Blog

  • Die «bösen» Pflanzen

    Die «bösen» Pflanzen

    Am Höngger Waldrand wartet Daniel Eichenberger, Projektleiter des Vereins Naturnetz, der sich für die Natur-, Kultur- und Siedlungslandschaften einsetzt. Im Auftrag der Stadt sucht er am steilen Zielhang hinter der 300-Meter-Schiessanlage zusammen mit seinem Team von drei Zivildienstleistenden und einer Praktikantin nach invasiven Neophyten. Die gebietsfremden Pflanzen werden mitsamt der Wurzel entfernt und in einen Müllsack gesteckt. Diese Arbeit ist wichtig, weil sonst langfristig eine monokulturähnliche Landschaft entstehen würde, welche die Biodiversität der Schweiz gefährdet, denn invasive Neophyten haben in der Schweiz kaum natürliche Feinde, die den Pflanzenbestand regulieren könnten. Neben den Neophyten gibt es auch invasive Neozoe. So zum Beispiel wurde der Asiatische Marienkäfer ursprünglich zur biologischen Bekämpfung von Blattläusen in Gewächshäusern eingesetzt und hat sich mittlerweile draussen in der Natur dermassen unkontrolliert vermehrt, dass er inzwischen die über 80 einheimischen Marienkäferarten bedroht. «Das Gleichgewicht des Ökosystems kann durcheinandergeraten, deshalb kann man zur Bekämpfung invasiver Neophyten nicht einfach irgendwelche fremden Organismen einführen, ohne die Folgen zu kennen», sagt Eichenberger. Die Art der Bekämpfung sei von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich, erklärt er. Die Nordamerikanische Goldrute beispielsweise kann im Frühling gemäht oder ausgerissen werden. Diese Methode ist hingegen für den Riesenbärenklau, dessen weisse Blütenstände eine Wuchshöhe von zwei bis drei Meter erreichen, weniger geeignet. Der Hautkontakt mit dieser Pflanze – insbesondere bei direkter Sonneneinstrahlung – führt zu Hautentzündungen und kann Verbrennungen zweiten Grades hervorrufen. Werden die Pflanzen unsachgemäss entfernt, können sie wieder austreiben oder versamen. Der Samenvorrat im Boden kann auch nach Jahren, bei gewissen Arten nach Jahrzehnten, noch auskeimen. Auch Sträucher und Bäume wie Sommerflieder, Essigbaum, Robinie oder Götterbaum gelten als invasiv. Diese Pflanzen werden entweder mitsamt den Wurzeln ausgegraben oder man entfernt 80 Prozent des Borkenumfangs. Durch dieses sogenannte «Ringeln» wird der Nährstoff- und Wassertransport unterbrochen und die Bäume sterben innerhalb einiger Jahre langsam ab. Würde man die Bäume fällen, würde die Pflanze in Stress geraten und eine Wurzelbrut ausbilden. Das bedeutet, dass anstelle eines Baumes plötzlich beliebig viele Bäumchen aus den im Boden verbleibenden Wurzeln austreiben würden.

    Neophyten im Garten, ein Problem

    In vielen Gärten pflanzen Menschen unwissentlich invasive Neophyten, wie zum Beispiel Kirschlorbeer oder Sommerflieder an. Genau darin sieht der Fachmann ein grundlegendes Problem: Es bräuchte ein nationales Gesetz, welches den Verkauf dieser Pflanzen verbietet. «Während wir mit viel Aufwand invasive Neophyten bekämpfen, werden sie weiterhin verkauft», sagt Eichenberger. Das führt zu absurden Situationen, in denen der Verein Naturnetz auf einer Seite eines Zauns Pflanzen ausreisst, während sie wenige Zentimeter entfernt, auf der anderen Seite, auf Privatgrund, munter weiterwachsen und sich erneut auf die bekämpfte Fläche verbreiten können. «Das ist frustrierend», meint Eichenberger. «Dazu kommt, dass die Leute ihre Pflanzen unsachgemäss entsorgen, so, dass sie sich zum Beispiel im Unterholz unkontrolliert vermehren. Aber nicht nur Menschen, sondern auch Tiere tragen zur Weiterverbreitung bei, indem sie die Samen passiv in ihrem Fell transportieren oder die Beeren fressen und die Samen zusammen mit dem Kot weit entfernt wieder ausscheiden. Zudem werden insbesondere an stark befahrenen Verkehrswegen durch den Individualverkehr oder die Bahn Samen durch den Wind aufgewirbelt und über weite Strecken mitgeschleppt. Eine wichtige Rolle spielt auch der Umgang der Politik mit diesem Thema. Werden zum Beispiel in einem Kanton die Neophyten am Ufer eines Gewässers stehen gelassen, können diese bei Hochwasser flussabwärts getrieben werden. Der Wurzelstock des Japanischen Staudenknöterichs wird so von einem Kanton in den nächsten verschleppt. «Wir können den Knöterich zwar jährlich bei uns entfernen, aber solange die Ursache flussaufwärts nicht behoben wird, ist das eine Sisyphusarbeit.»

    Integrierte Neophyten

    Zu den Neophyten zählen aber auch wertvolle Nutzpflanzen wie zum Beispiel die Kartoffel, die Tomate oder die Sonnenblume. Die meisten stellen keine direkte Bedrohung für die Artenvielfalt in der Schweiz dar. Viele von ihnen bieten Nektar für Insekten, dienen als Heilpflanzen oder können zum Färben von Textilien verwendet werden. Im Verhältnis sind es nur wenige, die invasiv sind und deshalb bekämpft werden müssen.

    Nach diesem Halbtag ist klar, wieso diese Arbeit wichtig ist, wenn die Biodiversität und die einheimische Flora geschützt werden soll. Seit langem fordert Pro Natura die Aufnahme weiterer invasiver Pflanzenarten in die Freisetzungsverordnung des Bundes – und somit ein Verkaufsverbot. Immerhin kostet die Bekämpfung der Neophyten die Steuerzahler*innen jährlich über 20 Millionen Franken.

