Kategorie: ETH Hönggerberg

  • Sind die Maschinen bald schlauer als wir?

    Sind die Maschinen bald schlauer als wir?

    Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) bewegt momentan die Öffentlichkeit. In fast allen Berufssparten wird ihr Vormarsch nicht nur zu angenehmen Arbeitserleichterungen führen, sondern wirft auch Fragen nach der Zukunft unserer Tätigkeit auf und führt zu ethischen Grundsatzdiskussionen. Die ETH widmete sich in ihrer Veranstaltungsreihe «Treffpunkt Science City» dem Thema an vier Erlebnissonntagen, mit Führungen und Podiumsdiskussionen.

    Am Veranstaltungssonntag vom 26. November wurden insbesondere die politischen Implikationen der KI betrachtet: In den zahlreichen öffentlichen Vorlesungen ging es dabei um die Auswirkungen von KI auf unsere demokratischen Systeme, um die ungeahnten Techniken, die bereits heute verwendet werden können, um Konsument*innen zu beobachten und zu manipulieren, um Kriegsführung mithilfe von KI oder den Einsatz von Geodaten zum Aufspüren von Menschen in Not, um nur einige Beispiele zu nennen.

    Welche Zukunft hat der Journalismus?

    Der IT-Spezialist Timo Grossenbacher, der bei Tamedia für neue Technologien und redaktionelle Automation zuständig ist, beschäftigte sich in seiner Vorlesung mit der Frage, die vor allem die Vertreter*innen der schreibenden Zunft beschäftigt: Werden die Redaktionen bald menschenleer sein, weil ChatGPT alle redaktionelle Arbeit alleine verrichten kann?

    Sein Vortrag vermochte die Journalist*innen, die um ihre Zukunft bangen, ein wenig zu beruhigen. Zumindest momentan, so Grossenbacher, sei der Mensch auf den Redaktionen noch unersetzlich. Denn, so erklärte er seinem Publikum, bis heute folge die KI noch immer demselben Paradigma, wie sie es seit ihren Anfängen in den 1950er-Jahren getan habe, als die ersten Schachcomputer aufkamen.

    ChatGPT könne zwar Texte generieren und Unterhaltungen führen, doch dessen Arbeit beruhe im Grunde genommen immer noch auf den gleichen Prinzipien maschinellen Lernens wie früher – das Generieren von Regeln und Klassifikationen anhand von Informationen. Selber denken, so Grossenbacher, das könnten die Maschinen auch heute noch nicht. Und genau deswegen sei auch eine enge Kontrolle und Überwachung der maschinellen Arbeit durch den Menschen unumgänglich.

    Wann es denn zu einem Paradigmenwechsel komme, wurde Grossenbacher gefragt. Eine Antwort hierauf konnte er nicht geben. Wann und ob jemals die KI die «Singularität» erreichen und die Intelligenz des Menschen übertreffen wird, so, dass sie selber kreative Prozesse ausführen kann, das sei eine der grossen Fragen in diesem Zusammenhang, über die bei Expert*innen keine Einigkeit bestehe.

    Bauwerke planen leicht gemacht

    Weniger theoretisch, dafür viel praktischer konnten die Leistungen der modernen Computer in mehreren Führungen und Demonstrationen bestaunt werden. So etwa im «Immersive design lab», das dem «Center for augmented computational design in architecture, engineering and construction» angehört. Hier können Audio- und visuelle Effekte simuliert und für die verschiedensten Bereiche genutzt werden.

    Im Lab kann etwa die Schallübertragung in einer Bahnhofshalle realitätsgetreu simuliert werden, um zu ermitteln, wie und an welchen Stellen eine Schallisolierung Sinn macht. Architekt*innen können das Labor nutzen, um hier mit Virtual-Reality-Brillen Bauprojekte direkt in der geplanten Umgebung zu simulieren. So lässt sich viel einfacher erkennen, wie ein Bauwerk in seiner Umgebung wirken könnte, als wenn nur eine Bauzeichnung existiert.

    Spielerische Annäherung an die KI

    Natürlich hatte der Erlebnissonntag auch für die Kinder einiges zu bieten. Deren Interesse an den Veranstaltungen war mindestens so gross wie dasjenige der Erwachsenen. In verschiedenen Workshops konnten etwa Brücken aus Papier erstellt, Geheimschriften entwickelt oder mit Detektivarbeit Gefühle ermittelt werden.

