Zeitgut hat mir als Neuzuzügerin in Höngg geholfen, das Quartier und seine Menschen kennenzulernen. Diese bereichernden Begegnungen haben mich dazu bewegt, mich im Vorstand zu engagieren. Das Motto von Zeitgut lautet «Fürenand. Von Mensch zu Mensch». Denn ein lebendiges Quartier lebt vom Miteinander – vom Interesse aneinander und vom Austausch im Alltag. Manchmal auch vom Mut, sich auf Neues einzulassen. Haben Sie Lust auf gute Gespräche? Unsere Telefonaktion bringt Menschen zusammen; ob einmal oder regelmässig. Zuhören, erzählen und lachen. Rufen Sie an, wir freuen uns auf Sie! Daniela Kirin
Daniel Baumann
«Ich möchte Generationen verbinden»
Seit Mai verstärke ich den Vorstand der Genossenschaft Zeitgut Zürich Höngg-Wipkingen. Ich möchte mit meinem Engagement Generationen verbinden. Besonders am Herzen liegt mir das Projekt «Digitale Unterstützung». Anderen beim Umgang mit Handy, Computer und Internet zu helfen, vermittelt Sicherheit, und führt – ganz ohne Digitalisierung – zu wertvollen Gesprächen von Mensch zu Mensch. Für dieses Angebot sucht Zeitgut weitere Freiwillige, die Freude daran haben, andere bei der Teilhabe am digitalen Alltag zu unterstützen. Daniel Baumann
Monika Bätschmann
«Ich freue mich auf die Zusammenarbeit»
Nach siebenjährigem Engagement hat Ruedi Winkler sein Amt als Präsident von Zeitgut Höngg-Wipkingen an mich übergeben. Die Mitglieder des Vorstands und der Genossenschaft danken Ruedi Winkler an dieser Stelle ganz herzlich für seinen grossen Einsatz und seine gespendete Zeit. Ich freue mich, mit den beiden neuen und den bisherigen Vorstandsmitgliedern, Doris Baschnagel, Maria Lenz, Timea Jambor und der Geschäftsleiterin, Regina Hinding, zusammenzuarbeiten und auf viele, tolle Begegnungen mit den Mitgliedern, etwa anlässlich der Stammtische in Höngg und Wipkingen. Monika Bätschmann
Redaktionelle Beiträge von Zeitgut
Kontakt für unsere Angebote:
Regina Hinding, Geschäftsleiterin,
Telefon 077 538 49 93
E-Mail: geschaeftsstelle@zeitgut-zuerich.ch
www.zeitgut-zuerich.ch
Im Bundesasylzentrum an der Duttweilerstrasse, mitten im Kreis 5 und direkt neben dem Toni-Areal, finden Menschen ein temporäres Zuhause, die in der Schweiz Asyl suchen. Das BAZ, wie es kurz genannt wird, ist eines von sechs Zentren schweizweit mit Verfahrensfunktion. Das bedeutet, dass hier Geflüchtete untergebracht werden, bis vom Staatssekretariat für Migration (SEM) entschieden wird, ob auf ihren Asylantrag eingegangen wird oder sie einen negativen Entscheid erhalten und das Land wieder verlassen müssen. In der Regel verbringen die Bewohnenden maximal 140 Tage hier im BAZ, anschliessend sind die Kantone für die Unterbringung zuständig.
Direkt angrenzend an das BAZ befindet sich der Begegnungsraum (der «Wipkinger» berichtete). Dabei handelt es sich um ein von der Stadt finanziertes Projekt, dass sowohl den Bewohnenden des BAZ, als auch der Quartierbevölkerung seit 2019 offensteht. Das GZ Wipkingen hat die Betreuung des Raums im Auftrag der Stadt übernommen, drei Festangestellte wechseln sich hier ab, unterstützt von Freiwilligen und projektbezogenen Mitarbeitenden.
Waren es zu Beginn des Projekts noch vier Tage wöchentlich, an denen der Begegnungsraum seine Türen öffnete, so steht er mittlerweile täglich während mehrerer Stunden zur Verfügung. Neben organisierten Veranstaltungen bietet er einen offenen Treffpunkt, den alle frei nutzen können: In der Sitzecke kann man es sich bequem machen, an der Kaffeemaschine gratis Kaffee und Tee beziehen, oder in der kleinen Kochecke eigene Mahlzeiten zubereiten. Zudem gibt es hier Spiele, Bücher, Stifte und Bastelmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene.
