Bis vielleicht Mitte des 20. Jahrhunderts darf der Meierhofplatz für sich beanspruchen, Dorfplatz gewesen zu sein. An der zentralen Höngger Kreuzung, die erst mit dem Bau der Ackersteinstrasse 1933 zu einer solchen wurde, spielte sich das Leben ab. Gesäumt von Läden mit Artikeln für den täglichen Gebrauch, einer Schmiede, der Brückenwaage, auf der Fuhrwerke und Vieh gewogen wurde, einem Brunnen, dem Gesellenhaus (seit 1615), in dem auch die Gemeindeversammlungen stattfanden, einem Schlachthaus (abgetragen 1960) und verschiedenen Restaurants war der Meierhofplatz ein veritabler Begegnungsort. Dann nahmen der private und öffentliche Verkehr den Platz immer mehr in Anspruch und gaben ihn bis heute nicht mehr frei. Mit der Gemütlichkeit vor Ort war es endgültig vorbei, als 1960 das alte Rebstockgebäude abgerissen und durch den heute noch stehenden Bau ersetzt wurde, in dem für wenige Jahre auch ein Kino betrieben wurde. In den Folgejahren, insbesondere, aber ab den 1990er Jahren, veränderte sich die Ladenstruktur rund um den Meierhofplatz und auch entlang der Limmattalstrasse bis zum Zwielplatz, dem zweiten Ort mit Dorfplatzcharakter: Altehrwürdige Betriebe gaben auf oder zogen weg, nur wenige bestehen bis heute. Nach und nach entwickelte sich an der Regensdorferstrasse mit den Grossverteilern als «Zugpferde» das neue Höngger Geschäftszentrum. Doch an die gesellschaftliche Bedeutung, welche dem verlorengegangenen Dorfplatz beigemessen werden darf, kam die Regensdorferstrasse nie heran. Zweiter Ort der Begegnung war der Raum um den ursprünglichen Dorfkern bei der reformierten Kirche. Dort traf man sich nicht nur für alle kirchlichen Ereignisse zwischen Taufe und Beerdigung, sondern auch in den umliegenden Restaurants, dem «Sonnegg» und der «Mülihalde». Oder natürlich nebenan beim Zwielplatz in der «Alten Post» (abgerissen 1961). Diese hatte rückwärtig gelegen einen wunderschönen Gartenbereich. Eine besondere Rolle spielte der Schulhausplatz Bläsi. Auf diesem sehr grossen Platz fand bis 1989 jeweils auch eine «Chilbi» statt. Seine Grösse verlor der Platz 1978 mit dem Bau des Hallenbades. Das Wümmetfäscht, das lange Jahre auf dem kümmerlichen Restplatz stattfand, musste sich entsprechend zusammendrängen.
Autor: tka_admin
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Höngg: Die erste städtische Kernzone
Sozusagen den Abschluss einer intensiven und vor allem langen Zeit der Pläne und Verwerfungen bildete die Kernzonenregelung, die im Sinne des Paragraphs 50 des kantonalen Planungs- und Baugesetzes 1984 festgesetzt wurde. Die seit 1956 bestehenden Baulinien hatten Abrisse und Neuüberbauungen im mittlerweile heruntergekommenen Höngger Dorfkern verunmöglicht, mit dem neuen Instrument der Kernzone sollte dieses Hindernis zumindest teilweise entfernt werden. Es handelte sich dabei um die erste städtische Kernzone im Kanton Zürich. Ziel war es, einerseits die drei Eckpunkte Kirche, Haus zum Kranz und Meierhof/Weingarten, die das Ortsbild von Höngg prägten, zu bewahren und die durch einzelne Bauten und Fassaden, sowie dazwischenliegende Freiräume gebildete Raumstruktur zu schützen. Das bedeutet, dass bei Neu- oder Umbauten die Ausmasse der Vorgängerbauten als Referenz zu beachten sind. Der Stadtrat betonte, dass «niemand die Absicht habe, das im Lauf von Jahrhunderten gewachsene Dorfbild in allen Einzelheiten zu erhalten», wie der Tagesanzeiger am 15. Oktober 1980 zitierte. Vielmehr solle der Raum innerhalb der drei Eckpfeiler so gestaltet werden, dass er für das Gewerbe und Passanten attraktiv werde, damit eine gute Durchmischung gewährleistet werden könne. Dadurch, dass, wie erwähnt, die Masse der Altbauten eingehalten werden mussten, die Baulinien aber aufgehoben werden konnten, sollte die Aufwertung des Höngger Dorfzentrums erleichtert werden.
Hier finden Sie den ergänzten Kernzonenplan für Höngg.
Das Zentrum wird erneuert
Im Laufe der Achtziger Jahre wurden rund zwei Dutzend Häuser abgerissen und neu erstellt oder renoviert. Eines der ersten Objekte, das in den Geschmack der Erneuerungswelle kam, war die Häusergruppe «zum Central», zu denen auch das Haus an der Ecke Limmattalstrasse/Ackersteinstrasse gehört, in welchem sich heute die Raiffeisenbank befindet. Die Ortsgeschichtliche Kommission des Verschönerungsvereins Höngg hat der Geschichte dieser Häuser eine ganze Mitteilung gewidmet (siehe Infobox). Das Tiefbauamt der Stadt Zürich informierte die Höngger Bevölkerung ab 1987 regelmässig via «Höngger» unter der Rubrik «Gemeinsam für das Zentrum Höngg» über die laufenden und anstehenden intensiven Bauarbeiten. «Es wird eine neue Kernzone entstehen, die sich in einer wohnlichen Umgebung ausdrückt», schrieb das Amt am 25. September 1987.
