Kategorie: Aus der Höngger Zeitung

  • Dargebotene Hand: Das Telefon klingelt alle 18 Minuten

    Dargebotene Hand: Das Telefon klingelt alle 18 Minuten

    Der Name «Die Dargebotene Hand», so geht die Legende, geht auf Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler zurück. Er war einer der Financiers, die den Zürcher Pfarrer Kurt Scheitlin 1957 dabei unterstützte, die erste Telefonseelsorge der Schweiz zu gründen.

    Als es darum ging, einen Namen für das Angebot zu finden, soll er seine Hand ausgestreckt und gefragt haben: «Warum nennen wir es nicht die Dargebotene Hand»? International begann diese Form der Seelsorge jedoch in England. Dort war es der anglikanische Priester Chad Varah, der bereits 1954 angesichts steigender Suizidraten eine telefonische Beratung ins Leben rief: «Bevor Sie sich das Leben nehmen, rufen Sie mich an», lautete der Slogan, mit dem er für sein Angebot warb.

    Die Nachfrage war auch in der Schweiz von Beginn an gross: Bereits in der ersten Nacht, so ist der Website zu entnehmen, nahmen die Zürcher Seelsorger 37 Anrufe entgegen. Von hier aus breitete sich die Idee schweizweit aus. Heute besteht der Verein aus zwölf unabhängigen Regionalstellen und einem zentralen Dachverband.

    Finanziert wird die Regionalstelle Zürich zu 42 Prozent durch die beiden Landeskirchen, 58 Prozent sind Spendeneinnahmen, Gelder von Stiftungen und weitere Zuwendungen.

    Für die Leitung ist ein zehnköpfiger Vorstand zuständig, an dessen Spitze sich eine Hönggerin befindet, genauer: eine Neu-Hönggerin. Barbara Schmid-Federer lebt seit Oktober letzten Jahres hier im Quartier. Und auch ihre Tätigkeit bei der Dargebotenen Hand ist noch relativ frisch: Vor rund einem Jahr hat sie das Amt der Präsidentin übernommen.

    Nur Freiwillige am Apparat

    Mit Vorstandstätigkeiten hat die ehemalige Nationalrätin bereits Erfahrung: So stand sie in der Vergangenheit schon namhaften Organisationen wie der Kinderhilfe Bethlehem, Pro Juventute oder das Schweizerische Rote Kreuz vor. Was für sie das Besondere sei an dem neuen Arbeitsfeld, wollte der «Höngger» von ihr wissen: «Was mich ausserordentlich beeindruckt, ist die hoch qualifizierte Ausbildung, welche die freiwilligen Mitarbeitenden hier erhalten. Das war für mich ein grosser Wow-Effekt, als ich die Organisation näher kennenlernte.»

    Die hohe Professionalität hat seinen guten Grund: Heute sind es keine Pfarrpersonen mehr, die an den Telefonleitungen beraten, sondern ausschliesslich Freiwillige. Das dafür notwendige Know-how wird ihnen – nach dem erfolgreichen Durchlaufen eines Bewerbungsverfahrens – in einer einjährigen Ausbildung vermittelt.

    124 Ehrenamtliche verzeichnet die Zürcher Sektion, etwa zwei Drittel davon sind Frauen. Mit ihrer Ausbildung verpflichten sie sich, jährlich mindestens 40 Einsätze zu leisten. Dabei gibt es viel zu tun: «Rund 100 Telefonate führen wir pro Tag, 28 000 pro Jahr», so Schmid-Federer. Das Telefon klingelt ungefähr alle 18 Minuten.

    Bei den Anrufen gehe es zu 99 Prozent um persönliche Probleme wie Alltagsbewältigung, körperliches Leiden, Einsamkeit oder Familienproblematik. Zugenommen habe das Thema «psychisches Leiden», das rund 45 Prozent aller Kontaktaufnahmen ausmache. In rund drei Fällen pro Tag ginge es, so die Präsidentin, konkret um die Suizidproblematik.

    Gerade hierbei zeige sich immer wieder die grosse Bedeutung des Angebots – auch als Ergänzung zu institutionellen Hilfsangeboten. Denn viele Betroffene seien misstrauisch gegenüber medizinischem Fachpersonal und staatlichen Institutionen. «Ein grosser Teil der Anrufenden wünscht sich explizit Freiwillige als Gesprächspartner», so Schmid-Federer. Wichtig sei zudem, dass die Gespräche anonym ablaufen. Das senke die Hemmschwelle, sich Hilfe zu suchen.

    Chats als neue Herausforderung

    Doch die Beratung findet längst nicht mehr nur am Telefon statt. Mittlerweile werden sowohl E-Mail-, als auch Chatberatungen angeboten. Insbesondere letztere erfahren eine grosse Nachfrage und haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. «Und hier», so Schmid-Federer, «stossen wir gerade an unsere Grenzen.»

    So fanden laut Jahresbericht im vergangenen Jahr 69 Prozent der Hilfesuchenden keinen freien Chatraum und erhielten die automatische Nachricht, dass sie es später noch einmal versuchen oder 143 anrufen sollen.

    Ebenfalls stark gestiegen ist die Nachfrage nach englischer Beratung, die seit 2023 angeboten wird. Mit «Heart2Heart» erreiche man Fremdsprachige, die oft weniger persönliche Kontakte in der Stadt haben und nicht wissen, an wen sie sich bei Problemen wenden sollen.

    In diesen Bereichen wird der Verein in Zukunft seine Kapazitäten ausbauen müssen. «Das», so Schmid-Federer, «betrachte ich als eine der grössten Herausforderungen momentan.» Und was sieht sie persönlich als ihre wichtigste Aufgabe an? «Ich bin, da kann ich mich nur wiederholen, wirklich nachhaltig beeindruckt von dem Enthusiasmus, mit dem die Beratenden an die Arbeit gehen. Davon möchte ich sehr gerne etwas an die Öffentlichkeit weitergeben.»

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  • Schmierereien frustrieren Höngg: Sind wir so machtlos?

    Schmierereien frustrieren Höngg: Sind wir so machtlos?