  • Der Pseudonymphe entwachsen

    Neulich wollte eine neugierige Leserin dieser Zeitung wissen, warum ich nur ein Pseudonym sei. Die Redaktion wusste es (wie immer) auch nicht und fragte mich direkt an. Also via Mail natürlich, denn Pseudonyme treten ja nirgends leibhaftig auf. «Nur» ein Pseudonym? Werte Dame, das «nur» verbitte ich mir, denn als Pseudonym kommt man nicht zur Welt, das muss man sich erarbeiten. Hart. Es ist ein Werdegang.
    Wie jedes anständige Pseudonym wollte auch ich zuerst unter meiner wahren Identität weltberühmt werden. Wie Madonna, gepaart mit Hemingway und einem bildenden Künstler, dessen Namen ich vergessen habe. Aber dann schaute ich mir deren Leben an. Die eine kann unerkannt keinen Schritt mehr machen, der andere ist tot und der dritte? Wer war das gleich? Also entschied ich mich, noch bevor ich überhaupt über meine potenziellen Fähigkeiten nachdachte, für ein Leben in totaler, immerwährender, zeitloser Freiheit. Eben als Pseudonym.
    Das Larvenstadium des Pseudonyms ist die Pseudonymphe. Ein Ferkel, wer da eine falsche Assoziation macht, denn Nymphen sind grundsätzlich einfach Naturgeister, die sich durch die griechische Mythologie tummeln. In der Zoologie – nun kommen wir mir näher – werden Jungtiere verschiedener Gliederfüssler als Nymphen bezeichnet. Also Tausendfüssler, Spinnentiere und Entenmuscheln zum Beispiel. Sie ähneln ihren Erwachsenen Artgenoss*innen schon in jüngsten Tagen. Da musste ich also durch und übte mich im stillen Kämmerlein. Zuerst singend und bildhauernd, doch nach zwei Wohnungskündigungen verlegte ich mich auf das stille Gewerbe des Schreibens und durfte sesshaft bleiben. Meine ersten Pseudonymphen-Texte waren Leserbriefe unter falschem Namen, was mich daran erinnert, dass die deutsche Grammatik das «Pseudo» wie die Nymphe den Griechen geklaut hat, bei denen «pseudos» für «falsch» oder «lügenhaft» steht (wobei ich mir Letzteres verbitte). Um von der «-nymphe» zum «-nym» (übrigens eine Abkürzung von «onyma», für «Name», und klar, wem wir das geklaut haben). zu werden, musste ich dann den Sprung aus den Leserbriefspalten schaffen. Der Rand dieser Spalten ist relativ hoch. Gletscherspaltenmässig hoch, hätte ich beinahe gesagt, doch das ist heute ja auch kein imposanter Wert mehr. Nicht egal, doch nach mehreren Versuchen schaffte ich es, hob erstaunt den noch vom Anstieg in die dünne Luft wirren Kopf und fand mich wo wieder? Direkt im «Höngger». Ok, jedes Pseudonym fängt mal klein an. Und ich darf mich hier austoben. Was nach der Pseudonymphe und dem Pseudonym kommt? Keine Ahnung, wie das Altersstadium eines Pseudonyms heisst. Pseudonyke? Pseudonylonstrumpf? Alles, bloss kein Pseudonout.

    Es grüsst, wahrhaftig
    Frank Frei

  • Malen zwischen zwei Welten

    Malen zwischen zwei Welten

    Marta Elizondo, die Leiterin des Kulturzentrums, begrüsste die Gäste mit einer kurzen Rede. Elizondo war es, die vor 20 Jahren das Zentrum gründete. «In dieser Zeit sind verschiedene künstlerische Kreationen entstanden», erklärt sie. Nicht nur Ausstellungen, auch Theateraufführungen, Videopräsentationen, Konferenzen, Debatten, Lesungen und Buchpräsentationen fanden schon statt. Damit soll lateinamerikanische Kunst verbreitet und der Kunstaustausch gefördert werden. Die Künstlerin wurde sodann mit einer Laudatio von Cynthia Ringgerberg geehrt.

    Kulturkontrast

    Zum 20 Jahre Jubiläum stellte die in Mexiko geborene Künstlerin Fabiola Quezada ihre Bilder aus. Farbenfroh, naturverbunden und wild kommt die Ausstellung «Ewiges Abenteuer» daher. Im Zentrum der gezeigten Arbeiten stehen meist Pflanzen: Sonnenblumen, Lilien oder Kakteen zum Beispiel. Eine wichtige Inspiration für sie, erklärte Quezada im Gespräch, sei der Kontrast der Kulturen, den sie erlebe. «Die zweite Hälfte meines Lebens verbrachte ich in der Schweiz, aber trotzdem hat Mexico noch eine grosse Bedeutung für mich», sagt sie. Diesen Kontrast zwischen den Welten will sie auch in ihren Bildern vermitteln, und die kulturellen Einflüsse der Schweiz und Mexikos vermischen. Die Werke für die Ausstellung entstanden jedoch grösstenteils in Mailand, wo sie ein Atelier hat. Einige dieser Gemälde konnte sie leider nicht in die Schweiz transportieren, weil sie schlichtweg zu gross waren. Quezada malt gerne auf riesigen Leinwänden – aber auch sehr kleine Bilder sind in der Ausstellung zu finden.

    Menschliche und pflanzliche Körper

    Neben Pflanzen spezialisierte sich die Künstlerin auch auf den menschlichen Körper. Für diesen Anlass beschloss sie zusammen mit Marta Elizondo, sich auf Pflanzenmotive zu beschränken. Doch für Quezada sind die Grenzen zwischen menschlichen und pflanzlichen Körpern oft gar nicht so klar: «Wenn ich eine Blume male, dann sehe ich immer auch einen Körper darin.» Für Quezada hat die Malerei immer zwei Ziele. Zum einen ist es die Botschaft, die übermittelt werden soll: «Bei der Kunst geht es nicht nur ums Machen, es geht auch ums Denken.» Der zweite wichtige Aspekt sei die Ästhetik, ohne diese sei ein Werk nicht Kunst, sondern Philosophie, findet Quezada. Bevor die Künstlerin jeweils zu malen beginnt, sieht sie nie die weisse Leinwand, sondern sie stellt sich immer schon die Farben vor. Trotzdem komme es am Schluss meist nicht genau so heraus, wie sie es sich anfänglich vorstellt: «Das Endprodukt ist für mich immer eine völlige Überraschung.»

    Die Ausstellung von Fabiola Quezada ist noch bis am 28. September zu sehen. Finissage: Samstag, 28. September, 18 Uhr, mit Lyrikabend. Centro Cultural Hispanoamericano, Riedhofstrasse 354. Die Ausstellung ist geöffnet von Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung.

