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  • Ein Fluchttunnel durch den Hönggerberg

    Ein Fluchttunnel durch den Hönggerberg

    Das Zürcher ÖV-Netz wird kontinuierlich weiter ausgebaut. Wie genau, das legt die Netzentwicklungsstrategie 2040 der VBZ fest. Ein Teil dieser Strategie ist der Bau einer Tramverbindung über die Europabrücke bis Affoltern. Für diese Verbindung ist der Bau eines Tunnels geplant – quer durch den Hönggerberg. Die Bauarbeiten werden allerdings nicht vor 2050 beginnen.

    Die Politik setzt sich bereits jetzt mit dem Thema auseinander. Dabei geht es nicht nur um den Tunnel für das Tram selber, sondern auch um den aus Sicherheitsgründen notwendigen Fluchttunnel, der neben dem Tramtunnel erbaut werden muss.

    Dieser soll, so wurde der Stadtrat Anfang April mittels eines Postulats aufgefordert zu prüfen, nicht nur für den Notfall dienen, sondern nach Möglichkeit als Velo- und Fussgängertunnel genutzt werden.

    Das würde, so das Postulat, eine direkte Verbindung zwischen Altstetten und Affoltern schaffen. Hinter dem Postulat stehen die Gemeinderatsmitglieder Stefan Reusser (EVP), Benedikt Gerth (Die Mitte) sowie Reis Luzhnica (SP).

    Vorbild aus Norwegen

    Als Beispiel dient den drei Politikern der Fyllingsdal-Tunnel in Norwegen, der auch als Rettungstunnel konzipiert wurde, dann jedoch auch für Fussgängerinnen und -gänger sowie Fahrräder ausgelegt wurde.

    Dieser fast drei Kilometer lange Tunnel in der norwegischen Stadt Bergen verbindet den Stadtteil Fyllingsdalen mit der Innenstadt und wurde im April 2023 eröffnet.

  • Zivilcourage: «Wichtig ist es, überhaupt aktiv zu werden»

    Zivilcourage: «Wichtig ist es, überhaupt aktiv zu werden»

    Eine Frau sitzt allein in einem Zugabteil, in ein Buch vertieft. Ein Mann kommt hinzu, lümmelt sich in den Sitz gegenüber und fragt nach einer Zigarette.  Sie blickt kurz auf, verneint und wendet sich wieder ihrer Lektüre zu. Doch das lässt er nicht zu. Immer wieder spricht er sie an, zunehmend aggressiv. Er wechselt den Platz, setzt sich nun neben sie, kommt ihr bedrohlich nahe und reisst ihr schliesslich sogar das Buch aus der Hand.

    Was hier geschieht, ist ein ganz «alltäglicher» Übergriff. Das Besondere: Diese Tätlichkeit ist gespielt. Inszeniert von Christa Sulimann von Amnesty International und Melvin Hasler, Theaterpädagoge. Sie findet auch nicht in einem Zug statt, sondern im GZ Höngg und unter der Beobachtung von 17 Teilnehmenden des Zivilcourage-Workshops. Dieser vom Frauenverein Höngg mit Unterstützung des GZ sowie der Stadt Zürich organisierte Workshop soll Mut und Wissen vermitteln, um sich in Krisensituationen für andere Menschen einzusetzen.

    Erfolgreich interveniert

    In der nächsten Runde werden die Teilnehmenden selbst aktiv: Vier Frauen steigen in die Szene ein, sitzen nun im fiktiven Abteil der Frau gegenüber. Als der Täter die Frau bedrängt, entwickeln die vier eine Strategie, wie sie ihr helfen können: Sie laden die Betroffene ganz einfach ein, sich zu ihnen zu setzen.

    Ein Vorgehen, das Melvin, den Schauspieler, beeindruckt: Diese Form der Intervention sei eine der erfolgreichsten gewesen, die er je erlebt habe, lobt er. Auch die Umstehenden sind überrascht: «Auf die Idee, die Frau einzuladen, sich zu ihnen zu setzen, wäre ich gar nicht gekommen», sagt eine von ihnen. Damit ist bereits eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Es ist ratsam, sich bei der Intervention auf das Opfer zu konzentrieren – und nicht auf den Täter.

    Warum tut niemand etwas?

    Die Realität aber sieht oft anders aus. Viele Menschen schauen lieber weg, als sich zu engagieren. Dafür gebe es, so erklären die Kursleitenden, eine Vielzahl von Gründen: Etwa die Angst um die eigene Sicherheit oder die Befürchtung, falsch zu handeln. Auch der sogenannte «Bystander-Effekt» ist hinderlich: Je mehr Leute eine Situation beobachten, desto unwahrscheinlicher wird es, dass jemand eingreift – weil sich alle darauf verlassen, dass schon «irgendjemand» etwas unternimmt.

    Die Bedenken sind teilweise verständlich: Beim Eingreifen, so die beiden Coaches, habe die eigene Sicherheit unbedingt Priorität. Bei gefährlichen Situationen sei daher der Anruf bei der Polizei die einzige Alternative. Anders sehe es jedoch mit der Angst davor aus, etwas falsch zu machen: Die könne man überwinden. «Wichtig ist es, überhaupt etwas zu tun – auch wenn es meistens nicht perfekt ist», so Melvin. Und gegen den genannten Effekt sei es hilfreich, Umstehende direkt anzusprechen. Denn wer persönlich um Hilfe gebeten werde, könne sich der Situation schlechter entziehen.

