Kategorie: Jugend

  • Wer kümmert sich um die Jugend?

    In der Stadt Zürich sind verschiedene Akteure im Bereich Jugendarbeit tätig. Da ist zum einen der Verein Offene Jugendarbeit Zürich OJA, der neun jugendspezifische soziokulturelle Einrichtungen führt. Diese basieren auf drei Säulen: Jugendtreffs, Jugendläden und die aufsuchende Arbeit im Quartier. In Höngg hat die OJA keinen Standort. Von den insgesamt 17 Zürcher Gemeinschaftszentren (GZ) sind zwölf Jugendarbeitende angestellt, welche jugendspezifische Angebote durchführen. Aber auch in den anderen GZ gehören Jugendliche zur Zielgruppe, denn die Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren hat neben den Fachbereichen Quartierarbeit, Bildung/Gestaltung und Bildung/Tier auch die Jugendarbeit als solche ausgewiesen. Auf der Homepage der Fachorganisation ist zu lesen: «Die Jugendarbeit hat Integration, Prävention und die Befähigung der Jugendlichen zum Ziel. Die Jugendlichen werden in ihrer Identitätssuche unterstützt und dazu ermutigt, Verantwortung für sich selbst sowie für ihre Umwelt zu übernehmen». In Höngg gibt es seit mehr als sieben Jahren die Jugendarbeit Höngg, eine Kooperation der beiden Landeskirchen und des GZ Höngg, die sich stark für junge Menschen engagiert. Sie bietet den Jugendlichen verschiedene Aufenthaltsräume und Plattformen, um ihre Projekte und Veranstaltungen zu organisieren. Mehr zu den konkreten Angeboten wird in der kommenden Ausgabe des «Hönggers» vom 14. März zu lesen sein.

    Stadt spricht Beiträge, mischt sich aber nicht zu sehr ein

    Wenn es um die Angebote für Jugendliche in der Stadt Zürich geht, verfolge die Stadt keine einheitliche Linie im Sinne einer übergeordneten Strategie, sagt Heike Isselhorst, Leiterin Kommunikation des Sozialdepartements. «Wir treffen Leistungsvereinbarungen mit verschiedenen Anbietern wie zum Beispiel der OJA oder den Gemeinschaftszentren in den jeweiligen Quartieren, mit denen bedarfsorientierte Angebote für Jugendliche finanziert werden». Die Ausgestaltung sei dabei aber jeweils den Institutionen selbst überlassen, die vor Ort die spezifischen Bedürfnisse der jungen Leute abklären und entsprechende Möglichkeiten anbieten. Alle sechs Jahre werden die finanziellen Mittel dafür entsprechend dem Bevölkerungswachstums neu bewertet und verteilt. Im August 2018 hat der Gemeinderat Beiträge für soziokulturelle Leistungen – nicht nur im Bereich Jugendarbeit – in der Höhe von 32 Millionen Franken bis 2024 bewilligt. Davon gehen 5,9 Millionen Franken an die städtischen Angebote und 26,3 Millionen Franken an private Angebote.

    Im Sommer 2017 erschien die Jugendausgabe des «Hönggers», produziert von den Jugendlichen Hönggs, nachzulesen unter https://hoengger.ch/wp-content/uploads/2018/06/20170615-endfassung.pdf

  • «Ich habe alle Social-Media-Accounts gelöscht»

    «Ich habe alle Social-Media-Accounts gelöscht»

    Junge Gesichter aus Höngg
    Was wäre ein Fokusthema zum Thema Jugend, ohne Porträts von Jugendlichen aus Höngg?
    Um junge Menschen zu verstehen, herauszufinden, was sie denken, planen und sich wünschen, reicht es nicht, sich selber ein stereotypenreiches Bild der Jugend zusammenzustellen. Die verlässlichste Quelle sind die Jungen selber, denen der «Höngger» in diesem Fokusthema eine Stimme gibt. Einen Einblick in das Leben von drei jungen Menschen, welche Höngg ihr Zuhause nennen.