  • 285 Meter um komplett kirre zu werden

    Hi Frank, hier spricht der Bordcomputer deines selbstfahrenden Autos. Übernimm doch mal eben Steuer, Gas und Bremse, denn ich muss mich voll auf diese 285 Meter Regensdorferstrasse konzentrieren, hier, zwischen Wieslergasse und Meierhofplatz. Ich werde laut vor mich hindenken, aber lass dich nicht davon ablenken.
    Also los: 8 Meter, ein Fussgängerstreifen über den gemäss blauem Signal nur Männer mit Hut dürfen. Rechts warnt mich zudem ein Plakat, dass jederzeit Kinder aus dem Gelb des Fussgängerstreifens spicken können. Ich habe da meine Zweifel und prompt weist mich 25 Meter weiter ein Pfeil nach links zu diesen, was mich aber nur rätseln lässt, Mi gross doch meine Rechenleistung sein müsste, um das zu verstehen.
    Oh Gott, jetzt bricht rechts das totale Chaos aus. Halteverbot in beide Richtungen, höchstens Tempo 30 und 16 Meter weiter zwickts mich am Avia: Die Tempozone 30 wird aufgehoben, darunter aber gleich Tempo 30 vorgeschrieben, wobei das egal ist, ich müsste sowieso anhalten, weil ich keinen Vortritt habe – oder würde der nur gelten, käme ich aus der Riedhofstrasse? Jedenfalls sollte ich hier gleichzeitig zur Veloprüfung rechts abbiegen, was ich aber ignoriere, weil ich trotz allem noch immer überzeugt bin, ein Auto zu sein. Also weiter mit 30, allerdings total verunsichert. Ich stottere mir besser schon Ausreden zusammen, sollte dieser Höngg-bekannte Polizist hinter dem nächsten Signal hervorspringen. Wenigstens sagt mir die Gesichtserkennung meiner Rückspiegelkamera, dass er nicht auf seinem Roller hinter mir fährt. 24 Meter links ein Parkhausschild, «Im Brühl», darunter grün «Frei». Google meldet mir ungefragt 28 deiner Kolumnen online. Dass mir gleichzeitig rechts ein rot-weisser Kasten signalisiert, dass ich mich endlich selecta soll, verwirrt mich kaum mehr. 17 Meter weiter und es würde rechts das Bord runter in ein Parkverbot gehen, in dem lauter Autos vor Parkuhren stehen. Bestimmt sind deren Bordcomputer durchgeschmörzelt. Kein Wunder, mir wird es ja auch total fugu ohne überhaupt nach links zu schauen. Wie dem Manndli mit Hut auf dem nächsten Signal, das hier wieder auf die andere Strassenseite soll. Ausser es wäre denn auf ein Fahrrad umgestiegen wie auf diesem kleinen Signal, das mir unter dem blauen Signal dunkelrot und mit einem «przg» anzeigt ich soll leicht rechts halten, um dort den Weg mit Männern zu teilen, die ein kleines Kind an der Hand halten (Nein, hier wird nichts gegoogelt!). Was die übereinanderstehenden Buchstaben «F», «C» und «Z» auf diesem Schild sollen? Keine Ahnung! Von der anderen Seite (mit dem Hinweis auf eine «Zürcher Südkurve» aufgepeppt) muss das Manndli übrigens gleich wieder zurück, bis in alle Ewigkeit. Damit der arme Sisyphos das tun kann, hat man beidseits ein Halteverbot signalisiert, was mich aber verwirrt, weil ich wegen des Vortrittsrechts des Manndlis ja doch halten müsste. Kaum wieder angefahren würde ich rechts an einer Verkehrsinsel vorbei und, wenn ich nicht aufpasse, in ein Parkhaus «Hönggermarkt» hineindirigiert, wo ich gemäss grüner Anzeige unter 91 Plätzen wählen soll, obwohl Höngg seit Jahrzehnten keinen echten Markt mehr hat. Doch mein Frank steuert mich und mein Auto weiter.
    In 30 Metern endet das Halteverbot, sagt mir dort ein Schild, dann muss ich mein Velo mit einem roten Balken zweiteilen und zur Veloprüfung links abbiegen, um nach Wipkingen auf den Hönggerberg zu kommen. Logisch, oder? 25 Meter und ein Halteverbotsschild sagt mir, das gelte dann also im Fall in beide Richtungen. Wie nun, das wurde doch vorher eben aufgehoben? Wenigstens sagt mir an diesem Pfosten ein Schild deutlich, dass ich höchstens 30 fahren soll. Ja, himmela….undzwirn, ich hab’s ja kapiert! Links wirbt eine Schrift für «Froid am Velo», die ich nicht habe, weil meines ja seit 53 Metern zweigeteilt ist. Gleich rechts von mir zeigt ein Pfeil unter einem blauen «P» mit Zürcher Südkurve nach rechts. Folge ich ihm, lande ich in einem Fahrstuhl, ja coopferdamminomal! Dabei ist doch noch immer totales Halteverbot, das total haltlos ist, weil ich vor dem Meierhofplatz im Stau stehe. Ups, jetzt rechts abbiegen und dann, endlich eine klare Ansage: ein Rotlicht! Danke, das verstehe ich, stehe und frage mich, warum hier Velofahrer zur City geradeaus und doch in eine Zürcher Südkurve sollen. Nach so vielen Südkurven ist das doch längst ein Kreisverkehr und die haben keine Himmelsrichtungen!
    Frank? Hallo? Bist du noch am Steuer oder während der Fahrt rausgehechtet? Geht ja, wir waren ja nur mit 30 unterwegs. Oder so. Und sorry, dass ich sicher die maximale Zeichenzahl überschritten habe, aber da konnte ich nicht auch noch mitrechnen.

    Es grüsst die nun total schizophrene Navigation Ihres
    Frank Frei

  • Neo-was? Exotische Pflanzen in Höngg

    Neo-was? Exotische Pflanzen in Höngg

    Im Sommer leuchten seine roten Kolben wie kleine Lampions, im Herbst verfärbt er sich erst gelb, dann orange und schliesslich Karmesinrot: Der Essigbaum ist sehr schön anzusehen, steht aber auf der Schwarzen Liste der sogenannt invasiven Neophyten. Gelangt die Pflanze in die freie Natur, verwildert sie in dichten Beständen und verdrängt die einheimische Pflanzenwelt. Ihr Milchsaft kann ausserdem zu Haut- und Augenentzündungen führen. Doch was sind eigentlich Neophyten?

