Kategorie: Architektur

  • Zu Besuch in der «Rose»

    Zu Besuch in der «Rose»

    Die «Rose» – ein Name, der vielen in Höngg noch heute vertraut ist. An der Limmattalstrasse 159 stand von 1832 bis 1959 das Restaurant «Rose», die erste Wirtschaft im Quartier, in der offenes Bier ausgeschenkt wurde. Zum damaligen Betrieb gehörten nicht nur ein Restaurant, sondern auch eine Bäckerei und eine Kegelbahn.

    Nach dem Abriss des Gebäudes im Jahr 1960 machte dort ab 1980 die Tankstelle «Socar Service Rose» von sich reden. Auch sie schrieb Quartiergeschichte: 42 Jahre lang führte Heinz Huber den Betrieb mit Werkstatt und kleinem Shop. Im Oktober 2022 schloss er die Tankstelle (der «Höngger» berichtete).


    Zu Besuch in der «Rose»: der Eingang bei der Limmattalerstrasse. (Foto: dad)

    Doch wo Geschichte verschwindet, entsteht Neues: Im Mai 2023 wurde die Tankstelle abgerissen, kurz darauf begannen die Bauarbeiten für ein Mehrfamilienhaus – geplant und realisiert von der Knörr Architekten AG in Höngg. Und in diesem Jahr war es soweit: Am 4. April folgte die Aufrichte und seit dem 1. Juni ist das neue Gebäude bezugsbereit. Es erinnert dennoch an die Vergangenheit: Eine Rose ziert die Glastür zum Treppenhaus.  

    Ein Fenster zum Himmel


    Zu Besuch in der «Rose»: das Fenster zum Himmel. (Foto: dad)

    Der Rundgang in der «Rose» beginnt ganz oben, im vierten Stock. Jede Etage beherbergt eine Wohnung. Das Ziel war eine zeitgenössische Architektursprache, eine klare, einfache Volumetrie und ein Flachdach – wie die Architekten bereits vor einem Jahr im Gespräch mit dem «Höngger» bekanntgaben.

    Die Attikawohnung mit zweieinhalb Zimmern ist hell und grosszügig geschnitten. Vier sonnige Balkone bieten Licht von allen Seiten, die Aussicht ist überwältigend: Der Blick auf den Landsitz «zum Weingarten» und dessen Wiese ist einmalig. Dazu ein Oberlicht – ein Fenster zum Himmel. Eichenparkett sorgt für Wärme, die offene Küche mit Kochinsel dürfte selbst Kochmuffel begeistern.


    Zu Besuch in der «Rose»: Die Küche mit der Kochinsel. (Foto: dad)

    Wie wird wohl dereinst die Einrichtung aussehen? Noch ist alles möglich – die Wohnung stand bis Redaktionsschluss für 1,9 Millionen Franken zum Verkauf.

    Die Geschichte geht weiter

    Die drei unteren Eigentumswohnungen im ähnlichen Preissegment sind teilweise schon bezogen. Auch dort durfte der «Höngger» reinschauen: Sie ähneln im Grundriss der Attikawohnung, bieten aber mit dreieinhalb Zimmern mehr Platz und verfügen über einen grosszügigen Balkon in Richtung Altstetten; im Erdgeschoss mit lauschigem Gartensitzplatz. Zu jeder dieser Wohnungen gehören weiter Badezimmer. Lamellen- und Sonnenstoren lassen sich elektrisch bedienen.

    Selbstverständlich verfügen alle Wohnungen über einen Waschturm, moderne Geräteausstattung und grosse Kellerabteile. Eine Wärmepumpenheizung mit Erdsonden sorgt für umweltfreundliches Heizen. Die Geschichte der «Rose» geht also weiter: Wo früher bierselige Abende gefeiert wurden und eine Tankstelle für Tempo sorgte, entsteht nun eine neue Nachbarschaft.


    Zu Besuch in der «Rose»: Zimmer mit Aussicht auf den Landsitz «zum Weingarten». (Foto: dad)
  • Wie gut kennen Sie Höngg? Die Auflösung des Sommerrätsels

    Wie gut kennen Sie Höngg? Die Auflösung des Sommerrätsels

    Wo befinden sich die 30 Einfamilienhäuser aus den 1920er-Jahren mit den schmucken Treppengiebeln? Welche Institution in einem der ersten Hochhäuser Hönggs feiert dieses Jahr ihr 60-Jahr-Jubiläum? Diese und weitere 13 Fragen galt es im diesjährigen Sommerrätsel der «Höngger Zeitung» zu lösen.

    Erneut war das Interesse gross: Über 100 rätselfreudige Teilnehmende erwiesen sich als wahre Kenner der lokalen Architektur. Der Lösungssatz lautete: «Sommer mit Aussicht».

    Zu gewinnen gab es Gutscheine von den Restaurants Hönggerhof, Osteria da Biagio und «CaBaRe» sowie der Migros und dem Kapitel 10. Die Glückspilze werden persönlich benachrichtigt. Bis zum nächsten Rätsel!

    Das sind die korrekten Antworten

    1. Wo befindet sich der zweite Campus der ETH, 1961 erbaut, auf dem man Architektur studieren kann? Hoenggerberg
    2. Welches für Kirchen typische Merkmal fällt bei der katholischen Kirche Heilig Geist besonders klein aus? Kirchturm
    3. Wo befinden sich die 30 Einfamilienhäuser aus den 1920er-Jahren mit den schmucken Treppengiebeln? Imbisbuehlstrasse
    4. Wer lebt heute im Haus an der Gsteigstrasse 18, wo einst Betagte wohnten? Studierende
    5. Was befindet sich gegenüber im «Haus zum Chranz», einem 1506 erbauten Rebbauernhaus, das gerade renoviert wird? Ortsmuseum
    6. Beim Traumdepot Wartau stehen drei Betonhäuser, deren Bauweise sich an Le Corbusier orientiert. Wie nennt man die Stilrichtung, die durch die Verwendung von Sichtbeton gekennzeichnet ist? Brutalismus
    7. In welchem ursprünglich spätklassizistischen Bau neben der reformierten Kirche wurde jahrzehntelang ein alkoholfreies Restaurant betrieben? Sonnegg
    8. Welcher berühmte Höngger Architekt realisierte in den 1930er Jahren sein Haus im Bauhaus-Stil (Nachname)? Bill
    9. Bei der Haltestelle Eschergutweg steht ein historisches Gebäude aus dem Jahre 1674 mit dem Namen „Roter …“? Ackerstein
    10. Die Werdinsel mit den zwei historischen Gebäuden aus der Zeit der frühen Industrialisierung ist ein Bijou. Kaum vorstellbar, was sich in den 1960er Jahren auf der Insel befand. Autofriedhof
    11. Im Artikel auf S. 19 berichten wir über einen aussergewöhnlichen Fund beim Haus am Kranzweg 9. Was kam bei Grabungen im Garten zum Vorschein? Muehlstein
    12. Welche Institution in einem der ersten Hochhäuser Hönggs feiert dieses Jahr ihr 60-Jahre-Jubiläum? Bombach
    13. An der Hurdäckerstrasse im Rütihof liegt das Mehrfamilienhaus «Sunny Woods» Aus welchem Material bestehen die Gebäude? Holz
    14. Wie heisst das elegante Haus am Meierhofplatz aus dem Jahr 1895, indem eine Studierenden-WG wohnt. Sogar ihren Ingwerlikör hat sie danach benannt. Orsini
    15. An der Limmattalstrasse 209 befindet sich ein altes Handwerkhaus, dessen ältester Gebäudeteil auf das Jahr 1473 datiert wird. Welche Farbe hat es? Orange

