Kategorie: Aus der Höngger Zeitung

  • «Nur was man kennt, schätzt und schützt man»

    «Nur was man kennt, schätzt und schützt man»

    Schillernde Krabbeltiere gibt es nicht nur im Dschungel. Auch in der Schweiz glänzen und leuchten zahlreiche Insektenarten. Die Biologin Katrin Luder und der Tierfotograf Bähram Alagheband zeigen in ihrer Show «Bling Bling», was hierzulande auf sechs Beinen unterwegs ist. Für den «Höngger» beantwortet Luder einige Fragen.

    Im April gastierst du mit «Bling Bling» in Höngg. Worum geht es in diesem Vortrag?
    Katrin Luder: Unser Ziel ist es, dem Publikum die Schönheit und Faszination der Insekten näherzubringen, mit spannenden Geschichten, viel Witz und persönlichen Erlebnissen.

    An welches Publikum richtet sich der Vortrag?
    Der Vortrag richtet sich an alle: von Kindern bis zu älteren Menschen, egal ob Bürohocker oder Frischluftfanatiker.

    Ist der Abend auch ohne spezielle Vorkenntnisse gut verständlich?
    Auf jeden Fall. Unser Ziel ist es, ein breites Publikum zu unterhalten. Oft erhalten wir die Rückmeldung, dass man vor der Show kein besonderes Interesse an Insekten hatte, danach aber beim nächsten Insekt, dem man begegnet, genauer hinschaut.

    Wie ist die Idee entstanden, eine Show über Insekten zu entwickeln?
    Bähram Alagheband, den ich Bäru nenne, fotografiert bereits seit jungen Jahren leidenschaftlich gerne Insekten. Ausserhalb seines privaten Umfelds bekam jedoch kaum jemand diese Fotos zu sehen. Nach unserem Kennenlernen fragte er mich, ob ich als Fachperson für Insekten eine Präsentation mit ihm gestalten möchte. Dabei merkten wir schnell, dass die Chemie zwischen uns stimmt und wir uns gut ergänzen. So entstand die Idee, etwas Grösseres daraus zu machen und eine eigene Show über Insekten in der Schweiz zu entwickeln.

    Wie ist der Name «Käfer & kundig» entstanden?
    Als wir entschieden, gemeinsam auf die Bühne zu gehen, brauchten wir einen Namen. Nach ein bis zwei Bierchen und einigem Brainstorming kamen wir auf diesen. Zu Beginn hiess es, Bäru sei der Käfer und ich die Kundige. Das stimmt aber schon lange nicht mehr. Mittlerweile kennt er sich genauso gut, wenn nicht sogar besser in der Insektenwelt aus

    Wie viele Auftritte stehen in eurer Agenda?
    Bis im Juni stehen insgesamt 14 Auftritte an. Davon zeigen wir viermal nochmals unser altes Programm, bevor wir ab dem 4. März mit der neuen Show auf Tournee gehen und neun Auftritte absolvieren.

    Wie gelingt es euch, dieses Projekt neben dem Berufsalltag umzusetzen?
    Bäru arbeitet zu 50 Prozent beim SRF und zu 50 Prozent in seiner eigenen Firma Insects and Stories GmbH, wo er sich ganz den Insekten widmen kann. Er übernimmt den Grossteil der Arbeit. Es freut uns, dass ihr euer Programm auch in Höngg zeigt.
    Und uns freut es sehr, dass wir eingeladen wurden. Als wir unser erstes Programm geschrieben haben, hätten wir nicht gedacht, dass wir es vier Jahre später noch immer präsentieren dürfen. Umso mehr freuen wir uns nun auf das neue Programm.

    Was soll das Publikum am Ende des Abends mit nach Hause nehmen?
    Unser Wunsch ist, dass die Menschen beim nächsten Insekt, das sie sehen, genauer hinschauen. Denn nur was man kennt, schätzt und schützt man. Unser Hauptziel ist jedoch, dass das Publikum einen unterhaltsamen Abend erleben und mit neuen Eindrücken nach Hause gehen kann.