    Manche Neophyten sind gesundheitsschädigend

    Neophyt heisst wörtlich übersetzt «neue Pflanze» und bezeichnet Arten, die erst nach der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 absichtlich oder aus Versehen eingeschleppt wurden und verwildert sind. In der Schweiz ist die Mehrheit der rund 550 Pflanzenarten gut integriert und hat die heimische Flora sogar bereichert. Zurzeit gelten in der Schweiz lediglich 41 Arten als nachweislich, und 17 Arten als potenziell schädliche invasive Neophyten. Im Gegensatz zu anderen gebietsfremden Arten breiten sie sich sehr stark aus und verdrängen die heimische Flora und Fauna. Sie können in der Land- und Forstwirtschaft zu Ertragsausfällen führen und Vieh gefährden, manche sind auch für den Menschen eine gesundheitliche Gefahr, so zum Beispiel Ambrosia, Riesenbärenklau oder das Schmalblättrige Greiskraut. Diese sind – unter anderen Pflanzen – gemäss Freisetzungsverordnung (FrSV) verboten; Verboten bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Verkaufen, Verschenken, Züchten und Anpflanzen nicht erlaubt ist. Insbesondere Ambrosia gilt als sehr gefährlich. Da Ambrosiasamen auch in Vogelfuttermischungen enthalten sein können, müssen die Futterstellen besonders beobachtet werden. Die Samen bleiben über zehn Jahre keimfähig.

    Auf Ersatzpflanzen setzen

    Patrik Wey von Pawi Gartenbau in Höngg trifft auf seiner Arbeit oft auf Neophyten. Wo möglich, macht er die Hauseigentümer auf die unerwünschten Gäste aufmerksam, was nicht immer einfach ist, weil bei Mietshäusern die Besitzer meist woanders wohnen. «Aber jeder, der selber eine Liegenschaft besitzt, ist mit Sicherheit daran interessiert, keine invasiven Neophyten im Garten zu haben», meint der Fachmann, «denn sie können auch Gebäude beschädigen». Manchmal trennen sich die Leute aber ungern von den Pflanzen, weil manche von ihnen sehr schön blühen oder sich im Herbst prachtvoll verfärben. «Da können wir als Gärtner auch nichts machen, ausser Ersatzgewächse vorzuschlagen – es gibt für jeden Neophyten mindestens eine heimische Pflanze, die genauso schön ist». Anstatt des Kirschlorbeer aus Kleinasien könne man zum Beispiel Eibe oder Stechpalmen pflanzen, das «Einjährige Berufskraut», leicht zu verwechseln mit Margeriten, könne durch echte Margeriten oder Gänseblümchen ersetzt werden. In der Stadt Zürich setzte man bislang auf Aufklärung der Privateigentümer, um diese zum Ersetzen von Neophyten zu motivieren. Von anderen Gemeinden wie Thalwil weiss Wey aber, dass dort die Zuständigen Kontrollgänge machen und die Hauseigentümer*innen auffordern, die Neophyten zu vernichten. «Wird der Aufforderung nicht nachgekommen, setzt die Gemeinde die Massnahme selber durch und schickt eine Rechnung». Wenn er selber bei seiner Arbeit auf einen grossen Neophytenherd stosse, melde er es bei Grün Stadt Zürich, dann kümmerten die sich für gewöhnlich darum.
    Welchen Schaden Neophyten anrichten können, zeigt sich am Beispiel des Japanknöterichs. Das mehrjährige Kraut, das ein bis drei Meter hoch werden kann, kommt oft an Bach- und Flussläufen vor, wo es die natürliche Ufervegetation und in der Folge die davon abhängigen Tiere verdrängt. Die im Winter kahlen Böschungen erodieren und die Wurzeln der Pflanze machen die Uferbefestigung unsicher, so dass der Hochwasserschutz nicht mehr gewährleistet ist.

    Der Aktionsplan der Stadt

    Gibt man auf dem GIS-Browser des Kanton Zürich (Adresse siehe Infobox) «Neophyten» in die Stichwortsuche ein und zoomt auf Höngg, erscheinen viele farbige Quadrate. Jede Farbe steht für eine andere Art von Neophyten. Besonders häufig kommen rote und gelbe Kästchen vor, die roten stehen für das bereits erwähnte Einjährige Berufskraut, das wahrscheinlich oft als Margerite wahrgenommen wird, und die gelben für die Goldrute, die wegen ihrer leuchtend gelben Blüten sehr beliebt ist. Auch Armenische Brombeeren und Kirschlorbeer – beide auf der schwarzen Liste, siehe Infobox – finden sich relativ oft. Grün Stadt Zürich hat in ihrem «Aktionsplan invasive Neophyten» vom März 2016 die Verantwortlichkeiten und Massnahmen im Umgang mit auf der Schwarzen Liste und der Watchlist aufgeführten Blütenpflanzen festgehalten. Auf Stadtgebiet sind es rund 30 Arten an 5000 Standorten. Auf ihren eigenen Flächen bekämpft Grün Stadt Zürich sie bereits seit rund zehn Jahren und konnte in dieser Zeit die negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt lokal begrenzen und auf ein geringes Mass reduzieren. Die gesundheitsgefährdenden Arten Ambrosia, Riesen-Bärenklau und Schmalblättriges Greiskraut konnten bereits ausgemerzt werden. Dennoch befürchtet die Dienststelle, dass sich das Problem im Zuge der klimatischen Veränderungen ohne entsprechende Massnahmen wieder verschärfen kann. Neben der eigentlichen Bekämpfung gehören die jährliche Kontrolle und das Erfassen des Bestandes, das Führen einer Schwarzen Liste mit verbotenen Pflanzen sowie ein Bildungsangebot für städtische Stellen und Private zu den formulierten Massnahmen. Private Eigentümer*innen, Genossenschaften und Kapitalgesellschaften werden spezifisch angegangen. Für die Umsetzung des Aktionsplans wurde eine 50-Prozent-Stelle geschaffen, die Kosten für das Projekt belaufen sich jährlich auf etwa 350’000 Franken. 2020 wird nach vorgängiger Evaluation entschieden, inwiefern der Aktionsplan weitergeführt werden soll.

    Neophyten im Garten – was nun?

    Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) hat eine Zusammenstellung der acht häufigsten Neophyten, die als Unkraut in Gärten anzutreffen sind, publiziert (siehe Link in Infobox). Darin wird auch beschrieben, wie die einzelnen Pflanzen fachgerecht entfernt werden. Beim Ausreissen muss die gesamte Pflanze inklusive Wurzeln vor der Samenbildung herausgezogen werden. Wenn Mähen als Art der Bekämpfung möglich ist, muss dies vor der Blüte und je nach Art mehrmals pro Saison gemacht werden, gleiches gilt für das Zurückschneiden von Pflanzen. Herbizide dürfen nur nach Abklärung mit einer Fachperson verwendet werden. Manche Pflanzen müssen ausgegraben und teilweise mit dem Erdmaterial entsorgt werden. Nach der Bekämpfung müssen Wurzeln, Stängel, Blüten und Blätter fachgerecht beseitigt werden. Welche Neophyten welcher Behandlung bedürfen, kann ebenfalls im Flyer des AWEL nachgelesen werden. Für den Link und  andere Informationsmaterialien siehe unten.

