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  • Mehr Wohnraum dank Neubau

    Mehr Wohnraum dank Neubau

    Im Frühjahr 2014 informierte die Genossenschaft bgnzwo ihre Anwohnerinnen und Anwohner über die Zukunftsplanung für ihre Siedlungen «Hönggerberg», gleich unterhalb des Friedhofs Hönggerberg am Engadinerweg, zwischen Ruggernweg und Segantinistrasse gelegen, sowie «Zwischenbächen» in Altstetten. Die betroffenen Bauten stammen aus den 50er Jahren, es handelt sich um kleinräumige Wohnungen, welche mehrheitlich nicht mehr den Ansprüchen heutiger Familien und Senioren entsprechen. Neben fehlenden Liften stehen auch andere Erneuerungen in energetischen und technischen Bereichen, aber auch beim Innenausbau an, zu dieser Diagnose kam die Firma Meier + Steinauer AG bei ihrer Gebäudezustandsanalyse 2013. Die bgnzwo prüfte während Monaten die verschiedenen Varianten und berücksichtigte dabei von der Instandsetzung über die Verdichtung durch Anbauten an die bestehenden Häuser bis hin zu Ersatzneubauten. Sie kam zum Schluss, dass ein Neubau in zwei Etappen die sinnvollste Lösung sei, eine Erweiterung wie in der Winzerhalde würde sogar teurer ausfallen. Nach dem Neubau gäbe es zirka 115 neue Wohnungen, sowie rund 75 Tiefgaragenplätze.

    Mitwirkung in Arbeitsgruppen

    Um seine Überlegungen und die dahinter stehenden Abklärungen verständlich zu machen, setzte der Vorstand der Baugenossenschaft für neuzeitliches Wohnen in den beiden Siedlungen je eine Arbeitsgruppe (AG) ein. Sie bestand aus je fünf Bewohnerinnen und Bewohnern und je drei Mitgliedern des Vorstands. Die Aufgabe der beiden Gruppen war es, die bestehenden Grundlagen vertieft zu studieren und die vom Vorstand empfohlene Strategie für ihre Siedlung zu diskutieren. Am 26. März 2015 schliesslich legte die AG «Hönggerberg» das Ergebnis ihrer Abklärungen der Siedlungsgemeinschaft zur Abstimmung vor. Sie empfahl die Strategie der Ersatzneubauten anzunehmen, knüpfte aber auch einige Bedingungen an diese Empfehlung. So soll unter anderem die erste Bauetappe nicht vor 2018 beginnen und nicht die gesamte Siedlung auf einmal ersetzt werden. Ausserdem soll ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden und der Charakter der Siedlung möglichst erhalten bleiben. Die Siedlungsversammlung folgte der Empfehlung mit 60 Ja- zu zehn Nein-Stimmen.

    Zukunft verzögert

    Im Oktober 2016 wurden unter der Moderation der Planpartner AG die Wettbewerbsprogramme für die Siedlungen «Zwischenbächen» und «Hönggerberg» den Mitgliedern der Arbeitsgruppen und dem Vorstand vorgestellt und zur Vernehmlassung übergeben. Die Teilnehmenden erhielten anschliessend Zeit, untereinander das Programm zu diskutieren. Nach einem Workshop, den die Gruppen getrennt voneinander durchführten, um sich auf ein Wettbewerbsprogramm zu einigen, schlug die Projektgruppe vor, mit der Wettbewerbsausschreibung für ihre Siedlung noch zu warten, da ein bei der Stadt hängiger Entscheid betreffend den Schiessplatz grosse Auswirkungen auf die Gestaltung der Bauten haben könnte, je nachdem wie die Lärmemissionen zukünftig ausfallen werden. «Es macht Sinn, auf diesen Entscheid zu warten, damit für das Projekt Rechtssicherheit besteht», meint der Präsident der Baugenossenschaft Markus Steiner auf Anfrage. Anfang 2017 wird die Projektgruppe die gemeinsam abgestimmten Wettbewerbsprogramme dem Vorstand zur offiziellen Verabschiedung vorlegen. Parallel dazu kann das Beurteilungsgremium zusammengestellt werden. Dieses setzt sich aus Vorstandsmitgliedern, einem Arbeitsgruppenmitglied der Siedlung und externen Fachpersonen zusammen. Weiter werden Architekturbüros mit Erfahrung im genossenschaftlichen Wohnungsbau für die Teilnahme angefragt. «Da es sich bei der Siedlung Hönggerberg um eine komplexe Aufgabenstellung handelt, wird der ˂Wettbewerb˃ als zweistufiger Studienauftrag durchgeführt, mit dem Ziel, ein bewilligungsfähiges Projekt gemäss Wettbewerbsprogramm zu erhalten», erklärt der Präsident. Die erste Stufe des Wettbewerbs, die sogenannte Ideenstufe, wird anonym durchgeführt und ist für Oktober 2017 bis März 2018 vorgesehen, die Projektstufe, welche nicht mehr anonym sein wird, beginnt im Juni 2018 und dauert bis Dezember 2018 (Stand März 2017). «Wann die erste Neubau-Etappe in der Siedlung Hönggerberg anläuft, kann heute noch nicht festgelegt werden», sagt Steiner. «Verschiedene Faktoren können oder werden den Start beeinflussen». Ein Zeithorizont könne erst nach dem abgeschlossenen Projektwettbewerb definiert werden. Damit die Bewohnenden der Siedlung Hönggerberg während des Umbaus in eine Ersatzwohnung ziehen können, vermietet die Genossenschaft freie Wohnungen seit etwa zwei Jahren nur noch mit befristeten Verträgen, sodass zum Zeitpunkt der ersten Etappe genügend Wohnungen zur Verfügung stehen.

    Andere angefragte Siedlungen
    Bombachhalde 16 bis 28, Besitzerin: Zürich Versicherungsgesellschaft
    Aktuell weist die Liegenschaft an der Bombachhalde 16 bis 28 keinen akuten Sanierungsbedarf auf. Zurich Schweiz plant zurzeit im Raum Höngg keine Bautätigkeiten. Um entscheiden zu können, ob eine Liegenschaft saniert werden soll, prüft Zurich Schweiz die Baustruktur und die Bausubstanz einer Liegenschaft. Es kann durchaus sein, dass bei einer Liegenschaft die Substanz noch gut ist, jedoch die Raumgrössen und -höhen nicht mehr den heutigen Wohnansprüchen genügen und sodann anstelle einer Sanierung eine Gesamterneuerung bevorzugt wird, sofern sich dies auch ökonomisch umsetzen lässt.
    Die Migros Pensionskasse mit Häusern an der Segantinistrasse gibt auf Anfrage des «Hönggers» keine Auskunft.