    Für die etwas Älteren gab es die Möglichkeit, sich mit Robotern spielerisch zu messen. Lange Schlangen bildeten sich ausserdem vor der lernfähigen Kugelschreiberfabrik, die im Foyer des Physikgebäudes aufgebaut war: Auf Wunsch produzierten hier die Roboter den Besucher*innen ihren persönlichen Kugelschreiber.

  • Mit neuem Podcast durch Höngg spazieren

    Mit neuem Podcast durch Höngg spazieren

    Welche Potenziale hegt eine naturnahe Stadtgestaltung und wie kann diese umgesetzt werden? Was können einzelne Menschen bewirken? Wie stellen sich grosse Institutionen den aktuellen Herausforderungen? Solche Fragen sind in Zeiten von Klima- und Biodiversitätskrisen höchst aktuell.

    Konkret wollten wir herausfinden, wo Höngg Vorzeigebeispiele bietet und wo es im Quartier auch Verbesserungspotenzial gibt. So ist die dritte Folge des «Höngger Podcast» entstanden: Drei verschiedene Interviews bieten tiefgehende Auseinandersetzungen anhand von Projekten in Höngg.

    Ein grosses Dankeschön für die anregenden Gespräche geht an Benjamin Kämpfen, Präsident vom Natur- und Vogelschutzverein Höngg, an Fritz Graber, Green Space Management ETH Zürich Hönggerberg, Florine Geiser, Fachspezialistin nachhaltiges Bauen und Kreislaufwirtschaft ETH Zürich Hönggerberg, sowie an Markus Schaub, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer vom Verein «Bee’n’Bee». Sie alle setzen sich für die Natur im Quartier ein und beleuchten in dieser Podcast Folge Themen wie Entsiegelung, Stadtklima, Biodiversität und Partizipation.

    Also los, kommt mit auf unseren Spaziergang! Ab sofort ist die neue Folge auf Spotify und weiteren gängigen Podcast-Plattformen zu hören – oder natürlich gleich hier auf der Höngger Website:

    Wenn euch der Podcast gefällt, freuen wir uns über eine gute Bewertung. Feedback und Ideen nehmen wir gerne unter mitmachen@hoengger.ch entgegen.

    Höngg zum Hören

    Jina Vracko, Mitarbeiterin der «Höngger Zeitung», ist Urheberin und Produzentin der neuen Podcast-Folge.

    Jetzt alle Folgen hören: www.hoengger.ch/hoengger-podcast

    Der «Höngger Podcast» ist auch auf folgenden Plattformen zu hören:
    Spotify / Youtube / Amazon / Apple Podcasts

     

  • Die ETH wächst weiter

    Die ETH wächst weiter

    Insgesamt starteten rund 25’000 Studierende und Doktorierende am vergangenen Montag in das Herbstsemester an der ETH Zürich, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. Rund 3250 Bachelorstudierende nehmen gemäss derzeitigem Anmeldungsstand ihr Studium auf. Laut der Medienmitteilung der ETH Zürich stieg damit die Anzahl Neueintritte auf Bachelorstufe im Vergleich zum Vorjahr wieder an (2022: rund 3100).

    «Wir freuen uns, die kommende Generation von Wissenschaftler*innen, Ingenieur*innen, Architekt*innen und sonstigen Fachkräften an unserer Hochschule begrüssen zu dürfen und wünschen allen einen erfolgreichen Start», so ETH-Rektor Günther Dissertori in der Medienmitteilung.

    Die beliebtesten Studiengänge

    Unter den Studienanfänger*innen besonders beliebt seien die Studiengänge Maschineningenieurwissenschaften, Informatik und Architektur – wie bereits in den vergangenen Jahren. Und auch die Bachelorstudiengänge Physik, Mathematik sowie Gesundheitswissenschaften und Technologie stossen auf reges Interesse.

    Unter den Masterstudiengängen belegten die Studiengänge Maschineningenieurwissenschaften, Architektur und Umweltnaturwissenschaften vordere Plätze auf der Beliebtheitsskala der Studierenden.

    International vernetzte Hochschule

    Der Frauenanteil unter den neueintretenden Studierenden beträgt rund 33 Prozent. 81 Prozent der neuen Bachelorstudierenden kommen aus der Schweiz; 19 Prozent haben ihre vorherige Ausbildung im Ausland abgeschlossen. Bei den Masterstudierenden machen die Bildungsausländer*innen 43 Prozent aus. Am stärksten vertreten sind Personen, die ihre Vorbildung in Deutschland, Italien, China oder den USA erworben haben.