    In Höngg nehmen die Schmierereien wieder zu und sorgen bei der Bevölkerung für wachsenden Unmut. Betroffen sind zahlreiche Orte im Quartier: Hausfassaden, Plakate, Briefkästen und Container wurden mit Farben verunstaltet. Gehäuft kommen sie an der Limmattal- und der Regensdorferstrasse vor.

    Auch die Mühlehalde war betroffen: «43», ein FCZ-Tag, und «SARDO» wurden darauf gesprayt. «Die Stadt toleriert Schmierereien nicht und entfernt sie so rasch wie möglich. Wir sind überzeugt, dass ein sauberes und respektvolles Stadtbild zum Wohlbefinden aller Menschen in Zürich beiträgt», meint Kornel Ringli, Leiter Kommunikation Liegenschaften der Stadt Zürich.

    Von den neusten Schmierereien an der Mühlehalde habe die Stadt nichts gewusst. Sie hat die notwendigen Abklärungen eingeleitet, und die Mühlehalde wurde nach der Anfrage des «Hönggers» gereinigt.


    Die Schmierereien an der Mühlemalde wurden bereits beseitigt. (Foto: Jasmine Osterwalder)

    Die Stadt gehe aktiv gegen das Problem vor: «Wo immer möglich, bringen wir an städtischen Liegenschaften einen Graffitischutz an. Dieser spezielle Oberflächenschutz erleichtert und vergünstigt die Reinigung, da sich Farbe einfacher entfernen lässt», so Ringli. Dies helfe bei der Reinigung und spare Kosten. Eine absolute Prävention sei aber nicht möglich.

    Ringli berichtet weiter, dass die Reinigung so rasch wie möglich erfolge: «Bei Schmierereien mit rassistischen, diskriminierenden oder anderweitig menschenverachtenden Inhalten reagieren wir mit besonderer Dringlichkeit innerhalb von 24 Stunden.» Meldungen aus der Bevölkerung, beispielsweise via der Website und App «Züri wie neu», helfen zusätzlich, die Schmierereien möglichst rasch zu entdecken und zu entfernen.

    Grosser Frust in Höngg

    Das Erscheinungsbild des Quartiers leidet sichtbar unter den FCZ-Schriftzügen, dem Begriff «Sardo» oder neuerdings rotem, kaum lesbarem Geschmiere. Für viele ist diese Entwicklung ärgerlich und zunehmend belastend. So zeigt sich auch der Höngger Kurt Meierhans deutlich verärgert.

    «Das ist eine totale Schweinerei. Kaum ist etwas gereinigt, wird es kurz darauf wieder verschmiert.» Für ihn ist klar, dass hier rücksichtslos und ohne Verantwortungsbewusstsein gehandelt werde. Bei seinen täglichen Spaziergängen mit dem Hund habe er in den letzten Wochen eine deutliche Zunahme der Schmierereien festgestellt.

    Alex Ryser aus Höngg meldete sich sogar beim «Höngger», um auf die Situation aufmerksam zu machen. Er findet, dass das Quartier ungepflegt wirkt und der Eindruck entsteht, dass sich niemand mehr darum kümmert: «Ich glaube, dass so die Identifikation mit dem Quartier abnimmt. Früher hatte man stärker das Gefühl, dass viele gemeinsam Sorge zu Höngg tragen.»

    Auch andere Stimmen aus dem Quartier zeichnen ein ähnliches Bild. Eine Passantin beschreibt den Zustand kurz und bündig als «grusig». Einem weiteren Anwohner ist die Situation ebenfalls aufgefallen, er zeigt sich jedoch ratlos: Was konkret dagegen unternommen werden könne, wisse er nicht.

    Resignation bei Betroffenen


    Selbst die Holzscheune bliebt nicht verschont. (Foto: Jasmine Osterwalder)

    Diese Hilflosigkeit teilt der Höngger Peter Gugolz. Besonders hart trifft es ihn persönlich. Die Wand seiner Scheune wurde grossflächig beschmiert, selbst die Holzwand des angrenzenden Stalls blieb nicht verschont. Einen Teil der Fassade liess er auf eigene Kosten überstreichen.

    Die Freude hielt nur kurz an. «Kaum war alles sauber, wurde es wieder verschmiert», erzählt er. Die wiederholten Schäden seien nicht nur ärgerlich, sondern auch finanziell belastend. «Es ist mühsam und wir mussten die Kosten selbst tragen.» Inzwischen habe er resigniert und lasse die Wand vorerst im jetzigen Zustand.

    Quartierverein Höngg ist informiert

    Alexander Jäger, Präsident des Quartierverein Höngg (QVH), spürt den Verdruss im Quartier: «Es gibt einen generellen Ärger gegenüber den Fussballclubs und deren Fans. Das ist schade, sie machen so das Ansehen des Sports kaputt.»

    Er habe seitens des QVH eine Meldung zu den Schmierereien im Zusammenhang mit dem Fussballclub erhalten. Dies sei bei ihnen im Vorstand besprochen worden. Auch im Gespräch mit der Eigentümerschaft erfahre man den Ärger über die Schmierereien. Jäger würde als Lösungsansatz bei den Fussballclubs eine Nulltoleranz begrüssen.

    Des Weiteren schlägt er vor, die bereits bestehenden Schmierereien in schöne Wandbilder zu verwandeln. Er wisse auch von Schulklassen, die bereit wären, einen solchen Einsatz zu leisten, um beispielsweise angebrachte Kleber zu entfernen.

    Der Höngger Alex Ryser wünscht sich derweil wieder mehr Mitwirkung und Interesse am Quartierleben: «Höngg funktioniert dann am besten, wenn Menschen nicht nur hier wohnen, sondern sich auch als ein Teil davon fühlen.»

  • Wartaufest 2026: Höngg feiert wieder bei der Remise

    Wartaufest 2026: Höngg feiert wieder bei der Remise

    Früher als üblich findet dieses Jahr das Fest der IG Wartau statt, nämlich bereits Ende Mai. Auf dem Vorplatz des Tramdepots entsteht dann erneut ein Ort, wo sich ganz Höngg trifft, lacht und tanzt. Am Freitag, 29. Mai, geht es um 17 Uhr los mit Barbetrieb, verschiedenem Essen und Auftritten von Plan 5, Trotta Nova und Ash-Lee.

