Autor: tka_admin

  • Ein LEK für alle Fälle, Teil 2

    Ein LEK für alle Fälle, Teil 2

    Fast 80 Projekte und Massnahmen wurden alleine für die Südflanke des LEK Hönggerberg-Affoltern, also den Raum Höngg, Hönggerberg und Käferberg, definiert. Von der Konzeptebene bis in die «Niederungen» der detailreichen Umsetzung. Wer sich in die Materie einarbeitet, fühlt sich bald wie ein hilfloses Insekt im Urwald. Und da man diesen ja nicht abholzen will, um dann auf Zeitungspapier im Detail über alles zu berichten, folgen hier zu den ausgesuchten Kapiteln jeweils nur Beispiele – was es besagtem «Insekt» natürlich nicht ersparte, sich durch alle Kapitel «durchzukrabbeln».

    Aus dem Blätterdach…

    Sozusagen im Dach des Urwalds angesiedelt sind die «Konzepte für Erholungslenkung und Landschaftsentwicklung». Vor dem Hintergrund des starken Bevölkerungswachstums in Zürich – Stichwort verdichtetes Bauen – und Höngg, zum Beispiel durch den Ausbau der ETH Hönggerberg oder die kommende Überbauung im Rütihof, ehemals «Ringling»-Areal, ist der steigende Nutzungsdruck auf die angrenzenden Landschaftsräume absehbar. Natur- und Kulturlandschaften werden vermehrt als Erholungsraum beansprucht. In einer vertieften Planung, aus der Leitbilder und Nutzungskonzepte abgeleitet und mit allen Beteiligten Nutzergruppen erarbeitet werden, sollen für die Gebiete innerhalb des LEK die künftige Landschaftsnutzung und -gestaltung definiert sowie daraus Massnahmen abgeleitet werden.

    … zu den Leitbildern

    Ein solches Leitbild entsteht gerade zur Allmend Hönggerberg. Allerdings ist dieses nur ein internes Arbeitspapier, das vorwiegend der koordinierten Planung innerhalb der involvierten Dienstabteilungen dient. Es wird also nicht vom Stadtrat festgesetzt und auch nicht publiziert – nur die bereits im Prozess involvierten Vereine werden informiert. Das LEK verlangt innerhalb dieses Leitbildes unter anderem Antworten auf die Frage, welche zweckgebundenen Erholungsflächen, zum Bespiel für Sport, in diesem Landschaftsraum verträglich sind. Insbesondere sei zu prüfen, wo «der Bedarf nach einem zusätzlichen Fussballplatz» abgedeckt werden könne. Multifunktionale Erholungsflächen seien zu ergänzen und «ein attraktives Wegenetz mit Aufenthaltsbereichen» anzubieten. Der Raum soll ein breit gefächertes Erholungsangebot aufweisen. Abgestimmt auf die Ziele des Leitbildes, wurde bereits ein Fussballplatz mit einem Kunstrasen versehen, um die Nutzungsintensität zu erhöhen, sodass die Erstellung eines weiteren Fussballfelds vermieden werden konnte. Ebenfalls im Rahmen des Leitbildprozesses hat sich Grün Stadt Zürich in der Jury des Wettbewerbs für das neue Garderoben- und Clubgebäude des SVH für eine landschaftsverträgliche Lösung eingesetzt.

    Später dann soll auch für die Allmend Käferberg ein Leitbild «für eine allmend- und parkartige Nutzung des Gebietes Käferberg Süd» erstellt werden. Doch dieses Leitbild ist abhängig von den Ausbauplänen der ETH und anderen Einzelmassnahmen, es soll aber «als einen der nächsten Schritte» angegangen werden. In zweiter und dritter Priorität sollen für das Gebiet nördliches Frankenbühl (beim Rütihof) sowie zum Raum Heizenholz ebenfalls Leitbilder und Konzepte entstehen.

    Abfall und Hunde betreffen alle Gebiete

    Innerhalb solcher Leitbilder werden auch unter dem Kapitel «Massnahmen Gesamtraum» Themen konkretisiert, welche das ganze LEK übergreifend betreffen: Abfall-Entsorgung, Parkierungsmöglichkeiten oder die zu verbessernde Erreichbarkeit zu Fuss oder mit dem Velo. Nicht zuletzt soll mit dem gesamtstädtischen «Hundeprojekt» dafür gesorgt werden, dass eine «verantwortungsvolle Hundehaltung» gefördert und «Konflikte mit anderen Nutzergruppen sowie Störungen von empfindlichen Wildlebensräumen» vermindert werden: Angestrebt wird gemäss LEK «unter anderem ein Zonenplan für Hundehaltende, der die hundefreundlichen Zonen sowie die Zonen mit Leinengebot und mit Hundeverbot zeigt». Doch hier präzisiert Jürgen Faiss, verantwortlicher Projektleiter Freiraumplanung bei Grün Stadt Zürich, die damalige Ausgangslage: «Im Bereich Allmend Höngg wird es die hier erwähnten Restriktionen nicht geben, es gilt das kantonale Hundegesetz, das seit Januar 2010 in Kraft ist und die Hundehaltung regelt. Konkret: Auf Spiel- und Sportfeldern dürfen Hunde nicht mitgenommen werden.

    Themenrouten für ein Miteinander

    Mitunter auch um ein friedliches Miteinander auf «engem» Raum zu fördern, sind über den Hönggerberg zwei Themenrouten geplant. Einerseits die «Waldroute Käferberg-Hönggerberg», welche als informativer Weg im Schatten der Wälder vom Bucheggplatz über den Käferberg, Hönggerberg und weiter Richtung Gubrist führen soll. Angedacht ist, dass dieser Weg die «historische Entwicklung des Erholungswaldes» aufzeigen soll. Als wichtige Grundlage dafür wird derzeit das Archiv des Verschönerungsvereins Höngg (VVH) aufgearbeitet. In Betracht gezogen wird auch eine Panoramaroute Käferberg-Hönggerberg, als Verbindung vom Bucheggplatz über den Hönggerberg zum Rütihof, wie es heisst: «durch Kleingärten, Landwirtschaftsland und Obstgärten, zwischen Siedlung und Wald sowie mit Ausblick auf die Alpen». Sie führt über bereits bestehende Wege und Strassen wie zum Beispiel der Kappenbühlstrasse.

    Entlang dieser Wege sind in Höngg auch zwei sogenannte «zweckgebundene Erholungsflächen» dargestellt. Eine davon ist der Friedhof Hönggerberg, an dessen unterem Rand entlang die Panoramaroute Käferberg-Hönggerberg hätte führen sollen, wo heute der schmale Ruggernweg verläuft. Um den Weg zu verbreitern, war vorgesehen, den Zaun zum Friedhof zu entfernen oder an den oberen Böschungsrand zu versetzen. Mit Entfernen wird nichts, denn sonst, so die Erkenntnis, hätten auch die Wildschweine freie Bahn in den Friedhof und eine Versetzung geht auch nicht, weil dort bereits Familiengräber angrenzen. Die Idee ist nun, den Panoramaweg direkt durch den Friedhof zu führen, was zum Vorteil hätte, dass von dort auch die Aussicht besser ist als vom Ruggernweg aus.
    Die zweite solche Erholungsfläche ist das Areal des früheren Waidbad, hinter dem heutigen Restaurant Tessin Grotto (ehemals «Jägerhaus»), wo nebst der bestehenden Spiel- und Freizeitinfrastruktur «bei Bedarf Erholungsinfrastrukturen» geschaffen werden könnten. Die Planung wird Teil des Leitbilds Allmend Käferberg sein.

    Landschaften erleben

    Gleich an zehn Orten sind auf Höngger Gebiet Massnahmen in «landschaftlich geprägten Aufenthaltsbereichen» vorgesehen. Diese Erholungsflächen sollen sich gut in die Landschaft eingliedern, öffentlich zugänglich sein und je nach Bedarf Sitzgelegenheiten, Feuerstellen sowie Spiel- und Liegewiesen bieten. Einheimische Pflanzenarten und natürliche Baumaterialen, die auch als «Strukturen für kreatives Kinderspiel» dienen können, sollen zur Anwendung kommen. Der Bereich Oberleewiesen, so heissen Wiese und Waldrand hinter dem Restaurant Grünwald, ist zum Beispiel als solches Gebiet vorgesehen. Dort könnte gemäss LEK die Waldbewirtschaftung auf die Ansprüche der Erholungssuchenden abgestimmt werden und neue Infrastruktur wie Sitzgelegenheiten, Feuerstellen oder «Strukturen für kreative Kinderspiele» realisiert werden. Dies in Abstimmung mit dem Kanton, dem der angrenzende Wald gehört – der Verschönerungsverein Höngg kümmert sich bereits um die Feuerstellen und Sitzbänke (siehe «Höngger» vom 17. August, «Dumpfer Vandalismus»). Konkretisiert werden soll die Idee im Zusammenhang mit dem Nutzungskonzept Heizenholz.

