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  • Züri Brot – eine hausgemachte Erfolgsgeschichte

    Züri Brot – eine hausgemachte Erfolgsgeschichte

    Angefangen haben die beiden Selfmade-Bäcker*innen Anfang 2019 zu Hause in den eigenen vier Wänden ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung. Weil sie selbst auf der Suche nach einem leckeren Brot ohne Zusatzstoffe waren, in Zürich aber keines fanden, das ihren Vorstellungen entsprach, fingen sie kurzentschlossen selbst an zu backen.

    Brot aus der guten Stube

    Ihr erster Kunde war ein Bekannter, der via soziale Medien von ihrem Experiment erfuhr und bei ihnen ein Roggenbrot mit Gewürzen orderte. Aus dem einen Kunden wurden schnell mehrere, ein Brotbackofen musste her. «Also», so erzählt Sascha Graf im Gespräch, «besorgten wir uns – in Absprache mit der Genossenschaft, in der wir leben – einen Steinbackofen für unsere Wohnung, mit dem wir zehn Kilo Brot auf einmal backen konnten». Während des Lockdowns im Frühling bauten die beiden das Projekt aus. Larissa Stamoulos, die ursprünglich aus der Elektronikbranche kommt, kümmerte sich nun hauptberuflich um das Backen, Graf begann, neben seiner Tätigkeit als Hauswart, mit seinem Roller Brote auszuliefern, die Firma «Züri Brot» wurde gegründet.

    Bio, regional und ohne Zusatzstoffe

    Das Grundprinzip von «Züri Brot» sind handgemachte Biobackwaren aus möglichst regional produzierten Bestandteilen. «Wir legen sehr viel Wert darauf, alle einzelnen Bestandteile unserer Brote genau zu kennen und zurückverfolgen zu können», erläutert Graf. Die Brote sind allesamt ohne Zusatzstoffe angefertigt und bestehen in der Basis lediglich aus Wasser, Salz, Mehl und hausgezüchteter Hefe. Das Sortiment ist mit acht verschiedenen Brotsorten «klein, aber fein», alle Rezepte wurden von den beiden selbst entwickelt.

    Ein eigenes Café

    Im Sommer 2020 ergab sich für die beiden leidenschaftlichen Bäcker*innen die Möglichkeit, an der Breitensteinstrasse das im Ladenlokal integrierte Café im ehemaligen «26 Rose Garden» zunächst vorübergehend zu übernehmen. Mittlerweile hat auch Graf seinen Job gekündigt, so dass sich beide ganz um ihren Laden kümmern können. Neben den Backwaren bietet das Paar hier zusätzlich Frühstück und Mittagessen an, selbstverständlich alles frisch und vor Ort zubereitet. In den nächsten zwei Wochen wird die Baugenossenschaft Denzlerstrasse Zürich, die die Räumlichkeiten vermietet, entscheiden, ob sie das Café auch dauerhaft übernehmen können.

  • Vater tötete Tochter mit einer Axt

    Vater tötete Tochter mit einer Axt

    Swera hatte einen christlichen Freund, hatte sich geschminkt und westlich gekleidet und war ein selbständiges junges Mädchen – doch das passte nicht in das konservative Weltbild ihres muslimischen Vaters. Mit mindestens 19 Beilhieben erschlug der Vater am 10. Mai 2010 seine 16-jährige Tochter in einer Genossenschaftswohnung im Rütihof. Denn Swera plante auszuziehen, was zu einem heftigen Streit führte. Noch während sie ihre Sachen packte, schlug der Vater mit der Axt auf sie ein: Zwölfmal mit der Schneide, siebenmal mit dem stumpfen Hinterteil. Die junge Frau verstarb allerdings erst nach einigen Minuten. Am gleichen Tag hatten die Eltern ihre Tochter auf der Uraniawache der Stadtpolizei abgeholt, weil sie dort wegen eines geringfügigen Ladendieb-stahls festgehalten wurde. Das Mädchen hatte zusammen mit einer Freundin ein Päckchen Zigaretten mitgehen lassen und wurde dabei erwischt. Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft lehnte die Tochter aber den Kontakt mit der Mutter ab, sodass der Vater mit ihr getrennt in die Wohnung nach Höngg fuhr. Dort wies die Tochter die Mutter erneut zurück. Auf Anraten des Mannes verliess die Ehefrau mit den beiden anderen Kindern die Wohnung und fuhr in die Stadt.

    Es begann nun ein langer Streit zwischen dem Vater und dem Mädchen, wobei die 16-Jährige den Vater heftig beleidigte und ihre Sachen packte und zum Freund ziehen wollte. Als sie im Keller war, um ein Paar Schuhe zu holen, holte der Vater vom Balkon ein Beil, das dort schon seit vielen Jahren deponiert war und versteckte es im Elternschlafzimmer. Als Swera, die inzwischen wieder in der Wohnung war, kniend Gegenstände in einer Kommode im Elternschlafzimmer suchte, schlug der Vater mit grosser Wucht auf ihren Hinterkopf. Nach der Tat platzierte der Vater das Beil sorgfältig auf dem Gesäss der Tochter, wusch sich die Hände, verliess die Wohnung, rief seine Frau an und sagte ihr, dass er die Tochter umgebracht habe. Eine Viertelstunde später informierte er die Polizei, welche ihn an der Regensdorferstrasse unweit der Wohnung verhaften konnte.