    Informationsblätter zum Herunterladen

    Schwarze Liste und Watch Liste Neophyten

    Praxishilfe invasive Neophyten (Kanton Zürich)

    Exotische Pflanzen – eine Übersicht (AWEL)

    Verbotene invasive gebietsfremde Organismen

    Informationen und Beratungen Neophyten allgemein:
    GIS Browser Vorkommen Neophyten https://maps.zh.ch/
    Neobiota-Kontaktperson www.neobiota.zh.ch > Gemeinden
    Meldepflicht bei Ambrosia: www.ambrosia.zh.ch
    Grün Stadt Zürich > Beratung und Wissen > Pflanzen > Problempflanzen

    Private Personen können Neophyten melden unter
    www.awel.zh.ch > Biosicherheit & Neobiota > Neobiota

    Quellen:
    www.neophyt.ch
    www.neobiota.zh.ch
    AWEL Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft
    Grün Stadt Zürich

  • Letztlich zählt nur die Sicherheit

    Letztlich zählt nur die Sicherheit

    Wenn es um die Zusammenarbeit zwischen Apotheken und der Ärzteschaft geht, erinnert man sich in Zürich schnell mal an den Streit zwischen diesen beiden Playern des Gesundheitswesens, der sich lange Jahre um die Frage drehte, ob Medikamente nur in Apotheken oder auch in Arztpraxen abgegeben werden dürfen. Wer Medikamente verkaufen darf, ist kantonal geregelt. So ist, zum Teil mit Ausnahmen, in 17 Deutschschweizer Kantonen die sogenannte Selbstdispensation, also die Abgabe von Medikamenten direkt durch die Arztpraxis, erlaubt, während sie in der Westschweiz und im Tessin nicht bekannt ist.

    Auch im Kanton Zürich war die Selbstdispensation seit den 1950er-Jahren nicht gestattet, zumindest in den Städten Zürich und Winterthur nicht, um die dortigen Apotheken finanziell zu schonen. Im restlichen Kanton war sie indes unter gewissen Voraussetzungen – zum Beispiel einer Mindestdistanz zur nächsten Apotheke – erlaubt. Doch ab 2001 wurde mittels Volkinitiativen die Wahlfreiheit beim Medikamentenbezug gefordert, denen das Volk allen zustimmte. Erst im dritten Anlauf und mit einer Gesetzesinitiative gelang der Durchbruch, und seit Mai 2012 ist die Selbstdispensation im ganzen Kanton erlaubt. Wurde alles anders? Begrenzt: Ende 2013 gaben erst rund 20 Prozent aller Ärzte in Zürich und Winterthur selber Medikamente ab, und auch wenn der Anteil seither weiter angestiegen ist, so geht man doch nicht davon aus, dass er das Prozent-Niveau des restlichen Kantonsgebiet erreichen wird. Ein Grund, warum Arztpraxen darauf verzichten, ist der zusätzliche Aufwand.

    Der damals heftig geführte Streit zwischen Ärzteschaft und Apotheken ist mittlerweile abgeflaut, auch wenn weiterhin auf beiden Seiten Studien und Publikationen kursieren, welche Nutzen oder Schaden der Selbstdispensation aufzuzeigen versuchen. Eine im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) im Sommer 2013 durchgeführte Studie kam indes zum Schluss, dass Selbstdispensationspatienten in der Regel zwar niedrigere Medikamentenausgaben verursachen und häufiger Generika verschrieben bekommen, dafür aber die Ausgaben für ärztliche Leistungen höher sind, was letztlich dazu führe, dass die Selbstdispensation kaum einen Einfluss zu Lasten der obligatorischen Leistungen der Krankenkassen und deren Prämien habe.

    Kritischer sind Bestellungen im Internet

    Gefragt, ob der damalige Zwist heute noch ein Thema sei, antwortet Apothekerin Katharina Hermann von der Rotpunkt Apotheke und Drogerie Hönggermarkt mit einem zögerlichen Ja, schränkt aber dieses noch ein: «Es kam nicht so schlimm, wie man damals befürchtete. In Höngg stellen die meisten Arztpraxen Rezepte aus und einige, die selber Medikamente abgeben, fragen ihre Patienten und Patientinnen, ob sie die Medikamente gleich mitnehmen oder lieber in der Apotheke beziehen wollen». Das findet Hermann fair und hofft, dass dies auch in Zukunft, wenn Praxen in jüngere Hände übergehen, so bleibt.
    Kritischer sieht die Apothekerin Medikamentenbezüge über das Internet, bei Online-Apotheken. Einige Krankenkassen fördern dies sogar über Prämienanreize. Gleich wie den Einkauf in nur einer bestimmten Apotheke. Nach Hermanns Einschätzung bewegen sich die Kassen damit in einem Graubereich, denn das Gesetz schreibe die freie Wahl der Medikamenten-Bezugsstelle ebenso vor wie die freie Arztwahl.
    Die Kundschaft jedenfalls, so sagt sie, bevorzuge oft die Apotheke, weil dort ein weiterer persönlicher Kontakt stattfinde und damit auch das «Vieraugenprinzip» wirke: Je mehr Personen sich mit einer Verordnung auseinandersetzen, desto höher die Chance, Fehler rechtzeitig zu entdecken.
    Im Alltag, so Hermann, frage sie mehrfach täglich irgendwo nach, ob eine Medikation korrekt sei.

