Kategorie: Baugeschichte Höngg

  • «Wohnen mit Stadtblick»

    «Wohnen mit Stadtblick»

    1951 wurde die von der Frankentalstrasse gegen den Bombach führende Sackgasse nach einem alten Hönggergeschlecht «Schwarzenbachweg» benannt. Im selben Jahr erstellte die 1946 gegründete Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg (BSH) an dieser Strasse die Siedlung Bombach mit 20 Häusern und 94 Wohnungen. Seit den 50er Jahren haben sich die Wohnansprüche der Mieter stark verändert: Wo sich früher mehrköpfige Familien wenige und kleine Zimmer teilten, wollten bald keine Ehepaare mit Nachwuchs mehr einziehen. Irgendwann gab es in der Höngger Siedlung der BSH kaum noch Kinder, die Genossenschaft überalterte. Obwohl die Bausubstanz der Häuser aus den 40er Jahren noch intakt war, waren die Grundrisse nicht für ein verdichtetes Bauen geeignet. Eine Sanierung erwies sich nach einer Analyse aus wirtschaftlichen Gründen als nicht sinnvoll, weshalb man beschloss, die alten Häuser in zwei Etappen abzureissen und durch Neubauten zu ersetzen. Der Grundstein für die Wohnüberbauung «Wohnen mit Stadtblick», ein Wurf der Architekten Steib & Gschwentner, wurde 2014 gelegt (der «Höngger» berichtete am 28. April 2014). Drei Häuser, ein Kindergarten und ein Hort wurden im vorletzten Jahr fertiggestellt und von den Genossenschaftern bezogen. Zwei weitere Häuser, eine Coop Filiale mit 1000 Quadratmetern sowie eine Kinderkrippe sollen im kommenden Herbst zum Einzug bereit sein. Neu umfasst die Siedlung dann 161 Wohneinheiten zu 1,5 bis 5,5 Zimmern. Ein Neubau bedeutet immer auch ein Ansteigen der Mietpreise, das war im Fall der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg nicht anders: Während man in den alten Bauten für eine 4-Zimmer-Wohnung mit 75 Quadratmetern 900 Franken zahlte, liegt die Miete für eine 3,5-Zimmer-Wohnung im Neubau je nach Lage bei 1550 Franken – die Wohnung ist allerdings 85 Quadratmeter gross. «Es zeichnet sich aber ab, dass die Baukosten tiefer ausfallen werden, als budgetiert, deshalb konnten die Mietpreise im Januar bereits zum ersten Mal gesenkt werden», sagt Claudio Bolliger, Vorstandsmitglied der BSH.

    Durchmischung erwünscht

    Bereits nach der ersten Etappe hat sich die Mieterstruktur in der Siedlung stark verändert: Es sind junge Familien eingezogen, aber auch Alleinerziehende, Senioren und Doppelverdiener ohne Kinder. Vorstandsmitglied Claudio Bolliger beobachtet, dass die Familien der Arbeiterklasse weggezogen sind und heute vermehrt Menschen aus dem Mittelstand in der Genossenschaft wohnen. Die Genossenschaft weist ausserdem 35 von der Stadt subventionierte Wohnungen sowie 13 geplante Alterswohnungen aus. «Die Attika 4,5 Zimmer-Wohnungen sind mit 3000 bis 3400 im Vergleich zwar etwas teurer, ermöglichen es uns aber, die restlichen Wohnungen günstiger anzubieten», erklärt der Schreiner, der mit seiner Familie schon seit 26 Jahren in der BSH Siedlung lebt. Das Gefälle zwischen gutverdienenden Paaren in den Attikas und alleinerziehenden Mietern einer subventionierten Wohnung ist gross, könnten sich daraus Spannungen innerhalb der Genossenschaft ergeben? «Die Auswahl der <richtigen> Mieter ist immer eine Herausforderung», wägt Bolliger ab, «in den alten Häusern gab es manchmal deswegen Probleme. Wir verlassen uns auf unser Bauchgefühl und versuchen den Leuten auch zu erklären, was es bedeutet, in einer Genossenschaft zu wohnen. Dass man einerseits ein Mitspracherecht hat, aber andererseits auch Rücksicht aufeinander nimmt. Bei 161 Wohnungen wird es aber immer Mieter geben, die einfach nur günstig wohnen möchten und keine Zeit für ein aktives Engagement in der Genossenschaft haben».

