Kategorie: Jugend

  • Sie sind die Zukunft

    Sie sind die Zukunft

    Einmal im Jahr findet der nationale Zukunftstag statt. Dann erhalten die Kinder der 5. bis 7. Klasse die Gelegenheit, einen Tag statt auf der Schulbank in einem Betrieb ihrer Wahl zu verbringen, um Berufe kennenzulernen. Auch der «Höngger» erhielt Besuch: Sarah Baumgartner und Jaden Mpangalah, beide aus der sechsten Klasse der Schule Vogtsrain, sowie Evelin Grundlehner aus der ersten Sekundarstufe Lachenzelg wollten die Arbeit einer Lokalredaktion kennenlernen.

    Es erwartete sie ein voller Arbeitstag, der um 8.30 Uhr startete. Sie erhielten Einblicke in die verschiedenen Tätigkeitsbereiche: vom Texte verfassen über die Planung der nächsten Ausgabe – inklusive Redaktionssitzung – und die Akquise von Inseraten bis hin zu Layout und Druck sowie dem Auftritt in den sozialen Medien.

    Nach so viel Theorie waren die drei dann schliesslich selbst gefragt: Sie erhielten den Auftrag, für den Nachmittag ein Interview mit den Zukunftstag-Jugendlichen im Wohnzentrum Frankental vorzubereiten. Dazu gehörte auch, sich mit der Fotokamera vertraut zu machen. Für Instagram sollte schliesslich der Tag in kurzen Videos festgehalten werden.

    Voller Elan

    Nach der Mittagspause bei wunderarem Sonnenschein stand dann das Interview auf dem Programm. Sieben Jugendliche verbrachten den Zukunftstag im Wohnzentrum Frankental und standen dem «Höngger»-Team Rede und Antwort. Keine ganz leichte Aufgabe, mit so vielen Leuten gleichzeitig ein Interview zu führen! Die drei bewältigten ihren Job jedoch mit Bravour und machten sich danach im Büro an die Kernaufgabe: das Verfassen eines Textes (siehe unten).

    Und weil alle schnell und konzentriert arbeiteten, war anschliessend sogar noch Zeit, die Umfrage durchzuführen, nämlich auf der Strasse die Leute zu einem bestimmten Thema zu befragen (siehe Höngger Ausgabe vom 20. November 2025). Der Elan freute die begleitende Redaktorin, vor allem, weil eine Befragung sie selbst manchmal einiges an Überwindung kostet.

    Und selbst als auch diese Texte in den Computer eingetippt, die Fotos hochgeladen und bearbeitet waren, waren die drei Höngger Kinder noch immer voller Tatendrang. Doch der Zukunftstag neigte sich bereits dem Ende zu. Aus Sicht der Redaktion war dies ein äusserst spannender, spassiger und kurzweiliger Arbeitstag. Sollten die drei tatsächlich Ambitionen haben, in den Lokaljournalismus einzusteigen, sind sie in ein paar Jahren herzlich willkommen.


    Interviewtermin im Frankental: Die sieben Jugendlichen werden über ihre Erfahrungen am Zukunftstag befragt. (Foto: Jaden Mpangalah)

    Zu Besuch im Wohnzentrum Frankental

    Am Zukunftstag stand für Sarah, Evelin und Jaden ein Interviewtermin im Wohnzentrum Frankental auf dem Programm. Und anschliessend musste das Gespräch zu Papier gebracht werden.

    Wir waren im Wohnzentrum Frankental und haben mit den Kindern, die den Zukunftstag dort verbracht haben, ein Interview gemacht. Im Wohnzentrum wohnen 41 Menschen, die Hilfe brauchen. Die sieben Kinder haben dort den Tag verbracht und reingeschaut. Zum Beispiel in die Physiotherapie, was die meisten sehr spannend fanden.

    Sie waren 10 bis 14 Jahre alt und kamen nicht alle aus Höngg, sondern auch aus Uster und dem Aargau. Am Anfang haben sie einen Plan bekommen und haben ihn gut befolgt. Sie sind alleine zu den beeinträchtigten Leuten gegangen und haben ihnen zugeschaut, wie sie Übungen machen und auch geholfen. Manche der Kinder wollen später in der Pflege arbeiten.

    Nachdem wir sie gefragt haben, was ihre Traumjobs sind, hat Kai gesagt, dass er sich auf jeden Fall vorstellen könnte, im Wohnzentrum Frankental zu arbeiten. Anael will Mechaniker werden. Ein Mädchen will als Lehrerin arbeiten, aber weil ihre Mutter im Wohnzentrum angestellt ist, hat sie mal ausprobiert, wie es ist, hier zu arbeiten. Der Tag hat den Kindern gut gefallen.

    Das Frankental hat den Zukunftstag zum ersten Mal durchgeführt. Die Jugendlichen haben sich auf der Website vom Zukunftstag angemeldet. Nächstes Jahr will das Frankental wieder mitmachen.

    Ein Artikel von Evelin Grundlehner, Jaden Mpangalah und Sarah Baumgartner

  • Auf Jobsuche in der Schule

    Auf Jobsuche in der Schule

    Stellwerktest und Schnupperlehren: Das sind die zwei Begriffe, welche die Jugendlichen der zweiten Sekundarschulklassen wahrscheinlich besonders beschäftigen. Denn für sie hat die heisse Phase der Berufswahl und -findung begonnen. Spätestens nach den Sommerferien, wenn sie mit der dritten Klasse starten, werden die Lehrstellenbewerbungen auf dem Programm stehen.

    Also heisst es nun, sich für einen möglichen Lehrberuf oder eine weiterführende Schulbildung zu entscheiden. Eine grosse Aufgabe, die meist nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern oft auch deren Eltern umtreibt. Wie lässt sich herausfinden, welcher Beruf der geeignete sein könnte? Nicht alle haben bereits im Alter von 14 oder 15 Jahren eine konkrete Vorstellung davon, wie der spätere Alltag einmal aussehen könnte.

    Seit mehr als 15 Jahren

    Da kann etwas Anschauungsunterricht vielleicht weiterhelfen. Und deswegen organisiert der Elternrat der Schule bereits seit mehr als 15 Jahren eine hauseigene Berufsmesse, an der vorwiegend lokale Unternehmen ihre Berufe vorstellen. Auch in diesem Jahr waren Mitte März wieder 17 verschiedene Betriebe mit von der Partie, die eine grosse Vielfalt an unterschiedlichen Berufsfeldern vorstellten – von der Automobil-Assistentin bis zum Zahntechniker.