  • Im Zeichen des steten Wandels

    Im Fokus der letzten beiden «Höngger» stand die Quartierentwicklung in baulicher Hinsicht. Höngg ist, wie jedes lebendige Siedlungsgebiet, nie fertig gebaut. Was lebt, verändert sich stetig und wo Menschen wohnen und leben, da prägen sie ihre Umgebung. Dies wollten wir anhand verschiedener Fakten aufzeigen: Wie sich Höngg derzeit erfreulicherweise verjüngt, wann und wo es mit Häusern bebaut wurde und sich seit 1850 mit gerade mal 1 500 Einwohnern zum Stadtquartier mit rund 23 000 Menschen entwickelt hat. Wir führten in den Dschungel der Bauvorgaben und zeigten im Fokus-Thema der letzten Ausgabe anhand des Gebietes im Frankental, wie zwei Genossenschaften dort ein Quartier im Quartier gebaut haben oder damit demnächst fertig sind. Mit dieser Ausgabe zeigen wir auf, dass dieser Prozess der Wandlung in ganz Höngg stattfindet. Zahlreiche Bauprofile, Baugruben und -kräne zeugen davon. Allenthalben wird saniert, abgerissen, überbaut und verdichtet. Weil energetische Sanierungen notwendig oder die Ansprüche an die Wohnqualität gestiegen sind, weil mit einer Neuüberbauung mehr Wohnraum und damit auch mehr gesellschaftlicher oder – oft genug ein Motivator – mehr wirtschaftlicher Nutzen erzielt werden kann. Einer oder mehr Faktoren kommen meistens zusammen. Zum Glück sind in Höngg relativ viele Genossenschaften aktiv. Sie sind der Garant, dass das Quartier weiterhin gesellschaftlich relativ gut durchmischt ist – wenn auch auf einem ebenso relativ hohen Niveau. Schauen Sie mit uns in dieser Ausgabe punktuell auf kommende und sich im Bau befindliche Veränderungen. Abschliessend – im Wissen eben, dass die Wandlung nie abgeschlossen sein wird.  Am 13. April steht dann der Verkehr im Fokus – denken Sie bereits mit und halten Sie die Buntstifte bereit, Sie dürfen einen gordischen Knoten neu zeichnen.

    Fredy Haffner
    Verlagsleiter «Höngger»

  • Bar jeglicher Nostalgie

    Bar jeglicher Nostalgie

    Dass Höngg, wie alle anderen Quartiere Zürichs oder einer x-beliebigen Stadt weltweit, nicht irgendwann fertig gebaut und der Anblick für alle Ewigkeit in Holz gesägt oder in Stein beziehungsweise Beton gemeisselt ist, ist selbstverständlich. Da mag sich mancher heimatschützerische Geist oder mancher architekturhistorische Kenner dagegen wehren, und selbst normale Quartierbewohnende mögen sich ärgern oder einfach nur traurig sein und in nostalgischen Gedanken verweilen, wenn altvertraute Gebäude verschwinden oder so umgebaut werden, dass man sie kaum wiedererkennt – doch ehrlich betrachtet will ja auch niemand mehr in Höhlen und Laubhütten leben. Mal ganz abgesehen von allen anderen realen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder anderen Gründen, welche dazu führen, dass Häuser und andere Bauten einer laufenden Veränderung unterworfen sind.

    Damals wie heute

    So hat und wird sich auch Höngg weiterhin stetig verändern. Was die Vergangenheit betrifft, so zeigte dies – selbst schon ein «Damals» – die Foto-Serie «Damals & Heute» im «Höngger» eindrücklich auf. Als virtueller Gang durch Hönggs Baugeschichte weckt sie unter www.hoengger.ch, im Archiv unter «Damals & Heute» weiterhin viele Erinnerungen – oder zeigt jenen, die das «Damals» nicht selbst miterlebten, wie, was früher aussah, was sie heute als gegeben betrachten. Bis es dann dereinst seinerseits zum «Damals» wird, dieses Heute. Die Serie liesse sich laufend aktuell fortführen, denn bereits wenige Jahre nach dem ein altes Haus durch ein neues ersetzt wurde, hat man den Ersatzbau selbst so fest ins eigene optische Gedächtnis einzementiert, dass man sich des alten Anblicks kaum erinnert.

    Am ganzen Hang wird fleissig gebaut

    Einige wahllos ausgesuchte Beispiele zeigen diese Seiten des Fokus-Themas. Ein eindrückliches bezüglich baulicher Verdichtung ist die Siedlung «Winzermatte» an der Winzerhalde 99 bis 109, die ihrer Lage wegen wahrscheinlich im restlichen Höngg nicht überall wahrgenommen wurde. Die beiden Aufnahmen auf dieser Seite. Wo unlängst noch direkt am Kanal der Werdinsel einfache, parallel angeordnete Bauten standen, stehen heute moderne, ineinander verschachtelte, rhomboide Häuser der Anlagestiftung der Zurich Invest AG. Die bereits im Mai 2016 bezogenen Bauten umfassen 67 Mietwohnungen zwischen 1,5 und 4,5-Zimmer auf einer im Vergleich zur früheren Überbauung grösseren Mietfläche. «Die Mietzinse entsprechen der aktuellen Marktsituation», gab die Verwaltung zur Auskunft, aktuell seien bis auf drei Wohnungen alle vermietet. Während ganz unten an Hönggs Grenze Ersatzneubauten entstanden, wird derzeit ganz oben, am Ende der Kürbergstrasse, eine «letzte» Grünfläche mit Eigentumswohnungen überbaut. Die Aussicht wird einmalig sein. Entlang der Ottenbergstrasse hat, wer regelmässig im Bus sitzt oder hinter einem solchen an der Bushaltestelle im Auto wartet, genug Zeit, um vor allem hangseitig zu beobachten, wie sich die Gebäudesilhouette laufend verändert. Derzeit am auffälligsten gleich zu Beginn der Strasse stadteinwärts: Dort sind zwei Häuser entstanden, die nun so gut sichtbar dort stehen, dass man beinahe fragt, ob dort zuvor überhaupt schon Häuser standen. Überhaupt braucht man nur entlang der Hauptverkehrswege zu fahren, und schon sieht man allenthalben Baugerüste oder bereits Baukräne stehen. So auch an der Regensdorferstrasse, der Winzerstrasse, der Limmattalstrasse. Höngg, die bevorzugte Wohnlage, passt sich der Nachfrage an und erneuert sich weiterhin. Nostalgie ist – entgegen dem Titel dieses Beitrags – erlaubt. Ebenso, sich über die neuen Häuser zu freuen und sich mit der gesellschaftlichen Veränderung, die sie mit sich bringt, auseinanderzusetzen.

  • Das Frankental: Kein Nebenschauplatz

    Das Frankental: Kein Nebenschauplatz

    Im letzten Jahr hatte das Gemeinschaftszentrum Höngg/Rütihof das Projekt «Dein Frankental» ins Leben gerufen. «Ziel der GZ-Aktionen war und ist es noch, die Vernetzung in der Quartierbevölkerung zu fördern und die Identifikation mit dem Frankental zu stärken», erläutert Patrick Bolle, Betriebsleiter des GZ Höngg/Rütihof, im Gespräch mit dem «Höngger». «Die demografische Struktur im Frankental hat sich in den letzten Jahren stark verändert und ist noch immer im Wandel». Um den Bewohnerinnen und Bewohnern das Quartier näher zu bringen und ihnen gleichzeitig den Puls zu fühlen, organisierte das GZ unter anderem eine «Quartierspionage», bei der die Kinder durch das Frankental gingen und auf grossen Kartonsprechblasen festhielten, welche Orte ihnen besonders gefielen, und welche sie als eher «gefährlich» oder «gfürchig» einstuften. Während die attraktiven Spielplätze in der Siedlung positiv bewertet wurden, schnitt der starke Verkehr erwartungsgemäss weniger gut ab. Auf einem Quartierrundgang informierten die jeweiligen Verantwortlichen an verschiedenen Standorten über ihre Institutionen und Projekte, darunter die beiden Genossenschaften, die Stiftung für Alterswohnungen der Stadt Zürich und das Wohnzentrum Frankental. Eine kleine Lektion in Geschichte erhielt man von Beat Frey, der eine Zeit aufleben liess, in der es hier wenig mehr gab als Wiesen, Wald und Sumpf und die Innerschweizer versuchten, via Grafschaft Baden den Staat Zürich zu betreten – ohne Erfolg.

