Um 07.05 Uhr fährt der IC2 nach Arth-Goldau mit Umsteigen auf den IR26 Treno Gottardo nach Faido. Ab Faido fährt die Gruppe mit dem Bus nach Tengia – dort startet die Wanderung auf der Strada Alta in Richtung Süden. Nach einer Stunde wird das Dorf Calonico erreicht. Weiter geht es zum Prato bello.
Es folgt ein kurzes Stück auf der Ortsverbindungsstrasse, dann steigen die Teilnehmenden wieder auf durch den Wald. Nach zweieinhalb Stunden kommt die Gruppe im Dorf Anzonico an und in der gleichnamigen Osteria wird eingekehrt. Anschliessend führt der Weg weiter nach Cavagnago.
Es folgt das letzte Wegstück ins Dorf Sobrio. Um 16.47 Uhr fährt der Bus ins Tal nach Lavorgo, wo der Treno Gottardo wartet.
Die Wanderzeit beträgt viereinhalb Stunden mit einem Aufstieg von 510 und einem Abstieg von 500 Metern. Gute Wanderschuhe und Stöcke sind empfohlen. Das Wanderleiterteam Urs und Hilde freut sich auf eine abwechslungsreiche Wanderung.
Wander-Infos
Besammlung um 6.55 Uhr beim Gruppentreff HB. Gruppenreisebillett mit Halbtax: Fr. 41.-. Organisationsbeitrag: Fr. 8.-. Die Anmeldung ist obligatorisch, auch mit GA: Montag, 13. April, 19–20.30 Uhr, bei Urs Eichenberger, 044 341 05 07, oder Hildegard Badr Zadeh, 044 341 71 28. Notfallnummer: 079 629 77 01 (Urs).
«Ich habe Rücken»: Mit diesem Satz brachte der deutsche Komiker Hape Kerkeling einst ein sogenanntes Volksleiden auf den Punkt. Was sich auf der Bühne amüsant anhört, ist im realen Leben ein ernstes Thema: Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt.
Dahinter können ganz unterschiedliche Ursachen stecken – von Abnutzungserscheinungen über Bandscheibenvorfälle und Reizungen des Ischiasnervs bis hin zu Tumoren oder Verletzungen der Wirbelsäule.
Das Stadtspital Zürich trägt diesem breiten Spektrum Rechnung, bündelt seine vorhandenen Kompetenzen und hat neu ein Wirbelsäulenzentrum geschaffen. Leiter des Zentrums ist PD Dr. med. Daniel Coluccia, Chefarzt Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie. Die wirbelsäulenspezifischen Fachdisziplinen wie Chirurgie, Rheumatologie, Neurologie, Physiotherapie, Radiologie sowie Schmerzklinik sind bereits etabliert im Stadtspital, erklärt er.
«Im Wirbelsäulenzentrum haben wir diese Fachdisziplinen gebündelt und die interprofessionelle Zusammenarbeit, die wir im Alltag leben, auch organisatorisch in den Statuten festgelegt.» Dadurch werde die interdisziplinäre Arbeit, die im Stadtspital Zürich grossgeschrieben wird, nach aussen noch sichtbarer.
«Im Stadtspital wird ein Problem mit dem Rücken stets von mehreren Fachpersonen behandelt», sagt Coluccia. Der Austausch zwischen den Spezialistinnen und Spezialisten sei im Alltag fest verankert und erleichtere die Behandlung erheblich. Im Falle des Wirbelsäulenzentrums bedeutet das: Unter einem Dach sind sämtliche Fachrichtungen beheimatet, die für die Behandlung von Rückenleiden relevant sind.
Von Abnutzung bis Tumorerkrankung
Im neuen Zentrum kann also das gesamte Spektrum an Erkrankungen der Wirbelsäule behandelt werden – von der Halswirbelsäule bis zum Becken. «Ich bin ein Verfechter davon, früh eine klare Diagnose zu stellen und bei länger dauernden Beschwerden eine radiologische Bildgebung wie beispielsweise ein MRI zu machen, und danach einen Behandlungsplan aufzustellen», sagt Coluccia.
Entscheidend sei zudem, ob mit Rückenschmerzen der Alltag noch funktioniere. Wenn die Schmerzen jedoch so stark sind, dass man nur mit viel Mühe laufen oder arbeiten kann, sollte man sich rasch untersuchen lassen. Auch dann, wenn Nervenschmerzen auftreten, Schmerzen in Arme oder Beine ausstrahlen oder neurologische Auffälligkeiten wie Gefühlsstörungen oder Kraftverlust bestehen.
Operieren oder nicht?