    Am Zweifel-Stand stiessen nicht nur die «Probiererlis» auf Interesse. (Foto: das)

    Viele der ausstellenden Betriebe sind alteingesessene Höngger Firmen, die bereits seit Jahren die Berufsmesse besuchen und nicht nur den Kontakt mit der Höngger Jugend schätzen, sondern auch die Möglichkeit, sich direkt vor Ort mit potenziellen zukünftigen Lernenden zu unterhalten und in Ruhe den eigenen Beruf vorstellen zu können.

    Lehrstellen in der Betreuung

    Auch die Stadt als Arbeitgeberin präsentierte sich an mehreren Ständen – so etwa im Bereich Fachmann/-frau Gesundheit mit dem Gesundheitszentrum für das Alter Bombach. Oder mit «Young Talents» des Sozialdepartements, das den Beruf Fachmann/-frau Betreuung (FaBe) in den städtischen Kitas vorstellte. Elf Kitas führt das Sozialdepartement auf die Stadt verteilt, rund 70 Lernende machen dort ihre Ausbildung, erklärte Mirjam Schmidli von der Personalabteilung den interessierten Jugendlichen. Wer sich bewerben möchte, hat gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Es sei sogar so, dass sie zuweilen Probleme hätten, die verfügbaren Stellen alle zu besetzen, so Schmidli.

    Auch am Stand der Stiftung GFZ (Gemeinnützige Frauen Zürich), die ebenfalls Kindertagesstätten führt (unter anderem am Meierhofplatz), kennt man das Problem, dass sich nicht alle Stellen besetzen lassen. Für dieses Jahr seien zwar schon alle Lehrverträge unter Dach und Fach, doch mitunter gestalte sich die Suche nach Lernenden etwas harzig, erklären die Standbetreuenden. Das führen sie unter anderem darauf zurück, dass der Beruf der FaBe zu den am schnellsten wachsenden Jobs gehört.

    Immer wieder neue Firmen

    Zum ersten Mal mit von der Partie war in diesem Jahr die Berufsbildung bei Coop. Über dreissig verschiedene Lehrberufe bietet der Betrieb insgesamt an – einer davon ist die Detailhandelsausbildung. Das ist die Lehre, die auch Michael Rossol momentan absolviert. Er betreute gemeinsam mit Prisca Mognetti, die für die Lehrlingsbetreuung zuständig ist, den Stand im Lachenzelg und gab nicht nur den Jugendlichen, sondern auch dem «Höngger» bereitwillig Auskunft zu Berufswahl und Ausbildung.


    Mit der Ausbildung im Detailhandel ist Michael Rossol zufrieden. (Foto: das)

    Sein Arbeitsplatz ist die Coop-Filiale in Uster, im Sommer wird er nach Beendigung der dreijährigen Lehre die Abschlussprüfung ablegen. «An meiner Ausbildung schätze ich, dass es sehr viele Möglichkeiten gibt, sich weiterzubilden und zu -entwickeln», erklärte er. Deswegen war für ihn auch bereits nach vier Schnuppertagen klar, dass er die Ausbildung machen möchte. Ein Eindruck, den auch seine Betreuerin Prisca Mognetti bestätigte. «Michael kam zu uns zum Schnuppern, und schnell war klar, den schnappen wir uns», schmunzelt sie.

    Auch die Rautipraxis, eine Gemeinschaftspraxis für Hausarztmedizin, HNO und Gynäkologie, war in diesem Jahr das erste Mal anwesend. Gina Somaini ist Ärztin in der Praxis und stellte an ihrem Stand den Beruf der medizinischen Praxisassistentin (MPA) vor. Das Interesse an ihrem Stand sei gross gewesen, erklärte sie. Vor allem Mädchen hätten sich für die Ausbildung interessiert, sie sei aber auch mit drei, vier Jungs ins Gespräch gekommen. Und Nachwuchs ist in dem Beruf gefragt: Medizinische Praxisassistentinnen sind in der Schweiz Mangelware. Wobei es, wie Somaini erläuterte, weniger an Auszubildenden mangele, sondern vielmehr an ausgelernten MPAs. «Denn sehr viele, die diese Ausbildung absolvieren, bleiben später nicht in dem Beruf», so Somaini.


    Marcel Knörr gibt Aliya Auskunft über den Beruf des/der Hoch-bauzeichners/Hochbauzeichnerin. (Foto: das)

    Prädikat: wertvoll

    Den ganzen Nachmittag standen die Standbetreuenden den Interessierten der sieben Parallelklassen der zweiten Sekundarschule Rede und Antwort. Diese hatten sich zuvor einige Berufe ausgesucht, die sie besonders interessierten und sich einige Fragen zum Job überlegt. Zu ihnen gehörte auch Erik (Name von der Redaktion geändert). Er interessierte sich vor allem für die Tätigkeiten des Elektroplaners, Hochbauzeichners oder auch des Architekten. Als Elektroplaner hat er bereits eine Schnupperlehre absolviert, nun konnte er sich mit Marcel Knörr vom gleichnamigen Architekturbüro über das Berufsfeld des Hochbauzeichners austauschen – oder sich Tipps geben lassen, wie man Architekt wird. Mit dem Angebot der Berufsmesse zeigte er sich zufrieden: «Ich finde es gut, dass es die Messe an unserer Schule gibt. Sie hat mir auf jeden Fall geholfen, ein paar meiner Fragen zu klären», sagte er dem «Höngger».