     

    «Ich bin momentan im Netzwerkteam tätig. Wir sorgen dafür, dass jene Geräte, die dazu bestimmt sind, ein Drucker und ein Computer zum Beispiel, miteinander kommunizieren und solche, die nicht dazu gedacht sind, nicht. Zum Beispiel externe Geräte mit internen Geräten der Zürcher Kantonalbank (ZKB), diese Kommunikation ist auf jeden Fall aus Sicherheitsgründen zu unterbinden.» Oliver Bieri scheint seine Arbeit als Informatiklehrling bei der ZKB sichtlich Spass zu bereiten. Bald ist die Lehrlingszeit aber auch schon vorbei, der Abschluss steht vor der Tür. An gewisse Arbeiten, welche es dafür zu schreiben gibt, setzt sich Oliver am liebsten mit Musik. Überwiegend Rockmusik, mit dieser in den Ohren kann er sich am besten konzentrieren. Auch selber spielt er ab und zu mit seiner E-Gitarre in einer Jugendband aus Höngg. Die ehemalige Spirit-Band trat früher im Rahmen der Jugendgottesdienste «Spirit» der Kirchgemeinden Wipkingen, Höngg und Oberengstringen auf, welche sich seit diesem Jahr zum Kirchenkreis 10 zusammengeschlossen haben. Heute sind die meisten Mitglieder zu alt und ihre eigene Zeit im Religionsunterricht und im Spirit längst vorbei, deshalb haben sie sich aus dieser Umgebung zurückgezogen. Aus ebendiesen Gründen ist die Band zurzeit auch auf Namenssuche.

    Fehlendes Angebot für junge Erwachsene

    Neben der Musik pflegt Oliver gerne soziale Kontakte, in einem seiner Freundeskreise ist immer etwas los. «Wenn ich aktiv etwas mit Kolleg*innen unternehme, gehen wir meist ins Zentrum der Stadt. Mehrheitlich aber mit Freunden, die sowieso nicht aus Höngg kommen. Mit denen aus Höngg treffe ich mich oft am Meierhofplatz, dort wird dann entschieden, was wir machen. Entweder wir kochen etwas zusammen, gehen im Stadtzentrum in eine Bar oder laufen in Höngg herum. Dabei kann man gut reden. Im Sommer grillieren wir oft im Hönggerwald oder bei der Waid. Ab und zu gehen wir auch in einen Club, am liebsten in die Härterei, wenn gerade Hardstyle läuft.» Angebote für Junge in Höngg kennt der 19-Jährige keine, es fehle etwas für junge Erwachsene von 18 bis 25 Jahren, meint er. Jugendräume habe es zwar schon, es käme ihm aber immer so vor als bräuchte man «Connections», um hineinzukommen. Ausserdem bringe es ihm nicht viel, wenn diese am Mittwochnachmittag offen seien, dann sei er nämlich nicht im Quartier. Olivers Wunsch für Höngg: eine Stammkneipe. «Weil man in Höngg nicht weiss, wohin man gehen soll, geht man schnell einmal ins Stadtzentrum. Ich denke, wenn es hier eine gute Alternative hätte, würde diese sicher auch von einigen genutzt werden», so sein Vorschlag. Auch Sportgeschäfte seien seiner Meinung nach vielleicht mehr gefragt, bis auf Velos gäbe es im Quartier kein grosses Angebot. Er glaubt, dass Wintersportartikel zum Beispiel eher örtlicher gemietet würden, bestünde die Möglichkeit dazu. Der 19-Jährige ist selbst gerne auf den Skiern oder dem Snowboard in den Bergen unterwegs. Im Alltag treibt er keinen konkreten Sport, sondern versucht, sich mit verschiedenen Übungen fit zu halten, als Ausgleich zu seinem Beruf.