Das wohl grösste Bauvorhaben plante die Firma Frutiger Generalunternehmung AG im Spickel zwischen Limmattal- und Regensdorferstrasse. Die «Zentrumsüberbauung Höngger Markt» wurde von den Architekten Bryner und Partner ausgearbeitet und durchgeführt. Die auf dem Areal stehenden Häuser wurden abgerissen und in ähnlicher Kubatur und Grösse – wie vom Kernzonenplan vorgeschrieben – wiederhergestellt. In der neuen Überbauung fanden neben dem Bankverein (heute UBS) und dem Coop auch 24 Wohnungen und eine Tiefgarage für rund hundert Autos Platz. Kurz nach Eröffnung des neuen Zentrums am 1. Dezember 1989 monierte die Neue Zürcher Zeitung: «Die echte und sicher nicht in allen Teilen dringend erneuerungsbedürftige Substanz ist einer Theaterkulisse gewichen; in diesen Tagen lässt sich auch vermuten, man habe sich nach einem Adventskalender gerichtet». In «1934-2009. Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg» ist nachzulesen, dass der ausführende Architekt Reinhold Bryner schon während der Ausführung Zweifel an der Qualität der Lösung bekommen haben soll. «Mittlerweile besteht ein grosser Konsens darüber, dass eine Chance verpasst wurde und Sanierungen in dieser Art nicht mehr stattfinden sollten», schreiben François G. und Yves Baer in ihrem Werk, ohne dies weiter auszuführen.Erweiterte Kernzone stösst teilweise auf Unverständnis
In der Bau- und Zonenordnung (BZO) sind mittlerweile insgesamt 26 Kernzonen ausgewiesen. Gemäss Raumplanungsgesetz (RPG) müssen Nutzungspläne periodisch, spätestens jedoch nach fünfzehn Jahren überprüft und angepasst werden, wenn sich die Verhältnisse geändert haben. 2016 wurde die Teilrevision der Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich BZO 2014 vom Gemeinderat angenommen und dem Kantonsrat zur Genehmigung überwiesen. Dessen Entscheidung wird im Sommer dieses Jahres erwartet. Den Erläuterungen zur Teilrevision ist zu entnehmen, dass «die bäuerlichen Dorfkerne (…), Höngg, (…), in ihrem Perimeter den örtlichen Verhältnissen des jeweils schützenswerten Dorfkerns angepasst [wurden]. Die Erweiterungen umfassen Gebäude, die aufgrund ihrer Lage und Gestaltung die jeweilige Kernzone wesentlich prägen oder für die geschichtliche Entwicklung des Ortskerns wichtig sind. Überbauungen, die mit dem eigentlichen Dorfkern keine Gemeinsamkeiten mehr haben, wurden konsequenterweise aus der entsprechenden Kernzone entlassen». Im Detail wurde die Kernzone Höngg bis zur Bäulistrasse 45 erweitert. Ausserdem wurde ein Haus an der Gsteigstrasse aufgenommen und eine neue Kernzone für den Riedhof – einen Einzelhof aus dem 19. Jahrhundert abseits des Dorfkerns – definiert. «Bei diesem handelt es sich um einen von mehreren ehemaligen Weilern und Einzelhöfen auf Stadtgebiet, die so in ihren Grundzügen erhalten werden sollen», schreibt das Hochbaudepartement. Die Erweiterung um die Bäulistrasse begründet es damit, dass diese «die historische Erschliessung des ursprünglichen Dorfkerns Höngg darstellt (…). Das Gebäude an der Bäulistrasse 45, das den Auftakt des Dorfkerns bildet, sowie die bestehende Mauer, welche die Bäulistrasse auf deren Südseite begleitet, sind prägende Elemente der alten Dorfstruktur». Neu in der Kernzone stehen aber auch die Häuser an der Bäulistrasse 51 bis 55, die von der Limmatstrasse her nicht sichtbar sind. Die betroffenen Hauseigentümer müssen zwar nicht im gleichen Profil bauen, wie es im Dorfkern der Fall ist, aber im Falle eines Um- oder Neubaus muss das neue Gebäude das ursprüngliche Volumen ausweisen. Das stösst bei den Bewohnern auf Unverständnis, da nicht ersichtlich sei, inwiefern diese Häuser für das Ortsbild des Dorfkerns relevant seien. Auf Anfrage erläutert das zuständige Departement seine Entscheidung: «Die Bäulistrasse war die alte Landstrasse nach Zürich, bevor es die Limmattalstrasse gab, beziehungsweise ging sie beim <Schwert> an der Limmattalstrasse 111 in die heutige Limmattalstrasse über. Der noch bestehende Teil der alten Landstrasse wurde zusammen mit dem markanten Bau an der Bäulistrasse 46 in die Kernzone integriert. Was beidseits der Bäulistrasse an Gebäuden steht, hat bezüglich dieser Strasse Bedeutung, nicht bezüglich der Limmattalstrasse. Für die Häuser der Bäulistrasse 51 bis 55 wurde ein Baubereich definiert. Dadurch ist nur ein Neubau mit demselben Volumen möglich, das Profil muss hingegen nicht übernommen werden». Die öffentliche Auflage und damit die Möglichkeit, Rekurs einzulegen, liegt schon Jahre zurück, wie erwähnt steht nur noch die Genehmigung durch die kantonale Baudirektion aus. Die Lehre, die die Hauseigentümer daraus ziehen müssen, ist, sich stets selber auf dem Laufenden zu halten, um rechtzeitig intervenieren zu können. Diese bittere Pille müssen sie, wie es scheint, dieses Mal schlucken.
Rebstockgebäude neu ausgewiesen
Eine interessante Neuerung des Kernzonenplans, welche Änderungen des Rebstockgebäudes betreffen: Bislang stand es unter Profilerhaltung, neu ist es als «Baubereich» ausgewiesen. In der Signatur ausgelassen wurde eine Ecke des Gebäudes Richtung Taxistand. Dort kann gemäss Kernzonenregelung bei einem Abbruch nichts mehr erstellt werden, an dieser Stelle würde der Meierhofplatz in der Folge erweitert werden. Weiter wurde die Firstrichtung aller Gebäude aufgehoben. Da Höngg die erste städtische Kernzone war, war sie detaillierter ausgearbeitet, spätere Kernzonen wurden vereinfacht. Das Hochbaudepartement der Stadt Zürich schreibt auf Anfrage: «(…) oftmals ergibt sich die Firstrichtung bereits klar aus der Gebäudeform, sodass lediglich eine Richtung sinnvoll oder möglich ist. Zudem ist die Firstrichtung bereits in der Profilerhaltung mit aufgenommen. Für Gebäude, für welche lediglich ein Baubereich und keine Profilerhaltung definiert ist, kann die Firstrichtung theoretisch geändert werden. Die Änderung muss aber den regulären Baubewilligungsprozess durchlaufen». Als einzige Zusatzvorschrift für die Kernzone Höngg verbleibt damit die Bestimmung zu den einzuhaltenden Arkadenlinien.