    Verkehr dominiert die Diskussion

    Das Team des Gemeinschaftszentrums Höngg/Rütihof konnte sich in Gesprächen mit der hiesigen Bevölkerung ein gutes Bild von den bestehenden Bedürfnissen und dem Status Quo der Strukturen erarbeiten. «Wir haben festgestellt, dass das Quartier durch die Verkehrsachsen Limmattal- und Frankentalerstrasse dreigeteilt ist: Die Strassen bilden eine Hürde, die zu überqueren die meisten vermeiden, wenn sie keinen Grund dazu haben. Die durch die Bäckerei der GEWOBAG und die geplante Coop Filiale, sowie den Kindergarten und Hort der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg neu gegebene Infrastruktur könnte einen Anreiz schaffen und dabei helfen, die verschiedenen Gebiete zu verbinden», hofft Bolle. Ausserdem wären die Bewohner der Alterssiedlung der Stadt Zürich durch die Einkaufsmöglichkeiten in Gehdistanz nicht so isoliert. Ursprünglich war die Umfahrung Frankentalerstrasse geplant gewesen, um den Raum Rütihof zu erschliessen. «Man hat aber festgestellt, dass die Menschen im Rütihof diese Route gar nicht benutzen, sondern andere Strassen wählen», so Bolle. Er hofft, dass bei der voraussichtlich für 2022 geplanten Sanierung der Limmattalstrasse, für welche 2018 ein Mitwirkungsverfahren ausgeschrieben werden soll, auch die Fehlüberlegungen korrigiert werden, die damals beim Bau der kantonalen Strasse gemacht wurden. «Heute leben viel mehr Menschen hier als in den 70er Jahren, man kann sich durchaus Gedanken dazu machen, ob die bestehende Fussgängerführung und Verkehrsampeltaktik die passenden sind. Ein weiteres Problem, das sich in Zukunft abzeichnen wird, ist das der Schulen: «Die Schulhausplanung hinkt dem Wohnungsbau hinterher», meint Bolle.

    Weitere Aktionen geplant

    Es ist also einiges in Bewegung im Frankental. Mit der nächsten Aktion des GZ Höngg/Rütihof soll auch die urbane Bevölkerung angesprochen werden. Geplant ist eine «Künstlerische Intervention» in Zusammenarbeit mit der Kunstschule F+F, die voraussichtlich im kommenden Herbst während einiger Tage das Frankental mit Installationen oder Performances bespielen soll. «Vielleicht kann die Endhaltestelle des 13er Trams zu einem temporären Kultur-Zentrum werden», überlegt der GZ Leiter. Noch ist nichts spruchreif. Geplant ist auch ein weiterer Spielaktionstag am 20. Mai. «Wir wollen ein eigenes zivilgesellschaftliches Engagement wecken, das zum Selbstläufer wird, dann haben wir unser Ziel erreicht».

    Der Blog «Dein Frankental» ist noch immer online zugänglich unter www.deinfrankental.blogspot.ch

  • Es pulsiert im Frankental

    Das Frankental mag für viele einfach nur eine VBZ-Endhaltestelle sein. Ein Wendepunkt, falls man den Ausstieg verpasst hat. Ein durch die Frankentaler- und die hier aus Zürich hinausführende Limmattalstrasse dreigeteiltes Randgebiet von Höngg. Man steigt aus oder fährt durch. Doch für immer mehr Menschen ist es ein wahres Zuhause, auch wenn nur mitbekommt wer dort lebt – oder regelmässig durchfährt – dass im Frankental ein Quartier im Quartier vor seiner Vollendung steht. Ja, es pulsiert richtiggehend, wenn auch zum Teil noch hinter Bauabschrankungen. Die Umstrukturierungen im Frankental sind beachtlich. Wo unlängst noch beschauliche Häuser aus dem letzten Jahrhundert standen, riegeln nun mehrstöckige Gebäude ihre rückwärtigen Bauten gegen den Durchgangsverkehr ab. Noch diesen Herbst zieht eine grosse Coop-Filiale ein und vieles mehr. Nicht nur das Antlitz und das Angebot des Gebietes hat sich durch die Neubauten in den letzten wenigen Jahren verändert, sondern damit auch die Bewohnerschaft. Es fand und findet auch hier eine Verjüngung statt. Und mit dem Wandel kamen neue Bedürfnisse, neue Fragen, vielleicht sogar Ansprüche – gewachsen und aufgeworfen mitten aus alten, aber nun durch einen Generationenschub neu befeuerten Vorstellungen und Werten. Welche Folgen haben diese Veränderungen, die laufenden Umwälzungsprozesse? Waren sie absehbar und behält sie jemand im Auge? Lässt sich daraus gar ableiten, was vielleicht auch andernorts in Höngg zu erwarten ist? Der «Höngger» widmet das Fokusthema dieser Ausgabe dem Frankental und wird in der nächsten Ausgabe von dort aus weiter nach Höngg blicken. Kommen Sie mit uns auf eine «Tour de Frankental» – und gehen Sie gelegentlich auch selbst wiedermal hin, sofern Sie nicht schon dort wohnen. Bleiben Sie stehen – und fühlen Sie dem Ort und Höngg den Puls.

    Fredy Haffner, Verlagsleiter «Höngger»

  • «Die Zukunft soll man möglich machen»

    «Die Zukunft soll man möglich machen»

    Ab 1998, als Fredy Schär zum Präsidenten der GEWOBAG gewählt wurde, begann der grosse Umbruch in der Baugenossenschaft. Die Wohneinheiten wurden von 1685 auf 2001 (Stand 2013) ausgebaut, und die Gesamtwohnfläche verdoppelte sich beinahe von 82 000 auf 160 000 Quadratmeter. Selbst bei den Nebenräumen wie Garagen, Bastelräumen, Kindergärten und Gewerberäumen legte die GEWOBAG in diesem Zeitraum von 1406 auf 2155 zu. Das sind beachtliche Zahlen. Speziell auch deshalb, weil abgesehen von kleineren Arrondierungen alles auf bestehenden Flächen realisiert wurde.
    Alte Substanzen wurden durch neue ersetzt – oder es wurden zwischen die bestehenden, wie im Frankental, neue Blöcke hinzugefügt. Die klassische Verdichtung. Schär dazu: «Wir haben eine Wohnungsnot und es war uns wichtig, dieser zu begegnen. Aber ich bin strickte dagegen, dass man weiter grüne Wiesen verbaut. Da wehrt man sich hierzulande noch viel zu wenig dagegen: Das Land, das wir haben, sollten wir besser nutzen und das taten wir». Schär setzt sich auch für naturnahe Aussenräume ein. In Albisrieden wurde ein Bach geöffnet, im Frankental ein Rebberg reaktiviert und der Dachs, der neuerdings darin haust, geniesst höchstpräsidialen Schutz.