    Ein Dorf für sich

    Früher gab es in der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg eine Siedlungskommission, die Ausflüge und Anlässe mit und für die Bewohnenden organisierte, doch in den vergangenen Jahren waren diese immer seltener geworden. Der im letzten Jahr neu gewählte Vorstand ändert dies nun: Im September hatte ein einberufenes Organisationskomitee anlässlich der 70 Jahre BSH ein Jubiläumsfest organisiert, unter dem Motto «Früher und Heute». Das Ziel war das Zusammenbringen der Bewohner aller Siedlungen – das sei hervorragend gelungen. «Nach langer Zeit fand zudem im Dezember wieder ein Samichlaustag statt, die Organisatoren haben das super hingekriegt», schwärmt Bolliger. Auch die BSH-News wurden wieder ins Leben gerufen und es wird geprüft, an den Eingängen einen Bildschirm für aktuelle Informationen anzubringen, die vom Verwaltungsbüro aus eingespiesen werden können. «Im November wollen wir pro Haus einen Apéro organisieren, damit sich die Nachbarn kennenlernen. Im Frühling 2018 soll es dann ein Einweihungsfest für alle Bewohnerinnen und Bewohner geben». Man konzentriert sich schon in erster Linie auf die eigene Siedlung und kommuniziert nicht oft mit umliegenden Hauseigentümern oder Genossenschaften. «So eine Siedlung ist meist ein Dorf für sich», meint Bolliger «aber wenn jemand in Not ist, kann man sich immer an andere Genossenschaften wenden, da hilft man sich gegenseitig aus».

    Ein trauriges Ereignis überschattete die Bautätigkeiten der Genossenschaft: Ein 41-jähriger portugiesischer Bauarbeiter verunglückte auf der Baustelle im Frankental tödlich. Die BSH wird in seinem Andenken einen Gedenkstein in der Siedlung errichten.

  • «Ich bin glücklich hier»

    «Ich bin glücklich hier»

    «Nein, nein, lassen Sie die Schuhe ruhig an! Ich putze später sowieso». Frau Drescher, die freundliche Dame mit kurzen, weissen Haaren, ist nicht kompliziert. Seit über 40 Jahren lebt sie in der Bau- und Siedlungsgenossenschaft und will hier auch bleiben «bis sie mich mit den Füssen voran hinaustragen», wie sie mit einem verschmitzten Lächeln sagt. In der grosszügig geschnittenen 2,5 Zimmer-Wohnung ist es warm und hell, auf dem Tisch stehen frische Blumen und in Kistchen auf dem Balkon wächst Nüsslisalat – oder «Rapunzel», wie man in Thüringen sagt, wo die Pensionärin ursprünglich herkommt. Gleich gegenüber ist die 2. Bauetappe der Bau- und Siedlungsgenossenschaft in vollem Gange, «aber wenn die Fenster zu sind, hört man davon eigentlich fast nichts», meint sie. Wahnsinnig neugierig sei man gewesen, was es Neues gäbe, man habe es sich gar nicht richtig vorstellen können, auch wenn man die Pläne ja gesehen und über das Modell abgestimmt hatte. Etwas skeptisch sei sie schon gewesen, schliesslich konnte es bereits in den alten Häusern mit nur sechs Parteien zu Spannungen kommen, wenn es um die Waschküche oder das Putzen ging, wie würde das erst mit so viel mehr Menschen werden? «Doch meine Bedenken waren bald zerstreut, ich bin angenehm überrascht», meint sie zufrieden und legt ihre gepflegten Hände auf die Tischdecke.