Quellen:
Baer, François G. und Yves: 1934-2009. Vom Dorf Höngg zum Quartier Höngg. Quartierverein Höngg, Zürich-Höngg 2009.
«Die Häusergruppe zum Central in Höngg». Mitteilung Nr. 32 der Ortsgeschichtliche Kommission des Verschönerungsvereins, Höngg 1987.
Stadt Zürich. Hochbaudepartement. Amt für Städtebau (AfS): Teilrevision der Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich BZO 2014. Erläuterungsbericht nach Art. 47 RPV -
«Die Stadt» äussert sich nicht
Die Ideen zur Verkehrsproblemlösung in Höngg treffen nach wie vor auf der Redaktion ein. In Form von ausgefüllten Plänen oder Leserbriefen. Von Seiten der Stadt Zürich hingegen erfolgte bislang kein Kommentar. Was denkt die Exekutive, was die Departemente? Versteht man, dass die Verkehrssituation in Höngg als unbefriedigend oder gar belastend wahrgenommen wird? Die Stadt ist damals, 2010, mit ihrem Versuch eines neuen Verkehrskonzeptes am Widerstand aus Höngger-Kreisen gescheitert. Rückblickend ist die Frage erlaubt, ob die Stadt nicht auf diesem Versuch hätte beharren sollen, damit man danach über Fakten hätte reden können. Und wie stellt sich die Stadt zu der subjektiven, aber doch öfters gehörten Wahrnehmung, dass man die Situation belässt wie sie ist, weil es offenbar keine Lösung gibt, die allen Ansprüchen gerecht wird und bei der niemand Abstriche machen muss? Sitzt man das Problem tatsächlich aus, weil niemand den Mut hat, eine Lösungsvariante vorzuschlagen, welche Einzelnen zwar eine Verschlechterung, der Mehrheit aber Vorteile bringen würde? Zum einfach erscheinenden Beispiel an der Ecke Gsteig-/Regensdorferstrasse, wo wie von vielen vorgeschlagen zwei neue Lichtsignale mit Fussgängerstreifen erstellt und im Gegenzug der Übergang zwischen der UBS und dem Canto Verde aufgehoben werden könnte? Kurz gefragt: Wie ist die Exekutive und die Politik an einer aktiven Lösung des Problems interessiert und was unternimmt man dahingehend?
Mit diesen Fragen des «Hönggers» konfrontiert, wollten sich die Vorstehenden der drei betroffenen städtischen Departemente – Sicherheitsdepartement, Tiefbau- und Entsorgungsdepartement, Departement der Industriellen Betriebe – mit den Stadträten Richard Wolff, Filippo Leutenegger und Andres Türler nicht im Detail zur Thematik äussern, weil die federführende Dienstabteilung Verkehr des Sicherheitsdepartements (DAV) dazu bereits grundsätzlich Stellung genommen hatte. Die DAV hält zudem fest, dass es schwierig sei, bei Verkehrsfragen alle Betroffenen zufrieden zu stellen. Selbstverständlich werde die Stadt die Verkehrssituation in Höngg – wie auch in anderen Stadtgebieten – aufmerksam beobachten und soweit notwendig und möglich Massnahmen ergreifen. Stadtrat Andres Türler ergänzt, dass er es als Höngger verstehe, dass die Verkehrssituation als unbefriedigend wahrgenommen werde. Das gehe ihm selber auch so und er bedaure diesen Zustand. Die damals ausgearbeitete Lösung habe aber auch aus seiner Sicht so viele Nachteile aufgewiesen, dass die Stadt auf deren Umsetzung verzichtet habe.
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«Merhaba» im «Damas»!
Damaszenersalat, Grillteller mit Poulet, Fleischkäse mit Spiegelei und Kartoffelsalat – diese drei Darreichungen hat Höwi am Tag seines Besuchs im «Damas» genossen. Dazu noch eine Pizza «Principessa» und einen gut bestückten Dessertteller. Soll einer sagen, die Arbeit eines Gastrokritikers sei nicht hart! Wobei Höwi noch seine Angetraute zur «Arbeit» einlud. Zum einen, weil sie die arabische Küche von etlichen Reisen her gut kennt. Zum andern, weil sie den narrativen Anteil liebt: Aladin und seine Wunderlampe…, Agatha Christie und der Orientexpress…, Scheherazade, die in 1001 Nacht dem König Geschichten erzählt und so ihr Leben rettet…: All das schwingt in den Gewürzen, den Farben, den Düften im «Damas» mit. Aber auch in den hervorragend grillierten Fleischspezialitäten, wie dem «Schisch Diyai», das an die früheren Nomaden erinnert. Auf der ersten Seite in der Menükarte beschreiben die Betreiber des Restaurants «Die Küche unserer Mütter». Hier findet sich der rührende Satz: «Sie ist es, die uns das Heimweh vergessen lässt». Überraschend die Ausführung, dass all die Länder, die wir heute als Jordanien, Libanon, Palästina und Syrien kennen, in den Zeiten der alten Seidenstrasse eine einzige Region namens «Bilad esh-Sham» war. Transitgebiet für unzählige Karawanen. Hotspot vieler kulinarischer Einflüsse. So haben die scharfen Gerichte ihre Wurzeln in der kurdischen Küche, während aus der persischen Kochkultur die gefüllten Weinblätter oder Teigtaschen stammen. Wer die Menükarte studiert, stösst auch immer wieder auf arabische Namen wie «Schawarma», was Lammgeschnetzeltes an orientalischen Gewürzen bedeutet. Oder «Muhallabiya», das ist eine Panna cotta, die etwas fester ist und mit Pistazien dekoriert wird. Durchaus möglich, dass wir solche Namen eines Tages genauso intus haben wie Spaghetti carbonara oder Sushi.
«Damas» kommt von Damaskus
Das «Damas» wurde von einer syrischen Familie gegründet, die vor über 20 Jahren in der Schweiz mit einem Coiffeursalon startete, aus dem zwischenzeitlich eine ganze Kette mit einem Dutzend Filialen entstanden sind. Vor zehn Jahren kam der Sprung in die Gastronomie, mit dem «Damas» an der Josefstrasse. Es folgte eine Shisa-Lounge in Schaffhausen. Und im Januar 2016 das «Damas» an der Kyburgstrasse. Sechs täglich wechselnde Mittagsmenüs für zwischen 16 und 24.50 Franken stehen zur Wahl. Stets ist auch eines dabei, das «schweizerisch» ist. Am Tag des Besuchs war dies Fleischkäse vom Grill mit Spiegelei und einem knackigen, mit Olivenstücken getoppten Kartoffelsalat, bei dem sich so mancher «Hirschen» noch eine Scheibe abschneiden könnte.