    Vater war schon länger polizeibekannt

    In der Genossenschaftswohnung in Höngg lebten Vater, Mutter sowie ein Knabe und drei Mädchen. Die sechsköpfige Familie galt in der Nachbarschaft als freundlich und nett. Doch gab es in der pakistanischen Familie immer wieder Streit, wie Nachbarn sagten. Auch den Behörden war der Vater bekannt. «Wir haben etliche Male bei der Polizei angerufen. Swera hat erklärt, dass sie geschlagen wird, weil sie ausgerissen ist und dass sie Angst hat», berichtete ihr Freund. Schon im Jahr 2007 machte die Schule für alle drei Kinder eine Gefährdungsmeldung, weil sie blaue Flecken im Gesicht hatten. Als Hilfe erhielt die Familie einen Erziehungsbeistand sowie einen Familienbegleiter muslimischer Herkunft, der zwei- bis dreimal pro Woche Kontakt aufnahm. Solche Beistandschaften werden angeordnet, wenn Verdacht besteht, das Wohl des Kindes könnte gefährdet sein. Die Familie stand der Massnahme positiv gegenüber und arbeitete mit dem Begleiter einen Plan aus, den alle Familienmitglieder unterschrieben. Direkte Anzeichen für eine akute Gefährdung der Tochter habe es nie gegeben, sagte damals ein Vertreter der Sozialen Dienste. Bereits drei Wochen vor dem Mord hatte der Vater versucht, seine Tochter umzubringen, weil sie Marihuana geraucht haben sollte. Laut der Anklageschrift hatte er seine Tochter geschlagen, in die Badewanne gezerrt, diese volllaufen lassen und dann einen Föhn in die Wanne geworfen. Swera konnte sich wehren und überlebte den Anschlag. In durchnässten Kleidern floh das verängstigte Mädchen zu einer Freundin.

    Dreizehneinhalb Jahre Haft wegen Mordes

    Im April 2012 verurteilte das Zürcher Bezirksgericht den Vater zu einer Freiheitsstrafe von 17 Jahren wegen Mordes. Der Staatsanwalt hatte in der Tat einen Ehrenmord gesehen und wegen Mordes und versuchter vorsätzlicher Tötung eine Strafe von 20 Jahren gefordert. Der Verteidiger sprach lediglich von Totschlag und forderte viereinhalb Jahre. Es sei eine Tat im Affekt gewesen. Für seinen Mandanten habe die Tochter mit ihrem Verhalten seine Ehre und diejenige der Familie in Pakistan beschmutzt. Das Obergericht senkte das Urteil auf dreizehneinhalb Jahre Gefängnis, bestätigte die Tat jedoch als Mord. Der Grund für die Strafsenkung: «Schwerwiegend verminderte Schuldfähigkeit». Das Obergericht verneinte in seinem Urteil einen Ehrenmord oder kulturelle Besonderheiten. «Wer seit 25 Jahren in der Schweiz lebt, kann sich nicht mehr auf die kulturellen Eigenheiten seiner Heimat berufen», sagte der Richter.

    Bundesgericht bestätigte Mordvorwurf

    Der Pakistani zog daraufhin das Urteil vor das Bundesgericht mit der Be-gründung, dass er unter grosser psychischer Belastung und heftiger Gemütsbewegung gehandelt habe und plädierte auf Totschlag. Das oberste Gericht wies den Antrag jedoch ab und bestätigte das Urteil des Oberge-richts. Der Vater sei heimtückisch und kaltblütig vorgegangen, das Tatmotiv zudem krass egoistisch gewesen. In der Anklageschrift war die Rede von einem richtiggehenden Abschlachten und einem Massaker.
    Laut dem Urteil seien die Beleidigungen «Schwein» und «Arschloch» der Tochter gegen den Vater sowie die Ankündigung, auf den Strich gehen zu wollen, kränkend und nicht dem üblichen Umgangston in einer Familie ent-sprechend gewesen. Jedoch sei dies eine Eskalation eines mehrjährigen Konflikts in der Familie gewesen. Der Vater habe das Leben seiner 16-jährigen Tochter ausgelöscht, weil ihre Ansichten und Zukunftspläne nicht seinen moralisch-muslimischen Wertvorstellungen entsprachen. Der Mann habe den grausamen Mord kaltblütig geplant und ihn auf hinterhältige und ausserordentlich grausame Art durchgeführt. Mit der Tat habe er erreichen wollen, dass endlich wieder Ruhe einkehrte.

     

  • «Weihnachtsbäume für alle» im Rütihof

    Die Kulturgruppe der Baugenossenschaften Sonnengarten und KV Zürich hat Nägel mit Köpfen gemacht und für die Siedlung im Rütihof insgesamt vier Weihnachtsbäume bestellt. Anfang Dezember werden die nachhaltigen Tannenbäume im Topf geliefert und an zwei verschiedenen Standorten in der Siedlung aufgestellt. Ab dem 6. Dezember sind alle Bewohner*innen eingeladen, mitzumachen und ihren Beitrag zu einem festlich dekorierten «Rütihof- Weihnachtsbaum» zu leisten. Zu diesem Zweck verteilt die Kulturgruppe in jeden Haushalt einen Holzstern, der nach Lust und Laune bemalt und geschmückt werden darf – es sind jedoch zusätzlich auch alle anderen wasserfesten Dekorationen willkommen. Bis zum 8. Januar bleiben die Bäume in der Siedlung, danach werden sie abgeholt und wieder zurück in den Wald gepflanzt.

  • War in Höngg ein Hundehasser unterwegs?

    War in Höngg ein Hundehasser unterwegs?

