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  • Zwei Fachgebiete, die sich sinnvoll ergänzen

    Zwei Fachgebiete, die sich sinnvoll ergänzen

    Erst vor Kurzem erhielt das Team der Limmat Apotheke in Höngg Zuwachs von vier Drogistinnen, die zuvor in der Hönggermarkt Apotheke & Drogerie angestellt gewesen waren, welche diesen Herbst ihren Betrieb einstellen musste. Obwohl es in Höngg noch eine reine Drogerie gibt – die Centrum Drogerie an der Regensdorferstrasse – liegt die Kombination Apotheke und Drogerie im Trend. Dies nicht nur, weil sie Sinn macht, sondern auch aus weniger erfreulichen Gründen: Viele Produkte, die früher nur oder vor allem in Drogerien erhältlich waren, werden heute von Grossisten oder im Onlinehandel angeboten. Der Druck auf den Detailhandel macht also auch vor dieser Branche nicht Halt. Doch was unterscheidet denn nun eigentlich Apotheken von Drogerien?

    Von der Babynahrung bis zum Schädlingsbekämpfer

    Zur Herkunft und Geschichte der Apotheken erschien in dieser Serie bereits ein ausführlicher Bericht (siehe «Höngger» vom 28. März). Zum Thema Drogerien hat das Internet hingegen ungewöhnlich wenig zu sagen. Immerhin ist auf Wikipedia nachzulesen, dass der Name «Drogerie» nicht etwa vom deutschen Wort «Droge» stammt, sondern sich vom niederländischen Wort «droog» ableitet, das «trocken» bedeutet und im Mittelalter für getrocknete Gewürze oder Heilmittel verwendet wurde. Damals existierten bereits Arzneimittelhandlungen und Apotheker, welchen der Verkauf von Heil- und Giftkräutern lange Zeit vorbehalten war. In Deutschland und Österreich wurde es den sogenannten Drogerien Ende des 19. Jahrhunderts gestattet, ebenfalls Kräuter als Arzneimittel zu verkaufen. In der Schweiz, so ist im Historischen Lexikon der Schweiz nachzulesen, erstarkten die Drogeriegeschäfte vor allem im 20 Jahrhundert. In einzelnen Kantonen legitimierte der Einigungsvertrag der Berufsgruppen mit der Interkantonalen Kontrollstelle für Heilmittel, der Vorgängerin der Swissmedic, ab 1948 den Verkauf klassierter Heilmittel. Drogisten fertigten auf Wunsch selber Zahncrème und -pulver, Putzmittel, Kräutermischungen und sogar Franzbranntwein an. Artikel der Körperhygiene und Präservative waren lange Zeit nur in diesen Geschäften zu finden. Mit dem Aufkommen der Fotografie erweiterten die Drogerien ihr Sortiment um Chemikalien, die zur Entwicklung der Bilder benötigt wurden. Zu Beginn der Automobilzeit sei sogar Treibstoff im Angebot gewesen, weiss Wikipedia. Heute sind viele dieser Produkte aus den Drogerien verschwunden. Das Angebot ist dennoch sehr breit geblieben, ein Umstand, der sich auch in der Ausbildung widerspiegelt: «Drogist*innen erhalten während ihrer vierjährigen Lehre Einblick in viele verschiedene Lebens- und Gesundheitsbereiche», erzählt Edith Zurfluh, ehemalige Drogistin der Hönggermarkt Apotheke & Drogerie und eine der vier neuen Angestellten der Limmat Apotheke. So werden sie in Naturheilkunde und Anatomie ausgebildet, setzen sich mit Gesundheits- und Ernährungsfragen, Schönheitspflege und Mutter-Kind-Thematiken auseinander. Ein Pflichtfach heisst «Haus und Garten»: Hier lernen die Auszubildenden alles über technische Utensilien, die in einer Drogerie eben auch angeboten werden, wie zum Beispiel Schädlingsbekämpfungsmittel. Da aber auch Heilmittel verkauft werden dürfen, sind die Auflagen, um eine Drogerie zu führen, in der Schweiz strenger als im Ausland. Nur wer nach der Ausbildung zum Drogist EFZ ein zweijähriges Studium zum Drogist HF abschliesst, darf ein eigenes Geschäft führen.

    Alternativen aufzeigen

    Der Schwerpunkt des Berufes liege klar auf der Beratung der Kund*innen, sagt Zurfluh. Dadurch, dass sowohl Ausbildung als auch Sortiment sehr breit seien, betrachte man ein Problem ganzheitlich und achte darauf, verschiedene Alternativen aufzuzeigen. «Wenn jemand eine Erkältung hat, können wir ihm oder ihr neben einem Nasenspray auch einen Inhalator oder verschiedene Tees und Ernährungsergänzungen anbieten, die die Krankheitssymptome ebenfalls mildern oder die Person bei der Selbstheilung unterstützen», erklärt die Drogistin. Was ganz klar den Apotheken vorbehalten sei, ist die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten.

    Seit Januar 2019 werden die Heilmittel in der Schweiz in die Abgabekategorien A – Einmalige Abgabe auf ärztliche oder tierärztliche Verschreibung, B – Abgabe auf ärztliche oder tierärztliche Verschreibung; Apothekerinnen und Apotheker können bestimmte Arzneimittel der Abgabekategorie B ohne ärztliche Verschreibung abgeben, D – Abgabe nach Fachberatung durch medizinische Fachpersonen und E – Abgabe ohne Fachberatung eingeteilt. Die frühere Kategorie C wurde aufgelöst. Für die Drogerien bedeutet dies einerseits, dass sie auf Produkte zurückgreifen können, die früher den Apotheken vorbehalten waren, wie NeoCitran-Pulver und Zyrtec-Tabletten. Andererseits wurden rund 90 Produkte, darunter gewisse Bronchialpastillen, diverse Teesorten und Sportsalben, neu der Kategorie E zugeordnet und damit auch für den Grosshandel, also Migros und Coop, freigegeben.

    Als Apotheke seien sie von dieser Umverteilung weniger betroffen gewesen, meint Dr. Moritz Jüttner, Apotheker und Geschäftsführer der Limmat Apotheke. Gravierender sei damals die politische Entscheidung gewesen, dass Ärzte selber Medikamente abgeben dürfen, allgemein bekannt als Selbstdispensation, meint Jüttner. Eine klassische Apotheke führt verschreibungspflichtige und nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel im Angebot. In bestimmten Fällen darf sie nach einem Beratungsgespräch und der Dokumentation der Abgabe auch rezeptpflichtige Medikamente ohne vorhandenes Rezept abgeben. Nach einer dreijährigen Grundausbildung mit Bachelorabschluss an einer Universität, folgt ein 1,5 bis 2-jähriges Masterstudium in Pharmazie mit anschliessender eidgenössischer Prüfung zur eidg. dipl. Apothekerin beziehungsweise zum eidg. dipl. Apotheker. Im Rahmen dieses Masterstudiengangs wird ein Praktikum absolviert. Wer in die Industrie oder Forschung gehen möchte, muss sich nach dem Bachelor für einen entsprechend anderen Mastergang entscheiden. «In unserer Ausbildung steht klar das Arzneimittel im Mittelpunkt», erklärt Jüttner, der selber noch nach einem anderen System studiert hat. «Die Themen reichen von der Suche nach neuen Arzneistoffen, über die Aufnahme und den Transport im Körper, die Wirkungsweise bis zur Herstellung und Anwendung am Patienten». Heute sei es ausserdem möglich, in der Apotheke Messungen wie Bestimmungen von Entzündungswerten oder andere Analysen zu machen, um innert sehr kurzer Zeit festzustellen, wo das Problem liegen könnte. Auch andere Dienstleistungen wie Impfungen können von Apotheken angeboten werden. Damit leisten sie einen Beitrag zur Senkung der Gesundheitskosten und Entlastung der Hausärzte und Spitäler.