Auch Ben Amor Nejib Louati beherrscht sein Handwerk. Die Pizzen, die er im Ofen mitten im Restaurant zubereitet, gibt es durchgehend von 11.30 bis 22 Uhr und werden mit dem Kurierdienst auch nach Hause geliefert. Schade, dass man im «Damas» nur auf die üblichen Klassiker setzt und nicht auch noch eine orientalische Variante wagt. Zum Beispiel mit Hackfleisch, Kreuzkümmel und Koriander. Super Idee, fand Daniela Treichler. Durchaus möglich also, dass demnächst eine «Pizza Scheherazade» auf der Karte steht.Ein Paradies für Vegetarier
Die syrische Küche ist vor allem für ihre Grillspezialitäten bekannt, die im «Damas» auf hohem Niveau gepflegt werden. Mindestens so typisch sind aber auch die vegetarischen Darreichungen wie Hummus, «Kishke» oder die mit Reis gefüllten Weinblätter namens «Waraq Einab». Auch linienbewusste Leute müssen nicht mit einem müden Salatteller vorliebnehmen. Höwis Geheimtipp: «Fattousch», ein veganer Lattich-Tomaten-Gurkensalat an Granatapfelsauce mit Fladenbrot-Chips. Oder die vegetarische Version, der «Damaszenersalat» mit Frischkäse und Avocado für 16 Franken. So wenig Kalorien, so schön dargereicht – das macht Freude.
Aufgestelltes Team
Die meisten Mitarbeiter im «Damas» haben syrische oder libanesische Wurzeln. Einzig Daniela Treichler, die Geschäftsführerin, ist Schweizerin und dies mit eindrücklichem Palmares: Bis 2015 war sie Chef de service im Clouds-Bistro im Primetower, als noch Antonio Colaianni am Herd stand. Als das Gourmetkonzept bachab ging, machte Daniela die Fliege und jettete ein paar Monate durch die Welt. Bis dann Nizar Ben Dhafer anrief, der vorher ebenfalls im «Clouds» arbeitete und Daniela ins «Damas» holte. Und da ist sie jetzt seit einem Jahr, die sympathische Powerfrau, die sich auch bei den Weinen über profundes Wissen ausweist. Etwa beim «Blanc de Blancs» aus dem Château Ksara, einem der drei berühmten libanesischen Weingüter: «Chardonnay, Savignon blanc und Semillon sind bei dieser Assemblage dabei», erklärt sie aus dem Stegreif. «Beim roten ˂Le Bretèches˃ vom Château Kefraya sind es sogar vier Traubensorten». Höwis Einschätzung: Es sind erstaunlich körperreiche, betont fruchtige Weine, die einen Sprung auf die andere Seite des Mittelmeers durchaus lohnend machen.
Dessertteller mit Rosenwasser
Dass Höwi ein Dessertfreak ist, dürfte bekannt sein. Umso enthusiastischer die Beurteilung des Tellers, bei dem zwei Darreichungen herausstechen: Die wunderbar süssen, hellen Griessteigrollen namens «Halawe Bil Jibneh» gefüllt mit Ricotta. Die waren bei Höwis Testessen im Nu weg – gefolgt von den «Quatayef», den Hefeteiggebäcken mit Mascarpone. Etwas gar knusprig geraten waren diejenigen mit Nussfüllung. Da half auch das wundervolle Rosenwasser nicht, um die wirklich weich zu kriegen.
Kritik
Wie immer noch ein paar kritische Anmerkungen. Die erste betrifft wieder einmal den Musikteppich. Wer 1001-Nacht-Stimmung erwartet, kommt am Abend auf die Rechnung, am Mittag dagegen liegt Chillout-Musik in der Luft – dezent zwar, aber 08:15. Die Dekos an den Wänden sind Imitate von archäologischen Ausgrabungen. Da dürfte man dem Gast etwas gehobenere Wertigkeit zumuten. Generell dürfte das «Damas» mehr auf Orient machen, ohne dass gleich ausgestopfte Kamele rumliegen müssen. Jetzt sieht das Restaurant aus wie Xandere auch. Und: Schade hat Höwi nicht gemerkt, dass es nebst dem Illy-Kaffee auch noch eine arabische Variante gibt. Den haben die Gäste am Nebentisch im Silberkännchen genossen. Für Höwi eine klare Option beim nächsten Besuch. Den wird er auf der Terrasse geniessen, denn sie gehört zu den schöneren im Quartier.
Restaurant Damas
Kyburgstrasse 28, 8037 Wipkingen
Telefon 043 818 29 12
www.restaurantdamas.ch
7 Tage offen von 10 bis 23.30 Uhr, Küche von 11.30 bis 22 Uhr
Kurier täglich 17 bis 22.30 Uhr.Zum Autor
Er nennt sich Höwi, ist ein stadtbekannter Gastrokritiker und Buchautor und schaut den kochlöffelschwingenden Profis im Kreis 10 in die Töpfe. Die Gastrokolumne erscheint monatlich im Höngger und alle drei Monate im Wipkinger. -

Frauenpower SCW
Fussball nur ein Männersport? Bei weitem nicht. Der SC Wipkingen hat im Frauenfussball eine enorme Entwicklung durchgemacht, und eine grosse Bandbreite an Juniorinnen ist aktiv dabei. Lotta Köppel ist eine A-Juniorin des SCW und weiss viel über den Frauenfussball in Wipkingen. «Die Wipkinger Juniorinnen gibt es seit 2009, damals kamen wir vom Verein Zürich Nord, und Urs Honauer gründete mit uns die erste Mädchenmannschaft von Wipkingen.» Auch Celia Honauer, die Tochter von Urs Honauer spielt bei den A-Juniorinnen. «Bei Zürich Nord war die Organisation des Vereins sehr schlecht und wir haben uns nicht wirklich wohl gefühlt. Als sich dann diese Gelegenheit eröffnete, um in Wipkingen unser eigenes Juniorinnenteam zu haben, fiel uns Juniorinnen, die in Wipkingen lebten, die Entscheidung leicht und wir gingen von Zürich Nord weg. Gestartet hatten wir damals als D-Juniorinnen. In der Schule machten wir bei unseren Freundinnen Werbung dafür, dass sie ebenfalls mit dem Fussball bei Wipkingen beginnen sollten». Seit 2009 ist sehr viel passiert. Von den A-Juniorinnen bis zum E sind mittlerweile alle Juniorinnenstufen vorhanden. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich, denn bei weitem nicht alle Quartiervereine ‒ besonders kleine Vereine wie Wipkingen ‒ sind im Frauenfussball in allen Stufen vorhanden, geschweige denn, dass sie überhaupt ein Frauenfussballteam haben. Der SC Wipkingen ist in diesem Bereich ein Paradebeispiel der Fussballförderung für Frauen. Der Sport ist sehr populär geworden bei den Mädchen und Frauen von Wipkingen. Auffällig ist dabei der rasante Zuwachs: Innert weniger Jahre wurden in allen Altersstufen genug fussballbegeisterte Mädchen gefunden. Es wirkt, als hätte die Entstehung einer ersten Juniorinnenmannschaft eine Sogwirkung erzielt, die eine Frauenfussballwelle durch Wipkingen gehen liess.