    Für Hundebesitzer war es ein Albtraum: Bei der Stadtpolizei Zürich gingen im Februar 2010 sieben Anzeigen wegen vergifteter Hunde ein, drei der Tiere starben an Nierenversagen. Hatte jemand Wursträdchen mit Frostschutzmittel versehen, um Hunde zu töten? Betroffen von den Vergiftungen waren diverse Hundearten – vom Pudel bis zum Golden Retriever. Ihre Besitzer*innen hatten die Tiere im Gebiet Hönggerberg–Rütihof–Friedhof-Oberengstringen ausgeführt. Daher drängte sich der schreckliche Verdacht auf, dass zwischen Höngg und Oberengstringen ein Hundehasser sein Unwesen treiben könnte. Die Gerüchteküche brodelte. Eine Hundehalterin machte sich Gedanken, ob ein Zusammenhang zwischen den mysteriösen Hundeerkrankungen und der aufgeregten Debatte um die schweizweite Einführung eines Tieranwalts bestehen könnte.
    Unter den vergifteten Vierbeinern litt auch der Hund des Blickredaktors Peter Padrutt schwer an einem Nierenversagen, aber er überlebte. Im Blick veröffentlichte der Hundebesitzer damals rührende Worte:
    «Ach Timo, was warst du für ein selbstbewusster, starker Hund. So wie du letzten Donnerstag noch durch den Schnee getollt bist, hätte keiner geglaubt, dass du schon zehn Jahre alt bist. Du warst ein Hund wie Labrador Marley aus der Kino-Komödie. Ein Hund mit Flausen im Kopf [… ]. Letzte Woche hast du nach einem Spaziergang in Zürich-Höngg plötzlich erbrochen. Du hast mal wieder was zusammengefressen. Ja, deine Lieblingsbeschäftigung wurde dir zum Verhängnis. In der Nacht auf Samstag bist du unruhig durchs Haus gelaufen, wolltest raus. Vermutlich hattest du fürchterliche Schmerzen. Dann bist du apathisch in der Kälte gestanden und hast gezittert.»
    Der Fall erinnerte an ähnliche Ereignisse: 2002 waren in Zürich-Affoltern vergiftete Fleischstückchen verstreut worden. Anfang 2007 starben in Bettwiesen TG zwei Pudel, nachdem sie unbekannte Happen von der Strasse gefressen hatten. Im Dezember 2007 verendeten in der Region Härkingen in Solothurn zwei Hunde: Sie hatten vergiftete Wurststückchen gefressen. Kurze Zeit später wurden im bernischen Oberaargau vergiftete Würste gefunden. Und 2009 verfütterten Unbekannte im Kanton Solothurn vergiftetes Fleisch an Hunde – ein Tier verendete.

    Hunde frassen Traubentrester

    Nachdem Abklärungen der Polizei gezeigt hatten, dass mindestens drei Hunde fast am selben Ort auf einem Feld nahe des Rütihofs etwas verzehrt hatten, wurden Ermittlungen eingeleitet. Die Untersuchungen brachten Erstaunliches zutage: Es trieb kein Hundehasser sein Unwesen und die vergifteten Hunde hatten keine mit Frostschutzmittel präparierte Cervelat-Rädchen gefressen, sondern Traubentrester. Just an dieser Wiese, wo die Hunde etwas verzehrt hatten, lag auch eine Anhäufung von Naturdünger, in der sich eine grössere Menge von Traubentrester befand. Der Trester war vom städtischen Gutshof Juchhof als Dünger ausgebracht worden. Traubentrester ist Abfall, der beim Pressen entsteht und zu drei Vierteln aus Schalen und einem Viertel aus Kernen besteht. Das Düngen mit dem nährstoffreichen Trester wurde schweiz- und europaweit praktiziert.
    Vom Mist und vom Trester wurden Proben sichergestellt und vom wissenschaftlichen Dienst der Stadtpolizei Zürich untersucht.
    Gleichzeitig fanden in der Tiermedizin in Bern eine Autopsie und Abklärungen statt. Dabei fand man jedoch keinerlei toxischen Stoffe. Die Polizei wies die Hundesbesitzer an, ihre Tiere zu beobachten, auch wenn diese ohne Leine herumliefen. Bei ungewöhnlichen Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, Krämpfe oder Zittern, sollten sich die Hundebesitzer an einen Tierarzt wenden und diesem eine Probe des Erbrochenen mitbringen.
    Was genau zum Tod führte, fanden die Veterinäre jedoch nicht heraus. Der Verzehr von Traubentrester könne bei Hunden aber zu Nierenproblemen bis hin zu Nierenversagen führen. Rehe hingegen werden mit dem als wertvoll angesehenen Trester gefüttert. Auch in der Nahrungsmittelergänzung für Menschen findet er Verwendung.
    Wegen der vergifteten Hunde unterbrach die damalige Zürcher Stadträtin Ruth Genner (Grüne) sogar ihre Graubünden-Ferien und reagierte mit einer Medienorientierung. Dies hatte zur Folge, dass der stadteigene Gutsbetrieb Juchhof, der seinen mit Trester versetzten Dünger in Höngg verteilt hatte, nicht mehr ausbringen durfte. Anderen Landwirtschaftsbetrieben wurde ebenfalls nahegelegt, auf diesen Dünger zu verzichten. Ausserdem hatte Grün Stadt Zürich Warnschilder mit Hinweisen für Hundebesitzer im betroffenen Gebiet angebracht und die Stadt Zürich gab ein wissenschaftliches Gutachten in Auftrag. 

    Was tun, wenn ein Hund etwas Vergiftetes frisst?

     Bei Verdacht auf Vergiftung sollten Hundebesitzer so schnell wie möglich einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen. Denn oftmals sind Hundehalter selber nicht in der Lage, genau zu definieren, was der Hund gefressen haben könnte. Folgende Angaben sollte man für den Tierarztbesuch so genau wie möglich zusammentragen: was wurde gefressen, wieviel wurde davon gefressen und vor allem, wie lange ist es her? Allfällige Essensreste sollte man ebenfalls mitbringen. Zu den häufigen Symptomen einer Vergiftung gehören nebst Übelkeit und Durchfall auch starkes Speicheln, ein schwankender Gang, Atemstillstand und Krämpfe. Ausserdem ist es wichtig, kein Erbrechen auszulösen, da sonst der vergiftete Mageninhalt wieder nach oben gelangt. Zu den häufigsten Vergiftungen bei Hunden und Katzen gehören unter anderem: Ratten- und Mäusegift, Frostschutzmittel, Giftpflanzen sowie Insektizide und Medikamente.