  • Ein Haus mit Geschichte

    Ein Haus mit Geschichte

    Der Kranzweg gehört zu den idyllischsten Strässchen im Zentrum Hönggs. Der schmale, leicht versteckte Weg verbindet die Bläsistrasse mit der Gsteigstrasse. Wer dort entlang schlendert, fühlt sich unwillkürlich in eine andere Zeit zurückversetzt. Genauso wie am Gässli, das vom Meierhofplatz parallel zur Gsteigstrasse verläuft und diese in der grossen Kurve schneidet. Genau dort, wo das Gässchen auf den Kranzweg trifft, befindet sich eines der ältesten Häuser Hönggs.

    Georg Sibler bezeichnet dieses in seiner «Ortsgeschichte Höngg» sogar als das «älteste erhalten gebliebene Privathaus von Höngg». Erbaut wurde das Gebäude im Jahr 1525. Damals stand das auf der anderen Strassenseite der Gsteigstrasse liegende «Haus zum Kranz», das heutige Ortsmuseum, bereits: Es wurde 1506 erbaut. Doch im Gegensatz zu diesem Repräsentationsbau, der vom Fraumünster-Kloster erstellt worden war, stellt das Haus am Kranzweg ein «damals gewöhnliches Bauernhaus» dar, typisch für die «damaligen Durchschnittsbauten in einem Dorf bei der Stadt Zürich», wie der «Höngger» im Jahr 1993 zu berichten wusste. Erbaut wurde es als Ständerbau mit Bohlenwänden, die später, im Laufe des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, durch Fachwerk und Mauern ersetzt wurden. Nur rund die Hälfte des Gebäudes wurde als Wohnhaus genutzt, der talseitige Teil des Hauses diente als Scheune.


    Das Haus am Kranzweg 9 im Jahr 1990. (Foto: Baugeschichtliches Archiv Zürich)

    In Höngg ist noch viel Platz

    Zu den Zeiten, in denen das Haus erbaut wurde, war Höngg noch ein kleiner Weiler: Betrachtet man alte Karten aus dem 16. Jahrhundert, sind im Dorfkern nur rund 30 Häuser zu finden, die sich im losen Abstand um die Kirche gruppieren, das Haus am Kranzweg 9 befindet sich noch weit ausserhalb des Zentrums. 100 Jahre später, im 17. Jahrhundert, ist das Zentrum bereits deutlich gewachsen, der Ortskern dichter bebaut – und auch das Haus hat seinen Umfang verdoppelt: Es hat einen Anbau erhalten, welcher als Trotte diente.


    Vor der Sanierung: Im Jahr 1990 wirkte das Haus baufällig, sein ehrwürdiges Alter war ihm nicht anzusehen. (Foto: Baugeschichtliches Archiv Zürich)

    Ein Abbruchobjekt?

    Im Laufe der Jahre wechselte das Haus mehrfach seine Besitzer und erschien zunehmend abgewohnt und baufällig. Es wurde «vor allem in der jüngsten Zeit wenig gepflegt, was (…) zum heutigen eher verwahrlosten Bild führte», beschrieb etwa der «Höngger» die Situation im Jahr 1993. Dennoch erweckte es zu Beginn der 1990er-Jahre die Aufmerksamkeit von Ruedi Wiedmer. Er war selber Bauherr und hatte bereits einige Liegenschaften in Höngg erstanden, um sie zu sanieren. Er klopfte beim Besitzer mit der Frage an, ob das Haus zu verkaufen sei und hatte schliesslich Erfolg: Gemeinsam mit Jürg Ryser, Rheumatologe mit eigener Praxis direkt am Meierhofplatz, konnte er das Haus käuflich erwerben – als Abbruchobjekt. Anstelle des Hauses planten sie einen Neubau, der Wohnungen und Büros enthalten sollte.

    Das vergessene Haus

    Doch es kam anders als geplant. Denn nach der Baueingabe bei der Stadt erhielten sie eine Absage für ihr Bauprojekt. Es handle sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude, so die Begründung. Das war den neuen Eigentümern nicht bewusst gewesen – und dies nicht nur wegen des bescheidenen Äusseren des Gebäudes: Im Inventar des Denkmalschutzes war es nicht enthalten. Offensichtlich war das Haus bei der Inventarisierung vergessen gegangen.


    Die Fachwerk des geschichtsträchtigen Hauses kommt heute wieder zur Geltung. (Foto: Dagmar Schräder)

    Damit kam ein Abbruch des Gebäudes nicht mehr infrage, stattdessen wurden Sanierungsarbeiten geplant. Das machte die Bauarbeiten aufwendiger als geplant. Bis die Baubewilligung für den Umbau erteilt wurde, vergingen fast fünf Jahre und 1995 konnte schliesslich mit dem Umbau begonnen werden. Auch finanziell war die Sanierung eine Herausforderung: Fast eine Million Franken teurer als ursprünglich budgetiert sei das Projekt geworden, erklären die beiden Hausbesitzer dem «Höngger» bei einer Begehung des Gebäudes.


    Hier ist das alte Gemäuer zu sehen. (Foto: Dagmar Schräder)

    Interessante Funde

    Bei den Sanierungsarbeiten wurde die verputzte Fassade entfernt und das darunterliegende Fachwerk im ersten Stock des Hauses wieder freigelegt. Die alten Trägerbalken wurden durch neue ergänzt, auch der Dachfirst wurde neu aufgebaut. In den Innenräumen des Hauses mischen sich nun alte Balken und Gemäuer mit modernen architektonischen Elementen.