    Ausstellende Betriebe an der Berufsmesse:

    Apotheke im Brühl AG
    Centrum Drogerie AG
    Coop Berufsbildung Nordwestschweiz/Zentralschweiz/ Zürich
    Rautipraxis
    Herzog Umbauten AG
    Kennys Autocenter
    Kneubühler AG Malergeschäft
    Knörr Architekten AG
    Koller Metallbautechnik GmbH
    Stadt Zürich Sozialdepartement – Young Talents
    Stadt Zürich, Brückenangebot JOB PLUS
    Stadt Zürich, Gesundheitszentrum für das Alter, Bombach
    Schmuck Dentaltechnik
    Zweifel Chips und Snacks AG
    Zweifel und Co. AG
    Steiner Flughafebeck AG
    Stiftung GFZ

  • Der Waldputz 2023 war ein Erfolg

    Der Waldputz 2023 war ein Erfolg

    Bei kühlem und schönem Wetter waren am Mittwochmorgen mehr als 1500 Schüler*innen aus über 70 Klassen und über 200 Begleit- und Lehrpersonen in den Stadtzürcher Wäldern unterwegs. Das berichtet das Tiefbau- und Entsorgungsamt der Stadt Zürich auf seiner Website. Auch am Käferberg waren zahlreiche Kinder aus dem Kreis 10 dabei.

    Die Mission: Den Wald von Abfall befreien. Was aus dem letztjährigen Herbstlaub gefischt wurde, ist immer wieder erstaunlich. Zu reden gaben in diesem Jahr ein aufgebrochener Tresor, Autofelgen, ein Set alter Werkzeuge und eine Köder-Falle aus Draht, inklusive stinkendem Fisch.

    Neben diesen speziellen Funden lag auch «Übliches» im Wald: Metallteile, Plastikverpackungen, Flaschen, Dosen, Taschentücher und vieles mehr – insgesamt 1500 Kilogramm Abfall wurden von den fleissigen Schüler*innen gesammelt und anschliessend von den Forstrevieren der Stadt Zürich fachgerecht entsorgt.

    Am Waldputztag gab es laut der Website der Stadt Zürich aber auch viel Schönes in der Natur zu bestaunen und zu entdecken. Vielerorts blühen bereits die ersten Blumen und auch Rehe und Eichhörnchen schauten vorbei.

    Der Waldputz wird organisiert von den Naturschulen, in Zusammenarbeit mit den Forstrevieren und den Mitarbeitenden von Grün Stadt Zürich. Der nächste Waldputz findet am 13. März 2024 statt (Verschiebedatum 20. März 2024).

    (Quelle: Tiefbau- und Entsorgungsamt der Stadt Zürich)

  • Plötzlich Politiker*in

    Plötzlich Politiker*in

    Dreimal im Jahr findet in Bern ein Projekt namens «Spiel Politik» statt. Bei diesem Simulationsspiel geht es darum, eine Session und den Verlauf davor nachzuspielen. Vier verschiedene Klassen bilden eine eigene Partei und treffen sich im Bundeshaus zur Nationalratsdebatte.

    Lange Vorbereitung

    Auch mit dabei war unsere Parallelklasse sowie eine Klasse aus der Schule Milchbuck und eine Klasse aus dem Tessin. In der Schule haben wir viele Vorbereitungen getroffen. Wir mussten uns erst ein Bild der Politik machen. Dabei haben wir gelernt, wie das politische System der Schweiz funktioniert. Dann gründeten wir eine Partei und eine dazugehörige Initiative. Wir mussten 100 Unterschriften sammeln, ein Parteilogo und einen Parteitext entwerfen.

    Ganz viele Diskussionen

    Mit dem Zug ging es dann am 17. Mai nach Bern. Wir hatten nur wenig Zeit, uns im Hostel einzurichten, weil es danach direkt mit den Kommissionssitzungen weiter ging. In jeder Kommission wurde eine andere Initiative besprochen und diskutiert. Es gab einen Kommissionspräsidenten oder eine Kommissionspräsidentin, der/die die Kommission geleitet hat. Ein Übersetzer bzw. eine Übersetzerin war auch dabei, eine Lehrperson, die das Protokoll schrieb und die restlichen Kommissionsmitglieder. Am Schluss entschied sich die Kommission, ob sie dem Parlament die Initiative zur Annahme oder Ablehnung empfehlen soll oder ob allenfalls ein zuvor erarbeiteter Gegenvorschlag unterstützt werden sollte.
    Nach einer anschliessenden Fraktionssitzung gingen wir zurück ins Hostel, in dem wir die Nacht verbrachten. Dort konnten wir Tischtennis oder Billard spielen oder mit dem alten Lift fahren.

    Grosses Finale im Bundeshaus

    Am nächsten Tag mussten wir früh aus den Betten, um eine Führung durch das Bundeshaus geniessen zu können. Es war erstaunlich zu sehen, wie gross die Säle und Räume waren. Sehr beeindruckend war der Balkon im Ein- und Ausgangsbereich, der das Volk symbolisieren soll. Dieser Balkon wurde noch nie betreten und soll die Bundes- und Ständeräte daran erinnern, dass sie Volksvertreter*innen sind und das Volk über ihnen steht. Nach der Führung ging es weiter mit der Session. Wir sassen alle gespannt auf unseren Stühlen. Zu Beginn hielt der Ex-Nationalratspräsident Dominique de Buman, der die Rolle des Bundesrates übernommen hatte, eine Eröffnungsrede. Danach musste jede Kommission und jede Partei ihre Meinung zu den jeweiligen Initiativen präsentieren. Auch freiwillige Sprecher*innen konnten sich während der Session in einer Liste einschreiben, um ihre Meinung zu erläutern. Nachdem auch die Vertretung des Bundesrates ihre Meinung präsentiert hatte, mussten wir abstimmen.  Danach arbeiteten wir uns Schritt für Schritt durch jede Initiative. Nach zwei Runden gab es eine Pause, in der man sich mit einem kühlen Getränk und einem Snack stärken durfte. Nach einer halben Stunde fuhren wir weiter mit den restlichen zwei Initiativen. Nach den Abschiedsworten mussten wir schnell unser Gepäck holen und es ging ab nach Hause.

    Ein bleibendes Erlebnis

    Wenn wir heute zurückblicken, waren das zwei erstaunliche Tage, die uns immer in Erinnerung bleiben werden. Trotz eines dichten Programmes blieb auch noch etwas Zeit, die schöne Stadt Bern zu geniessen und uns mit den anderen Klassen anzufreunden. Wir können dieses grossartige Erlebnis allen Lehrpersonen weiterempfehlen. Man lernt etwas fürs Leben. 