    Die Serie «Tatort Kreis 10» befasst sich mit Verbrechen oder Unfällen, die sich in Wipkingen und Höngg ereignet haben. Die Redaktion ist offen für Hinweise auf weitere Fälle im Kreis 10 aus der Bevölkerung auf redaktion@hoengger.ch

  • «Russenhöhle» gefunden

    «Russenhöhle» gefunden

    In der Rubrik «Tatort Kreis 10» wurde im letzten «Höngger» vom 1. Oktober nach der Russenhöhle im Gubristgebiet gesucht. Beschrieben wurde der ehemalige Pfadfinder, Walter Sommerhalder, der damals mit elf Jahren die Höhle zum ersten Mal betreten hat und viele Jahrzehnte später mit seiner Tochter wieder danach suchte. Sommerhalder und viele andere Neugierige können jetzt aufatmen, denn der aufmerksame und waldkundige Leser, Jürg Robustelli, hat uns den Ort verraten und uns die eindrücklichen Fotos zur Verfügung gestellt. Die «Russenhöhle», die anfangs kriechend und kurz danach stehend begehbar ist, führt zirka 50 Meter in den Berg hinein. Der Eingang befindet sich direkt am Waldrand, links des Regensdorferwegs. Der Regensdorferweg bildet die Verlängerung der Ankenhofstrasse, welche die Sonnenbergstrasse oberhalb des Sonnenberggutes kreuzt oder einfacher gesagt, die Verbindung zwischen dem Sonnenberggut in Oberengstringen und dem Rütihof ist.

  • Als Kanonenkugeln über Höngg und Wipkingen flogen

    Als Kanonenkugeln über Höngg und Wipkingen flogen

    Die beiden Schlachten um Zürich spielten sich 1799 während des zweiten Koalitionskrieges ab. Rund 90 000 Soldaten aus Frankreich, Österreich und Russland waren in Zürich stationiert und zogen die Bevölkerung in Mitleidenschaft. Bei der ersten Schlacht um Zürich zwischen dem 2. und 6. Juni 1799 war vor allem das Gebiet Käferberg-Milchbuck-Zürichberg-Adlisberg betroffen. Die Schlacht endete mit einem Sieg der österreichisch-russischen Koalitionstruppen. Knapp vier Monate später wendete sich das Blatt bei der zweiten Schlacht um Zürich. Am 25. September 1799 konnten die Truppen des französischen Generals Masséna bei Unterengstringen die Limmat überqueren und über Engstringen und Höngg gegen Zürich vorrücken. Die österreichischen und russischen Armeen wurden geschlagen und zogen sich aus der Schweiz zurück, die damit wieder unter die Kontrolle der Franzosen kam. Die Namen Dietikon und Zürich sind im Triumphbogen in Paris eingemeisselt – neben über 130 weiteren Schlachten, welche Napoleons Armeen gewonnen haben. Als dritter Schweizer Ort ist übrigens auch Mutta Thal (so geschrieben) verzeichnet; bei Muotatal im Kanton Schwyz erlitt der russische General Suworow nach einer verunglückten Alpenüberquerung sein grosses Debakel.

    Auf dem Müseli auf der Waid, wo heutzutage im Winter die Kinder schlitteln, lag damals eine Kanonenstellung der russischen Armee. Auch ein Waldweg im Hönggerberg mit dem harmlos klingenden Namen «Russenbrünnelistrasse» erinnert an die damalige Besatzung. Die heutige Wieslergasse, eine kleine Strasse zwischen der Limmattal- und der Regendorferstrasse nahe des Zwielplatzes, nannte die Bevölkerung zu jener Zeit «Russengasse», weil die russischen Soldaten am 25. und 26. September 1799 an diesem Ort stationiert waren.

    Im Jahr 1801 wurden die Kriegsschäden durch die kantonalen Behörden beziffert: Über 3 000 Franken entstanden durch Schäden an Häusern, Scheunen und zwei Trotten durch Beschiessungen. Des Weiteren kam es zu Verlusten von über 20 000 Franken wegen Plünderungen sowie von über 30 000 Franken wegen «Waldschändung durch Verhau», so beschreibt es der ehemalige Höngger Notar Georg Sibler in seinem Buch «Ortsgeschichte Höngg» von 1998. 

    «Russenhöhle» im Gubrist 

    Auch im Gubrist, einem 615 Meter hohem Hügel zwischen Oberengstringen und Regensdorf, erinnert die sogenannte «Russenhöhle» an Kriegszeiten. Die Höhle sei länglich und führe etwa 30 bis 50 Meter in den Berg hinein. Auf einer arenaartigen Wölbung des Bodens soll sich der Höhleneingang auf der linken Seite des Weges befinden. «Man musste durch den sehr schmalen Eingang kriechen, konnte dann aber sofort aufrecht stehen. Der Boden war teilweise feucht», erzählte der ehemalige Pfadfinder Walter Sommerhalder in der «Schweiz am Wochenende». Er hatte die Höhle mit elf Jahren zum ersten Mal betreten und versucht seither, sie wiederzufinden. Die Russen hätten dank der Höhle schnell von der einen auf die andere Seite des Berges fliehen können. Am Gestein könne man noch die Spuren von Spitzhacken sehen, mit denen die Höhle von russischen Soldaten gegraben wurde, weiss Sommerhalder. «Sie sollen sich so 1799 vor den napoleonischen Truppen des Generals Masséna, die ja bekanntlich bei Dietikon die Limmat überschritten haben, versteckt haben», so Sommerhalder weiter. 

    Viele Jahrzehnte später ist die Höhle jedoch zugedeckt und unauffindbar für Sommerhalder, der sich gemeinsam mit seiner Tochter Andrea auf die Suche nach dem geheimnisvollen Ort machte. Mehrere Stunden verbrachten die beiden im Wald des Gubrists – ohne Erfolg. Doch der ehemalige Pfadfinder denkt nicht ans Aufgeben. «Ich werde weitersuchen. Vielleicht kann mir der Förster oder ein Historiker helfen. Ich möchte die Höhle unbedingt wiederfinden», erklärt Walter Sommerhalder. Die Russenhöhle sei für ihn ein Mysterium, das er auf jeden Fall noch einmal sehen müsse. 