    Neue Treppe, alte Balken. (Foto: Dagmar Schräder)

    Die Gartenansicht nach der Renovation. (Foto: Dagmar Schräder)

    Die alte Trotte, die abgebaut wurde, wurde durch einen neuen Anbau ersetzt, der sich heute zum Garten hin durch eine durchgehende Fensterfront auszeichnet.

    Spektakulär war die Vorgehensweise zur Unterkellerung des Gebäudes: Um dem Haus ein Untergeschoss zu verleihen, musste das gesamte Gebäude an Balken «aufgehängt» und abgestützt werden. Bei den Grabungen machten die Arbeiter zudem einen ganz besonderen Fund: Im Garten wurde ein alter Mühlstein freigelegt, der ausgehoben und als Anschauungsmaterial vor das Gebäude gelegt wurde.

    Im Jahr 1996 schliesslich konnten die neuen Bewohner einziehen. Sie haben sich das Haus aufgeteilt: Der Bereich der ehemaligen Scheune gehört Wiedmer, hier bewohnt seine Tochter eine Familienwohnung. Das Ehepaar Ryser besitzt den ehemaligen Wohnteil mit Anbau, worin sich drei Mietwohnungen befinden.


    Wiedmer vor seinem Haus. (Foto: Dagmar Schräder)
  • Wo einst Betagte lebten, wohnen heute Studierende

    Wo einst Betagte lebten, wohnen heute Studierende

    Seit seiner Erstellung im Jahr 1956 hat sich in der Bewohnerschaft des Gebäudes an der Gsteigstrasse 18 ein Generationenwechsel vollzogen: Ursprünglich wurde es nämlich für ältere Menschen erbaut. Bei seiner Fertigstellung galt es als die erste realisierte Alterssiedlung der Stadt Zürich. In seinem Inneren finden sich 31 Einzimmerwohnungen, alle mit eigenen sanitären Einrichtungen und einer kleinen Küche ausgestattet, die jeweils einer älteren Person zur Verfügung standen.

    Charakteristisch für das Gebäude sind nicht nur die durchgehenden Laubengänge, welche die einzelnen Wohnungen auf jedem Stockwerk erschliessen, sondern auch das Farbkonzept, welches die Fassade in einem Muster aus Pastellgelb und -rosa erscheinen lässt. Künstlerisch bedeutsam ist auch das grosse Wandgemälde, das im Inneren den Eingangsbereich des Gebäudes ziert und vom Maler, Grafiker und Plastiker Leo Leuppi in den Jahren 1956 und 1959 erstellt wurde.

    Seit 2003 im Besitz der SSWZ

    Mit zunehmendem Alter der Wohnanlage und den seit den 1950er-Jahren gestiegenen Ansprüchen an altersgerechtes Wohnen musste die Siedlung allerdings aus dem Inventar der Alterswohnungen entlassen werden. Lifte sind im Haus nämlich keine vorhanden, die Wohnungen daher auch nicht hindernisfrei zugänglich. Ein Umbau des Hauses zu einer den heutigen Ansprüchen genügenden Alterssiedlung war auch nicht ohne Weiteres möglich, nicht zuletzt aufgrund der denkmalgeschützten Gebäudehülle.


    Im Hinterhof: Die Wohnungen verfügen alle über einen Balkon. (Foto: das)

    Die ETH erstand das Gebäude von der Stadt Zürich und überliess es im Jahr 2003 der Stiftung für Studentisches Wohnen Zürich (SSWZ) im Baurecht. Die Stiftung führte im Rahmen der Möglichkeiten eine Aussen- und Innensanierung durch, ersetzte die Fenster und baute die vorhandenen Wohnungen zu einem neuen Nutzungszweck um, wie Laila Spilimbergo, die Verantwortliche für Immobilienmanagement und Bauherrenvertretung bei der Stiftung, erklärt.

    Seither wird das Gebäude von deutlich jüngeren Menschen bewohnt als in den rund 50 Jahren zuvor: Die Stiftung vermittelt hier bezahlbaren Wohnraum für Studierende der Hochschulen mit Standort in der Stadt Zürich, also UZH, ETH oder der Fachhochschulen.

    Diesen steht ausser den komplett möblierten Zimmern noch jeweils ein Balkon oder ein Gartensitzplatz auf der Rückseite des Gebäudes zur Verfügung. Gemeinschaftlich genutzt werden kann die grosszügige Gartenanlage rückseitig des Gebäudes sowie ein Gemeinschaftsraum mit TV. Erschlossen werden die Wohnungen via die durchgehenden Laubengänge, welche sich auf jedem Stockwerk befinden.

    Preislich bewegen sich die Zimmer um 890 Franken pro Monat. Für den Einzug gibt es klar definierte Regeln: Voraussetzung ist nicht nur die Immatrikulation an einer der Hochschulen der Stadt, auch die Wohndauer ist auf maximal acht Jahre beschränkt, die Altersgrenze für die Bewohnenden beträgt 28 Jahre. Parkplätze sind keine vorhanden.

    Bezahlbarer Wohnraum ist knapp

    Das Gebäude ist eines von insgesamt 18 Liegenschaften, welche die 1987 gegründete gemeinnützige Stiftung innerhalb der Stadt Zürich, verteilt auf sechs verschiedene Stadtkreise, besitzt. Darunter befinden sich neben Gebäuden, die bereits über 100 Jahre alt sind, auch Neubauten, etwa der grosse Bau an der Buchegg- und Rosengartenstrasse, der im Jahr 2020 erstellt wurde. Rund 1700 Zimmer kann die SSWZ den Studierenden in der Stadt anbieten. Für die Bewirtschaftung der Gebäude und die Vermietung der Zimmer ist die WOKO, die Studentische Wohngenossenschaft Zürich, zuständig.

    Die Stiftung ist in der Stadt nicht die einzige, die studentischen Wohnraum anbietet. Dennoch kann der Bedarf bei Weitem nicht gedeckt werden: Bei insgesamt, gemäss den von den Hochschulen veröffentlichten Zahlen aus dem Jahr 2023, rund 65 000 Studierenden in der Stadt Zürich, könnten nur rund 11 Prozent des benötigten Wohnraums durch Studentenwohnheime abgedeckt werden, so Laila Spilimbergo.

    Gleichzeitig wird gemäss dem Bundesamt für Statistik bis zum Jahr 2033 eine Zunahme an Studierenden von 18 Prozent erwartet. «Wir sind als Stiftung daher ständig auf der Suche nach Liegenschaften und Grundstücken, um diese für Studentisches Wohnen umzunutzen oder neu zu entwickeln», erklärt Spilimbergo.