    Nicht unbestrittener Aufbruch

    Dass es zu diesem Erneuerungsprozess überhaupt kam, hat viele Gründe und er war nicht unbestritten innerhalb der Genossenschaft. Tatsache war, dass viele der in der Gründungszeit gebauten Siedlungen sanierungsbedürftig waren – zumal während Jahren selbst der normale Unterhalt vernachlässigt worden war. Daran waren die Genossenschafter und Mieter nicht ganz unschuldig: Man wollte so lange wie möglich günstig wohnen, nichts wurde renoviert und die Häuser schleichend entwertet. Doch Schär, selbst nicht mehr der Jüngste, denkt wie ein Junger. Er, der früher grosse Firmen leitete, sagt, dass jedes Produkt und auch jede Idee irgendwann ihren Anfang nehme. Dann folgen Aufstieg, Sättigung und – wenn man an diesem Punkt nicht handelt – unweigerlich der Niedergang: «Und das gilt auch für Liegenschaften. Wenn wir nichts unternehmen, haben wir irgendwann ein Getto und nur noch eine bestimmte Bevölkerungsschicht, die bei uns wohnt. Gesellschaftspolitisch müssen wir aber eine breite Durchmischung garantieren: Junge, Alte, Familien, Behinderte, alle sollen Platz finden».
    Doch warum entschied man sich in den meisten Fällen für einen Totalabriss und bevorzugte nicht eine dauernde Sanierung? Das habe viele Gründe, sagt Schär. Einer ist, dass man in renovierten Häusern keine Generationen zusammenbringt: «Junge wollen andere Grundrisse, Alte gerne einen Lift, andere Strukturen – also bauen wir lieber neu und so, dass es für alle stimmt». Ein zentraler Faktor jedoch sind die geänderten Bauvorschriften: So dürfen Neubauten oft höher sein als ihre Vorgänger und die Ausnutzungsziffern sind grosszügiger als früher. Das führt zu einer wirtschaftlich interessanten Situation, die sich auch auf die Mietzinse auswirkt. Natürlich wohnt es sich in den Neubauten teurer, doch nicht pro Quadratmeter gemessen. In den renovierten Altbauten im Frankental kostet eine Vier- bis Viereinhalbzimmerwohnung brutto zwischen 1100 und 1400, im Neubau zwischen 2200 und 3300 Franken. Die letzte Zahl mag viel sein für eine Genossenschaft, für Höngg und die entsprechende Aussicht ist es aber wenig. Zudem, so habe er mehrfach durchgerechnet, seien Renovationen im Detail und längerfristig betrachtet meistens teurer als Ersatzneubauten. «Und dann ist da noch der Umweltfaktor», betont Schär: «In den bestehenden Häusern liessen sich unsere Umweltziele gar nicht umsetzen». Wie in der Siedlung in Schlieren: Dort hatte früher jeder Block eine eigene Ölheizung – die Neubauten hingegen, mit mehr Wohnungen als früher, werden alle von der Abwärme der Kläranlage Werdhölzli warmgehalten, ohne einen Liter Heizöl zu verbrauchen. «Das wäre mit reinen Renovationen nicht möglich gewesen», sagt Schär. Solche Energienutzungen ging die GEWOBAG auch bei anderen Siedlungen ein und plant weitere.

    Aufbruch mit Nebengeräuschen

    Als er aber als frischgewählter Präsident als erstes verkündete, die Siedlung am Maloyaweg in Altstetten müsse zurückgebaut und durch moderne Häuser ersetzt werden, schlug das hohe Wellen. Zweimal wurde der Neue fast abgewählt. Doch das Vertrauen in ihn und seine Crew stieg bald, als die Genossenschafter sahen, dass alle abgegebenen Versprechungen über den Ablauf, Umsiedlungen und Mietzinspolitik geflissentlich eingehalten wurden. Nur als Schär von der Überbauung in Uster erzählt, benutzt er das Wort «Schlacht»: «Das war eine Einfamilienhaussiedlung, und für die Mieter war jedes Haus ˂gefühltes Eigentum˃, in dem man ewig bleibt». Als er auch diese Häuser ersetzen wollte, wurden die Medien eingeschaltet und Schär als «Hüslimörder» tituliert. Als dann aber alles doch wie geplant umgesetzt war, zogen sogar einige der ehemaligen alten Bewohner zurück und fanden ihr neues Glück in modernen Wohnungen: «Die alten Rückkehrer hüteten plötzlich die Kinder der Jungen, das gab eine ganz neue Energie in diese Siedlung».

    Gesellschaftliche Verpflichtung

    So war es auch im Frankental. Es zogen jüngere Generationen zu: «Hier im Frankental war es ziemlich überaltert. Die jungen Familien wollten modernere, grössere Wohnungen und zogen weg. Nun kamen sie zurück, die Modernisierung verlieh der Siedlung einen positiven Generationenschub». Das liege in der gesellschaftlichen Verantwortung der GEWOBAG, sagt deren Präsident, zieht aber auch Grenzen. «Früher boten wir auch subventionierte Wohnungen an. Persönlich fragte ich mich aber oft, warum Wohnungen, die zwischen 1000 und 1300 Franken kosten, noch subventioniert werden müssen. Wer braucht das? Überdies hat unsere Genossenschaft selbst einen Wohlfahrtsfonds, um zu helfen, wenn jemand in Not gerät». Doch die Subventionierung war an Vorschriften zum Einkommen und der Belegung – Anzahl Bewohner plus eins gleich maximale Zimmerzahl – geknüpft: Starb ein Ehepartner, musste der andere in eine kleinere Wohnung ziehen. Das habe ihn immer gestört, sagt Schär: «Da habe ich ein anderes soziales Verständnis. Ebenso störend fand ich, dass Menschen sich ˂hocharbeiten˃ und dann, wenn sie mehr verdienen, quasi als ˂Dank˃ ihre Wohnung verlassen müssen». Also löste man sich aus dem Vertrag mit der Stadt. Schär geht aber noch weiter mit der angezielten Durchmischung. «Gesellschaftspolitisch ist es mir wichtig, auch eine einkommensmässige, vertikale Durchmischung zu erreichen. Warum soll nicht auch ein Reicher bei uns wohnen? Und vielleicht sehen, dass es anderen weniger gut geht? Und der, der weniger verdient, sieht vielleicht, dass der andere für sein Geld ziemlich viel arbeiten geht und auch kein ˂dumme Siech˃ ist». Sowas wirke Wunder, ist der Präsident überzeugt. Neid oder Missgunst sei im Frankental jedenfalls nirgends entstanden durch den neuen Mietermix: «Es ist für uns eine Vorzeigesiedlung geworden, eine unserer besten». Unterdessen sind fast alle Siedlungen ganz oder teilweise zurückgebaut. Jene im Riedhof steht dieses Jahr an. Doch mit Baujahr 1984 ist diese noch zu jung, um total ersetzt zu werden, und von den Grundrissen her auch akzeptabel. Also ersetzt man alle Leitungen, Küchen und Bäder. «Renoviert sind die Häuser für weitere 30 Jahre fit für den Wohnungsmarkt, ein Abbruch wäre reine Wertvernichtung», so Schär.

