Kategorie: Ratgeber

  • «Merhaba» im «Damas»!

    «Merhaba» im «Damas»!

    Damaszenersalat, Grillteller mit Poulet, Fleischkäse mit Spiegelei und Kartoffelsalat – diese drei Darreichungen hat Höwi am Tag seines Besuchs im «Damas» genossen. Dazu noch eine Pizza «Principessa» und einen gut bestückten Dessertteller. Soll einer sagen, die Arbeit eines Gastrokritikers sei nicht hart! Wobei Höwi noch seine Angetraute zur «Arbeit» einlud. Zum einen, weil sie die arabische Küche von etlichen Reisen her gut kennt. Zum andern, weil sie den narrativen Anteil liebt: Aladin und seine Wunderlampe…, Agatha Christie und der Orientexpress…, Scheherazade, die in 1001 Nacht dem König Geschichten erzählt und so ihr Leben rettet…: All das schwingt in den Gewürzen, den Farben, den Düften im «Damas» mit. Aber auch in den hervorragend grillierten Fleischspezialitäten, wie dem «Schisch Diyai», das an die früheren Nomaden erinnert. Auf der ersten Seite in der Menükarte beschreiben die Betreiber des Restaurants «Die Küche unserer Mütter». Hier findet sich der rührende Satz: «Sie ist es, die uns das Heimweh vergessen lässt». Überraschend die Ausführung, dass all die Länder, die wir heute als Jordanien, Libanon, Palästina und Syrien kennen, in den Zeiten der alten Seidenstrasse eine einzige Region namens «Bilad esh-Sham» war. Transitgebiet für unzählige Karawanen. Hotspot vieler kulinarischer Einflüsse. So haben die scharfen Gerichte ihre Wurzeln in der kurdischen Küche, während aus der persischen Kochkultur die gefüllten Weinblätter oder Teigtaschen stammen. Wer die Menükarte studiert, stösst auch immer wieder auf arabische Namen wie «Schawarma», was Lammgeschnetzeltes an orientalischen Gewürzen bedeutet. Oder «Muhallabiya», das ist eine Panna cotta, die etwas fester ist und mit Pistazien dekoriert wird. Durchaus möglich, dass wir solche Namen eines Tages genauso intus haben wie Spaghetti carbonara oder Sushi.

    «Damas» kommt von Damaskus

    Das «Damas» wurde von einer syrischen Familie gegründet, die vor über 20 Jahren in der Schweiz mit einem Coiffeursalon startete, aus dem zwischenzeitlich eine ganze Kette mit einem Dutzend Filialen entstanden sind. Vor zehn Jahren kam der Sprung in die Gastronomie, mit dem «Damas» an der Josefstrasse. Es folgte eine Shisa-Lounge in Schaffhausen. Und im Januar 2016 das «Damas» an der Kyburgstrasse. Sechs täglich wechselnde Mittagsmenüs für zwischen 16 und 24.50 Franken stehen zur Wahl. Stets ist auch eines dabei, das «schweizerisch» ist. Am Tag des Besuchs war dies Fleischkäse vom Grill mit Spiegelei und einem knackigen, mit Olivenstücken getoppten Kartoffelsalat, bei dem sich so mancher «Hirschen» noch eine Scheibe abschneiden könnte.
    Auch Ben Amor Nejib Louati beherrscht sein Handwerk. Die Pizzen, die er im Ofen mitten im Restaurant zubereitet, gibt es durchgehend von 11.30 bis 22 Uhr und werden mit dem Kurierdienst auch nach Hause geliefert. Schade, dass man im «Damas» nur auf die üblichen Klassiker setzt und nicht auch noch eine orientalische Variante wagt. Zum Beispiel mit Hackfleisch, Kreuzkümmel und Koriander. Super Idee, fand Daniela Treichler. Durchaus möglich also, dass demnächst eine «Pizza Scheherazade» auf der Karte steht.