    Der Auftakt am Samstag gehört ab 11 Uhr der Band Wildi Blaatere (der «Höngger» berichtete), für deren Auftritt man Karten bestellen kann. Es folgt ein vielfältiges Programm für Kinder mit Kinderschminken, der Märchenerzählerin Sarah Betschart und dem Abschlusskonzert der Schlagzeugschule Zürich.

    Abends folgt dann wieder Musik: mit Nadeen Lavie ist um 19.15 Uhr auch eine Höngger Sängerin am Start. Der Sonntag eröffnet mit dem Kasperlitheater Gigelisuppe und schliesst mit dem traditionellen Wartau-Bingo.

    Und wie die IG Wartau auf Facebook mitteilte, werden wieder «antike» Museumstrams anlässlich des Wartaufestes unterwegs sein. Die Route führt über den Paradeplatz via Hardbrücke und zur Wartau und zurück.

    Das Wartaufest 2026

    29.– 31. Mai   
    Platz vor der Remise Wartau, Limmattalstrasse 260
    Zum Programm: wartau.info

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    Sommerstimmung am Wartaufest

  • Eine Maturarbeit mit Tiefgang

    Eine Maturarbeit mit Tiefgang

    Als Ilena Teng ihrer Physiklehrerin am Gymnasium Hohe Promenade vor rund zwei Jahren ihre Idee zu einer Maturarbeit präsentierte, winkte diese ab. Das Thema sei viel zu komplex und entspreche vom Umfang her eher einer Bachelorarbeit an der Universität. Doch Teng liess nicht locker.

    In der Biologielehrerin fand sie schliesslich eine Betreuerin für ihre Arbeit, die sich ebenso für das Thema begeistern konnte wie sie selbst. Denn diese arbeitet selbst seit Jahren im Bereich der Meeresbiologie, und die Forschungsfrage, die Teng in ihrer Arbeit behandeln wollte, setzte sich mit der Echolokation von Delfinen auseinander: «Warum verfangen sich so viele Wale und Delfine in industriellen Fischernetzen und enden als Beifang?», fragte sich Teng. «Ist es den Meeressäugern mit ihrem Wahrnehmungssystem nicht möglich, die Fischernetze zu erkennen?» In der Literatur fanden sich zu diesem Thema erstaunlich wenige Antworten.

    Delfine im Kinderzimmer

    Um die Frage zu beantworten, hat Teng also ihr eigenes Forschungsprojekt durchgeführt. Zu diesem Zweck musste sie das Ortungs- und Kommunikationssystem der Delfine nicht nur verstehen, sondern auch nachbauen und simulieren. Delfine orientieren sich im Raum, indem sie Klicklaute im Ultraschallbereich produzieren, die von den Objekten reflektiert werden. Die Schallwellen, welche die Objekte zurückwerfen, werden von den Tieren aufgenommen und vermitteln ihnen ein räumliches Bild von dem Raum, in dem sie sich bewegen.

    Teng konstruierte in der Folge einen Versuchsaufbau, der diese Schallwellen messen kann. Auf einem Computer erzeugte sie via einem Digital-Analog-Umwandler Ultraschallwellen, die in eine Holzbox geleitet wurden und dort auf verschiedene Gegenstände trafen. Deren Echo wurde wiederum durch zwei Mikrofone aufgefangen und konnte so gemessen werden. In ihrem Zimmer in Höngg gelang es ihr damit, auf kleinstem Raum eine Versuchsanordnung zu schaffen, die das hochkomplexe Leben von Delfinen im Ozean abbilden konnte.

    Deutliche Ergebnisse

    Das Unterfangen stellte Teng technisch vor einige Probleme. Rund ein Jahr lang war sie mit der Forschungsarbeit beschäftigt. Ein wenig Unterstützung habe sie von ihrem Vater erhalten, der Elektrotechnik studiert habe, «ansonsten habe ich den Versuch aber komplett selbst geplant und konstruiert». «Und ja», räumt sie schmunzelnd ein, «wahrscheinlich hat die Physiklehrerin recht gehabt. Das Thema war sehr komplex und ich bin da vielleicht etwas blauäugig rangegangen.»

    Doch ihr Mut hat sich gelohnt: In ihrem Projekt konnte sie deutliche Unterschiede in der Reflexion des Schalls bei verschiedenen Gegenständen erkennen und somit nachweisen, dass die modernen Fischernetze, von denen sie sich extra Originalmuster aus Deutschland und Italien hatte kommen lassen, für Delfine quasi unsichtbar sind. Und nicht nur das: Sie konnte zudem mit relativ einfachen Methoden, etwa der Installation von Holzperlen an den Netzen, dafür sorgen, dass diese den Schall weitaus besser reflektierten und somit für die Delfine besser sichtbar wären.

    Ein Fall für «Jugend forscht»

    Diese beachtliche Leistung anerkannten die betreuenden Lehrpersonen mit der Bestnote. Teng überzeugte jedoch nicht nur die Schule, sondern auch die Jury des Wettbewerbs von «Schweizer Jugend forscht», bei dem sie die Arbeit auf Anraten ihrer Lehrerin einreichte. Die Jury lud sie ein, am Halbfinale in der ETH teilzunehmen. Hierzu musste sie die Arbeit vor einem Expertengremium in einem Vortrag und einem Gespräch präsentieren. «Es war hochspannend, mit Experten zu reden, die wirklich Ahnung von der Materie haben – und denen ich auch noch fachliche Fragen zu meiner Arbeit stellen konnte», schwärmt Teng im Gespräch mit dem «Höngger».

    Doch damit war der Wettbewerb noch nicht zu Ende: Mit der Präsentation sicherte sie sich den Finaleinzug und hatte gemeinsam mit rund 120 anderen jungen Forschenden aus der ganzen Schweiz die Gelegenheit, in Muttenz ihre Arbeiten der Öffentlichkeit vorzustellen. Teng erhielt die Auszeichnung Bronze.