    Das Frankental weiterdenken

    Vor der Bäckerei im Frankental sitzend – auch das so eine Idee von Schär, die er gegen erste Vorbehalte realisierte und die heute als der Anonymität vorbeugendes Konzept zum Ziel für jede GEWOBAG-Siedlung wurde – blickt Schär über die Frankentalerstrasse zum Neubau der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg (BSH, siehe Artikel auf Seite XY). Die Frage drängt sich auf: Gibt es jetzt, da gegenüber eine neue Infrastruktur entsteht, ein neues Zusammenleben im Frankental, über die eigene Siedlung hinaus? «Wir sind zumindest daran, nach einer besseren Lösung für die Querung der Strasse zu suchen» sagt Schär, mit der Stadt sei man im Kontakt, denn die Strasse sei eine «brutale» Trennung des Quartiers. Doch sonst habe man leider mit der BSH nur wenig Kontakt. Das sei früher mal anders gewesen, sogar eine Fusion sei einst diskutiert worden, doch dann sei man am Widerstand der Vorgänger des heutigen Vorstandes gescheitert. «Das war schade, vielleicht hätten wir dann auch die Bauten besser aufeinander abstimmen können», so Schär. «Nun hoffen wir auf eine konstruktivere Nachbarschaft. Sicher haben wir gemeinsame Anliegen und können uns unterstützen». Eine institutionalisierte Zusammenarbeit gibt es bislang jedoch nicht. Nach einer langen Pause verleiht er der Hoffnung Ausdruck, dass sich aus den «Einzelteilen» des Frankentals ein gemeinsames Zentrum entwickle. Warum aber baute die GEWOBAG nicht selbst noch mehr Ladenflächen für dieses neue Zentrum? Da hätte man zu viel an der Bausubstanz ändern müssen, sagt Schär, für einmal ungewöhnlich zögernd, als ob er sich fragen würde, warum er damals nicht selbst auf die Idee gekommen ist. «Schade, dass man nicht vorher zusammensass und ein gemeinsames Konzept ausarbeitete», sagt er dann wieder mit Blick auf den ganzen Raum Frankental. So könnte man sich auch die Tramendhaltestelle Frankental neu denken. Braucht es den Kiosk an dieser Stelle noch? Warum zieht der nicht in den Neubau der BSH und man nutzt den freien Raum anders, vielleicht einfach als Platz? «Und überhaupt», fragt sich Schär, «warum wendet das Tram hier? Warum fährt es nicht weiter bis nach Engstringen?» Nun, das steht so im kantonalen Richtplan – doch eine Umsetzung ist noch weit weg von jeder Planung. «Die Zukunft soll man nicht voraussehen, sondern möglich machen», zitiert Schär abschliessend Antoine de Saint-Exupéry. Und für ihn gälte eben so oder so: Nicht lange reden: machen. «Und im Notfall sagen: Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück».

  • Ein Leben in Genossenschaft

    Ein Leben in Genossenschaft

    Der «Höngger» trifft sich mit Yvonne Brand vor der Bäckerei Frankental – bis man ihre Wohnung im hinteren Teil der Siedlung erreicht hat, hat man unweigerlich kennengelernt, wer gerade unterwegs ist: Da ein «Hoi Yvonne», dort ein «wie gaht’s?», es werden Kontakte aufgefrischt und Neuigkeiten ausgetauscht – man kennt sie und sie kennt alle beim Vornamen. Nach wenigen Metern ist das Genossenschaftsgefühl bereits greifbar. «Ja», bestätigt sie, «wenn man will, kann man hier alleine sein, und wenn man Gesellschaft sucht, findet man sie ganz leicht, zum Beispiel im Café <Quartier Beck> vorne» und nimmt damit einen zentralen Punkt des folgenden Gesprächs vorneweg. Yvonne Brand (1955) ist in der GEWOBAG-Siedlung Frankental aufgewachsen. Als junge Frau zog sie mit Mann und zwei Kindern nach Rümlang in eine Einfamilienhaussiedlung. 1989, nach der Scheidung, zog sie zurück ins Frankental, dessen «Genossenschafts-Groove» sie in Rümlang vermisst habe, wie sie sagt. Nun mussten sich ihre Kinder zuerst an die Regeln der Genossenschaft gewöhnen – genau jene, mit welchen ihre Mutter aufgewachsen war und die sie schätzen gelernt hatte: Abends die Spielsachen draussen zusammenräumen und die Fahrräder versorgen? Wer machte das schon rund ums Einfamilienhaus? Diese Strukturen und Werte, welche ihr wichtig waren, kannten ihre Kinder nicht. «Die Regeln taten mir als Person immer schon gut. Sie wirken auch verbindend, weil sie für alle gleich sind – etwas, das man heute oft vergisst». Und aus dieser Verbundenheit heraus habe sich auch viel Gutes ergeben. Zum Beispiel, dass sie, damals als eine der ersten Alleinerziehenden, nach der Arbeit auch mal habe mit Verspätung nach Hause kommen können: Vor der Türe seien die Schulsachen ihrer Kinder gelegen und sie wusste beruhigt, dass sie irgendwo in der Siedlung am Spielen waren. Und man übernahm selbstverständlich gegenseitig Hütedienste. Auch Brands Eltern wohnten noch in der Siedlung, wie auch heute oft mehrere Generationen einer Familie im Frankental wohnen. «Und viele, die als junge Erwachsene wegziehen, kommen mit Familien zurück», weiss Brand. Sie selbst wohnt heute fast wieder in der gleichen Wohnung wie als Kind und blickt auf die haushohe Tanne, die einst kaum grösser als sie selbst war und auf die man natürlich nicht habe klettern dürfen. «Als wir damals im Jahr 1961 einzogen, waren die Wohnungen noch nicht ganz fertig. Die Balkone waren noch nicht unterteilt und wir durften mit unseren kleinen Velos die ganzen Längen abfahren», erinnert sie sich. Es sei einfach alles die totale, uneingeschränkte Freiheit gewesen und voller Kinder. Draussen auf den Garagenvorplätzen habe man dauernd Spiele gespielt und in der Umgebung «Versteckis» und «Räuber und Poli». «Es war das Paradies, und heute sehe ich hier draussen wieder das gleiche Paradies».

    «Nun wollte ich etwas zurückgeben»

    Elf Jahre nach ihrer Rückkehr trat ihr Sohn eine Lehrstelle als Bäcker in Dielsdorf an – Familie Brand entschied sich, nochmals vom Frankental wegzugehen, um «dem Stift» einen kürzeren Arbeitsweg zu ermöglichen. «Drei Jahre später rief ich im Juli wieder der GEWOBAG an – am 1. September konnte ich einziehen». Da sei es für sie klar gewesen, dass sie sie sich in der Siedlungskommission engagieren würde: «Es war Zeit, dieser Genossenschaft etwas von all dem zurückzugeben, was sie mir gegeben hatte». Zum Präsidium kam sie dann wie die Jungfrau zum Kind: Es war vakant und als sie zum ersten Mal als Mitglied der Siedlungskommission an einer Mieterversammlung teilnahm, fasste sie den Auftrag, die Leute zu begrüssen. «Offenbar gefiel das so gut, dass der Genossenschaftspräsident Fredy Schär zu mir kam und mir das Amt der Kommissionspräsidentin anbot. Und ohne meine Antwort wirklich abzuwarten griff er zum Mikrofon, schlug mich den Anwesenden vor und schon war ich gewählt».