    Die Initiativen aus dem Lachenzelg

    «Förderung der Solarenergie für eine unabhängige und nachhaltige Schweiz» 3. AB Glünkin, Stadt Zürich, Lachenzelg 

    Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:  

    Art. 89 Abs. 6 (neu)  

    1 Der Bund gibt vor, dass auf allen bestehenden und neuen Dächern Photovoltaikanlagen zur Strom- und/oder Wärmeproduktion installiert werden. Hauseigentümer und Bund teilen sich die Kosten. 
    2 Neubauten sollen einen beträchtlichen Teil der Fassade und des Dachs mit Photovoltaikanlagen bedecken. 
    3 Wenn der ökonomische Nutzen zu klein sein sollte oder bei besonders ortsbildprägenden Gebäuden, können Kantone und Gemeinden Ausnahmebestimmungen erlassen. 

    Die Initiative in unseren Worten: 

    Photovoltaikanlagen auf Dächern leisten einen wesentlichen Beitrag zur Energiesicherheit des Landes. Durch Solarenergie löst sich die Schweiz von der Abhängigkeit fremder (meist autokratischer) Staaten. Zudem ist die Förderung nachhaltiger Energieformen dringend notwendig, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. 

    Partei der Solarenergie (PDS)

     

    «Späterer Eintritt in die Berufslehre» 3. AB Gir, Stadt Zürich, Lachenzelg 

    Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:  

    Art. 62 Abs.7. (neu)  

    1 Bund und Kantone sorgen dafür, dass die Jugendlichen genügend Zeit für die Berufswahl haben. 
    2 Die Jugendlichen treten i.d.R. erst nach vollendetem 16. Lebensjahr eine Berufslehre an. 
    3 Die obligatorische Schulzeit wird auf 10 Schuljahre verlängert. In Ausnahmefällen ist auch ein Lehrbeginn nach vollendetem 
        9. Schuljahr möglich. 
    4 Der Eintritt ins Gymnasium soll auch nach dem 10. Schuljahr möglich sein. 

    Die Initiative in unseren Worten: 

    In den vergangenen Jahren wurde in vielen Kantonen das Stichdatum für den Schuleintritt nach vorne verschoben, was zur Folge hat, dass nun bereits knapp 15-Jährige mit der Berufslehre beginnen. Viele Jugendliche fühlen sich mit 13 bzw. 14 Jahren noch zu jung, um sich bereits auf die Berufswahl einzulassen und sich für einen Beruf zu entscheiden. Viele Jugendlich wünschen sich mehr Zeit und mehr persönliche Reife für diese wichtige Entscheidung. In Ausnahmefällen soll aber bereits nach 9 SJ ein Berufseintritt möglich sein. 

    Bildungspartei der Schweiz (BPS)

     

     

  • Offroad-Feeling im Schulhaus Riedhof

    Offroad-Feeling im Schulhaus Riedhof

    Kaum sind die Sportferien vorbei und die Ski im Keller versorgt, stehen schon die nächsten Schulferien vor der Tür. Wer nicht wegfahren kann oder will, muss sich nun wieder etwas überlegen, um den Nachwuchs bei Laune zu halten. Zum Glück ist Frühling und die Temperaturen laden – hoffentlich – zu Aktivitäten im Freien ein. In diesen Frühlingsferien hat Höngg neben Fussballplätzen, Feuerstellen und Spaziergängen an der Limmat etwas Neues zu bieten: Auf dem grossen Pausenplatz des Schulhauses Riedhof wird während dreier Wochen ein «Pumptrack» aufgebaut.

    Wellenförmiger Veloparcours

    Hinter dieser etwas sperrigen Bezeichnung verbirgt sich ein sportlicher Parcours, der mit Fahr- und anderen Rädern wie Skateboards, Trottinetts oder Rollerblades genutzt werden kann. Der mobile «Pumptrack» besteht aus einzelnen wellenförmigen und kurvenreichen Holzelementen, welche auf verschiedene Arten kombiniert werden können. Daraus ergibt sich eine geschlossene Fahrbahn, auf der Geschicklichkeit und Fahrgefühl geübt werden können. «Pumptrack» heisst die Anlage deshalb, weil das Ziel ist, die Strecke auf dem Fahrrad zu bewältigen, ohne in die Pedale treten zu müssen – Schwung geholt wird lediglich beim Befahren der Wellen, durch «Pumpen».

    Eine Leihgabe des Kantons Zürich

    Zur Verfügung gestellt wird der Pumptrack vom Sportamt des Kantons Zürich gemeinsam mit der Fachstelle Veloverkehr. Drei solcher Anlagen besitzt das Sportamt und stellt sie den Schulhäusern im Kanton von März bis November für jeweils drei Wochen gratis zur Verfügung. Welche Schulhäuser in den Genuss kommen, eine Anlage aufbauen zu können, wird anhand der eingehenden Bewerbungen in einem Wettbewerb ausgelost.

    Elternrat der Schule Riedhof im Glück

    Organisiert wurde der Track im Riedhof durch Isabelle Ravizza, Vertreterin des Elternrats der Schule. Claudia Widmer, Fünfklasslehrerin am Schulhaus, erfuhr vor einiger Zeit über eine Kollegin von der Möglichkeit, eine solche Anlage zu ergattern. Sie informierte Isabelle Ravizza, Elternratsvertreterin ihrer Klasse, welche sofort aktiv wurde und für die Schule am Wettbewerb teilnahm. Der erste Versuch scheiterte noch, doch in diesem Jahr gehört das Riedhof zu den Auserwählten. «Wir sind sehr zufrieden, dass wir solch ein Glück hatten und den Pumptrack aufbauen können. Insgesamt haben sich 99 Schulhäuser aus dem ganzen Kanton beworben, wir gehören zu den 33 Gewinnern», freut sich Ravizza. «Nun haben wir ein tolles Angebot für all diejenigen, die in den Ferien nicht wegfahren.»

    Alle dürfen mitmachen

    Angeliefert wird die Anlage am 14. April durch das Sportamt des Kantons Zürich, der Aufbau erfolgt dann durch engagierte Eltern. Vom Angebot profitieren dürfen jedoch nicht nur die Schüler*innen des Schulhauses: Der Track soll allen Sportbegeisterten im Quartier offenstehen. Jung und Alt können sich hier auf dem Schulgelände gratis austoben – nur zu Unterrichtszeiten und ab 22 Uhr muss Ruhe herrschen. Ab dem 15. April ist der Veloparcours bereit zum Befahren, abgebaut wird am 5. Mai.