Oft könne man Betroffene nach der Diagnose zunächst beruhigen, so der Chefarzt. In vielen Fällen sei eine Operation gar nicht nötig. Stattdessen werde zunächst eine konservative Behandlung angestrebt, etwa mit Schmerzmedikamenten, Infiltrationen oder Rückenübungen.
Sollte es doch zu einer Operation kommen, verfügt das Zentrum über viel Erfahrung. Im Jahr 2025 wurden laut Coluccia am Standort Triemli rund 600 operative Eingriffe an der Wirbelsäule durchgeführt. Doch der Chefarzt betont, dass zunächst immer überprüft werde, ob konservative Therapien ausreichen.
Hinzu komme: Moderne Wirbelsäulenchirurgie sei jedoch heute deutlich schonender als früher. Häufig arbeiteten die Chirurginnen und Chirurgen mit dem Operationsmikroskop und minimalinvasiven Zugängen. «Der Eingriff kann dank moderner Operationstechnik maximal schonend durchgeführt werden», so Coluccia. Bei einer Bandscheibenoperation etwa bleiben Patientinnen und Patienten meist nur zwei Tage im Spital.
Manchmal sei es jedoch auch riskanter, eine notwendige Operation zu lange hinauszuzögern – etwa bei mechanischen Problemen wie einer Spinalkanalstenose, bei der Nerven eingeengt werden. «Solche Probleme lassen sich nicht einfach mit Tabletten oder Training beheben», erklärt Coluccia.
Vorbeugen ist möglich – aber nicht immer
Ob sich Rückenleiden vollständig verhindern lassen, wird immer wieder diskutiert. Ein Patentrezept gebe es jedoch nicht, sagt Coluccia. Gewisse Risikofaktoren seien bekannt: Rauchen und starkes Übergewicht zum Beispiel erhöhten die Wahrscheinlichkeit für Verschleisserscheinungen. Regelmässige Bewegung und gezieltes Krafttraining können helfen, die Wirbelsäule zu stabilisieren.
Dennoch könne auch jemand, der alles richtig mache, beispielsweise einen Bandscheibenvorfall erleiden, schliesslich können im Alltag oder beim Sport Fehlbelastungen und folglich Schäden am Rücken nicht immer vermieden werden. Umso wichtiger ist es deshalb, bei anhaltenden Beschwerden frühzeitig eine fundierte Abklärung vorzunehmen und den passenden Behandlungsweg zu finden.
Ein Tag ist vergangen seit dem Wahlfest am Sonntag in der Nacht. Hast du deine Gefühle schon sortiert? Stefania Koller: Ganz ehrlich: Es scheint mir alles noch ein bisschen surreal. Sitze ich ab Mitte Mai wirklich im Gemeinderat? Was für eine Ehre, was für ein Privileg!
Du arbeitest als Architektin und Stadtplanerin für ein Büro in Zürich, betreust viele Projekte gleichzeitig. Was musst du jetzt alles umstellen? Primär muss ich meinen freien Tag umstellen. Von Freitag auf Mittwoch, weil dann die Fraktions- und Ratssitzungen sind.
Wäre die Kommission für Hochbau und Stadtentwicklung ein möglicher Ort, wo du wirksam werden könntest? Das ist bestimmt der Ort, an dem ich am schnellsten wirksam werden könnte. Die Themen dieser Kommission sind mein tägliches Brot. Da ich eine neugierige und wissensdurstige Person bin, kann ich mir aber auch gut vorstellen, in anderen Kommissionen mitzuwirken. So oder so freue ich mich auf angeregte Diskussionen mit meinen Ratskolleg:innen.
Was gefällt dir an deinem Wohnort Wipkingen? Für mich ist Wipkingen ein Dorf in der Stadt. Eine Ansammlung lebendiger, gut vernetzter Nachbarschaften. Das finde ich grossartig. Ob beim Gang zum Quartierdepot, auf dem Weg nach Hause vom Joggen oder vom Büro, immer wieder begegne ich Menschen, die ich kenne. Flüchtige Bekanntschaften, gute Freund:innen, alles ist dabei. So soll sich Zu-Hause-sein anfühlen. Nicht nur für mich, sondern für alle Wipkinger:innen, die unser Quartier zu dem lebenswerten Stück Stadt machen, das es ist. Ich lebe an der Nordstrasse, ganz in der Nähe vom Röschibachplatz. An die Zeit von Matrazen Concord kann ich mich gut erinnern. Die Schattenseite der Aufwertung ist die Verdrängung, und die bereitet mir grosse Sorgen.