    Zudem werden rund 280 Studierende von Partnerhochschulen an der ETH studieren. Darunter sind Studierende von schweizerischen, schwedischen und britischen Hochschulen am stärksten vertreten. Etwa 170 Studierende, die an Mobilitätsprogrammen teilnehmen, werden zudem eine Studien- oder Projektarbeit an der ETH durchführen. Diese Studierenden kommen grösstenteils von deutschen, schweizerischen und italienischen Hochschulen.

    Die Immatrikulation für das Herbstsemester 2023 ist an der ETH noch nicht abgeschlossen. Die endgültigen Zahlen stehen jeweils im November fest.

  • Scientifica 2023: Auch der Quartierverein Höngg war dabei

    Scientifica 2023: Auch der Quartierverein Höngg war dabei

    Seit 2011 öffnen die ETH Zürich und die Universität Zürich an einem langen Wochenende ihre Tore und laden die Bevölkerung ein, Wissenschaft am Ort des Geschehens zu erleben.

    Unter dem Titel «Scientifica» finden dann eine Vielzahl an Workshops, Führungen und Shows statt. Das diesjährige Motto lautete «Was die Welt zusammenhält». Auch auf dem Campus der ETH Zürich Hönggerberg konnte sich das Publikum umsehen, lernen und staunen.

    Bei der hiesigen Ausstellung waren auch die Quartiervereine (QV) aus Höngg und Affoltern vor Ort: Gemeinsam betrieben sie einen grossen Stand. Es galt, sich den Wissbegierigen vorzustellen, aber auch etwas zu bieten: eine Mostpresse. Jung und Alt konnte sich darin üben, wie man aus Äpfeln leckeren Saft herstellt.

    «Die Kinder zu erleben, die mit aller Kraft die Mostpresse bedienten und dann mit strahlenden Augen ihren eigenen Most tranken, war sehr erfüllend», sagte Tiziana Werlen-Oberti, Vizepräsidentin des QV Höngg.

    Gemeinsam mit dem Präsidenten Alexander Jäger und den Vorstandsmitgliedern Michael Brian, Tanja Ramah und Andreas Egli sowie den Helferinnen Susi Brian und Jrène Rösli führten sie an zwei Tagen allerlei Gespräche. «Das war sehr spannend, auch wegen dem internationalen Publikum», so Werlen-Oberti.

    Die Konkurrenz war gross: So konnte das Publikum auf dem Hönggerberg einen Roboterhund erleben, oder die Schwerkraft erforschen. Dort hiess es, dass selbst der Apfel, der vom Baum falle, gleichermassen der Schwerkraft unterliege, wie die Planeten, welche die Sonne umkreisen. Nur dass die Äpfel aus Höngg eben in der Mostpresse landen.

  • Olympische Wettkämpfe mit Pipette und Reagenzglas

    Olympische Wettkämpfe mit Pipette und Reagenzglas

    Es ist Montagnachmittag, die zweite Woche der Sommerferien ist gerade angebrochen. Viele der Zürcher Schüler*innen befinden sich nun in den Ferien, irgendwo am Strand, weit weg von der Schule und all dem, was sie dort zu lernen haben. Bloss keinen Gedanken mehr verschwenden an Deutsch, Mathematik – oder gar Chemie.

    Ganz anders geht es da den 348 Jugendlichen aus der ganzen Welt, die an diesem Nachmittag den grossen Saal in der Tonhalle bevölkern. Sie gehören zu den Teilnehmenden der Chemie-Olympiade, die vom 16. bis zum 25. Juli unter dem Motto «Let’s find solutions together» an der ETH Zürich Hönggerberg durchgeführt wurde. In Viererteams aus 89 verschiedenen Nationen sind die Jugendlichen angereist und sind in der «olympischen Disziplin» Chemie gegeneinander angetreten. Dazu haben sie je eine fünfstündige praktische und theoretische Prüfung absolviert.

    Nun steht die Abschlussveranstaltung in der Tonhalle auf dem Programm. In den nächsten zwei Stunden werden die Jugendlichen erfahren, wie sie beim Wettbewerb abgeschnitten haben und ob sie es in die Medaillenränge geschafft haben. Spannung liegt in der Luft, es herrscht ein buntes Gewusel und Sprachenwirrwarr. Viele der Jugendlichen haben sich in der traditionellen Tracht ihres Landes gekleidet. Aufgeregt schwenken sie die kleinen Fähnchen, die Aufschluss über ihre Herkunft geben und können es kaum erwarten, ihre Trophäen entgegenzunehmen.