    Nächste Station: Medizinstudium

    Und wie soll es nun weitergehen? Wird sie die Forschungsergebnisse weiterverfolgen? «Mit der Arbeit ging es mir erstmal darum, auf wissenschaftlicher Basis zu ermitteln, worin das Problem liegt – und welche Möglichkeiten es rein technisch gesehen geben kann, um Beifang zu verhindern», erklärt Teng ihre Motivation.

    Die konkrete Umsetzung der Ergebnisse beziehungsweise der aktivistische Teil daran wären jetzt der nächste Schritt. Wie dieser genau aussehen kann und wird, das ist im Moment noch offen. Sicher ist auf jeden Fall schon, dass sie noch in diesem Jahr einen grossen Schritt in Richtung berufliche Zukunft unternehmen wird: Im Herbst beginnt sie ihr Medizinstudium an der ETH in Zürich. Und wird dort mit Sicherheit auch auf viele komplexe Probleme treffen, zu deren Lösung sie beitragen kann.

    «Wie Delfine mit Schall sehen: Ein Nachbau der Echolokation zur Analyse von Beifangursachen.»

    Das Voting für den Publikumspreis bei «Schweizer Jugend forscht» ist noch bis Ende Juni offen.
    Auf der Website des Wettbewerbs kann für Ilenas Video abgestimmt werden: sjf.ch
    Akustische Beispiele zu den Schallwellen gibt es auf der Website von Ilena Teng: www.teng.ch/ilena/MA

  • Dagmar schreibt: Horror in Höngg

    Dagmar schreibt: Horror in Höngg

    Eigentlich wollte ich ja nicht schon wieder über meine Menagerie berichten. Ich hatte mir sogar schon ein nettes Thema ausgedacht, das gar nichts Tierisches beinhaltete. Aber dann ist letzte Woche etwas vorgefallen, das ich unbedingt loswerden muss. Denn ich hab in meiner kleinen Idylle etwas erlebt, das durchaus Potenzial für einen Horrorfilm gehabt hätte.

    Folgendes ist passiert: Ich war wie jeden Morgen bei meinen Hühnern: füttern, Eier einsammeln und so. Begleitet wurde ich von einer kleinen Hündin, so ein Dackelverschnitt. Diese war auf meinem Grundstück schon die Tage zuvor immer ganz aufgeregt gewesen, hatte gebellt und war unentwegt um mein kleines Holzhäuschen rumgerannt. Mehrfach war sie sogar schon in eine kleine Lücke unter das leicht erhöht stehende Häuschen gekrochen. Dort müssen Mäuse sein, dachte ich mir.

    Ein Loch am Eingang

    Auch an diesem Morgen war sie ganz ausser sich und schnüffelte wild herum, während ich meine Hühner versorgte. Plötzlich aber ertönte ein lautes Fauchen und Knurren, gefolgt von einem qualvollen Quietschen der Hündin. Sofort liess ich die Hühner Hühner sein und rannte zu der Stelle, wo das Geräusch herkam. Die Hündin stand direkt beim Eingang zu besagtem Loch und sah zwar einigermassen verzweifelt aus, wirkte aber sonst intakt. Ich rief sie zu mir, doch sie kam nicht. Konnte sie auch nicht. Die Leine, die ich zu Sicherheitszwecken an ihr gelassen hatte, befand sich unter dem Häuschen und schien dort festzustecken. So sehr sie sich auch bemühte, sie konnte sich nicht befreien.

    Also begann ich, selber am Hund und an der Leine zu ziehen. Doch die bewegte sich keinen Millimeter. Stattdessen ertönte nun erneut dieses furchteinflössende Geräusch, dieses Fauchen und Grollen. Der Schreck fuhr mir in die Glieder. Die Leine steckte nicht fest – etwas hielt sie fest! Unter dem Häuschen! Dieses Etwas versuchte, den Hund zu sich in die Höhle zu ziehen. Mit enormer Kraft und offensichtlich steigendem Missbehagen, wie dem Grollen unschwer zu entnehmen war.

    Das Monster reagierte sofort

    Was zur Hölle war das? Ich zog fester, bekam es aber gleichzeitig mit der Angst zu tun. Was, wenn dieses Wesen plötzlich aus seiner Deckung hervorkommen und mich in die Finger beissen würde? Ich gabs auf. Hastig öffnete ich den Karabiner, der die Leine mit dem Geschirr des Hundes verband, befreite den Vierbeiner aus seiner misslichen Lage und schaute, dass ich mit ihm auf dem Arm Land gewinne. Das Monster unter dem Haus reagierte sofort und zog die Leine zu sich.

    Weg war sie. Für immer verloren. Denn darunter fassen und sie dort wieder rausholen, das war mir dann doch zu wild. Notfallmässig bastelte ich aus Schnur eine Ersatzleine, um die Hündin davon abzuhalten, ihr Leben erneut aufs Spiel zu setzen und wieder unter das Haus zu kriechen. Sie war nämlich nicht halb so schockiert wie ich. Ich hingegen musste das Erlebte erst mal verarbeiten – und mich schlau machen, was das für ein Wesen gewesen sein könnte, dass sich da bei mir breit gemacht hat.

    Einen Verdacht hatte ich bereits, der sich dann bei meiner Recherche erhärtete: Ein Dachs hatte sich hier häuslich eingerichtet! Verdenken kann ich es ihm nicht. Auch nicht, dass er sich gegen die aufdringliche Hündin zur Wehr setzen wollte. Doch was passiert wäre, wenn er sie zu sich unters Haus gezogen hätte, das will ich mir gar nicht ausmalen.

  • Regisseur Roman Vital brachte «Herbstfeuer» nach Höngg

    Regisseur Roman Vital brachte «Herbstfeuer» nach Höngg

    «Wenn die Leute nicht ins Kino können, muss halt das Kino zu ihnen», sagt Roman Vital. Tatsächlich begrüsst der Regisseur die Gäste im reformierten Kirchgemeindehaus Höngg mit seinem Pop-up-Kino persönlich. Er zeigt dort seinen Dokumentarfilm «Herbstfeuer». Für Vital selbst ist es etwas Besonderes, sein Werk nun auch im eigenen Quartier zeigen zu können. «Ich fand es so schön, dass Nachbarn kommen. Durch das Flyer-Verteilen in die Briefkästen erlebte ich das Quartier wieder von einer neuen Seite.»