  • Ein Neubau mit Ambitionen

    Ein Neubau mit Ambitionen

    «Quirky house», zu Deutsch «schrulliges Haus» – unter diesem Titel plante das Architekturbüro Scheidegger Keller den Neubau an der Ackersteinstrasse. Und der Name trifft zu – ein bisschen schrullig wirkt das Gebäude tatsächlich, eigenwillig auf jeden Fall, mit seiner dunklen Fassade aus kleinen Eternit- Schindeln und der verwinkelten Form mit Erkern und Balkonen. Entfernt erinnert es auch an ein sympathisches Hexenhäuschen: klein, aber gemütlich.

    Das Haus wurde von der Bauherrin, der Stiftung zum Erhalt preisgünstigen Wohn- und Gewerberaums (PWG), im vergangenen Jahr erstellt. An seiner Stelle stand zuvor bereits ein Wohnhaus, das 1933 erbaut worden war. Wie Thomas Güntensperger, verantwortlicher Projektleiter der Stiftung, dem «Höngger» erklärt, war das Gebäude allerdings in einem schlechten baulichen Zustand und wies noch einige Ausnutzungsreserven auf, sodass sich die Stiftung 2018 für ein Neubauprojekt entschied.

    Die Suche nach einem Architekturbüro erfolgte mittels Wettbewerb. Hauptvorgabe für die teilnehmenden Architekturbüros war es, die begrenzte und wegen der Hanglage schwierig zu bebauende Grundstücksfläche optimal auszunutzen. Dabei entschied sich die Stiftung bewusst für den Bau kleinerer Wohnungen, um Wohnraum für Alleinstehende, Paare und Kleinfamilien zur Verfügung zu stellen.

    Hauptsache Wohnfläche

    Gewonnen hat den Wettbewerb, wie eingangs erwähnt, das Architekturbüro Scheidegger Keller. Für die Bauausführung zuständig war das Büro BGS & Partner, die Aussenraumgestaltung fiel den Landschaftsarchitekten Ganz zu. Und das Gebäude wird den Vorgaben gerecht: «Klein ist schön» ist gewissermassen das Credo des Baus. In dem dreistöckigen Haus ist nun – anstelle der 5 Wohnungen im alten Gebäude – Platz für deren 7 geworden, in der Grösse zwischen 1,5 und 3,5 Zimmern.

    Auch im Innenausbau manifestiert sich das Prinzip: Der Bau verzichtet auf unnötigen Luxus. Wände und Decken aus Sichtbeton prägen das Bild. Die Wohnungen sind möglichst kompakt gestaltet, die Zimmer vielfältig nutzbar. Die Standardeinrichtung, so Güntensperger, sei einfach, aber zweckmässig und robust und somit möglichst nachhaltig gehalten. Besonders ins Auge sticht der rote Linoleumboden, der nicht nur kostengünstig, sondern auch einfach zu pflegen ist.

    Um den Wohnraum maximal gross gestalten zu können, haben sich die Architekt*innen zudem ein paar ganz besondere Tricks und Kniffe ausgedacht. So dienen etwa die kleinen Erker und Balkonvorsprünge dazu, die bewohnbare Grundfläche zu vergrössern. Auch die Konstruktion der Gebäudehülle wurde so konzipiert, dass sie möglichst wenig Fläche einnimmt. Sogar im Treppenhaus konnte auf den vorgeschriebenen schallisolierenden Abstand zwischen Stufen und Wand verzichtet werden, indem ein Gummigranulatboden als Stufenmaterial verwendet wurde.

    Nachhaltige Mobilität

    Ein wichtiges Kriterium für die Planung war auch, dass durch den speziellen Schnitt und die Ausrichtung der Erker alle Wohnungen bezüglich der Aussicht gleichberechtigt sind und Blick auf die Stadt haben. Ebenso wichtig: Das Mobilitätskonzept, mit dem zugunsten eines grosszügigen Velokellers auf den Bau einer Tiefgarage verzichtet wurde.

    Aufgrund der Vorgaben der Stadt konnte beim Bau nicht gänzlich auf Autoeinstellplätze verzichtet werden – zwei Parkplätze weist das Gebäude nun auf. Diese wurden an zwei Mietparteien vermietet, die übrigen Mietenden verpflichteten sich beim Einzug, auf ein eigenes Auto zu verzichten.

    Für den terrassierten Garten des Hanggrundstücks, der mit einem durch die Mietparteien selbst bepflanzbaren Beet und Nutzpflanzen angelegt wurde, wurden die Platten des früheren Sitzplatzes wiederverwendet. Damit wurden nicht nur die Gehwege durch den Garten gelegt, sondern auch kleine Mäuerchen aufgeschichtet und Treppen erstellt.

    Mietpreise: möglichst günstig

    Und schliesslich ist auch der bezahlbare Mietzins eine entscheidende Eigenschaft der Bauten, die von der PWG erstellt werden. Die gemeinnützige Stiftung zum Erhalt preisgünstigen Wohn- und Gewerberaums wurde 1990 aufgrund einer Volksinitiative gegründet. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, Liegenschaften aufzukaufen, um sie der Spekulation zu entziehen und auf Basis der Kostenmiete vermieten zu können – einer Miete also, die nur die Kosten deckt und keine Rendite abwirft.
    Allerdings differiert die Höhe der Kostenmieten aufgrund unterschiedlicher hoher Grundstückspreise und Baukosten von Quartier zu Quartier deutlich.

    Jüngst verglich ein Artikel im «Tages-Anzeiger» die Mietpreise des gemeinnützigen Wohnraums bei der Liegenschaft an der Ackersteinstrasse mit jenem einer Liegenschaft in Witikon. Die Witiker Liegenschaft fiel um einiges günstiger aus als ihr Höngger Pendant.

    Der Ersatzneubau an der Ackersteinstrasse sei aufgrund der Grösse, der Lage und der baurechtlichen Rahmenbedingungen eigentlich kein typisches Projekt der Stiftung PWG, erklärt Güntensperger die Preisdifferenzen: «Wir sind aber überzeugt, dass auch solche Projekte in unserem Portfolio Platz haben. Insbesondere wenn dadurch mehr Wohnraum geschaffen wird und auch das Quartier durch einen architektonisch hochwertigen und nachhaltigen Bau einen Mehrwert erhält.»

  • Solarpreis für Höngger Mehrfamilienhaus

    Solarpreis für Höngger Mehrfamilienhaus

    Das Wohnhaus an der Imbisbühlstrasse 12 hebt sich deutlich von den Häusern in der Nachbarschaft ab: Während rundherum die Gebäude klassisch verputzt sind und relativ einheitliche Fassaden in pastellartigen Farben wie Gelb und Rosa aufweisen, präsentiert sich die Imbisbühlstrasse 12 in einem dunklen Grau, glatt und glänzend.