    «WhatsApp ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel»

    So gern Oliver auch Kontakte pflegt, den sozialen Medien hat er mehrheitlich abgeschworen. «Ich habe alle Social-Media-Accounts gelöscht. Bis auf WhatsApp, denn da sind alle meine Freunde drauf, es ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Ansonsten sehe ich den Nutzen der anderen Kanäle nicht mehr, ich habe noch nie viel gepostet und es geht immer sehr viel Zeit damit verloren.» Stattdessen liest Oliver nun mehr Zeitung auf dem Arbeitsweg, den Tages-Anzeiger zum Beispiel. Das Gefühl, etwas zu verpassen hat er nicht, seine engen Freunde würden ihm wichtige Dinge persönlich mitteilen oder allenfalls ein Bild auf WhatsApp senden. Von ehemaligen Schulkolleg*innen erfahre er natürlich weniger, aber man treffe sich immer mal wieder. Olivers Katze schleicht ins Zimmer, schnuppert. Sie riecht Besuch. Nach seinem Lehr- und Berufsmaturitätsabschluss möchte Oliver gerne Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsrecht studieren. Sein aktuelles Berufsziel ist Anwalt, die Staatsanwaltschaft würde ihn sehr interessieren. Vielleicht kann er sich mit einem solchen Beruf später sogar wieder ein Zuhause in Höngg leisten, denn er würde schon gerne hier bleiben. Die idyllische Umgebung mit Wald, Fluss und Dorflandschaft, gepaart mit guten Busverbindungen ist für ihn ein super Kompromiss. Es sei eben einfach teuer.

  • «Gerade bin ich voll into Mode>»

    «Gerade bin ich voll into Mode>»

    Junge Gesichter aus Höngg
    Was wäre ein Fokusthema zum Thema Jugend, ohne Porträts von Jugendlichen aus Höngg?
    Um junge Menschen zu verstehen, herauszufinden, was sie denken, planen und sich wünschen, reicht es nicht, sich selber ein stereotypenreiches Bild der Jugend zusammenzustellen. Die verlässlichste Quelle sind die Jungen selber, denen der «Höngger» in diesem Fokusthema eine Stimme gibt. Einen Einblick in das Leben von drei jungen Menschen, welche Höngg ihr Zuhause nennen.

     

    Die Gymivorbereitung – ein sehr aktuelles Thema für Elina. Die Schülerin aus dem Lachenzelg kann sich mehrere weiterführende Schulen vorstellen. Aufgrund ihrer Leidenschaft für das Zeichnen und ihrer Freude an der italienischen Sprache, hat sie das Liceo Artistico in Betracht gezogen. Dieses erhält allerdings ernsthafte Konkurrenz vom Gymnasium Stadelhofen, das ein musisches Profil anbietet. Denn ihre Gitarre nimmt Elina, obwohl sie bereits aufgehört hat regelmässig zu spielen, noch immer gerne hervor und begleitet sich so beim Singen selbst. Instrument gegen Farbpalette: Sie hat eine schwierige Entscheidung zu treffen. Doch niemand kann ständig lernen, deshalb verbringt sie jeden Mittwochnachmittag nach der Gymivorbereitung im Underground. Dies ist ein offener Raum für Jugendliche, ein Angebot der Jugendarbeit Höngg. Dort trifft sie Freunde, hat eine gute Zeit und tauscht sich aus: «Musik ist etwas, worüber wir sprechen, ich höre Pop, Hip-Hop, Rap, je nach Stimmung. Ansonsten sprechen wir über das Neueste, was gerade bei wem so läuft oder geschehen ist. Über die Schule, Familie, Kollegen, Serien, über Trends.»

