Kategorie: Architektur

  • Ein Holzbau der besonderen Art

    Ein Holzbau der besonderen Art

    Das «House of Natural Resources (HoNR)» steht am nördlichen Rand des Hochschulgeländes auf dem Hönggerberg. Es gehört zur Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie und beherbergt Forschungsabteilungen und Büroräumlichkeiten. Doch geforscht wird nicht nur im Inneren des Gebäudes, vielmehr ist das Haus selbst ein ganz eigenes Forschungsprojekt – allerdings nicht hydrologischer, sondern eher ingenieurstechnischer Natur. Der Holzbau stellt ein Pilotprojekt dar, mit dem das Ziel verfolgt werden soll, «innovative und effiziente Holzkonstruktionen aus Laubhölzern» zu entwickeln, wie es auf der Website des Gebäudes heisst. Sechs verschiedene Institute der Departemente Bau und Umwelt sowie Architektur waren am Bau beteiligt und konnten ihre Forschungsergebnisse direkt anwenden.

    Tragekonstruktion aus Holz

    Das 2015 erbaute Bauwerk besteht aus drei Stockwerken. Der Sockel des Hauses, das unterste Stockwerk, ist aus Beton gefertigt, die beiden darüberliegenden aus Holz. Damit ist das «House of Natural Resources» das erste Bürogebäude der ETH mit einer rein aus Holz bestehenden Trägerstruktur.
    Das «Skelett» des Hauses bildet eine neuartige Rahmenkonstruktion, welche in der Forschung der ETH entwickelt wurde. Diese besteht aus einem System von vorgefertigten Holzträgern und -stützen, welche vor Ort zusammengesteckt wurden. Stabilisiert und zentriert wird das Ganze durch Stahlseile, die sich in einem innen liegenden Loch des Trägers befinden und aussen am Gebäude verankert wurden. In den Rahmen wurden anschliessend die Decken der Stockwerke eingelassen. Materialmässig von der Konstruktion gänzlich unabhängig ist die Fassade des Gebäudes, welche überwiegend aus Glas besteht.

    Nachhaltige Materialien und Bauweise

    Für den Bau wurden verschiedene Holzarten verwendet: Während die Pfeiler der Tragekonstruktion vorwiegend aus Eschenholz bestehen, sind die Träger als Hybrid aus Fichten- und Eschenholz gefertigt. Die Decken des Gebäudes und der einzelnen Stockwerke wiederum bestehen aus einer Holz-Betonverbunddecke unter Verwendung von Buchen-Furnierschichtholz. Für die Wände wurden Fichten- und Eschenholz verwendet.
    Die Holzbauweise ist nicht nur optisch attraktiv, sondern habe auch weitere Vorteile, wie der am Projekt beteiligte Bauingenieur Michael Klippel erklärt: «Holz ist lokal vorhanden und wächst nach. Damit ist es bei richtigem Einsatz ein sehr nachhaltiges Material. Mit diesem lässt sich eine hohe Qualität erzielen.» Ausserdem könne man vergleichsweise schnell bauen, da sich vieles vorfabrizieren lasse. «Holz ist aus meiner Sicht ganz klar der Baustoff des 21. Jahrhunderts. In der Schweiz haben wir ausreichend Holz, das wir zum Bau von Gebäuden verwenden können. Damit leisten wir einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Wenn man Holz mit anderen Materialien kombiniert, die wie Lehm und nachwachsende Isolationsmaterialien in der Produktion sehr CO2-arm sind, könnte man heute in der Schweiz bis zu 30 Meter hohe Gebäude realisieren», so Klippel weiter.

    Ganzes Haus wird vermessen

    Um zu untersuchen, wie sich das Holz bei verschiedenen Belastungen über die Lebensdauer verhält, sind im ganzen Haus Sensoren angebracht. So kann etwa festgestellt werden, wie das Material auf Temperaturschwankungen reagiert, wie sich die Kräfte innerhalb des Holzskeletts verteilen, wie die Spannseile funktionieren oder wie sich eine Änderung der Feuchtigkeit auf die Konstruktion auswirkt.  
    Durch die kontinuierlichen Messungen erhalte man wichtige Daten zur Optimierung der angewendeten Bemessungsmodelle. Zum anderen könne man auch reagieren, falls die Messungen unerwartete Werte anzeigten, sagt Klippel.  

    Einladung zu einer exklusiven Führung

    Wer mehr zu diesem Gebäude erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, an der von der ETH Zürich und dem «Höngger» gemeinsam organisierten Führung am 7. April teilzunehmen. Der in Höngg wohnende Bauingenieur Michael Klippel wird an diesem Abend vor Ort  Interessierten Einblicke in die Entstehungsgeschichte, Konstruktion und Forschung am Bauwerk gewähren und allen Fragen Rede und Antwort stehen.

    Exklusive Führung «House of Natural Ressources» für “Höngger”-Leser*innen

    Organisiert von der ETH Zürich und der Höngger Zeitung
    Donnerstag, 7. April
    18.00 Uhr
    Führung ca. 1 Stunde, anschliessend Apéro
    Anmeldung per Email an redaktion@hoengger.ch bis spätestens 1. April. Die Anzahl Plätze ist begrenzt.