    Das waren noch Zeiten

    Als sie 1974 für eine Arbeitsanstellung in der Hauspflege, damals noch dem Frauenverein unterstellt, nach Höngg kam, suchte sie als Alleinerziehende mit ihrem zwölfjährigen Sohn eine Bleibe. «Beim Vorstellungsgespräch zeigte der damalige Präsident viel Verständnis für meine Lage», erzählt sie, «aber gerade sei keine Zweizimmerwohnung frei, ob ich nicht drei Zimmer haben wolle. Ich entgegnete, ich hätte nur 400 Franken zur Verfügung, worauf er sagte: <Dafür kriegen Sie bei uns fast eine Fünfzimmerwohnung>. Also habe ich mich bei der Genossenschaft angemeldet». Eine Woche später konnte sie bereits eine Wohnung anschauen gehen und zog wenig später ein. Damals galt noch die Auflage, dass einer Mutter mit Sohn eine Dreizimmerwohnung zur Verfügung gestellt wurde, während sich eine Frau mit einer Tochter zwei Zimmer teilen musste, da man davon ausging, dass die beiden Frauen im selben Raum schlafen können. Im ersten Moment sei es ein Schock gewesen, die Wohnung sei ziemlich runtergekommen gewesen. «Die Genossenschaft hat dann im Wohnzimmer neue Tapeten machen lassen, bei den beiden Schlafzimmern musste man noch mit Radiergummi ran, bis sie in den 90er Jahren auch neu tapeziert wurden». Es gab ein altes Küchenbuffet bis rauf zur Decke, aber keinen Kühlschrank. Dafür einen Kasten unter dem Fenster, darin waren Röhren, die es durch die kalte Aussenluft im Winter ordentlich kühl hielten und es im Sommer wenigstens etwas weniger heiss werden liessen. Die selbständige Frau wusste sich zu helfen: Vom Geld, das sie dank der tiefen Miete sparte, kaufte sie sich einen Kühlschrank und liess auch ein paar Stromleitungen legen – in den Zimmern hatte es gerade einmal zwei bis drei Steckdosen. Immerhin gab es schon ein Badezimmer mit Badewanne. Einige Jahre später wurden die Wohnungen schliesslich mit Einbauküchen versehen und der Boiler kam auch raus. Wenn man am Abend vergass, den Schalter am Herd auf «Boiler» umzustellen, hatte man am nächsten Tag kein warmes Wasser. «Alles war sehr einfach, aber halt auch günstig», erinnert sie sich. Man hatte «Ämtli» im Haus, die heute ein Hauswart erledigt. Treppenhaus putzen, Schnee schaufeln, Laub fegen. «Der Zusammenhalt war gut in der Genossenschaft, man hat sich für die Gemeinschaft engagiert, sogar die Kinder folgten dem Beispiel. Wenn jemand krank war, machte man einen Krankenbesuch». Eine Zeit lang ging das Gemeinschaftliche etwas verloren, aber heute sei das Verhältnis unter den Genossenschaftern wieder gut. «Und wenn man in einem Haus zusammenlebt, muss man immer Kompromisse machen. Nur bei der Ordnung ist es wichtig, dass das nicht aus dem Ruder läuft, in den gemeinschaftlich genutzten Räumen. Aber man sollte grosszügig sein können, wenn man auch nicht immer mit allem einverstanden ist».

    Zuversicht gewinnt

    Dass sich das Frankental stark verändert hat, ist der lebhaften Dame natürlich nicht entgangen, «aber, wenn man immer hier wohnt, fällt einem das nicht so stark auf, man wächst ja mit». Zum verdichteten Bauen hat sie eine pragmatische Einstellung: «Es braucht nun mal Wohnungen. Der Bodenpreis ist teuer und gleichzeitig kann man auch nicht jedes Stücklein Erde verbauen. Also muss man in die Höhe», sagt sie, als wäre das nun wirklich nicht so schwer zu verstehen. Noch gebe es in Höngg genügend alte Wege, auf denen sie gerne spazieren gehe. Und natürlich den Hönggerberg. «Wir sind mit dieser Lage wirklich sehr privilegiert. Ich bin sehr glücklich hier», sagt Frau Drescher. Sie, die sich als kleines Mädchen in Deutschland noch vor Luftangriffen fürchten musste, ist heute über ein frisches Mittagessen genauso entzückt wie über die erste Blume im Frühling. Das Jammern liegt ihr nicht. «Ich halte es wie meine Grossmutter, die immer sagte: <Geht einmal eine Türe zu, geht irgendwo bestimmt ein Fenster auf>». Diese Zuversicht hat sie sich zu eigen gemacht und bis ins hohe Alter bewahrt. «Die Neugierde und interessante Gespräche mit Bekannten und Freunden halten mich jung», resümiert sie, «und im <Dorf>, wie ich immer noch sage, wird uns wirklich viel geboten. Da muss niemand alleine bleiben, wenn er oder sie nicht will. Nur rausgehen muss man selber. Von nichts kommt ja bekanntlich nichts». Sagt’s und stellt sich in die Küche. Heute gibt es Kefen mit Poulet.

