Die Gesundheitszentren für das Alter der Stadt Zürich haben im vergangenen Jahr ihr System der Pflegeeinstufung gewechselt. Wie der «K-Tipp» Ende November berichtete, läuft die Ermittlung der Pflegeleistungen seit dem 1. Juli 2025 neu über das Einstufungssystem «RAI», das alte, «Besa», hat ausgedient.
Das klingt zunächst nach einer verwaltungstechnischen Lappalie und nicht besonders spektakulär, hat aber durchaus nennenswerte Folgen. Denn mit der Systemumstellung fallen rund 400 Bewohnende der Gesundheitszentren für das Alter neu in die Pflegestufe 1. Und das, obwohl sie gar keine pflegerischen Dienstleistungen beanspruchen. Bis anhin befanden sie sich in der Pflegestufe 0 und hatten dementsprechend auch keine pflegerischen Leistungen zu bezahlen.
Fast zwanzig Franken täglich – wofür?
Seit Juli aber werden ihnen pauschal 0 bis 20 Minuten Pflege pro Tag verrechnet – für den Preis von 17.20 Franken täglich. Vorerst, so erklärt die Stadt, werde lediglich der Anteil verrechnet, den die Krankenkassen zu berappen haben. Dieser beträgt täglich 9.60 Franken, was der Stadt jährliche Einnahmen von rund 1,4 Millionen Franken beschert.
In zwei Jahren sollen dann auch die Bewohnenden selbst zur Kasse gebeten werden und ihren Anteil von 7.60 Franken täglich selbst bezahlen, was zusätzliche 2 Millionen Franken in die Stadtkasse spülen wird.
Wie Renate Monego, die Direktorin der Gesundheitszentren für das Alter, in einem Interview mit dem «Tages Anzeiger» erklärt, habe diese Neueinstufung lediglich systembedingte Hintergründe. Das neue Erfassungssystem werde landesweit eingeführt, um die Abrechnungen schweizweit zu vereinheitlichen.
Die Alters- und Pflegeheime seien verpflichtet, das neue System zu übernehmen. Und weil dieses keine Nullstufe kennen, hätten die Institutionen keine andere Wahl, als den Anforderungen des Systemanbieter zu folgen.
Betroffene wehren sich
Doch die Neueinteilung empört die Betroffenen. Einzelne hätten laut «K-Tipp» mit ihrer Versicherung Kontakt aufgenommen und ihr mitgeteilt, dass sie keine Pflegeleistungen beanspruchten. Diese haben nun in mehreren Fällen Rückforderungen von den Pflegeinstitutionen eingeleitet.
Weiter zitiert der «K-Tipp» eine von ihm kontaktierte Fachanwältin, welche erklärt, es sei «rechtlich unzulässig, eine Einstufung nicht gesundheitsbedingt vorzunehmen, sondern einzig wegen eines Systemwechsels zur Ermittlung des Pflegebedarfs». Es handle sich hierbei um Bereicherung.
Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Monego im Interview mit dem «Tages Anzeiger». Die Institutionen seien verpflichtet, für alle Bewohnenden eine Pflegedokumentation zu eröffnen, auch wenn diese (noch) keine Pflege benötigten. Und auch die Nachfrage des Personals, wie der Gesundheitszustand sei, ob es Nebenwirkungen von Medikamenten gebe oder ob ein Arztbesuch geplant seien, gälte als Pflegegespräch.
Der Eindruck der Bewohnenden, sie nähmen keine Leistungen in Anspruch, stimme daher nicht so ganz. Den Widerstand der Versicherer gegen das neue System akzeptierten die Gesundheitszentren daher nicht. Verbände und Versicherer stünden deswegen in Verhandlungen.
«Alt werden ist nichts für Feiglinge» sagte einst der Showmaster Joachim Fuchsberger. Ein Zitat, das oft und gerne wiederholt wird. Denn dieser Lebensabschnitt hält einiges an existenziellen Herausforderungen bereit. Glücklicherweise weiss der Grossteil der älteren Generation diese gut zu bewältigen und sich umso mehr der schönen Seiten des dritten Lebensalters zu erfreuen.
Und doch gibt es Situationen, welche die Betroffenen überfordern. «Ich fühle mich wie ein Wanderer vor einem hohen Berg, der nicht mehr weiss, ob er den Anstieg noch bewältigen kann», schilderte kürzlich ein Nachbar der Autorin seine aktuelle Befindlichkeit. Woher kommt dieses Gefühl der Überforderung? Wie kann man ihm begegnen? Der «Höngger» hat sich mit Peter Burri Follath, Leiter Kommunikation von Pro Senectute, darüber ausgetauscht.