    Fussball der grossen Liga

    Wenn sie und ihre Freund*innen einen ganzen Tag Zeit haben, gehen sie auch mal für einen Kinobesuch oder einen Shoppingausflug ins Stadtzentrum. Denn Fashion macht Spass – auf jeden Fall Elina. Sie sei gerade voll «into Mode». In der vierten Klasse habe dieses Interesse angefangen, erst habe es ein wenig Überwindung gekostet, sich anders zu kleiden als die Masse. Doch heute trägt sie ihren Stil mit Freude. Kleidung kauft sie allerdings wenig, sie investiert dafür lieber in qualitativ hochwertige Produkte. Ansonsten verbringt Elina viel Zeit in Höngg. Besonders im Sommer sind bei ihr Orte wie das Werdinseli oder der Hönggerberg angesagt. «Meist laufen wir eine Weile herum. Wenn ich mich zum Beispiel mit einem Freund verabrede, dann treffen wir uns beim Meierhofplatz, spazieren zum Bläsi, dann auf den Hönggi und kommen drei Stunden später wieder runter», lacht die 14-Jährige. Auf dem Hönggerberg ist Elina sowieso zwei bis dreimal pro Woche anzutreffen, währenddem sie eine weitere Leidenschaft ausübt. Denn nicht nur kreativ, sondern auch sportlich ist sie tätig, seit sieben Jahren spielt sie beim SV Höngg, aktuell in der Position des Goalies. Durch Zufall sei sie in diese Rolle gerutscht und bereue es überhaupt nicht, obwohl sie jetzt zusätzlich noch Goalie-Training habe. Anscheinend wurde Elina mit Talent geboren, nach einem Probetraining beim Fussballclub Zürich (FCZ) wurde ihr angeboten, zu bleiben. Aus Zeitgründen lehnte sie jedoch ab, steigt dafür diesen Sommer bei ihrem aktuellen Verein, dem SV Höngg, in die erste Mannschaft auf.

    Eine Bar für Höngg

    Im Sommer hat Elina in Höngg also alles, was sie braucht. Im Winter dagegen würde sie sich ein Café oder eine Bar wünschen, denn nicht immer hat jemand in der Freundesgruppe eine sturmfreie Bude. So müssen sie eben ins Zentrum der Stadt fahren, das glücklicherweise ja nicht weit weg ist. Laut Elina ist dies ein grosser Vorteil von Höngg. Aber auch alleine kann man sich ja gut beschäftigen – besonders im Zeitalter von Social Media. Auf Instagram ist die Schülerin gerne unterwegs, nur ist es ihrer Meinung nach oft Zeitverschwendung, da man sich später an beinahe nichts erinnern kann, das man gesehen hat. Und Newsseiten folgt sie darauf nicht, die wichtigen Informationen bekommt sie in der Schule, von Kollegen oder ihren Eltern mit. Elina verabschiedet sich. Sie muss nach Hause, um zu lernen, denn bald stehen schon die Aufnahmeprüfungen fürs Gymnasium an. Welchen Weg sie danach einschlagen wird, wird sich zeigen. Grafikerin würde sie interessieren, einen Beruf in den Bereichen Sport und Musik, kann sie sich noch nicht richtig vorstellen.

  • «Ich bin sehr Höngg-patriotisch»

    «Ich bin sehr Höngg-patriotisch»

    Junge Gesichter aus Höngg
    Was wäre ein Fokusthema zum Thema Jugend, ohne Porträts von Jugendlichen aus Höngg?
    Um junge Menschen zu verstehen, herauszufinden, was sie denken, planen und sich wünschen, reicht es nicht, sich selber ein stereotypenreiches Bild der Jugend zusammenzustellen. Die verlässlichste Quelle sind die Jungen selber, denen der «Höngger» in diesem Fokusthema eine Stimme gibt. Einen Einblick in das Leben von drei jungen Menschen, welche Höngg ihr Zuhause nennen.

     