  • An Hönggers Grenze

    Als der Marchstein zwischen der Grafschaft Baden und Zürich aufgestellt wurde, gab es im heutigen Frankental vor allem Wiesen, Wald, Sumpf und einen Bach. Trotzdem war hier einiges los: 1443 versuchten die Eidgenossen via Limmatübergang in Baden von dieser Stelle her über die Stadtgrenze zu gelangen. Ohne Erfolg. Damals brannte es vorne im Dorf bereits. Später, im Zuge der Französischen Revolution, ging es noch heisser zu und her, aber dies ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden soll ─ oder in der Höngger Ortsgeschichte nachgelesen werden kann. In jedem Fall fanden auch die geplagten, reichen Stadtzürcher Gefallen an der sonnigen und naturnahen Lage des Rebbauerndorfes Höngg und bauten ihre Sommerresidenzen im Quartier. Es handelte sich um Herrschaftshäuser mit zahlreichen Zimmern und Umschwung, eines der ersten war das Herrenhaus in (Ober-) Eggbühl, wo heute das Suchtzentrum Frankental ansässig ist. Auch dort, wo die Stadt später das Pflegezentrum Bombach errichtete, befand sich früher ein Landsitz mit Herrenhaus und einem Festsaal, in dem eine Orgel Platz fand. Während des 2. Weltkrieges diente das Gut «Bombach» als Unterkunft des von der Künstlerin Sasha Morgentaler gegründeten «Frauenhilfsdienstes». In den 50er und 60er Jahren kaufte die Stadt Land und liess viele Gebäude abreissen, Genossenschaften bauten, ein Bauboom begann.

    Verkehr bestimmt das Ortsbild

    Lange war die Frankentalerstrasse nichts weiter als ein schmaler Fahrweg, für den Schwerverkehr ungeeignet und deshalb gesperrt. Die Strecke Zwielplatz bis Wartau wurde 1856 neu gebaut, während zeitgleich die Zürcherstrasse (heute Limmattalstrasse) erweitert wurde. 32 Jahre später fuhr zum ersten Mal ein Tram vom Escher-Wyss-Platz bis zur Wartau. Mit der Verlängerung der Linie bis zur Stadtgrenze Frankentalweg im Jahr 1954 und der Namensgebung der Endhaltestelle (Frankental) begann wohl auch die Bezeichnung des ganzen Gebietes als «Frankental», während vorher damit nur das Tälchen mit Bach und Frankenbühl gemeint war. Im «Höngger» vom 23. Mai 1969 wurde das Projekt einer vierspurigen Umfahrung diskutiert: «Im Modell sollte die Umfahrung die Funktion einer Sammelstrasse ausüben, welche den Raum Rütihof erschliesst» und das Zentrum beim Meierhofplatz entlastet, heisst es dort. Geplant war, im Rütihof eine Siedlung für 7000 Menschen anzulegen. Schon damals äusserte man Bedenken, dass die vorgeschlagene Lösung keine wirkliche Entlastung für das Zentrum bringen würde. Nichtsdestotrotz begann am 28. August 1970 der Bau der Umfahrungsstrasse. Zwar wurde die Bautätigkeit aus finanziellen Gründen kurzfristig unterbrochen, doch schon am 20. Dezember 1972 wurde die neue Franketalerstrasse dem Verkehr übergeben. Am 4. Mai 1973 schrieb ein Leser der Höngger Zeitung: «Die Frankentalerstrasse hat eine gewisse Erleichterung gebracht, das spürt man schon. Aber sonst ist alles beim Alten».

    Quellen: Beat Frey, Ortsmuseum. Höngger Ortsgeschichte, Georg Sibler. Höngger Archiv.

  • Schöner wohnen im Alter

    Schöner wohnen im Alter

    Als anfangs des letzten Jahrhunderts immer mehr Menschen zum Leben in die Stadt kamen, wurde die Wohnsituation in Zürich prekär. Besonders die Arbeiterklasse und ältere Menschen hatten schon damals Schwierigkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu finden. 1950 beschloss der Gemeinderat die Gründung der Stiftung Wohnführsorge für betagte Einwohnerinnen und Einwohner, die später zur heutigen SAW wurde. Der Ansturm war gross und in den ersten 30 Jahren entstanden 16 neue Siedlungen. Heute zählt die Stiftung über 2000 Wohnungen verteilt auf 34 Standorte. Einer davon liegt im Frankental. Hier sind 89 Menschen in 1 bis 3,5 Zimmer-Wohnungen Zuhause. Die Häuser aus den 60er Jahren weisen eine gute Bausubstanz auf und wurden 1993 saniert. Auf Anfrage sagte Isabel Baumberger, Verantwortliche Kommunikation SAW, dass im Moment für die Frankentaler Siedlung keine Planungsprojekte vorlägen. «Sollte sich das ändern, werden die Mieterinnen und Mieter in jedem Fall zwei Jahre vor Baubeginn informiert und können vorübergehend in einer anderen Siedlung untergebracht werden».