  • Genossenschaftliches Wohnen im Rütihof

    Genossenschaftliches Wohnen im Rütihof

    Bis in die 70er-Jahre war der Rütihof nicht viel mehr als ein paar Bauernhöfe, bestehend aus einer Handvoll Gebäude, direkt an der Stadtgrenze gelegen, vom Zentrum Hönggs weit entfernt. 1979 aber beschloss der Gemeinderat die Umzonung des Landwirtschaftslandes in Bauland, die grosse Bauphase begann. Diverse Baugenossenschaften liessen sich hier nieder und bilden heute einen grossen Komplex von Siedlungen im gemeinnützigen Wohnungsbau. 

    Vom Bauernhof zur Siedlung

    Zu den ersten, die im Rütihof zu bauen begannen, gehörte die «Allgemeine Baugenossenschaft Zürich» (ABZ). Wie die Präsidentin der Genossenschaft, Nathanea Elte, berichtet, erhielt die ABZ «das Bauland zu Beginn der 80er-Jahre von der Firma Siemens im Tausch gegen zwölf Einfamilienhäuser in Albisrieden.» 1983/84 erstellten die Architekten Schwarzenbach und Maurer das charakteristische hufeisenförmige Gebäude zwischen Rütihof- und Geeringstrasse. Auf sechs Stockwerken beinhaltet es 111 Wohnungen, ein Restaurant, ein Lebensmittelgeschäft sowie einen Coiffeursalon. 1990 konnte auch die Siedlung «Rütihof 2» bezogen werden, bestehend aus einer Häuserzeile mit weiteren 46 Wohnungen, zusätzlichen Gewerberäumen und einem Kindergarten.

    Das Konzept: Wohnen für alle

    Der Name «Allgemeine Baugenossenschaft» beinhaltet bereits das Konzept der 1916 in Zeiten schwerer Wohnungsnot gegründeten Genossenschaft: hier soll jede*r Mitglied werden können. Die Strategie der ABZ, so erklärt es Elte, sei es bis heute, «vor allem denjenigen Wohnungen zu vermitteln, die es sonst schwer haben auf dem Wohnungsmarkt.» Daher finden sich bei der Genossenschaft verhältnismässig viele Mitglieder im niedrigeren Einkommensspektrum.
    Die Wohnungen der Siedlung im Rütihof sind für alle Altersklassen und Familiengrössen konzipiert – von 1.5 bis zu 5.5-Zimmerwohnungen. Bei der Gestaltung der Wohnungen achte die Genossenschaft darauf, «diese möglichst zu optimieren, das heisst, wenig Verkehrsfläche und nicht nutzbaren Raum zu schaffen. Auf aufwändige Details wird zugunsten einer günstigeren Miete verzichtet.»

    Sonnengarten: mehr als 200 Wohnungen

    Eine weitere grosse Genossenschaft, die bereits in den frühen 80er-Jahren im Rütihof Fuss fasste, ist die «Baugenossenschaft Sonnengarten». Diese wurde 1944 mit dem Ziel gegründet, nach dem Krieg in der Stadt für günstigen Wohnraum zu sorgen. 1981 erwarb sie im Rütihof mehrere Parzellen im Baurecht. Die Architekten Guhl, Lechner und Partner entwarfen drei dreistöckige Häuserzeilen, die sich um einen Hof gruppieren.
    In insgesamt drei Etappen wuchs die Sonnengarten-Siedlung mit der Erweiterung um drei lange Häuserzeilen sowie einen würfelförmigen Bau bis Ende der 90er-Jahre schliesslich zu ihrer jetzigen Grösse heran und beherbergt nun neben mehr als 200 Wohnungen auch ein Café, einen Hort, Alters- bzw. Jugendwohnungen sowie eine Töpferwerkstatt.
    Die Wohnungen stellen primär kostengünstigen Wohnraum für junge Familien zur Verfügung. Es befinden sich nur wenige kleinere Wohnungen in der Siedlung, das Gros sind Wohnungen mit einer Grösse von 3.5 bis 5.5 Zimmern. Wichtig sei der Genossenschaft, so Silvia Hochrein, Leiterin Immobilien bei der Baugenossenschaft, dass es «für alle etwas dabei hat. Wir sind primär für Geringverdienende da, achten aber auch auf eine gute Durchmischung. Dies ist uns sehr wichtig.»