    Zum Abschluss wird nochmals geübt: In Kleingruppen werden reale Situationen nachgespielt. Dabei zeigt sich auch, wie gelähmt man oft ist, wenn man selbst Opfer eines Übergriffs wird. Und wie wichtig es ist, dass andere aufmerksam sind und einschreiten. Damit kommt der Kurs zum Abschluss. Die dreieinhalb Stunden vergingen wie im Flug und machen Lust auf mehr. Den mit der Zivilcourage ist es wie mit vielen anderen Dingen: Übung macht den Meister.

  • Eine neue Kampagne gibt Demenz ein Gesicht

    Eine neue Kampagne gibt Demenz ein Gesicht

    In der Stadt Zürich leben schätzungsweise 8000 Menschen mit Demenz – Tendenz steigend. Rund 60 Prozent von ihnen leben zu Hause, betreut und gepflegt von Angehörigen, wie die Stadt in einer Medienmitteilung schreibt. Menschen aus dem direkten Umfeld sind damit unmittelbar von der Krankheit mitbetroffen.

    Stärker als andere Erkrankungen ist Demenz mit Tabus behaftet. Aus Unsicherheit und falschen Vorstellungen über die Krankheit entstehen Berührungsängste, die den Kontakt erschweren können.

    Persönliche Geschichten

    Mit der Kampagne «Demenz heisst nicht vergessen…» will die Stadt Zürich Demenz im Alltag sichtbarer machen. Im Zentrum stehen persönliche Geschichten von Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonen. Die Kampagne setzt bewusst einen Gegenakzent zu gängigen Bildern von Verlust und Defizit.

    Sie lenkt den Blick auf das, was trotz einer Erkrankung bleibt: Persönlichkeit, Beziehungen und Würde. Sie lädt dazu ein, genauer hinzuschauen und mehr Verständnis zu entwickeln.

    Demenzfreundlichkeit

    «Eine demenzfreundliche Stadt bietet gut zugängliche Beratungs- und Entlastungsangebote und eine starke medizinische Versorgung. Demenzfreundlichkeit entsteht aber auch in der Art, wie wir Menschen mit Demenz begegnen – nämlich so, dass sie sich in der Gesellschaft aufgehoben fühlen. Dafür braucht es Wissen, Offenheit und Verständnis im Alltag», sagt Stadtrat Andreas Hauri, Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartements.

    Die Kampagne wurde unter Einbezug zahlreicher Fachorganisationen in der Stadt Zürich entwickelt. Die Sensibilisierungskampagne gehört zu den acht Massnahmen des «Pilotprojekts Demenz», das die Versorgung der Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen verbessern und das öffentliche Bewusstsein für das Thema schärfen will.

    Eine ebenfalls aus dem Pilotprojekt entstandene neue städtische Webseite zum Thema Demenz bündelt Informationen und Angebote für Betroffene, Fachpersonen und die Bevölkerung.

    Quelle: Medienmitteilung Stadt Zürich

  • Fitness Hönggerberg wird ausgebaut – Sauna ist Geschichte

    Fitness Hönggerberg wird ausgebaut – Sauna ist Geschichte

    Wie der Akademische Sportverband Zürich (ASVZ) auf seiner Website mitteilt, wurde das Fitness Hönggerberg am Robert-Gnehm-Platz auf dem ETH Campus Hönggerberg ab dem 20. April geschlossen.

    Grund ist ein Umbau der Anlage: Aus dem bisherigen Sauna- und Wellnessbereich entstehe eine zusätzliche Fitnessfläche. Die Schliessung werde voraussichtlich bis Mitte September dauern. Nach Abschluss der Arbeiten soll eine modernisierte Anlage mit rund 1000 Quadratmetern Fitnessfläche zur Verfügung stehen.

    Studierende sind empört

    Dass der Sauna- und Wellnessbereich künftig wegfallen wird, kommt bei einigen Studierenden der ETH nicht gut an, wie die «Höngger Zeitung» aus erster Hand erfahren hat. «Die Empörung ist gross», sagt eine Studierende, die anonym bleiben möchte.

    Gerade der Sauna- und Wellnessbereich wurde von den Studierenden sehr geschätzt. Dessen Wegfall habe zur Folge, dass man auf kommerzielle Angebote ausweichen müsse, die im Studium finanziell schwer zu stemmen seien. Man fühle sich angesichts der Entscheidung des ASVZ «hilflos».

    Günstiges Abo

    Das Fitness Hönggerberg ist nicht öffentlich zugänglich, steht jedoch Studierenden und Mitarbeitenden der Zürcher Hochschulen, Studierenden anderer Hochschulen sowie Alumni offen – und ist vergleichsweise günstig. Studierende zahlen beispielsweise nur 35 Franken pro Semester.

    Derweil verweist der Sportverband für die Zeit der Schliessung auf seine anderen Standorte wie das Sport Center Irchel, Polyterrasse, Gloriarank und Fluntern.

  • Tanzhaus feiert 30 Jahre mit Festival für nachhaltige Zukunft

    Tanzhaus feiert 30 Jahre mit Festival für nachhaltige Zukunft

    Seit 30 Jahren sind die Türen vom Tanzhaus Zürich in Wipkingen geöffnet: In drei Studios entstehen Bühnenproduktionen, oft in Koproduktion mit ausgewählten lokalen Kunstschaffenden. Daneben fungiert es als inspirierender Residenz- oder Trainingsort für zeitgenössischen Tanz und ebensolches Ballett. Das Tanzhaus Zürich bietet eine Auswahl an Kursen für Erwachsene und zeigt unter dem Label «Tanzhaus Young» auch Vorstellungen für ein junges Publikum.