Ziel des Begegnungsraums, so erklärt es Julie Saacke, eine der drei BAZ-Quartierarbeiter*innen des GZ, sei es, den im BAZ lebenden Menschen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden, zumindest etwas Stabilität zu vermitteln, einen niederschwelligen Ort für soziale Kontakte zu bieten, eine kleine Pause vom Alltag im Asylzentrum zu ermöglichen sowie Zugang zu Informationen und Vernetzung zu anderen Organisationen zu gewährleisten.
«Women only»
Das Angebot des GZ wird oft und gerne genutzt, täglich gehen hier Dutzende von Menschen ein und aus. Ein besonderes Angebot findet am Dienstagnachmittag statt: Dieser gehört nämlich ganz den Frauen und Kindern. An diesem Tag werden keine Männer im Raum geduldet, auch nicht, um kurz einen Kaffee zu holen. An diesem Tag sollen die Frauen unter sich sein, sich austauschen, vielleicht auch den Kontakt zu den GZ-Mitarbeitenden suchen können, wenn sie Probleme haben, die sie nicht vor oder mit den Männern besprechen.
Im sogenannten «Womans Space» ist immer etwas los. (Foto: zvg)
Saacke, die für den «Women Space», wie sie das Angebot nennt, verantwortlich ist, erklärt, warum es solch einen Nachmittag braucht: «Der Raum ist aus unserer Sicht ein wichtiges Angebot, weil geflüchtete Frauen gleich mehrfach benachteiligt sind. Sie sind im Vergleich zu den Männern im BAZ in der Unterzahl, auch der Begegnungsraum wird übermässig von Männern genutzt. Für manche Bewohnerinnen ist es jedoch schwierig, den Treff zu besuchen oder nach ihren Bedürfnissen ihre Zeit dort zu gestalten, wenn Männer im Raum sind», so Saacke.
Die Erfahrung zeige, dass Tätigkeiten wie Tanzen oder Gespräche über sensible Themen, oft nur in einem Raum ausschliesslich für Frauen möglich sind. «Auch leben viele Bewohnerinnen eher isoliert im Zentrum und haben einen eingeschränkten Zugang zu Informationen und Angeboten.»
All dies versuchen die Mitarbeitenden zumindest in einem bescheidenen Rahmen zu ermöglichen. Dazu komme noch, so Saacke weiter, dass viele Eltern mit Kindern im BAZ leben und kaum Gelegenheit haben, das Zentrum ohne die Kinder zu verlassen. Das betreffe insbesondere die Frauen, so Saacke, weil sie den Grossteil der Betreuungsarbeit leisteten. Im Begegnungsraum haben sie zumindest die Möglichkeit, die Kinder spielen zu lassen, während sie einen Kaffee trinken. Manchmal, so Saacke, würde das Team auch kurze Kinderbetreuungen anbieten. In den Ferien gibt es zudem extra Angebote für die Kinder. Auch Freiwilligenorganisationen unterstützen und sorgen für Entlastung der Eltern.
Gemeinsames Kochen ist wichtig
Bei einem Besuch an einem Dienstagnachmittag Ende Mai wird das Angebot rege benutzt. Es herrscht ein friedliches und geschäftiges Kommen und Gehen, viele Mütter kommen mit ihren Kleinkindern und Babys schon kurz nach Öffnung des Raums um 14 Uhr vorbei, während die schulpflichtigen Kinder erst später dazustossen, sobald die Nachmittagsschule beendet ist. Die Kaffeemaschine läuft, auf den Tischen sind kleine Snacks und Früchte bereitgestellt.
Olivia Ruf, die stundenweise im Begegnungsraum mithilft, hat Ton vorbereitet. Den können die Kinder nun formen und bearbeiten, wer Hilfe und Anregungen benötigt, erhält sie von ihr. Wo keine gemeinsame Sprache gefunden wird, helfen Hände und Füsse – oder Google Translator auf dem Handy.
Ausserdem ist da auch noch Berivan Turan. Sie fungiert als interkulturelle Sprachvermittlerin und spricht Türkisch und Kurdisch – neben Farsi die Sprachen, die von den meisten Bewohnenden gesprochen werden. Das erleichtert die Kommunikation und den Austausch natürlich ungemein.
Doch auch die Lebensgeschichten verbinden: Berivan Turan hat Ähnliches erlebt wie die anwesenden Frauen und hat selbst vor einigen Jahren bei ihrer Ankunft in der Schweiz in einem Empfangs- und Verfahrenszentrum gelebt, wie die für die Aufnahme von Asylbewerbenden zuständigen Zentren damals noch hiessen. Daher bringt sie viel Verständnis für deren Situation auf. Und sie weiss genau, was für die Frauen wichtig ist und womit man ihnen am besten helfen kann. «Es freut mich, wenn ich dazu beitragen kann, Brücken zwischen den Kulturen zu schlagen», erklärt sie ihre Motivation, sich hier zu engagieren.