    Russen waren auch in Weiningen

    Nicht nur im Kreis 10, sondern auch in Weiningen im Limmattal, das für seinen Weinbau bekannt ist, waren die Russen stationiert und versuchten die Überquerung der Limmat durch die Franzosen zu verhindern. Diese hatten schon seit Wochen Boote von verschiedenen Gewässern herbeigeschafft. Am Morgen des 25. September um 4.45 Uhr überquerten die ersten Franzosen den Fluss und schon zwei Stunden später erreichte die französischen Vorhuten das Kloster Fahr und plünderten es.

    Dieses Ereignis hinterliess bei der Bevölkerung seine Spuren. So finden sich in Erzählungen diverse Anekdoten aus jener Zeit, als sich Russen und Franzosen im Limmattal aufhielten. 1915 berichtete der Weininger Sekundarlehrer Oskar Lüssi in seinem Buch «Aus schwerer Zeit», dass die russischen Soldaten im Wald bei Weiningen ihr Lager aufgeschlagen hätten. «Sie fällten Bäume bis zur Brusthöhe; offenbar in der Absicht, einen besseren Überblick über das Gelände und ein freies Schussfeld zu haben, ohne selbst bemerkt zu werden», schrieb Lüssi in seinem Buch. Weininger Frauen hätten den Soldaten ihr Mittagessen gebracht, generell konnte sich die lokale Bevölkerung nicht stark beklagen. Die Jungfrauen hätten jedoch während dieser Zeit Hausarrest gehabt. Die Russen hätten die Weininger sogar in ihren Häusern besucht und sollen einige Backöfen beansprucht haben.

  • Der Bombenleger von Höngg

    Der Bombenleger von Höngg

    Die Wohnsiedlungen rund um die Riedhofstrasse gelten als ruhig, familienfreundlich und sicher. Niemand würde dort das organisierte Verbrechen oder gar einen Autobombenanschlag vermuten. Doch im Dezember 2006 kam es um ein Haar zu einem tödlichen Attentat auf einem Parkplatz an der Reinhold-Frei-Strasse. Ein 32-jähriger Bosnier hätte mit 429 Gramm Sprengstoff, wie er in der serbischen Armee verwendet wird, einen Serben in dessen Mercedes töten sollen.

    Das später vom Wissenschaftlichen Forschungsdienst der Stadtpolizei Zürich, heute Forensisches Institut Zürich, erstellte Gutachten hielt fest, dass die Bombe funktionstüchtig gewesen sei. Die Explosion wäre «für Personen auf dem Führer- und Beifahrersitz kaum überlebbar gewesen». Personen auf den Hintersitzen und auch solche im Umkreis von 3,5 Metern um das Fahrzeug hätten mit «tödlichen Verletzungen beziehungsweise mit irreversiblen Körperschäden» rechnen müssen, heisst es im Gutachten weiter.

    In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 2006 montierte der Bosnier die Sprengvorrichtung unter den Mercedes, den Sprengstoff hatte er von seinem Auftraggeber erhalten. Nachdem er gesehen hatte, dass jemand in den Mercedes gestiegen war, verliess er den Tatort in seinem Auto und soll wenige Minuten später versucht haben, die Bombe per Handy zur Detonation zu bringen, was allerdings misslang. Er habe dabei «in Kauf genommen, weitere Personen wie Mitfahrer, Fussgänger sowie andere Verkehrsteilnehmer zu töten», schrieb die Bundesanwaltschaft in der Anklageschrift. Dem widersprach der Bombenleger vor Gericht. Er habe Gewissensbisse bekommen und im letzten Moment entschieden, die Bombe nicht explodieren zu lassen: «Ich kann niemanden umbringen», sagte er.

    Das Bundesstrafgericht in Bellinzona, wo sich der Mann im Jahr 2010 verantworten musste, vertrat dieselbe Ansicht wie die Bundesanwaltschaft. Der Bosnier habe zwar Skrupel bekommen und die Bombe nicht explodieren lassen. Doch sie sei scharf gewesen und hätte durchaus auch aus einem anderen Grund hochgehen können. Weil er Leib und Leben anderer Menschen gefährdet hatte, wurde er zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Der Mann war nach dem versuchten Anschlag nach Serbien geflohen. Im Dezember 2008 war er in die Schweiz zurückgekehrt und hatte sich den Behörden gestellt.

    «Werkzeug» eines Auftragsmordes

    Doch wie kam es überhaupt zu dieser Situation und was hatte die organisierte Kriminalität in Serbien damit zu tun? Laut dem Bombenleger war das geplante Attentat die Folge einer langjährigen Familienfehde gewesen. Der Bosnier selbst bezeichnete sich als «Werkzeug» einer kriminellen Organisation in Serbien, die auch mit wichtigen Personen aus Politik und Militär in Kontakt gewesen sein soll. Ausserdem sagte er aus, dass er selbst getötet worden wäre, hätte er den Auftrag abgelehnt. Der Auftraggeber sei ein 56-jähriger Serbe gewesen, der beim Prozess jedoch abwesend war, da er in seinem Heimatland wegen Drogenhandels in Untersuchungshaft sass. Vor dem Auftraggeber hätten viele Leute Angst, nicht nur in Serbien, auch in der Schweiz. Der Mann sei ein ranghohes Mitglied einer kriminellen Organisation, die sich bis in politische und militärische Kreise erstrecke.

    «Er kann über Leben und Tod entscheiden», sagte der 32-jährige Bosnier und befürchtete: «Nun ist mein Todesurteil gesprochen». Die Aufgabe habe er sowohl aus Angst als auch aus Respekt angenommen. Mitglied der kriminellen Organisation sei er nicht gewesen, er habe lediglich «Befehle ausgeführt», so der Beschuldigte. Für die Zündung der Bombe hätte er eine gute Anstellung am Flughafen in Belgrad bekommen. Auch für die Zeit nach der Gerichtsverhandlung fürchtete der Beschuldigte um sein Leben. Seine Geständnisse würden gewissen Leuten in Serbien nicht gefallen. «Ich fühle mich nicht einmal im Gefängnis sicher«, sagte er.