    Interessant dürfte die Ausgestaltung des «Aufenthaltsbereich Huberwiesen» werden. So wird das Gebiet entlang dem Waldrand hinter dem Schützenhaus Hönggerberg, Teile des angrenzenden Waldes und die Wiese hinter dem 300-Meter-Zielhang genannt. Das LEK sieht dort noch eine «potenzielle Fläche für zusätzliche kleinere Aufenthaltsbereiche» und will das Gebiet zu Gunsten der Erholungsnutzung – unter Berücksichtigung des Wildaustrittes – aufwerten.
    Unterdessen heisst es seitens GSZ, dass die Aufwertung des Waldrandes als «ökologisch und gestalterisch aufwertende Massnahme» in Abstimmung mit dem Betriebsplan und der Eichenförderung des Kantons Zürich angedacht und keine Erholungsinfrastruktur geplant sei. Der Schiessbetrieb werde «mittelfristig bestehen bleiben».

    Auch zu erwähnen ist die «Waldfläche Frankenbühl», das ist der Wald oberhalb des Rebbergs des Obsthauses Wegmann, wo das LEK «Potenzial für kleinere Aufenthaltsbereiche» sieht. Allerdings ist dies ein Privatwald, das LEK hat hier keine rechtlich bindende Wirkung. Selbiges gilt für die Waldfläche «Giblen», die kleine Waldfläche unterhalb der Giblenstrasse.

    Pflanzen und Tiere gehen vor – oder über ein Dach?

    15 und damit am meisten Massnahmen sind im Bereich «Lebensräume für Tiere und Pflanzen» vorgesehen, wurden bereits umgesetzt oder werden im Rahmen normaler Pflegearbeiten laufend realisiert. Grundsätzlich sollen unter diesem Oberbegriff «vorhandene wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten und bei Bedarf gezielt aufgewertet werden». Herausgegriffen sei hier der «Obstgarten Notzenschürli» am Ruggernweg, der vom Natur- und Vogelschutzverein Höngg (NVV) bewirtschaftet wird. Dort sollten – und werden dank dem NVV auch – die ökologisch wertvollen Kleinstrukturen erhalten bleiben und absterbende Bäume ersetzt werden. Im Fokus hat das LEK auch den Holderbach, der in seinem Tobel aus dem Hönggerwald nach Affoltern fliesst. Der «weitgehend unverbaute Holderbach» sei in seiner Eigenart und Naturnähe zu erhalten. Gezielte Massnahmen für das Naturerlebnis seien zwar denkbar, sagt das LEK, «jedoch mit grosser Zurückhaltung bezüglich weiterer Erholungsinfrastrukturen». Fraglich mag sein, wie lange dieses bei Pfadis, Familien und Bikern beliebte Gebiet dem Nutzungsdruck standhalten kann.

    Interessant klingt, was das LEK zum Thema «Wildwechsel Regensdorferstrasse» festhält: die Querung für das Wild sei sicherer zu gestalten. Herkömmlich beispielsweise durch die Entfernung von Sträuchern oder die Installation eines Warnsystems. Es sei aber auch die Kombination mit einem sicheren Übergang für Fussgänger und Velofahrer zu prüfen und, dies aber nur langfristig, ob ein Teil der Strasse überdeckt werden könnte. Damals dachte man noch, dies alles im Zusammenhang mit dem Bauprojekt «Ringling» und den damit zusammenhängenden Strassenbaumassnahmen vorzubereiten. Weil das Bundesgericht die Baubewilligung für die geplante Siedlung aufgehoben hat, existiert dafür momentan kein konkreter Zeitplan mehr.

    Um ökologische Vernetzung, Fuss- und Radwege und vieles mehr geht es im letzten Teil dieses Fokus-Themas im «Höngger» vom 12. Oktober.

    Im Fokus bereits erschienen:
    31. August 2017: «Ein LEK für alle Fälle» (Teil 1)
    31. August: «Begehrte Höngger Allmend» (historische Betrachtung)

     

  • Ein LEK für alle Fälle

    Ein LEK für alle Fälle

    Freiräume sind begehrte Räume. Das wusste schon Stadtpräsident Emil Klöti, als er sich in seinen Amtsjahren bis 1942 unter anderem für die Erschaffung des heute als «Grüngürtel» bekannten Raumes rund um Zürich einsetzte. Jener Zone also, die bis heute die Stadt davon abhält, sich grenzenlos auszudehnen und Naturräume zu überbauen, sondern diese gezielt zu erhalten. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie des Schicksals, dass mit der Verbindungsstrasse vom Bucheggplatz zur ETH Hönggerberg und weiter Richtung Affoltern ausgerechnet eine jener Strasse nach ihm benannt wurde, die ein solches Gebiet nachhaltig – zumindest bis heute – durchtrennt. Emil Klöti erkannte also schon damals den Wert solcher Freihaltegebiete. Und auch Nutzungskonflikte in solchen Freiräumen waren und sind seit jeher vorgezeichnet, und zunehmender Nutzungsdruck war schon im letzten Jahrhundert ein Thema.

    Vom Grünbuch zum LEK

    Grün Stadt Zürich (GSZ) legte im «Grünbuch der Stadt Zürich» bereits 2006 fest, mit welchen heutigen Strategien und Zielen sich Zürich «Grün» entwickeln soll. Die Landschaftsentwicklungskonzepte (LEK), von denen Zürich zwei fertiggestellt hat, basieren auf diesem «Grünbuch» und berücksichtigen Vorgaben von Bund und Kanton. Mit der LEK-Strategie soll, kurz zusammengefasst, in Gebieten ausserhalb des überbauten Raumes die nachhaltige Landschaftsentwicklung unter Berücksichtigung der verschiedensten Ansprüche sichergestellt werden. Ein LEK ist ein partizipatives Verfahren, die Nutzergruppen werden also bei der Erarbeitung miteinbezogen. So geschehen auch in Höngg und Affoltern, wo bis zu 140 Personen damals an mehreren Workshops teilnahmen. Sie haben damit, um es mit den Worten der Verantwortlichen zu sagen, «das Grundmuster eines Bildes, das sich über die Jahre weiterentwickeln wird» geschaffen. Oder anders gesagt, sind die im LEK formulierten Ziele wie die Kettfäden eines Webstuhls, welche in diesem Gewebe die Schussfäden, also die Massnahmen, zusammenhalten, um das angestrebte Bild, das LEK, zu realisieren.
    Alles was im LEK Hönggerberg-Affoltern formuliert ist, beruht also auf dem Planungsstand und Annahmen aus dem Jahr 2006. «Das LEK», so sagt Jürgen Faiss, der Projektleiter Freiraumplanung bei Grün Stadt Zürich, «ist kein Projekt mit einem Anfang und einem klar definierten Ende, sondern dynamisch». Es zeigt nur eine grundsätzliche Richtung auf und wird laufend aktualisiert. So sind seit 2006 weitere planerische Aufgaben hinzugekommen, es haben sich neue Abhängigkeiten – zum Beispiel im Zusammenhang mit Bauprojekten – oder auch neue Erkenntnisse ergeben, die sich im LEK niederschlagen. Als amüsantes Beispiel für letzteres sei hier vorweggenommen, dass man beabsichtigte, den Zaun unterhalb des Friedhofes Hönggerberg zu entfernen: Die seit 2006 stark angestiegene Wildschweinpopulation würde sich darüber heute sehr freuen und so arbeitet man nun an einer neuen Lösung für das «Problem», welches sich dort im Zusammenhang mit einer geplanten Panoramaroute stellte. Mehr dazu im nächsten «Höngger».

    Umfassend und behördenverbindlich

    Solche und weitere Projekte und Massnahmen definiert das LEK. Nach Prioritäten geordnet erfolgt deren Umsetzung etappenweise. Sinnvollerweise im Zusammenhang mit anderen geplanten Projekten, was aber auch bedeutet, dass sich die Prioritäten ändern können. Integriert in ein LEK werden auch der Waldentwicklungsplan (WEP) und die Vernetzungsprojekte (VNP), welche in landwirtschaftlichen genutzten Zonen die für die ökologische Vernetzung nötige Flächen bestimmen, also dafür sorgen, dass für Tier- und Pflanzenwelt Lebensräume und Korridore zwischen diesen gesichert werden. Mit der Verabschiedung durch den Stadtrat im Juli 2011 wurde das LEK Hönggerberg-Affoltern behördenverbindlich. Für Privateigentümer im betroffenen Gebiet ist die Umsetzung freiwillig. Der Planungshorizont eines LEK liegt im Schnitt bei zehn Jahren, viele Massnahmen sind aber noch längerfristiger angelegt. Der Stand der Umsetzung wird dem Steuerungsausschuss von GSZ jährlich berichtet. In diesem LEK wurden 160 Massnahmen definiert, davon betreffen an die 80 direkt Höngger Gebiet. Den Überblick und damit die Umsetzungskontrolle zu behalten, ist Aufgabe von Grün Stadt Zürich. Der «Höngger» hat sich – wie immer mit Fokus auf Höngg – durch eine Dokumentation des Umsetzungsstandes gelesen. Selbst für den ortskundigen Eingeborenen eine aufschlussreiche Reise entlang alter Flurnamen. Die Ergebnisse erscheinen in den Ausgaben vom 14. September.