    Mario Bonalli vom Natur- und Vogelschutzverein Höngg führte das Interview.

    Die Show

    Freitag, 10. April, 19.30 Uhr, Türöffnung um 19 Uhr
    Ref. Kirchgemeindehaus, Ackersteinstrasse 190
    Karten: Eventfrog.ch

    Verlosung Show „Bling Bling“

    Wir verlosen 2×2 Karten!

    Wer Karten gewinnen möchte, sendet bis am Dienstag, 31. März, eine E-Mail an mitmachen@hoengger.ch.

    Bitte den Absender, Telefonnumner und den Betreff «Käfer» nicht vergessen. Mit der Teilnahme wird Ihre Adresse automatisch im Newsletter-Verteiler unserer Zeitung aufgenommen. Viel Glück!

  • «Mir ist es wichtig, Brücken zu schlagen»

    «Mir ist es wichtig, Brücken zu schlagen»

    Ich bin vor 60 Jahren in Zürich geboren, doch die erste Hälfte meines Lebens habe ich kaum in Zürich verbracht. So richtig in der Schweiz wohnhaft bin ich erst seit etwas weniger als 30 Jahren. Aber von Anfang an: Mein Vater ist von Beruf Physiker und hatte vor meiner Geburt gerade sein Studium abgeschlossen. Nun standen für ihn Forschung und Stellensuche an, weswegen wir, als ich gerade anderthalb Jahre alt war, in die USA auswanderten, wo mein Vater seinen Postdoc absolvierte.

    Vier Jahre später ging es zurück nach Europa: Wir machten Station in Cassis in Südfrankreich, bevor wir ein Jahr später nach West-Berlin weiterzogen. Ich habe diese Kindheitsjahre sehr positiv in Erinnerung und weiss es zu schätzen, durch das viele Reisen die Möglichkeit gehabt zu haben, verschiedenste Sprachen zu lernen.

    Leider zerbrach unsere Familie in Berlin: Meine Mutter verliess die Hausgemeinschaft und zog mit ihrem neuen Partner zusammen. Mich belastete die mangelnde Kommunikation in der Familie sehr, ich sehnte mich danach, mit Menschen zusammenleben, die eine wirkliche Gemeinschaft bilden.

    Radikal denkend

    Im Berlin der frühen 1980er-Jahre herrschte Aufbruchsstimmung, die Hausbesetzerszene war sehr aktiv. Auch ich wollte etwas bewegen. Deshalb zog ich im Alter von nur 15 Jahren aus und besetzte gemeinsam mit Bekannten ein eigenes Haus. Meine Schulbildung brach ich einige Monate vor Abschluss der mittleren Reife ab – ich hatte damals das Gefühl, in der Schule nicht wirklich die wichtigen Dinge zu lernen. Meine Familie versuchte zwar, mich von einer abgeschlossenen Schulbildung zu überzeugen, doch ich war eine radikal denkende Jugendliche, die ohne Rücksicht auf eigene Verluste handelte.

    Die Zeit in Kommune und politischer Jugendbewegung war intensiv und eindrücklich, aber nach rund einem Jahr merkte ich, dass weder dieses Leben noch dieser Weg für mich ist. Mit Tagen ohne Rhythmus und ständiger Überreizung verlor ich das Gefühl für mich selbst und begann an mir zu zweifeln. Ich beschloss, die Stadt zu verlassen, um Boden unter den Füssen zu finden.

    Viel später fand ich schliesslich heraus, dass ich eine Person bin, die aus sich heraus kaum Routine entwickelt und gleichzeitig sehr sensibel auf Umgebungsreize reagiert. Die «Flucht» aus dem geteilten Zentrum der Grossstadt Berlin war ein wichtiger Schritt in meinem Leben. Auf der Suche nach Wald und Einfachheit sowie nach meinen Schweizer Wurzeln gelangte ich über einen Kontakt meiner Mutter an einen biodynamisch geführten Bauernhof im Unterengadin, wo ich arbeiten und leben konnte. Ein Jahr lang verbrachte ich täglich viele Stunden im Stall, was für mich sehr heilsam war.