Gibt es sozialdemokratische Anliegen, die du besonders voranbringen möchtest? Ich identifiziere mich klar mit den Kernanliegen der SP, im «Tages-Anzeiger» einmal treffend zusammengefasst als «Renten rauf, Mieten runter, Mindestlohn hoch, Sozialsysteme stärken». Aufgrund meines Werdegangs brenne ich aber besonders für den gemeinnützigen Wohnungsbau oder breiter gesagt: für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Die Frage, wie wir Innenverdichtung ohne Verdrängung bewältigen können, treibt mich am meisten um. Die zugrundeliegenden Themen sind einerseits bezahlbarer Wohnraum, aber auch eine zukunftstaugliche, ressourcen-schonende Stadtentwicklung.
Du hast einen Blitzstart hingelegt und gleich den Eintritt in den Gemeinderat geschafft. Was treibt dich an/was motiviert dich? Ein gutes Beispiel dafür ist der jährlich wiederkehrende und immer noch hoch relevante feministische Streik. Die tiefe Solidarität, die ich fühle, wenn ich mit tausend Gleichgesinnten auf der Strasse stehe, ist unglaublich selbstermächtigend.
Du bist als Architektin ästhetisch geschult und interessiert, bestimmt hast du deine Lieblingsorte im Kreis 10? Unsere Ränder mag ich besonders gern. Von der Kirche Wipkingen oder von der Waid über die Stadt schauen, die Limmat entlang zur Werdinsel spazieren, das gefällt mir. Auch dem Wipkingerplatz kann ich etwas abgewinnen. Infrastruktur aus nächster Nähe fasziniert mich. Die Roheit der Infrastrukturbauten hat etwas für sich. Die findet man in unserer sonst so herausgeputzten Stadt nur selten.
Und welche müsste man verbessern? Grosses Potenzial sehe ich bei der Rosengartenstrasse. Die Wunde, die dem Quartier mit dieser Strasse zugefügt wurde, ist wirklich krass. Dass das Quartier über die Rosengartenstrasse wieder zusammenwachsen kann, ohne dass seine Bewohner:innen dabei verdrängt werden, das wünsche ich mir für Wipkingen.
Ein Beitrag von Pfarrerin Yvonne Meitner, Kirchenkreis 10
Glauben Sie an die Auferstehung? Dass Jesus Christus gestorben ist, ist historisch erwiesen resp. durch ausserchristliche Quellen belegt. Seine Auferstehung kann nur geglaubt werden, denn dass jemand nach dem Tod wieder am Leben ist, widerspricht jeglicher Vernunft.
Kein Wunder waren die Frauen am Grab zuerst starr vor Schrecken, als sie in der Grabeshöhle keinen Leichnam mehr antrafen: Ostern ist deshalb für all diejenige, die an ihre Grenzen gekommen sind. Die alles versucht und gehofft – und alles verloren haben. Ostern ist für alle Trauernden, deren Leben von einem auf den anderen Tag ganz anders ist.
Ihnen allen spricht Jesus als Auferstandener zu: «In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.» Und dieses Überwinden kommt nicht sogleich: In der Nacht ist der Tag noch nicht da, und mitten im Winter ist der Frühling noch fern.
Aber wir können es wie die Jünger:innen machen: Vielleicht mit Schmerz(en) lassen wir die fruchtlosen Fragen nach dem Wozu hinter uns und machen uns auf den Weg Richtung Ostern, bis zu unserer persönlichen Oster-/Auferstehungserfahrung.
Deutsche belehren oft und gerne, dass die Schweiz als letztes Land das Frauenstimmrecht eingeführt habe. Die Gegenfrage bleibt meist aus: Frauenstimmrecht in Deutschland? Hat die «Schwäbische Hausfrau» über den Euro abgestimmt? Konnten deutsche Frauen ein «Wir schaffen das»-Referendum ergreifen?
Die Schweiz war 1971 nicht das letzte, sondern das erste Land, das ein Frauenstimmrecht per Volksabstimmung eingeführt hat. Bereits im Mittelalter gab es Frauenstimmrechte, welche allerdings die Zeit nicht überdauert haben.
Die drei Dorfbrunnen
Der Bau der Wasserversorgung war das letzte grosse Wipkinger Bauwerk vor der Eingemeindung 1893. Es kam dank dem Frauenstimmen zustande. Die Brunnengenossen, eine alte Korporation in Wipkingen, betrieben die drei Dorfbrunnen. Der Wipkinger Gemeinderat liess die Brunnengenossen prüfen, ob sich die Gemeinde dem städtischen Pumpwerk anschliessen oder eine eigene Wasserversorgung erstellen solle. Der Käferberg würde genügend Quellwasser liefern, behauptete eine geologische Untersuchung.