    Städtisch wirkt es und modern. Modern ist diese Fassade tatsächlich – sie besticht nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch, weil sie Energie liefert: Sie besteht komplett aus Photovoltaik-Modulen.

    Diese Module wurden vor zwei Jahren in die Fassade integriert: Damals liess der Hausbesitzer, Walter G., das Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen und einem Coiffeur-Betrieb in bewohntem Zustand energetisch sanieren. «Bei der Sanierung wurde die Wärmeisolierung des Hauses, die zuvor nur wenige Zentimeter dick war, durch eine Dämmung von rund 20 Zentimetern ersetzt. Auch die Fenster haben wir ausgetauscht», erklärt Walter G. der «Höngger Zeitung».

    Anschliessend wurde die bestehende Eternit- durch eine Solarfassade ersetzt. Auch auf dem Flachdach des Gebäudes wurde eine PV-Anlage installiert.

    Rund 2 000 000 Franken hat die Sanierung gekostet, doch aus energietechnischer Sicht hat sie sich auf jeden Fall gelohnt. Mit der Renovierung hat nämlich der Energiebedarf des Wohnhauses deutlich abgenommen: von fast 120 000 Kilowattstunden pro Jahr auf nunmehr nur noch rund 45 000, der Verbrauch ist also um fast zwei Drittel gesunken.

    Zu 57 Prozent selbstversorgend

    Der verbleibende Bedarf kann jetzt zu einem grossen Teil selbst produziert werden. Denn allein die Fassade liefert rund 14 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, die Anlage auf dem Dach produziert zusätzlich rund 12 600 Kilowattstunden jährlich.  Damit ist das Gebäude in der Lage, rund 57 Prozent des Stromverbrauchs selbst zu decken.

    Was nicht für den Eigenbedarf in den Wohnungen verwendet wird, geht einerseits in den Betrieb der Erdsonden, die für die Beheizung der Räumlichkeiten zuständig sind. Die übrige Energie wird in das Stromnetz der EWZ eingespeist. Zudem wurden in der Garage Ladestationen für Elektroautos installiert, eine davon wird bereits genutzt.

    Neben den Photovoltaik-Elementen wurden auch thermische Module auf dem Hausdach installiert, die für Warmwasser sorgen. Sie dienen der Regeneration der Erdsonden und speisen warmes Wasser in die Leitungen des Hauses ein.

    Auszeichnung für die besondere Fassade

    Für diese umfangreichen Massnahmen wurde das Haus im Februar mit dem Diplom des Schweizer Solar­preises 2023 ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wird von der Solaragentur alljährlich an «wegweisende Neubauten und Bausanierungen» vergeben, die «architektonisch und energetisch optimal konzipiert sind».

    Ein ganz besonderes Haus also – und das nicht nur optisch und energetisch, sondern auch architektonisch. Denn, so erklärt der Bauherr nicht ohne Stolz: «Häuser, deren ganze Fassade aus PV-Modulen besteht, finden sich in Zürich erst sehr wenige.»

  • «Komme ich in dieses Haus, werde ich ganz ruhig»

    «Komme ich in dieses Haus, werde ich ganz ruhig»

    Von Lukas Kistler

    Vielen Höngger*innen dürfte das Wohnhaus an der Limmattalstrasse 9 bekannt sein: Seine Aussenmauer aus Bruchsteinen hebt es deutlich von der Umgebung ab, auch wegen deren ungewöhnlicher Farbe, ein helles Bordeauxrot. Sein stimmiger Name: «Roter Ackerstein». Während Tobias Herold den Kinderwagen, in dem seine jüngste Tochter schläft, in den Garten schiebt, prüft Max Dell’Ava mit einem der portugiesischen Bauarbeiter die Schalung für die Treppe, die vom Keller zum Garten hinaufführen wird. Herold vertritt die Bauherrschaft und Dell’Ava, Mitinhaber des DAX Atelier für Architektur, plant den Umbau. Beide führen den Schreibenden durch Haus und Garten.

    Vom rötlichen Stein der Aussenmauer, einem Sernifit, kennt Tobias Herold die Geschichte, wie sie in der Hauschronik festgehalten ist: «Escher vom Luchs kaufte einem Bauern den Stein ab, der unweit des heutigen Wärmebads Käferberg auf dessen Acker lag.» Diesen Ackerstein hatte der Linthgletscher in der letzten Eiszeit aus dem Glarner Sernftal nach Zürich transportiert und bei seinem Rückzug als Findling zurückgelassen.

    Das ehrwürdige Wohnhaus wird etappenweise umgebaut, zwei je fünfköpfige Familien werden es dereinst bewohnen. Ein solcher Umbau verlangt Fingerspitzengefühl, denn es gibt viel wertvolle historische Substanz. Der «Rothe Ackerstein» ist ein bedeutendes Gebäude in Höngg, blickt es doch auf knapp 350 Jahre zurück. Es gilt als ältestes Landgut von Zürcher Stadtbürgern in Höngg. Ein solcher, Junker Marx Escher vom Luchs, liess es 1674 bauen. Das Stadtzürcher Geschlecht Escher vom Luchs stellte in der alten Eidgenossenschaft zahlreiche Land- und Obervögte und zählte bis ins 19. Jahrhundert zu den führenden Zürcher Familien.

    Schützenswerter Garten

    Mitten im verwilderten Garten steht eine mächtige Eibe, Holunderblüten verströmen ihren Duft, es gibt Teiche und Schwertlilien. Da der Garten im kommunalen Inventar der schützenswerten Gärten und Anlagen eingetragen ist, darf hier nicht neu gebaut werden. Am Dach und an den Aussenmauern sind die Arbeiten bereits abgeschlossen. Rebe und Kiwi ranken am gusseisernen Geländer der Terrasse, die 1890 angebaut wurde.

    Unter einer Plane sind dort Wandtäfer, Bodendielen und Türen gestapelt. Diese Bauteile werden wieder eingebaut. Allerdings, präzisiert Max Dell’Ava, nicht zwingend dort, wo sie ursprünglich verbaut waren. «Wir wollen keinen hypothetischen Urzustand rekonstruieren, sondern entscheiden von Raum zu Raum, welche Ausstattung wir behalten. Entscheidend ist dabei die Qualität der Bauteile», sagt der Architekt.

    Auf unserem Rundgang im Gebäudeinnern treffen wir wieder auf solche Stapel, die diesen differenzierten Recycling-Ansatz spiegeln. Dasselbe gilt etwa für die Haufen geschmiedeter Nägel, die rund 350 Jahre unversehrt überstanden haben. Und auch für den Kachelofen aus den 1730er-Jahren, den der Hafner derzeit instand stellt und mit dem wieder geheizt werden soll.