    Heilen lernen

    Nach weiteren zwei Jahren auf Biobauernhöfen, ich war inzwischen 19 Jahre alt, wurde mir das Landleben aber zu einsam. So näherte ich mich doch wieder einer Stadt: In Zürich war ich in verschiedenen Jobs tätig, etwa als Verkäuferin im Bioladen oder als Köchin im Frauenzentrum. Gleichzeitig suchte ich nach einem Beruf, etwas Sozialem, mit dem ich auch meine Leidenschaft fürs Heilen kombinieren konnte. Die technische Herangehensweise der Schulmedizin war jedoch nicht meins, das merkte ich deutlich.

    Über die Selbstverteidigung, die ich in Wendo-Kursen für Frauen kennenlernte, begann ich mich mit asiatischer Kampfkunst zu beschäftigen und sie nach Erlangung des schwarzen Gurtes selbst zu unterrichten. Dabei entdeckte ich die östliche Philosophie, deren Ernährungslehre und Zugang zum Heilen. Allein die Ernährungslehre hat mir sehr geholfen: Seit meiner Jugend hatte ich Probleme mit der Ernährung gehabt und eine Magersucht überlebt, konnte jedoch erst mit der makrobiotischen und der «5-Elemente»-Lehre der Ernährung ein positives Verhältnis zum Essen wiederfinden.

    Die chinesische Medizin habe ich dann bei einem Aufenthalt in San Francisco Ende der 1980er-Jahre kennengelernt. Dort hatte ich die Gelegenheit, bei einer niedergelassenen TCM-Ärztin mitzuhelfen. Es war die Hochphase von Aids. Sie behandelte und begleitete ihre zum Teil schwer erkrankten Patienten mit Akupunktur, Arzneipflanzenrezepturen und viel Zuwendung. Ich merkte, dass diese Methoden nicht alles heilen, aber viel Leiden lindern können. Deswegen suchte und fand ich, zurück in der Schweiz, eine Ausbildungsmöglichkeit in Traditioneller Chinesischer Medizin. Drei Jahre lang ging die Ausbildung, nach deren Abschluss unser Lehrer uns ein sechswöchiges Praktikum in China in Aussicht stellte.

    Im fernen Osten

    Und so geschah es: 1995 schloss ich die Schule ab und reiste mit der Transsibirischen Eisenbahn nach China. Eine Woche war ich unterwegs – und als der Zug nach der Durchquerung der mongolischen Steppe chinesisches Gebiet erreichte, mit den Bergen und der Terrassen-Agrarwirtschaft, hatte ich das Gefühl, nach Hause zu kommen.

    Nach sechs Wochen Ausbildung blieb ich in Chengdu. In den nächsten drei Jahren lebte ich hier, war im Spital tätig und lernte Chinesisch. Auch privat tat sich einiges: Ich lernte meinen Partner kennen, 1997 gebar ich unseren Sohn Manuel. Als kleine Familie kamen wir 1998 nach Zürich und fanden 1999 unsere erste Wohnung in Höngg.

    Seit meiner Rückkehr aus China betreibe ich in Zürich eine Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin. Ich verstehe meine Arbeit als integrative Medizin – mir ist es wichtig, Brücken zu schlagen zwischen der Schulmedizin und der chinesischen Herangehensweise. Das Studium der Sinologie, das ich hier in Zürich nach Abschluss der Erwachsenenmatur absolvierte, hilft mir dabei.


    Im Garten. (Foto: zvg.)

    Vor zehn Jahren erhielt ich die Gelegenheit, einen öffentlichen Kräutergarten der TCM an der ZHAW in Wädenswil mitaufzubauen. Dort wachsen inzwischen 130 der am meisten gebrauchten Arzneipflanzen. Ich liebe Pflanzen, gehe sprichwörtlich gerne bis an die Wurzeln. Für mich ist es wichtig, eine Beziehung zu den Pflanzen zu haben, die ich als Arzneikräuter verwende. So kann ich auch ihre Wirkung besser verstehen.


    Nina Zhao-Seiler organisiert Kräuterreisen nach China. (Foto: zvg.)