    «MovingTowardsZero»

    Im Juni feiert das Tanzhaus Zürich sein 30-jähriges Bestehen und lädt aus diesem Anlass zu einem dreitägigen Jubiläumsfestival ein. Unter dem Titel «MovingTowardsZero» vereint das Programm vom 26. bis 28. Juni Kunst, Aktivismus und gemeinschaftliches Erleben. Geplant sind Workshops, Performances und Rituale, die neue Perspektiven auf ein nachhaltiges Zusammenleben eröffnen.

    Diskursreihe mit vielseitigen Persönlichkeiten

    Bereits im September eröffnete die gleichnamige Diskursreise «MovingTowardsZero» den Denk- und Begegnungsraum. Dabei gaben internationale Expertinnen und Experten monatliche, thematische Inputs, wie zu Zukunftsfragen, Nachhaltigkeit oder neuen Formen des Zusammenlebens. So fand beispielsweise ein Gespräch der Politikerin Mandy Abou Shoak mit der französischen Autorin Emilia Roig statt oder der deutsche Aktivist Tadzio Müller unterhielt sich mit Drag Kuh «Soya the Cow».

    Politikerin Mandy Abou Shoak im Gepräch mit der französischen Autorin Emilia Roig

    Legendäre KUNT-Party und «Happy Hype» im Programm

    Das Festivalprogramm ist vielseitig und wird laufend erweitert. Nach zehn Jahren kehrt Marc Streit, der Pionier der fluiden Zürcher Underground-Szene, zurück. Er will mit der Party KUNT Grenzen überschreiten, übertreiben und die Nacht zurückzuerobern. Ein weiteres Programm-Highlight ist der «Happy Hype», eine Tanzperformance, die Raum für Identitäten und Diversität schafft. Sie lädt das Publikum ein, durch Rufe oder Mittanzen teilzuhaben.

    Quelle: Tanzhaus Zürich

    Programmübersicht «MovingTowardsZero»

    Freitag, 26. Juni

    21:00–03:00 Uhr
    Party KUNT mit Marc Streit und Lukas Beyeler

    Samstag, 27. Juni

    14:00–15:15 Uhr
    Kollektiv dance me to the end
    Sharing Moving Stillness

    15:30–16:30 Uhr
    Kollektiv dance me to the end – Tina Mantel
    Slow Dance

    15:30–16:30 Uhr
    Kollektiv dance me to the end – Katharina Vogel
    Body Nature Mindfulness

    16:45–17:45 Uhr
    Jessica Huber und Constanza Pellicci
    A coral for lost voices

    17:50–19:00 Uhr
    Cosima Grand und Jessica Huber
    wiegen/liegen

    Sonntag, 28. Juni

    14:00–15:00 Uhr
    Martin Schick
    Circle Dance

    15:15–16:45 Uhr
    Dears
    Sensing Bodies Writing

    15:30–17:00 Uhr
    Charlotte Mathiessen und Tejus Menon
    Titel

    Mehr Informationen

  • In die Höngger Weinwelt eintauchen

    In die Höngger Weinwelt eintauchen

    Wein ist Kultur und Geschichte, Terroir und Herkunft, Genuss und Geselligkeit, schreibt der Branchenverband Deutschschweizer Wein in seiner Medienmitteilung. Kurzum: Weine sind etwas Besonderes. All diese Facetten können vom 1. Mai bis 3. Mai anlässlich der «Offenen Weinkeller» kennengelernt werden.

    Die Weinbauregion Zürich ist laut dem Branchenverband unterteilt in die vier Regionen Zürichsee, Limmattal, Zürcher Unterland und Zürcher Weinland. Mit seiner Rebfläche von 613 Hektaren ist der Kanton der grösste Deutschschweizer Weinbaukanton und bietet die grösste Rebsortenvielfalt der Schweiz: rund 115 verschiedene Varietäten sind hier heimisch.

    Das Angebot in Höngg

    Die grosse Vielfalt der Zürcher Weine kann an den «Offenen Weinkellern» erlebt werden. Höngg darf dabei selbstverständlich nicht fehlen und zwei Betriebe öffnen für den «Tag der offenen Weinkeller» ihre Türen, um sich zu präsentieren.

    Beim Gutsbetrieb Juchhof von Grün Stadt Zürich mit seinem für Höngg charakteristischen Rebberg unterhalb der reformierten Kirche – sprich: dem Chillesteig – lädt die Stadt am Freitag, 1. Mai, von 11 bis 17 Uhr zu Degustationen und Rundgängen mit der Stadtwinzerin Karin Schär ein. Zur Verpflegung werden Weinsuppe, Hotdogs und Kuchen angeboten.

    Auch Zweifel 1898 ist dabei: In der Kelterei in Höngg entstehen laut Medienmitteilung schonend und natürlich vinifizierte Weine – geprägt von Leidenschaft, Erfahrung und zeitgemässer Technologie, wie es auf der Website des Branchenverbands heisst. Das Familienunternehmen öffnet am 2. Mai von 11 bis 17 seine Türen und lädt ein, erlesene Weine zu degustieren. Zudem stehen ein Wettbewerb sowie Führungen mit Urs Zweifel auf dem Programm (um 12.30 und 14.30 Uhr, mit Anmeldung). Die Weinbeiz bietet derweil Grillgut, Flammkuchen oder Winzer-Plättli an.