    «Wir schauen für den Zusammenhalt in der Siedlung»

    Fünf bis zehn Leute sind in der Kommission, ergänzt durch projektbezogene Helferinnen und Helfern. Selbst in der Genossenschaft ist es nicht einfach, immer genügend Leute für dieses Ehrenamt zu finden. Brand hat dafür Verständnis: «Ich engagierte mich ja auch erst, als meine Kinder grösser waren. Und der Druck, dem man heute in der Arbeitswelt ausgesetzt ist, ist viel höher als früher». Als Leiterin der Geschäftsstelle FRAGILE Zürich, Verein für hirnverletzte Menschen und ihre Angehörigen, weiss sie nicht zuletzt aus dem Umfeld ihrer Klienten, wovon sie spricht. «Dann sich in der Freizeit noch in einer Siedlungskommission zu engagieren, ist viel verlangt». Doch die Kommission ist wichtig, ist es doch an ihr, Impulse zu setzen, damit das genossenschaftliche Zusammenleben funktioniert. Rund
    18’000 Franken stehen ihr jährlich für Mieterversammlungen oder -feste, Jassnachmittage, Ostern und Adventssanlässe, Kinderspiel-Nachmittage, Seniorenausflüge, Mittagessen und einiges mehr zur Verfügung. An die Anlässe kämen meistens zwischen 80 und 120 Personen. Je nach dem, an welcher sie sich wohlfühlen. «Die alten Leute kamen eher nicht ans Kinderfest, also organisierten wir gleich einen Seniorentag.» Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen.

    Aber funktioniert das generationenübergreifende Zusammenleben?

    Yvonne Brand ist kritisch: «Die Wunschvorstellung der Generationendurchmischung in so einer Siedlung existiert auf dem Papier – aber ich glaube nicht unbedingt, dass Jung und Alt ständig zusammen sein wollen. Die Jungen wollen Lärmen und die Alten Ruhe – doch wenn man will, dann kann man zusammen sein. Man muss allen einfach etwas Zeit geben, aber es kann sich etwas entwickeln». Kann, und muss nicht, das sei ihr enorm wichtig: «Es braucht Zeit, bis man den tieferen Sinn einer Genossenschaft erkennt», ist Brand überzeugt, «aber irgendwann lernen alle den Zusammenhalt zu schätzen, dass man sich gegenseitig hilft und beisteht – weil man sich eben kennt».
    Es sei doch einfach schön, wenn eine Mutter arbeiten geht und die andere einfach sagt, «schick doch deine Kinder zu mir, ich bin ja hier». Generell staune sie immer wieder, wie sich die Menschen hier organisieren: «Wer für wen einkaufen geht, oder da ist zum Beispiel bekannt, dass eine alte Dame ihre Zeitung immer vor neun Uhr aus dem Briefkasten holt – liegt sie später noch dort, ist klar, dass jemand nachschaut, ob es der Frau gut geht». Was hier gewachsen ist, muss andernorts von Sozialarbeitern initiiert werden. Einen Unterschied zwischen alten und neuen Bewohnern stelle sie jedenfalls nicht wirklich fest, schon gar nicht ein denkbares Gefälle zwischen den Einkommen und einem möglichen anderen Verhalten oder Bedürfnissen.

    Blick in die Zukunft

    Lange habe sie im Vorfeld dieses Treffens überlegt, ob sie nicht auch einen negativen Punkt zu der Siedlung finde. «Aber abgesehen vom fehlenden S-Bahnanschluss, der ja ganz Höngg fehlt, habe ich keinen einzigen gefunden», sagt sie überzeugt. Sonst sei es das absolute Paradies, auch bezüglich Naherholungsgebieten. Bloss bei den Einkaufsmöglichkeiten stutzt sie etwas, doch das sei ja bald auch kein Thema mehr. Doch auch Yvonne Brand nimmt das Frankental als von Frankentaler- und Limmattalstrasse dreigeteilten Ort war. Relativiert aber: «Die Frankentalerstrasse hatte man noch nie gerne. Von oben kommen die Autos im Vollschuss hinunter und von unten her geben sie den Berg hoch Vollgas». Und so hätten sich die Kinder vom Schwarzenbachweg oder der Siedlungen an der Bombachhalde schon früher kaum gekannt – erst mit dem Schuleintritt habe sich das jeweils durchmischt. «Und dann kamen die anderen meistens zu uns, weil wir hier die besseren Spielplätze hatten und sogar ein Fussballfeld hinter dem letzten Hochhaus». «Natürlich freuen sich heute alle sehr auf die neue Einkaufsgelegenheit gleich auf der anderen Strassenseite», sagt Brand mit Blick auf die neue Nachbarschaft der BSG. Sie wünscht es sich, glaubt aber noch nicht so recht daran, dass die Bewohnenden der Siedlungen sich deswegen viel näherkommen werden oder sogar gemeinsam etwas organisieren: «Niemand hat den Raum, um für alle Kinder der Umgebung zum Beispiel einen gemeinsamen Samichlaus zu organisieren». Das werde sich vermutlich wie früher auch erst mit dem Schuleintritt durchmischen.  Hinzukomme, sinniert Brand, dass die heutige Zeit die Leute schnell voneinander entfremdet: «Es braucht Zeit zu erkennen, dass die Mitmenschen das eigentlich Wertvolle sind und nicht der Job, das Ansehen oder das Geld». Vielleicht, fügt sie an, hat das aber auch einfach mit dem Alter zu tun. «Je älter man wird, desto mehr schätzt man die verbindenden Werte wieder». Und bis dahin lebt Yvonne Brand im Frankental durch und durch vor, was das bedeutet. Ja, es sei ihr Traum hier, sagt sie zum Abschied. Dann lacht sie: «auch wenn ich mich manchmal schon frage, ob das sein könne, dass ich, die so gerne reist, fast mein ganzes Leben lang dieselbe Wohnadresse habe». Beim Reisen gelte ihr, je weiter je schöner – aber sie freue sich auch immer mehr auf das Heimkommen. Unterdessen war man wieder bei der Bäckerei angelangt – wie lange ihr Heimweg wohl gedauert hat?

  • «Wohnen mit Stadtblick»

    «Wohnen mit Stadtblick»

    1951 wurde die von der Frankentalstrasse gegen den Bombach führende Sackgasse nach einem alten Hönggergeschlecht «Schwarzenbachweg» benannt. Im selben Jahr erstellte die 1946 gegründete Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg (BSH) an dieser Strasse die Siedlung Bombach mit 20 Häusern und 94 Wohnungen. Seit den 50er Jahren haben sich die Wohnansprüche der Mieter stark verändert: Wo sich früher mehrköpfige Familien wenige und kleine Zimmer teilten, wollten bald keine Ehepaare mit Nachwuchs mehr einziehen. Irgendwann gab es in der Höngger Siedlung der BSH kaum noch Kinder, die Genossenschaft überalterte. Obwohl die Bausubstanz der Häuser aus den 40er Jahren noch intakt war, waren die Grundrisse nicht für ein verdichtetes Bauen geeignet. Eine Sanierung erwies sich nach einer Analyse aus wirtschaftlichen Gründen als nicht sinnvoll, weshalb man beschloss, die alten Häuser in zwei Etappen abzureissen und durch Neubauten zu ersetzen. Der Grundstein für die Wohnüberbauung «Wohnen mit Stadtblick», ein Wurf der Architekten Steib & Gschwentner, wurde 2014 gelegt (der «Höngger» berichtete am 28. April 2014). Drei Häuser, ein Kindergarten und ein Hort wurden im vorletzten Jahr fertiggestellt und von den Genossenschaftern bezogen. Zwei weitere Häuser, eine Coop Filiale mit 1000 Quadratmetern sowie eine Kinderkrippe sollen im kommenden Herbst zum Einzug bereit sein. Neu umfasst die Siedlung dann 161 Wohneinheiten zu 1,5 bis 5,5 Zimmern. Ein Neubau bedeutet immer auch ein Ansteigen der Mietpreise, das war im Fall der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg nicht anders: Während man in den alten Bauten für eine 4-Zimmer-Wohnung mit 75 Quadratmetern 900 Franken zahlte, liegt die Miete für eine 3,5-Zimmer-Wohnung im Neubau je nach Lage bei 1550 Franken – die Wohnung ist allerdings 85 Quadratmeter gross. «Es zeichnet sich aber ab, dass die Baukosten tiefer ausfallen werden, als budgetiert, deshalb konnten die Mietpreise im Januar bereits zum ersten Mal gesenkt werden», sagt Claudio Bolliger, Vorstandsmitglied der BSH.

