitteilung Stadtpolizei Zürich

  • Warum Igel nun Hilfe benötigen

    Warum Igel nun Hilfe benötigen

    Dem heimischen Braunbrustigel geht es schlecht – nach Millionen von Jahren auf unserem Planeten steht er mittlerweile auf der roten Liste der gefährdeten Tiere. Laut einer Medienmitteilung vom Verein Tierschutz beider Basel (TBB) kann jede kleine Massnahme helfen, das Leben dieser faszinierenden Tiere zu schützen.

    Grosser Nahrungsbedarf nach dem Aufwachen

    Nach dem langen Winterschlaf haben Igel oft ein Drittel ihres Körpergewichts verloren. Um ihre Reserven wieder aufzufüllen, benötigen sie dringend Wasser und Nahrung. Als Insektenfresser ernähren sich Igel von Käfern, Larven, Puppen, Raupen, Ameisen, Mücken und Spinnen.

    Doch das Insektensterben macht es den Tieren schwer, ausreichend Nahrung zu finden. Aufgrund der schwindenden Nahrungsgrundlage wird in der Not die natürliche, artgerechte Insektennahrung immer mehr durch für Igel schädliche Schnecken ersetzt. Durch diese Nahrung werden Parasiten übertragen und die unterernährten Tiere werden noch zusätzlich krank, wie die Medienmitteilunge erklärt.

    Futterangebot

    Ein kurzfristiges, gezieltes Futterangebot durch den Menschen kann vom Winterschlaf geschwächten Igeln helfen. Dazu eignet sich Nass- oder Trockenfutter für Jungkatzen mit hohem Eiweissanteil. Kommerzielle Igelfutter enthalten oft zu viele Kohlenhydrate und sind für Igel ungeeignet. Wichtig ist, dass das Futter vor anderen Tieren wie Katzen, Mardern oder Füchsen geschützt wird – hierfür werden im Handel spezielle Futterhäuser angeboten.

    Für kommerziell oder selbstgebaute Futterhäuser sollte gemäss TBB gelten: Das Futterhaus sollte mindestens 40 x 60 x 40 Zentimeter gross sein, damit zwei Igel aneinander vorbeikommen. Es sollte zwei Öffnungen (10 x 10 Zentimeter) mit Labyrintheingängen haben, evtl. Rattenklappen (Schwingtüren in den Eingängen). Die Hygiene am Futterplatz ist sehr wichtig. Eine regelmässige Reinigung des Futterhauses ist unabdingbar, um eine Übertragung von Krankheitserregern zu vermeiden.

    Deswegen sollte das Haus entweder eine Bodenplatte haben, welche regelmässig gereinigt oder mit Zeitung ausgelegt (leicht zu wechseln) wird, oder auf Fliesen oder Stein gestellt werden. Falls eine Seitenwand durchsichtig ist, können zudem die Igel beobachtet werden.

    Die Zufütterung sollte jedoch zeitlich begrenzt sein und nicht dazu führen, dass sich mehrere Igel an einem Ort sammeln – das erhöht das Risiko von Infektionen und Parasitenübertragungen.

    Der «Höngger Podcast» zum Thema Igel:

    Heckenränder bitte stehen lassen

    Der dazugehörige «Höngger» Artikel: https://hoengger.ch/igel-in-noeten/

    Vorsicht bei Gartenarbeiten

    Mit dem Frühlingsbeginn starten viele Menschen mit den Gartenarbeiten – dabei lauern Gefahren für Igel. Achten Sie auf versteckte Igel, bevor Sie mit einer Mistgabel in Laub-, Ast- oder Komposthaufen stechen. Wird ein Igel versehentlich aufgestöbert, decken Sie ihn sofort wieder zu und lassen Sie ihn in Ruhe. Verwenden Sie Mähroboter nur tagsüber und nutzen Sie Fadenmäher nur, wenn Sie die zu mähenden Flächen vorher kontrolliert haben, vor allem unter Hecken und Büschen.

    Naturnahe Gärten schützen Igel langfristig

    Der beste Schutz für Igel ist ein intakter Lebensraum. Gärten, die naturnah gestaltet sind, bieten Nahrung und Rückzugsorte. Laub-, Ast- und Komposthaufen sind wertvolle Lebensräume für Insekten – und damit auch für Igel.

    Zusätzlich sollten Schächte und Wasserbecken abgedeckt oder mit einer Ausstiegshilfe versehen werden, um zu verhindern, dass Tiere hineinfallen und nicht mehr herauskommen.

    Appell an Autofahrer

    Im Frühling überqueren viele Igel auf der Suche nach Nahrung oder einem Partner die Strassen – mit oft tödlichen Folgen. Bitte fahren Sie besonders in Dörfern und Städten aufmerksam. Falls ein Igel auf der Fahrbahn sitzt, tragen Sie ihn vorsichtig in seiner Laufrichtung über die Strasse und setzen Sie ihn 2 – 3 Meter vom Strassenrand entfernt ab. Verwenden Sie dafür Handschuhe oder ein Tuch und achten Sie auf die eigene Sicherheit.

    Falls Sie einen kranken oder verletzten Igel finden, sichern Sie das Tier vorsichtig mit Handschuhen oder einem Tuch und setzen Sie es in eine mindestens 30 Zentimeter hohe Kiste. Schwer verletzte Igel sollten schnellstmöglich zu einem igelkundigen Tierarzt gebracht werden. Holen Sie sich Rat bei Igel-Experten:

    Anlaufstellen bei Igel-Fragen

    Pro Igel Notfallnummer: 0800 070 080 (täglich 16–20 Uhr)

    Igelzentrum Zürich: 044 362 02 03
    Mo–Fr: 16–18 Uhr 
    www.igelzentrum.ch

    Weitere Pflegestationen finden Sie auf: www.proigel.ch

    Allgemeine Anfragen per Mail: tierschutz@tbb.ch