    Erfahrung und Daten bringen Sicherheit

    Grossmehrheitlich, betont Hermann, laufe die Zusammenarbeit zwischen den Apotheken und den Arztpraxen, die Rezepte ausstellen, sehr gut. Bei Rezepten denkt man gerne mal an schwer entzifferbare Handschriften. Die Apothekerin schmunzelt: «Das ist weniger ein Thema als früher, da immer mehr Rezepte digital ausgedruckt werden». Sei etwas wirklich mal nicht lesbar, frage man eben nach. Nebst der Kundschaft, die mit den Rezepten direkt kommen, gelangen auch viele Rezepte per Mail oder Fax zur Apotheke. Auch jene, welche von den Kund*innen bei der Praxis bestellt werden, damit man die Medikamente dann nur in der Apotheke abzuholen oder sich liefern zu lassen braucht. «In Höngg sind wir zudem in einem Pilotprojekt, welches die Rezepte direkt aus dem Computersystem der Praxis in unseres übermittelt», erzählt Hermann. Das funktioniere gut, abgesehen von wenigen Kinderkrankheiten bei den Schnittstellen der Programme, und es vermindere potentielle Fehlerquellen. Daten über Kunden und Medikamente, ob nun so übermittelt oder sonst erfasst, müssen von den Apotheken während zehn Jahren gespeichert werden, um Rückfragen beantworten zu können. Doch sie sind nur lokal gespeichert, auch unter den vier Rotpunkt-Apotheken in Höngg hat man gegenseitig keinen Zugriff, übrigens auch nicht auf die Daten der Kundenkarten.
    Wird ein Rezept eingelöst, prüft ein Interaktionsprogramm im Datensystem automatisch bis auf ein Jahr zurück abgegebene Medikamente mit dem neuen: auf Unverträglichkeiten oder pharmazeutisch unerwünschte Interaktionen. Wird etwas entdeckt, zeigt es dies der Apotheke an. Doch unabhängig davon wirft auch die Apothekerin einen prüfenden Blick auf die Medikation: «Wir fragen im Gespräch auch immer nach andernorts bezogenen Medikamenten, die ja von keinem System erfasst werden. Stossen wir auf mögliche Unverträglichkeiten, schauen wir genauer hin». So gibt es beispielsweise Medikamente, die man nicht zeitgleich einnehmen soll: «Schilddrüsenhormone und Kalziumpräparate zum Beispiel: Sind beide am Morgen verordnet, so schieben wir, auch ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt, das Kalziumpräparat auf den Mittag oder den Abend, das kann man auch dann einnehmen, wogegen das Schilddrüsenhormon eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden muss». Erkennt man in der Apotheke eine pharmakologische Wechselwirkung zweier Medikamente, so muss ein Anruf in die Praxis die Situation klären. Hermann nennt das Beispiel eines nur für ein paar Tage verordneten Antibiotikums, das sich nicht mit einer anderen Grundmedikation verträgt. So funktionieren gewisse Antibiotika etwa nicht mit Cholesterinsenkern, zum Beispiel Statin: «da muss man klären, ob nicht auch ein anderes Antibiotikum eingesetzt werden kann oder ob man, wenn der Krankheitserreger nur auf dieses bestimmte Antibiotikum reagiert, das Statin für die Dauer der Antibiose pausieren kann». Die Entscheidung liegt letztlich natürlich in ärztlicher Kompetenz, doch, so Hermann, um die Rückfrage und die gemeinsame Suche unter Fachpersonen nach einer Lösung seien die meisten Ärzt*innen froh.
    Sie persönlich findet es sehr bereichernd, wenn sie mit der Ärzteschaft zusammenarbeiten und das Potenzial des vereinten Fachwissens ausschöpfen kann – der Zwist von damals scheint zumindest in Höngg begraben.

  • Recycling als Amüsement

    Neulich sandte mir die Redaktion ein Leserfoto, das von mir stammen könnte. Ein Bild, wie es die Redaktion offenbar regelmässig bekommt, sagt sie. Ein Abfallbild. Nein, nicht eines, das nicht verwertet werden kann, sondern eines, das Abfall zeigt: Diverse PET- und andere Flaschen, fein säuberlich gesammelt, ordentlich zerdrückt, in eine Einkaufstüte gesteckt, zur Recyclingstelle getragen und dort – an den Wegrand gestellt. Was für eine unglaubliche Sauerei. Und sowas in der Schweiz, dem Land, in dem Altpapier zuerst gebügelt wird, bevor man es zu perfekten Kuben gebündelt an den Strassenrand stellt. Ja, man mag sich darüber aufregen. Ist mir auch schon passiert. Hab’ ich mir aber abgewöhnt und den Ärger zu Amüsement recycliert. Das Verfahren sollte ich patentieren lassen. Mach ich aber nicht, denn das widerspricht irgendwie dem Recyclinggedanken. Also rezitiere und recycliere ich es Ihnen gratis:
    Ärgern Sie sich nicht über so neben der Recyclingstelle entsorgtes Sammelgut, amüsieren Sie sich lieber über die grenzenlose Dummheit jener Flasche, welche diese Flaschen so entsorgt hat. Echt jetzt. Stellen Sie sich mal vor, was für ein immenser Aufwand diese Person betrieben hat: Zuerst Mineralwasserflaschen eingekauft und nach Hause geschleppt, dahin, wo das Leitungswasser bereits fast gratis fliessen würde. Dann die leeren Flaschen zerdrückt, über Tage hinweg gesammelt und in der Küche immer wieder über die halbvolle Tüte gestolpert. «Bärchen, wenn du schon rausgehst, nimm doch gleich noch die anderen Flaschen mit». Den Stich überhörend tut Bärchen wie geheissen – doch dann hat es da einfach keinen Einwurfschlitz für Plastikgebinde an dieser dämlichen Recyclingstelle des ERZ! («Bärchen, die wäre bei der Migros.» «Die hat aber zu. Und zudem steht hier ‹kein Einwurf nach 20 Uhr›. Was nun, Hasilein?» «Weiss auch nicht.») Also stellt Bärchen die Tüte mit dem Sammelgut einfach dort hin und zieht seines Weges, via ein Bier mit den Kumpels zurück zu Hasilein. Am nächsten Tag kommt dann der kleine Lastwagen des ERZ, ein fleissiger Mensch wirft die Tüte auf die Ladefläche und fährt am Ende des Tages damit – nein, nicht zur PET-Sammelstelle, sondern in die ganz normale Kehrichtverbrennungsanlage. Dort werden alle Flaschen, welche von einer anderen Flasche so brav gesammelt, zerdrückt und abtransportiert wurden, «thermisch verwertet». Also verbrannt.
    Sorry, ich kann nicht anders, mich amüsiert so viel Dummheit. Und ganz selten lasse ich mich dazu hinreissen, Bärchens am Wegrand deponierte Taschen auf dem Weg zum Einkaufen grossherzig mitzunehmen und korrekt zu entsorgen. Das ist das kleine Pfadi in mir. Gäbe es einen Recyclingschlitz für Dummheit, die Welt wäre besser dran. Leider hat noch niemand eine patente Idee, wie man Dummheit wiederverwerten könnte. Ausser durch Fortpflanzung.