    Von Schönheitsprodukten und Haushaltshilfsmitteln hätten die Apotheker*innen hingegen weniger Ahnung, dies sei eben das Fachgebiet der Drogerien. Heute gebe es eigentlich sehr viele Schnittmengen zwischen Apotheken und Drogerien. Fühlten sich die studierten Pharmazeut*innen den Drogist*innen zu alten Zeiten vielleicht noch überlegen, begegne man sich heute zumindest in der Limmat Apotheke auf Augenhöhe und schätze die jeweils andere Berufsgruppe für ihre Fachkenntnisse, bestätigen sowohl Zurfluh als auch Jüttner. Obwohl die meisten Kund*innen durchaus wüssten, für welche Bedürfnisse sie sich an die Drogerie oder Apotheke wenden müssen, mache eine Kombination der beiden Branchen Sinn und werde sich wohl auch in Zukunft durchsetzen, meint Jüttner.

    Diese Serie wird finanziell, ohne redaktionell eingeschränkt zu sein, durch die vier Höngger Rotpunkt Apotheken und Drogerien unterstützt. Alle Artikel online unter www.hoengger.ch/archiv/dossiers/ «Apotheken»

  • Mit viel Fingerspitzengefühl provozieren

    Mit viel Fingerspitzengefühl provozieren

    Cindy war im achten Monat schwanger, mit ihrem Mann Leo sass sie inmitten einer Geburtstagsgesellschaft in einem grossen Garten. Es war Hochsommer und sie schwitzte in ihrer dicken weissen Strumpfhose, die sowieso nicht recht zu ihrem schönen Seidenrock und den hohen silbernen Schuhen passen wollte. Aber als sie sie ausziehen wollte, brüllte Leo sie an: «So bekommst du bloss wieder eine Blasenentzündung!». Manche der anderen Gäste fingen an, sich einzumischen – da wurde Leo noch wütender. Das stinke ihm alles sowieso, rief er aus, «jetzt kommt dieser Goof zur Welt und ich muss meinen Porsche verkaufen!» Viele der Gäste waren schockiert, aber manche von ihnen gaben Leo Stützhilfe.
    Das war der erste Anlass, an dem ich unsichtbares Theater spielte, vor 30 Jahren. Ich bin Schauspielerin, und damals hatte mich ein Schauspielkollege angefragt, ob ich mit ihm unsichtbares Theater spielen würde. Zwar war ich an jenem Fest tatsächlich schwanger mit meinem ersten Kind, aber die Charaktere von Cindy und Leo hatten wir komplett erfunden.
    Unsichtbares Theater geht auf einen brasilianischen Theaterautor zurück. Man wird an Geburtstagen, Hochzeiten oder ähnlichen Anlässen engagiert, um zu spielen, wobei meist nur der oder die Gastgeber*in weiss, wer man wirklich ist. Von den ungefähr 2 000 Auftritten, die mein Schauspielpartner und ich seit jenem ersten gehabt haben, war jeder anders, aber es war immer fantastisch.
    Ich habe nebst Cindy mehrere Figuren und in welche Rolle ich schlüpfe, kommt sehr auf den Anlass an. Aber ob mein Kollege und ich nun ein verschrobenes Ehepaar oder komische Kellner spielen, es geht immer darum, Dinge zu tun, die man sonst nicht tut. Im unsichtbaren Theater provoziert man, diskutiert mit den Gästen, baut so langsam eine Geschichte auf, experimentiert mit sozialen Regeln. Spiele ich eine Serviertochter, dann probiere ich vielleicht den Wein, oder lege den Gästen eine Serviette um den Hals und putze ihnen manchmal den Mund, oder ich sauge mit einem kleinen Handstaubsauger den Tisch. Das braucht viel Fingerspitzengefühl, denn die Leute dürfen einen ja nicht durchschauen, und es stellt sich immer die Frage, was Platz hat und was zu weit geht. Oft deckt man so die Schattenseiten der Gäste auf.
    Nach zwei Stunden platzt dann üblicherweise die Bombe, der Gastgeber klopft mit einem Löffel gegen ein Glas und klärt die versammelte Gesellschaft auf. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich, manche reagieren erschreckt oder verschämt, aber meistens ist die Situation sehr lustig.
    Schon als kleines Kind träumte ich davon, Schauspielerin zu werden. Vielleicht, weil ich in einer Künstlerfamilie aufgewachsen bin. Ich bin eine Urhönggerin, meine Eltern sind vor meiner Geburt ins Quartier gezogen. Meine Mutter gab in den umliegenden Schulhäusern Blockflötenunterricht. Ausserdem war sie Bildhauerin und schrieb Theaterstücke, die jedes Jahr vom Höngger Kirchenchor aufgeführt wurden. Mein Vater führte jeweils Regie. Er war Organist, Dirigent, Kunst- und Orgelbaulehrer. Die schöne Orgel in der Reformierten Kirche hat er konstruiert, als ich noch ganz klein war.
    Meine Kindheit und Jugend im Quartier habe ich in sehr guter Erinnerung. Wir Jungen hatten den Wald und das Werdinseli, und später wurde uns das «Jufo» wie ein zweites Zuhause. Mir scheint, wir waren freier, als man es heute ist. Dabei war Höngg wirklich ein Dorf. Ich erlebte es, als das Frankental noch eine Wiese war und es die alte Mülihalde noch gab, eine verrauchte «Chnelle», in der sich Jung und Alt mischten. Und es gab damals noch richtige Dorforiginale, auch ein paar tolle Künstler, die mich immer sehr fasziniert und inspiriert haben.
    Heute wohne ich nicht mehr im Quartier, bin aber immer noch fest damit verbunden. Vor 25 Jahren gründete ich hier nämlich das Kindertheater «Märlibühne», das ich bis heute in der Lila Villa leite. Meine Mutter hatte mich auf die Idee gebracht, eine Kindertheater-Ausbildung zu machen, als meine eigenen noch klein waren. Sie waren alle vier dann auch bei der «Märlibühne» dabei.
    Die Kinder, die mitmachen, sind alle zwischen 6 und 12 Jahre alt. Jeden Herbst und Winter spielen wir Theaterspiele und improvisieren viel. Ich habe einen Koffer mit alten Kleidern, und sie überlegen sich damit aus dem Stegreif ein Theater. Wir Erwachsenen können so etwas gar nicht mehr – bei Kindern sprudelt es einfach! Zwischen den Weihnachts- und den Frühlingsferien festigt sich dann aber langsam ein Stück, das wir im Sommer schliesslich aufführen. Letztes Mal war es die Goldene Gans. Die Kinder haben so viele Fäden daraus gesponnen… Nach der Aufführung kam ein alter Schauspieler aus dem Publikum auf mich zu und sagte, das sei Bernhard Theater-würdig gewesen.
    Das Bernhard Theater oder das Schauspielhaus haben mich als Schauspielerin früher übrigens sehr gereizt. Aber mit dem unsichtbaren Theater war ich immer meine eigene Herrin und konnte meine eigenen Figuren schaffen. Wobei es lange auch eine sehr intensive Zeit war; samstagabends nach den Auftritten war ich früher meist todmüde und habe sonntags dann gerne ausgeschlafen – das heisst, bis 9 Uhr, ich hatte ja kleine Kinder. Jetzt, wo sie gross sind, nähe ich meiner Freizeit, bastle Schmuck, male oder spiele auf meinem geliebten Cello, das ich habe, seit ich ein Kind bin. Claude Starck, der weltberühmte Höngger Cellist, hat es damals für mich ausgewählt, worauf ich sehr stolz bin. Im Moment schreibe ich ausserdem an einem sozialkritischen Film und einem Kabarettprogramm. So ist das Schauspielerische auch Teil meiner Freizeit. Theater, finde ich übrigens, ist etwas für alle – auch für Erwachsene!

    In diesen monatlichen Beiträgen werden ganz normale Menschen aus Höngg porträtiert: Man braucht nicht der Lokalprominenz anzugehören und muss auch nicht irgendwelche herausragenden Leistungen vollbracht haben, nein, denn das Spezielle steckt oft im scheinbar Unscheinbaren, in Menschen «wie du und ich».
    So funktioniert’s: Die zuletzt porträtierte Person macht drei Vorschläge, an wen der Stab der Porträt-Stafette weitergereicht werden soll. Die Redaktion fragt die Personen der Reihe nach an und hofft auf deren Bereitschaft.
    Sollte die Stafette abreissen, sind wir froh, wenn auch Sie uns mögliche Kandidat*innen melden. Kontaktangaben bitte per Mail an redaktion@hoengger.ch oder Telefon 044 340 17 05.