  • Alice im Wunderland

    Alice im Wunderland

    Im Sommerlager ging es für den Cevi Züri 10 zwei Wochen nach Weglosen im Kanton Schwyz. In der ersten Woche wurde dafür eine Lagerstadt gebaut, welche sich nach und nach in ein Wunderland verwandelte. In der zweiten Woche trafen sich die jüngeren Cevis beim Landesmuseum, wo Alice und der weisse Hase zur Gruppe stiessen. Mitsamt Gepäck folgte die Gruppe dem weissen Hasen ins Wunderland. Da auch in dieser Welt viele Gefahren herrschen, lernten sie, wie man sich in der Natur und in Gewässern verhält und wie man erste Hilfe leistet. Ausserdem durfte das Kartenlesen nicht fehlen, damit sich niemand im Wunderland verirrte. Nach dem sich alle eingelebt hatten, beobachteten sie, wie der Fischbutler der Herzogin eine Einladung zu einem Krocketspiel der Herzkönigin überreichte. Die Gruppe wollte gemeinsam mit Alice an diesem Spektakel teilnehmen. Doch zuerst musste sie herausfinden, wo die Herzogin wohnte, die Hinweise dazu sammelten sie bei einem Orientierungslauf.

    Humptydumpty, Tweedlede und Tweedledum
    Nach den anstrengenden Tagen gab es die geliebten Cevihörnli. Schon bald darauf lernte die Gruppe den Hutmacher kennen, welcher nach seiner Niederlage in einem Spiel seinen Hut zerriss. Um diesen wieder zu flicken, wanderten alle ans Ende des Wunderlands. Auf der Reise machten die Cevis neue Bekanntschaften mit Humptydumpty, Tweedlede und Tweedledum. Als der Hut wieder repariert war und das böse Monster Jabberwocky besiegt werden konnte, war es Zeit fürs Krocketspiel. Ebenso sollte bewiesen werden, dass nicht die beschuldigte Alice, sondern die Grinsekatze den Kuchen der Herzkönigin gefressen hatte. Die Herzkönigin wurde rasend vor Wut als sie beim Krocketspiel verlor und forderte Alice bei einem Schachturnier am Abschlussabend erneut heraus. Doch auch da konnten Alice und die Gruppe erneut siegen und die Königin gab sich geschlagen. Bei der anschliessenden Siegesfeier ging es ab, so dass am Abend alle erschöpft, aber glücklich wieder in ihren eigenen Betten lagen. So ging wieder ein abenteuerliches Sommerlager zu Ende.

  • «Einfach ruhig bleiben»

    «Einfach ruhig bleiben»

    «Es hat sich schon sehr viel verändert», erzählen Antonia* und Lara* beim Mittagessen im Esszimmer ihrer Wohngruppe. Die beiden 13 und 14 Jahre alten Mädchen, die teilweise im Wohn- und Tageszentrum Heizenholz in Höngg wohnen, mussten in der Zeit seit dem Lockdown im Frühling 2020 auf vieles verzichten. So seien etwa Ferien mit der Familie und das Lager mit der Wohngruppe abgesagt worden und es habe weniger Ausflüge gegeben. Auch viele Feiern, zum Beispiel Abschiede, seien nicht so wie sonst gewesen.
    Dass die pandemiebedingten Massnahmen Kinder und Jugendliche besonders hart trifft, darüber scheint in Fachkreisen und Medien Einigkeit zu bestehen. Ihr Entwicklungsraum hat sich seit Beginn der Pandemie eingeschränkt oder mindestens verändert. Einige Kinder und Jugendliche, wie Lara und Antonia, verbringen einen Teil ihres Alltags in einem Kinder- und Jugendheim, da sie mindestens zeitweise nicht oder nur teilweise bei ihrer Familie leben können.
    Von einem veränderten Alltag berichtet auch Martina*, die in einer Wohngruppe Jugendliche begleitet. Der Umgang mit Hygiene sei viel bewusster geworden, berichtet sie. Die Hände würden öfter sowie genauer gewaschen und desinfiziert, zusätzliche Massnahmen seien das Maskentragen und das Abstandhalten. In den Gruppen könnten nicht mehr alle gemeinsam an einem Tisch essen und das sonst regelmässig stattfindende Gruppen-Weihnachtswochenende sei abgesagt worden. «Die Jugendlichen haben einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass Corona wirklich gefährlich ist und solche Massnahmen nötig sind», sei die Wohngruppe doch auch eine Art zweites Zuhause für sie. Als Mitarbeiter*in gelte es, den sozialpädagogischen Auftrag weiter zu erfüllen und zugleich die eigene Gesundheit sowie jene anderer zu schützen.

    Chance für neue Ideen

    Zu den nötigen Massnahmen gehörten auch Besuchsverbote und Quarantäneregeln, die die zwischenmenschliche Nähe zusätzlich erschweren. «Wir haben viel weniger mit Freunden abmachen können», erzählen Antonia und Lara. Einmal seien sie als Gruppe in Quarantäne gewesen und konnten dann nicht nach Hause zu ihren Familien, das sei sehr schwierig für sie gewesen. Wenn es vorkam, dass eine ganze Gruppe in Quarantäne musste, ging das auch mit einem Gefühl der Isolation einher, sagt Martina. Begegnungen hätten, wenn überhaupt, weniger und mit grösserer Distanz stattgefunden. Das Miteinander aller Menschen im Wohn- und Tageszentrum Heizenholz habe sich verändert.
    Und doch, trotz der Herausforderungen, wirken Antonia und Lara sehr aufgestellt. Sie haben gelernt, was ihnen in der schwierigen Zeit hilft: «Einfach ruhig bleiben, mit Freunden und der Familie reden, rausgehen, spazieren und essen». Und sie sehen auch Positives: Antonia erzählt, sie habe sich viel mehr auf die Schule konzentrieren und so mehr lernen können. Die Situation habe aber die Suche nach alternativen und neuen Ideen ermöglicht, den Blick geöffnet, findet auch Martina. Geholfen habe dabei die klare Kommunikation des Betriebes rund um die Massnahmen zur Pandemie.
    * Namen geändert

  • Und wie war die Jugend früher?

    Und wie war die Jugend früher?