    Überraschung im Obergeschoss

    Wir steigen ins Obergeschoss hoch, balancieren dort auf den Bodenbalken. Die Bodendielen wurden entfernt, allein die Balken sind belastbar. Auch die quer laufenden Deckenbalken sind freigelegt, von der später ergänzten Gipsdecke sind noch Muster vorhanden. Und zwischen den Balken schlingen sich Pflanzengirlanden. «Escher vom Luchs steckte sein Geld vermutlich in die Malerei», kommentiert Dell’Ava.

    Im Raum daneben ist die Malerei noch raffinierter: Hasen, Bär, Löwe und weitere Tiere tummeln sich zwischen den Balken. «Zustand und Qualität der Grisaille-Malerei sind einzigartig», sagt der Architekt. Wie es sich wohl leben lässt, in diesen Räumen mit solch kostbarer Ausstattung? «Komme ich in dieses Haus, werde ich ganz ruhig», meint Tobias Herold. Na klar, möchte man meinen: Diese Mauern haben schon manchem Sturm getrotzt.

  • Ein Zeitzeuge der Zwischenkriegszeit

    Ein Zeitzeuge der Zwischenkriegszeit

    Die Liegenschaft an der Limmattalstrasse 281 ist ein ehrwürdiges Haus. Leicht zurückversetzt hinter einem Vorgarten an Strasse liegend, macht es einen ehrwürdigen und doch einladenden Eindruck.
    Der Höngger Architekt Jakob Eugen Ernst liess das Gebäude im Jahr 1922 für sich und seine Familie erstellen und lebte schliesslich Zeit seines Lebens dort. Im «Talchernquartier», wie dieser Ortsteil in Höngg auch genannt wird, gehört das Gebäude damit zu den ältesten noch erhaltenen Häusern.

    Die Architektur wirkt schlicht und schnörkellos, ein «für die Zwischenkriegszeit typisches Wohnhaus mit regelmässig angeordneten, sprossierten Fenstern und grünen Klappläden», wie die Denkmalpflege der Stadt Zürich in einem Schreiben erklärt.  Auf jedem der drei Stockwerke befindet sich eine Wohnung, wobei im Jahr 2007 der Dachstock ebenfalls ausgebaut wurde, sodass sich die oberste Wohnung seither über zwei Etagen erstreckt.

    Der klassische Altbau zeigt sich auch in den Parkettböden und Stukkaturdecken im Inneren des Hauses. Die ursprünglich zum Heizen verwendeten Kachelöfen sind noch vorhanden, mittlerweile aber nicht mehr in Gebrauch. Im Erdgeschoss und erstem Stock sind Terrasse beziehungsweise Balkon zu einem Wintergarten ausgestaltet worden, so dass diese beiden Etagen quasi ein zusätzliches Gartenzimmer aufweisen.

    Das Grundstück beinhaltet eine Fläche von 1341 Quadratmetern. Ein Kiesplatz umgibt das ganze Gebäude und wird als Sitzplatz genutzt. Zusätzlich zum Vorgarten findet sich rückseitig ein grosszügiger Garten mit einem Bestand an fast hundertjährigen Hochstamm-Obstbäumen.

    Eine aktive Hausgemeinschaft

    Seit seiner Erbauung befand sich das Haus im Besitz der Familie Ernst. Im Jahr 2007 übernahm der Enkel des Erbauers das Haus. Die drei Wohnungen sind an ein Ehepaar, eine vierköpfige Familie sowie eine aus vier Personen bestehende Wohngemeinschaft vermietet, im Erdgeschoss befinden sich zudem die Räumlichkeiten einer Naturheilpraxis.

    Das Ehepaar Christopher Szaday und Belinda Mettauer Szaday lebt bereits seit fast 25 Jahren in dem Haus und fühlt sich hier sehr wohl. Die WG, die gemeinsam die obersten zwei Stockwerke bewohnt, ist seit rund einem Jahr hier zuhause, die vierköpfige Familie ist erst zu Anfang dieses Jahres eingezogen. Die Bewohner*innen schätzen und lieben dieses Haus und den Garten, den sie gemeinsam nutzen und pflegen. Hier bauen sie nicht nur Gemüse, Früchte und Kräuter an, sondern sorgen auch für einen möglichst biodiversen und nachhaltigen Garten und nutzen ihn als Erholungsraum.

    Besonders während der Pandemie, so erklärt Chris Szaday, hätten die Mieter*innen gemerkt, wie wertvoll diese Grünfläche sei. Und das nicht nur für ihr eigenes Haus: Sie könnten sich vorstellen, so Szaday, ihren Garten mit denjenigen der Nachbargebäude verbinden. «Damit könnte theoretisch eine kleine «Parkanlage» entstehen, die von allen Anwohner*innen genutzt werden könnten», so die Idee der Hausgemeinschaft.

    Verdichtung in Höngg

    Im Frühjahr 2022 wurde jedoch das Haus verkauft – an den Immobiliendienstleister Steiner Invest. Die Mietergemeinschaft macht sich nun Gedanken über die Zukunft des Gebäudes. Denn wie bei so vielen anderen alten Häusern stellt sich auch hier die Frage nach der zukünftigen Nutzung.

    Auf Anfrage des «Hönggers» gibt der neue Besitzer Auskunft über seine Pläne: «Die Steiner Anlagestiftung hat das Grundstück samt Gebäude in diesem Frühjahr gekauft. Wir sind von der Qualität des Grundstücks aber auch von Höngg insgesamt als lebendigem Stadtquartier mit hoher Wohnqualität sehr überzeugt. Wir werden in den kommenden Monaten unter anderem verschiedene Möglichkeiten zur Verdichtung des Grundstücks prüfen. Eine fixe Vorstellung zur künftigen Nutzung des bestehenden Gebäudes gibt es noch nicht», so Marcel Weiler, Head Transaction Management von SteinerInvest.

    Für alle öffnen

    Dass in der Stadt verdichtet wird, um der wachsenden Bevölkerung Platz zu verschaffen, ist auch der Hausgemeinschaft klar. Doch weil ihnen Haus und Garten sehr am Herzen liegen, machen sie sich gemeinsam Gedanken über die Zukunft der Liegenschaft. «Wie lassen sich solch grosszügige Grundstücke wie das betreffende zeitgemäss ausnutzen und die Belegungszahl erhöhen, ohne wertvolle bestehende Strukturen zu zerstören? Gibt es Alternativen zu einem Abriss?», das sind Fragen, die sie sich gestellt haben.