  • «Blick» und Google, Seite 3

    Dieser Gedanke ist irgendwie wie die Sache mit dem Huhn und dem Ei.
    Eigentlich wollte ich nur etwas über Suchergebnisse bei Google schreiben, doch dann landete ich bei den Seite-3-Girls, der damals grössten Schweizer Boulevard-Tageszeitung. Ok, ich kann ja gleich «Blick» schreiben, Google nenne ich ja auch. Was der «Blick» mit Google gemein hat, erkläre ich Ihnen gleich. Einleitend dazu die Frage, wer sich noch an die «blutten» Frauen auf Seite 3 des Blicks erinnern mag? Wie lange ist das her? Irgendwann in den sonst schon grauenhaften 1970er und 1980er-Jahren. Ich wollte herausfinden, bis wann, doch Google konnte mir nicht helfen, egal was ich als Suchbegriff eingab. Womit ich bei Google gelandet wäre, seinen Suchergebnissen und der Seite 3. Was ursprünglich – Huhn oder Ei – der Grundgedanke zu diesem Beitrag war: nämlich darüber abzulästern, dass Google-Suchen je länger je weniger effizient sind.
    Machen wir mal ein kleines Experiment und geben, damit auch Sie endlich verstehen, worauf ich hinaus will, bei Google «Frank Frei» als Suchbegriff ein. Auf Seite 1 kommt, wie bei jeder Google-Suche, zuerst eine Anzeige von Amazon. Der Rest der Seite ist voller Anzeigen dubiosen Ursprungs und nur dort, weil dafür Geld nach Amerika überwiesen wurde. Weiter ist sie praktisch voll mit Hinweisen auf den Videoblog eines Frank A. Meyer (who the hell?) unter dem Titel «Frank & Frei», und geht in Seite 2 über, mit einer Brillenkollektion, einem Restaurant in Hamburg, Beraterdiensten, Worterklärungen, einem Ferienhaus in Oberfranken und sonstigem Schwachsinn. Erst auf Seite 3 erscheint der Hinweis auf «Frank Frei, Archiv – Höngger.ch». Sollten Sie bei dem Experiment andere Ergebnisse aufgelistet bekommen, so ist das Googles volle Absicht.
    Was lässt dies an Rückschlüssen zu? Dass diese Zeitung offenbar nichts bezahlt, um ihre Artikel bei Google nach oben zu bekommen. Vor allem aber, dass Google doof ist und nicht findet, was man sucht. Das heisst, ich bin mir sicher, dass es nicht am Können, sondern am Wollen liegt. Zuerst soll man anschauen, wofür andere bezahlt haben und erst dann, vielleicht, finden, was man eigentlich suchte. Ist man sich dessen bewusst, klicken geübte Googler*innen automatisch gleich auf Seite 3 der Suchergebnisse wie frühere «Blick»-Leser auf die ominöse Seite drei («Nein, ich habe ihn nur wegen dem Sportteil gekauft!»). Auf Googles Seite 3 werden die Ergebnisse zielführend – doch nur kurz, um danach auf 327 weiteren Seiten ins Absurde abzudriften. Was Google und Blick, abgesehen von der Seitenzahl, zu Verwandten macht.
    Aber nun Schluss des Google-bashings, denn auch die beste Suchmaschine findet nur, was man richtig in ihr Suchfeld tippt. Gibt man dort nämlich «Frank Frei, Kolumne» ein, dann erscheine ich auf Seite 1 bereits an vierter Stelle. Vor mir nur noch Amazon, ein nicht funktionierender Link zu «Blick» und natürlich dieser Frank A. Meyer. Auch die überhole ich noch, und wenn ich dafür bezahlen muss.

    Es Grüsst, ab irgendeiner Seite dieser Zeitung
    Ihr Frank Frei

  • Tierische Neuzuzüger in Höngg

    Tierische Neuzuzüger in Höngg

    Es war vor vielen, vielen Jahren, als ich in meinem Garten auf dem Berg einen wunderschönen Käfer fand. Gelb, mit schwarzen Streifen auf dem Rücken und gepunktetem Halsschild, faszinierte er mich derart, dass ich, damals Studentin, ihn ganz stolz unserem Entomologen, dem Insektenspezialisten an der Uni, brachte. Anstatt meine Begeisterung zu teilen, fuhr dieser mich an: «Weisst du überhaupt, was das ist?» Nein, hatte ich ja noch nie zuvor gesehen. «Das ist ein Kartoffelkäfer!», schrie er und schlug ihn platt! Noch nie gesehen, doch aus der Literatur war mir klar: Der Kartoffelkäfer ist einer der wichtigsten Schädlinge im Kartoffelanbau. Ende des 19. Jahrhunderts aus Nordamerika eingeschleppt, breitete er sich rasch in Europa aus und kam 1937 auch in die Schweiz. Ein klassisches Neozoon ist er also, der Kartoffelkäfer – wenn auch nicht absichtlich vom Menschen eingeführt, lebt er nun bei uns, wo er zuvor nicht heimisch war.

    Neuankömmlinge

    Neben dem Kartoffelkäfer gibt es zahlreiche weitere Insekten, die zu den Neozoen gezählt werden müssen. Insekten stellen wahrscheinlich die grösste Anzahl gebietsfremder Tierarten in der Schweiz. Sie alle aufzuzählen ist nicht nur aus Platzgründen unmöglich, sondern auch weil man viele von ihnen noch gar nicht kennt. Das Schreckgespenst unter ihnen dürfte aktuell die Tigermücke sein, deren Eier ursprünglich mit dem Güterverkehr aus Südostasien kamen. Im Mittelmeerraum und auch im Tessin etabliert, hat sie nun den letzten Winter offenbar in Wollishofen überlebt. Die aggressive Stechmücke sticht auch tagsüber und kann allergische Reaktionen auslösen und könnte Krankheiten übertragen. Doch bisher sind in der Schweiz keine Krankheitsübertragungen bekannt. Tigermücken zu bestimmen ist nicht einfach, helle Streifen an Körper und Beinen hat auch die Asiatische Buschmücke. Ebenfalls aus dem asiatischen Raum eingeschleppt, ist diese inzwischen sogar häufiger als unsere einheimische Stechmücke. Unter www.stadt-zuerich.ch/schaedlingsbekaempfung gibt es viele Infos und nützliche Tipps zu den beiden neuen Plagegeistern.

    Aber nicht nur bei den lästigen Blutsaugern, auch unter den Glücksbringern gibt es Neozoen. Diesen Sommer bat ich meinen Partner Hans-Peter Stutz, doch mal schnell im Garten ein «Anketierli» zu fotografieren, weil ich darüber einen Artikel zur Höngger-Fauna schreiben wollte. Die Bildausbeute war gross, aber ebenso die Enttäuschung: Auf fast allen Bildern war nicht das «Glücksbringerli» mit den sieben schwarzen Punkten abgelichtet, sondern der Asiatische Marienkäfer mit bis zu 19 Punkten. Aus Japan und China stammend, wurde dieser Käfer zur biologischen Bekämpfung von Blattläusen in Gewächshäusern eingesetzt. Daraus entflohen, etablierte er sich rasch, so auch vor gut zehn Jahren in Zürich. Heute ist dieser Marienkäfer viel häufiger als «unser Anketierli», das er in Bedrängnis bringt. Aus dem einstigen Nützling ist inzwischen sogar ein Schädling im Obst- und Weinbau geworden.