    War die Zeit zwischen 14 und 25 Jahren früher anders als heute? Gingen in den 70er Jahren alle gegen den Krieg auf die Strasse? Wie waren die 80er Jahre in Zürich? Welche Themen waren wichtig in welchen Zeiten? Drei Personen erzählen aus ihrer Jugend. Es sind individuelle Geschichten und dennoch zeigen sie Zeitgeschichte. Oder was es heisst, jung zu sein.

    Peter Näf – der Entdecker

    In der Kindheit verbrachte ich viel Zeit auf dem Hönggerberg. Ein Freund und ich durchstreiften gemeinsam den Wald, fanden tote Wildtiere, sammelten Trophäen. Zu dieser Zeit waren die Karl-May-Bücher meine Welt. Später wurden diese Streifzüge durch den Sport abgelöst: Wir übten Hoch- und Weitsprung auf dem Sportplatz. Im Lachenzelg lehrte damals der Zehnkämpfer Walter Tschudi, den verehrte ich sehr. Am Gymnasium habe ich dann auch Leichtathletik gemacht und Handball gespielt. Sport und die Berge, das hat uns unser Vater mitgegeben, er war Dauerläufer im Militär. In den Ferien ging es nach Klosters, wo wir bei einem Bauern wohnten und Bergtouren unternahmen. Damals gab es noch keine Skilager im heutigen Stil. Immer ein grosses Thema waren natürlich die Mädchen. Im Mathematischen Gymnasium waren wir eine reine Bubenklasse, Mädchen waren dort noch gar nicht zugelassen. Also haben wir die Schülerinnen von der Tochterschule zu einem Fez im Gymi eingeladen. Einmal im Monat gab es ausserdem ein «Teen-Meet», wo sich alle Kantonsschülerinnen und -Schüler am Gymi Freudenberg trafen. Der Eintritt kostete fünf Franken, wir verkauften Coca-Cola und durften dafür gratis rein. Die ganze Sexualität war aber ein Tabuthema, die Kirche bläute uns ein, dass das eine schlechte Sache sei. Mein erstes Mal hatte ich erst mit 21, da sind die heutigen Jugendlichen schon viel früher dran.

    Früher traf man sich in Höngg am Sonntag nach der Kirche und ging zusammen kegeln oder machte einen Ausflug auf den Uetliberg. Auch die Pfadi war ein Treffpunkt, dort gab es irgendwann eine Mädchengruppe, so habe ich meine erste Frau kennengelernt. Schon früh zog es uns in die Ferne, wir wollten die Welt entdecken. Fliegen kam damals noch nicht in Frage, ein Auto konnten wir uns nicht leisten. Also fuhren wir mit 16 Jahren mit dem Velo nach Italien. Um Mitternacht erreichten wir todmüde den Julierpass – wir hatten die Strecke völlig unterschätzt. Später fuhren wir per Autostopp bis nach Liverpool oder mit der Vespa nach Südfrankreich. Wir waren sehr abenteuerlustig und naturverbunden. Die Eltern liessen uns machen. Ein einziges Mal hat sich meine Mutter Sorgen gemacht. Da brachen ein Freund und ich auf, um per Autostopp um das Mittelmeer zu reisen. Sonst sagte sie eigentlich nie etwas, ob wir jetzt am «Chindlistei» am Uetliberg klettern gingen oder uns mit dem Autopneu die Limmat hinuntertreiben liessen, ohne schwimmen zu können. Natürlich erzählten wir ihr auch nicht immer, was wir genau gemacht hatten.

    In der katholischen Kirche existierte damals noch die Jungmannschaft, ich gehörte noch der letzten Gruppe an. Als sich diese auflöste – ich war damals 22 – gründeten Felice Suter und ich das Jugendforum, das es heute noch gibt. Als Erstes organisierten wir ein Gründungsskilager. Später mussten wir zwei Gruppen machen, weil der Andrang so gross war. Zur selben Zeit ging es mit den Demonstrationen los. Die Zürcher Jugend wollte ein Jugendzentrum, dort wo heute der Carparkplatz ist. Auch ich lief dort mit, teilweise aus Überzeugung, teilweise, weil man halt dabei sein wollte. Es war auch ein Kampf gegen das Establishment. Auf Flugblättern riefen die Linken dazu auf, Dachlatten mitzunehmen, um ein symbolisches Jugendhaus aufzubauen, aber es war klar, dass die eher zum Prügeln dienen würden. Die Polizei reagierte darauf mit Tränengas und Gummischrott, es kam zu regelrechten Strassenschlachten. Schliesslich erhielten die Zürcher Jungen ihr «Drahtschmidli» und den Bunker.

    Jürg Hangartner – der Tänzer

    Meine Jugend in Höngg begann eigentlich erst mit 18 Jahren so richtig. Das war 1974. Zuvor hatte ich zuerst die Katholische Sekundarschule in der Stadt absolviert und war dann für zwei Jahre nach St. Gallen gezogen, um die Verkehrsschule zu machen. Als ich danach nach Höngg zurückkam, kannte ich fast niemanden mehr. Ein Kollege aus der Sek nahm mich mit ins Jugendforum der Pfarrei Heilig-Geist, das auch heute noch unter dem Namen Jufo bekannt ist, und ab diesem Moment verbrachte ich jede freie Minute dort. Das war sozusagen mein Steileinstieg in die Jugend. In Zürich gab es damals nicht viele Angebote für Jugendliche. Drei, vier Diskotheken im Zentrum, die wir uns aber nicht leisten konnten. Deshalb war das Jufo bei vielen beliebt. Es kamen immer etwa 30 bis 50 Leute. Jeden Freitag- und Samstagabend wurde laute Musik gespielt und getanzt. Heute scheint tanzen nicht mehr so angesagt zu sein, aber für uns war das sehr wichtig. Das Team der katholischen Kirche, das den Raum zur Verfügung stellte und das Programm betreute, schuf ein Umfeld, in dem wir uns frei bewegen konnten. Vor allem Vikar Urs Boller verdankten wir viel, er wurde später auch zu einer wichtigen Person im Zusammenhang mit den Jugendunruhen der 80er-Jahre. Es gab noch andere Jugendgruppen im Quartier. Da war natürlich die Pfadi, die machten aber ihr eigenes Ding. Oder die reformierte Gruppe, Dynamis, mit denen hatten wir ab und zu Kontakt.