    Quelle: Medienmitteilung und Website Branchenverband Deutschschweizer Wein

  • Berufsmesse Lachenzelg: Markt der Möglichkeiten

    Berufsmesse Lachenzelg: Markt der Möglichkeiten

    In der Aula der Schule Lachenzelg herrscht an diesem Dienstagnachmittag ein munteres Kommen und Gehen. Hier, wo sonst Musikunterricht und Elternabende stattfinden oder Abschlussarbeiten präsentiert werden, ist eine kleine Messe aufgebaut – an 14 verschiedenen Ständen informieren Gewerbetreibende und lokale Unternehmen über ihre Berufe. Klassenweise treffen die Schülerinnen und Schüler hier ein, schlendern von Stand zu Stand und informieren sich über Vorzüge und Nachteile der jeweiligen Berufe.

    Bereits seit mehr als 16 Jahren organisiert der Elternverein der Schule jeweils im Frühling diesen Anlass für die Klassen der zweiten Sekundarschule, um eine kleine Hilfestellung bei der Suche nach dem Job oder auch «nur» einer Schnupperlehre zu leisten. An manchen der Stände stehen alte Bekannte – für einige Betriebe ist die Teilnahme am Anlass so etwas wie Tradition.

    Der Malerbetrieb Kneubühler, das Architekturbüro Knörr, der Steiner Flughafebeck, Koller Metallbau oder auch die Apotheke im Brühl – sie alle sind schon seit Jahren mit von der Partie. Andere sind noch nicht so lange dabei – oder gar das erste Mal vertreten – wie zum Beispiel die Stadtpolizei Zürich.

    Polizist als Zweitausbildung

    Ihr Stand scheint bei den Jugendlichen beliebt zu sein – ein Eindruck, den Andreas Gallmann von der Polizei bestätigt. Das Interesse an ihrem Job sei gross gewesen, berichtet er – und das, obwohl eine Ausbildung bei der Polizei direkt nach Abschluss der Sekundarschulzeit gar nicht möglich ist. Um für die Stadtpolizei arbeiten zu können, müsse man entweder eine bereits abgeschlossene Lehre oder eine Matur vorweisen.

    Doch viele Interessierte seien vorbeigekommen, um zu schauen, was für die Ausbildung nötig ist und welche Möglichkeiten der Beruf bietet. Neben der Information über das Berufsbild schätzten es die Standbetreiber aber auch, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen – «vor allem in einem solch entspannten Rahmen wie der Berufsmesse», erklärt Gallmann. Stehe man sich auf der Strasse gegenüber, sei die Stimmung dagegen ja oft ein wenig angespannt.

    Sich selber treu sein

    Auch die Firma Strabag ist in diesem Jahr das erste Mal vor Ort und vertritt die Baubranche. Im Innenhof des Schulhauses können die Jugendlichen bei den Maurern direkt selber Hand anlegen und versuchen, Backsteine ohne grosse Zwischenräume aufeinander zu schichten – das ist gar nicht so einfach.

    Fikri Kosumi, Ausbildungskoordinator bei der Firma, ist vom Interesse der Jugendlichen angetan. Positiv bewertet er auch die Möglichkeit, im Rahmen der Berufsmesse Vorstellungsgespräche üben zu können. Insgesamt haben rund 40 Jugendliche das neue Angebot wahrgenommen und sich mit Vertretern von Firmen zu einem Bewerbungsgespräch getroffen.

    «Ich finde es toll, wenn die Jugendlichen sich trauen und auf das Experiment einlassen», so Kosumi. Denn die Situation ist nicht ganz einfach für sie – vor fremden Leuten eine Bewerbungssituation zu simulieren, erfordert schon ein wenig Mut. Und was rät er in solch einem Gespräch? In seinem Beruf, so erklärt er, seien in puncto Zeugnisnoten insbesondere die Mathematiknoten wichtig.

    Auf die anderen Fächer achte er weniger – dafür aber umso mehr auf die Kreuze auf der Rückseite, die das Verhalten abbilden. Ein entscheidender Punkt, um im Gespräch zu überzeugen, sei auch, möglichst authentisch rüberzukommen und sich so zu geben, wie man wirklich ist.

    Wachsendes Interesse

    Positive Worte findet in diesem Jahr auch der Höngger Malermeister Andreas Kneubühler. Nachdem er vor drei Jahren in dieser Zeitung berichtet hatte, wie schwierig es sei, Auszubildende für seinen Beruf zu finden, zeigt er sich nun zufrieden. «Wir hatten dieses Jahr sehr viele Interessenten. Jill, unsere Lernende, die den Stand betreute, war sehr beschäftigt», schmunzelt er. Das Angebot mit den Bewerbungsgesprächen habe er in diesem Jahr leider noch nicht durchführen können – «aber im nächsten Jahr mache ich da sicher mit», versichert er.

    Zufrieden mit der Berufsmesse sind auch Zoe, Tabea und Keyla. Die drei Schülerinnen haben sich unterschiedliche Berufe angeschaut – von Automobilfachfrau über die Polizei und den Detailhandel bis zur Fachfrau Apotheke. Der Traumjob war für die drei bis anhin zwar noch nicht dabei, momentan tendieren sie eher zu einer kaufmännischen Ausbildung.

    Doch die Berufsmesse beurteilen sie dennoch positiv – und sind dankbar für das Angebot, im eigenen Schulhaus einen Einblick in die verschiedenen Berufe zu erhalten.