    Im Zentrum von «Herbstfeuer» steht der Brand des traditionsreichen Grandhotels Waldhaus Vulpera im Unterengadin im Jahr 1989. Das imposante Gebäude im Stil der Neorenaissance galt einst als Treffpunkt der internationalen Elite: Bundesräte, Schriftsteller, reiche Geschäftsleute und indische Prinzessinnen logierten dort. Der Brand verursachte einen Schaden von rund 30 Millionen Franken – die Ursache blieb ungeklärt.

    Herbstfeuer – Ein Film von Roman Vital

    Im Film begleitet Vital den damaligen Hoteldirektor Rolf Zollinger, der bis heute nicht von den Ereignissen loskommt. Jahrzehnte später rollt Zollinger gemeinsam mit einem pensionierten Ermittler den Fall nochmals auf. Er hatte die Hoffnung, endlich Antworten zu finden. Vital interessierte weniger der Kriminalfall selbst als die psychologische Dimension. «Es geht im Film um das Loslassen und darum, dass wir nie die ganze Wahrheit sehen können», erklärt der Regisseur.

    Persönliche Verbindung

    Der Film ist für Vital ein sehr persönliches Projekt. Der damalige Hoteldirektor Rolf Zollinger ist sein Götti. Lange hatte er kaum Kontakt zu ihm. Erst ein intensives Gespräch vor einigen Jahren änderte das. «Er erzählte mir die ganze Geschichte des Brandes in dreieinhalb Stunden», erinnert sich Vital. «Da wurde mir bewusst, dass seine Geschichte etwas Universelles hat.»

    Die Recherchen begannen bereits vor fünf Jahren. Vital führte zahlreiche Gespräche, sichtete Archivmaterial und traf die beteiligten Personen mehrfach. Besonders wichtig war ihm dabei, verschiedene Perspektiven einzubeziehen. «Wenn wir nur eine Perspektive haben, hängt man in einer Welt fest, in der man sich eine einseitige Geschichte konstruiert.»

    Der Film lebt stark vom Gegensatz seiner Hauptfiguren: «Ich habe einen emotionalen Hoteldirektor und einen faktenbasierten Kommissar. Das gibt per se schon eine gute Konstellation», sagt Vital. Immer wieder stellt der Film die Frage, wie Menschen mit Schicksalsschlägen umgehen und wie weit Wahrheit überhaupt eindeutig feststellbar ist. Dabei sei das Thema universell. «Der Film hat viele Andockpunkte zum eigenen Leben und löst Erinnerungen aus», sagt Vital. Gerade deshalb seien die Reaktionen des Publikums sehr unterschiedlich.

    Bewegende Reaktionen

    Viele Filmfans, die das Pop-up-Kino besuchten, verbanden persönliche Erinnerungen mit dem Hotel oder der Region. Heidi Bader aus Dielsdorf kam aus emotionalen Gründen an die Vorstellung. Ihr Mann war früher Wanderleiter im Hotel und die beiden wohnten damals oft selbst im «Vulpera». «Der Film war tiefgründig und gut», meint sie nach dem Film. Das offene Ende beschäftige sie aber noch.

    Auch Ines Bernasconi aus Uetikon-Waldegg erinnert sich an Ferien als Kind im «Vulpera»: «Bis zum Brand waren meine Eltern jedes Jahr dort. Wir sind alle Wege abgewandert.» Besonders geblieben seien ihr das grosse 1.-August-Buffet und das Feuerwerk. «Mir gefiel die Geschichte von Zollinger und zu sehen, dass es ihm heute gut geht. Ich hätte mir aber gewünscht, dass im Film noch mehr zur Brandursache herauskommt.» Gabrielle Guckelberger aus Höngg sieht die Länge des Films ambivalent: «Gewisse Szenen waren etwas lang. Aber das war wohl nötig, um Details auszubeineln.» Als Engadin-Fan habe sie den Film dennoch sehr spannend gefunden.


    Im reformierten Kirchgemeindehaus Höngg zeigte Roman Vital vier Vorstellungen seines Filmes. (Foto: jao)

    Neben dem Film selbst stiess auch das kleine Quartierkino von Vital auf viel Sympathie. Esther Hiltebrand und Margrit Castelmur schätzen das unkomplizierte Angebot in Höngg. «Das ist ganz herzig so. Es braucht eigentlich gar keinen grosser Saal dafür», sagt Castelmur. Und Hiltebrand ergänzt: «Es ist toll, dass wir nicht extra in die Stadt müssen.» Genau darum geht es Vital mit seinem Pop-up-Kino-Konzept: Filme dorthin zu bringen, wo klassische Kinos verschwunden sind oder kaum mehr stattfinden.

  • Kunst aus Höngg – mitten in Paris

    Kunst aus Höngg – mitten in Paris

    Vor rund einem Monat erreichte die Redaktion der «Höngger Zeitung» eine Einladung. Absender war die Galerie Andres Thalmann an der Rue du Faubourg Saint-Honoré in Paris, unweit des Place de la Concorde, im 8. Arrondissement. Sie zeigt neue Arbeiten der Künstlerin Barbara Ellmerer, die in Höngg lebt; die Vernissage fand bereits Mitte März statt. Wir, die Lokalredaktion, schafften es leider nicht in die Stadt an der Seine, wurden aber neugierig.

    «Vibrations des plantes» nennt sich die Ausstellung, also das Vibrieren der Pflanzen. Das kommt nicht von ungefähr, widmet sich die Künstlerin doch mit grosser Leidenschaft der Flora: Exotische Pflanzen oder Bäume, deren Wachsen sie auch am Höngger Berg beobachtet. In ihren Werken geht sie über das Auge des Betrachters hinaus und lässt das Innenleben der Pflanzen nach aussen treten.