    Siedlung Rütihof 1 der Baugenossenschaft Sonnengarten. Die Häuser im Hintergrund gehören zur Baugenossenschaft des Kaufmännischen Verbands Zürich. (Foto: Dagmar Schräder)

    Bauen für den Mittelstand

    Eine sehr lokale Genossenschaft mit einem etwas anderen Background ist die liberale Baugenossenschaft, LBG. Diese wurde 1981 auf Initiative bürgerlicher Politiker*innen aus Höngg und Wipkingen sowie kleiner Gewerbetreibender gegründet. Der gemeinnützige Genossenschaftsbau zu jener Zeit, so erklärt Hans Ueli Affolter, Präsident der Genossenschaft, «war damals eher von biederer Struktur und primär kostengünstig. Dem wollte die LBG etwas Grosszügigeres gegenüberstellen und auch dem Mittelstand erschwingliche Wohnungen zur Verfügung stellen».
    1982 erhielt die LBG eine Parzelle im Rütihof im Baurecht und realisierte 1986 ihr Projekt mit 61 Wohnungen in vier Liegenschaften. Die Siedlung besteht aus einem Rundhaus und drei Reihenhäusern mit Maisonettewohnungen in einem terrassierten Bau, etwas aufwendiger und in den Grundrissen grösser als die Wohnungen der anderen Genossenschaften, dafür aber auch in einem etwas höheren Preissegment. Rund 120 Menschen bewohnen die kleine Siedlung. Während in den Reihenhäusern vorwiegend Familienwohnungen zu finden sind, beinhaltet das Rundhaus kleinere Wohnungen und ist mit einem Lift ausgestattet. 


    In den Hang gebaute Maisonettewohnungen mit grosszügigen Terrassen: die Siedlung der LBG im Rütihof (Foto: Ilias Islam)

    Gemeinschaft gestalten

    Was Genossenschaftssiedlungen ausmacht, ist aber nicht nur der erschwingliche Wohnraum auf Basis von Kostenmieten, sondern auch das Zusammenleben innerhalb der Überbauung. «Wichtig für uns ist das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Siedlung, neben der <Hardware> sozusagen die <Software> der Genossenschaft», erklärt etwa Elte. Schliesslich sind die Bewohner*innen bei ABZ und Sonnengarten nicht nur Mieter*innen, sondern auch Mitglieder und damit Anteilshaber*innen, welche über die Geschicke «ihrer» Genossenschaft mitentscheiden und diese mitgestalten können und sollen.
    Architektonisch versuchen die Genossenschaften mit verschiedenen Mitteln, Gemeinschaft zu fördern und gestalten – etwa über die im Halbkreis angeordneten Eingänge der ABZ-Siedlung, welche in einem Arkadengang rund um den Innenhof liegen und so mehr Begegnungen ermöglichen als Reihenhäuser. Oder die vom Grafiker Hansruedi Scheller mit verschiedenen Farben gestalteten Eingänge, die Identität schaffen und der Orientierung dienen sollen. Sehr wichtig sind auch die von den Bewohner*innen für verschiedenste Anlässe nutzbaren Gemeinschaftsräume sowie flexible Atelier- und Hobbyräume, welche individuell gemietet werden können.
    Ein ganz entscheidender Faktor sind zudem die für alle zugänglichen Aussenräume mit Spielplätzen und Grünanlagen. Hier haben sich die Ansprüche in den letzten vierzig Jahren gewandelt, so dass die Aussenräume bei allen drei Genossenschaften erneuert und neu gestaltet wurden. Bei der BG Sonnengarten wurden etwa die neuen Spielplätze im Mitwirkungsverfahren und unter Beteiligung der hier lebenden Kinder erstellt. Unter dem Motto «Gartenstadt» wird heute versucht, die «Stärken des Standortes mit den Bedürfnissen der Bewohner*innen zu verknüpfen», wie Hochrein erklärt. Auch bei der LGB wurden die Aussenräume aufgewertet. Eine funktionierende Biodiversität steht hier im Fokus, zudem haben sich Bewohner*innen zu einer «Urban Gardening»-Gruppe zusammengetan.


    Der «Raketenspielplatz» in der Siedlung der BG Sonnengarten wurde mit Hilfe der hier wohnenden Kinder entworfen. (Foto: Dagmar Schräder)

    Kleinstadt ohne grosse Infrastruktur

    Doch nicht nur die einzelne Genossenschaft ist für das Gemeinschaftsgefühl entscheidend, sondern auch das Gesamtgefüge des Wohnquartiers. Dieses ist seit den 80er-Jahren stark gewachsen – rund 4000 Menschen leben mittlerweile im Rütihof, Tendenz steigend. Weitere Genossenschaften wie die ASIG sind hinzugekommen, aber auch andere Institutionen sowie zahlreiche private Bauherren. Architektonisch resultiert daraus ein buntes Mischmasch an Stilrichtungen, wie der Architekturführer Zürich feststellt: «Auf die strengen Bauten der ersten Phase folgten die gemütlichen 1980er- und die verspielten 1990er-Jahre – alles in allem ein ziemliches Durcheinander an Stilen».
    Aus städteplanerischer Sicht und nach Ansicht vieler Quartieranwohner*innen ist in diesem «Durcheinander» trotz aller vorhandener Wohnqualität und der grossen Beliebtheit der Wohnlage noch Luft nach oben – vor allem in Bezug auf die Infrastruktur, welche nicht mit dem Quartier mitgewachsen ist. Gleichzeitig erweist sich die Lage für Gewerbe gerade wegen seiner Abgeschiedenheit als nicht ganz einfach – wie etwa das Beispiel des mittlerweile geschlossenen Restaurants Rütihof zeigt. Für die Zukunft und in Hinblick auf weitere geplante Bauprojekte besteht hier noch Optimierungspotenzial – um das Gemeinschafts- und Lebensgefühl innerhalb der «Kleinstadt» noch weiter verbessern zu können.