Einige Grundeigentümer wollten ihr Wasser nicht hergeben. Eine Commission wurde eingesetzt, welche der Wasserversorgungs-Gesellschaft – die Nachfolgeorganisation der Brunnengenossen – Bericht und Antrag erstattete. An der Versammlung vom 16. September 1880 waren die Gegner in der Mehrheit. Präsident Wismer-Dietschi griff zu einer List. Er liess schriftlich unter Namensaufruf abstimmen, und «…die anwesenden Mitglieder, darunter Wittwen, welche berechtigt waren, Stellvertreter an die Versammlung zu schicken, halfen wesentlich bei, die Anträge der Commission, zur Verwunderung vieler, zum gültigen und unanfechtbaren Beschluss zu erheben», stand im Schlussbericht.
Im April 1881 war das Bauwerk vollendet. Eine technische Meisterleistung: 153 Kochherde waren angeschlossen, nebst Feuerspritze und Zuleitungen zu Waschhäusern, Bäckereien, Metzgereien, Werkstätten und Ställen. Das Stimmrecht der «Wittwen» beruhte auf einem alten Recht der Brunnengenossen. Das Stimmrecht war nicht an die Person gekoppelt, sondern an die Mitgliedschaft. Diese wiederum beruhte auf dem Eigentumsverhältnis.
Wichtiges Detail: Die Brunnengenossen zählten nicht die angeschlossenen Häuser, sondern Kochherde. Besass eine Frau einen Herd, ob selbst gekauft oder geerbt, besass sie auch das Stimmrecht bei den Brunnengenossen bezüglich Wasserkonsum. «Frauen an den Herd!» hat somit eine weitere Bedeutung: Frauen am Herd hatten Stimmrecht.
Das mittelalterliche Frauenstimmrecht
Die Abstimmung der Brunnengenossen zur Wasserversorgung ist das letzte ausgeübte Frauenstimmrecht früherer Zeit. Zuvor, insbesondere im Mittelalter, war das Frauenstimmrecht im Fraumünsterlehen Wipkingen weit verbreitet. In der Neuzeit hiess es «One man one vote» und etwas moderner, «Eine Person, eine Stimme». Das Stimmrecht ist an die Person gebunden. Sind die Bedingungen erfüllt (Schweizer Pass, über 18 Jahre alt, nicht entmündigt) besteht ein unveräusserlicher Rechtsanspruch auf Stimmabgabe. Gewählt werden Listen und Personen, abgestimmt wird über alles zwischen Kuhhörnern und Kampfflugzeugen.
Das war im Mittelalter anders. Boden, Wald und Wasser gehörten dem Fraumünster. Es fand ein reger Handel mit Waren aller Art statt; Kernen, Holz, Stroh, Obst, Vieh, Milch, Käse, Honig, Eier. Ganze Höfe wurden gepachtet und auch vererbt. Die Frage, die oft zu kurz kommt, lautet: Wie konnten die Analphabeten damals Güter gegen Geld tauschen? Unsere geläufigen Einheiten wie Hektare, Kilogramm und Meter gab es nicht. Gehandelt wurde nicht Fläche und Gewicht, sondern der Ertrag, der sich aus einem Grundstück erlösen liess (siehe «Wipkinger» 3/25).
Ein Hof umfasste nicht eine Anzahl Quadratmeter, sondern eine Anzahl «Mannwerk». Das Mannwerk umfasste die Fläche, die ein Mann an einem Tag bewirtschaften konnte. Das war nicht immer gleich, ein Mannwerk an einem Hang war kleiner als auf der Ebene.
Der Wald im Käferberg war in Nutzungseinheiten eingeteilt. Geschlagen wurden Mütt, ein Volumenmass von etwa 83 Litern. Eine Hube umfasste 12 Mütt. Nicht alle Huben waren gleich gross. Die Holzgenossen befanden regelmässig über die Huben und passten sie auch an. Dazu waren nur die Holzgenossen berechtigt. Die Kontrolle erfolgte in der Zählung des geschlagenen Holzes. Analog erfolgte die Nutzung von Fläche in «Gült». Verkauft wurde nicht der Hof oder das Feld, das ja dem Münster gehörte, sondern der mögliche Erlös.
Ein «Mannwerk Acker» ergab eine Anzahl «Mütt Kernen». Dieser Erlös hiess «Gült» und wurde gegen Zins veräussert. Die Zinszahler, meist Männer, konnten nun pflügen und säen. Die Ernte abzüglich dem Zehnten Steuer an das Fraumünster war dann Privateigentum, oft von Frauen. Beispielsweise berichtet eine Urkunde vom 1. März 1402: «Jakob Keller von Wipkingen verkauft an Elsbeth Heidelberg 1 Viertel Kernengeld.» Das Grundstück lag in den «Steinmuren», also den Steimeren bei der heutigen Wunderlistrasse.