    Wenn es in Höngg in einem Teich oder an der Limmat sehr laut quakt, ein ohrenbetäubendes, lachendes «oäh-mä-ä-ä» auch tagsüber erschallt, dann ist das gar nicht gut. Solche Gewässer sind vom Seefrosch befallen. Ursprünglich in Osteuropa und im Balkan heimisch, wurde er vor allem für kulinarische Zwecke eingeführt, leider auch heute noch. Seinem Schicksal entronnen oder absichtlich ausgesetzt, breitet er sich seit den 1960er-Jahren im Kanton aus. Nur, was ist denn so schlimm an diesem an und für sich hübschen Frosch? Erstens ist er gross und frisst alles, was er nur irgendwie hinunterwürgen kann, und dazu gehören auch andere Amphibienarten, die er in ihren Beständen arg dezimieren kann. Zweitens gibt es den «Seefrosch» als Art gar nicht. Hinter dem Namen «Seefrosch» verstecken sich mehrere eingeschleppte, ähnlich aussehende osteuropäische Arten. Drittens können sich diese untereinander und auch mit den einheimischen Wasserfröschen kreuzen, so dass grosse genetische Veränderungen stattfinden.

    Eigentlich gehört auch die Mauereidechse in Höngg zu den Neozoen, denn sie gelangte via Materialtransporte, also mit menschlicher Hilfe, vermutlich aus dem Süden in den Rangierbahnhof von Zürich. Von hier aus breitete sie sich in den 1990er-Jahren erfolgreich aus und besiedelte von der Limmat her den sonnigen Hönggerberg. Allerdings gibt es im Kanton Zürich auch ursprüngliche Vorkommen von Mauereidechsen, deshalb kann man darüber diskutieren, ob die Höngger Mauereidechsen nun Neozoen sind oder nicht. Sicher kein Neozoon ist die Weissrandfledermaus, ein Neuankömmling aus dem Mittelmeerraum, denn sie schaffte es aus eigener Kraft, die Alpen vom Tessin her zu überqueren. Die Fledermaus kam in den 1980er-Jahren nach Zürich und ist auch in Höngg zu Hause. Sie fühlt sich im relativ warmen Stadtklima wohl, findet selbst in kleineren Parks genügend Nahrung und zieht hier ihre Jungen auf.

    Alteingesessene

    Während all die vorhin aufgeführten Beispiele in diesem oder im letzten Jahrhundert zur Höngger Fauna gestossen sind, gibt es andere, von denen wir schon fast vergessen haben, dass sie auch Neozoen sind. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Schwan, genau genommen der Höckerschwan. Ursprünglich kam er in Nordosteuropa, beim Schwarzen Meer und in Asien vor. Bereits im 12. Jahrhundert hielt man in England die stolzen Wasservögel in Parkweihern. Vor bald 100 Jahren wurde das erste Paar im Zürichsee ausgesetzt und heute können wir uns See und Limmat ohne Schwäne kaum mehr vorstellen. Ein anderes, aber heimlich lebendes Beispiel, ist die Wanderratte. Sie kam auf Schiffen und mit anderen Transportmitteln im 19. Jahrhundert aus Südostrussland und Nordchina zu uns. Weil sie Krankheiten übertragen und an Bauten Schäden verursachen kann, werden ihre Bestände in der Stadt Zürich kontrolliert und reguliert. Ähnliche Massnahmen werden gegen die Stadttaube ergriffen. Diese stammt von verwilderten Haustauben ab, die ihrerseits in der Antike aus der Felsentaube, die ursprünglich am Mittelmeer und Atlantik lebte, domestiziert wurden. Und ebenso müssen wir ein anderes Haustier als Neozoon betrachten, auch wenn das ein heikles Thema ist: Hauskatzen wurden seit dem Mittelalter vor allem dazu gehalten, um Ratten und Mäuse zu bekämpfen. Diese Katzen ernährten sich hauptsächlich von selbst erjagten Beutetieren und wurden vom Menschen höchstens zugefüttert, wenn dieser selber genug Nahrung hatte, was damals nicht oft der Fall war. Die heutigen Hauskatzen erhalten zu Hause genügend Futter, befriedigen draussen nur noch ihren Jagdtrieb und lassen die erbeuteten Tiere meist liegen. In Höngg dürfte es über 4000 freilaufende Katzen geben. Tötet jede von ihnen wöchentlich auch nur ein Tier, fallen ihnen jährlich mehr als 200000 (zweihunderttausend) Tiere zum Opfer. Und dies sind nicht nur Mäuse, sondern viele Singvögel, Spitzmäuse, geschützte Eidechsen, Blindschleichen, Molche und Frösche, auch viele Schmetterlinge und Käfer, ja sogar Eichhörnchen. Die Verantwortung für all die getöteten Wildtiere tragen jedoch nicht die Hauskatzen selber, sondern wir Menschen. Neben den Hauskatzen gibt es aber auch echte einheimische Wildkatzen. Einst weit verbreitet, wurde die Wildkatze im Schweizer Mittelland Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet und kommt heute nur noch im Jura vor. Diese Katzen leben ausschliesslich von dem, was sie selber erbeuten. Studien belegen, dass es darum auf zehn Quadratkilometern gerade mal Platz für vier Wildkatzen hat. Dies bedeutet, dass es auf der Fläche von Höngg höchstens drei Hauskatzen geben könnte, müssten auch sie von dem leben, was sie draussen erbeuten – aber eben!

    Rückkehrer

    Selbstverständlich sind Tiere, die in Höngg ausgestorben sind oder ausgerottet wurden, keine Neozoen, wenn sie es schaffen, sich bei uns wieder zu etablieren. Ein typisches Beispiel für einen Rückkehrer ist das Wildschwein. Wer nicht schon eine Rotte live im Wald beobachten konnte, hat sicher ihre Spuren gesehen: aufgewühlte Böden, auch Wegränder, «Suhlen» für Schlammbäder, Trittsiegel mit den typischen Abdrücken von je zwei Haupthufen und Afterklauen schräg dahinter. Im 19. Jahrhundert schweizweit praktisch ausgerottet, eroberte das Wildschwein mit der Zunahme der Waldflächen und dem Maisanbau ab den 1960er-Jahren seine angestammten Gebiete zurück, auch den Höngger Wald. Der Biber hingegen, anfangs des 19. Jahrhunderts in der Schweiz ganz ausgerottet, schaffte seine Rückkehr nicht alleine. Er wurde von 1956 bis 1977 durch gezielte Aussetzungen wieder angesiedelt. Erfolgreich breitete er sich aus und seit ein paar Jahren leben auch bei uns an der Limmat wieder Biber.

    Demnächst in Höngg?

    Leider müssen wir in Zukunft mit vielen weiteren Neozoen rechnen, es dürften vor allem Insekten sein. Aber auch grössere Tiere sind zu erwarten. So zum Beispiel der Waschbär und die Bisamratte, die beide ihres Pelzes wegen im letzten Jahrhundert aus Nordamerika nach Europa eingeführt wurden. Der Waschbär breitet sich seither aus, erreichte 1976 die Schweiz und wird inzwischen auch in der Stadt Zürich gesichtet. Dieser Kleinbär mit dem schwarz-weiss geringelten Schwanz ist zwar putzig, bringt aber auch einen Spulwurm mit, der die menschliche Gesundheit gefährden könnte. Seine Auswirkungen auf die einheimische Fauna sind noch weitgehend unbekannt und umstritten. Und falls eines Tages kleine, braune Pelztiere in der Limmat herumschwimmen, sind das nicht unbedingt junge Biber, sondern es könnten durchaus Bisamratten sein. Als Räuber gefährden sie die einheimischen Muschelarten. Neben neu auftretenden Neozoen dürfen wir aber auch Rückkehrer in Höngg erwarten. Wer weiss, vielleicht stammen eines Tages die Trittspuren grosser Hunde, die wir im Schnee im Wald beobachten, tatsächlich vom Wolf. Jedenfalls ist das vermutlich früher möglich, als dass sich wieder Fischotter in der Limmat tummeln.

  • Von fremden Tieren

    Obwohl der Begriff «Neozoen» zu Beginn seiner Einführung nicht einheitlich verwendet wurde, hat man sich inzwischen auf eine Definition geeinigt, die sich an diejenige der Neophyten anlehnt: Neozoen sind Tierarten, die nach 1492 unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen eingeführt oder eingeschleppt wurden, respektive eingewandert sind» Schon lange bevor Amerika entdeckt wurde, gab es in der Schweiz Tiere, die ursprünglich aus anderen Gebieten stammten, heute aber als heimisch wahrgenommen werden: So wurden Wildkaninchen von der iberischen Halbinsel eingeführt, Ratten und Mäuse gelangten als blinde Passagiere aus Asien nach Europa und auch Zander und Karpfen schafften – mit menschlicher «Hilfe» – den Weg über verschiedene Flusssysteme in westeuropäische Gewässer.