    Die Aussteller an der Berufsmesse

    Apotheke im Brühl AG
    Coop Berufsbildung
    Stadtpolizei
    Koller Metallbautechnik GmbH
    Kenny’s Autocenter AG
    Kneubühler AG Malergeschäft
    Knörr Architekten AG
    Willi & Landolt Elektro AG
    Stadt Zürich Sozialdepartement – Young Talents
    Stadt Zürich, Brückenangebot JOB PLUS
    Steiner Flughafebeck AG
    STRABAG AG
    Zweifel Chips und Snacks AG

  • «Aktuelle Betriebslage» im Wartsaal Wipkingen

    «Aktuelle Betriebslage» im Wartsaal Wipkingen

    Geplant ist eine eintägige Intervention im und um den Kunstraum im ehemaligen Bahnhofsgebäude in Wipkingen. Beteiligt sind ausgewählte Künstlerinnen und Künstler, die mit unterschiedlichen Medien und Formaten arbeiten, insbesondere mit Performance sowie partizipativen und interaktiven Installationen.

    Die Beiträge beziehen sich auf den Titel «Aktuelle Betriebslage». Der Begriff wird von den Beteiligten individuell ausgelegt und kann sowohl emotionale, krisenhafte oder widersprüchliche Zustände der Gegenwart benennen als auch als bewusst nüchterner oder gebrochener Ausdruck gelesen werden, wie es auf der Website des Wartsaals heisst.

    Eigenständige Entscheidungen

    Der kuratorische Ansatz sieht vor, dass die Künstlerinnen und Künstler eigenständig entscheiden, welche «Betriebslage» sie in ihren Arbeiten verhandeln. Dabei sind Sunny Pfalzer, CickinDunt, Regula Michell, Stirnimann – Stojanovic, Bettina Filacanavo, Stefanie Rübensaal und San Keller (siehe Box unten).

    Das Projekt im Wartsaal Wipkingen wird gemeinschaftlich geplant, kuratiert und organisiert von Stefanie Rübensaal und Bettina Filacanavo. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Gubler-Hablützel Stiftung sowie von Stadt Zürich Kultur.

    Der Wartsaal Wipkingen

    Der Wartsaal Wipkingen befindet sich im ehemaligen Bahnhofsgebäude in Wipkingen. Nachdem das dort ansässige Reisebüro Ende 2020 schliessen musste, wurden die Räume 2021 vom Verein Wartsaal Wipkingen übernommen und neu ausgerichtet.

    Seither wird der Wartsaal als nicht-kommerzieller Kultur- und Begegnungsraum betrieben. Ziel ist es, die historischen Bahnhofsräume für das Quartier zu erhalten und sie für unterschiedliche Nutzungen zugänglich zu machen.

    Der Ort versteht sich bewusst als niederschwelliger Treffpunkt: Menschen aus dem Quartier sollen sich hier unkompliziert begegnen, austauschen und eigene Projekte einbringen können.

    Im Wartsaal finden entsprechend vielfältige Aktivitäten statt – von Ausstellungen und Lesungen bis zu gemeinschaftlichen Formaten und Quartierinitiativen.

    Programm «Aktuelle Betriebslage» – Samstag, 9. Mai

    13:00
    Regula Michell – «Warten…?»
    Aktivierung einer fortlaufenden Installation

    13:30
    Stefanie Rübensaal – «how to be a healthy member of society?»
    Performance

    14:15
    Bettina Filacanavo – «Wer bleibt Mensch»
    Performance

    14:45
    Stirnimann–Stojanovic – «Less Bureaucracy, More Love Letters»
    Prozessuale Installation mit partizipativer Aktivation

    15:45
    CickinDunt – «S24urveillance connection»
    Recherche-Show

    16:30
    Regula Michell – Finale der Installation «Warten…?»

    17:00
    Sunny Pfalzer – «FEELING SEEN»
    Performance

    17:45
    San Keller – «Betriebsbericht»
    Mündliche Berichterstattung

    Ort: Wartsaal Wipkingen, Dammstrasse 54, 8037 Zürich
    Zeit: 13:00–18:30 Uhr 

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    «Ich liebe Bahnhöfe!»

  • Dagmar schreibt: «Neo» für alle?

    Dagmar schreibt: «Neo» für alle?

    Haben Sie’s schon gehört? Ist die bahnbrechende Neuerung schon bis zu Ihnen durchgedrungen? Nein? Dann lassen Sie sich von mir aufklären. Neo ist da! 1,8 Meter gross, dünn und ohne Körperkonturen oder Mimik, dafür mit einem beigefarbenen Pullover. Seine Aufgabe: Haushalten.

    Ein Technologieunternehmen hat es also geschafft, einen humanoiden Roboter für den Hausgebrauch zu entwickeln. Für den Spottpreis von 20 000 US-Dollar (oder knapp 500 US-Dollar monatlich) kann man ihn sich ins Haus holen. Ein Traum für alle Haushaltsmuffel wie mich!

    Neo wäre der ideale Mitbewohner: Er würde anspruchslos auf seinem Ständer in der Ecke meines Wohnzimmers abhängen und nur darauf warten, dass ich ihm Aufträge gebe. Er bräuchte kein Frühstück, keine lobenden Worte und würde nie eine Tür zuknallen.

    Und er leistet Erstaunliches: Er kann die Spülmaschine ausräumen, Blumen giessen oder Spielzeug aufräumen. Ohne zu murren, trägt er die Einkäufe ins Haus und serviert den Gästen den Aperitif. Nur einen klitzekleinen Haken hat er momentan noch: Ganz selbstständig ist der Jungspund nicht. Er braucht ein wenig Unterstützung – durch einen menschlichen Teleoperator, der ihm aus der Distanz die Anweisungen geben kann.