    Durchmischung erwünscht

    Bereits nach der ersten Etappe hat sich die Mieterstruktur in der Siedlung stark verändert: Es sind junge Familien eingezogen, aber auch Alleinerziehende, Senioren und Doppelverdiener ohne Kinder. Vorstandsmitglied Claudio Bolliger beobachtet, dass die Familien der Arbeiterklasse weggezogen sind und heute vermehrt Menschen aus dem Mittelstand in der Genossenschaft wohnen. Die Genossenschaft weist ausserdem 35 von der Stadt subventionierte Wohnungen sowie 13 geplante Alterswohnungen aus. «Die Attika 4,5 Zimmer-Wohnungen sind mit 3000 bis 3400 im Vergleich zwar etwas teurer, ermöglichen es uns aber, die restlichen Wohnungen günstiger anzubieten», erklärt der Schreiner, der mit seiner Familie schon seit 26 Jahren in der BSH Siedlung lebt. Das Gefälle zwischen gutverdienenden Paaren in den Attikas und alleinerziehenden Mietern einer subventionierten Wohnung ist gross, könnten sich daraus Spannungen innerhalb der Genossenschaft ergeben? «Die Auswahl der <richtigen> Mieter ist immer eine Herausforderung», wägt Bolliger ab, «in den alten Häusern gab es manchmal deswegen Probleme. Wir verlassen uns auf unser Bauchgefühl und versuchen den Leuten auch zu erklären, was es bedeutet, in einer Genossenschaft zu wohnen. Dass man einerseits ein Mitspracherecht hat, aber andererseits auch Rücksicht aufeinander nimmt. Bei 161 Wohnungen wird es aber immer Mieter geben, die einfach nur günstig wohnen möchten und keine Zeit für ein aktives Engagement in der Genossenschaft haben».

    Ein Dorf für sich

    Früher gab es in der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg eine Siedlungskommission, die Ausflüge und Anlässe mit und für die Bewohnenden organisierte, doch in den vergangenen Jahren waren diese immer seltener geworden. Der im letzten Jahr neu gewählte Vorstand ändert dies nun: Im September hatte ein einberufenes Organisationskomitee anlässlich der 70 Jahre BSH ein Jubiläumsfest organisiert, unter dem Motto «Früher und Heute». Das Ziel war das Zusammenbringen der Bewohner aller Siedlungen – das sei hervorragend gelungen. «Nach langer Zeit fand zudem im Dezember wieder ein Samichlaustag statt, die Organisatoren haben das super hingekriegt», schwärmt Bolliger. Auch die BSH-News wurden wieder ins Leben gerufen und es wird geprüft, an den Eingängen einen Bildschirm für aktuelle Informationen anzubringen, die vom Verwaltungsbüro aus eingespiesen werden können. «Im November wollen wir pro Haus einen Apéro organisieren, damit sich die Nachbarn kennenlernen. Im Frühling 2018 soll es dann ein Einweihungsfest für alle Bewohnerinnen und Bewohner geben». Man konzentriert sich schon in erster Linie auf die eigene Siedlung und kommuniziert nicht oft mit umliegenden Hauseigentümern oder Genossenschaften. «So eine Siedlung ist meist ein Dorf für sich», meint Bolliger «aber wenn jemand in Not ist, kann man sich immer an andere Genossenschaften wenden, da hilft man sich gegenseitig aus».

    Ein trauriges Ereignis überschattete die Bautätigkeiten der Genossenschaft: Ein 41-jähriger portugiesischer Bauarbeiter verunglückte auf der Baustelle im Frankental tödlich. Die BSH wird in seinem Andenken einen Gedenkstein in der Siedlung errichten.

  • «Ich bin glücklich hier»

    «Ich bin glücklich hier»

    «Nein, nein, lassen Sie die Schuhe ruhig an! Ich putze später sowieso». Frau Drescher, die freundliche Dame mit kurzen, weissen Haaren, ist nicht kompliziert. Seit über 40 Jahren lebt sie in der Bau- und Siedlungsgenossenschaft und will hier auch bleiben «bis sie mich mit den Füssen voran hinaustragen», wie sie mit einem verschmitzten Lächeln sagt. In der grosszügig geschnittenen 2,5 Zimmer-Wohnung ist es warm und hell, auf dem Tisch stehen frische Blumen und in Kistchen auf dem Balkon wächst Nüsslisalat – oder «Rapunzel», wie man in Thüringen sagt, wo die Pensionärin ursprünglich herkommt. Gleich gegenüber ist die 2. Bauetappe der Bau- und Siedlungsgenossenschaft in vollem Gange, «aber wenn die Fenster zu sind, hört man davon eigentlich fast nichts», meint sie. Wahnsinnig neugierig sei man gewesen, was es Neues gäbe, man habe es sich gar nicht richtig vorstellen können, auch wenn man die Pläne ja gesehen und über das Modell abgestimmt hatte. Etwas skeptisch sei sie schon gewesen, schliesslich konnte es bereits in den alten Häusern mit nur sechs Parteien zu Spannungen kommen, wenn es um die Waschküche oder das Putzen ging, wie würde das erst mit so viel mehr Menschen werden? «Doch meine Bedenken waren bald zerstreut, ich bin angenehm überrascht», meint sie zufrieden und legt ihre gepflegten Hände auf die Tischdecke.