    Bild aus dem Jahr 1982: das grosse Bauen hat begonnen. (Foto: Archiv Höngger)
  • Ein architektonischer Rundgang

    Ein architektonischer Rundgang

    Neujahrsspaziergänge sind eine schöne Tradition. Warum also nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und bei einem Spaziergang gleich noch etwas über die Architektur in Höngg lernen? Die Höngger Architektin Regula Wüst hat sich die Zeit genommen, dem «Höngger» auf einem Rundgang durchs Quartier einige ihrer Lieblingshäuser zu zeigen und zu erklären, warum diese Gebäude sie besonders faszinieren.

    Nachhaltiges Bauen

    Die Runde startet an diesem frostig kalten Samstagnachmittag im Rütihof. Hier, ganz oben an der Hurdäckerstrasse, oberhalb des alten Dorfkerns, liegt die Überbauung «Sunny Woods» des Architekturbüros Kämpfen Zinke + Partner AG. «Diese 2001 fertiggestellte Überbauung im Minergie-Standard fasziniert mich, weil sie zu einer Zeit erbaut wurde, als es noch gar nicht üblich war, in diesen Standards zu bauen», erklärt Wüst. Der Holzbau ist mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ausgerüstet sowie mit Röhrenkollektoren, die die Balkongeländer bilden und für die Warmwasserbereitung zuständig sind.» Tatsächlich war es bei der Erstellung sogar das erste Mehrfamilienhaus der Schweiz, dem ein Nullheizenergiekonzept zugrunde lag. Die sechs zweigeschossigen Wohnungen haben jeweils den Charakter von Einfamilienhäusern, jede Wohnung hat durch Terrassen oder Balkone Zugang zum Aussenraum. «Mir gefällt der Bau zudem, weil er sich architektonisch gut in den alten Dorfkern einfügt. Das Holz altert auf natürliche Weise und behält so seinen lebendigen Charakter.»


    Schön gelegen und nachhaltig: Sunny Woods im Rütihof (Foto: Dagmar Schräder)

    Zeuge der Moderne

    Und weiter geht’s. Vorbei an den Gebäuden der Wohngenossenschaft «Kraftwerk», die für Wüst ebenfalls zu den interessanten Häusern gehören, jedoch an anderer Stelle noch ausführlicher thematisiert werden sollen, zum Schulhaus Riedhof. «Das Riedhof hat es mir sehr angetan», erklärt sie ihre Auswahl. «Hier wäre ich als Kind selbst gerne zur Schule gegangen. Die Lage direkt im Hang mit Blick über die Stadt und das Limmattal ist einmalig. Die langgezogenen, aber relativ niedrigen Körper und die Anordnung der Gebäude mit den verschiedenen Ebenen und Terrassen erscheinen mir sehr kindgerecht. Auch von innen ist der Bau durchdacht, mit kleinen Arbeitsnischen auf den Korridoren und Oberlichtern, die für Helligkeit sorgen.» Erstellt wurde das Gebäude in den frühen 60er-Jahren, Erstbezug war 1963. Architekt war Alfred Roth, ein wichtiger Vertreter der Moderne und des «neuen Bauens» und während einiger Jahre Mitarbeiter des berühmten Architekten Le Corbusier.


    Schulhaus Riedhof: Hier wäre die Architektin gerne noch einmal Schülerin. (Foto: Dagmar Schräder)

    In die Umgebung einfügen

    Die nächste Station ist wieder eine Wohnanlage, direkt neben dem Oberstufenschulhaus Lachenzelg an der Imbisbühlstrasse gelegen. Es handelt sich um ein neueres Mehrfamilienhaus der Architekten Gmür & Steib , 2008 realisiert. Das Gelände sei relativ schwierig zu bebauen gewesen, so Wüst, da es sich um ein sehr tiefes Grundstück gehandelt habe. So ist jetzt auch der Grundriss des Gebäudes mit einer Tiefe von 30 Metern nicht ganz alltäglich geworden. «Diese Besonderheit macht den Grundriss sehr interessant und führt zu ausserordentlich grosszügigen Wohnräumen – hat aber auch einen Nachteil: es ist nicht ganz einfach, für genügend Lichteinfall zu sorgen – insbesondere im Erdgeschoss», erläutert Wüst. Die Räume sind daher mit drei Metern sehr hoch gestaltet, um noch mehr Licht «einzufangen». Während das Haus auf der Vorderseite einen einheitlichen Riegel darstellt, weist der Grundriss zudem auf der Rückseite Vorsprünge auf, die durch weitere Ecken und Fensterfronten ebenfalls für besseren Lichteinfall sorgen.