    Um die Arzneipflanzenkultur auch anderen zugänglich zu machen, habe ich 2003 begonnen, Kräuterreisen nach China zu organisieren. Die nächste Reise ist noch in diesem Jahr geplant.

    Aufgezeichnet von Dagmar Schräder

  • Dagmar schreibt: Schönes Wetter heute!

    Dagmar schreibt: Schönes Wetter heute!

    Ja, ich weiss, langweiliger als mit diesem Spruch kann man eine Konversation nicht beginnen. Es gibt nichts Öderes, als über das Wetter zu sprechen. Weil man es ja sowieso nicht ändern kann. Doch genau das ist der Grund, weswegen ich jetzt, man möge es mir verzeihen, trotzdem mal wieder darüber schreibe.

    Dieses Mal aber geht’s mir gar nicht um Schneemangel und Klimawandel, sondern ganz unpolitisch einfach um das aktuelle Wetter. Um den Regen. Denn dieses bescheuerte, ewige Geniesel, Getropfe, Geprassel und Gestürme beförderte mich die vergangenen zwei Wochen regelmässig an den Rand eines Nervenzusammenbruchs.

    Nicht nur, weil ich jedes Mal, wenn ich rausging, nachher völlig durchnässt nach Hause kam. Auch nicht nur, weil ich in den letzten Wochen so oft wie noch nie meinen Fussboden feucht aufnehmen musste, nachdem die Hundepfoten ihn nach jedem Spaziergang mit ihren erdigen Abdrücken verziert hatten.

    Nicht einmal deswegen, weil es das Ferienprogramm mit meinem jüngsten Sohn deutlich erschwerte, wenn man ihn nur gegen Bestechung vor die Türe jagen konnte.

    Sondern vor allem wegen diesem elenden Schlamm, der sich auf meinem Hühnerhof gebildet hatte. Nach 15 Tagen Regen und rund 60 (dreissig mal zwei) Hühnerfüssen, 10 Enten – und vier Gänsefüssen, die täglich das Gebiet durchstreiften, war der Boden hier kaum noch zu betreten. Woodstock muss dagegen die reinste Wüste gewesen sein.

    Selbst mit den dicksten Schuhen blieb ich regelmässig im schmatzenden Schlamm stecken und musste auf einem Bein balancierend versuchen, den zweiten Schuh wieder aus der Pampe zu befreien. Auch meine sonst blütenweissen Hennen waren nicht mehr als solche zu identifizieren und die Salatblätter, die ich ihnen zum Schnabulieren zuwarf, versanken innerhalb von Minuten unwiederbringlich im braunen Sumpf.

    Mein Mitleid mit den bedauernswerten Tieren wuchs täglich. Jeden Abend versprach ich ihnen für den nächsten Morgen besseres Wetter. Aber stets musste ich sie enttäuschen. Das sorgte dafür, dass ich von Mal zu Mal grantiger wurde. Sobald ich das Grundstück betrat, sackte meine Laune in den Keller. Gerne und oft klagte ich allen, die es hören wollten oder auch nicht, mein Leid – ziemlich lauthals sogar.

    Bis ich mich eines Besseren besann. Denn erstens, wie gesagt, ändert sich ja eh nichts. Zweitens fiel mir auf, dass es bestimmt vielen Menschen auf dieser Welt so geht, dass sie das Wetter verfluchen. Aber nicht aus so Luxusgründen wie ich, die nach jedem Hühnerbesuch ein Vollbad in der gemütlich geheizten Wohnung nehmen kann. Sondern weil ihre Existenz davon abhängt, dass das Getreide genug Regen erhält, ihre Früchte nicht erfrieren oder die Parasiten nicht die ganze Ernte wegfressen.

    In solchen Situationen fühlt man sich wahrscheinlich wirklich hilflos ausgeliefert. Was habe ich überhaupt für einen Grund zum Jammern? Ein bisschen mehr Demut vor dem Leben und der Natur, das stünde mir gut.