    «Ich habe kürzlich einen Test bezüglich meiner Studienrichtung gemacht und dieser empfiehlt mir Theologie – eher nicht», lacht Martin Faehnrich. Der 17-Jährige besucht das Gymnasium der Kantonsschule Zürich Nord, im mathematischen Profil. Mathematik zu studieren kommt für ihn, wie die Theologie, aber überhaupt nicht in Frage, dann lieber Geschichte oder Germanistik. Vielleicht wäre auch der Lehrerberuf etwas für ihn, meint er. Seit der vierten Klasse wohnt Martin im Rütihof und verbringt dort auch den grössten Teil seiner Freizeit. Denn wenn er nicht in der Schule oder zu Hause ist, ist er im Kasten. «Der Kasten ist unser Zufluchtsort. Oft sind auch ein paar ältere da, die einen Schlüssel haben und uns dann auch unter der Woche reinlassen. Denn der Kasten ist offiziell nur während den Angeboten der Jugendarbeit offen, die restliche Zeit über wird er von zwei jungen Erwachsenen selbstverwaltend genutzt.» Seit 2010 ist der blaue Container im Rütihof ganz den Jugendlichen gewidmet. Martin und seine Freunde sind besonders im Winter froh um dieses Angebot, denn in dieser Jahreszeit haben Jugendliche in Höngg sehr limitierte Möglichkeiten, sich ausserhalb ihres Daheims ins Warme zurückzuziehen. «Wir spielen manchmal UNO und einmal in der Woche treffen wir uns für eine Runde <Dungeons and Dragons>. Ein super Spiel», erzählt Martin. «Dungeons and Dragons» ist ein Pen- and Paper-Rollenspiel, in dem die Spieler verschiedene Fantasie-Charaktere einnehmen und gemeinsam durch Erzählen Abenteuer erleben. Am Freitag- oder Samstagabend geht es manchmal auch ins Stadtzentrum. «Meistens kaufen wir uns einfach Alkohol, hören gemeinsam Musik und geniessen im Sommer das Wetter am See. Für den Winter haben wir einen anderen Ort gefunden, eine windgeschützte Stelle in der Nähe einer Brücke. Diejenigen aus meinem Freundeskreis, die keine Lehre machen, haben kaum Geld, um in eine Bar zu gehen oder so. Höchstens ab und zu mal», so Martin, dem der See als Schüler ebenfalls besser ins Budget passt und der froh um offene Räume wie den Kasten ist.

    Volg gleich Kaff

    Martin bezeichnet sich selbst als «Höngg-patriotisch». Er ist sehr oft im Quartier und wohnt auch gerne hier. Auf der einen Seite mag er die Läden und das Städtische, das Höngg mit dem Meierhofplatz seiner Meinung nach hat. «Es ist nicht so, als gäbe es hier einen Volg, der einen gleich als Kaff abstempelt.» Seine Kleidung besorgt er sich allerdings im Letzipark oder in Altstetten. Auf der anderen Seite mag er den Wald, in den man sich im Sommer zurückziehen kann, die Fussballplätze bei den Schulhäusern und den Fakt, dass Höngg quasi ein Berg ist. Laut seiner Einschätzung gibt es in Höngg schon vieles, im Rütihof allerdings fehle einiges. Er fände es zum Beispiel angenehm, wenn ein Denner in das Lokal des ehemaligen Beck Keller einziehen würde, seine Freunde dagegen wünschen sich dort eine Shisha Bar. Das Angebot für Junge im Quartier sei begrenzt, in Jugendräumen wie dem Kasten sieht Martin jedoch eine super Möglichkeit. Andere Jugendangebote nutze er nicht und würde sich wahrscheinlich auch gar nicht dafür anmelden. Ab und zu informiere er sich darüber, was sonst noch so läuft, mehr als Kindergartenaktivitäten seien ihm allerdings bisher noch nie aufgefallen.

    Auch Drogen sind ein Thema

    «Wie fast jeder Höngger, habe auch ich früher etwa ein halbes Jahr lang beim SV Höngg gespielt. Heute treffe ich mich manchmal einfach noch mit Freunden, um ein wenig zu spielen.» Aktiv trainiert Martin zurzeit im Kraftraum der Schule und würde sehr gerne in naher Zukunft einen Kampfsport ausprobieren. Klavier spielen lernen steht ebenfalls auf seiner Liste. Neu hinzugekommen ist die Aufgabe, YouTube-Videos hochzuladen. «Ich habe gegen einen Freund eine Game-Wette verloren und nun nehme ich einfach meine eigenen Spiele auf und stelle sie ins Netz.» Gamen sei schon noch ein Thema in seinem Leben, aber längst nicht mehr so zentral wie vor ein, zwei Jahren. Heute gehe er lieber in den Kasten, um seine Kollegen zu treffen, wenn er an einem Abend Zeit habe. In den sozialen Medien hingegen ist er relativ aktiv, auf Instagram mag er Memes, WhatsApp hat sowieso jeder. «Wir haben einen Chat, in dem rund 18 Jungs aus Höngg drin sind. Dort diskutieren wir manchmal über die verschiedensten Dinge, ein aktuelles Gesprächsthema ist zum Beispiel das Militär, weil das langsam für alle aktuell wird», erzählt Martin. Mit seinen Freunden spricht er über beinahe alles. Auch Drogen sind ein Thema, denn die bravsten Kids seien auch sie nicht. Dafür anscheinend super, wenn es um Teamwork geht: «Ich bin auf Snapchat geradezu süchtig nach «Streaks». Die bekommt man, wenn man innerhalb von 24 Stunden mit einer Person einen Snap hin und her schickt. Mit Mauro, einem Kollegen habe ich bereits etwa 170.»