    I Tried the First Humanoid Home Robot. It Got Weird. | WSJ

    Für diesen Zweck, das ist klar, benötigt der Operator Einblicke in die Wohnung, in der sich sein Schützling befindet. Er schaut also durch Neos Augen in meinen Haushalt, um zu sehen, wo sich genau das T-Shirt befindet, das er zusammenfalten soll. Aber gut, man hat ja nichts zu verbergen, da darf sich der herstellende Konzern natürlich gerne ein wenig bei mir umschauen, oder?

    Der Kundschaft in den entsprechenden Werbevideos scheint das auf jeden Fall nichts auszumachen. Die sitzen alle ganz glücklich und entspannt auf ihren Sofas, prosten sich zu und lassen ihn im Hintergrund wirken. Sogar ihre Hunde sind jetzt besser ausgelastet, weil Neo ihnen ab und zu mal einen Ball zuwerfen kann, wenn sie selber keine Zeit für ihr Haustier haben.

    Gut, meine Wohnung sieht vielleicht nicht ganz so aus wie die mondänen Häuser aus der Werbung. Ich glaube, Neo würde nie herausfinden, wo mein Sohn seine dreckigen Socken versteckt. Und ob er meine Katze, die gerne mal ein Nickerchen in der Wäsche macht, beim Aufräumen nicht mit einem dreckigen Handtuch verwechselt, dafür würde ich meine Hand nicht unbedingt ins Feuer legen.

    Es ist auch gewöhnungsbedürftig, diesem «Robo-Neo» bei der Arbeit zuzuschauen: Minutenlang versucht er in einem der Videos ein Messer von der Ablage zu greifen, um es danach im Besteckfach der Spülmaschine zu verstauen. Das erledige ich doch lieber selbst. Allein schon beim Betrachten des Videos verspüre ich immense Lust, ihn zu schubsen.

    Was würde er dann wohl machen? Von mir erwarten, dass ich ihm wieder auf die Beine helfe? Und überhaupt: Diese Mörderpuppe mit den weichen Pantoffeln macht mir irgendwie Angst. Ich glaube, wenn der in meinem Wohnzimmer abhängen würde, würde ich nachts kein Auge mehr zutun. Man weiss ja nie, auf welche Ideen er oder sein Teleoperator kommen könnten.

    Nein, ich glaube, ich bleibe bei meinem Chaos.

  • 100 Jahre «Höngger», Teil 4: 1956 bis 1966

    100 Jahre «Höngger», Teil 4: 1956 bis 1966

    Wir haben bereits im ersten Teil berichtet: Die Brüder Anton und Franz Moos gründeten diese Zeitung, damals noch unter dem Titel «Korrespondenzblatt». Nach dem Tod von Franz Moos übernahm Anton Moos im März 1932 die alleinige Verantwortung. Er produzierte und verlegte den «Höngger» an der Ackersteinstrasse 159 im Buchdruckverfahren. An dieser Adresse lebt bis heute seine Tochter Marie-Antoinette Lauer. Für diesen Rückblick erinnert sie sich an jene Zeit, als «Der Höngger» mehr für sie war als eine Quartierzeitung – er war eine Familienangelegenheit.

    Anton Moos wurde 1901 in Zug geboren. Er hätte sich gerne dem Studium der Geschichte und der Kunst gewidmet, doch die Umstände liessen es nicht zu: Sein Vater starb früh, und die Mutter musste ihre drei Söhne allein durchbringen. Anton Moos erhielt die Möglichkeit, bei Joseph Speck in Zug das Buchdruckerhandwerk zu erlernen. Zum Abschluss der Lehre erhielt er den sogenannten Gautschbrief von Gutenbergs Gnaden. In Leipzig erwarb er anschliessend das Maschinenmeister-Diplom.

    Das Glück in Höngg

    Anton Moos war von Abenteuerlust und der Sehnsucht nach fremden Ländern geprägt. Er zog nach Barcelona, doch der Ruf der Familie war stärker: «Mit seinem Bruder sollte er auf Geheiss der Mutter die Buchdruckerei Nötzli in Höngg übernehmen», erzählt Marie-Antoinette Lauer. «Aber er wollte eigentlich kein eigenes Geschäft. In Spanien arbeitete er in einer Druckerei, was ihm sehr gut gefiel. Er wäre gerne dortgeblieben.»

    So entstand die Buchdruckerei Moos und 1926 das «Korrespondenzblatt». Anton Moos hatte zunächst vor, nach dem Aufbau der Druckerei wieder nach Spanien zurückzukehren. Doch als sein Bruder starb, zerschlugen sich diese Pläne. Rückblickend erwies sich die Rückkehr als glückliche Fügung: In Spanien brach der Bürgerkrieg aus, und in Höngg lernte er Gertrude Kusche kennen, die er 1933 heiratete.

    Leicht war diese Verbindung zunächst nicht: Anton Moos war Katholik, seine spätere Frau Protestantin – eine sogenannte Mischehe. «Meine Mutter hat immer erzählt, dass sie aus diesem Grund nicht vor den Altar treten durfte», so Marie-Antoinette Lauer. Das Paar hatte aber vieles gemeinsam: Beide liebten die Natur, unternahmen viele Wanderungen und reisten – sofern es die Zeit erlaubte – auch ins Ausland. Und sie wurden Eltern von Marie-Antoinette. «Ich kam mit einer Missbildung am Bein zur Welt und bereitete meinen Eltern mit all den Operationen einige Schwierigkeiten. Aber ich war ein geliebtes Kind, meine Eltern haben alles für mich gemacht.»