    Dabei geht es ihnen bei ihren Bemühungen keineswegs nur darum, den Wohnraum für sich zu erhalten, wie Szaday dem «Höngger» erklärt: «Wir sehen nicht nur das Gebäude als wertvollen Zeitzeugen, sondern würden uns wünschen, dass die Grünfläche auch erhalten bleiben kann – für das gesamte Quartier».

    Ein «wertvolles» Haus

    Verschiedene Architekten, mit denen die Hausgemeinschaft in Kontakt ist, haben bestätigt, dass auch sie das Gebäude für interessant halten. Denkmalgeschützt ist es jedoch nicht – nur der Grundeigentümer kann eine Aufnahme in das Inventar beantragen.  

    Auch Tamino Kuny von der ZAS* (Zürcher Arbeitsgruppe für Städtebau), einem Zusammenschluss junger Architekt*innen und Stadtbewohner*Innen, hat das Haus besucht. Die ZAS* wehrt sich gegen die in der Stadt Zürich vorherrschende «Abrisskultur». Bestehende Bauten seien eine Ressource, mit der es sorgsam umzugehen gelte, so erklärt die Gruppe in einer Kolumne – und weiter: «Wir brauchen ein gesellschaftliches Verständnis, dass nachhaltiges Handeln das Weitermachen mit dem Vorgefundenen bedingt, nicht dessen Ersatz». Gegen einen Abriss bestehender Bauten spreche, so Kuny, auch die im Bestand gebundene Energie. Denn wenn ein Haus abgerissen wird, ist alle «graue Energie», also die Energie, welche bei der Gewinnung der Rohstoffe, der Herstellung und Verarbeitung sowie beim Bau aufgewendet werden musste, verloren. Der Neubau möge zwar schlussendlich im Betrieb eine bessere Energiebilanz aufweisen als das alte Gebäude, muss jedoch zuerst den verlorenen Bestand wettmachen und gelangt erst dann zu zusätzlichem Raum. Besser wäre es, Energie von Beginn weg nur dort einzusetzen, wo es wirklich nötig ist.

    Ebenso wie die Bewohner*innen sieht Kuny die Bedeutung der Liegenschaft nicht nur in dem alten Gebäude, sondern vor allem in der Verflechtung des Hauses mit seinem Garten, der unmittelbaren Umgebung und gesamten Stadtökologie: «Ich bin der Auffassung, dass Verdichten auch bedeutet, Orte zu erkennen, die einen besonderen Wert für das Quartier haben können. Auch in einer dichten Stadt sind Freiräume wichtig, Orte wie der Garten des Hauses, die von einer grösseren Gemeinschaft genutzt werden können.»

    Die Hausgemeinschaft hofft also, dass das Haus bestehen bleiben kann. Gerne würden sie Gespräche mit der Eigentümerschaft führen, wie eine mögliche breitere Nutzung aussehen könnte. Und wenn das nicht möglich ist, dann wollen sie wenigstens die Zeit, die ihnen hier bleibt, noch sinnvoll nutzen.

  • Das orange Haus

    Das orange Haus

    Die steile Holztreppe knarrt, als Marcel Knörr zur Wohnung hinaufsteigt, in der er mit seiner Frau lebt. Hier schleicht sich niemand unbemerkt hinein. «Dafür hält das Treppensteigen körperlich fit», lacht der passionierte Bergsteiger. Da die Wohnung im zweiten und dritten Stockwerk liegt, gibt es reichlich Stufen. Das Ticken einer Wanduhr ist zu hören und das laute Miauen einer roten Katze, die oben bereits wartet. Die Decken sind niedrig, doch die Wohnung ist hell. Das Holzparkett, das Täfer und die matt gestrichenen Türrahmen schaffen eine warme Atmosphäre. In der Stube befand sich früher in einer Ecke eine Bettnische, ein sogenannter Alkoven, wie er um 1700 verbreitet war. Das Täfer, das den kleinen Raum abschloss, wurde entfernt, geblieben ist eine kleine Nische mit Sitzgelegenheit unter der Dachschräge. Die Einrichtung ist schlicht, aber elegant, kein modischer Firlefanz, eher sachliche Bescheidenheit. Über eine Treppe gelangt man weiter in den ausgebauten Dachraum, der durch den Kehrfirst in vier Abteile unterteilt wird. Hier befinden sich das Schlafzimmer, ein Musikzimmer, viele Bücher und Allerlei. «Im Sommer kann es unter dem vielen Holz und mit nur zwölf Zentimetern Isolation ganz schön heiss werden, doch als Entschädigung kann man auf der kleinen Dachterasse mit Blick zur Kirche in der Abendsonne und bis spät in der Nacht ein Gläschen kredenzen», meint Knörr.

    Als die Stadt ihre Häuser verkaufen musste

    Vor gut 40 Jahren erwarb der Höngger Architekt das orangefarbene Haus mit der Adresse Limmattalstrasse 209, in unmittelbarer Nähe zum Kirchenplatz gegenüber der Liegenschaft Sonnegg. Die Stadt, die zu dieser Zeit viele Immobilien in schlechtem Zustand besass, aber zu wenig Geld, um sie zu renovieren, hatte begonnen, die baufälligsten Gebäude abzutreten. Mit dem Kauf war die Verpflichtung verbunden, die Sanierung in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege durchzuführen. Die auffällige Aussenfarbe des Hauses, die aus den 30er-Jahren stammt, wurde eine Spur heller überstrichen. Auch die Wohnung im ersten Stockwerk, die heute vermietet ist, wurde kaum verändert, der grüne Kachelofen von 1777 besteht noch und ist funktionsfähig. Nach Abschluss der Arbeiten wurde im Erdgeschoss Knörrs Architekturbüro eingerichtet. Hier fand ein Teil seiner Mitarbeiter Platz. Weitere Arbeitsplätze sind im Nachbarhaus, ob dem Restaurant Oriental. Das Arbeitsklima ist familiär. Über Mittag wird oft gemeinsam gegessen, bei gutem Wetter im Garten.

    Ein Haus mit vielen Besitzern

    Die Anfänge des Gebäudes müssen wohl im Dunkeln bleiben. Aufgrund vier untersuchter Eichenbalken im Erdgeschoss schätzt Dorfchronist Georg Sibler in der Mitteilung Nr. 31 «Ein Höngger Handwerkerhaus» (siehe Infobox) das Alter des ältesten Gebäudeteils auf 1473. «[Dies] ist für ein Dorf in unserer Gegend ein sehr früher Zeitpunkt. (…) Wohnhäuser aus dieser Zeit sind (…) bisher kaum bekannt», schreibt der Autor. Sibler konnte während seiner Recherchen alle Eigentümer*innen seit 1670 ausfindig machen, darunter recht bekannte Zürcher und Höngger Geschlechter wie Waser, Nötzli, Grossmann, Wehrli, Freitag, Rieder und Appenzeller. Alle gingen unterschiedlichen Berufen nach und nutzten auch das Haus entsprechend. 1730 wurden die oberen Stockwerke durch einen Brand zerstört. Schuhmacher David Rieder, der zu dieser Zeit hier lebte, wurde einen Tag später unter sechs Kandidaten zum neuen Schulmeister gewählt, möglicherweise aus Mitleid, denn eine andere Begründung ist nirgends festgehalten.