    Manchmal werden die Tiere indirekt eingeführt, zum Beispiel, wenn durch den Bau eines Kanals vorher unüberwindbare Hindernisse von bestimmten Arten bezwungen werden können. «Das für die Arten der Schweiz offensichtlichste natürliche Hindernis sind die zwischen dem Tessin und den übrigen Landesteilen gelegenen Alpen, aber auch die diversen Wasserscheiden zwischen der Nordsee, dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer», ist in der «Übersicht über gebietsfremde Arten und ihre Bedrohung für die biologische Vielfalt und die Wirtschaft in der Schweiz» des Bundesamtes für Umwelt von 2006 festgehalten. Wie bei den Neophyten gilt auch bei den Neozoen: Die meisten sind in ihrer neuen Umgebung nur beschränkt überlebensfähig oder haben sich gut integriert. Einzelne Arten fühlen sich hier sehr wohl, können sich dadurch stark vermehren und für heimische Arten, Menschen oder sogar ganze Ökosysteme schädlich sein. Diese Arten heissen invasive Neozoen.

    Vor allem auf Inseln ein Problem

    Dem Kompaktlexikon der Biologie ist zu entnehmen, dass sich in den vergangenen 2000 Jahren mindestens 400 Neozoen in Mitteleuropa etabliert haben. Umgekehrt wurden und werden natürlich auch europäische Tierarten weltweit ausgeführt, sei es als Haustiere, Schädlingsvertilger oder zur Produktion von Nahrungsmitteln. Während gebietsfremde Arten in Zentraleuropa oft als geringes Problem eingestuft werden, sind die Auswirkungen auf andere Kontinente und vor allem Inseln dramatischer. Dennoch: Invasive gebietsfremde Problemarten werden heute als eine Hauptbedrohung für die Biodiversität angesehen. Die Biodiversitätskonvention (CBD) verpflichtet die internationale Staatengemeinschaft deshalb, Vorkehrungen gegen diese invasiven Arten zu treffen und diese gegebenenfalls zu bekämpfen. Da zwischen der Ankunft einer Art und ihrer überproportionalen Ausbreitung viel Zeit vergehen kann, sind Prognosen zur Invasivität schwierig zu stellen.

    Schädlinge melden

    Der Fokus Artikel «Tierische Neuzuzüger»  befasst sich ausführlich mit den verschiedenen Neozoen, die in Höngg anzutreffen sind. «Züri wie neu», der Mängelmelder der Stadt Zürich, wurde kürzlich um die Kategorie «Schädlinge» erweitert, unter welcher Sichtungen von Neozoen gemeldet werden können. Die Schädlingsprävention und -beratung des Umwelt- und Gesundheitsschutzes Zürich verzeichnet jährlich rund 2000 Hinweise zu Schädlingen aus der Bevölkerung. Auf der Plattform können auch einheimische Tiere wie Wespen, Nagetiere oder Tauben gemeldet werden, wenn sie negativ auffallen.

  • Wo Medikamente noch in Höngg hergestellt werden

    Wo Medikamente noch in Höngg hergestellt werden

    Wenn Susanne Wolf, Geschäftsführerin der Apotheke Im Brühl, erzählt, was sie an der Herstellung von Medikamenten fasziniert, ist sie in ihrem Element. Die Apothekerin aus der Steiermark hat in ihrem Studium in Graz das Fach «Arzneistoffsynthese» noch studiert, unterdessen wird dies in Österreich nicht mehr gelehrt, während es in der Schweiz noch Bestandteil der Ausbildung ist. Wolf hat Arzneistoffe hergestellt, Tinkturen und allerlei Salben. «Und ich habe es geliebt», strahlt sie, die bedauert, dass diese Arbeit im heutigen Berufsbild der Apotheker*innen eher zu kurz kommt.

    Gegensteuer für Kinder

    Schon früher wurde auf ärztliche Anordnung ganz individuell Arzneimittel hergestellt, je nach Krankheit und Patient: Die sogenannte «Formula magistralis», die Magistralrezeptur, gibt es auch heute noch. Daneben spricht man von der «Formula officinalis», wenn nach einer offiziellen Formel des Arzneibuches nicht rezeptpflichtige Medikamente hergestellt werden. Am bekanntesten sind indes die Hausspezialitäten, welche die Apotheke nach eigenen Formeln anfertigen. Diese Präparate müssen von der Heilmittelkontrolle abgenommen werden. «Das lohnt sich nur, wenn man ein Steckenpferd hat, wie bei uns Medikamente für Kinder», so Wolf, «mein Ziel ist es, künftig in diesem Segment mehr solche Spezialitäten herzustellen».
    Schon immer werden direkt in Höngg Salben hergestellt. Speziell dann, wenn es keine Fertigprodukte mit den benötigten Wirkstoffen gibt. Häufiger jedoch sind es Salbenverdünnungen: «Eben gerade für Kinder», so Wolf, «da ist es oft ratsam, vorhandene Salben zu verdünnen, weil deren Wirkstoffe für die Anwendung bei Kindern zu hoch dosiert sind». Aber auch bei Erwachsenen Dermatologie-Patient*innen kann eine Verdünnung angezeigt sein. Genannt sei das Beispiel einer Salbe mit Capsaicin, einem Wirkstoff, welcher zur Desensibilisierung der Haut dient, zum Beispiel bei Nervenschmerzen: «Es gibt nur Pflaster mit diesem Wirkstoff, aber keine Créme, was oft besser wäre in der Anwendung. Wir nehmen die bestehende Salbe, mischen sie mit einer Salbengrundlage und füllen sie in neue Tuben ab». Generell sind alle Medikamente der Pharmaindustrie für einen Durchschnittspatienten – ja, in der Regel ist der Forschungsproband dort männlich – hergestellt, was dann natürlich nicht auf alle passt. Gut, wenn Apotheken wie die «Im Brühl», die sich auch auf Kinder spezialisiert hat, mit modernen Mitteln nach alter Berufstradition reagieren kann.

    Sicherheit in der Vielfalt

    Dabei ist Sicherheit ein grosses Thema, das mit viel Aufwand und Kosten verbunden ist: So wird jeder Wirkstoff, der vom Lieferanten bereits geprüft wurde, in der Apotheke erneut mit einem extra angeschafften Infrarot-Spektrometer untersucht, um sicher zu sein, dass, salopp gesagt, auch drinnen ist was draufsteht. «Speziell bei Arzneistoffen, die innerlich eingenommen werden, ist diese Kontrolle sehr wichtig, sonst kann es gefährlich werden», betont die Spezialistin.
    Auch Kapseln wurden früher mehr selbst hergestellt als heute. Dabei seien Kapseln perfekt, um besondere Vitaminmischungen herzustellen oder gegen Migräne ganz spezifisch Schmerzmittel zu mischen, die in dieser Kombination nicht als Fertigpräparate auf dem Markt sind. Meistens werden solche Rezepturen ärztlich verordnet, was auch mit der Kostenübernahme durch die Krankenkasse zusammenhängt. Kosten sind generell ein Aspekt, denn finanziell lohnt sich die Herstellung von individuellen Rezepturen kaum, wie Wolf sagt, im Wissen darum, dass die Kosten von zirka 25 Franken, welche zum Beispiel für die Herstellung einer Salbenmischung verrechnet werden, für die Kundschaft ein stolzer Betrag sind. Alltäglicher ist es indes, bestehende Pflegeprodukte, wie zum Beispiel rückfettende Salben, mit anderen Wirkstoffen wie Nachtkerzenöl noch zu verfeinern. Oder – nur um einige weitere Beispiele der Herstellung vor Ort zu nennen – Pulver wie spezielle Basenmischungen, Peroxid-Lösungen zur Desinfizierung der Mundhöhle, Tropfen auf Basis von eingekauften Urtinkturen oder Mundspüllösungen für Zahnärzte herzustellen. Und, was nur vordergründig einfach scheint, Arzneiteemischungen herzustellen: Auch wenn der Trend auf Konsumentenseite natürlich längst zu fertigen Beuteln geht, möchte doch ab und zu jemand eine spezielle Mischung, um sie selbst aufzubrühen.