    So schreibt die Galerie Andres Thalmann in der Einladung: «Ellmerers Pinselführung transformiert Schwingungen, Ströme und Verdichtungen in Schichten vibrierender Farben.»

    In der Welt zuhause


    Die Höngger Künstlerin Barbara Ellmerer. (Foto: Carina Andres Thalmann)

    Ellmerer ist inzwischen wieder zurück in Zürich. Hier arbeitet sie in ihrem Atelier in der ehemaligen Seidenfabrik und lebt weiter oben am Hönggerberg. Mit der Galerie Andres Thalmann mit Sitz in Zürich und Paris arbeitet sie schon länger zusammen; als Künstlerin böten sich ihr so viele Möglichkeiten. «Mir gefällt das internationale Programm der Galerie sowie deren Beteiligung an Kunstmessen in Mexiko, Deutschland und Frankreich», wie sie dem «Höngger» auf Nachfrage erklärt.

    Sie stellt ihre Arbeiten in der ganzen Welt vor. Ihre Werke waren unter anderem im Lalit Kala Akademi Museum in New Delhi (Indien), in der Casa Museo Mariátegui in Lima (Peru), auf der Chiang Mai Social Installation (CMSI) auf Einladung des Goethe-Instituts Bangkok (Thailand), im Musée d’art et d’histoire in Neuchâtel sowie im Kunsthaus Biel Centre d’art Bienne zu sehen – um nur einige zu nennen, wie es in der Einladung heisst.

    Die Ausstellung

    Ellmerer, die ursprünglich in Meiringen aufgewachsen ist, präsentiert ihre Kunst also von der Schweiz aus rund um den Globus. «In der aktuellen Ausstellung zeige ich meine wuchernden Pflanzenstücke, mal fast unsichtbar fein, mal farbig fluoreszierend, dabei immer das Innenleben, die Kräfte der Pflanze aufspürend», sagt sie.

    Sie folge dabei der bekannten Biologin Lynn Margulis auf ihre Weise in oft grossformatigen Malereien. In den aktuellen Werken bestimmen Pflanzen als gleichberechtigte Partnerinnen das Farbgeschehen, das in feinen Vernetzungen, sacht getönten Schichten, die Bilder bewegen lässt.


    Barbara Ellmerer, Vibrations 2026, Tusche auf Papier auf Aluminium. (Foto: Gerold Hänggi)

    Dem «Höngger» erklärt Ellmerer, dass sie durch ihre Arbeit die Symbiose zwischen Pflanzen, Pilzen und Bäumen durchaus als Allegorie auf die Menschen und ihre Handlungen sehe. Statt im ständigen Kampf verbunden zu sein, sollten wir lernen, die Symbiose zu leben. «Biologie ist die Lehre des Lebens», sagt sie – und widerspricht damit im gewissen Sinne Darwin («Survival of the Fittest»). Nicht Konkurrenz, sondern Zusammenarbeit sichere das Überleben der Menschheit.

    Nun lädt die Künstlerin ein, sich in diese «vibrierenden Bildfelder hineinzubegeben und Malerei als Prozess von Umbruch und Transformation zu erfahren», wie die Galerie schreibt. Einige Bilder in Ölfarben, die nun nahe dem Élysée-Palast zu sehen sind, habe sie bereits vor einiger Zeit fertiggestellt, so Ellmerer, während weitere Werke, mit Kalligraphie-Tusche gemalt, für «Vibrations des plantes» geschaffen wurden.

    Höngg ist der Lebensmittelpunkt

    Auch wenn Ellmerer mit ihrer Kunst um die Welt reist, ist Höngg ihr Lebensmittelpunkt. «Ich habe hier das Wasser der Limmat und den Nebel auf dem Hönggerberg», sagt sie. Es sei die hiesige Natur, die sie immer wieder anrege und zum Arbeiten motiviere. Aber auch das Internationale: «Die ETH auf dem Hönggerberg verleiht Impulse für die Umgebung, das finde ich spannend», sagt Ellmerer.

    Bald wird sie aber wieder nach Paris reisen; ihre Bilder sind dort noch bis am 23. Mai zu sehen. Am 6. Mai ist sie dort zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

  • Visionen einer anderen Landwirtschaft: Auf dem Beckihof in Höngg

    Visionen einer anderen Landwirtschaft: Auf dem Beckihof in Höngg

    Den Beckihof kennen wahrscheinlich nur die wenigsten in Höngg, denn er ist gut versteckt: Am schmalen Weg, der vom Schulhaus Rütihof hinunter zum Frankental führt, liegt das kleine Haus mit dem 5000 Quadratmeter grossen Landwirtschaftsland. Rund 100 Jahre lang war der Hof im Besitz der Familie Schwarzenbach, später Gnägi, die hier bis in die 80er-Jahre Landwirtschaft betrieb.

    Im Jahr 2022 verkauften es die Nachkommen der Familie, doch da es sich nach wie vor um Landwirtschaftsland handelte, konnte es nur von Personen erworben werden, die eine entsprechende Ausbildung absolviert hatten. Ein Glück für Anina Gmür und Andreas Tröndle: Gmür war neben ihrer Tätigkeit als Filmemacherin und Kamerafrau auch Landwirtin und auf der Suche nach einem Hof. Sie wollte ihre Vision eines städtischen Permakultur-Pilotprojekts verwirklichen.

    Ein Tanz mit der Natur

    Mit ihrer Idee vermochten die beiden die Verantwortlichen zu überzeugen – das Projekt Beckihof konnte starten. Hier begegnen sich die beiden Leidenschaften von Gmür und Tröndle: die nachhaltige Landwirtschaft und der «5Rhythmen»-Tanz, eine freie, meditative Tanzpraxis, die Bewegung, Musik und Selbsterfahrung verbindet. Das sind zwei Dinge, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich und weit voneinander entfernt wirken.

    Und doch, so erklären beide, sind sie näher beieinander, als man annehmen könnte: Denn Permakultur, so erklärte es bereits Bill Mollison, der Begründer dieser Landwirtschaftsform, ist wie Tanzen mit der Natur: «Permaculture is dancing with nature, and nature leads the dance.»