    Also schluckte ich den Ärger die letzten paar Tage hinunter und versuchte, die Situation ebenso stoisch auszusitzen wie meine gefiederten Freunde. Und siehe da, es klappte erstaunlich gut. Allerdings, ich gebe es zu, unter anderem deswegen, weil nun doch so etwas wie Frühling über mich und meine Hühner hereingebrochen ist.

    Da herrscht urplötzlich wieder eitel Sonnenschein auf meinem kleinen Hof – und in meinem Herzen.

  • Vuebelle: das Ende eines Pionierprojekts

    Vuebelle: das Ende eines Pionierprojekts

    Erst vor zwei Wochen wurde an dieser Stelle über die Entwicklungen auf dem Vuebelle und die Tatsache, dass die Stadt die Verantwortung über das Gelände vom Verein Bee’n’Bee übernommen hat, berichtet. Seither ist viel passiert. Noch bevor die Zeitung gedruckt war, rückten auf dem Gelände die Bagger an und bauten die Stege und Wege, die das Bellevue symbolisiert hatten, wieder ab.

    Auch zahlreiche nicht einheimische Bäume wie die Maulbeere sowie alle Säulenobstbäume wurden ausgehoben und entfernt, ebenso wie die Wildhecke, die angepflanzt worden war. Sie sollen, wie ein Schild vor Ort informiert, an einem anderen Ort wieder eingesetzt werden.

    Kurz zur Erinnerung: Das Vuebelle war als Biodiversitätsprojekt angelegt worden und hatte für diesen Zweck im Jahr 2021 die Summe von 250 000 Franken als eines der Siegerprojekte der ZKB-Jubiläumsdividende erhalten. Definiert wurde es als Wegbereiter für die Entwicklung von nachhaltigen Plätzen in der Stadt Zürich, so erklärte es zumindest der «Tages-Anzeiger» im Frühjahr 2024: «Das Vuebelle will nach Angaben des Vereins vor allem auch ein Zeichen für eine neue Art der Flächennutzung setzen. Es versteht sich als Pionierprojekt für Artenvielfalt im urbanen Raum. Nach Zürich ist Ähnliches auch für weitere Städte geplant. Entstehen soll ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere, aber auch ein neuer Naturort für Zürcherinnen und Zürcher.»

    «Pionierprojekt» nicht nachhaltig genug?

    Nun aber ist von dem «Pionierprojekt» nicht mehr viel übrig. Nicht nur bei der Pächterschaft der Gärten, auch bei zahlreichen Passantinnen und Passanten sorgte dieses abrupte Ende des Vuebelles für Verunsicherung – und warf gleichzeitig Fragen auf: Warum konnten die Stege und Wege, welche die Fläche begehbar machten, nicht einfach stehenbleiben? Und aus welchem Grund mussten die Obstbäume und die Hecke, die extra zur Förderung der Biodiversität gepflanzt wurden, entfernt werden?


    Schön ist anders: Im Moment ist das ehemalige Vuebelle kein Vorzeigeobjekt mehr. (Foto: zvg)

    Grün Stadt Zürich antwortet auf die Anfrage dieser Zeitung dazu folgendermassen: «Der Holzsteg wurde im Rahmen der Aufwertungsmassnahmen zwecks Erhöhung der Biodiversität entfernt. So erhalten Flora und Fauna auf der Fläche Zeit und Ruhe, sich zu entwickeln.» In Bezug auf die Entfernung der Bäume erklärt Carina Schulze, Fachbereichsleiterin Kommunikation bei Grün Stadt Zürich, dass diese wie auch die Hecken in bestimmten Mustern und Formen – dem Bellevue entsprechend – gepflanzt worden seien, was «eine effiziente Bewirtschaftung stark erschwere». Das sei der Grund dafür, dass sie entfernt werden mussten.