    Tiefe Räume und hohe Decken sind charakteristisch für die Überbauung an der Imbisbühlstrasse. (Foto: Dagmar Schräder)

    Auch Beton hat ein Leben

    Bei der Siedlung Jakobsgut an der Limmattalstrasse schliesslich gerät Wüst ins Schwärmen. «Hier, direkt neben dem Tramdepot Wartau habe ich selbst mal gewohnt und war sehr zufrieden. Ich könnte mir durchaus vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt wieder in eine dieser Wohnungen einzuziehen.» Die Siedlung, bestehend aus zwei Riegelbauten und einem Punktbau, ist fast genauso alt wie das Schulhaus Riedhof und wurde zwischen 1966 und 1968 von Otto Glaus und Ruedi Lienhard erbaut. Auch diese beiden Architekten orientierten sich in ihrer Bauweise an Le Corbusier, Otto Glaus arbeitete vor seinem Studium im Atelier von Le Corbusier. So sind sämtliche Abmessungen der Gebäude genau nach dem für Corbusier bekannten Masssystem, dem «Modulor» konzipiert. Dabei werden für ein natürliches Wohngefühl Längenmasse und -verhältnisse entwickelt, welche sich ausschliesslich auf den Goldenen Schnitt und aus Proportionen des menschlichen Körpers beziehen. «Die Wohnungsgrundrisse sind sehr spannend, die Wohnungen lichtdurchflutet. Zur Auflockerung trägt auch der grüne Innenhof bei, der sich zwischen den drei Gebäuden befindet», erläutert Wüst. Das Besondere an dieser Siedlung aber, so Wüst, sei die spielerische Verwendung des rohen Betons als Baumaterial. «Basierend auf dem internationalen Brutalismus entwickelte sich in der Schweiz eine plastische Tendenz in der Architektur, welche in diesem Projekt besonders gut zu erkennen ist. Überall ist die Fassade von Balkonen, kleinen Vorsprüngen und ausgestalteten Ecken durchsetzt, jedes Element ist anders geformt. Diese Häuser sind aus meiner Sicht wirklich einmalig. Heute wäre so eine Bauweise unbezahlbar.» Und auch wer sich auf den ersten Blick nicht für den rohen Beton begeistern kann, muss auf den zweiten Blick erkennen, dass die Fassaden dieser Häuser keineswegs kalt und roh wirken. Auf dem Beton ist noch die Holzmaserung der Schalungsbretter zu erkennen, mittels derer die Betonwände gegossen wurden – der Rohstoff wirkt so sehr natürlich.


    Roher Beton mit viel Liebe zum Detail bei der Siedlung Jakobsgut. (Foto: Dagmar Schräder)

    Ein transparentes Haus

    Zum Abschluss des lehrreichen Spaziergangs, der nun schon fast zwei Stunden dauert, hat sich Wüst noch eine letzte Überbauung ausgesucht. Die Siedlung «Neuhaus» liegt an der Riedhofstrasse und ist wieder etwas neueren Datums. Zwischen 1998 und 2001 erstellte das Architekturbüro Frei/Ehrensperger die auffallenden Häuser mit der roten Klinkerfassade. «Die beiden Architekten lassen sich bei ihren Projekten gerne von asiatischen Bauweisen inspirieren», erklärt Wüst, die selbst einige Jahre in dem Büro beschäftigt war. Spannend sei dabei etwa die Ausgestaltung der Wohnungen, bei deren Grundrissen sich die Zimmer jeweils um einen relativ breiten Korridor gruppieren, der so fast wie ein eigenes Zimmer genutzt werden kann. «Transparenz» ist im Zusammenhang mit der Siedlung ein weiteres wichtiges Schlagwort: Die Architekten arbeiteten bei dem Bau mit sehr viel Glas, nicht nur durch grosse Fensterfronten, sondern auch durch transparente Raumteilungen. So entstehen immer wieder neue Sichtbezüge, zum Beispiel ist die Küche durch eine Scheibe vom Wohnraum abgetrennt, auch das Reduit weist eine Glastüre auf. Von aussen lässt sich dadurch via Küchenfenster quasi einmal quer durch die ganze Wohnung schauen.


    Die Siedlung Neuhaus fällt durch ihre rote Klinkerfassade auf. (Foto: Dagmar Schräder)

    Gelungene Integration

    Diese Überbauung, so Wüst, sei für sie – ähnlich wie auch der nachhaltige Bau Sunny Woods im Rütihof oder die Gebäude an der Imbisbühlstrasse – ein gutes Beispiel dafür, wie auch grössere Bauten mit verdichteter Bauweise harmonisch in bereits bestehende Quartierstrukturen eingefügt werden können – selbst in Gebieten, wo traditionellerweise sonst eher kleine Einfamilienhäuser zu finden sind. «Das», so Wüst, «gelingt leider auch hier in Höngg allzu oft nicht.»