    Engagement im Quartier

    Anton Moos war beim Erscheinen der Zeitung «der Neue» in Höngg. Es war ihm ein Anliegen, hier heimisch zu werden, sich zu beweisen und dazuzugehören. Dabei half es ihm, sich in den lokalen Vereinen zu engagieren. Er wirkte 1934 an der Gründung der Zunft Höngg mit und war auch Gründungs- und Vorstandsmitglied des Quartiervereins Höngg. In der Kirche engagierte er sich ebenfalls. Nicht zu vergessen ist sein Einsatz in der Propagandakommission zur Höngger 1100-Jahrfeier (siehe Artikel rechts). Er habe die Menschen rasch überzeugt: «Er war ein lebensfroher Mensch, sehr interessiert an Geschichte und Kultur, und er war wie ein Lexikon – er wusste alles», erinnert sich Lauer.

    Das Singen war seine grosse Leidenschaft. Anton Moos war Mitglied im Männerchor Höngg und seit 1952 dessen Ehrenmitglied. Zudem engagierte er sich im Sängerverein Harmonie Zürich. «Mein Vater wäre auch gerne Schauspieler geworden», erzählt Lauer lächelnd. Er wirkte in Theatergruppen mit und spielte einmal sogar Wilhelm Tell. Die Tochter teilte diese Leidenschaft – auch sie wäre gerne Schauspielerin geworden, was ihr der Vater jedoch untersagte. «Das ist kein guter Beruf für eine Frau», waren seine Worte. Sie wandte sich stattdessen dem Musikstudium zu, lernte Klavier und ist bis heute als Sängerin aktiv. «Meine Eltern nahmen mich schon früh mit in die Oper, so kam ich zur Musik.»

    Ein Leben mit der Zeitung

    «Der Höngger» wurde im Haus gedruckt, wo die Familie lebte, ebenso andere Druckerzeugnisse wie Visitenkarten oder ortsgeschichtliche Mitteilungen. «Unser Haus an der Ackersteinstrasse wurde 1933 erbaut, und mein Vater plante die Druckerei von Anfang an im Untergeschoss ein.» Die Mutter kümmerte sich um die Buchhaltung. So war die kleine Familie immer eingespannt und avancierte zu einer lokalen Grösse in Höngg. «Die Zeitung war immer präsent, und es gab auch Kritik von Menschen, die mit den Inhalten nicht einverstanden waren», erinnert sich Marie-Antoinette Lauer.

    Und auch an die Arbeit: «Ich habe viel mitgeholfen, etwa bei den grossen Ausgaben im Dezember. Wir hatten keine Falzmaschine, also machte ich das zusammen mit meiner Mutter.» Wie Lauer sagt, habe sie es geliebt, unten in der Druckerei zu sein, auf den Papierstapeln zu sitzen und ihrem Vater zuzusehen. «Wenn meine Mutter unzufrieden mit mir war, flüchtete ich ebenfalls nach unten zu meinem Vater – es war ein Paradies. ‹So, hast du wieder etwas angestellt?›, pflegte er zu sagen.»

    Der Abschied

    Anton Moos starb im November 1965 nach kurzer, schwerer Krankheit. «Er wurde nur 64 Jahre alt. Es war für uns eine schlimme Zeit.» Seine Zeitung widmete ihm als Nachruf das Titelblatt vom 3. Dezember 1965. Max Samuel schrieb: «Das Bild eines lieben Menschen, der das Zeitliche zu einem Zeitpunkt gesegnet hat, da man ihm noch einen geruhsamen Lebensabend gewünscht hätte, zu schildern, ist keine leichte Aufgabe.» Seine Abdankung in der Kirche Höngg gestaltete sich laut Samuel als «innige und würdige Feier». Der Männerchor Höngg gab dem Verstorbenen einen «letzten musikalischen Gruss», das Leidmahl fand in der Mühlehalde statt. Seine letzte Ruhestätte fand Anton Moos im Familiengrab auf dem Friedhof Hönggerberg.


    Die Titelseite vom 3. Dezember 1965 mit dem Nachruf auf ANton Moos.

    Damit endete für unsere Zeitung eine Ära. Für eine Übergangszeit übernahm Gertrude Moos die Leitung der Buchdruckerei, bis zwei heute in Höngg sehr bekannte Brüder auf den Plan traten und ein neues Kapitel für den «Höngger» einläuteten. Mehr dazu im nächsten Teil (1966 bis 1976).

    Die Inhalte – ein Überblick

    Ab Oktober 1956 erschien «Der Höngger» wie gewohnt in Affoltern, Ober- und Unterengstringen, Weiningen, Regensdorf und Watt, seit 1951 auch in Wipkingen. Der Abonnementspreis betrug 5 Franken, die Zeitung erschien wöchentlich.

    Im Nachruf auf Anton Moos ist zu lesen, dass es nie seine Absicht war, seinem Quartierblatt das Gesicht einer grossen Tageszeitung zu geben, noch mit einer solchen zu konkurrenzieren. Das bejaht auch seine Tochter Marie-Antoinette Lauer: «Mein Vater wollte die Stimmung im Dorf vermitteln, denn wir nannten Höngg ein Dorf – und tun es heute noch». Auf diese Weise produzierte Anton Moos den «Höngger» weiterhin.