Die Urkunde aus dem Jahr 1402 verrät zwei Dinge: Erstens konnte eine Frau einen Kauf tätigen, sie war also mündig und vermögend. Zweitens kaufte Elsbeth Heidelberg nicht den Boden, sondern das «Kernengeld», also den Erlös. In moderner Finanzsprache ausgedrückt war das ein Handel mit einem Derivat. Wer spricht vom finsteren Mittelalter? Anfang des 15. Jahrhunderts kauften Wipkingerinnen nicht ein Asset, sondern die Option auf den Erlös und damit auch das Stimmrecht.
Solche Urkunden sind einige erhalten: Im Jahr 1505 soll «Hans Appenzeller seiner Schwester Magdalena 100 Pfund Kapital verzinsen, 3 Mütt Holz im Käferberg». Magdalena Appenzeller hatte das Recht, Holz aus dem Käferbergwald zu gewinnen. Somit war sie als Eigentümerin Mitglied der Holzgenossen und stimmberechtigt. Mit ihrer Stimme beeinflusste sie die Ausgestaltung der Allmende: kollektive Verwaltung von kollektivem Eigentum – auch dies ist verblüffend modern.
Wipkinger Wirtinnen
Frauen im mittelalterlichen Wipkingen waren oft vermögend. Während der Klosteraufhebung beseitigte die letzte Äbtissin Katharina den «Lass und Fall», die mittelalterliche Erbschaftssteuer. In der Folge flossen grosse Vermögensteile an die Witwen und Kinder der verstorbenen Männer. Eine «Wirtin» war eine Frau mit Vermögen, ledig, verheiratet oder verwitwet. Bei ihr auf dem Hof (also «am Herd») wohnten Knechte und Angestellte.
Eine verblüffende Urkunde diesbezüglich stammt aus dem Jahr 1301, der ersten Erwähnung eines «wingarten» im Weiler Wibichinga: «Wir, Elsebete Eptisschin des Gotzhus Zürich künden allen, das fro Juzzi verköffet hat fron Itun, Johannes des Löwen wirtinne, einen wingarten, lit ze Wipkingen,…» Frau Juzzi verkaufte einen Weingarten an Frau Itun, Johannes des Löwen Ehefrau. Der Weingarten lag in Wipkingen.
Das Spektakuläre an der Urkunde von 1301 ist, dass nicht «Johannes der Löwe» den Weinberg kaufte, sondern seine Frau Itun kaufte ihn von Frau Juzzi. Die Frau besass Vermögen und handelte unabhängig vom Ehestatus. Unter der Obhut der Fraumünsterabtei herrschten im Dorf Unternehmergeist und Vermögens-Gleichberechtigung – und damit verbunden geschlechts-unabhängige Stimmrechte an der Nutzung der Güter, Felder, Quellen und Wälder.
Einkauf ins Stimmrecht
Heute ist der Verkauf eines Stimmrechts undenkbar und auch gesetzlich verboten. Da war nicht immer so. Im Mittelalter gab es abgestufte Stimmrechte. Fremde hatten keine Stimmrechte. Die Zuzüger mussten erst einen Einzugsbrief erwerben. Nach der Reformation erfuhr Wibichinga einen enormen Aufschwung.
Ab den 1580er-Jahren zogen vermehrt Auswärtige nach Wipkingen. Sie bezahlten hohe Preise für das Niederlassungsrecht. Damit verbunden waren die Stimmrechte: die Haushofgerechtigkeit (Erlaubnis, einen Haushalt zu führen), Dorfgerechtigkeit (Stimm- und Wahlrecht) und das Recht auf «Holtz und Veld, Wunn und Weid» (Nutzungsrechte an den Allmende-Ressourcen). Zusätzlich erwerben mussten die Zuzüger den Beitritt zur Korporation mit Nutzungsrechten an Weide, Wasser und Wald.
Zertrümmerte Institutionen
Zurück zur Eingangsfrage: Wann und warum haben die «Wipkinger Wirtinnen» ihre Stimmrechte verloren? Die mittelalterlichen Stimmrechte waren veräusserlich. Unser modernes Stimmrecht kennt dies nicht. Exakter formuliert lautet die Frage: Wann und warum sind die Institutionen mit den nutzungsgebundenen, veräusserlichen Stimmrechten verschwunden? Eine mögliche Antwort lautet: Mit der Einführung des metrischen Systems.
«Mütt» und «Mannwerk» sind an den Erlös gebunden, «Kilogramm» und «Quadratmeter» an den Boden. Napoleon brachte das metrische System in die Schweiz. Bei der Invasion 1799 und der Beseitigung des Ancien Régimes in Helvetien verschwanden auch die mittelalterlichen Institutionen.