  • Der Dorfplatz, der nie einer war

    Der Dorfplatz, der nie einer war

    Am Meierhofplatz sind ganz unterschiedliche Architekturstile vertreten. Ein Gebäude sticht in seiner Andersartigkeit jedoch besonders heraus: die Überbauung Zentrum Höngg, im Quartier besser bekannt als das «Rebstock-Gebäude». In den Jahren 1960 bis 1962 liess der Metzgermeister Heinrich den Neubau von den Architekten Hans Litz und Fritz Schwarz als eine Art alternatives Dorfzentrum errichten. Einst beherbergte es neben der Metzgerei und verschiedenen Geschäften auch ein Kino, eine Tankstelle, eine Bankfiliale und ein Restaurant. Sogar die Polizei war darin untergebracht. In den oberen Stockwerken fanden – wie heute noch – Wohnungen, Praxen und Büros Platz.

    Zeuge einer Zeit vor dem Umbruch, der nicht kam

    Um zu verstehen, wie es zu diesem ungewöhnlichen Bau kommen konnte, ist es nützlich, sich mit den zu dieser Zeit diskutierten Plänen der Verkehrsentwicklung auseinanderzusetzen. In den 60er Jahren träumte die Stadt Zürich von einem mehrspurigen Verkehrssystem und einem grossangelegten Einkaufsgebiet. Bereits 1959 war eine neue Baulinienverordnung in Kraft getreten, welche eine Verbreiterung der Regensdorfer- und Limmattalstrasse ermöglichen sollte, denn die Verkehrsverhältnisse liessen schon damals zu wünschen übrig. Diese Verschiebung der Baulinie zu Gunsten der Strasse hatte zur Folge, dass alle an den beiden Strassen liegenden Grundstücke angeschnitten und so jegliche Weiterentwicklung des Zentrums verhindert wurde. Denn wer ein altes Gebäude abriss, konnte das neue nicht mehr so nahe an die Strasse bauen. Der Abbruch des Gesellenhauses «Rebstock» am Meierhofplatz und die Errichtung einer Zentrumsüberbauung könnten als ein erster Schritt in Richtung mehr Strasse, weniger Platz verstanden werden oder wie im Quartierspiegel der Stadt zu lesen ist: «Man ging seinerzeit davon aus, dass die Limmattalstrasse vierspurig geführt werde, wozu man 30 Meter Strassenraum benötigte. Die Öffnung der Strasse am Meierhofplatz war also nicht als Andeutung eines Platzes gedacht, sondern als Vorwegnahme einer Hochleistungsstrasse».

    Alternatives Zentrum

    Architekt Peter Keller, wohnhaft in Höngg und lange an der ETH Hönggerberg berufstätig, interpretiert die Entscheidung des Eigentümers, dieses Haus so zu bauen, anders. Auf einem Spaziergang erläutert er seine Überlegungen: «Anfang der 60er Jahre, als alles durch diese Bauzonenordnung blockiert war und man nicht wusste, wie sich das Zentrum tatsächlich weiterentwickeln würde. Der Bau war in dieser Situation ein Befreiungsschlag. Statt auf ungewisse Entwicklungen in der Nachbarschaft zu warten, wurde selbstbewusst ein Dorfzentrum mit vielen verschiedenen Funktionen um einen innenliegenden Dorfplatz gebaut. Das Traurige ist, dass diese Idee offenbar nicht lange tragfähig war. Der innenliegende Dorfplatz wurde zum innenliegenden Hinterhof». Das darin untergebrachte Restaurant Rebstock orientierte sich von der Strasse weg zum Innenhof hin und hatte keinen Bezug zum Aussenraum. Nur das Fenster der Küche ging auf den Platz hinaus. Darunter befand sich die Kegelbahn. «Neben dem Kino und der Tankstelle war in diesem Gebäude eigentlich alles untergebracht, was man auch in einem Ortszentrum finden würde», meint Keller.

    Die Fassade spiegelt die Funktion

    Der Blick von der Tramhaltestelle Meierhofplatz stadteinwärts her verrät einiges über den inneren Aufbau des Gebäudes. Die differenziert gestaltete Fassade, die Fensterdimensionen und -verteilung, Erker und Balkone weisen, auch nach der Renovation in den 80er Jahren, auf die Funktionen der dahinterliegenden Räumlichkeiten. Der Treppenturm hebt sich durch die kleinen quadratischen Fenster und dem etwas dunkleren Farbton von der restlichen Fassade ab. Das Parterre weist durchgehend Schaufenster aus, durch die man ursprünglich bis in den Innenhof blicken konnte. Diese gewollte Transparenz ging vollständig verloren, die Sicht ist heute durch Wände und Gestelle in den Läden blockiert. Im ersten Obergeschoss befinden sich die Büros. Die Laubengänge vor den zurückversetzten Wohnungen in den oberen Geschossen schützen vor dem Strassenlärm. Alles ist durchdacht, nichts wurde dem Zufall überlassen oder blossem Formalismus geopfert. Es ist ein Paradebeispiel für das Credo der Moderne: Form follows function.