    Die Eltern waren damals eher strenger als heute. Ich persönlich hatte aber immer ein gutes Verhältnis zu meinen. Nach den Jahren in St. Gallen besass ich bereits eine gewisse Unabhängigkeit. Ich erinnere mich noch, dass mein Vater ein einziges Mal versuchte, mir vorzuschreiben, wann ich zu Hause sein sollte. Als das nicht klappte, hat er es akzeptiert und nie wieder etwas gesagt. Ich hatte das Gefühl, er musste es einfach tun, weil er ja die Vaterrolle hatte. Der Umweltschutz war ein Thema, es war die Zeit des ersten Ölschocks mit den autofreien Sonntagen. Das war schon prägend: Da ging die ganze Bevölkerung auf der Autobahn spazieren und velofahren. Unvergesslich. Wir diskutierten über Wehrdienstverweigerung, Atomkraft und die ersten Flugzeugentführungen durch Palästinenser. Aber es war jetzt nicht so, dass alle politische Aktivisten waren in dieser Zeit. Wie der heutigen Jugend war auch uns das Vergnügen wichtig – und das andere Geschlecht. In diesem Alter hat man das Leben noch vor sich, da ist man trotz aller Weltkrisen noch zuversichtlich.

    Pascale Suter – die Freiheitsliebende

    Die Jugend begann bei mir schon früh. Mit zehn, elf Jahren ist man zum ersten Mal verliebt, geht an den ersten Fez, macht den ersten Blödsinn. Als ich in die Pubertät kam, gab es einen rechten Bruch zwischen meinen Eltern und mir. Davor haben wir als Familie viel zusammen unternommen, gingen an den Wochenenden bräteln, Pilze suchen oder wandern. Bei uns zu Hause waren die Rollen traditionell verteilt, mein Vater war der Chef. Meine Mutter arbeitete teilzeit, war für die Kinderbetreuung und den Haushalt zuständig. Das stimmte so für die beiden, aber ich fand schon damals: Ich möchte selbstbestimmt sein. Dieses klassische Familienbild behagte mir nicht, ich habe nie verstanden, wieso ich als Frau nicht dieselben Freiheiten haben sollte wie die Männer. Was damals fehlte, waren Vorbilder, andere Lebensmodelle. Die gab es ja in Künstlerkreisen schon immer, aber in meinem Umfeld nur wenige. Ich sehnte mich richtiggehend danach. Die Gesellschaft und Arbeit, speziell die Geschlechterrollen interessieren und beschäftigen mich noch heute.

    Gefeiert haben wir vor allem bei anderen zu Hause, aber auch im Jugendforum und im Sonnegg. In diesen Jugendräumen konnten wir ungestört Musik hören und tanzen oder einfach hängen. Das war in den 70er-Jahren. Die Jeans war ganz neu auf dem Markt, die Mode war farbenfroh. Mit meiner viereinhalb Jahre älteren Schwester durfte ich schon sehr früh am Wochenende nach Wipkingen ins GZ, ins «Thirteen», die Disco. Das war wichtig für mich: Ich wollte raus, dabei sein, etwas erleben. Ich gehörte wohl zu denen, die Angst hatten, etwas zu verpassen. Im Winter gingen wir zum Schlittschuhlaufen ins Heuried. Oder trafen uns am Hirschenplatz im Niederdorf und an der Bahnhofstrasse. Oft machten wir auch einfach am Meierhofplatz ab. Damals gab es noch das Restaurant Rebstock und ein Kino. Von dort zogen wir weiter, mal hinter die Kirche, mal an den Waldrand auf dem Hönggerberg oder auf die Werdinsel. Die war damals noch nicht so überbevölkert wie heute. An die Dorffeste wie das Wümmetfäscht oder den Martin Cup gingen wir auch. Da ging es aber oft darum, sich zu betrinken, seien wir ehrlich. Lange war auch in der Stadt nichts los. Es gab ja noch keine offene Gastro-Szene, lediglich eine Handvoll Clubs und die waren teuer und nicht so lange geöffnet und hatten ein Alterslimit.

    Die 70er und 80er waren eine bewegte Zeit. Damals kamen die Drogen auf, Heroin war ein Thema unserer Generation. Viele Leute, die ich aus dieser Zeit kenne, sind auf Drogen abgestürzt, einige gestorben. Ich selber hatte glücklicherweise zu viel Respekt davor. Aber es gab klare Gruppierungen: Da waren die Poppers, die Teds, die Freaks, die politisch Aktiven, die Braven. Ich war ein Popper, aber die Kategorien waren mir zu eng. In den 80er-Jahren gingen wir an die AJZ-Demos, sammelten Gummigeschosse, aber richtig aktiv war ich da nicht. Obwohl man die Probleme wie die Ölkrise und die Umweltdiskussionen mitbekam, lebte ich eigentlich in meiner Teenager-Welt. In dieser waren Freunde, Musik und Tanzen immer elementar, über Jahrzehnte hinweg. Und ich wollte in die Welt hinaus und sie entdecken, andere, fremde Menschen kennenlernen. Mit 16 Jahren ging ich schliesslich für ein Jahr ins Tessin, danach nach Paris und Brasilien. Für mich war immer klar: Ich mache eine Lehre und stehe so bald wie möglich auf eigenen Beinen. Ich wollte unbedingt unabhängig sein. Das habe ich nie bereut.

  • Das bietet Höngg seiner Jugend

    Freizeit, das ist der kleine, noch unverbaute Zeitraum, der neben der Ausbildung oder dem geschäftigen Berufsalltag übrigbleibt. Diese Zeit will sinnvoll genutzt werden, denn sie ist kostbar und meist viel zu schnell wieder vorbei. Nicht entsprechend eingesetzt oder mit interessanten Aktivitäten gefüllt, hinterlässt sie Reuegefühle und den festen Vorsatz, sie das nächste Mal mehr wertzuschätzen und in allen möglichen Formen zu geniessen. Jugendliche haben häufig den Luxus, noch einige Tagesstunden mehr zur Freizeit dazuzählen zu können, was ihnen jedoch meist erst mit der Zeit bewusst wird. Erst dann, wenn ihre Freunde, die eine Lehrstelle beginnen, sich darüber beschweren, ständig beschäftigt zu sein. Oder wenn sie selbst bis über beide Ohren in Arbeit oder Lernplänen versinken. Umso schöner ist die Zeit, in der man sich noch Gedanken darüber machen kann, wie man seine nicht verplante Zeit gestalten möchte. Besonders in frühen Jugendjahren ist das Quartier für Freizeitaktivitäten eine wichtige Anlaufstelle, so sind viele Jugendliche in Höngg darauf angewiesen, Angebote in ihrer Nähe zu finden.