In der Folge waren die verbliebenen Stimmrechte nicht mehr an den Verbrauch gekoppelt, sondern an eine Person – also an den Mann. Napoleon zertrümmerte die wehrlose helvetische Armee, das morsche Ancien Régime und nebenbei auch die mittelalterlichen Institutionen. Die unveräusserlichen Menschenrechte («les droits de l`homme») brachten nebst vielen Vorteilen auch das Ende der handelbaren Stimmen und damit das Ende der alten Frauenstimmrechte.
Quellen
Conrad Escher und Rudolf Wachter, «Chronik der Gemeinde Wipkingen», Zürich 1917.
Martin Bürlimann, Kurt Gammeter: «Damals – Wipkingen, ein Bilderbogen», Wibichinga Verlag, 2023.
Bericht des Vorstandes der Wasserversorgungs-Gesellschaft Wipkingen, 1883.
Derzeit kann man das Motiv der Osterkerze kaum mehr erkennen, so weit ist sie schon heruntergebrannt, wie die Pfarrei Guthirt berichtet. In der Osternachtfeier am 4. April wird sie feierlich durch eine neue ersetzt.
In Guthirt verbinden sich damit gleich zwei schöne Traditionen: Zum einen kommt sie nicht aus dem Kerzenkatalog, sondern wird von einer Gruppe kreativer Frauen selbst gestaltet. Letztes Jahr war es ein Schiff, das auf lebhaften Wellen, mit dem Kreuz auf dem Segel unterwegs ist. Das Sujet der Osterkerze 2026 wird hier noch nicht verraten, in der Gruppe der Gestalterinnen ist die Vorfreude aber schon gross.
Austausch der Kerzen
Die zweite schöne Tradition, die sich mit der Osterkerze verbindet, ist die Tatsache, dass die Gruppe nebst der Kerze für die Kirche Guthirt (und einer für das Gesundheitszentrum für da Alter Käferberg) auch eine mit demselben Sujet für die reformierte Kirche Letten gestaltet.
Im Gegenzug erhält Guthirt von dort eine ebenfalls handgemachte Kerze für die Krypta. So tragen beide nebst der Osterbotschaft von der Auferstehung Christi und ihren besonderen Sujets auch eine gelebte ökumenische Verbundenheit in die Welt.
Bald ist Ostern. Was liegt da näher, als einen Frühlingstext zu verfassen? Etwas, das Hoffnung macht und das Herz erwärmt – irgendwas mit Natur, Blümchen und vor allem: Eiern? Wie es der Zufall so will, habe ich da doch glatt ein kleines Anekdötchen auf Lager. Denn meine Hennen, neben dem Hasen die Hauptprotagonistinnen in punkto Frühlingsfest, sind im Moment ausserordentlich fleissig. Das schöne Wetter und die angenehmen Temperaturen scheinen die Ladies zu motivieren, ihre Produktion so richtig anzukurbeln.
Für mich ist deshalb jetzt schon ein wenig Ostern: Tagtäglich spaziere ich über meinen Hühnerhof und entdecke in immer wieder neuen Verstecken liebevoll drapierte Eier. Und weil ich meistens etwas im Stress bin, packe ich diese in der Regel in einen Karton und deponiere sie in meinem kleinen Häuschen, bis ich sie in aller Ruhe nach Hause transportieren kann. In jüngster Zeit aber geschehen merkwürdige Dinge auf dem Hof: Mehrmals bereits kam ich abends auf den Hof, um die Eier abzuholen, doch diese waren weit und breit nicht aufzufinden.
Zu Beginn hielt ich mich für bescheuert und sah es als ein weiteres Symptom meines Alterungsprozesses. Doch dann kam der Abend, an dem ich einen frischen Tatort vorfand: Der Eierkarton lag auf dem Boden, zwei, drei angeknackste Eier waren noch vorhanden, daneben ein Haufen Schalen und Eiermatsche. Ein Dieb war hier am Werk gewesen! Mein erster Verdacht fiel auf die beiden Katzen, die dort ihr Domizil haben. Doch deren Interesse an vegetarischer Ernährung tendiert gegen Null. Vielleicht war einer der mich begleitenden Hunde in einem unbeobachteten Moment mit seiner dicken Nase ja rein «zufällig» an den Eierkarton geraten?
Diese Variante erschien mir bedeutend wahrscheinlich, vor allem aufgrund der Tatsache, dass sich die Hunde mit Begeisterung auf die Eierpampe stürzten, sobald sie diese erblickten. Ich sah sie tadelnd an, sparte mir aber vorerst meine Moralpredigt. Im Zweifel für die Angeklagten. Das war eine gute Entscheidung. Denn am nächsten Abend wiederholte sich der Vorfall. Dieses Mal aber hatten die Hunde ein lupenreines Alibi, weil sie den Stall genauso nichtsahnend wie ich betraten. Da mussten also andere Mächte am Werk sein.