    Infobox
    Das 140 Seiten starke LEK Hönggerberg-Affoltern ist unter www.stadt-zuerich.ch, Suchbegriff «LEK Hönggerberg» auch als PDF verfügbar.

  • Begehrte Höngger Allmend

    Die Allmend Hönggerberg erstreckt sich vom Waldrand hinter dem 300-Meter-Zielhang des Schiessstandes zur Kappenbühlstrasse und in östlicher Richtung bis zur Höhe Gsteigstrasse. Heute finden der Turnverein, die Schiessplatzgenossenschaft, zwei Fussballfelder des SVH, der Findlingspark und Familiengärten auf dieser Fläche Platz. Wie in allen Erholungsgebieten rund um die Stadt beanspruchen auch Sportler, Spaziergänger und Hundehalter diesen Raum. Wahrscheinlich entstanden die Allmenden der Stadt bereits zu der Zeit der ersten Besiedlungen. Sie waren jeweils im gemeinsamen Besitz der Gemeinde und wurden entsprechend gemeinschaftlich genutzt und bewirtschaftet. Bis 1933 vergantete auch die damals noch selbständige Gemeinde Höngg jährlich das Heu und Gras dieser Fläche, so ist es in der Ortsgeschichte Höngg nachzulesen. Mit der Bauzonenordnung (BZO) von 1946 führte die Stadt die sogenannte Grünzone oder Freihaltungszone ein. Davor gab es, abgesehen von Wald und Gewässern, keine Zonen, auf denen nicht grundsätzlich hätte gebaut werden können. Angesichts der hohen Bautätigkeit in der Stadt wollte man sicherstellen, dass manche Flächen frei bleiben würden. Bei den Landbesitzern regte sich starker Widerstand, es ging bis vor das Bundesgericht, welches die Grünzonen als nicht gesetzeskonform bewertete. Erst musste das Kantonale Baugesetz geändert werden. In «Gerechter – Die Entwicklung der Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich» ist dazu zu lesen: «Mit Freihaltezonen sollten das Orts- und Landschaftsbild oder Aussichtslagen geschützt werden; gleichzeitig dienten sie der Gliederung grösserer zusammenhängender Siedlungsgebiete und als Erholungsräume für die Bevölkerung. In der Freihaltezone waren nur Bauten zulässig, die für deren Bewirtschaftung nötig waren und sich mit dem angestrebten Zonenzweck vertrugen. Dabei dachte man – ausser an landwirtschaftliche Gebäude – vor allem an kleine Sportplatzbauten und an Häuschen in Schrebergärten». Erst 1969 konnten Freihaltezonen, die eigentlich bereits seit 1946 vorgesehen waren, in der BZO rechtlich umgesetzt werden. Für bestimmte Bereiche – wie den Hönggerberg, die Altstadt und die Bahnhofstrasse – wurden anfangs der 1960er Jahre Spezialbauordnungen erlassen.

    «Olympikon» auf dem Hönggerberg

    Bereits im Juni 1963 wurde eine neue Bauzonenordnung verabschiedet. Diese spiegelte den Bau-Grössenwahn der späten 50er und frühen 60er Jahre. Selbst die Stadt schreibt im oben erwähnten Bericht, dass die BZO 63 «aus heutiger Sicht zu grosse Kapazitäten und Ausnützungsreserven in den Bauzonen [schuf], ohne deren Sinn zu hinterfragen». Mit dieser Einsicht im Hinterkopf lässt sich vielleicht verstehen, wie es zu der Idee kommen konnte, auf der Allmend Höngg ein riesiges Sportzentrum entstehen zu lassen. Kurz zuvor hatte die Stadt das sogenannte «Raumprogramm» genehmigt: Nicht weniger als sieben Spielplätze für Fuss- und Handball, ein Leichtathletikplatz mit 400-Meter-Rundbahn, eine Schulspielwiese und Hockeyplatz, ein Hartplatz mit Beleuchtung, der im Winter als Eisbahn benützt werden kann, vier bis sechs Tennisplätze, eine Kunsteis- und Rollschuhbahn und 300 unterirdische Parkplätze waren angedacht – kurz: Magglingen hätte alt ausgesehen daneben. Der Stadtrat begründete die Idee damit, dass eine Kunsteisbahn auf dem Hönggerberg, aufgrund der gewachsenen Bevölkerung in den Quartieren Höngg, Altstetten, Wipkingen und Affoltern einem Bedürfnis entspräche. Just in dieser Zeit rückte allerdings die Zentrumsplanung Höngg stärker in den Vordergrund, sodass das Thema höchstens noch als Randnotiz in den Medien auftauchte. Erst mit dem Beginn des Ausbaus der Emil-Klöti-Strasse 1971 rückte der Hönggerberg schliesslich wieder ins Blickfeld und damit auch das geplante Sportzentrum.

    Weise Voraussicht des Verschönerungsvereins

    Aus heutiger Sicht, da der Naherholungsraum immer stärker unter Druck gerät, kann man froh sein, bewies der inzwischen verstorbene, ehemalige Präsident des Verschönerungsvereins Höngg, Peter Trautvetter, Weitsicht. Er setzte sich vehement gegen das geplante Grossprojekt auf dem Hönggerberg ein. Unter dem Titel «Kampf um den Hönggerberg» publizierte der Vorstand des Vereins im Jahr 1971 mehrere Artikel im «Höngger» und machte sich für die Erhaltung des Hönggerbergs stark. Er appellierte nicht gegen die Sportanlage, sondern für eine «passive Erholung»: «(…) das Spazieren, das Sitzen auf einer Bank, das Betrachten der Natur». Entschleunigung war scheinbar schon damals ein Thema. Ein solches Erholungsgebiet müsse schön sein und leicht zu erreichen, der Hönggerberg erfülle eben diese Eigenschaften. Innert weniger Tage sammelte er 350 Unterschriften und zahlreiche Wortmeldungen aus der Bevölkerung. Im Rahmen der Zürcherischen Umweltschutzwoche liess der Verschönerungsverein den Artikel sämtlichen Stadträten und dem Stadtpräsidenten zukommen, doch nur Stadtrat Baur reagierte. Aus noch unerfindlichen Gründen verschwand dieses Thema jedoch plötzlich aus dem öffentlichen Blick, bis Redaktionsschluss konnte nicht herausgefunden werden, wie und wann die Stadt entschlossen hatte, die Idee eines Sportzentrums auf dem Hönggerberg fallen zu lassen. Gemäss Auskünften des Hochbaudepartements ging dieses Projekt nie über die Vorprojektphase hinaus.

    Nichts gegen die Grasshoppers, aber …

    Als Ende der 90er Jahre die Fussballer des GC Zürichs nach neuen Trainingsplätzen suchten, kam das Areal «Im Grund» auf dem Hönggerberg in den Fokus der Stadt. Das ist das Gebiet zwischen Turnplatz, Waldrand und Emil-Klöti-Strasse. Die Bau- und Zonenordnung 1998 hatte diese Ebene in die Erholungszone Zone E1 eingeteilt, welche auch Sportanlagen inklusive Garderoben und Verpflegungsstätten erlaubt. Geplant waren rund fünf Fussballfelder mit Flutlichtanlagen, Ballfangeinrichtungen und Garderoben. Die Vereine Hönggs, ein grosser Teil der Bevölkerung und Politiker von links bis rechts wehrten sich daraufhin so entschieden gegen die Idee, dem GC das Baurecht auf dem Höngger Berg abzutreten, dass die Neue Zürcher Zeitung das Verhalten der Höngger mit der Abwehrtaktik «Catenaccio» verglich: «Beim Catenaccio zieht sich die ganze Mannschaft vor dem Strafraum zusammen und verteidigt mit vereinten Kräften». In einem Leserbrief schrieb Trautvetter: «Nichts gegen den GC, aber Fussball spielen kann man auch anderswo». In einem offenen Schreiben im «Höngger» vom 30. April 1998 forderte der damalige Gemeinderat und Architekt Marcel Knörr die Bevölkerung auf, sich am Mitwirkungsverfahren der Stadt zu beteiligen und – seinem Beispiel folgend – der Stadt zu schreiben, dass das Gebiet «Im Grund» in eine Freihaltezone A (Allmend) eingeteilt werden solle. Knörr erinnert sich noch gut an eine «Kontradiktorische» Veranstaltung in der Mülihalde. Nationalrat Ueli Bremi moderierte die Diskussion, Ernst Cincera vertrat die Höngger Politik und der GC war durch Heinz Spross und Erich Vogel vertreten. Die Tendenzen im Saal seien sehr schnell klar gewesen, und bei einer Abstimmung unter den Anwesenden stimmte eine deutliche Mehrheit gegen die geplanten Plätze – darunter auch bekennende Fussballfans, erzählt Knörr. Der Natur- und Vogelschutzverein (NVV) hatte ebenfalls einen Antrag auf Umzonung eingereicht mit der Argumentation, dass das Gebiet zusammen mit dem angrenzenden Wald und den bestehenden Obstgärten eine Einheit bilde, die insbesondere für die Tierwelt von grosser Bedeutung sei. Peter Trautvetter fand klare Worte, als er darauf aufmerksam machte, dass mit dem Bau dieser Sportplätze das Problem der mangelnden Fussballfelder in der Stadt nicht gelöst sei, denn diese kämen nicht der Öffentlichkeit zugute, sondern dürfen lediglich vom GC genutzt werden. Am Ende gingen 180 Schreiben mit rund 1000 Unterschriften beim Hochbaudepartement ein. Noch bevor es jedoch zu einer Abstimmung kommen konnte, lenkte die Stadt ein und liess von der Idee eines GC Campus auf dem Hönggerberg ab. Die Grasshoppers fanden stattdessen in Niederhasli ein Zuhause für ihr Trainings- und Ausbildungszentrum und konnten 2005 dort einziehen. Heute befindet sich an diesem Ort auch das Internat des GC Nachwuchs sowie die Geschäftsstelle der Neuen Grasshopper Fussball AG. In der neuen, revidierten Bauzonenordnung, die demnächst aufgelegt werden soll, ist das Gebiet «Im Grund» neu der Freihaltungszone zugeordnet und nicht mehr nur Erholungszone. Bis auf das Gebiet um den Schiessplatz und die Familiengärten ist auch die restliche Höngger Allmend der Freihaltungszone zugewiesen. Doch auch in diesen Räumen steht das Rad der Zeit nicht still – dass es sich nicht ziellos dreht, dafür soll das LEK Hönggerberg-Affoltern Leitplanken setzen. 