    Es bleibt eine Leidenschaft

    So hat die Apotheke Im Brühl einen Grundstock an Substanzen immer an Lager, auch weil man hier ein Lehrbetrieb ist und den Auszubildenden das Wissen nicht nur weitergeben will, sondern auch muss: Der Praxisteil der Lehrabschlussprüfung wird von den Prüfungsexperten direkt in der Apotheke abgenommen, und ein Teil davon ist auch das Herstellen von Rezepturen.
    Doch leider seien Herstellungen vor Ort sehr selten, so Wolf, «das geht wöchentlich von gar keiner bis zehn Mal». Persönlich bedauert sie das sehr und sie will wie gesagt Gegensteuer geben. Andererseits sei man auch froh, müsse man gewisse Arbeiten nicht mehr selber machen. Zum Beispiel das Tablettenpressen: «Es ist gar nicht so einfach, Tabletten so zu pressen, das überall Menge und Form exakt stimmen», erinnert sich Wolf an eine gelernte, aber wohl nie wirklich geliebte Arbeit von früher. Trotzdem, sagt sie, sei für sie die Herstellung von Rezepturen eine Leidenschaft geblieben. Und es sei schade, dass das Arbeitsfeld der Apotheker*innen und auch die strengen Vorschriften sich so verändert haben, dass diese Arbeit heute seltener verlangt werde. «Dafür», so sinniert sie weiter, «haben sich andere spannende Arbeitsgebiete aufgetan, speziell im Bereich Beratung und Dienstleistungen: Wenn wir all unser Wissen über Medikamente und deren Interaktionen weitergeben können, so ist das ja auch sehr schön». Doch dann bricht gleich wieder die Leidenschaft durch: «Ringelblumensalbe, wo bitte bekommt man das noch?» – und dann schwärmt sie vom Herstellungsprozess, dem Duft der getrockneten Blüten, dem stundenlangen Kochen über dem Wasserbad – und man merkt, dass sie am liebsten gleich ins Labor im Untergeschoss der Apotheke Im Brühl abtauchen würde.

    Diese Serie wird finanziell, ohne redaktionell eingeschränkt zu sein, durch die Höngger Rotpunkt Apotheken und Drogerien unterstützt.
    Nächster Artikel am 24. Oktober, zum Unterschied von Apotheken und Drogerien. Alle Artikel online unter www.hoengger.ch/archiv/dossiers/ «Apotheken»

    Stichwort Rotpunkt
    Die Rotpunkt-Pharma AG wurde 2001 gegründet und hat heute 105 selbstständige Mitglieder in 15 Kantonen. Sie zeichnet sich nebst ihrem Kerngebiet auch durch ihr soziales Engagement aus: einen grossen Anteil der anfallenden Konfektionierungsarbeiten lässt sie von der Vebo Werkstatt Oensingen ausführen und hilft so mit, Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderung zu sichern.
    Der Höngger Zünfter, Dr. Rudolf Andres, ist Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer der Rotpunkt-Pharma AG.

  • Auf nach Bern

    In der letzten NZZ am Sonntag las ich leider einen Bericht über die Arbeit der Lobbyisten in Bundesbern. Warum «leider»? Weil dieser sehr gut verfasste Artikel mit dem Titel «Nehmen und geben» mir mal wieder gründlich jeglichen Glauben an die Redlichkeit und die Unabhängigkeit der schweizerischen Demokratie verdorben hat. Nein, ich bin nicht naiv: Dass Parlamentarier*innen von rechts bis links den Lobbyist*innen überhaupt erst Zutritt ins Bundeshaus verschaffen, um dann mit ihnen in den Wandelhallen dieselben Bahnen zu drehen, ist allgemein bekannt. Auch dass sich beide Funktionen sehr, ja sehr-sehr oft in einer einzigen Person vereinen, ist Allgemeinwissen. Auch mit welcher Dreistigkeit regelmässig erklärt wird, dass man ohne die Vorarbeit und das Wissen von Lobbyisten gar keine Parlamentsarbeit machen könne, erstaunt kaum mehr. Selbst die Gelder, welche vom Volk als Vertretung gewählte Parlamentarier*innen für «Beraterdienste» oder den Einsitz in Vorständen irgendwelcher Organisationen erhalten, erschreckt leider längst keine Mastsau mehr.
    Was mich erschreckt, ist diese unverschämte Verlogenheit. Und dann auch noch zu behaupten, das hier sei ein Miliz- und kein Berufsparlament.
    Studien gehen bei einem Nationalratsmandat von einem 80-Prozent-Job aus. Dafür erhält man, mit Spesen, im Schnitt rund 10’300 Franken monatlich, im Ständerat sogar 11’500. Das reicht nicht? Aber nein doch, man nimmt «Nebenämter» bei Firmen, Verbänden, Gewerkschaften und anderen an, die Einfluss im Parlament haben möchten, und verdoppelt sich so locker das Jahresgehalt.
    Hierzulande weiss man, dass fast alle Politiker*innen, spätestens in Bundesbern, irgendwo die hohle Hand machen. Und natürlich wehren sich dieselben «Volksvertreter*innen» vehement und bislang erfolgreich gegen eine Offenlegungspflicht für Verwaltungsrats- oder andere Mandate. «Säuhäfeli, Säudeckeli», sagt man hier so niedlich – und zeigt gleichzeitig mit schmutzigen Fettfingerchen auf Korruption im Ausland. Aber wir, wir hier in der Schweiz, nein, wir sind doch nicht korrupt! Wir haben es nur viel besser organisiert, institutionalisiert und vor allem: stillschweigend legalisiert.
    So wird, egal wen ich bei den kommenden Wahlen nach Bern schicken würde, er oder sie auch die nächsten vier Jahre nur die Interessen der Partei, seine eigenen und ein paar andere, gut bezahlte vertreten. Nie und nimmer aber mich. Nie das Volk. Zum Glück erhalte ich, das Pseudonym, kein Abstimmungscouvert.

    Es grüsst, 2023 auch auf einer Nationalratswahlliste stehend
    Ihr Frank Frei

  • Neophyten im Höngger Wald

    Neophyten im Höngger Wald

    Es regnet bis zum Boden, als Schaggi Heusser IV., Höngger Landwirt und einer der grössten Privatwaldbesitzer des Quartiers, einen Hang in der Nähe des Holderbachs hinaufklettert und auf die Stelle deutet, wo die Zivildienstler von Grün Stadt Zürich bereits den Neophyten Henrys Geissblatt entfernt haben. Die halb-immergrüne Schlingpflanze, die ursprünglich aus China kommt, bildet lange Triebe, die an Bäumen hochwachsen und ein dichtes Geflecht bilden können. Auch am Boden kann sich dichter Bewuchs bilden, der den natürlichen Unterwuchs hemmt und die Verjüngung behindert. Die Aktion der Stadt ist schon einige Jahre her, aber sie war wohl gründlich, nur ein einzelnes Pflänzchen ragt neben einem Baumstamm aus der Erde. 2016 hatte die Stadt Zürich einen Informationsanlass organisiert, an den auch Heusser als Waldbesitzer eingeladen wurde und über die invasiven Neophyten unterrichtet wurde. «Es gab schon immer fremde Pflanzen im Wald, aber lange waren sie kein Problem – oder man war sich dessen einfach nicht bewusst», erzählt Heusser, während er trittsicher auf dem rutschigen Waldboden zwischen den Bäumen und Sträuchern zur nächsten Stelle führt. Sobald er eine Stelle entdeckt, die betroffen ist, meldet er sie bei Grün Stadt Zürich, welche sich um die Vernichtung kümmert. Sie müssen jede Pflanze mitsamt der Wurzel entfernen, eine strenge Arbeit. «Für diese wertvolle Unterstützung bin ich dankbar», sagt der Waldwirt in vierter Generation. Das Verhältnis Stadt und Kanton bezeichnet Heusser als sehr gut, man hat einen gemeinsamen angenehmen Umgang gefunden, das war nicht immer so. Sinnvoll findet er die Bekämpfung der invasiven Arten auch, «wenn man nichts dagegen tut, überwuchern sie alles, die jungen Triebe anderer Bäume und Sträucher haben keine Chance, aufzukommen».