    Dabeisein ist alles

    Bereits seit 1968 wird dieser wissenschaftliche Wettkampf alljährlich durchgeführt, jedes Jahr ist ein anderes Land Gastgeber. Bei dieser 55. Ausgabe der Olympiade feiert die Schweiz nun ihre Premiere als Gastgeberin. Organisiert wird der Anlass von der ETH Zürich, dem Verband Wissenschafts-Olympiade, dem Verein Schweizer Chemie-Olympiade und der Swiss Chemical Society, finanziell unterstützt vom Bund, privaten Sponsoren und Stiftungen.

    Teilnahmeberechtigt sind Schülerinnen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren. Um an der Olympiade partizipieren zu können, müssen sich die Teilnehmenden zunächst in den nationalen Ausscheidungen qualifizieren. Die vier besten Schülerinnen jedes Landes stellen dann die Landesdelegation, die gemeinsam zur Olympiade reisen darf, begleitet und unterstützt von zwei Lehrerinnen und Coaches.

    Das Ziel der Olympiade ist dabei nicht nur der Wettbewerb selbst, sondern auch, das Interesse der jungen Wissenschaftlerinnen zu wecken, aktuelle chemische Probleme zu lösen. Und selbstverständlich steht zudem der internationale Austausch und Kontakt zu Schüler*innen ganz anderer Kulturkreise im Fokus des Programms.

    Schlauer als die Professoren

    Die Abschlussveranstaltung beginnt. Professorin Helma Wennemers und Professor Wendelin Stark von der ETH Zürich begrüssen die Teilnehmenden. Stark, selbst ehemaliger Teilnehmer, zeigt sich begeistert davon, so viele junge Menschen zu treffen, die so gut in einer Disziplin seien. Und gesteht dem «Höngger» im anschliessenden Gespräch, dass selbst er nicht mehr all die Prüfungsfragen hätte beantworten können – zumindest nicht so aus dem Stegreif.

    «Die Aufgaben werden von den Verantwortlichen entsprechend den olympischen Regeln gemeinsam erarbeitet», so Stark. «Dabei handelt es sich um aktualitätsbezogene, spannende Probleme, die von den jungen Nachwuchstalenten gelöst werden müssen.» Das erfordere, so Stark weiter, ein Verständnis von Chemie, das sich auf hohem Niveau bewege und weit über das übliche Schulwissen hinausgehe.

    Schweiz nicht ganz vorne mit dabei

    Bei der Siegerehrung werden Urkunden, Bronze-, Silber- und Goldmedaillen verteilt, je nach erreichter Punktezahl. Jeder, der sich eine Urkunde oder Medaille verdient hat, wird persönlich aufgerufen und auf der Bühne geehrt. Insgesamt 217 der Teilnehmenden erhalten eine Medaille. Dabei haben die asiatischen Nationen ganz klar die Nase vor. Bester in Theorie und Praxis ist der chinesische Schüler Weijie Mao.

    «In Nationen wie China ist die Teilnahme an der Olympiade eine grosse Sache», erklärt Stark. «Für die Ausbildung und das Coaching des Nationalteams wird hier ein grosser Aufwand betrieben.» In der Schweiz dagegen, so Stark, werde die Olympiade eher stiefmütterlich behandelt. Anders als in anderen Länder existiere hier keine nationsweite Ausscheidung unter allen Gymnasial- oder Berufsschülerinnen. Es liege an motivierten Gymnasial- und Berufsschullehrpersonen, junge Talente zur Teilnahme zu bewegen.

    Die unterschiedliche Gewichtung des Anlasses zeigt sich dann auch im Resultat. Die Schweizer Delegation gehört an diesem Abend nicht zu den grossen Gewinnerinnen. Doch das stört die vier Jugendlichen gar nicht. Ihnen habe vor allem der Austausch mit den anderen gefallen, erklären die vier. «Ich fands super, all die Jugendlichen der anderen Nationen zu sehen und die teils so ganz unterschiedlichen Lebenseinstellungen kennenlernen zu können», schwärmt etwa Andrin Hauenstein, der Zürcher Teilnehmer. Und wer weiss, vielleicht ergibt sich im nächsten Jahr wieder die Gelegenheit, an der Olympiade teilzunehmen. Das nächste Mal in Saudi-Arabien.