Eine dieser ganz wichtigen Brücken ist das Kochen. Auch heute haben sich mehrere Frauen hier getroffen, um für eine Freundin, die in einem anderen Zentrum wohnt und ein Kind erwartet, einen Kuchen zu backen. Selber kochen und backen können die Menschen im BAZ nicht, der Begegnungsraum bietet die einzige Möglichkeit dazu. Und die werde, so erklärt Saacke, sehr gerne und oft genutzt. «Ich merke, dass das gemeinsame Kochen und Essen ein sehr grosses Bedürfnis ist. Oft kochen sie grosse Mengen und verteilen das Essen dann an alle, die gerade zugegen sind.»
Brücken bauen
Eine Woche später, am selben Ort zur selben Zeit, ist die Situation viel ruhiger. Ein paar bekannte Gesichter von der letzten Woche lassen sich ausmachen, doch es wimmelt nicht so von Kindern wie noch vor sieben Tagen. An diesem Nachmittag ist Vanessa Thaler vom Bereich Bilden und Gestalten des GZ anwesend, die gemeinsam mit Saacke die Hauptverantwortung und Leitung des «Women Space» innehat. Sie lässt Kinder und Erwachsene kleine Ketten und Schmuckstücke kreieren. Es herrscht eine konzentrierte und friedliche Stimmung.
Vanessa Thaler vom Bereich Bilden und Gestalten des GZ. (Foto: zvg)
«Es ist jede Woche wieder komplett anders, wie der Raum benutzt wird», erklärt Saacke. «Es kann gut sein, dass gerade ein grösserer Transfer stattgefunden hat und deswegen viele der Besucherinnen vom letzten Mal nun gar nicht mehr hier sind.» Das erschwert die Arbeit im Begegnungsraum und macht es fast unmöglich, längerfristige Beziehungen aufzubauen. Meistens erfahren die GZ-Mitarbeitenden gar nicht, wann jemand «transferiert» wird – die Betroffenen werden selber erst sehr kurzfristig darüber informiert, wann und wohin sie umziehen müssen.
Doch manchmal kommen die Frauen auch zurück, selbst wenn sie nicht mehr im BAZ leben. Dann füllt sich der Raum mit neuen und bekannten Gesichtern. Auch Musik und Tanz, genauso wie gemeinsames Essen kommen vor. Schön wäre es, so findet Saacke, wenn auch noch mehr Menschen aus dem Quartier den Weg in den Begegnungsraum finden würden. Um noch weitere Brücken zwischen Kulturen und Lebensgeschichten schlagen zu können.
Begegnungsraum beim BAZ
Der Standort BAZ befindet sich gleich bei der Fussgängerbrücke Ecke Duttweilerstrasse 11/Pfingstweidstrasse.
«Eintritt – Aufenthalt – Austritt» – so nennt sich eine Broschüre der Klinik Innere Medizin des Stadtspitals Zürich. Sie bietet Informationen rund um den Spitalaufenthalt. Für KD Dr. med. Elisabeth Weber, Chefärztin Klinik Innere Medizin Waid, ist diese Aufklärung zentral. Nicht selten ist man überrascht oder gar überfordert von den zahlreichen Besuchen des Fachpersonals im Zimmer.
«Ein Klinikaufenthalt ist kein Spaziergang, gerade in einem Akutspital wie dem Waid», betont die Chefärztin. Es gebe viele Kontakte, viele Untersuchungen und es herrsche ein reger Betrieb. «Das Fachpersonal aus verschiedenen Bereichen arbeitet Hand in Hand und hochprofessionell. Es kümmert sich um das Wohlergehen der Menschen, deshalb ist es wichtig, dass die Patientinnen und Patienten wissen, wie wir funktionieren.»
Die ersten Ansprechpersonen
Der Spitalalltag beginnt um 7 Uhr, erklärt Liliana Barros da Silva, Gruppenleitung Pflege. Wurde jemand über Nacht eingewiesen, macht sich der Frühdienst zunächst mit der Person vertraut. «Wir sind die ersten Ansprechpersonen», so Barros da Silva. Nach dem Rapport im Stationszimmer schauen die Pflegefachpersonen im Idealfall zu zweit vorbei: eine diplomierte Pflegefachperson HF zusammen mit einer Fachperson Gesundheit oder mit einer Pflegeassistenz. «Wir stellen uns vor, erkundigen uns nach dem Befinden, erläutern den Tagesablauf, beantworten Fragen und messen die Vitalzeichen – also Blutdruck, Puls, Atmung, Temperatur und Bewusstsein.»