    Lichtverhältnisse sind entscheidend

    Weiter geht es durch den satten Hönggerwald fast bis zur Stadtgrenze Richtung Oberengstringen. Dort hat Sturm Lothar am 26. Dezember 1999 in nur 2,5 Stunden, die er brauchte, um über die Schweiz zu ziehen, erheblichen Schaden angerichtet. Nach fast zehn Jahren sind noch Spuren dieser Naturgewalt zu sehen, doch der Wald hat sich zurückgekämpft und das in einer erstaunlichen Vielfalt: «Hier gedeihen Ahorn, Buchen, Vogelbeeren, Eiben und sogar Rot- und Weisstannen», erzählt Heusser begeistert. Was an diesem Fleck scheinbar auch sehr gut wächst, ist die Amerikanische Goldrute, auf einer Lichtung hat sich ein beeindruckendes Feld davon gebildet. Später wird Heusser zum Mähen zurückkommen und den Standort bei der Stadt melden. Obwohl der Wald eine langfristige Angelegenheit ist und keine schnelllebigen Trends mitmachen kann, ist er gleichzeitig ein komplexes, sensibles Geschöpf. Die Lichtverhältnisse sind ausschlaggebend dafür, welche Arten gedeihen und welche nicht. Es braucht Licht am Boden, damit die Jungpflanzen überhaupt wachsen. Zu viel davon, und schon spriesst der Sommerflieder und andere Wucherpflanzen, wie die Brombeere oder die Gemeine Waldrebe, besser bekannt als «Niele», die Heusser, wie viele anderen auch, als junger Bursche geraucht hat. «Da wurde mir manchmal schlecht davon». Auch Efeu kann einem Baum schaden, wenn er in die Krone wächst. «Wir hauen nicht immer sofort alles ab, aber wenn es ungesund wird, handeln wir, sonst wird auch der Aufwand irgendwann unverhältnismässig gross». Momentan beschäftigt den Privatwaldbesitzer aber ein anderer Schädling stärker, als die Neophyten: Der Borkenkäfer hat zahlreiche Bäume befallen.

    Auch Vereine werden aktiv

    Neben Grün Stadt Zürich und den Privateigentümern beteiligt sich auch der Natur- und Vogelschutzverein (NVV) am Kampf gegen die invasiven Neophyten. Insbesondere auf ihren eigenen Pachtflächen am Ruggernweg und am Kappenbühl und in ihren Projekten entfernen sie die Pflanzen konsequent. «Beim Einjährigen Berufskraut machen wir pro Jahr bis zu fünf Durchgänge», sagt Benjamin Kämpfen vom NVV. Der NVV setzt sich auch bei der Stadt für die Beseitigung besonders schädlicher Arten, wie das erwähnte Henrys Geissblatt ein und informiert die Bevölkerung über das Thema. Neben dem Berufskraut sind vor allem die Goldruten und Schneebeeren sehr verbreitet. «Andere Arten wie der Essigbaum sind auf unseren Flächen praktisch verschwunden», so Kämpfen.
    Korrigendum zum Artikel «Neo-was? Exotische Pflanzen in Höngg»: Anders als im Artikel geschrieben, ist der Kirschlorbeer nicht verboten. Obwohl er nicht auf der Schwarzen Liste erscheint, zählt der Kanton Zürich ihn zu den invasiven Neophyten, die bekämpft werden müssen. Grün Stadt Zürich empfiehlt ebenfalls, die Pflanzen zu entfernen. Sie ist allerdings noch immer zum Verkauf freigegeben.

    Bereits zum Thema erschienen: «Neo-Was? Exotische Pflanzen in Hönggers Gärten», 29. August

  • Das Schliessgespenst geht um

    Das Schliessgespenst geht um

    Nun ist es gewiss: Die Apotheke Drogerie und Parfümerie Hönggermarkt schliesst Ende September. Ein Schock, denn damit verschwindet nicht nur ein grösserer Betrieb, sondern es endet an dieser Stelle eine Tradition: Die einstmalige «Dorfbach-Drogerie» bestand seit den 1920er-Jahren.
    Seit diesem Frühjahr, man muss es leider deutlich sagen, hat man sich in Höngg beinahe an Geschäftsaufgaben im Zentrum gewöhnt. Das Schliessgespenst geht um, besonders entlang der Limmattalstrasse: «Wohnderbar», Ende April weggezogen. «Schoggikönig», seit Ende Mai zu. Wo bis Anfang 2016 das Blumengeschäft «Gardenia» war, zog «Lekka Design» ein und schloss erst kürzlich wieder. Hier gibt es allerdings auch eine gute Nachricht: Ende Oktober, Anfang November eröffnet hier zum ersten Mal in Höngg eine Buchhandlung. Oder die Modeboutique «Dialog», gleich neben der UBS. Sie schloss Anfang 2016. Eingezogen ist eine Fahrschule, deren Räume meistens nur abends genutzt werden.
    Was war einst im kleinen Lokal Ecke Limmattalstrasse 206/Schärrergasse? Dort zog Anfang 2010 die Firma PrintAs.ch ein, die verschiedenste Kunstdrucke anbot und nicht lang überstand. Auf sie folgte ein Aikido-Dojo, das tagsüber auch keine Kundenfrequenz in die Gegend bringt.

    Hin und weg am Meierhofplatz

    Stetig und mit Einfluss auf einen lebendigen Laden-Mix vollzogen sich diverse Wechsel rund um den Meierhofplatz. Aus der «Dorfmetzg», geschlossen im August 2011, wurde nach Leerstand zuerst ein «Jean Keller Bistro», eine zu jenem Zeitpunkt an diesem Ort überflüssige Bäckerei. Erst nach deren Konkurs folgt ein Lichtblick mit der Eröffnung der Bar «Caprileone» Anfang dieses Jahres. Als 2015 am Meierhofplatz die Apotheke Höngg schloss und mit der Drogerie Hönggermarkt fusionierte, zog nach Leerstand und einer Zwischennutzung ein Friseur ein. Der Hundeshop «Hunter Store», 2015 an der Regensdorferstrasse eröffnet, schloss 2018 wieder, dafür zog Anfang dieses Jahres Coiffeur Tanya vom Zwielplatz um in die neu gestalteten Räume. Ihr Platz am Zwielplatz nahm ein: Ein Friseur.
    «Foto Video Peyer»? Gibt es noch, ist aber nach dem Besitzerwechsel aus dem Zentrum weg in Richtung Schwert gezogen: Dort standen, nach der Schliessung von TV Reding und dem Wegzug von B&O Höngg, zwei Ladenlokale leer. Ins zweite zog ein Architekturbüro.
    Eine Odyssee hat der «Jet Schneider» hinter sich: Er zog vom Meierhofplatz unter die Bögen an der Limmattalstrasse 195. Wo er wegzog, zog an bester Lage eine weitere Fahrschule ohne Kundenfrequenz ein. Enttäuscht von der schlechten Passantenlage zog der «Jet Schneider» bei erster Gelegenheit wieder zurück an den Meierhofplatz, in die inzwischen freigewordenen Räume von «Foto Video Peyer». Und was hat sich an seiner Stelle unter den Bögen in der städtischen Liegenschaft einquartiert? Überraschung: Ein weiteres Nagelstudio. Per Ende September auch angekündigt ist die Schliessung des «Gwunderfizz» am Meierhofplatz. Dort zumindest laufen, so hat der «Höngger» erfahren, vielversprechende Verhandlungen zur Weiterführung unter neuer Inhaberschaft. Und was ist mit Restaurants? Da will man gar nicht erst mit Nachdenken beginnen, so häufig folgten Schliessungen auf Wiedereröffnungen und Besitzerwechsel, seit Jahrzehnten. Der «Rebstock», die «Alte Trotte» und das Restaurant «Rütihof» blieben letztlich für immer geschlossen, um nur die drei aktuellsten zu nennen. Wenigstens hat der Rütihof seit Anfang August mit dem «CaBaRe» wieder ein Restaurant erhalten. Ermüdet von den traurigen Aufzählungen? Nun, leider ist diese Aufzählung weder vollständig geschweige denn abschliessend. Fakt ist: Das Schliessgespenst geistert seit Jahren durch Höngg.