    Kurze mondäne Phase im sittenhaften Zürich

    Zwischen 1740 und 1752 wurde das Gebäude für kurze Zeit zu einem Landsitz von gehobeneren Stadtbürgern. Der «Chirurgus» – Arzt – Heinrich Waser hatte das Haus von Heinrich Peyer zu Höngg gekauft, ab 1746 trat Regula Waser als Hauseigentümerin auf. Vieles deutet darauf hin – bleibt aber auch bei Sibler eine Vermutung – dass einige Anpassungen wie die Freitreppe zur Haustüre, damals noch doppelläufig, aus dieser Zeit stammt. Im sogenannten «Saal», einem für heutige Verhältnisse kleinen Raum, wurde getanzt und geraucht, etwas, das im sittenstrengen Zürich lange verboten war. «Das Täfer in diesem Zimmer mussten wir ersetzen, es war nicht mehr zu retten», erzählt Knörr. Der Holzboden hingegen sei 180 Jahre alt, werde aber wahrscheinlich nur noch einen Abschliff überleben. Wer hier wohl im Dunkel der Nacht ein und aus gegangen sein mag?
    Die mondänen Zeiten des städtischen Landsitzes fanden bereits 1752 ein frühes und wenig glamouröses Ende, als das Haus als Konkursmasse einmal mehr den Besitzer wechselte. Später wurde das Eigentum vorübergehend durch Erbschaft in einen und zwei Drittel geteilt, ab 1938 befand es sich jedoch wieder als Einheit in einer Hand, nämlich in der von Gottlieb Hofstetter. Dieser liess das Gebäude umfangreich renovieren und verkaufte es zehn Jahre später an die Stadt Zürich. Diese wollte es damals wegen der Schutzwürdigkeit des Gebäudes haben, wie in der Mitteilung der Ortsgeschichtlichen Kommission zu lesen ist. «Der Kaufpreis betrug 56000 Franken gegenüber der 17200 Franken, die G. Hofstetter (…) bezahlt hatte (…)», heisst es dort. Aufgrund der Kosten für die Renovation dürfte der Gewinn am Ende dennoch nicht hoch ausgefallen sein. Nach 33 Jahren wechselte das orange Haus 1981 schliesslich vorläufig zum letzten Mal die Besitzer*in.


    Die Stube mit den niedrigen Decken und dem weissen Sofa mit Blick auf die Strasse. (Foto: Patricia Senn)

    Hauptsächlich, aber nicht nur alte Häuser

    Sich in vergangene Epochen und Stile einzulesen, sich damit auseinanderzusetzen und behutsam mit den Objekten umzugehen, ist so etwas wie eine Spezialität von Knörr geworden. «Das Umbauen und Erweitern fasziniert mich seit je her. Jedes Haus hat seine eigene Identität und Geschichte, seine eigene DNA». So würden er und sein Team bei einem Projekt jeweils zuerst der Geschichte nachgehen: Sind frühere Umbauten ablesbar, wurde das Haus aufgestockt oder angebaut? Wer lebte früher in dem Haus? «Alte Häuser sind fast immer in guter Qualität, die Handwerker nahmen sich Zeit», sagt der Architekt. «Meine Erfahrung ist, dass sich neue Funktionen in bestehenden Strukturen gut einbauen oder ergänzen lassen. Das ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll».
    Knörr Architekten realisieren aber selbstverständlich auch Neubauten. Im Kanton Aargau bauten sie drei Wohnhäuser mit 54 Wohnungen im Minergiestandard und komplett aus Holz. Dass sogar die Liftschächte in Holz ausgeführt wurden, war vor vier Jahren erstmalig in der Schweiz.
    Knörr spricht von jedem seiner Projekte mit einer Zuneigung, als wäre es sein eigenes Haus. In all den Jahren sei ihm sein Beruf noch nie verleidet. Er freue sich darauf, als «alter Mann» einmal in der Stube auf dem weissen Sofa zu sitzen und vom Fenster aus das Treiben auf der Limmattalstrasse zu beobachten, verrät er schmunzelnd. Es könnte aber noch eine Weile dauern, bis es so weit ist.


    Architekt Marcel Knörr vor seinem Bijou. (Foto: Patricia Senn)
  • Exklusive Führung «House of Natural Resources»

    Exklusive Führung «House of Natural Resources»

    Das «House of Natural Resources (HoNR)» steht am nördlichen Rand des Hochschulgeländes auf dem Hönggerberg. Es gehört zur Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie und beherbergt Forschungsabteilungen und Büroräumlichkeiten. Doch geforscht wird nicht nur im Inneren des Gebäudes, vielmehr ist das Haus selbst ein ganz eigenes Forschungsprojekt – allerdings nicht hydrologischer, sondern eher ingenieurstechnischer Natur. Der Holzbau stellt ein Pilotprojekt dar, mit dem das Ziel verfolgt werden soll, «innovative und effiziente Holzkonstruktionen aus Laubhölzern» zu entwickeln, wie es auf der Website des Gebäudes heisst. Sechs verschiedene Institute der Departemente Bau und Umwelt sowie Architektur waren am Bau beteiligt und konnten ihre Forschungsergebnisse direkt anwenden.
    Wer mehr zu diesem Gebäude erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, an der von der ETH Zürich und dem «Höngger» gemeinsam organisierten Führung am 7. April teilzunehmen. Der in Höngg wohnende Bauingenieur Michael Klippel wird an diesem Abend vor Ort Interessierten Einblicke in die Entstehungsgeschichte, Konstruktion und Forschung am Bauwerk gewähren und allen Fragen Rede und Antwort stehen.

    Exklusive Führung «House of Natural Ressources» für «Höngger»-Leser*innen

    Organisiert von der ETH Zürich und der Höngger Zeitung
    Donnerstag, 7. April, 18 Uhr
    Führung zirka 1 Stunde, anschliessend Apéro
    Anmeldung per E-Mail an redaktion@hoengger.ch bis spätestens 1. April. Die Anzahl Plätze ist begrenzt.