    Zudem, so Schulze weiter, «handelte es sich bei den Bäumen um eine fruchtlose Zuchtform mit sehr geringem ökologischem Nutzen.» Die Ersatzbäume, die nun zwischen Februar und März gepflanzt würden, bestünden dagegen «aussschliesslich aus einheimischen Obst- und anderen Nutzgehölzen (Edelkastanie, Nuss, Apfel).» Damit würden die Bäume in Zukunft «sowohl Nektar und Schatten spenden, als auch einen Beitrag an die lokale Nahrungsmittelproduktion leisten.» Ausserdem werde in den kommenden Wochen die Neuansaat einer Wildblumenwiese vorbereitet und Stein- und Asthaufen für die Förderung von Wildbienen und Zauneidechsen ergänzt.

    Visionen aus dem Quartier

    Warum im Rahmen dieses Vorzeigeprojekts Bäume gepflanzt wurden, die der Biodiversität gar nicht wirklich zuträglich sind, bleibt auch nach der Antwort durch die Stadt offen. Ganz generell lässt sich die Nachhaltigkeit des Projekts – sowohl in finanzieller als auch ökologischer Hinsicht – hinterfragen, wenn nach der kurzen Zeitspanne von knapp zwei Jahren ein Grossteil der Pflanzungen wieder rückgängig gemacht werden muss.

    Daneben bleibt eine weitere grosse Frage, die insbesondere die Mieterschaft der Gartenparzellen umtreibt: Wie geht es weiter? Wie bereits in der vergangenen Ausgabe erläutert, werden sie ihre Beete per Ende dieses Jahres aufgeben müssen – und inwiefern sie in Zukunft noch Partizipationsmöglichkeiten auf der Fläche haben werden, bleibt nach wie vor unklar.

    Dabei gäbe es von ihrer Seite bereits einige Ideen: Chris Szaday, einer der Gartenpächter, hat sich – mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz – intensive Gedanken über die Zukunft des Vuebelles gemacht – in Anlehnung an bereits bestehende Projekte und Kooperationen zwischen der Stadt und der engagierten Quartierbevölkerung

    Seinen Visionen zufolge soll das Gelände demnach, grob gesagt, neben der Biodiversität auch «den sozialen Zusammenhalt, die lokale Identität und das historische Bewusstsein – zum Beispiel für die Schlachten in Zürich um das Jahr 1799, die auch im Gebiet des Hönggerbergs stattgefunden haben», im Quartier stärken. Für den Einbezug der Quartierbevölkerung schwebt Szaday etwa die Möglichkeit eines runden Tisches vor.

    Der Erhalt von Spazierwegen auf dem Gelände sowie der Gartenparzellen wäre für ihn ebenso wünschenswert wie die Fortführung von Baumpatenschaften und die Durchführung von kulturellen Veranstaltungen vor Ort – als Beispiel für eine «durchdachte, integrative Gestaltung städtischer Grünflächen».
    Inwiefern die Stadt allerdings auf solche Vorschläge eingehen wird, ist noch unklar. Szaday ist auf jeden Fall gerne bereit, weitere Ideen aus dem Quartier entgegenzunehmen und diese mit den Verantwortlichen zu diskutieren.

    Mitdenken

    Wer Interesse hat, sich mit Szaday und weiteren Interessierten über eine mögliche Zukunft des Platzes auszutauschen, kann über vuebelle.zukunft@gmail.com Kontakt aufnehmen.

  • Der Berg Club Höngg feiert 100 Jahre

    Der Berg Club Höngg feiert 100 Jahre

    Der Weg hinauf zur Höngger Berghütte in Dänikon ist an diesem Tag nass und rutschig. Doch das hält die Gäste nicht davon ab. Zahlreich sind sie erschienen, um das 100-jährige Bestehen des Berg Clubs Höngg zu feiern. Mit dem Auto ist die Hütte nicht erreichbar, nur Aktivmitglieder erhalten zeitweise eine Spezialbewilligung. Also wird gewandert, wie seit Generationen.


    Der Aufstieg zur Höngger Hütte wird zu Fuss zurückgelegt. (Foto: Jasmine Osterwalder)

    Neben der Hütte auf der Terrasse spannt sich ein Festzelt über die Festbänke. Drinnen wird gelacht, diskutiert, angestossen. Mitglieder und Gäste tauschen Erinnerungen aus, sprechen über die Veränderungen der letzten 100 Jahre oder geniessen eine heisse Gemüsesuppe, ein Wienerli und Most. Der Duft von Kaffee und Kuchen liegt in der Luft. Die Stimmung ist familiär, man kennt sich, und gleich beim Eingang liegt das Hüttenbuch für einen Eintrag bereit.