    Ein Paradies für Vegetarier

    Die syrische Küche ist vor allem für ihre Grillspezialitäten bekannt, die im «Damas» auf hohem Niveau gepflegt werden. Mindestens so typisch sind aber auch die vegetarischen Darreichungen wie Hummus, «Kishke» oder die mit Reis gefüllten Weinblätter namens «Waraq Einab». Auch linienbewusste Leute müssen nicht mit einem müden Salatteller vorliebnehmen. Höwis Geheimtipp: «Fattousch», ein veganer Lattich-Tomaten-Gurkensalat an Granatapfelsauce mit Fladenbrot-Chips. Oder die vegetarische Version, der «Damaszenersalat» mit Frischkäse und Avocado für 16 Franken. So wenig Kalorien, so schön dargereicht – das macht Freude.

    Aufgestelltes Team

    Die meisten Mitarbeiter im «Damas» haben syrische oder libanesische Wurzeln. Einzig Daniela Treichler, die Geschäftsführerin, ist Schweizerin und dies mit eindrücklichem Palmares: Bis 2015 war sie Chef de service im Clouds-Bistro im Primetower, als noch Antonio Colaianni am Herd stand. Als das Gourmetkonzept bachab ging, machte Daniela die Fliege und jettete ein paar Monate durch die Welt. Bis dann Nizar Ben Dhafer anrief, der vorher ebenfalls im «Clouds» arbeitete und Daniela ins «Damas» holte. Und da ist sie jetzt seit einem Jahr, die sympathische Powerfrau, die sich auch bei den Weinen über profundes Wissen ausweist. Etwa beim «Blanc de Blancs» aus dem Château Ksara, einem der drei berühmten libanesischen Weingüter: «Chardonnay, Savignon blanc und Semillon sind bei dieser Assemblage dabei», erklärt sie aus dem Stegreif. «Beim roten ˂Le Bretèches˃ vom Château Kefraya sind es sogar vier Traubensorten». Höwis Einschätzung: Es sind erstaunlich körperreiche, betont fruchtige Weine, die einen Sprung auf die andere Seite des Mittelmeers durchaus lohnend machen.

    Dessertteller mit Rosenwasser

    Dass Höwi ein Dessertfreak ist, dürfte bekannt sein. Umso enthusiastischer die Beurteilung des Tellers, bei dem zwei Darreichungen herausstechen: Die wunderbar süssen, hellen Griessteigrollen namens «Halawe Bil Jibneh» gefüllt mit Ricotta. Die waren bei Höwis Testessen im Nu weg – gefolgt von den «Quatayef», den Hefeteiggebäcken mit Mascarpone. Etwas gar knusprig geraten waren diejenigen mit Nussfüllung. Da half auch das wundervolle Rosenwasser nicht, um die wirklich weich zu kriegen.

    Kritik

    Wie immer noch ein paar kritische Anmerkungen. Die erste betrifft wieder einmal den Musikteppich. Wer 1001-Nacht-Stimmung erwartet, kommt am Abend auf die Rechnung, am Mittag dagegen liegt Chillout-Musik in der Luft – dezent zwar, aber 08:15. Die Dekos an den Wänden sind Imitate von archäologischen Ausgrabungen. Da dürfte man dem Gast etwas gehobenere Wertigkeit zumuten. Generell dürfte das «Damas» mehr auf Orient machen, ohne dass gleich ausgestopfte Kamele rumliegen müssen. Jetzt sieht das Restaurant aus wie Xandere auch. Und: Schade hat Höwi nicht gemerkt, dass es nebst dem Illy-Kaffee auch noch eine arabische Variante gibt. Den haben die Gäste am Nebentisch im Silberkännchen genossen. Für Höwi eine klare Option beim nächsten Besuch. Den wird er auf der Terrasse geniessen, denn sie gehört zu den schöneren im Quartier.

    Restaurant Damas
    Kyburgstrasse 28, 8037 Wipkingen
    Telefon 043 818 29 12
    www.restaurantdamas.ch
    7 Tage offen von 10 bis 23.30 Uhr, Küche von 11.30 bis 22 Uhr
    Kurier täglich 17 bis 22.30 Uhr.

     

    Zum Autor
    Er nennt sich Höwi, ist ein stadtbekannter Gastrokritiker und Buchautor und schaut den kochlöffelschwingenden Profis im Kreis 10 in die Töpfe. Die Gastrokolumne erscheint monatlich im Höngger und alle drei Monate im Wipkinger.