Peter Burri Follath, im Alter stellt uns der Körper vor eine Reihe von Herausforderungen: Muskelmasse und Knochendichte sinken, das Hör- und Sehvermögen nimmt ab. Auch Herz und Kreislauf arbeiten langsamer, die Lungenleistung nimmt ab, das Nervensystem wird generell empfindlicher und weniger belastbar. Welche Faktoren können darüber hinaus zu einem Gefühl der Überforderung führen?
Peter Burri Follath: Während die körperlichen Fähigkeiten nachlassen, steigen die Anforderungen des Alltags. So verlagern sich viele Dienstleistungen ins Digitale und die Informationsflut verunsichert besonders Menschen, die damit nicht aufgewachsen sind. Gleichzeitig engagieren sich viele ältere Menschen stark, betreuen Enkel, pflegen Partner oder engagieren sich freiwillig. Diese Verantwortung kann zur Belastung werden, vor allem, wenn mehrere Herausforderungen gleichzeitig auftreten.
Zudem müssen oft auch noch eigene Erkrankungen und der Verlust geliebter Menschen bewältigt werden. Welche Symptome zeigen sich denn bei einer Überforderung?
Sie äussert sich im Alter oft weniger durch klare Stresssignale als durch körperliche und emotionale Veränderungen und wird daher oft erst spät bemerkt. Man schläft schlechter, fühlt sich erschöpft oder hat diffuse Schmerzen. Oft wird unregelmässig gegessen, Stürze nehmen zu, weil die Konzentration leidet. Andere ziehen sich zurück, werden vergesslicher oder reagieren gereizter. Psychischer Stress kann zudem den Blutdruck erhöhen, chronische Erkrankungen intensivieren und das Immunsystem schwächen. Die Verbindung zwischen Psyche und Körper ist im höheren Alter besonders eng.
Gibt es Rezepte, um diesen Problemen vorzubeugen?
Ein strukturierter Tagesablauf, regelmässige soziale Kontakte und der gezielte Umgang mit Informationen helfen, belastende Situationen zu reduzieren. Auch technische Hilfen können entlasten, sofern sie gut erklärt und begleitet werden. Ebenso wichtig sind Bewegung, Schlaf und Ernährung, die im Alter stark zum Wohlbefinden beitragen. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist auch die Resilienz, die psychische Widerstandsfähigkeit in belastenden Lebensumständen. Resilienz wächst durch das Gefühl, Schwierigkeiten bewältigen zu können. Ältere Menschen profitieren von Aktivitäten, die ihnen Sinn geben, etwa freiwilliges Engagement, kreative Tätigkeiten oder der Austausch mit anderen. Ergänzend können psychologische Beratung und einfache Entspannungsübungen helfen, den Umgang mit Stress zu verbessern.
Zuweilen aber reichen diese Massnahmen der Selbstfürsorge nicht aus. Wann ist es Zeit zu erkennen, dass professionelle Hilfe benötigt wird?
Hilfe wird wichtig, wenn der Alltag nicht mehr sicher gelingt, etwa wenn Medikamente falsch eingenommen werden, Stürze zunehmen oder eine Person sich stark zurückzieht. Das bedeutet jedoch nicht unbedingt einen Umzug in eine Institution. Viele Situationen lassen sich mit ambulanten Hilfen und Tagesstrukturen gut auffangen.
In vielen Fällen erkennen die Betroffen jedoch gar nicht, dass sie Unterstützung benötigen und lehnen diese ab?
Hilfeverweigerung entsteht oft aus Angst vor Abhängigkeit oder Kontrollverlust. Es hilft, diese Sorgen ernst zu nehmen und Unterstützung in kleinen Schritten einzuführen. Zuweilen akzeptieren ältere Menschen Ratschläge von Hausärztinnen oder Beratungsstellen eher als von der eigenen Familie. Wichtig ist, Geduld zu haben und dennoch Grenzen zu setzen, wenn die Sicherheit gefährdet ist.
Die Sicherheit ist auch gefährdet, wenn aus dem Gefühl der Überforderung die Lust am Leben verloren geht. Wie soll man als Angehöriger in einem solchen Fall reagieren?
Man sollte das Gespräch suchen und klar machen, dass solche Gefühle ernst genommen werden. Professionelle Hilfe kann viel bewirken, denn depressive Symptome im Alter sind gut behandelbar. Gleichzeitig ist es wichtig, soziale Kontakte zu aktivieren und gemeinsam kleine, aber regelmässige Alltagsrituale zu schaffen. Bei Suizidgedanken muss sofort ärztliche Unterstützung organisiert werden.
Zum Schluss noch ein kleines Gedankenspiel. Wie müsste eine Gesellschaft aussehen, in der ältere Menschen nicht mehr das Gefühl haben müssen, überfordert zu sein?