Und siehe da, ein paar Tage später konnte ich den Übeltäter auf frischer Tat ertappen: Es war der Fuchs. Voll dreist schlich der sich da, noch bei Tageslicht, in mein Häuschen und bediente sich. Als ich mit den Hunden ankam, schaute er zwar ertappt, hatte es aber nicht besonders eilig, den Tatort zu verlassen. Gemütlich trottete er davon, eine Eierschale hing ihm noch aus dem Mundwinkel. Ganz schön unverschämt. Ich war verärgert, schliesslich wurde hier mein Besitz geschröpft.
Dann aber revidierte ich meine Meinung: Eigentlich war es dem Fuchs hoch anzurechnen, dass er nicht mal den Versuch unternahm, sich an den Hennen zu vergreifen und sich stattdessen mit ihren Erzeugnissen begnügte. Wer weiss, vielleicht fühlt er sich bei mir ein wenig wie zuhause und akzeptiert die Hennen als Teil seines Reviers? Etwas menschlich gedacht, ich weiss. Aber das wäre doch eine wunderschön-versöhnliche Pointe: Osterfrieden über die Artgrenzen hinweg. Dafür bin ich gerne bereit, mit Reineke zu teilen.
Ein paar Zahlen vorweg: Im Jahr 2025 besuchten insgesamt 14 200 Personen die verschiedenen Angebote. Der offene Treffpunkt allein verzeichnete 10 500 Besuche. Die verschiedenen Aktivitäten ermöglichen Begegnungen zwischen Bewohnenden des Bundesasylzentrums und der städtischen Bevölkerung. Und Mitmachen wird grossgeschrieben: 2025 wurden über 1400 Freiwilligenstunden geleistet. In der Folge werden einige wichtige Angebote näher vorgestellt.
Ein Begegnungsraum, der seinen Namen verdient
Der Begegnungsraum fügt sich unauffällig in das Bundesasylzentrum ein. Ausgestattet mit direktem Zugang (von Gleisbogen und Pfingstweidstrasse her) heisst der liebevoll gestaltete Treff alle willkommen – Bewohnende des Bundesasylzentrums, die Quartierbevölkerung, zufällig vorbeilaufende oder gezielt neugierige Menschen. Gute Gespräche, ein spontanes Kartenspiel, kreative Aktivitäten – es gibt hier viele Möglichkeiten miteinander in Kontakt zu kommen.
Es ist aber auch möglich, gemütlich innezuhalten und seinen eigenen Gedanken zu folgen. Die Kücheninfrastruktur samt Kaffeemaschine sowie Bastelutensilien, Spiele, Musikanlage, Piano und eine bequeme Sofaecke werden gut genutzt. Im Laufe der Jahre haben Tausende von Menschen diesen Raum besucht und teilweise, in Form von Zeichnungen, ihre Spuren hinterlassen.
Mittlerweile ist der offene Treff jeden Tag mehrere Stunden geöffnet. Am Wochenende sorgen engagierte Freiwillige für den Betrieb. Unter der Woche führt das GZ-Team den Raum, unterstützt von interkulturellen Vermittlungspersonen. Der Ort hat sich über die Jahre auch im Quartier etabliert. Die Atmosphäre ist gemütlich, der Zutritt einfach und unkompliziert. Ein Besuch lohnt sich
Der Aussenraum entwickelt endlich seinen eigenen Charme
Lange Zeit war der Vorplatz des Begegnungsraumes kein einnehmender Platz. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert. Dank verschiedenen Kooperationen, unter anderem mit AIA (Awareness in Art) und unter der aktiven Beteiligung von Bewohnenden des Bundesasylzentrums, wurde er gezielt aufgewertet. Verschiedene Sitzgelegenheiten, schattenspendende Sonnenschirme, farbliche Akzente und ein Hochbeet-Gemüsegarten geben nun ein gemütliches Gepräge und erhöhen die Aufenthaltsqualität.
Aber damit ist noch nicht Schluss. Weiterhin finden Bauaktionen statt. Es werden Elemente geplant, umgesetzt und anschliessend auf Herz und Nieren geprüft, inklusive Probesitzen. Hier sind Ideen und geschickte Hände nach wie vor gefragt. Wer sich beteiligen will – das GZ-Team freut sich auf die Zusammenarbeit. Solche Aktivitäten sind ein wunderbarer Rahmen, um mit verschiedenen Menschen in Kontakt zu kommen und trotz Sprachbarrieren einen nicht alltäglichen Austausch zu erleben, im gemeinsamen Gestalten. Im Jahr 2026 wird der Aussenraum mit verschiedenen öffentlichen Anlässen belebt. Er soll verstärkt auch Quartierbewohnende ansprechen sowie Personen, die im Umfeld arbeiten oder studieren.