    Stete Unruhe im Hönggermarkt

    Auch im Hönggermarkt, wo nun die gleichnamige Apotheke-Drogerie schliesst, kam es immer wieder zu Wechseln und Leerständen. Um nur einige aufzulisten: «Fawer Radio TV» schloss 2012. Kurz darauf zog «Sandra Schuhe» gleich gegenüber weg. Es folgte ein Leerstand, bis dann der «Hong Kong Take-Away» einzog. Was einst das Restaurant «Al Porto» war, mutierte nach längerem Leerstand Ende 2014 zur Weinhandlung der darunterliegenden Coop-Filiale, auf die Höngg kaum gewartet hatte. Im Geschäft nebenan zog eine Firma für Hörgeräte ein, keine 50 Meter entfernt von einer zweiten dieser Branche.

    Wem «Lupfts dä Huet»?

    Nächsten Montag, 16. September, wird von der Reformierten Kirchgemeinde Zürich im Rahmen des Zwingli-Jahres am Meierhofplatz eine Kopie der Zwinglistatue aufgestellt. Als ob sie es gewusst hätte, hat sie «Wirtschaft» zum Thema. Gemeint sind nicht Restaurants. Zu einem passenderen Zeitpunkt könnte dieser Zwingli Höngg kaum heimsuchen, denn es wäre an der Zeit, wenn es mal nicht nur dem guten alten Reformator den sprichwörtlichen «Hut lupfen» würde, sondern endlich mal noch ganz anderen Höngger*innen.

    Geschichte der Drogerie Hönggermarkt, «Von der Handlung zur Fusion», «Höngger» vom 7. Mai 2015 unter www.hoengger.ch

  • Schliessung nach turbulenten Jahren

    Schliessung nach turbulenten Jahren

    Offenbar hörte man die Ketten dieses Schliessgespenstes  auch in der Apotheke Drogerie Parfümerie Hönggermarkt schon länger rasseln. Dem erwähnten, kurzgefassten Kundenschreiben ist zu entnehmen, dass nebst den Sanierungsarbeiten in der Limmattalstrasse (2012, Anm. d. Redaktion), die «Abgänge langjähriger Mieter, gefolgt von lange leerstehenden Ladenlokalen» turbulente Zeiten bedeutet hätten. 
    Dr. Rudolf Andres, Geschäftsführer der Rotpunkt-Pharma AG, präzisiert auf Nachfrage des «Hönggers», was im Kundenbrief knapp formuliert war: «Mit jedem Abgang oder Wechsel im Zentrum ‹Hönggermarkt› nahm die Frequenz ab und während den Gleissanierungen damals war die Umsatzeinbusse mit bis zu 50 Prozent dramatisch». Auch vom Zentrumsumbau 2014 hatte man sich mehr erhofft, doch weder die neu gebaute Treppe direkt zur Regensdorferstrasse, noch die Öffnung des Eingangsbereichs brachten mehr Kundenfrequenz. Ebenso wenig die Versuche der Zentrumsverwaltung, nach dem Umbau einen kleinen Markt ins Leben zu rufen. Dabei gab es früher vielversprechende Versuche seitens der Mieterschaft, selbst einen solchen Markt zu etablieren, doch Dr. Andres sagt, der Kampf für einen selbstorganisierten Markt sei einer gegen Windmühlen gewesen: «Bei der Verwaltung hatten wir jedes Jahr neue Ansprechpartner, die uns Besserung versprachen und uns auf später vertrösteten». Was die Verwaltung in letzter Zeit dann zum Thema «Wochenmarkt» anstiess, bewies – warum auch immer – weder Vielfalt noch Kontinuität.
    Doch die Frage der Kontinuität muss sich nun auch die Rotpunkt-Gruppe gefallen lassen: Erst Ende 2011 hatte sie die Drogerie Hönggermarkt übernommen und sie dann 2015 mit der Apotheke Höngg fusioniert. Und nun bereits die Schliessung? Nein, die Fusion sei auch aus heutiger Sicht richtig gewesen, sagt Dr. Andres: «Wir konnten dadurch Miet- und Personalkosten einsparen». Erklärend und sehr kritisch führt er an, dass die Mieten für Ladenlokale in Höngg bei Verträgen, die vor mehr als fünf Jahren abgeschlossen wurden, meistens viel zu hoch seien. Dabei sei es längst zu einem Wechsel vom Vermieter zum Mietermarkt gekommen. Das heisst, das Angebot an Verkaufsflächen ist grösser als die Nachfrage. Bloss reagieren die meisten Vermieter darauf nicht mit Mietzinssenkungen, sondern nehmen lieber Leerstände in Kauf. Ja, so absurd es klingt, doch mit Leerständen fahren Liegenschaftsbesitzer – insbesondere grössere Firmen – besser als mit tieferen Mietzinseinnahmen, denn diese schlagen als Reduktion des Liegenschaftswertes zu Buche. Kreditgebende Banken, Pensionskassen und andere Player der Branche interessiert nur der theoretisch mögliche Ertragswert – ob tatsächlich auch vermietet ist, ist ihnen egal.

    Das Problem in einer grösseren Dimension

    Im Gespräch fasst der Rotpunkt-Chef die Vermieter nicht mit Samthandschuhen an. Er wirft ihnen Fantasielosigkeit bei der Regenerierung der Bausubstanz vor und fordert sie auf, endlich «von passiven Verwaltern zu aktiven Bewirtschaftern zu werden, die sich nebst den Liegenschaften auch um das Wohl des Quartiers und um jenes der Mieterschaft kümmern». Allgemein hebt er, nicht als einziger, das Problem auf eine höhere Ebene, wenn er sagt, dass Liegenschaftsbesitzer auch aktiv werden müssten, wenn es um die Gestaltung der öffentlichen Plätze und des Verkehrs in Höngg geht: «Ein Zusammenschluss und damit ein gemeinsames Auftreten gegenüber der Stadtregierung werden nötig sein, um die Verkehrsmisere am Meierhofplatz zu beheben». Das Herz von Höngg, so resümiert er, sei eine verstopfte Verkehrskreuzung, statt ein Ort für die Bevölkerung, wo man einkauft, sich trifft und sich gerne aufhält.
    Der Mann weiss, wovon er spricht, denn er engagiert sich seit Jahren auch in der City Vereinigung Zürich und der Vereinigung Bellevue/Stadelhofen, dem Standort seiner eigenen Apotheke. In zahlreichen Gesprächen mit dem Stadtrat wurde schon gefordert, den leidenden Detailhandel mehr zu unterstützen. Und zwar durch Entlastung: Hört man Dr. Andres und anderen zu, so ist der bürokratische Aufwand, um einen Laden, ein Geschäft zu betreiben, ins Uferlose gewachsen. Für die simpelsten Umbauten müsse man mit verschiedensten Ämtern verhandeln und Gebühren entrichten, oft helfe nur ein Anwalt.
    Was nach allen Ausführungen bleibt: Am Montag, 30. September, um 19 Uhr, schliesst die Apotheke Drogerie Parfümerie Hönggermarkt und fusioniert mit der Apotheke Im Brühl. Die Parfümerie- und Drogerieartikel wechseln zusammen mit den Drogistinnen in die Limmat Apotheke. Auch das andere Personal wird vollständig übernommen, versichert Dr. Rudolf Andres: «Die Flexibilität der Mitarbeiterinnen und ihr Verständnis für diesen Schritt hat uns sehr gefreut. Man spürt, wie sehr ihnen die Kunden und Höngg als Arbeitsort am Herzen liegen».