    Quellen:
    Sibler, Georg: Ortsgeschichte Höngg. Hrsg. Ortsgeschichtliche Kommission des Verschönerungsvereins, 1998.
    Höngger Zeitungsarchiv. NZZ Archiv.
    Amt für Städtebau der Stadt Zürich. «Gerechter. Die Entwicklung der Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich.

  • Ein Königreich für einen «Dorfplatz»?

    Ein Königreich für einen «Dorfplatz»?

    Es war eine überschaubare Runde, die sich an diesem lauen Sommerabend im Fasskeller des Zweifel Vinariums eingefunden hatte, um über die Vision «Höngger Dorfplatz» zu diskutieren. Eine reine Männergruppe hatte sich an dem Stehtisch-Podium versammelt: Andy Egli, Gemeinderat der FDP und Vorstandsmitglied des Quartiervereins Höngg, Daniel Fontolliet, Drogist und seinerzeit aktiv im «Netzwerk Höngg», Florian Berner, Architekt und Stadtplaner, sowie Beni Weder, Präsident des Quartiervereins Wipkingen. Radiomoderator Patrick Hässig war eingeladen worden, die Diskussion zu leiten. Begrüsst wurde das Publikum von Franziska Lang, Stiftungsrätin der Stiftung Höngger Quartierzeitung. In ihrer eindringlichen Eröffnungsrede machte sie klar, worum es an diesem Abend gehen sollte: Kann ein Dorf – oder ein Quartier – lebendig sein, ohne einen zentralen Ort der Begegnung? Oder braucht es überhaupt keinen «Dorfplatz»? Dies sei die Gelegenheit, die verschiedenen Bedürfnisse der Anwohner abzuholen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Aber sie erhoffe sich noch mehr, nämlich, dass dies nur der Auftakt einer Diskussion sei, die auch nach diesem Abend noch weitergeführt wird. Damit war das Gespräch eröffnet.

    Ein Dorfplatz ist ein Wohlfühlfaktor

    Eine kleine Bemerkung gleich zu Beginn zur Verwendung des Begriffs «Dorfplatz»: Im Laufe des Abends äusserten manche ihr Befremden darüber, Höngg als «Dorf» zu bezeichnen, es handle sich schliesslich um ein Stadtquartier. Alteingesessene Höngger sprechen jedoch immer noch – und nicht ohne einen gewissen Lokalstolz – von einem Dorf. Nichtsdestotrotz ist Höngg ein Teil der Stadt, was sich zum Beispiel darin äussert, dass es nicht unabhängig über die Finanzen verfügen kann, wie Andy Egli richtig anmerkte. Dennoch wird in diesem Artikel von einem «Dorfplatz» die Rede sein, denn auch in einem Quartier gibt es – im besten Fall – solche Begegnungsorte, egal wie man sie bezeichnet. Wie es denn um die Entwicklung des Quartiers stehe, wollte Patrick Hässig, der selber in Oerlikon lebt, als erstes von Andy Egli wissen. Es sei tatsächlich so, dass sich Höngg mehr und mehr zu einem Schlafquartier entwickle, meinte der FDP Gemeinderat. Es «verslume» zwar nicht, wie Presseartikel vor ein paar Jahren suggerierten, aber der Leerstand der Gewerberäume sei ein reales Problem. Andererseits sehe er auch gute Entwicklungen, zum Beispiel die Eröffnung der «Osteria Da Biagio». Auf einer Skala von eins bis zehn würde Egli dem Quartier eine Acht geben, allerdings mit Tendenz zu einer Sieben. Er sei sich dennoch nicht sicher, ob ein Dorfplatz alleine matchentscheidend sei für eine Verbesserung der Lage. Auch Daniel Fontolliet glaubt nicht, dass ein zentraler Platz dem Gewerbe grundsätzlich auf die Beine helfen würde, zu mannigfaltig seien die Gründe für die Leerstände. Bei einem Dorfplatz gehe es aber um etwas anderes: Er sei ein Wohlfühlfaktor. Fontolliet, der vor einigen Jahren die mittlerweile wieder aufgelöste Gruppe «Netzwerk Höngg» mitbegründete und sich als dezidierter Befürworter eines Dorfplatzes outete, verwies auf die grosse HGH-Umfrage, die im Jahr 2012 durchgeführt worden war. Diese hatte ergeben, dass sich die Menschen in Höngg sehr wohl fühlten, aber dass vor allem der Altersgruppe zwischen 15 und 44 ein Begegnungsort fehle.

    Ein Ort der Begegnung schafft Identität

    Das «Wohlfühlen» sei essentiell für ein funktionierendes Quartier, stimmte auch Architekt Florian Berner zu und gab einen kurzen Einblick in die Theorie des Städtebaus. Ein Platz habe das Potential, identitätsstiftend zu sein – oder in Fontolliets Worten: Ein «Wir-Gefühl» zu generieren – er müsse jedoch zum Quartier passen, seinen Charakter stärken. Ein Prozess namens «placemaking» untersucht, wieso Plätze funktionieren. Es sei offensichtlich so, dass öffentliche Orte, die von aussen aktiviert werden müssten, meist nicht nachhaltig Bestand hätten. Deshalb sei es auch nicht sinnvoll, eine Lösung für alle Quartiere der Stadt zu entwickeln und sie ihnen «überzustülpen», vielmehr müsse die Entwicklung von der ansässigen Bevölkerung den eigenen Bedürfnissen entsprechend angestossen werden. Früher seien Dorfplätze dort entstanden, wo man sich zufällig und informell getroffen habe, wie es in Höngg heute vor dem Coop und der Migros der Fall sei. Nur gibt es dort aufgrund der Strasse keine Möglichkeit für eine Erweiterung des Platzes. Ein Beispiel eines von unten her entwickelten «Dorfplatzes» ist der oft erwähnte Röschibachplatz in Wipkingen. Beni Weder, Präsident des dortigen Quartiervereins, erzählte, wie alles vor bald zehn Jahren mit einer provisorischen Petangue-Bahn begann. Die Initiative kam damals vom Quartierverein. Es waren kleine Dinge: ein paar Stühle auf dem Platz, ein Open-Air-Kino, ein Quartierplatzfest. «Den Leuten im Quartier gefiel das, darum war die Unterstützung auch da und es gab automatisch weniger Reklamationen», sagt Weder. Ausserdem habe es in diesem Fall einen Einfluss auf das Gewerbe, denn Leerstände gäbe es rund um den Röschibachplatz keine. Keine zehn Minuten waren vergangen, als bereits die ersten Wortmeldungen aus dem Publikum kamen. Eine Anwohnerin machte die Podiumsgäste darauf aufmerksam, dass die Schärrerwiese bereits heute einen solchen «Ort der Begegnung» darstelle, eine natürliche Erholungsoase, die von Jugendlichen, Familien und älteren Personen genutzt werde. Gemeinderätin Claudia Simon, ebenfalls Anwohnerin, wies ausserdem darauf hin, dass sich die Zürcher Stadtbevölkerung diesen Frühling für den Schutz von Grünflächen ausgesprochen habe und es bestimmt nicht in deren Sinn sei, eine Wiese zuzupflastern. Es sei an dieser Stelle – nachträglich – noch einmal betont, dass es sich bei der im letzten «Höngger» gedruckten Visualisierung lediglich um ein Beispiel, einen Denkanstoss gehandelt hat. Nachdem man sich eine Weile über das Für und Wider eines Dorfplatzes auf der besagten Wiese unterhalten hatte, war die Stimmung so weit aufgewärmt, dass man den Blick öffnen konnte und auch über andere Möglichkeiten zu sprechen begann. Gemeinderätin Simon brachte den Kirchenplatz ins Gespräch, der an den meisten Orten traditionellerweise auch als Dorfplatz funktioniert und in Höngg ja als historischer Dorfkern gilt. Dieser verfüge über eine wunderbare Kulisse und eigne sich zum Beispiel ideal für einen Weihnachtsmarkt.