    Mit Secondhand- Grüssen
    Frank Frei

  • Wenn Medikamente auf Reisen gehen

    Man macht Ferien in einem fremden Land und plötzlich sind die Kopfschmerzen da, aber die Tabletten sind zu Hause geblieben. In der Shopping Mall finden sich zwar 100er-Packungen mit Pillen, nur leider versteht man die Sprache nicht, in denen sie angeschrieben sind. «Wir empfehlen unseren Kund*innen, lieber zu viel als zu wenig mitzunehmen», sagt Angela Bär, eidg. dipl. Apothekerin, von der Apotheke zum Meierhof, «denn nicht immer befindet man sich in der Nähe einer Apotheke». Neben den üblichen Mitteln gegen Schmerzen, Übelkeit, Allergien und Durchfall gehören auch Verbandsmaterial und diverse Instrumente wie Pinzette oder Fiebermesser ins Gepäck. Besondere Aufmerksamkeit gebührt aber den täglich benötigten und möglicherweise rezeptpflichtigen Medikamenten.

    Einführungsbestimmungen variieren nach Land

    Wichtige Arzneimittel, die regelmässig eingenommen werden müssen, gehören unbedingt ins Handgepäck, am besten zusammen mit dem entsprechenden vom Arzt verordneten Rezept. Wenn der Koffer auf der Reise verloren geht, kann der Urlaub andernfalls unangenehm werden. Bei Medikamenten, die zu einer bestimmten Zeit eingenommen werden müssen, wie die Anti-Baby-Pille, gilt es, die Zeitverschiebung zu beachten. Bär empfiehlt, auch andere Medikamente am besten im Handgepäck zu führen, zu flüssigen Mitteln gibt es meist auch eine feste Alternative. Was am Zoll zu Problemen führen kann, sind sogenannte kontrollierte Substanzen. Das kann ein starkes Schlafmittel wie eine Benzodiazepin sein, oder Medikamente wie Ritalin, Valium, Anabolika, Methadon- oder Morphiumpräparate. Diese sind dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt und bedürfen innerhalb des Schengen-Raums einer offiziellen Bescheinigung durch die behandelnde Ärztin. Ausserhalb des Schengen-Raums empfiehlt die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte Swissmedic, sich direkt bei der konsularischen Vertretung des Ziellandes nach den dort geltenden Bestimmungen zu erkundigen, diese variieren nämlich von Land zu Land. Diese Abklärungen sollten frühzeitig getätigt werden, denn in manchen Destinationen muss erst eine Bewilligung für die Einführung eingeholt werden. Ohne eine solche einzureisen, kann in manchen Ländern zu hohen Haftstrafen – oder schlimmerem – führen. Also «better safe than sorry». Sofern die Mitnahme von Arzneimitteln mit kontrollierten Substanzen erlaubt ist, gilt in vielen Ländern eine Maximalmenge, die etwa einer 30-tägigen Behandlung entspricht. Wie hoch diese genau ist, bestimmt auch hier das Zielland. Nicht kontrollierte Substanzen kann man ohne Bescheinigung mitführen. Allerdings empfiehlt es sich auch hier nicht, übertrieben grosse Mengen Schmerzmittel einzupacken, wenn man sich am Zoll nicht ein paar unangenehmen Fragen stellen will. Es versteht sich von selbst, dass harte Drogen wie LSD, Heroin und Ecstasy zu keinem Zeitpunkt über die Grenze transportiert werden dürfen.

    Und nach der Ankunft?

    Als Apothekerin weiss Bär natürlich, welche Inhaltsstoffe welche Wirkung haben – einem Laien ist dies in der Regel unbekannt. Muss man dennoch einmal im Ausland auf die dortigen Medikamente zurückgreifen, empfiehlt sie deshalb, die Originalverpackung oder das Arztrezept in die Apotheke mitzunehmen, damit die Fachperson vor Ort einen passenden Ersatz finden kann. Ohnehin mache es Sinn, nicht nur die sogenannten Blister einzupacken, also die Behältnisse, in die die Tabletten eingeschweisst sind, sondern auch die Packungsbeilage oder eine Liste, wofür welches Präparat benötigt wird und wie die Dosierung ist. Da Medikamente wärme-, licht- und feuchtigkeitsempfindlich sind, müssen sie entsprechend geschützt werden. In heissen Ländern könnte eine Kühlbox nötig sein. Am besten lässt man die Medikamente im Hotelzimmer, aber nur wenn nötig im Kühlschrank – viele Medikamente bleiben auch bei leicht erhöhter Raumtemperatur über kürzere Zeit stabil.

    Mücken und die Sonne

    Was vor allem bei Reisen in heisse Länder nicht fehlen darf, sind Sonnen- und Mückenschutzmittel. Wie das Bundesamt für Gesundheit meldet, hat die Zahl der Dengue-Fieber-Fälle weltweit enorm zugenommen: «Wurde die Krankheit in den 1960er-Jahren nur bei 10‘000 bis 20‘000 Personen jährlich registriert, sind es momentan rund 50 bis 100 Millionen Fälle pro Jahr». Auch die geografische Ausbreitung hat sich vergrössert, so wurden in den USA, China und Japan Fälle gemeldet, und auch in Europa kam es bereits zu einzelnen Übertragungen, so in Kroatien, in Frankreich und auf Madeira. «Der grösste Teil der Erkrankungen wird unverändert in Mittel- und Südamerika, Zentralafrika, Südostasien und dem westlichen Pazifik verzeichnet», schreibt das Bundesamt. In den betroffenen Gebieten empfiehlt es sich, langärmelige, mit Insektiziden behandelte weite Kleider zu tragen, tagsüber und abends ein Mückenschutzmittel aufzutragen und unter einem Moskitonetz zu schlafen.