    Grund für den Mordversuch war die Annahme des Auftraggebers, dass der Mann, dem der Anschlag galt, 1998 seinen Cousin ermordet habe. Dieser kam bei einer Schiesserei in Amsterdam ums Leben. Der Besitzer des Mercedes, der mit der Bombe hätte getötet werden sollen, sagte in der Gerichtsverhandlung, dass er den Cousin nicht umgebracht habe; der Auftraggeber irre sich. Er beteuerte auch, dass er nach wie vor um sein Leben fürchte, auch weil serbische Medien seinen Namen veröffentlicht hatten. Der 36-jährige Serbe hatte den Plastiksack mit der Bombe unter seinem Mercedes auf einem Parkplatz der Reinhold-Frei-Strasse selbst entdeckt und die Polizei alarmiert. Die ausgerückte Patrouille forderte Verstärkung an, um die Örtlichkeit aus Sicherheitsgründen grossräumig abzusperren. Rund 150 Anwohner wurden evakuiert und der Sprengkörper entschärft.

    Aus Medienberichten wurde bekannt, dass es sich beim Mercedes-Besitzer um einen in Dietikon lebenden Serben handelte. Er hatte in Höngg eine Kroatin besucht, mit der er in Regensdorf ein Restaurant geführt hatte. Das Lokal war 2006 in Konkurs gegangen und das Wirtepaar hatte einen Schuldenberg hinterlassen.

    Angeklagter Gehilfe freigesprochen

    Der Bombenleger soll noch einen Gehilfen gehabt haben, auch dieser stammte aus Bosnien-Herzegowina und war wegen anderer Delikte bereits mehrfach vorbestraft. Er soll die mit Funkzünder versehene Bombe konstruiert haben. Der 29-jährige Hilfsarbeiter sagte aus, dass er in die Sache hineingezogen worden sei und mit der Organisation nichts zu tun gehabt hätte. Seine DNA wurde in Form von Schweiss auf Innenteilen des Handys gefunden, das die Bombe hätte hochgehen lassen sollen. Dies reichte aber nicht aus, um zweifelsfrei beweisen zu können, dass die DNA beim Anlöten von Drähten dorthin gelangt sei, sagten die Richter. Der Angeklagte wurde vom Vorwurf der Gehilfenschaft zwar freigesprochen, musste aber trotzdem für 14 Monate ins Gefängnis, da er mehrfach betrunken Auto gefahren war und Polizisten verletzt hatte.

  • Wer hat Hans Ulrich Lenzlinger ermordet?

    Wer hat Hans Ulrich Lenzlinger ermordet?

    Hans Ulrich Lenzlinger war eine schillernde und exzentrische Figur im biederen Höngg der 70er-Jahre: Der Selfmademan war Teil der Zürcher Unterwelt, hatte exotische Tiere, unter anderem einen zahmen Gepard in seinem Garten, liebte Waffen und war mit einer Miss-Schweiz-Kandidatin verheiratet.

    Lenzlinger wurde 1929 in Uster als Sohn einer Bauerntochter und eines Innenarchitekten geboren. Schon als junger Mann galt er als Frauenheld und Lebemann. Freunde beschrieben ihn als «netten, charmanten und liebenswerten Kerl», doch Hans Ulrich hatte auch eine andere Seite – seinen Widersachern gegenüber konnte er aggressiv und aufbrausend sein. Er liebte es auch, zu provozieren und zu pöbeln.

    Mit seiner Mutter hatte Lenzlinger bis zu seinem Tod im Alter von 49 Jahren ein inniges Verhältnis. Seine Mutter lebte mit ihm in seinem stattlichen Haus an der Ackersteinstrasse in Höngg. Lenzlinger war ein klassischer Selfmademan. Bereits im Alter von 31 Jahren gründete er eine Chinchilla-Zucht und verkaufte die exotischen Tiere zu überhöhten Preisen. Mit seiner halb so alten Ehefrau, Bernadette, betrieb Lenzlinger im Keller seines Hauses ein florierendes Bordell, welches er «Salon Procot» nannte und als Massagesalon tarnte. Doch nur sechs Monate nach der Eröffnung schloss die Polizei das Etablissement. 1972 wurden er und seine Ehefrau wegen Kuppelei verurteilt.

    Staatsfeind und Fluchthelfer

    Berühmt und berüchtigt wurde Lenzlinger aber als Fluchthelfer, der Menschen aus der damaligen kommunistischen DDR von Schleusern in den Westen bringen liess. Über die Zahl gehen die Meinungen auseinander. Wie der Fluchthelfer in den Medien behauptete, habe er in den siebziger Jahren insgesamt über 700 Personen in den Westen geschleust, die Stasi sprach jedoch von 122. Dieser Meinung waren auch die Behörden in der Schweiz.

    Dem Ministerium für Staatssicherheit in der DDR, der Stasi, war der Zürcher Fluchthelfer natürlich ein Dorn im Auge. Er galt als Staatsfeind. Deshalb setzte die Stasi ein Heer von Spitzeln auf Lenzlinger, seine Ehefrau Bernadette und die Mitarbeiter seiner Fluchthelferfirma Aramco an; insgesamt waren es gegen 50. In den Stasi-Akten mit dem Namen «Leopard» dokumentierten sogenannte IM (Informelle Mitarbeiter) alles genauestens, was sie über den Fluchthelfer erfahren konnten. In 37 Bänden wird auf über zehntausend Seiten über Lenzlingers Schleusertätigkeit berichtet.

    Furcht vor einem Anschlag schien Lenzlinger dabei keine zu haben. In Zeitungen warb er offiziell für die Dienste seiner Firma und auch im Fernsehen zeigte er sich. Auf die Frage, ob er Angst um seine Sicherheit habe, sagte der Fluchthelfer: «Nein, das habe ich nicht. Ich bin auch nicht mehr der Jüngste, habe ein schönes Leben gehabt, und jeder muss irgendwann mal unter irgendwelchen Umständen gehen». Voller Stolz zeigte Lenzlinger auch der Zürcher Stadtpolizei seine Fluchtwagen und beschrieb, wie er die Schleusungen vor allem aus dem damaligen Westberlin von deutschen Mitarbeitern durchführen liess.