  • Was bewegt die Jugend?

    Was bewegt die Jugend?

    Eine halbwegs einheitliche Definition des Begriffs «Jugend» zu finden, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Niemand ist sich einig über die Zeitspanne, dieser doch ziemlich schwammigen Lebensphase, in der aus einem Kind ein Erwachsener wird. Beginnt sie mit zehn oder 14? Ist man mit 18 bereits erwachsen? Oder hält die Jugendlichkeit noch bis 25 an? Die verschiedensten Angaben sind zu finden. Doch wichtiger als der genau definierte Beginn- und Schlusszeitpunkt, ist, was während dieser Zeit bei einem jungen Menschen alles abläuft. Die Persönlichkeit einer Person entwickelt und festigt sich in diesen Jahren, diese sucht die soziale Rolle in der Gesellschaft, die richtige Ausbildung und löst sich von seinen Eltern. Der oder die Jugendliche wird ein eigenständiges, soziales Wesen. Laut Statistik der Stadt Zürich lebten im Jahr 2017 23‘797 Personen im Quartier Höngg. Davon waren 3’395 im Alter von zehn bis 24 Jahren und repräsentierten die jungen Menschen im Quartier. Das sind im Vergleich zu anderen Quartieren relativ viele, nur Altstetten, Seebach, Affoltern und Oerlikon zählen zahlenmässig einige junge Bewohner mehr. Seit 1993 sind die Zahlen kontinuierlich gestiegen, im Jahr 2016 ist ein ungewöhnlich steiler Anstieg bei den 20 bis 24-Jährigen zu vermelden. Dies ist auf den Bau der Studentensiedlungen auf dem Campus der ETH Hönggerberg zurückzuführen, die dem Quartier auf einen Schlag viele Wohnmöglichkeiten für Studenten brachte.

    Austausch im Rahmen der Jugendarbeit

    Zu jeder Zeit gab es Reibungen zwischen den Generationen, das ist normal und unvermeidbar. Die Jungen lästern über die Alten und umgekehrt. Der Mensch neigt auch bei Vorfällen dazu, nicht den Einzelnen, sondern gleich seine ganze Generation mit zu verurteilen. Doch jeder Mensch ist anders, die Jugendlichen alle in einen Topf zu werfen, umzurühren, ihre Interessen und Persönlichkeiten zu mischen und zu verallgemeinern, ist nicht der richtige Weg. Über die Jugend zu sprechen, ohne mit den Jugendlichen selbst gesprochen zu haben, wäre mit eben genanntem gleichzusetzen und somit unfair. Der Höngger hat sich daher zwei Jugendangebote der Jugendarbeit Höngg zu Nutzen gemacht und in deren Rahmen den Jugendlichen einen Besuch abgestattet. Der erste Austausch fand im «Kasten» im Rütihof statt, einem blauen Container, dessen Zweck es unter anderem ist, Jugendlichen einen Ort zu bieten, an dem sie ungestört sind. Am Freitagabend ist dieser für alle Jugendlichen ab der Oberstufe geöffnet, es hält sich jedoch fast immer die gleiche Gruppe dort auf. Diese hat bereits das frühere Mittelstufenangebot im Kasten genutzt und ist in den letzten Jahren mit der sich verändernden Zielgruppe mitgewachsen. In der Jugendarbeit ist es häufig der Fall, dass die Angebote tendenziell eher von Jungs genutzt werden, dies bestätigten die Jugendarbeiter*innen des Gemeinschaftszentrum Höngg.