Auch die Grösse der Teams habe sich in dieser Zeit stark verändert, sagt Lotta: «Die Anzahl Spielerinnen hat sich massiv erhöht. Am grössten ist der Zuwachs definitiv bei den jüngeren Mannschaften. Eine Weile wurden diese richtig überrannt mit neuen Spielerinnen, da auch Freundinnen von Freundinnen von Freundinnen usw. den Weg zum SCW gefunden haben».Von neun auf elf ist nicht ohne
Doch nicht immer war der Ansturm so stark, und es gab auch schwierigere Zeiten. Celia sagt, dass vor allem beim Wechsel von den B- zu den A-Juniorinnen grosse Probleme entstanden. «Während man im B noch mit neun Spielerinnen spielte, sind es im A bereits elf. Zeitweise hatten die A-Juniorinnen dadurch sogar zu wenig Spielerinnen, um an ein Spiel zu gehen und waren deshalb stark mit den B-Juniorinnen verbunden, von denen sie dann zusätzliche Spielerinnen mitnahmen, um überhaupt eine vollständige Mannschaft auf den Platz zu stellen.» Für Celia war dies eine sehr fussballintensive Phase. «In dieser Zeit hatte ich fast immer am Samstag ein Spiel mit den B-Juniorinnen und zusätzlich am Sonntag noch eines mit den A-Juniorinnen, was manchmal schon ein bisschen zeitaufwendig werden konnte.» Doch im letzten Jahr hat sich die Situation entschärft. Viele neue Spielerinnen sind den A-Juniorinnen beigetreten. Teilweise sind es solche, die zwar noch nie richtig gespielt haben, aber sich dennoch dazu entschieden haben, den Fussball als Hobby aufzunehmen. Längst nicht alle sind aus Wipkingen. «Diejenigen, die schon lange dabei sind, wohnen schon in Wipkingen und Umgebung, aber wir haben auch junge Frauen, die aus dem Seefeld, Wollishofen, Uetikon am See oder sogar von Frauenfeld (!) fürs Training auf den Hardhof anreisen», sagt Lotta.
Gähnende Leere oberhalb des A-Teams
Doch wie steht es um das aktive Frauenteam von Wipkingen? Fehlanzeige. Bevor 2009 die erste Mädchenmannschaft von Wipkingen entstand, gab es nur die Frauenmannschaft – mittlerweile wurde diese aber aufgelöst. Es gab grosse Differenzen zwischen den Spielerinnen, und die Chemie im Team stimmte überhaupt nicht. Es ging so weit, dass die Mannschaft sich in einem richtigen Streit verfing. Immer mehr spaltete sich das Team, und als Trainer Pascal Brosi nach Altstetten wechselte, zogen viele mit ihm oder verliessen das Team. Über den A-Juniorinnen von Lotta und Celia herrscht momentan also gähnende Leere.
Celia sieht darin ein Problem. Natürlich wäre es ein grosser Vorteil, auf der Basis einer erfahrenen Damenmannschaft aufbauen zu können. Ausserdem sagt Celia, dass das ehemalige Damenteam in der 3. Liga gespielt hat, da diese nun aber nicht mehr existiert, müsse das neue Frauenteam der A-Juniorinnen in der 4. Liga starten. Dennoch sind die A-Juniorinnen zuversichtlich. Momentan haben sie ein Kader von 28 Spielerinnen. Das Team harmoniert sehr gut und das Ziel ist natürlich, aus diesen Spielerinnen eine neue, aktive Damenmannschaft zu bilden. Dann wird es wohl eine Durchmischung geben: Die A-Juniorinnen mit weniger Erfahrung bleiben im A und bilden mit den aufsteigenden B-Juniorinnen das neue A-Team, während der Rest der Mannschaft dann die neue Damenmannschaft bildet. Wie bereits erwähnt sind in den jüngeren Jahrgängen mehr als genug Nachwuchsjuniorinnen vorhanden und deshalb wird man bestimmt noch einiges hören vom Frauenfussball beim Sport Club Wipkingen. -

Mehr Wohnraum dank Neubau
Im Frühjahr 2014 informierte die Genossenschaft bgnzwo ihre Anwohnerinnen und Anwohner über die Zukunftsplanung für ihre Siedlungen «Hönggerberg», gleich unterhalb des Friedhofs Hönggerberg am Engadinerweg, zwischen Ruggernweg und Segantinistrasse gelegen, sowie «Zwischenbächen» in Altstetten. Die betroffenen Bauten stammen aus den 50er Jahren, es handelt sich um kleinräumige Wohnungen, welche mehrheitlich nicht mehr den Ansprüchen heutiger Familien und Senioren entsprechen. Neben fehlenden Liften stehen auch andere Erneuerungen in energetischen und technischen Bereichen, aber auch beim Innenausbau an, zu dieser Diagnose kam die Firma Meier + Steinauer AG bei ihrer Gebäudezustandsanalyse 2013. Die bgnzwo prüfte während Monaten die verschiedenen Varianten und berücksichtigte dabei von der Instandsetzung über die Verdichtung durch Anbauten an die bestehenden Häuser bis hin zu Ersatzneubauten. Sie kam zum Schluss, dass ein Neubau in zwei Etappen die sinnvollste Lösung sei, eine Erweiterung wie in der Winzerhalde würde sogar teurer ausfallen. Nach dem Neubau gäbe es zirka 115 neue Wohnungen, sowie rund 75 Tiefgaragenplätze.