    Am 5. Februar 1979 nahm das Leben von Hans Ulrich Lenzlinger ein jähes Ende. Von fünf Kugeln durchlöchert in einer Blutlache lag der ehemalige Fluchthelfer rücklings neben seinem Schreibtisch auf dem Boden. Morgens um acht Uhr hatte Lenzlingers Freundin das Haus verlassen, um neun Uhr kam sein Geschäftsführer. Der Mord, welche die Schweiz erschütterte, muss also in diesem Zeitfenster stattgefunden haben. Wahrscheinlich hatte Lenzlinger seinen Mörder persönlich gekannt, denn es deutete nichts auf einen Einbruch oder Überfall hin. Auch Kampfspuren gab es keine. Somit muss Lenzlinger den Täter in sein Haus gelassen haben.

    Seine Ex-Freundin, Doris, wusste, dass sich Lenzlinger verfolgt gefühlt habe. «In den letzten zwei, drei Wochen vor seinem Tod hatte er immer eine Pistole auf dem Nachttisch neben seinem Bett», sagte sie.

    Verschiedene Mordtheorien

    Über Lenzlingers Ermordung kursieren diverse Theorien. Für einige war klar: Es war die Stasi, die den ehemaligen Staatsfeind beseitigt hatte. Der deutschen Zeitschrift «Quick» wurden 1979 mehrere anonyme Briefe zugespielt, die darauf hindeuteten, dass sowohl die Stasi, als auch frühere Mitarbeiter Lenzlingers hinter der Tat steckten. In den offiziellen Stasiakten war jedoch kein Hinweis auf einen Mord zu finden.

    Andere wiederum glaubten an ein Beziehungsdelikt aus Lenzlinger privatem Umfeld, so auch der damalige zuständige Bezirksanwalt. Man habe intensiv ermittelt, über 150 Personen näher überprüft, die Protokolle hätten Dutzende von Ordnern gefüllt. Doch nichts deutete auf die Stasi hin. Er glaubte, dass der Geschäftsführer von Lenzlingers Firma Aramco der Täter war, beweisen konnte man diesem aber nichts. Aktenkundig war, dass Lenzlinger und der Geschäftsführer zum Zeitpunkt der Ermordung zerstritten waren, dieser soll hinter Lenzlingers Rücken «krumme Geschäfte» getätigt haben. Eine dritte Theorie ist, dass eine seiner vielen Frauengeschichten ein Motiv für den Mord gewesen sein könnte, sei es ein gehörnter Ehemann oder eine hintergangene Geliebte.

    Wer Hans Ulrich Lenzlinger getötet hatte, ist bis heute unbekannt. Der Mord war 2009 nach 30 Jahren verjährt; der Täter kann nicht mehr gerichtlich belangt werden. So kann nur noch Kommissar Zufall oder eine späte Gewissensnot auf dem Sterbebett den Fall «Leopard» lösen.

  • Im Auto mit zwei Kopfschüssen hingerichtet

    Im Auto mit zwei Kopfschüssen hingerichtet

    Es war am 21. Januar 1996 kurz vor 10 Uhr morgens, als Passanten im Grünwald auf dem Hönggerberg eine schreckliche Entdeckung machten: In einem parkierten Auto fanden sie die Leiche eines jungen Mannes, er war mit zwei gezielten Schüssen aus einer Armeepistole buchstäblich hingerichtet worden. Die Spaziergänger alarmierten die Polizei, welche auf Grund des Spurenbildes ein Selbstmord schnell ausschliessen konnten.

    Die ersten Ermittlungen wiesen auf ein Beziehungsdelikt hin, und die Polizei setzte eine Belohnung von 5000 Franken aus. Fünf Tage später konnte sie drei tatverdächtige Personen verhaften, eine Frau und zwei Männer. Eine 27-jährige Frau aus Portugal legte ein Geständnis ab. Dabei belastete sie ihren 38-jährigen portugiesischen Schwager schwer und sagte, dass dieser den Mann erschossen habe. Sie habe die Ermordung ihres Peinigers zusammen mit ihrem Schwager geplant. Der Grund: Das verheiratete Opfer soll die Portugiesin bedrängt, bedroht und regelmässig sexuell belästigt haben. Sogar mit dem Tod habe er ihr gedroht, solle sie sich ihm nicht fügen, sagte die Frau. Der Ehemann der geständigen Frau, der anfänglich ebenfalls als Tatverdächtiger galt und in Untersuchungshaft gesetzt wurde, wurde bald wieder entlassen, weil sich der Verdacht gegen ihn nicht erhärtet hatte.

    Die Frau sagte in der Untersuchung, sie habe dem Opfer gesagt, sie werde sich auf ein sexuelles Abenteuer mit ihm einlassen. Mit dem Auto fuhren die beiden morgens in die Nähe des Restaurants Grünwald. Unter dem Vorwand, ihre Blase zu erleichtern, stieg die Frau aus dem Auto aus, während sich der 26-jährige Mann bereits auszog. In diesem Moment soll sich der Schwager dem Auto genähert haben und ihn mit zwei Schüssen in den Kopf hingerichtet haben. Pistole und Munition hatte die Frau von einem früheren Arbeitskollegen erhalten.

    Kassationsgericht hob Urteil auf

    Am Prozess 1998 vor dem inzwischen abgeschafften Geschworenengericht wurde der portugiesische Bauarbeiter wegen vorsätzlicher Tötung zu zehn Jahren Zuchthaus, wie es damals hiess, verurteilt. Der Mann hatte die Tat immer bestritten. Die geständige Frau war im gleichen Jahr vom Obergericht wegen Totschlags rechtskräftig zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden.