    Andreas Tröndle verbindet Permakultur und Tanz. (Foto: Anina Gmür)

    Beobachten und kopieren

    Konkret gehe es bei der Permakultur darum, die Natur zu beobachten und von natürlichen Ökosystemen zu lernen, so Gmür. Vor dem Pflanzen werden daher der Boden, die Wasserflüsse, die vorhandenen Pflanzen und das Mikroklima studiert. Der Anbau erfolgt in mehrschichtigen Pflanzensystemen, die ähnlich wie der Wald aufgebaut sind: Kräuter, Gemüse, Beerensträucher und Obstbäume wachsen nicht getrennt, sondern ergänzen und unterstützen sich gegenseitig.


    Anina Gmür in ihrem Element. (Foto: Giovanni Baroni/Pachamama Festival)

    Solche Ökosysteme im Kleinformat sind, anders als Monokulturen, nachhaltig und auch in der Lage, schwierige Wetterverhältnisse wie Starkregen oder Trockenperioden zu überstehen – und haben als Systeme damit dauerhaften Bestand. Was Gmür erntet, verwertet sie bis anhin noch selber oder verkauft die Produkte an Anlässen.

    In Zukunft kann sie sich jedoch auch vorstellen, diese vor Ort zu verkaufen – oder im Sinne einer solidarischen Landwirtschaft gemeinsam mit anderen Interessierten anzubauen und in Form von Abos abzugeben.

    Idee soll überschwappen

    Ihre Herangehensweise beschränke sich jedoch, so Gmür, keineswegs nur auf die Landwirtschaft, sondern lasse sich auf viele weitere Lebensbereiche ausweiten. So haben Gmür und Tröndle etwa das alte Bauernhaus im Sinne der Permakultur saniert und nachhaltige Baumaterialien verwendet, mit einer Regenwasserversorgung und einer nachhaltigen Heizung ausgestattet.

    Und ganz generell ist es dem Paar ein Anliegen, eine Vision davon aufzubauen, wie ein Leben in Einklang mit der Natur in unserer Gesellschaft aussehen könnte. Das, so erklärt sie, «ist auch im Kleinsten möglich, auf dem Balkon, auf freien Flächen, Dächern in der Stadt oder in Gemeinschaftsgärten.»

    Genau aus diesem Grund haben sie sich für das Projekt auch ein Haus in der Stadt ausgesucht: «Auf dem Land gibt es schon viele Permakulturprojekte. In der Stadt aber sind diese noch nicht so geläufig. Dabei ist hier das Potenzial besonders gross. Und wer weiss, vielleicht schwappt von unseren Ideen auch etwas in die Nachbarschaft über?»

    Um über ihre Ansätze zu informieren, bietet Gmür deshalb verschiedene Weiterbildungen an: So kann man hier etwa einen Einführungskurs in die urbane Permakultur besuchen oder eine zweijährige Ausbildung in «Permakultur Design» absolvieren. Neben den theoretischen Inputs finden vor Ort auch gleich praktische Arbeitseinsätze statt, etwa der Bau einer Trockensteinmauer.

    Musik hält alles zusammen

    Just bei einem dieser Arbeitseinsätze wurde jüngst auch die Verbindung zwischen Tröndles musikalischer Passion und Gmürs Landwirtschaftsvision spürbar: Er begleitete die eher anstrengende Tätigkeit des Mauerbaus musikalisch – und damit wurde aus der Arbeit eine freudvolle Beschäftigung. «Das ist eine der grossen Qualitäten von Andreas», erklärt Gmür.

    «Er kann mit der Musik und dem Tanz Räume für Hunderte von Menschen öffnen, sie zusammenführen.» Das sei auch der Grund, weshalb die beiden sich so gut ergänzten: «Ich bin die praktische, die sieht, was notwendig ist und das umsetzt, er gibt dem Ganzen mit seiner Musik und dem Tanz eine spielerische und bewegte Energie.»

    Regelmässig finden deshalb auf dem Hof Tanzanlässe statt, immer mit Kopfhörern. So hat jeder Teilnehmende für sich sein eigenes intensives musikalisches Erlebnis, die Umgebung wird dadurch jedoch nicht gestört. «Tanzen», so erklärt der diplomierte Theologe Tröndle, der früher als Jugendseelsorger tätig war, «bedeutet für mich, mit der Natur und dem eigenen Körper in Verbindung zu gehen.»

    Das habe etwas sehr Spirituelles. Genauso wie eine Landwirtschaft, die sich im Einklang mit der Natur befindet.

  • Im Wasser ohne Grenzen: Trainieren im Bläsi trotz Handicap

    Im Wasser ohne Grenzen: Trainieren im Bläsi trotz Handicap

    Draussen schneits – zum wiederholten Mal diese Woche. Der Frühling verlängert seine Pause wohl noch um ein paar Tage. Doch das macht den Badegästen, die sich im städtischen Hallenbad Bläsi einfinden, nichts aus. Im Gegenteil: Im Bad sind die Temperaturen angenehm warm, das Wasser auf 29 Grad geheizt, da lässt es sich gut aushalten.

    Das wissen auch die Personen zu schätzen, die heute wie an jedem Dienstagnachmittag hier trainieren: Der Behinderten-Sport Club Zürich (BSCZ) hat die äusseren zwei Bahnen für sich reserviert. Drei Teilnehmenden befinden sich bereits im Wasser, selbstständig oder mit Unterstützung von Kursleiterin Erika Köchling ziehen sie ihre Bahnen.

    Andere stossen später dazu, die erste Gruppe kann flexibel von 17 bis 18.30 Uhr trainieren, danach ist bis 20 Uhr die zweite Gruppe an der Reihe.

    Wenn das Schicksal zuschlägt

    Die Badegäste kommen nicht nur aus Höngg, sondern aus der ganzen Stadt Zürich – und sogar von weiter her. So reist etwa Lina seit ihrem Wegzug aus der Stadt Zürich allwöchentlich aus dem Aargau an, weil es in ihrer Nähe kein derartiges Angebot gibt.