Mitwirkung in Arbeitsgruppen
Um seine Überlegungen und die dahinter stehenden Abklärungen verständlich zu machen, setzte der Vorstand der Baugenossenschaft für neuzeitliches Wohnen in den beiden Siedlungen je eine Arbeitsgruppe (AG) ein. Sie bestand aus je fünf Bewohnerinnen und Bewohnern und je drei Mitgliedern des Vorstands. Die Aufgabe der beiden Gruppen war es, die bestehenden Grundlagen vertieft zu studieren und die vom Vorstand empfohlene Strategie für ihre Siedlung zu diskutieren. Am 26. März 2015 schliesslich legte die AG «Hönggerberg» das Ergebnis ihrer Abklärungen der Siedlungsgemeinschaft zur Abstimmung vor. Sie empfahl die Strategie der Ersatzneubauten anzunehmen, knüpfte aber auch einige Bedingungen an diese Empfehlung. So soll unter anderem die erste Bauetappe nicht vor 2018 beginnen und nicht die gesamte Siedlung auf einmal ersetzt werden. Ausserdem soll ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden und der Charakter der Siedlung möglichst erhalten bleiben. Die Siedlungsversammlung folgte der Empfehlung mit 60 Ja- zu zehn Nein-Stimmen.
Zukunft verzögert
Im Oktober 2016 wurden unter der Moderation der Planpartner AG die Wettbewerbsprogramme für die Siedlungen «Zwischenbächen» und «Hönggerberg» den Mitgliedern der Arbeitsgruppen und dem Vorstand vorgestellt und zur Vernehmlassung übergeben. Die Teilnehmenden erhielten anschliessend Zeit, untereinander das Programm zu diskutieren. Nach einem Workshop, den die Gruppen getrennt voneinander durchführten, um sich auf ein Wettbewerbsprogramm zu einigen, schlug die Projektgruppe vor, mit der Wettbewerbsausschreibung für ihre Siedlung noch zu warten, da ein bei der Stadt hängiger Entscheid betreffend den Schiessplatz grosse Auswirkungen auf die Gestaltung der Bauten haben könnte, je nachdem wie die Lärmemissionen zukünftig ausfallen werden. «Es macht Sinn, auf diesen Entscheid zu warten, damit für das Projekt Rechtssicherheit besteht», meint der Präsident der Baugenossenschaft Markus Steiner auf Anfrage. Anfang 2017 wird die Projektgruppe die gemeinsam abgestimmten Wettbewerbsprogramme dem Vorstand zur offiziellen Verabschiedung vorlegen. Parallel dazu kann das Beurteilungsgremium zusammengestellt werden. Dieses setzt sich aus Vorstandsmitgliedern, einem Arbeitsgruppenmitglied der Siedlung und externen Fachpersonen zusammen. Weiter werden Architekturbüros mit Erfahrung im genossenschaftlichen Wohnungsbau für die Teilnahme angefragt. «Da es sich bei der Siedlung Hönggerberg um eine komplexe Aufgabenstellung handelt, wird der ˂Wettbewerb˃ als zweistufiger Studienauftrag durchgeführt, mit dem Ziel, ein bewilligungsfähiges Projekt gemäss Wettbewerbsprogramm zu erhalten», erklärt der Präsident. Die erste Stufe des Wettbewerbs, die sogenannte Ideenstufe, wird anonym durchgeführt und ist für Oktober 2017 bis März 2018 vorgesehen, die Projektstufe, welche nicht mehr anonym sein wird, beginnt im Juni 2018 und dauert bis Dezember 2018 (Stand März 2017). «Wann die erste Neubau-Etappe in der Siedlung Hönggerberg anläuft, kann heute noch nicht festgelegt werden», sagt Steiner. «Verschiedene Faktoren können oder werden den Start beeinflussen». Ein Zeithorizont könne erst nach dem abgeschlossenen Projektwettbewerb definiert werden. Damit die Bewohnenden der Siedlung Hönggerberg während des Umbaus in eine Ersatzwohnung ziehen können, vermietet die Genossenschaft freie Wohnungen seit etwa zwei Jahren nur noch mit befristeten Verträgen, sodass zum Zeitpunkt der ersten Etappe genügend Wohnungen zur Verfügung stehen.
Andere angefragte Siedlungen
Bombachhalde 16 bis 28, Besitzerin: Zürich Versicherungsgesellschaft
Aktuell weist die Liegenschaft an der Bombachhalde 16 bis 28 keinen akuten Sanierungsbedarf auf. Zurich Schweiz plant zurzeit im Raum Höngg keine Bautätigkeiten. Um entscheiden zu können, ob eine Liegenschaft saniert werden soll, prüft Zurich Schweiz die Baustruktur und die Bausubstanz einer Liegenschaft. Es kann durchaus sein, dass bei einer Liegenschaft die Substanz noch gut ist, jedoch die Raumgrössen und -höhen nicht mehr den heutigen Wohnansprüchen genügen und sodann anstelle einer Sanierung eine Gesamterneuerung bevorzugt wird, sofern sich dies auch ökonomisch umsetzen lässt.