    Wer ist zuständig?

    An Ideen mangelte es an diesem Abend kaum. Man war sich einig darüber, dass es in Höngg einige Orte wie den erwähnten Kirchenplatz, aber auch den kleinen Platz vor dem «Höngger», den Weingarten und die Pergola des Zweifel Vinariums gibt, die man mit kleinen Massnahmen aufwerten und so schöne Begegnungsorte bilden könnte. Vielleicht, so bemerkte Walter Zweifel, der ebenfalls im Publikum sass, braucht es nicht einen zentralen Dorfplatz, sondern verschiedene kleinere Plätze für unterschiedliche Bedürfnisse und unterschiedliche Tageszeiten. Auch das Generationenhaus Sonnegg sei grundsätzlich offen, der Umbau geschah schliesslich auch mit der Idee, den Platz zu beleben. Die Schwierigkeit sei – wie an den meisten Orten – die Anwohner ins Boot zu holen, die sich am Lärm störten. Fontolliet thematisierte schliesslich den Elefanten im Raum: Niemand ist zuständig. Es brauche jemanden, der die Koordination der verschiedenen Akteure an die Hand nehme. Quartiermarketing fehle hier gänzlich. «Wir haben in Höngg ein gutes Image, die Menschen leben gerne hier. Aber wir dürfen uns nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen», mahnte er eindringlich, «jemand muss den Samen pflanzen». Auf Patrick Hässigs Frage, ob dies nicht die Aufgabe des Quartiervereins sei, blieb Andreas Egli als Vertreter des QV eine Antwort schuldig. Bezogen auf die Schärrerwiese sagte er, dass man sicherlich nicht gegen den Willen der Anwohnerschaft einen Dorfplatz durchsetzen würde. Zur nötigen Koordination meinte er, man wisse aus Erfahrung, dass zwar alle am selben Strang ziehen würden, aber nicht in dieselbe Richtung. Allein die Meinungen darüber, wo ein solcher Begegnungsort angelegt sein sollte, gingen weit auseinander. Ausserdem gäbe es dafür kein Budget in Höngg. Der eigentliche Dorfplatz sei hier die Höngger Zeitung, in diese investiere das Gewerbe viel Geld. Dessen müsse man sich bewusst sein und den Wert auch anerkennen. Deshalb sei ein Dorfplatz auch nicht das prioritäre Anliegen des Quartiervereins. Ausserdem, so Egli entschieden, müsse nicht jedes Quartier gleich sein wie das andere, und Höngg sich auch nicht zwingend zu einem Ausgangsviertel entwickeln.

    Taten statt Worte

    Es ist klar: Jedes Quartier ist anders und selbst wenn es, wie Wipkingen und Höngg, im selben Kreis liegt, können die Bedürfnisse der Anwohner komplett verschieden sein. Patrick Bolle, Leiter des GZ Höngg/Rütihof, gab auch zu bedenken, dass die Entwicklung in Wipkingen schon viel früher angefangen hat und viel schneller vorangeschritten sei, und die Beizen einen wesentlichen Einfluss darauf hatten. Die demografische Struktur sei (noch) eine andere und die Orte in Höngg bereits von verschiedenen Nutzern «besetzt» und deshalb eben nicht offen für alle. Dies mache es schwierig, die beiden Quartiere miteinander zu vergleichen. Beni Weder appellierte dennoch an die Anwesenden, eine Politik der kleinen Schritte zu wagen: Ein paar Stühle auf einen Platz stellen, das Sonnegg vielleicht einmal abends länger offen zu lassen und dann zu sehen, ob sich daraus etwas entwickle. Wenn es nicht funktioniere, könne man wenigstens sagen, man habe es versucht. Nichts tun sei einfach keine Lösung. Auch Franziska Lang plädierte für mehr Mut, Dinge auszuprobieren. Patrick Hässig rundete die Diskussion nach fast zwei Stunden mit einem Vier-Punkte-Programm ab: Den Kirchenplatz nicht vergessen, Samen streuen, kleine Schritte tun, und die Schärrerwiese muss kein Dorfplatz sein, aber man könnte sie noch besser machen. Vielleicht könnte man noch einen fünften Punkt hinzufügen: Dranbleiben, am Gespräch und vor allem mit konkreten Taten. Denn Daniel Fontolliet hatte recht, das Appenzeller Sprichwort zu bemühen: Von nichts kommt nichts.
    Um dieses «Nicht Nichts aus dem Nichts» ging es gesprächlich im anschliessenden Apéro, zu dem der «Höngger» geladen hatte. Dort wurde noch lange über das eine oder andere Thema von eben und über Lösungsansätze diskutiert. An mehr als einem Tisch war man sich einig, dass wo ein Wille ist, auch ein Weg zu finden wäre – und ähnlich wie zu der Verkehrsthematik in Höngg gelte vielleicht auch hier: Wenn jede Seite bereit ist, sich zu bewegen, da auf etwas zu verzichten, um dafür andernorts etwas zu erhalten, würde die grosse Mehrheit im Endeffekt nur profitieren.

  • Lust und Frust mit dem «mer»

    Der «Höngger» brachte das Thema «Dorfplatz» auf und visualisierte einen solchen provokativ auf der Schärrerwiese. Mit Lust. Zum Podiumsabend zum Thema erschien nur eine kleine Gruppe an Interessierten. Diesen jedoch gebührt Dank, denn sie zeigten, dass ihnen nicht egal ist, was in Höngg geschieht oder eben nicht. Sie kamen, je nach dem, aus Lust und Frust zur Sache.
    Alle Abwesenden aber bestätigten leider etwas, das mir länger schon zu denken gibt: In Gesprächen über Höngg, auf der Strasse oder im Bekanntenkreis, werde ich immer wieder auf dieses oder jenes hingewiesen, das «mer» in Höngg vermisst. Oder dass es anders laufen sollte. Leicht einigt man sich auf die schöne Wohnlage, sobald es aber um Begegnungsmöglichkeiten in fehlenden Bars und auf öffentlichen Plätzen geht, ist die latente Unzufriedenheit mit Händen greifbar, wie wenn man über den Verkehr redet. Doch ebendiese Hände bleiben immer in den sprichwörtlichen Hosentaschen, wenn es darum ginge, etwas zu unternehmen. Und sei es nur, sie sich an einer Informationsveranstaltung an die Ohrmuscheln zu halten oder sie zu erheben, um seine Meinung kund zu tun. Der «mer» tut sowas nicht. Das eigentliche Problem aber manifestiert sich darin, dass sich in Höngg generell niemand «zuständig» fühlt für alles, was über das Organisieren eines Vereinsanlasses hinausgeht. Wo sind die Hönggerinnen und Höngger, die sich zusammenschliessen, im Quartierverein, einer anderen oder gar einer neuen Gruppierung, um lustvoll nach Lösungen zu suchen? «Jemand muss den Samen pflanzen», wurde am Podiumsabend gesagt. «Dä ˂mer˃» soll es richten. Frage an alle: Kennt jemand den «mer»?
    Auch wenn Lust und Frust enge Verwandte sind, der «Höngger» wird weiterhin thematisieren, was Höngg bewegt und publizistisch den «mer» so gut wie möglich unterstützen, wenn, wann und wo auch immer er sich bewegt.

    Fredy Haffner, Verlagsleiter «Höngger»

  • Nutzungskonzept Werdinsel vor dem Abschluss

    Nutzungskonzept Werdinsel vor dem Abschluss

    Es brauchte eine gewisse Überwindung, an diesem heissen Tag an der Werdinsel vorbei zum Klärwerk Werdhölzli zu gehen, um sich dort über eben diese Werdinsel, diese kühlende Schönheit an solchen Sommertagen, zu informieren. Doch es lohnte sich, waren doch nebst Stadtrat Leutenegger von allen involvierten Dienstabteilung Verantwortliche anwesend, die zu den acht Handlungsfeldern, welche für das neue Nutzungskonzept definiert worden waren, kompetent Red und Antwort standen und Anliegen aufnehmen konnten.