  • Fahrbericht: Noch sparsamer, noch praktischer

    Fahrbericht: Noch sparsamer, noch praktischer

    Auf einen Prius muss man sich einlassen. Wer von einem Auto eine kräftige Beschleunigung, sportliches Fahrverhalten oder ein gehobenes Image wünscht, der wird mit dem Pionier aller Hybride nie glücklich. Er wird sich über das gequälte Losheulen beim Beschleunigen nerven, über den fehlenden Durchzug und das zu weich ausgelegte Fahrwerk.

    Eine Frage der Einstellung

    Wer sich jedoch für technische Spielereien begeistern kann, den wird bald der Ehrgeiz packen, den Verbrauch bei jeder einzelnen Fahrt noch etwas weiter nach unten zu drücken. Und genau darum geht es beim Prius, darauf wurde jedes Detail getrimmt. Möglichst wenig Benzin zu verbrauchen. Im Vergleich zum Vorgänger haben die Toyota-Ingenieure den Normverbrauch von 3,9 auf 3,0 Liter gesenkt. Das gilt jedoch nur beim Basismodell mit 15-Zoll-Rädern. Beim Testauto, das in der höchsten Ausstattungslinie Sol Premium mit 17-Zoll-Rädern kam, liegt der Normverbrauch bereits bei 3,3 Litern. Und wieviel sind es in der Praxis? Im über knapp 1700 Kilometer führenden Test, der mehrere längere Touren in die Berge enthielt, waren es 4,1 Liter. Auch das ist deutlich besser als der Vorgänger, der unter ähnlichen Bedingungen 4,9 Liter verbrauchte. Wer es darauf anlegt und auf der Autobahn nicht schneller als 110 fährt, der schafft ohne Probleme Werte mit einer Drei vor dem Komma.
    Auch wenn der Verbrauch die Paradedisziplin des Prius ist: er kann noch mehr. Und das besser denn je zuvor. In seiner neusten Generation ist er nämlich ein noch praktischerer Alltagsbegleiter geworden. Er hat in der Länge zugelegt, was den Passagieren auf den Rücksitzen und vor allem dem Kofferraum zu Gute gekommen ist. Unter der schrägen Heckklappe hat erstaunlich viel Gepäck Platz. Und bei umgeklappten Rücksitzen kommt der Prius auch mit sehr sperrigen Stücken klar. Beim Komfort hat Toyota ebenfalls Fortschritte gemacht, und die Assistenzsysteme sind nun auch auf der Höhe der Zeit. Und sogar das Fahrverhalten wurde besser. Vor allem die Lenkung ist nun deutlich präziser als früher.

    Konkurrenzfähiger Preis

    Waren die ersten Prius noch vergleichsweise teuer, kommt der neue günstiger als ein gut ausgestatteter VW Golf. 41’350 Franken kostet der Testwagen, einen weniger luxuriösen Prius bekommt man aber schon für 34’500 Franken. Auf längere Sicht – dank niedriger Betriebskosten – fährt man mit einem Prius sehr günstig. Bleibt nur noch die Sache mit dem Design. Man kann sich verrenken wie man will. Dieses Auto ist wirklich aus jeder erdenklichen Perspektive hässlich. Man kann sich kaum vorstellen, dass die Designer vor dem fertigen Modell sassen und stolz zueinander sagten: «Der ist uns wirklich gelungen.» Doch vielleicht soll der Prius den Leuten gar nicht gefallen. Vielleicht geht es darum, dass die Leute sagen: «Er ist zwar hässlich, aber sonst super.» Recht hätten sie.

    Technik
    Toyota Prius, Sol Premium
    Treibstoff: Benzin
    Hubraum: 1’798 cm3
    Leistung: 122 PS
    Drehmoment: 163 Nm
    Getriebe: Automatisch stufenlos
    Gewicht: 1’475 kg
    Normverbrauch: 3,3 l/100 km
    Testverbrauch: 4,1 l/100 km
    Testdistanz: 1’680 Kilometer
    Reichweite: 1’303 Kilometer
    Abgasnorm: Euro 6
    NCAP-Sterne: 5
    Laderaumvolumen: 502 bis 1633 Liter
    Grundpreis: 36’900 Franken
    Testwagenpreis: 41’350 Franken
    Garantieleistungen: drei Jahre, fünf Jahre auf
    Hybridkomponenten.