Die Migros Pensionskasse mit Häusern an der Segantinistrasse gibt auf Anfrage des «Hönggers» keine Auskunft. -
Im Zeichen des steten Wandels
Im Fokus der letzten beiden «Höngger» stand die Quartierentwicklung in baulicher Hinsicht. Höngg ist, wie jedes lebendige Siedlungsgebiet, nie fertig gebaut. Was lebt, verändert sich stetig und wo Menschen wohnen und leben, da prägen sie ihre Umgebung. Dies wollten wir anhand verschiedener Fakten aufzeigen: Wie sich Höngg derzeit erfreulicherweise verjüngt, wann und wo es mit Häusern bebaut wurde und sich seit 1850 mit gerade mal 1 500 Einwohnern zum Stadtquartier mit rund 23 000 Menschen entwickelt hat. Wir führten in den Dschungel der Bauvorgaben und zeigten im Fokus-Thema der letzten Ausgabe anhand des Gebietes im Frankental, wie zwei Genossenschaften dort ein Quartier im Quartier gebaut haben oder damit demnächst fertig sind. Mit dieser Ausgabe zeigen wir auf, dass dieser Prozess der Wandlung in ganz Höngg stattfindet. Zahlreiche Bauprofile, Baugruben und -kräne zeugen davon. Allenthalben wird saniert, abgerissen, überbaut und verdichtet. Weil energetische Sanierungen notwendig oder die Ansprüche an die Wohnqualität gestiegen sind, weil mit einer Neuüberbauung mehr Wohnraum und damit auch mehr gesellschaftlicher oder – oft genug ein Motivator – mehr wirtschaftlicher Nutzen erzielt werden kann. Einer oder mehr Faktoren kommen meistens zusammen. Zum Glück sind in Höngg relativ viele Genossenschaften aktiv. Sie sind der Garant, dass das Quartier weiterhin gesellschaftlich relativ gut durchmischt ist – wenn auch auf einem ebenso relativ hohen Niveau. Schauen Sie mit uns in dieser Ausgabe punktuell auf kommende und sich im Bau befindliche Veränderungen. Abschliessend – im Wissen eben, dass die Wandlung nie abgeschlossen sein wird. Am 13. April steht dann der Verkehr im Fokus – denken Sie bereits mit und halten Sie die Buntstifte bereit, Sie dürfen einen gordischen Knoten neu zeichnen.
Fredy Haffner
Verlagsleiter «Höngger» -

Bar jeglicher Nostalgie
Dass Höngg, wie alle anderen Quartiere Zürichs oder einer x-beliebigen Stadt weltweit, nicht irgendwann fertig gebaut und der Anblick für alle Ewigkeit in Holz gesägt oder in Stein beziehungsweise Beton gemeisselt ist, ist selbstverständlich. Da mag sich mancher heimatschützerische Geist oder mancher architekturhistorische Kenner dagegen wehren, und selbst normale Quartierbewohnende mögen sich ärgern oder einfach nur traurig sein und in nostalgischen Gedanken verweilen, wenn altvertraute Gebäude verschwinden oder so umgebaut werden, dass man sie kaum wiedererkennt – doch ehrlich betrachtet will ja auch niemand mehr in Höhlen und Laubhütten leben. Mal ganz abgesehen von allen anderen realen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder anderen Gründen, welche dazu führen, dass Häuser und andere Bauten einer laufenden Veränderung unterworfen sind.
Damals wie heute
So hat und wird sich auch Höngg weiterhin stetig verändern. Was die Vergangenheit betrifft, so zeigte dies – selbst schon ein «Damals» – die Foto-Serie «Damals & Heute» im «Höngger» eindrücklich auf. Als virtueller Gang durch Hönggs Baugeschichte weckt sie unter www.hoengger.ch, im Archiv unter «Damals & Heute» weiterhin viele Erinnerungen – oder zeigt jenen, die das «Damals» nicht selbst miterlebten, wie, was früher aussah, was sie heute als gegeben betrachten. Bis es dann dereinst seinerseits zum «Damals» wird, dieses Heute. Die Serie liesse sich laufend aktuell fortführen, denn bereits wenige Jahre nach dem ein altes Haus durch ein neues ersetzt wurde, hat man den Ersatzbau selbst so fest ins eigene optische Gedächtnis einzementiert, dass man sich des alten Anblicks kaum erinnert.
Am ganzen Hang wird fleissig gebaut
Einige wahllos ausgesuchte Beispiele zeigen diese Seiten des Fokus-Themas. Ein eindrückliches bezüglich baulicher Verdichtung ist die Siedlung «Winzermatte» an der Winzerhalde 99 bis 109, die ihrer Lage wegen wahrscheinlich im restlichen Höngg nicht überall wahrgenommen wurde. Die beiden Aufnahmen auf dieser Seite. Wo unlängst noch direkt am Kanal der Werdinsel einfache, parallel angeordnete Bauten standen, stehen heute moderne, ineinander verschachtelte, rhomboide Häuser der Anlagestiftung der Zurich Invest AG. Die bereits im Mai 2016 bezogenen Bauten umfassen 67 Mietwohnungen zwischen 1,5 und 4,5-Zimmer auf einer im Vergleich zur früheren Überbauung grösseren Mietfläche. «Die Mietzinse entsprechen der aktuellen Marktsituation», gab die Verwaltung zur Auskunft, aktuell seien bis auf drei Wohnungen alle vermietet. Während ganz unten an Hönggs Grenze Ersatzneubauten entstanden, wird derzeit ganz oben, am Ende der Kürbergstrasse, eine «letzte» Grünfläche mit Eigentumswohnungen überbaut. Die Aussicht wird einmalig sein. Entlang der Ottenbergstrasse hat, wer regelmässig im Bus sitzt oder hinter einem solchen an der Bushaltestelle im Auto wartet, genug Zeit, um vor allem hangseitig zu beobachten, wie sich die Gebäudesilhouette laufend verändert. Derzeit am auffälligsten gleich zu Beginn der Strasse stadteinwärts: Dort sind zwei Häuser entstanden, die nun so gut sichtbar dort stehen, dass man beinahe fragt, ob dort zuvor überhaupt schon Häuser standen. Überhaupt braucht man nur entlang der Hauptverkehrswege zu fahren, und schon sieht man allenthalben Baugerüste oder bereits Baukräne stehen. So auch an der Regensdorferstrasse, der Winzerstrasse, der Limmattalstrasse. Höngg, die bevorzugte Wohnlage, passt sich der Nachfrage an und erneuert sich weiterhin. Nostalgie ist – entgegen dem Titel dieses Beitrags – erlaubt. Ebenso, sich über die neuen Häuser zu freuen und sich mit der gesellschaftlichen Veränderung, die sie mit sich bringt, auseinanderzusetzen.