    Ein aufwändiger Prozess

    Seit Anfang dieses Jahres hatten sich rund hundert Interessenvertreterinnen und -vertreter zu Workshops getroffen – die einen Gruppen häufiger als die anderen – und suchten nach Lösungen (siehe «Höngger» vom 13. April 2017). Von verschiedenen Teilnehmern dieser Runden war zu hören, dass die Verhandlungen immer fair und lösungsorientiert geführt worden seien. Nun konnte Leutenegger, der viele dieser Veranstaltungen persönlich geleitet hatte, die Ergebnisse präsentieren und einleitend festhalten, dass man «einen Konsens über den Dissens» habe. Das klingt, so liess sich später feststellen, negativer als es tatsächlich ist. So wurden zuerst die Ergebnisse der bisherigen Treffen vorgestellt. Zu jedem der Themenfelder, «Sicherheit», «Sauberkeit», «Verkehr», «Veranstaltungen», «Infrastruktur», «Badi Au Höngg», «Mensch und Tier» und «Inselspitz» waren Informationstafeln aufgestellt. Dort war ersichtlich, was jeweils die Ausgangslage und die Ziele waren und welche Massnahmen nun geplant ist.

    Erfolgreiches Ringen um gemeinsame Lösungen

    Die Badi Au Höngg ist bekanntlich an heissen Tagen komplett überlastet. Darunter leidet auch die Sicherheit der Badenden im Ausstiegsbereich der Schwimmstrecke im Kanal, dort kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen, weil alle bei der einen Treppe aus dem Wasser müssen. Nun sollen die Schwimmstrecke bis zur Brücke verlängert und zusätzliche Ausstiege geschaffen werden. Dazu müssen bis zu 50 kleinere und grössere Bäume gefällt werden. Ersatzpflanzungen auf der Werdinsel sind vorgesehen, auch um den Schattenbedarf zu decken. Auf dem Inselspitz waren natürlich der Nacktbadebereich, der unbestritten ist, und die sexuellen Handlungen im öffentlichen Raum ein Thema. Um letzterem entgegen zu wirken wird das kleine Wäldchen gleich neben dem Kraftwerk ausgelichtet und weiterhin mit Plakataktionen und Polizeikontrollen auf die Nichttoleranz hingewiesen. Der Bereich «Mensch und Tier» stand ganz im Spannungsfeld zwischen Hundehaltern, Erholungssuchenden und Wildtierschutz. In dieser Gruppe wurde und wird am härtesten gerungen, speziell seitens der Hundehalter, die sich vehement für den Freiraum ihrer Vierbeiner einsetzen. Klar ist, dass in der Badi weiterhin ein Hundeverbot herrscht. Auf dem Rest der Werdinsel soll nun von April bis September eine saisonale Leinenpflicht herrschen. Auch da wurde man sich einigermassen einig. Doch auf dem Fischerweg, dem Weg auf der Altstetter Limmatseite, schieden sich die Hundegeister. Soll entlang des Auenwaldes auf der ganzen Strecke oder nur eine teilweise Leinenpflicht herrschen? Und generell oder nur saisonal? Die Diskussionen dazu sind noch nicht abgeschlossen. In der Fokusgruppe «Infrastruktur» war klar, dass man das Angebot nicht für zusätzliche Nutzergruppen erweitern will. Doch die Liegewiesen sind knapp bemessen. So stand zur Diskussion, die Wiese entlang der Limmat zu verlängern und die vordere Reihe der Schrebergärten, die an das Fabrikareal anschliessen, ganz aufzuheben. Natürlich hatten die betroffenen Familiengärtner keine Freude. Doch sie waren es, die einen anderen Vorschlag unterbreiteten und nun ihre Gärten, von denen insbesondere zwei eine Grösse haben, die heute nicht mehr üblich ist, anders einteilen. So wird zwar nicht der ganze Uferbereich verbreitert, dafür ein recht grosses Areal gleich anschliessend an den Weg neben dem Fabrikareal für die Öffentlichkeit als Liegewiese mit Flussanstoss frei. Es ist dem Familiengartenverein und seinen Mitgliedern hoch anzurechnen, dass sie ihre Eigeninteressen zugunsten der Öffentlichkeit so zurückstellten. Im Bereich Verkehr sorgen der Suchverkehr für Parkplätze für Ungemach, doch dagegen lässt sich kaum etwas machen – ausser dass man die öffentlichen Parkplätze noch besser signalisiert. Anders ist es bei den falsch oder behindernd parkierten Fahrzeugen, die weiterhin verzeigt werden. Um gegen die falsch parkierten Fahrräder vorzugehen, werden saisonal zusätzliche Fahrradständer aufgestellt. Die Stadt wird auch immer wieder angefragt, ob man die Insel nicht für Hochzeitsfeiern, Firmenevents und vieles mehr nutzen dürfe. Doch da bleibt man restriktiv und bewilligt weiterhin nur etablierte Veranstaltungen wie das Werdinsel Open Air und, falls es je wieder stattfindet, das «Werdinselfäscht». In den anderen Handlungsfeldern zeigte sich nur marginaler Handlungsbedarf, der sich mit einfachen Mitteln umsetzen lässt.

    Stossrichtungen bewerten

    Zu all diesen Themen galt es nun, nach den ersten Erläuterungen, sich an den acht Informationstafeln die Details anzuschauen. Und vor allem, die jeweilige, grundsätzliche Stossrichtung der Lösungsvorschläge zu bewerten. «Stimmt sie?», lautete die Frage die mittels Anbringen von Klebepunkten auf einer Achse zwischen «Ja» und «Nein» beantwortet werden konnte. Und ja, da standen sie nun, die Zuständigen der Dienstabteilungen, gaben Auskunft, beantworteten Fragen, hörten zu, nahmen Anliegen auf – und so kam es doch tatsächlich, dass sich in der bislang umstrittenen Frage, wann und wo auf dem Fischerweg entlang der Limmat Leinenpflicht für Hunde herrschen sollte, eine Lösung abzuzeichnen schien. Ob sie sich durchsetzt, wird sich noch weisen. Im zusammenfassenden Schlussteil stellte Leutenegger jedenfalls erfreut fest, dass man nun auch hier auf der Konsensebene angekommen sei.

    Etappenweise Umsetzung

    Diesen Herbst soll die Schlussfassung des Konzepts vorliegen. Dann wird Stadtrat Leutenegger Vorentscheide treffen und die entsprechenden Schritte einleiten. «Danach», so hatte er bereits einleitend und auf alle Entscheide und Verfügungen gemünzt verdeutlicht, «kann wie gegen alles in der Schweiz rekurriert werden». Die Umsetzung erfolgt etappenweise. Einige Ziele, wie beispielsweise zusätzliche Abfallbehälter, können kurzfristig umgesetzt werden, andere wie die Verlängerung der Badestrecke, mittelfristig. Diese wird, abgestimmt auf den Neubau der Fischtreppe beim EWZ-Kraftwerk im Zeitraum 2019 bis 2020 realisiert. «Ich habe mir angewöhnt» erläuterte der Magistrat zu dieser offenen Zeitangabe, «nicht einzelne Jahre zu nennen, sondern immer deren zwei, das lässt etwas mehr Spielraum, den man erfahrungsgemäss braucht». Auch die neue Liegewiese wird wohl erst 2020 oder ein Jahr später realisiert werden können – ganze Gärten werden nicht einfach so mal eben verlegt. Im Anschluss an die Veranstaltung waren alle noch zu einem Mittagessen in der Kantine des Klärwerks eingeladen. Und danach sind wohl die einen oder anderen dann doch noch auf die echte Werdinsel geschlendert und haben einen heissen Sommertag genossen.

     

  • Ein Dorf ohne Dorfplatz

    Ein Dorf ohne Dorfplatz

    Die 2013 vom Verein Handel und Gewerbe Höngg (HGH) durchgeführte Umfrage brachte, nebst vielen anderen Erkenntnissen, auch an den Tag, dass in Höngg ein Dorfplatz vermisst wird. Als eine lose Gruppe engagierter Hönggerinnen und Höngger versuchte, im nicht offiziellen «Netzwerk Höngg» aus den Ergebnissen etwas entstehen zu lassen, tauchte die Idee auf, der Schärrerwiese die Funktion eines Dorfplatzes zuzuweisen und sie entsprechend umzugestalten. Dieser einzige zentral gelegene, grössere und verkehrsfreie öffentliche Ort ist heute in der Bau- und Zonenordnung (BZO) der Zone «C», «Bade- und Sportanlagen», zugeteilt. Obwohl dort weder gebadet noch institutionell Sport betrieben wird, doch die noch gültige BZO kennt keine spezielle Zone für Plätze. Mit der anstehenden BZO-Revision soll dies jedoch geändert werden. Auf provisorischen Plänen ist die Schärrerwiese deshalb bereits der neuen Zone «FP», «Parkanlagen und Plätze» zugeteilt. In dieser Zone sollen, wird die BZO angenommen, auch kleinere, allenfalls nur temporäre Verpflegungsmöglichkeiten zugelassen werden. So viel, oberflächlich betrachtet, zur Ausgangs- und Rechtslage. Vor drei Jahren dabei in der losen Arbeitsgruppe «Netzwerk Höngg» waren auch Andreas Egli (Gemeinderat FDP) und Guido Trevisan (Alt-Gemeinderat GLP). Sie wollten damals konkreter wissen, ob für die Idee «Dorfplatz Schärrerwiese» überhaupt ein Realisierungspotential bestünde. Unter anderem trafen sie sich mit Vertretern der Stadt Zürich und klärten, was zum Beispiel rein technisch möglich wäre. Dies insbesondere im Hinblick darauf, dass ein Grossteil der Schärrerwiese ja auf dem Dach der Parkgarage des Hönggermarktes realisiert wurde. Die Belastungsmöglichkeiten haben dort also ihre Grenzen. Das musste übrigens auch bei der Neugestaltung des Spielplatzes beachtet werden: Die Stützen des alten Klettergerüstes waren direkt mit der Decke der Tiefgarage verbunden, das neue musste an derselben Stelle zu stehen kommen.