    Die Besucher René Schaffroth und Heinz Stüber geniessen die warme Gemüsesuppe. (Foto: Jasmine Osterwalder)

    Vom Jugendverein zum Berg Club

    Seinen Ursprung hat der Verein im Jugendverein Höngg. Gegründet wurde er einst von Pfarrer Paul Trautvetter gemeinsam mit seinen Konfirmanden. Ziel war es, jungen Männern und Frauen Kameradschaft und eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu ermöglichen. Der erste Präsident war Rheinhold Appenzeller.

    Zwanzig Jahre später erfolgte die Umbenennung in Berg Club Höngg. Mitglied werden durften anfangs ausschliesslich Hönggerinnen und Höngger. Diese Regel wurde bald gelockert: Die Suche nach neuen Mitgliedern gestaltete sich zu schwierig.

    «Dass unser Club nach 100 Jahren noch besteht, ist eine Sensation»

    «Dass unser Club nach 100 Jahren noch besteht, ist eine Sensation», sagt Präsident Reto Hauser, der mittlerweile 25. Präsident in der Vereinsgeschichte. Das Erfolgsrezept? «Gute Kameradschaft und tatkräftige Mitglieder.» Heute zählt der Verein 36 Aktiv- und rund 140 Passivmitglieder. Doch neue Mitglieder zu gewinnen, sei schwierig. Insbesondere junge Menschen zeigten wenig Interesse am Vereinsleben, bedauert Hauser.

    Wie unterschiedlich die Wege zum Club sind, zeigen die Geschichten der Mitglieder. Erich Forster etwa entdeckte das Clubhaus zufällig bei einem Spaziergang und meldete sich noch am selben Tag mit einem Talon an.


    Vereinsmitglied Erich Forster entdeckte den Bergclub Höngg bei einem Spaziergang. (Foto: Jasmine Osterwalder)

    Früher war im Jahresprogramm noch mehr los: Die Altberg-Musikanten spielten, es gab Sommer- und sogar Oktoberfeste. Heute ist das Vereinsleben ruhiger, aber nicht weniger engagiert: Zum festen Programm gehören eine Vereinswanderung, eine Besichtigung sowie ein Fondueplausch für Aktivmitglieder und ein Raclette für Aktiv- und Passivmitglieder.

    Jubiläumsgeschenk: neue Photovoltaikanlage

    Zum 100-jährigen Bestehen macht sich der Verein selbst ein Geschenk: Für 13 000 Franken wird eine neue Photovoltaikanlage installiert. Sie ersetzt die alte, nicht mehr funktionstüchtige Anlage und liefert künftig die vierfache Leistung. Hüttenwart Roman Rumo erklärt: «Die Hütte ist komplett autark. Den Strom produzieren wir selbst, das Wasser stammt aus einer Quelle, das Abwasser wird abgepumpt und gekocht wird mit Gas.»


    Hüttenwart Roman Rumo kümmert sich um die Verwaltung, den Nachschub und die Vermietung der Höngger Hütte. (Foto Jasmine Osterwalder)

    Saisonstart am 29. März

    Die Höngger Berghütte ist während der Sommersaison jeweils am Sonntag für die Öffentlichkeit geöffnet. Die neue Saison beginnt am 29. März und dauert bis Ende Oktober. Der Start ins Jubiläumsjahr steht unter dem Motto «Essenspreise wie vor 100 Jahren». Die Bewirtung übernehmen die Aktivmitglieder im Turnus.

    «Eine wunderbare Erfahrung», erzählt ein Clubmitglied schmunzelnd. Seit sie selbst Gäste bediene, begegne sie Servicepersonal mit noch mehr Respekt und Freundlichkeit. Auch nach 100 Jahren bleibt der Berg Club Höngg ein Ort der Begegnung, der Naturverbundenheit und der gelebten Kameradschaft.