    «Hier wurde noch etwas gestaltet»

    Über eine Treppe im Innenhof gelangt man in ein Obergeschoss. Eine Laube führt rundherum, der Blick in den Hof ist teilweise von einem Vordach verdeckt. Hier sind Wohnungen und Praxen untergebracht. Mit Interesse studiert Keller die Brüstung und Vorrichtungen, entdeckt eine Dachterrasse, die von der Strasse aus gar nicht sichtbar ist. Im Treppenhaus gerät der Architekt ins Schwärmen: Hier ist die ursprüngliche Farbe der Fensterrahmen – ein dunkles Blau – noch sichtbar. Auch der Liftturm ist mit dunkelblauen Fliessen bekleidet, darin eingelassen sind Licht-Quader. Ein Teil der Stufen sind in Original-Terrazzo-Stein belassen. «Hier hat noch jemand gestaltet», meint er anerkennend. Das Treppengeländer ist nicht mehr ursprünglich, sondern musste aus Sicherheitsgründen mit zusätzlichen Verstrebungen ergänzt werden. Da komme man heute nicht mehr drumherum, meint Keller nur.
    Es schmerzt den Architekten etwas, dass bei den Renovationen im äusseren Bereich nicht sorgfältiger mit der Architektur umgegangen wurde. So gab es früher beim Durchgang zum Innenhof noch zwei kleine Vordächer. Die gegenüber dem Original zu wenig differenzierte Farbe der Fassaden sind Ausdruck mangelnder Sorgfalt. Auch der nachträglich montierte Abluftkanal hätte etwas sensibler gestaltet werden können. Was die ursprüngliche Idee jedoch am stärksten verändere, sei die blockierte Transparenz im Parterre, die das Gebäude abweisend wirken lässt, wie Keller findet. Dabei ist er kein Bewahrer – im Gegenteil, eigentlich interessieren ihn vor allem Gebäude, die sich verändern lassen. «Bei einem klaren Stil wie der Moderne ist das natürlich schwieriger, da kann man schnell etwas kaputt machen», meint er. Diese klassischen Werke hätten schnell etwas Museales, während die anonymere Architektur den Gang der Zeit reflektiert. Die Balkone, die auf der westlichen Seite des Gebäudes montiert wurden, stören ihn deshalb nicht, «Balkone sind wichtig, denn sie steigern die Lebensqualität», meint er. Auch dem Meierhofplatz, diesem «Verkehrsunfall», kann er Sympathien abgewinnen: «Das Trottoir zwischen Kiosk und Denner erinnert an einen Boulevard in Paris. Dort findet man Cafés gleich neben lärmigen Strassen – und sie sind stets gut besucht.» Das könnte er sich auch am Meierhofplatz vorstellen. «Die Lage mag nicht sehr idyllisch sein, aber immerhin halten sich hier Menschen auf.» Darum geht es beim Planen und Bauen doch auch: um Menschen.

    Grundsätzliche Überlegungen einfliessen lassen

    Vielleicht liegt hier die Problematik dieses Gebäudes. Ein Ort lebt dort, wo sich Menschen aufhalten oder sogar aufhalten müssen, an der Bushaltestelle, auf dem Markt, am Bahnhof. Sie dazu zu erziehen, sich an einem ihnen zugewiesenen Ort aufzuhalten, ist schwierig. Das lässt sich gut bei Fussgängerführungen, die nicht den kürzesten Weg berücksichtigen, beobachten: Nicht lange und es bildet sich ein Pfad neben dem vorgesehenen Weg, den die Menschen stattdessen wählen. So ähnlich muss es auch mit dem Innenhof verlaufen sein: Die Leute wollten ihn sich schlicht nicht aneignen. Da übt Keller durchaus Selbstkritik: «Wir Planer und Architekten glauben immer zu wissen, was die anderen wollen. Danach kommt der grosse Katzenjammer, wenn sich die Menschen nicht so verhalten, wie wir das angenommen haben. Und dann gibt es eben plötzlich eine Gitterabsperrung, die in der Nacht heruntergelassen wird, weil sich die Leute aus anderen Gründen im Innenhof aufhalten, als angedacht war.» Ist die Geschichte dieses Gebäudes damit schon zu Ende erzählt? Wie könnte der Innen- und Aussenraum in Zukunft genutzt werden? Vielleicht bringt die Zukunft neue Antworten auf alte Fragen. Der «Höngger» kommt sicherlich wieder darauf zurück.

  • Ein Stück Schweden in Höngg?

    Ein Stück Schweden in Höngg?

    Seit bald dreissig Jahren steht die kleine, aus vier Gebäuden bestehende Überbauung an der Giblenstrasse, direkt neben der Pony- und Hühnerweide des QuarTierhofs. Leuchtend rot sind die 1994 erstellten Häuser mit den schwarzen Giebeln, würfelförmig und kompakt wirken sie, mit ihren zwei Stockwerken eher klein. Ihr Alter würde man ihnen nicht wirklich geben, dank der auffälligen Färbung wirken die Häuser immer noch fast wie Neubauten. Geplant und erstellt wurden sie vom Architekturbüro Stücheli Architekten AG in Zürich, Auftraggeberin und Bauherrin war die Pensionskasse der Tagesanzeiger AG. 1992 wurde die Baubewilligung erteilt, im Jahr 1994 war die Überbauung bezugsbereit.