    Der 29-jährige Schweizer, welcher die Armeepistole und Munition bereitgestellt hatte, wurden wegen eventualvorsätzlicher Gehilfenschaft zur vorsätzlichen Tötung belangt und zu drei Jahren verurteilt. Er war nach einigen widersprüchlichen Aussagen geständig und sagte aus, dass er der Frau, zu der er eine enge Beziehung pflegte, die Pistole gegeben habe. Auch bekräftigte er, dass er ihre Äusserungen bezüglich des geplanten Mordes nicht ernst genommen habe und verlangte wie der Hauptangeklagte einen Freispruch.

    Der Portugiese und der Waffenlieferant akzeptierten das Urteil nicht und gelangten an das damalige Kassationsgericht. An dieses oberste kantonale Gericht, das 2012 eingestellt wurde, konnten zivil- und strafrechtliche Entscheide weitergezogen werden, wenn die Parteien Verfahrensfehler rügen wollten. Das Gericht konnte das Urteil dann aufheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückweisen. Dies war beim Tötungsdelikt Grünwald der Fall. Anfangs 2000 hob das Kassationsgericht des Kantons Zürich den Schuldspruch gegen den Portugiesen und den Waffenlieferanten auf und wies die Fälle ans Geschworenengericht zurück. Im gleichen Sommer wurde der Prozess gegen die beiden Männer neu aufgerollt.

    Schweigen der Kronzeugin

    Was folgte, war eine Überraschung: Am 7 Juli 2000 sprachen die Geschworenen in neuer Besetzung den Portugiesen «in dubio pro reo» (im Zweifel für den Angeklagten) frei. Für die viereinhalb Jahre, die der Mann zwischen 1996 und 2000 im Gefängnis sass, erhielt er Schadenersatz und Genugtuung. Im Fall des Nebenangeklagten – des Waffenlieferanten – wurde die Anklage zwecks Ergänzung an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

    Der Grund, warum das Gericht beim Hauptbeschuldigten nun plötzlich zu einem Freispruch kam, waren die Aussagen der Schwägerin, die beim Prozess eine Kronzeugin war. Sie hatte ihren Schwager am ersten Prozess noch der Tat beschuldigt, in der zweiten Verhandlung aber plötzlich jegliche Aussage verweigert. Dies war massgeblich entscheidend für den Freispruch des Portugiesen. «Sie verhinderte damit, dass sich das Gericht ein einheitliches und widerspruchsfreies Bild von ihr machen konnte», sagte der Vorsitzende damals. Nach Ansicht des Gerichts könnte auch eine Dritttäterschaft in Frage kommen – eine solche war im ersten geschworenengerichtlichen Prozess noch klar verneint worden.

    Ein Kapitalverbrechen, das ungelöst ist, hinterlässt immer ein ungutes Gefühl. Vor allem dann, wenn die Hinweise im ersten Prozess für eine Verurteilung reichten, es dann aber wegen der Aussageverweigerung der Kronzeugin zu einem Freispruch kam. Vermutlich wäre der Beschuldigte heute nicht so glimpflich davongekommen, hinterlässt doch fast jeder Täter seine DNA-Spuren. Die DNA-Analyse in der Kriminalistik steckte damals aber noch in den Kinderschuhen.

  • Goodbye Höngg!

    Meine Zeit beim «Höngger» endet mit dieser Ausgabe. Das Praktikum war definitiv nicht so, wie ich mir das zu Beginn vorgestellt hatte. Wer hätte schon gedacht, dass eine weltweite Pandemie ausbrechen und die ganze Welt lahmlegen würde.
    Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf den «Höngger» und mein Praktikum. Das Pensum musste gekürzt werden, die Zeitung erschien nur noch einmal im Monat, statt alle zwei Wochen, und nur kurz, nachdem ich mich in der Redaktion eingelebt hatte, wurde ich gezwungenermassen wieder ins Homeoffice verbannt.
    Meine Vorstellungen von spannenden Aussenreportagen und dem Einblick in die verschiedenen Facetten des Höngger Quartierlebens fand ein jähes Ende. Und so lernte ich die Welt des Journalismus vorerst von zu Hause an meinem Laptopbildschirm kennen. Und zum Kontakt mit Höngger*innen kam es vor allem via Telefongesprächen und Mailaustausch.
    Glücklicherweise hat sich die Situation im Verlaufe meines Praktikums etwas verbessert. Schritt für Schritt wurden die Corona-Massnahmen gelockert und ich kam so doch noch meiner Vorstellung von Journalismus näher: ein Beruf, der Einblick in tausend andere Berufe und Lebenswelten gewährt.
    Und mit dieser Kolumne konnte ich meine persönlichen Gedanken über diese Welten mit den Lesenden teilen und mir von der Seele schreiben.
    Ich habe vieles gelernt in meiner Zeit beim «Höngger». Besonders gefreut haben mich die vielen Rückmeldungen der Höngger*innen. Es gab Komplimente für Gelungenes, aber auch kritische Rückmeldungen. Über beides habe ich mich gefreut. Denn wichtig ist mir der Austausch generell. Nur so können wir alle voneinander lernen und uns weiterentwickeln.
    Und die vielen (teils handgeschriebenen) Leserbriefe haben mir gezeigt, dass sich viele Leute mit dem «Höngger» beschäftigen, die Artikel lesen und auch ihre Gedanken mit uns teilen wollen. Das zeigt mir auch, dass es den Lokaljournalismus braucht und dass er lebt.
    Dieses Praktikum war anders, als ich es erwartet habe. Und doch hat es mir alles gegeben. Ich möchte mich an dieser Stelle vor allem bei Patricia und Eva bedanken, die mit Herzblut und Engagement unsere Quartierzeitung durch diese schwierige Zeit geführt haben und mir mit dem Praktikum trotz widrigen Umständen einen unglaublich spannenden Einblick in den Journalismus bieten konnten. Ich hätte mir professionell, aber auch menschlich keine besseren Cheffinnen wünschen können.
    Ich werde das ganze «Höngger»-Team, das Quartier und die spezielle Zeit beim «Höngger» vermissen. Ich freue mich nun aber auch darauf, ein neue Herausforderungen anzupacken. Goodbye Höngg!