    Das Team in der Apotheke zum Meierhof ist speziell auf Sonnenschutz bei gesunder sowie besonders empfindlicher oder kranker Haut ausgebildet. «Wir beobachten, dass die meisten tendenziell viel zu wenig Crème auftragen», weiss Bär. Empfohlen ist eine Menge von 30 Milliliter pro Tag und Person, also mindestens 200 Milliliter in der Woche; wenn Nachcremen nötig ist, auch mehr. «Wer weniger grosszügig eincremt, verringert auch den Schutzfaktor». Besonders exponierte Stellen wie Ohren, Glatze, Lippen und Fussrücken nicht vergessen. Wichtig sei, dass auf der Flasche die beiden Zeichen UVB und UVA (in einem Kreis) angegeben seien. Der wirksamste Schutz seien weiterhin Hut und Kleidung sowie das Meiden der Sonne zwischen 11 und 15 Uhr. Bei gewissen Hautveränderungen neigt die Haut im Sonnenlicht zur sogenannten Hyperpigmentierung, der Bildung von braunen Flecken. In diesem Fall sollte direkte Sonnenexposition vermieden werden. Auch gewisse Medikamente wie gewisse Antibiotika, Aknemittel und einzelne Schmerzmittel, sowie Erkrankungen der inneren Organe, können die Haut empfindlicher machen. Bereits chronisch lichtgeschädigte Haut, leicht irritierbare Haut und frische Wunden oder Narben bedürfen einer besonderen Behandlung.

    Diese Serie wird finanziell, ohne redaktionell eingeschränkt zu sein, durch die vier Höngger Rotpunkt Apotheken und Drogerien unterstützt.
    Nächster Artikel: 15. August, «Apotheken und Ärzte»
    Alle Artikel online unter www.hoengger.ch/archiv/dossiers/ «Apotheken»

  • Tschüss, Höngger!

    Viereinhalb Monate sind wie im Turbo an mir vorbeigezogen, und schon ist es wieder vorbei mit meiner Zeit beim «Höngger». Zuerst einmal vorweg: Den Sinn des Lebens habe ich leider noch nicht gefunden. Trotzdem kann gesagt werden, dass ich einiges mitnehmen kann aus diesem Praktikum. Ich lernte nicht nur, Texte zu schreiben und zu redigieren, nein, auch befasste ich mich intensiv mit Photoshop: Wie können Autos aus einem Bild entfernt werden, sodass Parkplätze entstehen? Aber Spass beiseite!
    Ich durfte verschiedenste Leute kennenlernen und interviewen, von einer Schneckenbuchautorin über einen Stadtrat bis hin zu einem Spieleerfinder waren die unterschiedlichsten Menschen darunter. Auch bei den Besucher*innen der Redaktion konnte man nie wissen, was einen erwartete: Manche wollten die Ausstellung in den Redaktionsräumen bewundern, andere wollten ein Globi-Buch kaufen oder eigene Themenvorschläge einbringen. Sogar eine Touristengruppe kam einmal vorbei, um nach Reisetipps in Zürich zu fragen; sie hatten anscheinend nicht bemerkt, dass wir nur für Höngg und nicht für ganz Zürich ein Infozentrum sind.
    Nicht nur die Höngger*innen, auch Höngg selber lernte ich erst richtig kennen. Da ich unten Am Wasser wohne, habe ich in meinem bisherigen Leben nicht so viel davon mitbekommen, was «da oben» alles passiert. Auch Wipkingen durfte ich entdecken, auf Streifzügen durch das Quartier mit umgehängter Kamera kam ich an Orte, die ich zuvor noch nie gesehen hatte.
    Und für ebendiese Spalte, die Sie gerade lesen (falls Sie überhaupt so weit gelesen haben), bin ich wirklich dankbar. Ich durfte mich, ohne mir gross Gedanken dabei zu machen, über Gott und die Welt lustig machen, aufregen, erfreuen. Ich konnte Themen ansprechen, die mir persönlich wichtig waren, und hatte dabei alle Freiheit der Welt.
    Als ich früher am Meierhofplatz 2 vorbeiging, musste ich an die Bäckerei denken, die sich dort einst befunden hatte. Ich und meine Kolleginnen gingen jeden Donnerstag nach der Klavierstunde hinein, und bettelten um ein vertrocknetes Gipfeli. Seit diesem Praktikum werde ich wohl nicht mehr an irgendwelche Backwaren denken, wenn ich am alten Haus beim Meierhofplatz 2 vorbeilaufe, sondern an meine spannende Zeit beim «Höngger».

  • Witzewelle

    Die Schweiz litt vergangene Woche unter einer Hitzewelle – jeder Text, der so beginnt, würde ich im Moment sicher nicht lesen. Er würde mir Hitzepickel, juckende Rötungen in den Armbeugen und klebrige Schweissbäder im Schritt verursachen. Hitzewelle? Wenn ich das Wort nur schon höre! Bereits nach dem ersten Tag über 30 Grad überkam eine viel schlimmere Welle die Schweiz: Die mediale Hitzejammerwelle. Am Montag war es heiss und am Dienstag wurde auf allen Kanälen und in jeder Zeitung gejammert, als befände man sich gerade am Ende des Sommers vom vorigen Jahr. Liebe Medienmenschen, habt ihr so ein kurzes Gedächtnis? Erinnert sich noch jemand an den Hitzesommer 2018? Richtig, «Sommer» nicht «Tag» oder «Woche»! Nach einem bereits zu warmen Frühling schlugen die Monate Juni bis August fast alle langjährigen Rekorde, jene der Sonnenstunden wurden nach oben und jene der Regenmengen nach unten geknüttelt. Es war einfach nur heiss und eklig und man litt rund um die Uhr wie im Angesicht des Leibhaftigen im Vorhof der Hölle. Wir lebten 2018 in der Schwitz, nicht in der Schweiz. Und jetzt macht ihr so ein unsägliches Gejammer wegen einer einzigen Woche? Eine heisse Woche ist noch keinen Hitzewelle, auch wenn ab und zu eine einzelne Schwalbe gedünstet vom Himmel fallen sollte. Was ihr aus den paar Tagen gemacht habt, war eine Witzewelle (ja-ja, «lustig», ich weiss). Gut, der meteorologische Sommer dauert noch ein paar weitere Wochen und ihr habt gute Chancen, dass ihr euch als Propheten feiern lassen dürft. Nur werden euch bis dahin die Superlative ausgegangen sein, wenn ihr sie alle schon in der ersten Woche auf euren medialen Einweggrills verbrutzelt habt. Geht doch etwas sparsamer damit um: Legt ein paar ins Tiefkühlfach und setzt euch gleich dazu, das verlangsamt den Blutfluss im Gehirn und dann leidet ihr auch weniger unter dem Sommerloch – zur Not könnt ihr ja kurz ins Kühlfach nach den sauren Gurken greifen, der Blondtollenmann aus den verleidigten Staaten von Amerika füllt euch das Glas twitternd sicher regelmässig auf. Quasi ein Twittergewitter. Genau, Gewitter: Auch davon gab es diese Woche welche, ganz im Gegensatz zu letztem Jahr.

    Mit kühlenden Grüssen, sich in die Ferien verabschiedend
    Frank Frei