Wichtig ist es zu erklären, dass die Pflege im Schichtdienst arbeite, so die Gruppenleiterin: Früh-, Spät- und Nachtdienst wechseln sich ab. «Deshalb hat man als Patient verschiedene Ansprechpersonen im Laufe eines Tages», erklärt Barros da Silva.
Das Pflegeteam tritt im Tagesverlauf mehrfach in Erscheinung. Etwa bei der Pflegevisite um 14 Uhr, aber auch zur Unterstützung beim Duschen, für das Legen eines intravenösen Zugangs, für die Medikamentenabgabe oder für die Sozialanamnese. «Diese hilft dabei, den Austritt rechtzeitig zu planen. Wir informieren uns über die sozialen Verhältnisse und klären, ob später eine externe Hilfe notwendig sein wird.»
Die ärztliche Visite
Ein täglicher Termin ist die Visite der Ärzteschaft, die im Stadtspital Zürich jeweils zwischen 9 und 11 Uhr stattfindet. Das ist die Stationsärztin oder der Stationsarzt, manchmal werden diese auch von Kaderärztinnen oder -ärzten (Oberärzt*innen, Chefärztin, Leitende Ärztinnen) unterstützt. Die Ärzteschaft wird immer begleitet vom Pflegepersonal. So kann eine beachtliche Gruppe das Zimmer betreten.
«Das wirkt manchmal einschüchternd und deshalb haben wir einen Visitenstandard entwickelt», sagt Elisabeth Weber. Das heisst: Fachthemen und medizinische Begriffe werden in der Regel bereits vor dem Betreten des Zimmers besprochen. Im Zimmer dann steht der Patient oder die Patientin vollumfänglich im Zentrum.
Bei der Visite führt eine der Personen aus der Ärzteschaft das Gespräch am Bett, diese erklärt etwa die Blutwerte und kündigt das weitere Vorgehen an. «So gibt es kein Durcheinander und die anderen können bei Bedarf unterstützend eingreifen.» Die Patientinnen und Patienten können diese Zusammenkünfte zudem nutzen, um Anliegen oder Bedenken zu teilen. «Falls nötig, werden im Laufe des Tages zusätzliche Gespräche vereinbart – denn manche Situationen erfordern mehr Zeit, die sich sowohl die Pflege- als auch die Ärzteschaft gerne nimmt» betont Weber.
Weitere Besuche
Der Spitalalltag hält weitere mögliche Termine bereit: So kommt vielleicht die Physiotherapie oder die Ernährungsberatung vorbei. Auch die Hotellerie des Stadtspitals besucht die Patienten und Patientinnen regelmässig. Hinzu kommen beispielsweise Untersuchungen wie Röntgen, Magenspiegelung, Punktionen und vieles mehr, alles je nach Krankheit und Situation. «All diese Besuche und Termine werden in der Regel angekündigt und finden innerhalb eines bestimmten Zeitfensters statt. Aber man muss verstehen, dass in einem Akutspital Notfälle jederzeit zu Verschiebungen führen können», erklärt die Chefärztin.
Und auch wenn nicht durchgehend Fachpersonal am Bett stehe, dürfen sich die Patientinnen und Patienten dennoch gut aufgehoben fühlen. «Wir sind ein grosses Team und auch im Hintergrund stets im Einsatz. Wir planen, klären ab, führen Gespräche – man wird zu jeder Zeit betreut», so Weber.
Ab 16 Uhr wird es meist ruhiger auf den Stationen. Viele denken vielleicht über eine neue Diagnose nach, sie haben Heimweh oder lassen den Tag Revue passieren. Halt bietet dann erneut die Pflege: «Bei Redebedarf sind wir da. Manche melden sich von selbst, aber wir achten darauf, ob jemand mit uns sprechen möchte», sagt Liliana Barros da Silva.
In den meisten Fällen teilen sich zwei Personen ein Zimmer. Ein Bettenmanagement sorgt für eine ideale Zuteilung. So entstehen kaum Konflikte, dafür häufig Freundschaften. «Die Menschen hören einander zu und helfen sich gegenseitig», erzählt Barros da Silva. Nicht selten erkundigt sich jemand nach dem Austritt nach der Zimmernachbarin oder dem Zimmernachbarn.