    «Annähernd vernichtende» Reaktionen

    Daraufhin holten sie beim Grundbuchamt die Adressen der Immobilienbesitzer ein und luden sie zu einem informativen Gespräch Ende Januar 2016. «Ungefähr zehn Personen erschienen. Auch jemand von der Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich, welcher nebst der Schärrerwiese selbst viele der umliegenden Grundstücke gehört», erinnert sich Trevisan. Ziel des Abends war es, die direktbetroffenen Anwohner wenigstens ansatzweise für die Idee «Dorfplatz Schärrerwiese» zu gewinnen, denn gegen Widerstand aus der Anwohnerschaft, so war und ist die Meinung, lässt sich gar nichts machen. «Wenn man im Gemeinderat einfach einen Vorstoss macht, dann bringt das nichts, wenn aus dem Quartier danach Protest kommt», ist Trevisan überzeugt. Andreas Egli fügt als Beispiel den 2014 erfolgten Versuch der SP an, mittels Postulat im Erdgeschoss des Hauses «Weingarten» eine kleine Verpflegungsmöglichkeit zu initiieren und den angrenzenden Garten zu nutzen: «Sofort kamen erboste Reaktionen aus der betroffenen städtischen Liegenschaft: Man solle doch bitte auch gleich sagen, wer von den Mietern ausziehen müsste. Das wollten wir vermeiden». Die Resonanz der Anwesenden an besagtem Abend sei «mässig positiv« bis «klar ablehnend» gewesen, so Egli. Trevisan bewertet sie rückblickend sogar als «annähernd vernichtend» und beide halten unmissverständlich fest, dass nicht sie hinter der Idee stecken, das Thema «Dorfplatz Schärrerwiese» in dieser Form nun an die Öffentlichkeit zu tragen. Nur der Vertreter des Hönggermarktes habe damals der Idee etwas Positives abgewinnen können, weil alles, was Frequenz bringe, auch Umsatz generiere. Von den Anwohnenden aber hörte man mehrheitlich, dass bereits genug, mitunter lauter Betrieb herrsche: Abends von Jugendlichen und tagsüber von all den spielenden Kindern, denn der Spielplatz wird gerne auch von allen umliegenden Kindertagesstätten genutzt.

    Gibt es andere örtliche Optionen?

    «Nach diesem klaren Feedback war für uns beide klar, dass wir die Idee nicht weiter verfolgen würden», sagt Trevisan und fügt an, dass für diesen Ort das Thema Dorfplatz beerdigt war. Mit Betonung auf «diesen». Denn eigentlich «brauche» es ja einen Platz und es gäbe noch andere Optionen – wo, darauf wollte er nicht eingehen. Tatsächlich, so äussert sich eine gut informierte Quelle gegenüber dem «Höngger», wäre auch an anderen Orten in Höngg ein «Dorfplatz» denkbar. Und es gebe dazu auch schon Anregungen. So könnten andere, kleinere Plätze als die Schärrerwiese «aufgewertet» werden und Dorfplatzcharakter erhalten. Konkrete Orte benennen wollte besagte Quelle nicht. Doch denkbar wären da in erster Linie der bereits öffentliche kleine Park beim «Weingarten» (gegenüber der Soccar-Tankstelle), der Kirchplatz zwischen «Desperado» und Kirche oder der Parkplatz direkt vor dem Infozentrum des «Hönggers» am Meierhofplatz. Dass der Meierhofplatz selbst je wieder ein Dorfplatz werden wird, davon ging auch diese Informationsperson nicht aus.

    Platz-, Beizen- oder gar kein Problem?

    Der «Höngger» hatte sich zum Informationsaustausch mit den beiden Politikern zum Lunch getroffen. Beim Kaffee wurde weiter diskutiert. Guido Trevisan war damals als Gemeinderat in jener Kommission aktiv, die zum heutigen Sechseläutenplatz führte. Natürlich will er keinen Vergleich ziehen, erinnert aber daran, dass sich niemand hätte vorstellen können, dass dieser offene, leere Platz dereinst so beliebt sein würde wie er es innert Kürze geworden ist. Die Frage aber, ob es legitim wäre, die möglichen Bedürfnisse einer Allgemeinheit höher zu gewichten als den Wunsch der Anwohnerschaft nach Ruhe, wagt niemand zu beantworten. Das gilt für jeden «Dorfplatz», wo immer er auch wäre: Nutzungskonflikte sind vorprogrammiert. Wo Platz und Häuser gleichzeitig realisiert werden, wie es in Neu-Oerlikon geschah, ist das anders – die neuen Mieter wussten, dass sie an einen Platz ziehen, an dem es auch mal laut werden könnte. Und in Wipkingen? Den angestellten Vergleich mit dem Röschibachplatz will Gemeinderat Egli nicht gelten lassen: «Der Röschibachplatz wurde vorher ˂disfunktional˃ genutzt», wie er das vorsichtig ausdrückt, «Dass er heute auch im Alltag als Platz funktioniert, ist das Verdienst des Restaurants ˂Nordbrüggli˃ mit seiner Aussenbestuhlung». Trevisan wirft rhetorisch die Frage auf, ob man heute tatsächlich noch so einen Platz brauche, ob so ein Platz, der dann nur für wenige Anlässe pro Jahr wirklich genutzt werde, noch zeitgemäss sei. «Vielleicht», sinniert er, «ist es mit einem Dorfplatz ähnlich wie mit den Geschäften: Alle wollen möglichst alle Angebote gleich vor der Haustüre – in Tat und Wahrheit geht dann ein erheblicher Teil der Bevölkerung ins Shoppingcenter, fährt ins nahe Ausland oder kauft im Internet ein, während die lokalen Detaillisten sich neu erfinden müssen». Und obwohl es Anzeichen für eine Bewegung wieder hin zum Lokalen gibt, fragt er sich offen, ob «man» zwar einen Höngger Dorfplatz wolle, dann aber doch zum Schluss in die Stadt fährt, um vom vielfältigeren kulturellen und kommerziellen Angebot zu profitieren. Für Andreas Egli hat Höngg so oder so kein Platz-, sondern eher ein «Beizenproblem». Trendigere, hippere Treffpunkte, auch für ein jüngeres oder jung gebliebenes Publikum fehlen, auch wenn es das Da Biagio als traditionelle Quartierbeiz schon sehr gut macht, sagt er. Persönlich würde er Höngg einen Dorfplatz gönnen, auch auf einem Teil der Schärrerwiese, doch «nicht auf Kosten der Anwohner», betont er, und fügt an, dass auch die Baukosten und die Folgekosten für Sicherheit und Unterhalt zu bedenken wären. Ob diese im Verhältnis zum Nutzen stehen würden, wagt er indes zu bezweifeln. Sicher ist, dass an einem solch empfindlichen Ort nichts ginge ohne ein verbindliches Nutzungskonzept. Guido Trevisan schliesst das Gespräch mit dem Gedanken, dass es sowieso ein Wagnis wäre: «Man wüsste nicht, in welchem Mass es für die einen besser und für die anderen schlechter würde». Er selber sieht jedoch nach wie vor das Potential der Schärrerwiese als Dorfplatz. Aber das sei ein Gefühl, und dies allein reichte ihm nicht, um einfach mal einen politischen Vorstoss einzureichen: «Da müsste man Visionär sein, und ich bin zu sehr Realist». Fährt man mit dem Bus an einem Sommerabend vom Hauptbahnhof nach Höngg, beobachtet man bis zur Nordstrasse Leben – danach, und speziell in Höngg, scheint es, als wären die Gehsteige längst hochgeklappt worden. Ausser ansatzweise am Zwielplatz, wo Kiosk und Kebabstand bis spät nachts Menschen nach draussen locken. Man mag das schätzen oder bedauern – nachdenklich macht es in beiderlei Hinsicht. Genau mit diesem Ziel war der «Höngger» in die Arbeiten zu diesem Fokus-Thema gestartet: Nachzudenken.

    Podiums- und Diskussionsabend
    Montag, 3. Juli, 19.30 Uhr, Fasskeller Zweifel Weine, Regensdorferstrasse 20.
    Gäste:
    Andreas Egli, Gemeinderat FDP und Vorstand Quartierverein Höngg
    Beni Weder, Präsident Quartierverein Wipkingen
    Florian Berner, Architekt und Stadtplaner, Weyell Berner Architekten, Zürich
    Moderation: Patrick Hässig, Zürcher Radiomoderator
    Anschliessend Apéro.