    Andere haben es weniger weit – wie Peter, der in Höngg zu Hause ist. Er hat schon seine Kindheit hier im Quartier verbracht und war sogar einmal, wie er berichtet, der schnellste Höngger im 80-Meter-Lauf. Damals strebte er noch eine Laufbahn als Sportlehrer an und stand kurz vor seiner Ausbildung, als ein Autounfall seine Pläne jäh durchkreuzte. Lange lag er im Koma und war mehrere Jahre auf den Rollstuhl angewiesen, doch er kämpfte sich zurück – und nimmt das Sportangebot des Vereins nun gerne in Anspruch.

    Mit Rettungsschwimmer-Kurs dabei

    Auch Olaf Reinecke ist regelmässig als Helfer dabei. Seit seiner Pensionierung vor anderthalb Jahren engagiert er sich im Verein nicht nur als Helfer, sondern auch als Vorstandsmitglied. Heute ist er für den Empfang zuständig und wartet im Eingangsbereich des Hallenbads auf die Ankommenden.

    «Ich bin selbst gerne im Hallenbad und ziehe hier meine Bahnen. Nach der Pensionierung wollte ich mich gerne sinnvoll engagieren und habe mich dem Verein angeschlossen», erklärt er seine Motivation.

    Doch er ist nicht der Einzige, der die Teilnehmenden heute unterstützt. Weil viele in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind und bei der sportlichen Betätigung auf Hilfe angewiesen sind, ist eine grosse Anzahl von aktiven Freiwilligen nötig, um das Angebot durchführen zu können.

    So sind ausser Reinecke und der Kursleiterin Köchling heute noch vier weitere Vereinsmitglieder zugegen: eine Assistentin im Wasser, welche die Teilnehmenden unterstützt, sowie drei weitere Mitglieder am Beckenrand, die beim Umkleiden behilflich sind und während dem Schwimmen vom Beckenrand aus den Überblick über das Geschehen im Wasser behalten.

    Ein wenig Fachwissen ist nötig, um alle Teilnehmenden optimal zu unterstützen: So hat Reinecke einen eintägigen Rettungsschwimmkurs besucht, um als Helfer aktiv werden zu können. Wer die Schwimmenden im Wasser unterstützen möchte, muss einen mehrtägigen Ausbildungskurs besuchen, die Kursleiterin hat sogar eine mehrwöchige Ausbildung absolviert und ist neben ihrer Tätigkeit im BSCZ noch an zahlreichen weiteren Orten als Schwimmlehrerin und -trainerin aktiv.

    Freiwillige immer willkommen

    Der BSCZ kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Bereits seit 1958 bietet er Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen aus der ganzen Stadt zu einem geringen Betrag betreute Sportangebote an. Die Schwimmkurse gehören zu den wichtigsten Angeboten, weil durch den Auftrieb im Wasser auch für Menschen mit starker körperlicher Beeinträchtigung eine fast schwerelose Bewegung möglich ist.

    Darüber hinaus wird im BSCZ aber auch geturnt sowie Badminton und Torball gespielt. Wettkämpfe und festliche Anlässe ergänzen das Jahresprogramm. Insgesamt zählt der Verein rund 320 Mitglieder, davon circa 200 Aktive. Doch der Bedarf an weiteren Personen, die helfen wollen, ist gross.

    Unterstützung willkommen

    Wer Interesse hat, den Behinderten-Sport Club Zürich als Freiwilliger zu unter­stützen, findet auf der Plattform karmalama.ch weitere Informationen.

    Der grösste Kostenblock des Vereins sind die verbandsüblichen Entschädigungen an die Freiwilligen.

    Für eine kostendeckende Finanzierung ist der BSCZ neben den Zuwendungen des BSV und des Verbands auf Spenden und Sponsoren angewiesen.

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  • Beatrice Egli und «Heimweh»: Videodreh auf dem Hönggerberg

    Beatrice Egli und «Heimweh»: Videodreh auf dem Hönggerberg

    Es benötigte wohl etwas fröhliche Urbanität, gepaart mit einem Schuss Landleben: Klar, da kommt nur Höngg infrage. Genauer: der Hönggerberg. Dieser ist nämlich jüngst Schauplatz zweier sehr erfolgreicher Schweizer Acts. Die Rede ist von Beatrice Egli und dem Chor «Heimweh».

    Die Schlagersängerin und der Männerchor präsentierten diese Woche bei den Swiss Music Awards ein gemeinsames Lied: «So schön cha s’Läbe si» nennt sich das Werk; geschrieben und produziert wurde es laut «Blick» von Georg Schlunegger.

    Auf dem «Hönggi»

    In heutigen Zeiten benötigt ein Song ein Video – oder sogar mehrere Clips –, um ein Hit zu werden. Daher zogen die Schlagerkönigin sowie Bernhard Betschart und Daniel Arnold von «Heimweh» auf den Hönggerberg, um dem schönen Leben auch vor der Linse zu frönen.

    «So schön cha s Läbe si» – Beatrice Egli und Heimweh

    Wie die «Höngger»-Redaktion erfahren hat, suchte die Produktionsfirma Hitmill offenbar einen Ort mit Blick über Zürich – da empfiehlt sich der «Hönggi» ganz besonders. Der Wind sei zwar stark gewesen, zudem eher kalt. Dennoch konnten einige Szenen gedreht werden: In einem der Promoclips sieht man die drei tatsächlich auf einem roten Bänkli des hiesigen Verschönerungsvereins sitzen.

    Verschmiertes Bänkli

    Im Prinzip setzten sie sich auf die Lehne, die Schuhe auf der Sitzfläche. Gut, darüber lässt sich diskutieren. Und auch wenn die drei nun von Schönheit singen, sieht man doch, dass das besagte Bänkli zum Opfer von Sprayereien wurde. Der Vandalismus ist ein Problem für den Verschönerungsverein, wie der «Höngger» schon oft berichtete.

    So weist der visuelle Teil des Lieds «So schön cha s’Läbe si», das – ebenfalls laut «Blick» – eine Hymne ans Leben und an die Schweiz sein soll, auch ein wenig auf die nicht immer schöne Realität hin.