    Das waren noch Zeiten

    Als sie 1974 für eine Arbeitsanstellung in der Hauspflege, damals noch dem Frauenverein unterstellt, nach Höngg kam, suchte sie als Alleinerziehende mit ihrem zwölfjährigen Sohn eine Bleibe. «Beim Vorstellungsgespräch zeigte der damalige Präsident viel Verständnis für meine Lage», erzählt sie, «aber gerade sei keine Zweizimmerwohnung frei, ob ich nicht drei Zimmer haben wolle. Ich entgegnete, ich hätte nur 400 Franken zur Verfügung, worauf er sagte: <Dafür kriegen Sie bei uns fast eine Fünfzimmerwohnung>. Also habe ich mich bei der Genossenschaft angemeldet». Eine Woche später konnte sie bereits eine Wohnung anschauen gehen und zog wenig später ein. Damals galt noch die Auflage, dass einer Mutter mit Sohn eine Dreizimmerwohnung zur Verfügung gestellt wurde, während sich eine Frau mit einer Tochter zwei Zimmer teilen musste, da man davon ausging, dass die beiden Frauen im selben Raum schlafen können. Im ersten Moment sei es ein Schock gewesen, die Wohnung sei ziemlich runtergekommen gewesen. «Die Genossenschaft hat dann im Wohnzimmer neue Tapeten machen lassen, bei den beiden Schlafzimmern musste man noch mit Radiergummi ran, bis sie in den 90er Jahren auch neu tapeziert wurden». Es gab ein altes Küchenbuffet bis rauf zur Decke, aber keinen Kühlschrank. Dafür einen Kasten unter dem Fenster, darin waren Röhren, die es durch die kalte Aussenluft im Winter ordentlich kühl hielten und es im Sommer wenigstens etwas weniger heiss werden liessen. Die selbständige Frau wusste sich zu helfen: Vom Geld, das sie dank der tiefen Miete sparte, kaufte sie sich einen Kühlschrank und liess auch ein paar Stromleitungen legen – in den Zimmern hatte es gerade einmal zwei bis drei Steckdosen. Immerhin gab es schon ein Badezimmer mit Badewanne. Einige Jahre später wurden die Wohnungen schliesslich mit Einbauküchen versehen und der Boiler kam auch raus. Wenn man am Abend vergass, den Schalter am Herd auf «Boiler» umzustellen, hatte man am nächsten Tag kein warmes Wasser. «Alles war sehr einfach, aber halt auch günstig», erinnert sie sich. Man hatte «Ämtli» im Haus, die heute ein Hauswart erledigt. Treppenhaus putzen, Schnee schaufeln, Laub fegen. «Der Zusammenhalt war gut in der Genossenschaft, man hat sich für die Gemeinschaft engagiert, sogar die Kinder folgten dem Beispiel. Wenn jemand krank war, machte man einen Krankenbesuch». Eine Zeit lang ging das Gemeinschaftliche etwas verloren, aber heute sei das Verhältnis unter den Genossenschaftern wieder gut. «Und wenn man in einem Haus zusammenlebt, muss man immer Kompromisse machen. Nur bei der Ordnung ist es wichtig, dass das nicht aus dem Ruder läuft, in den gemeinschaftlich genutzten Räumen. Aber man sollte grosszügig sein können, wenn man auch nicht immer mit allem einverstanden ist».

    Zuversicht gewinnt

    Dass sich das Frankental stark verändert hat, ist der lebhaften Dame natürlich nicht entgangen, «aber, wenn man immer hier wohnt, fällt einem das nicht so stark auf, man wächst ja mit». Zum verdichteten Bauen hat sie eine pragmatische Einstellung: «Es braucht nun mal Wohnungen. Der Bodenpreis ist teuer und gleichzeitig kann man auch nicht jedes Stücklein Erde verbauen. Also muss man in die Höhe», sagt sie, als wäre das nun wirklich nicht so schwer zu verstehen. Noch gebe es in Höngg genügend alte Wege, auf denen sie gerne spazieren gehe. Und natürlich den Hönggerberg. «Wir sind mit dieser Lage wirklich sehr privilegiert. Ich bin sehr glücklich hier», sagt Frau Drescher. Sie, die sich als kleines Mädchen in Deutschland noch vor Luftangriffen fürchten musste, ist heute über ein frisches Mittagessen genauso entzückt wie über die erste Blume im Frühling. Das Jammern liegt ihr nicht. «Ich halte es wie meine Grossmutter, die immer sagte: <Geht einmal eine Türe zu, geht irgendwo bestimmt ein Fenster auf>». Diese Zuversicht hat sie sich zu eigen gemacht und bis ins hohe Alter bewahrt. «Die Neugierde und interessante Gespräche mit Bekannten und Freunden halten mich jung», resümiert sie, «und im <Dorf>, wie ich immer noch sage, wird uns wirklich viel geboten. Da muss niemand alleine bleiben, wenn er oder sie nicht will. Nur rausgehen muss man selber. Von nichts kommt ja bekanntlich nichts». Sagt’s und stellt sich in die Küche. Heute gibt es Kefen mit Poulet.

  • An Hönggers Grenze

    Als der Marchstein zwischen der Grafschaft Baden und Zürich aufgestellt wurde, gab es im heutigen Frankental vor allem Wiesen, Wald, Sumpf und einen Bach. Trotzdem war hier einiges los: 1443 versuchten die Eidgenossen via Limmatübergang in Baden von dieser Stelle her über die Stadtgrenze zu gelangen. Ohne Erfolg. Damals brannte es vorne im Dorf bereits. Später, im Zuge der Französischen Revolution, ging es noch heisser zu und her, aber dies ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden soll ─ oder in der Höngger Ortsgeschichte nachgelesen werden kann. In jedem Fall fanden auch die geplagten, reichen Stadtzürcher Gefallen an der sonnigen und naturnahen Lage des Rebbauerndorfes Höngg und bauten ihre Sommerresidenzen im Quartier. Es handelte sich um Herrschaftshäuser mit zahlreichen Zimmern und Umschwung, eines der ersten war das Herrenhaus in (Ober-) Eggbühl, wo heute das Suchtzentrum Frankental ansässig ist. Auch dort, wo die Stadt später das Pflegezentrum Bombach errichtete, befand sich früher ein Landsitz mit Herrenhaus und einem Festsaal, in dem eine Orgel Platz fand. Während des 2. Weltkrieges diente das Gut «Bombach» als Unterkunft des von der Künstlerin Sasha Morgentaler gegründeten «Frauenhilfsdienstes». In den 50er und 60er Jahren kaufte die Stadt Land und liess viele Gebäude abreissen, Genossenschaften bauten, ein Bauboom begann.

    Verkehr bestimmt das Ortsbild

    Lange war die Frankentalerstrasse nichts weiter als ein schmaler Fahrweg, für den Schwerverkehr ungeeignet und deshalb gesperrt. Die Strecke Zwielplatz bis Wartau wurde 1856 neu gebaut, während zeitgleich die Zürcherstrasse (heute Limmattalstrasse) erweitert wurde. 32 Jahre später fuhr zum ersten Mal ein Tram vom Escher-Wyss-Platz bis zur Wartau. Mit der Verlängerung der Linie bis zur Stadtgrenze Frankentalweg im Jahr 1954 und der Namensgebung der Endhaltestelle (Frankental) begann wohl auch die Bezeichnung des ganzen Gebietes als «Frankental», während vorher damit nur das Tälchen mit Bach und Frankenbühl gemeint war. Im «Höngger» vom 23. Mai 1969 wurde das Projekt einer vierspurigen Umfahrung diskutiert: «Im Modell sollte die Umfahrung die Funktion einer Sammelstrasse ausüben, welche den Raum Rütihof erschliesst» und das Zentrum beim Meierhofplatz entlastet, heisst es dort. Geplant war, im Rütihof eine Siedlung für 7000 Menschen anzulegen. Schon damals äusserte man Bedenken, dass die vorgeschlagene Lösung keine wirkliche Entlastung für das Zentrum bringen würde. Nichtsdestotrotz begann am 28. August 1970 der Bau der Umfahrungsstrasse. Zwar wurde die Bautätigkeit aus finanziellen Gründen kurzfristig unterbrochen, doch schon am 20. Dezember 1972 wurde die neue Franketalerstrasse dem Verkehr übergeben. Am 4. Mai 1973 schrieb ein Leser der Höngger Zeitung: «Die Frankentalerstrasse hat eine gewisse Erleichterung gebracht, das spürt man schon. Aber sonst ist alles beim Alten».

    Quellen: Beat Frey, Ortsmuseum. Höngger Ortsgeschichte, Georg Sibler. Höngger Archiv.