    «Wollen wir nicht die Wahrheit sagen?»

    Auch an jenem Freitagabend waren die jungen Männer in der Überzahl, die wenigen Mädchen vor Ort standen der Situation eher skeptisch gegenüber und wollten keine Auskunft geben. Viele der Anwesenden wohnen im Rütihof, ihre Interessen sind vielfältig. Das Thema Musik ist ganz gross, Robin meint, er höre alles bis auf Pop und Schlager. Zwei aus der Gruppe machen selber Musik, der 16-jährige Dominik, der seit acht Jahren so ziemlich jede Woche im Kasten anzutreffen ist, rappt und gibt auch gerne Freestyles zum Besten. Marvin, ein Schüler aus dem Lachenzelg, spielt in einer fünfköpfigen Metalband. Die Schule stellt ihr einen eigenen Bandraum zur Verfügung. Auch andere Talente sind vorhanden, Elias zeichnet tolle Bilder und Cecilio spielt Fussball beim SV Höngg. Ein Zwischenruf im Gespräch deutet darauf hin, dass sich die Interessen nicht alle auf diesem unschuldigen Niveau befinden: «Wollen wir nicht die Wahrheit sagen?». Es folgt Gelächter, ihre Geheimnisse sollen sie behalten dürfen. Natürlich seien sie alle auch teilweise am Handy, gamen und schauen sich Serien an. Dies seien aber alles Dinge, welche sie alleine nutzen würden, in der Gruppe spielen sie eher Spiele wie UNO oder unterhalten sich. Die Ausbildung ist bei allen ein aktuelles Thema, Lukas schliesst demnächst seine Gärtnerlehre ab, andere sind in der Ausbildung als Gipser*in, Zeichner*in oder absolvieren das KV. Einige aus der Gruppe besuchen noch die Sekundarschule im Lachenzelg. Neben dem Kasten, in dem sie sich immer treffen, auch wenn sie später weiterziehen, sind sie manchmal auf dem Werdinseli, beim Zwielplatz oder bei Kollegen zu Hause zu finden.

    Zu Besuch im «Underground»

    Das zweite Gespräch mit jungen Höngger*innen fand im Underground statt, einem Raum in der Reformierten Kirche. Dieses Jugendangebot wird am Mittwochnachmittag angeboten, die Jugendlichen sind jünger als diejenigen im Kasten. Hier ist auch ein Mädchen anwesend, das bereit ist, Auskunft zu geben. Ihre Themen unterscheiden sich, auf jeden Fall oberflächlich gesehen, nicht gross von denen der älteren. Sportarten wie Fussball und Rugby, Musik, Gamen, Serien auf Netflix schauen, Kollegen treffen und die Schule werden als wichtige Themen und Interessen genannt. Reto hätte einen Wunsch für das Hallenbad Bläsi: einen höheren Sprungturm. Leo und Ella wünschen sich ein Café, für den Winter. Gemeinsam haben die Jugendlichen den reformierten Unti, den sie in Höngg besuchen. Aus diesem Grund kämen sie auch in den Underground. Dort entspannen sie sich, spielen Spiele, essen Snacks und reden miteinander.

    Zwei Jugendangebote und eine Hand voll Jugendlicher – kein repräsentatives Ergebnis für ein ganzes Quartier. Doch nennen alle Jugendliche ähnliche Interessen, wenn man sie im Vorbeigehen kurz darauf anspricht. Wer genauere und unterschiedlichere Antworten zu hören bekommen will, muss sich für jeden einzelnen Menschen Zeit nehmen. Wie dies in den folgenden Porträts gemacht wurde. Dort finden sich die Differenzen – aber nur bedingt. Denn menschlich sind schliesslich alle.

    Mehr Informationen zum Höngger Angebot für Junge in der nächsten Ausgabe.