    Neben günstigen Wohnbedingungen bietet die SAW einen 24-Stunden Spitex-Pickett-Dienst, Wäscheservice, ein Pflegebad und Gemeinschaftsraum mit Küche, einen Aussensitzplatz und sogar Gästewohnungen an. Weitere Informationen: www.wohnenab60.ch

  • Höngg ist nicht gebaut

    Höngg ist nicht gebaut

    Wer sich den Katasterplan von Höngg anschaut sieht vor allem eines: Massenhaft kleine Parzellen, in denen sich heute noch mehrheitlich die ursprünglichen Rebbau- oder Landwirtschaftsflächen erkennen lassen: Sehr viele, aber kleine Grundstücke, die grösstenteils in Privatbesitz sind. Wie entwickelt sich ein solches Gebiet? Nach welchen Regeln wurde oder wird es erstmals bebaut? Wer gibt vor, was wo erlaubt ist? Gibt es so etwas wie einen Masterplan für ein Gebiet wie Höngg? Oder wird einfach nach den Bedürfnissen der Landbesitzenden oder des Marktes gebaut? Und nach welchen Kriterien werden alte Gebäude abgerissen und durch neue ersetzt? Offensichtlich ist, dass in Höngg seit geraumer Zeit eine rege Bautätigkeit eingesetzt hat. Da werden die letzten Parzellen oder Lücken überbaut, dort alte Gebäude und teils ganze Siedlungen abgerissen und, stark verdichtet, neu aufgebaut. Die Höngger «Skyline» ist im Umbruch.

    Hönggs Bevölkerung wird immer jünger

    Auch die Bevölkerungsstruktur verändert sich, wobei sich die Frage nach dem Huhn oder dem Ei stellen liesse. Ein Blick auf die Erhebungen von «Statistik Stadt Zürich» beweist jedenfalls: Höngg verjüngt sich (siehe Abbildung). Vergleicht man die Zahlen von 1995 mit jenen von 2015, so sieht man, dass die Altersgruppe 0 bis 9 Jahre gemessen an der Gesamtbevölkerung von 7,96 auf 10,34 Prozent zugelegt hat. Nur geburtenstarke Jahrgänge? Nein, denn im gleichen Zeitraum sind die Altersgruppen 10 bis 19 und 20 bis 29 ziemlich stabil geblieben, während die vermutlichen Eltern der Gruppe 0 bis 9 markant zugenommen hat: Bei den 30- bis 39-jährigen von 16,11 auf 18 Prozent und bei den 40- bis 49-jährigen von 13,89 auf 15,34 Prozent. Es zogen also in den diesen zwölf Jahren vermehrt Familien nach Höngg. Höngg sei überaltert, heisst es seit Jahren hartnäckig. Davon ist definitiv Abschied zu nehmen: Die Altersgruppen ab 50 nahmen kontinuierlich ab: die 50- bis 59-jährigen von 14,43 auf 12,3 Prozent, die 60- bis 69-jährigen von 13,03 auf 9,89 Prozent und die 70- bis 79-jährigen von 9,84 auf 8,85 Prozent. Erst die Generation 80-plus verzeichnete dank den gestiegenen Lebenserwartungen wieder einen Anstieg von 5,77 auf 6,81 Prozent. Die Bevölkerungsverjüngung und weil viele der Bauten aus den «Höngger Jahren des Baubooms» ein sanierungsbedürftiges Alter erreicht haben oder demnächst erreichen werden, führen dazu, dass Höngg «nicht gebaut ist» – und überdies wurde Ursula Kochs Aussage vom 16. März 1988 kaum je vollständig zitiert, denn im Originalmanuskript lautete es: «Die Stadt ist gebaut. Sie muss nicht neu- sondern umgebaut werden. Umgebaut zu einem lebenswerten Zürich, mit hohen urbanen Qualitäten». Zürich hat seither diesen Weg eingeschlagen und bereits sehr weit realisiert. Ganz Zürich? Nein, in Höngg macht man sich gerade erst an diesen Prozess. Ersetzt man «Zürich» in Ursula Kochs Satz durch «Höngg» und erlaubt sich aus ihrem «urbanen» noch ein «dörflich-urbanen» zu machen, dann sieht man schnell, dass Höngg tatsächlich nicht gebaut ist. Wohin die Reise wohl geht? Wer hat sie gebucht und wer leitet sie?