    «Höngg bietet uns nichts»

    Für die Artikel des Fokusthemas «Jugend» in der letzten Ausgabe, suchte der «Höngger» aktiv den Austausch mit Jugendlichen aus dem Quartier. Immer wieder sind im Verlauf solcher Gespräche Aussagen wie «in Höngg gibt es für Jugendliche nichts zu machen» oder «Höngg bietet uns nichts» gefallen. Selbst die Jungen, welche ein Angebot der Jugendarbeit Höngg aktiv nutzen, den «Kasten» im Rütihof oder den «Underground» in der Reformierten Kirche, fühlen sich von der Gesamtauswahl anscheinend nicht abgeholt. Den Jugendlichen zufolge bietet das Randquartier der Stadt Zürich seinen jungen Bewohner*innen, welche sich in der Entwicklung zu unabhängigen, selbstständigen Mitgliedern der Gesellschaft befinden, keine Freizeitangebote. Doch ist dem wirklich so? Einer der ersten Orte, an denen man fündig werden könnte, ist das Gemeinschaftszentrum (GZ) Höngg. Dieses bietet der Jugend ab der Oberstufe unter anderem offene Jugendtreffs, wie den «Underground» am Mittwochnachmittag. Dieser entsteht in Kooperation mit der Jugendarbeit der Reformierten Kirche. Oder den «Kasten» im Rütihof am Freitagabend, der auch zu privaten Anlässen gemietet und so genutzt werden kann (siehe auch «Was bewegt die Jugend?» in der Ausgabe vom 28. Februar). Daneben bietet die Jugendarbeit Höngg, bestehend aus den drei Jugendarbeiten des GZ Höngg, der Katholischen und der Reformierten Kirche, in unregelmässigen Abständen den «Friday Kitchen Club» an. Dort wird gemeinsam eingekauft, gekocht und das Resultat schliesslich gemeinsam gegessen – das anschliessende Aufräumen gehört natürlich auch dazu. Diese Angebote halten den jungen Höngger*innen Treffpunkte bereit, die ihnen den Austausch mit Gleichaltrigen und unterhaltsame Stunden ermöglichen. Auch gefeiert wird im GZ, die Jugendarbeit sorgt nämlich auch ab und zu für Oberstufenpartys – organisiert von Jugendlichen für Jugendliche. Der Kulturkeller steht in den Konzertsaisons, im Frühling und im Herbst, für Musikbegeisterte offen, verschiedene Musiker*innen und Nachwuchstalente treten auf dieser Bühne auf.

    Vereine und Institutionen aller Art

    Im Bereich der sportlichen Aktivitäten gibt es in Höngg eine Auswahl an Angeboten. Unter den Jugendlichen am bekanntesten mag wohl der Fussballverein «SV Höngg» sein, in dem, laut dem 17-jährigen Martin Faehnrich, bereits fast jeder Höngger gespielt hat (siehe «Ich bin sehr Höngg-patriotisch», in der Ausgabe vom 28. Februar). Daneben bieten sich beispielsweise die Tennis-Clubs Höngg und Waid, der Tisch-Tennisclub Höngg und für Wasserratten die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) Höngg an. Musik- und Theaterliebhaber finden beim Musicalprojekt Zürich 10 vielleicht den richtigen Platz, bereits ab der dritten Klasse bietet sich auch der Chor «Cantata Seconda» der Pfarrei Heilig Geist an. Jugendliche mit einem grossen Herz für Tiere haben die Möglichkeit, sich nach einem Engagement auf dem Quartierhof zu erkundigen. Die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, erhalten die Jugendlichen während einem Mittelstufentageslager, organisiert vom GZ Höngg, zusammen mit der Katholischen Kirche. Sie können sich dort als Jungleiter engagieren und die Gruppenleitungen übernehmen. Ähnliche Aufgaben haben Jungleiter in der Pfadi St. Mauritius-Nansen, in der Cevi Züri 10 oder der Jungschar Waldmann.

    Noch immer keine Beschäftigung?

    Weshalb haben die jungen Höngger*innen trotz all dieser verschiedenen Möglichkeiten das Gefühl, das Quartier biete ihnen aktiv nichts? Vielleicht haben diese Jugendlichen einfach andere Interessen und können sich für keines der Angebote begeistern? Vielleicht ist die Jugend eine Phase, in der man gar nicht aktiv etwas unternehmen will, sondern seine freie Zeit lieber dafür nutzt, Freunde zu treffen und mit diesen zu «chillen». Vielleicht ist ihnen aber auch das Vereinsleben fremd, zu weit weg von ihren eigenen Kreisen, der Jugend zu wenig angepasst. So oder so, das Angebot existiert. Doch auch die Jungen, welchen diese Angebote fremd sind, wissen ihre Freizeit bestimmt sinnvoll zu gestalten. Wenn auch möglicherweise nicht ausschliesslich in Höngg.

    Weitere Informationen zu Angeboten gibt es auf folgenden Seiten:
    Eine Übersicht der Höngger Vereine und Institutionen gibt es auf der Seite des Quartiervereins: http://www.zuerich-hoengg.ch/de/hoengger_vereine
    Gemeinschaftszentrum Höngg: https://gz-zh.ch/gz-hoengg/

  • Hä? Das Magazin ohne Tabus

    Hä? Das Magazin ohne Tabus

    Viermal im Jahr erscheint «Hä?», das Rotpunkt-Magazin für Junge. Mit expliziten und ungeschönten Bildern, Texten und Illustrationen werden Themen rund um Körper und Gesundheit behandelt. Ob Sex, Alkohol oder Handy-Verhalten, nichts ist zu peinlich, abstossend oder seltsam, um thematisiert zu werden. Das «Hä?»-Magazin ist exklusiv und gratis in den Rotpunkt Apotheken erhältlich.