    Leserbriefbox:
    Im Wissen darum, dass negative Rückmeldungen viel eher eingesandt werden als positive, rufen wir alle gleichermassen dazu auf, Meinungen mittels Leserbrief kundzutun. Bei der Veröffentlichung gilt der Grundsatz der Ausgewogenheit. Auf Wunsch werden alle Leserbriefe, befürwortende wie ablehnende, auch anonym veröffentlicht. Zur Identitätsprüfung müssen sie aber trotzdem mit einem überprüfbaren Absender (voller Vor- und Nachname, Wohnadresse und Telefon) versehen eingesandt werden an redaktion@hoengger.ch Online-Kommentare zu den Artikeln werden wie immer vor der Freischaltung geprüft. Beleidigende oder ehrverletzende Kommentare werden gelöscht, entsprechende Leserbriefe nicht gedruckt.

     

  • Warum eigentlich nicht?

    Wipkingen hat einen. Höngg könnte einen haben. Einen Dorfplatz, wenn nicht…. – doch genau um dieses «wenn nicht» soll es in dieser Ausgabe nicht gehen, sondern um ein «warum eigentlich nicht?». Bei dieser Vision geht es weder um eine übernatürliche Erscheinung noch um eine optische Halluzination, was gemäss Duden ja denkbar wäre. Gut, man kann beides nicht ausschliessen, doch hauptsächlich geht es hier um die dritte Bedeutung: um «eine Vorstellung in Bezug auf Zukünftiges». Eben, einen zukünftigen Höngger Dorfplatz, wo auch immer dieser sein könnte. Erstmals aufgekommen ist die Idee 2014 im Rahmen einer Sitzung des nichtoffiziellen «Netzwerk Höngg». Man erinnert sich: diese lose Gruppe engagierter Hönggerinnen und Höngger versuchte, aus den Ergebnissen der 2013 vom Verein Handel und Gewerbe Höngg (HGH) durchgeführten Umfrage etwas umzusetzen – und scheiterte nach verschiedenen Sitzungen und einer weiteren Umfrage aus mannigfaltigen Gründen mit wehenden Fahnen. Doch in eben einer dieser Sitzungen war es, dass man gemeinsam Höngg in Gedanken aus der Vogelperspektive betrachtete und sich fragte, wo denn wenigstens theoretisch Raum für einen Dorfplatz sein könnte, der in allen Umfragen immer als fehlend erkannt wurde. Der Blick fiel auf die Schärrerwiese – und die Idee liess da und dort «Hinterbliebene» des Netzwerkes nie mehr ganz los. Seither wagte niemand, weder der Quartierverein noch die Politik, aus der Idee eine öffentliche Vision zu formen. Nun wagt der «Höngger» zu fragen: «Dorfplatz Höngg, warum eigentlich nicht im Raum Schärrerwiese?» Das wollen wir mit dieser Ausgabe zur Diskussion stellen. Im Wissen darum, dass diese Vision ebenso begeisterte Freundinnen und Freunde wie erbitterte Gegnerinnen und Gegner auf den Plan rufen wird. Die einen werden diesem «Luftballon» einer Vision kleine Zettelchen mit guten Wünschen anhängen und die anderen werden versuchen, ihn mit allen Mitteln abzuschiessen. Ganz egal, ob es mit einer zerplatzten Vision oder einem Dorfplatz – vielleicht ja auch an einem ganz anderen Ort – endet, es zählt, dass gefragt wurde. Und dass nach Antworten gesucht wurde. Wie auch immer die lauten mögen. Doch ich kann mir gut vorstellen, dass sich eine Mehrheit mit einer Dorfplatz-Vision anfreunden könnte. In Wipkingen zeigte sich, dass nur Minderheiten den Röschibachplatz ins Pfefferland wünscht. Doch gewiss ist einzig, dass kein Dorfplatz, und schon gar nicht in Höngg, von heute auf morgen entsteht. Und das Letzte, was dieser «Höngger» mit seinem brisanten Fokus-Thema beabsichtigt, ist es, die Erwartungen in falsche Höhen zu schrauben. Denn, so zeigt bereits diese Ausgabe: Selbst wenn man an dieser Stelle einen Dorfplatz realisieren wollte, die Hürden sind vielseitig und nicht niedrig. Also lieber die Erwartungen flach halten. Flach wie einen Platz – persönlich kann ich auch weiterhin ohne Dorfplatz leben, sollte man aber tatsächlich darüber nachdenken, plädiere ich hinsichtlich der Realisation vorsorglich für eine rollatortaugliche Ausführung…

    Fredy Haffner (51), Verlagsleiter «Höngger»

  • Buchtipp: «Vom Fleck weg»

    Buchtipp: «Vom Fleck weg»

    Die stilprägende Modedesignerin mit eigenem Label und Gewinnerin des Prix Bolero und weiterer internationaler Modepreise, Erica Matile, hat in ihrem zweiten Band in 170 Seiten zusammengefasst, was den Alltag rundum den Haushalt erleichtert. Dabei greift sie auf altbewährte Hilfsmittel zurück, wider der Verschleiss- und Wegwerfmentalität und bedient sich haufenweise natürlicher, anstatt giftiger Substanzen. Tipps und Tricks sind praktisch unterteilt in Themenbereiche, sodass man sie bei Gebrauch leicht finden kann: Allgemeine Tricks, Küche, Bad, Böden und Teppiche, Wände und Fenster, Gerüche, Ungeziefer, Technik und Motoren sowie Sparen.

    Vom Schluckauf, Backpulver und den dritten Zähnen

    Zulange den «Hitzgi» haben, kann mit der Zeit schmerzhaft sein. Gegen den Schluckauf hilft ein Teelöffel Zucker. Das beruhigt und löst die Bauchmuskeln. Wussten Sie, dass sich Scherbenteile problemlos mit einem Toastbrot auflesen lassen? Der Trick funktioniert selbst dann, wenn die Scherben in einem Longflorteppich stecken. Backpulver und Essig scheinen in diesem Ratgeber aber offensichtlich der Renner zu sein. Mit Essigwasser lassen sich nebst vielem anderem Kalkflecken an den Wänden und hartnäckiger Schmutz in der Toilettenschüssel entfernen, nützt das zu wenig, hilft auch eine Reinigungstablette für die dritten Zähne, diese funktioniert übrigens auch bei stark verschmutzten Vasen oder Teeflecken in der Tasse oder im Krug. Die Reinigungstablette im Wasser aufgelöst bringt auch Edelsteinschmuck über Nacht wieder zum Funkeln. Achtung: Goldschmuck legt man lieber in Champagner- oder Proseccoresten, und für Silber macht man eine Paste aus Backpulver und Wasser. Ein Teelöffel Backpulver in der Wäschetrommel bringt ergrautes Weiss wieder zum Strahlen oder verhilft stinkenden Schuhen zu neutralem Geruch. Einfach das Pulver über die Schuhe streuen und am Morgen ausklopfen. Nebst all den praktischen Tipps, die teils bekannt sind, aber gut, um wieder ins Gedächtnis zu rufen und teils aber auch für Aha-Erlebnisse sorgen, rundet die Autorin das Buch zum Schluss mit einer Checkliste für «Feste feiern» und deren Benimmregeln ab.

    «Vom Fleck weg» – Der ultimative Ratgeber für alle praktischen Belange des täglichen Lebens. Band 2. Gesammelt von Erica Matile. Salis Verlag, Zürich, ISBN 978-3-906195-50-6, 35 Franken, erhältlich Buchhandel und im Infozentrum «Höngger», Meierhofplatz 2.

     

  • Wer schaut, der findet

    Wer schaut, der findet

    Wie stellt man eine Vision, also etwas, das es nicht oder zumindest so noch nicht gibt, dar? Klar, man visualisiert es. Also stand der «Höngger» eines Tages als das Laub noch nicht die Sicht versperrte zusammen mit dem Höngger Zeichner und Illustrator Stefan Haller alias «Schlorian» auf einem der Parkhaus-Abluftschächte auf der Schärrerwiese. Man fotografierte, diskutierte und so entstand diese visualisierte Vision. Sie zeigt – mit aller zeichnerischer Freiheit – was die einen erträumen und andere verdammen werden. Die oben rechts stehende Grafik zeigt – die gestrichelte Linie markiert den Blickwinkel – wo man als Betrachtende steht, markiert mit dem Augen-Symbol: Auf der Wiese unterhalb des Weges durch die Schärrerwiese. Sie zeigt den bestehenden und unangetastet bleibenden Spielplatz ebenso wie rein visionäre Elemente, ein zweites «Kafi» etwa oder breitere Zugangsmöglichkeiten von der Regensdorferstrasse oder der Wieslergasse her. Also aufgepasst: Abgesehen von den bestehenden Gebäuden und dem Spielplatz soll kein Element dieser Illustration für bare Münze genommen werden, sondern bloss Ausgangspunkt zu einer Diskussion um das auch örtlich allgemein gehaltene Thema «Höngger Dorfplatz» sein.