    Wohnen und Arbeiten

    In den drei Wohnhäusern befinden sich je zwei kleine 2,5 Zimmer-Wohnungen im Erdgeschoss mit Gartensitzplatz sowie zwei grössere 4,5 Zimmer-Maisonette-Wohnungen im Obergeschoss, wie Christof Glaus, Mitinhaber der Stücheli AG, dem «Höngger» in einem Gespräch verrät. Er hat die alten Pläne und Zeichnungen aus dem Archiv geholt und nimmt sich die Zeit, das Projekt genau anzuschauen, auch wenn er selbst damals nur peripher an der Erstellung beteiligt war. Ein weiteres, quer stehendes Gebäude beinhaltet Büroräumlichkeiten. 90 Prozent der Gesamtfläche habe, so Glaus, nach den Vorgaben der Bauherrschaft Wohnungen beinhalten müssen, 10 Prozent seien für Büros konzipiert – ein Versuch also, Wohnen und Arbeiten im Bau zu kombinieren. Zwischen den Wohnhäusern befinden sich zudem einstöckige Ateliers, die von den Parterrewohnungen aus zugänglich sind.

    Komposition soll sich harmonisch in Umgebung einfügen

    Die städtebauliche Überlegung des Architekturbüros war es, mit den Neubauten eine Siedlung zu erstellen, die sich harmonisch in die Umgebung und die natürlichen Gegebenheiten einfügt und dem Geländeverlauf folgt. Von der Höhe, so Glaus, sollten sich die neuen Häuser den bereits bestehenden Gebäuden an der Regensdorfer- sowie der Giblenstrasse anpassen, zwischen denen sie erbaut wurden. Anders als diese wurden die Giebel der drei Wohnhäuser jedoch quer zur Regensdorferstrasse errichtet und nicht parallel zu ihr.
    Mit der kubischen Form habe das Architekturbüro versucht, «ein klassisches Schweizer Giebelhaus etwas moderner zu gestalten», führt Glaus aus. Der Bau sei bewusst sehr einfach und minimal gehalten, ohne jegliche Schnörkel und Verzierungen, auch die Giebeldächer stünden nicht vor, auf Vordächer wurde verzichtet.

    Was leuchtet so rot?  

    Die blutrote Farbe sei es, die die einfache Kubatur der Gebäude so speziell mache und der Überbauung eine eigene Identität verleihe. Die Idee, den Gebäuden diese auffällige Farbe zu verpassen, sei dem Architekten, Renzo Bader, bei einer Umgebungsbesichtigung gekommen. Dabei sei ihm ein rotes Garagentor ins Auge gestochen, klärt Glaus auf. «Die Farbe betont den Kontrast zum Grün der Gärten und Weideflächen der Umgebung. Die klassische Holzfarbe verleiht den Gebäuden zudem eine gewollte Natürlichkeit.» Mit Schweden allerdings hätten die Häuser eigentlich nicht viel zu tun, auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht so wirke: «Die Assoziation zu Schweden war von uns nicht unbedingt beabsichtigt», klärt Glaus auf. Anders als bei den klassischen Häuschen, die für das nordische Land so typisch sind, handelt es sich bei den Häusern an der Giblenstrasse auch nicht um Holzbauten: «Obwohl die Fassade wie eine Holzfassade wirkt, besteht sie in Wirklichkeit aus grossflächigen Eternitplatten», erläutert Glaus. Eternit sei damals ein eher ungewöhnlicher und etwas verpönter Baustoff gewesen, weil das Material vor allem in den 50er- bis 70er-Jahren Asbest enthalten hatte und die Verwendung stark eingeschränkt wurde. Doch selbstverständlich enthielten die Platten in den 90er-Jahren keinerlei Spuren mehr von Asbest. Dafür sei das Material sehr günstig, extrem robust, langlebig und recyclierbar – allerdings auch ziemlich dünn. In der Fassade wurde daher bewusst darauf geachtet, den «papierenen Charakter des Eternits», wie es Glaus nennt, zu verbergen. So weisen die Fenster starke Rahmen aus Metall auf, die Fugen der Eternitplatten sind gegenüber den Ecken der Fenster verschoben. Die Fassade wirkt so nicht gerastert, sondern erscheint als eine ganze, einheitliche Fläche.

    Im digitalen Zeitalter angekommen

    Und schliesslich ist das Bauprojekt noch aus einem weiteren Grund besonders: für das Architekturbüro waren die Skizzen zu diesen vier Gebäuden wohl die ersten, die auf digitale Weise gezeichnet und erfasst werden konnten. Während die ersten groben Skizzen und Studien noch von Hand angefertigt wurden, wie damals allgemein üblich, konnten die definitiven Baupläne schliesslich am Computer erstellt und bearbeitet werden. Modern in jeder Hinsicht also, die roten Häuschen an der Giblenstrasse.