    In der Regel bestand die Zeitung aus zwei Seiten, sie erschien wöchentlich und war dicht gefüllt. Fotografien wurden mit der Zeit häufiger eingesetzt. Anton Moos veröffentlichte wie gewohnt Quartier- und Vereinsnachrichten, kirchliche Mitteilungen, politische Meldungen sowie Informationen zu Bauarbeiten und Verkehrsregelungen. Gedruckt wurden auch Eheverkündungen, Geburten und Todesfälle, ebenso Meldungen zu goldenen Hochzeiten. Jahresberichte – etwa des Quartiervereins Höngg oder des Ortsmuseums – hatten ihren festen Platz, ebenso die Reden zum 1. August.

    Wiederkehrend waren Hinweise auf Maskenbälle, die offenbar auf grosses Interesse stiessen. «Die Fröhlichen sollen leben, denn die Fröhlichkeit ist die Würze des Lebens», hiess es.

    1100 Jahre Höngg

    Über viele Ausgaben hinweg berichtete die Zeitung ab 1957 über «1100 Jahre Höngg». Anlass war eine Urkunde des Grossmünsterstifts aus dem Jahr 858, in der Höngg erstmals als Siedlung erwähnt wird. 1958 wurde dies mit einer Festwoche vom 4. bis 12. Oktober begangen.

    Geplant waren unter anderem eine Festhütte für 1500 Personen auf dem Schulhausplatz Bläsi, Veranstaltungen in Turnhallen, Kunstausstellungen, Schülertreffen, Tanz und Unterhaltung, Gottesdienste und Vorträge. In der Vorberichterstattung hiess es: «Das Organisationskomitee hat mit der Durchführung dieser 1100-Jahrfeier keine leichte Aufgabe übernommen, ist aber gewillt, sein Bestes zu leisten.» Den Berichten zufolge waren die Festtage ein Erfolg, auch wenn das Wetter nicht immer mitspielte.


    1100-Jahre Höngg war ein grosses Thema im Jahr 1958.

    Neubauten waren nicht erwünscht

    Ein weiteres Thema waren Neubauten. Im Dezember 1957 berichtete «Der Höngger» über die Überbauung am Meierhofplatz – den «neuen» Rebstock, mit Visualisierung. Die Zeitung sprach von «einer wohl gelungenen Lösung für die Schaffung eines Quartierzentrums». Neben dem Restaurant wurde auch auf das Kino mit 350 Plätzen hingewiesen. Das «Kino Zentrum» und sein Programm wurden danach regelmässig erwähnt, ebenso die Gründung einer «Kulturfilm-Gemeinde».

    1959 berichtete «Der Höngger» ausführlich über die Einweihung des reformierten Kirchgemeindehauses: «Die Zeiten sind längst vorbei, als neben der Kirche das Pfarrhaus für das kirchliche Leben genügte.» Nicht alle Projekte stiessen auf Zustimmung. Kritik gab es etwa an der Alterssiedlung Bombach, insbesondere am geplanten Hochhaus: «Ob man es wahrhaben will oder nicht: Ein Hochhaus in einem Gebiet, das zu 90 Prozent überbaut ist, bedeutet eine Anmassung für seine nähere Umgebung.» Auch der «Abschied vom Idyll Hönggerberg» war Thema, ausgelöst durch geplante Überbauungen: «Häuserblöcke werden entstehen, vielleicht auch Hochhäuser für die ETH.»

    Im März 1960 wurde der Abbruch der «Rose» vermeldet: «Wiederum schliesst eine alte Höngger Wirtschaft ihre Pforten.» Kurz darauf folgte der Artikel «Dorfkern im Umbruch». Darin war zu lesen, dass es den Zeugen vergangener Zeiten «an den Kragen gehe». Genannt wurden der Kempfhof und die Alte Trotte. Und: Nach dem Rebstock standen auch die «Linde» und die «Rose» vor Veränderungen.

    Begrüsst wurde dagegen die geplante Badeanlage. 1962 schrieb der «Höngger», es sei an der Zeit, dass das Quartier Höngg mit seinen 14’000 Einwohnern berücksichtigt werde. Dies war der Auftakt für das spätere Bad «Zwischen den Hölzern», das in ein «landschaftlich reizvolles, windgeschütztes Wald- und Wiesentälchen» zu liegen kommen sollte.

    «Der Höngger» erschien auch 1966 weiterhin regelmässig, Gertrude Moos nahm das Zepter in die Hand und der Abonnementspreis war inzwischen auf 8 Franken angestiegen.

    Das digitale Archiv: Dank an die Schmid-Wörner-Stiftung

    Stöbern, Recherchieren, Entdecken, Wiederfinden oder Suchen: 100 Jahre «Höngger Zeitung» bedeuten eine Menge Lesestoff – und gleichzeitig sind diese Informationen auch zeitgeschichtliche Dokumente. Die Zentralbibliothek Zürich hat im Auftrag der «Höngger Zeitung» sämtliche Ausgaben ab dem 1. Oktober 1926 eingescannt und stellt das digitale Archiv nun laufend kostenfrei auf ihrer Website zur Verfügung.

    Ein Vorhaben, das dank der Schmid-Wörner-Stiftung in Höngg realisierbar war, welche die Kosten übernommen hat. Die Stiftung unterstützt Kultur und Soziales, gemeinnützige Projekte und Institutionen sowie Bedürftige im Quartier Zürich-Höngg. Herzlichen Dank an den Stiftungsrat der Schmid-Wörner-Stiftung, der damit das digitale Archiv ermöglicht hat.