Eingesandt von Erik Baggenstos & Karl Guyer
Begegnungsraum BAZ
Der Standort BAZ befindet sich im Bundesasylzentrum,
gleich bei der Fussgängerbrücke Ecke Duttweilerstrasse 11/Pfingstweidstrasse.
Seit der Gründung des «Garte über de Gleis» habe ich an diesem schönen Ort gegärtnert und mich im Vorstand engagiert. Ich war zwar nie eine gute Gärtnerin. Kohlräbli, Blumenkohl, Broccoli, Tomaten, Rüebli und Radiesli fühlten sich in meiner Gartenkiste nie ganz wohl, das heisst, sie wollten einfach nie wachsen.
Dies führte mich dazu, dass ich einfachere Sachen anpflanzte. Ich verlegte mich auf Blumen wie Lavendel, Tulpen, Osterglocken, Skabiosen, Verbene und Flockenblumen, welche auch viele Insekten, Bienen und Schmetterlinge entzückten. Zudem pflanzte ich einen Apfelbaum und Himbeeren.
Schleichender Wandel
Bei diesem Apfelbaum wurden mehrere Äste abgerissen. (Foto: zvg)
Jahrelang ging es gut. Den Blumen gefiel es in der Kiste und der Apfelbaum und die Himbeeren sorgten für regelmässigen Beeren- und Apfelgenuss. Doch irgendwann kündigten sich schleichende Veränderungen an. Wurden zu Beginn noch ab und zu Gemüse, Beeren und Obst entwendet und liess sich der von den Besucher*innen, hauptsächlich von Jugendlichen, liegengebliebene Abfall einmal wöchentlich entsorgen, hat sich die Situation in den vergangenen zwei Jahren verschärft.
Bäume zerstört
Der Verpackungsabfall von den umliegenden Geschäften und Restaurants müsste täglich entsorgt werden. Dies auch, weil die aufgestellten Abfallkübel den Müll nicht mehr schlucken können und sich die Besitzerin des Platzes weigert, die Abfallkübel regelmässig zu leeren. Vielmehr hat sie einen Sicherheitsdienst engagiert, der abends seine Runden dreht und die Jugendlichen regelmässig vertreibt.
Seither haben Vandalismus und Diebstahl zugenommen. Ob es einen Zusammenhang zwischen Sicherheitspatrouillen und zunehmender Zerstörung gibt, weiss ich nicht. Ich stelle aber fest, dass vermehrt Pflanzen ausgerissen, Gemüse geklaut und Äste von Bäumen abgebrochen, ja Bäume ganz zerstört werden.
Laut einer aktuellen Planauflage des Tiefbauamts der Stadt Zürich sowie einer permanenten Verkehrsvorschrift soll die Haltestelle Michelstrasse der Buslinie 38 hindernisfrei umgebaut werden. Wie dem erläuternden Bericht zum Strassenbauprojekt zu entnehmen ist, entspricht die bestehende Bushaltestelle «in ihrer heutigen Ausgestaltung nicht den Anforderungen an eine hindernisfreie Nutzung des öffentlichen Verkehrs».
Zur Sicherstellung der hindernisfreien Benutzbarkeit plant das Tiefbauamt der Stadt Zürich in Zusammenarbeit mit den Verkehrsbetrieben Zürich bauliche Anpassungen an den Haltekanten in beiden Fahrtrichtungen. Zudem soll die Einmündung Michelstrasse / Benedikt-Fontana-Weg kompakter gestaltet werden, um die Querungsdistanz für den Fussverkehr entlang der Michelstrasse zu reduzieren.
Das sind die konkreten Pläne
Laut der Auflage sind folgende Arbeiten und Änderungen vorgesehen: der hindernisfreie Ausbau der Haltestelle «Michelstrasse» der Buslinie 38, die Einengung der Fahrbahn im Bereich der Einmündung Michelstrasse / Benedikt-Fontana-Weg, die Anpassung der Haltestelleninfrastruktur, die Verschiebung der Baumrabatte inklusive Ersatzpflanzung von zwei Bäumen sowie die Aufhebung von drei Blaue-Zone-Parkplätzen. Vorgesehen ist zudem eine Entsiegelung zugunsten von Schotterrasen im Bereich der Wartehalle.
Das Projekt ist – soweit ersichtlich – ausgesteckt beziehungsweise markiert. Die Planauflage dauert noch bis Montag, 27. April 2026.