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Das Frankental: Kein Nebenschauplatz
Im letzten Jahr hatte das Gemeinschaftszentrum Höngg/Rütihof das Projekt «Dein Frankental» ins Leben gerufen. «Ziel der GZ-Aktionen war und ist es noch, die Vernetzung in der Quartierbevölkerung zu fördern und die Identifikation mit dem Frankental zu stärken», erläutert Patrick Bolle, Betriebsleiter des GZ Höngg/Rütihof, im Gespräch mit dem «Höngger». «Die demografische Struktur im Frankental hat sich in den letzten Jahren stark verändert und ist noch immer im Wandel». Um den Bewohnerinnen und Bewohnern das Quartier näher zu bringen und ihnen gleichzeitig den Puls zu fühlen, organisierte das GZ unter anderem eine «Quartierspionage», bei der die Kinder durch das Frankental gingen und auf grossen Kartonsprechblasen festhielten, welche Orte ihnen besonders gefielen, und welche sie als eher «gefährlich» oder «gfürchig» einstuften. Während die attraktiven Spielplätze in der Siedlung positiv bewertet wurden, schnitt der starke Verkehr erwartungsgemäss weniger gut ab. Auf einem Quartierrundgang informierten die jeweiligen Verantwortlichen an verschiedenen Standorten über ihre Institutionen und Projekte, darunter die beiden Genossenschaften, die Stiftung für Alterswohnungen der Stadt Zürich und das Wohnzentrum Frankental. Eine kleine Lektion in Geschichte erhielt man von Beat Frey, der eine Zeit aufleben liess, in der es hier wenig mehr gab als Wiesen, Wald und Sumpf und die Innerschweizer versuchten, via Grafschaft Baden den Staat Zürich zu betreten – ohne Erfolg.
Verkehr dominiert die Diskussion
Das Team des Gemeinschaftszentrums Höngg/Rütihof konnte sich in Gesprächen mit der hiesigen Bevölkerung ein gutes Bild von den bestehenden Bedürfnissen und dem Status Quo der Strukturen erarbeiten. «Wir haben festgestellt, dass das Quartier durch die Verkehrsachsen Limmattal- und Frankentalerstrasse dreigeteilt ist: Die Strassen bilden eine Hürde, die zu überqueren die meisten vermeiden, wenn sie keinen Grund dazu haben. Die durch die Bäckerei der GEWOBAG und die geplante Coop Filiale, sowie den Kindergarten und Hort der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg neu gegebene Infrastruktur könnte einen Anreiz schaffen und dabei helfen, die verschiedenen Gebiete zu verbinden», hofft Bolle. Ausserdem wären die Bewohner der Alterssiedlung der Stadt Zürich durch die Einkaufsmöglichkeiten in Gehdistanz nicht so isoliert. Ursprünglich war die Umfahrung Frankentalerstrasse geplant gewesen, um den Raum Rütihof zu erschliessen. «Man hat aber festgestellt, dass die Menschen im Rütihof diese Route gar nicht benutzen, sondern andere Strassen wählen», so Bolle. Er hofft, dass bei der voraussichtlich für 2022 geplanten Sanierung der Limmattalstrasse, für welche 2018 ein Mitwirkungsverfahren ausgeschrieben werden soll, auch die Fehlüberlegungen korrigiert werden, die damals beim Bau der kantonalen Strasse gemacht wurden. «Heute leben viel mehr Menschen hier als in den 70er Jahren, man kann sich durchaus Gedanken dazu machen, ob die bestehende Fussgängerführung und Verkehrsampeltaktik die passenden sind. Ein weiteres Problem, das sich in Zukunft abzeichnen wird, ist das der Schulen: «Die Schulhausplanung hinkt dem Wohnungsbau hinterher», meint Bolle.
Weitere Aktionen geplant
Es ist also einiges in Bewegung im Frankental. Mit der nächsten Aktion des GZ Höngg/Rütihof soll auch die urbane Bevölkerung angesprochen werden. Geplant ist eine «Künstlerische Intervention» in Zusammenarbeit mit der Kunstschule F+F, die voraussichtlich im kommenden Herbst während einiger Tage das Frankental mit Installationen oder Performances bespielen soll. «Vielleicht kann die Endhaltestelle des 13er Trams zu einem temporären Kultur-Zentrum werden», überlegt der GZ Leiter. Noch ist nichts spruchreif. Geplant ist auch ein weiterer Spielaktionstag am 20. Mai. «Wir wollen ein eigenes zivilgesellschaftliches Engagement wecken, das zum Selbstläufer wird, dann haben wir unser Ziel erreicht».
Der Blog «Dein Frankental» ist noch immer online zugänglich unter www.deinfrankental.blogspot.ch
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Es pulsiert im Frankental
Das Frankental mag für viele einfach nur eine VBZ-Endhaltestelle sein. Ein Wendepunkt, falls man den Ausstieg verpasst hat. Ein durch die Frankentaler- und die hier aus Zürich hinausführende Limmattalstrasse dreigeteiltes Randgebiet von Höngg. Man steigt aus oder fährt durch. Doch für immer mehr Menschen ist es ein wahres Zuhause, auch wenn nur mitbekommt wer dort lebt – oder regelmässig durchfährt – dass im Frankental ein Quartier im Quartier vor seiner Vollendung steht. Ja, es pulsiert richtiggehend, wenn auch zum Teil noch hinter Bauabschrankungen. Die Umstrukturierungen im Frankental sind beachtlich. Wo unlängst noch beschauliche Häuser aus dem letzten Jahrhundert standen, riegeln nun mehrstöckige Gebäude ihre rückwärtigen Bauten gegen den Durchgangsverkehr ab. Noch diesen Herbst zieht eine grosse Coop-Filiale ein und vieles mehr. Nicht nur das Antlitz und das Angebot des Gebietes hat sich durch die Neubauten in den letzten wenigen Jahren verändert, sondern damit auch die Bewohnerschaft. Es fand und findet auch hier eine Verjüngung statt. Und mit dem Wandel kamen neue Bedürfnisse, neue Fragen, vielleicht sogar Ansprüche – gewachsen und aufgeworfen mitten aus alten, aber nun durch einen Generationenschub neu befeuerten Vorstellungen und Werten. Welche Folgen haben diese Veränderungen, die laufenden Umwälzungsprozesse? Waren sie absehbar und behält sie jemand im Auge? Lässt sich daraus gar ableiten, was vielleicht auch andernorts in Höngg zu erwarten ist? Der «Höngger» widmet das Fokusthema dieser Ausgabe dem Frankental und wird in der nächsten Ausgabe von dort aus weiter nach Höngg blicken. Kommen Sie mit uns auf eine «Tour de Frankental» – und gehen Sie gelegentlich auch selbst wiedermal hin, sofern Sie nicht schon dort wohnen. Bleiben Sie stehen – und fühlen Sie dem Ort und Höngg den Puls.
Fredy Haffner, Verlagsleiter «Höngger»