Eine solche Gesellschaft würde Alter als wertvolle Lebensphase betrachten und Barrieren im Alltag konsequent abbauen. Dienstleistungen wären verständlich und zugänglich, Pflege und Betreuung gut finanziert und leicht erreichbar. Mehrgenerationen-Wohnformen wären selbstverständlich, soziale Teilhabe wäre einfach möglich, und ältere Menschen müssten sich nicht an ein Tempo anpassen, das ihnen nicht entspricht. Kurz gesagt, es wäre eine Gesellschaft, die ältere Menschen nicht an den Rand drängt, sondern sie als selbstverständlichen Teil des Ganzen einschliesst.
Wertvolle Jahre
Der «Höngger» veröffentlicht auch in diesem Jahr verschiedene Artikel, die sich der Lebensrealität von Betagten und Menschen mit Behinderung widmen. Diese Reihe entsteht mit freundlicher Unterstützung der Luise Beerli Stiftung, die sich für solche Menschen stark macht.
Für viele bedeutet die Weihnachtszeit Wärme und Begegnungen, für andere kann sie herausfordernd sein. Aus diesem Grund macht eine Medienmitteilung von malreden auf das Gesprächsangebot aufmerksam: Wer in diesen Tagen das Bedürfnis hat, zu erzählen oder sich auszutauschen, findet bei malreden ein zugewandtes Gegenüber. Geschulte Freiwillige nehmen täglich von 09.00 bis 20.00 Uhr Anrufe entgegen, schenken Zeit und hören aufmerksam zu. Das Angebot ist kostenlos, anonym und vertraulich unter der Telefonnummer 0800 890 890 erreichbar.
malreden schafft Verbindung in Momenten, in denen Austausch guttut. Eine Anruferin bringt es gemäss Medienmitteilung auf den Punkt: «malreden gibt mir die Möglichkeit mit jemandem zu reden, damit ich die Worte nicht verliere.»
Auch kurze Plaudereien können Momente entstehen lassen, in denen Menschen sich gesehen fühlen, neue Gedanken entwickeln oder einfach durchatmen können. Gerade in diesen Wochen setzt malreden ein Zeichen für Mitgefühl und Zusammenhalt, denn Gespräche können Halt und Orientierung schenken.
Im Rahmen der Serie «Wertvolle Jahre» setzte sich die «Höngger Zeitung» mit dem Thema auseinander: Was bedeutet Einsamkeit für den Menschen? Was lässt sich dagegen unternehmen? Darin wird eine Liste von Anlaufstellen in Zürich aufgeführt.
Aus dem Altersmonitor von Pro Senectute Schweiz geht hervor, dass rund 37 Prozent der über 85-Jährigen in der Schweiz an Einsamkeit leiden. Laut einer Medienmitteilung von Pro Senectute Kanton Zürich zeigt die Untersuchung: Hochaltrige sind deutlich häufiger von Einsamkeit betroffen als jüngere Senior*innen.
Besonders im fortgeschrittenen Alter hat Einsamkeit gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit. Einsame ältere Menschen leiden häufiger unter Bluthochdruck und Depressionen. Sie bewegen sich weniger, stehen unter erhöhtem Stress und erkranken öfter an Demenz. Zudem verstärkt Einsamkeit bestehende Leiden und verkürzt die Lebenserwartung. Gemäss Medienmitteilung sind auch im Kanton Zürich Tausende ältere Menschen davon betroffen.
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Im Rahmen der Serie «Wertvolle Jahre» setzte sich die «Höngger Zeitung» mit dem Thema auseinander: Was bedeutet Einsamkeit für den Menschen? Was lässt sich dagegen unternehmen? Darin wird eine Liste von Anlaufstellen in Zürich aufgeführt.
Seit über 100 Jahren setzt sich Pro Senectute Kanton Zürich als private, gemeinnützige Stiftung für das Wohl älterer Menschen ein. Dazu gehört die Begleitung älterer Menschen im Alltag – mit dem Ziel, dass sie möglichst lange selbstbestimmt in ihrem Zuhause leben können. Die Stiftung steht Senior*innen zur Seite, wenn sie Hilfe am dringendsten benötigen: sei es durch persönliche Beratung, praktische Unterstützung oder soziale Angebote.
Pro Senectute Kanton Zürich setzt konkret auf niederschwellige Angebote wie Besuchsdienste, administrative und finanzielle Hilfen und kostenlose Beratungen bei Fragen zu Lebensgestaltung und Wohnsituation. Zudem fördert die Stiftung soziale Kontakte und Beziehungen und bietet sinnstiftende und bewegungsfördernde Aktivitäten an. Mit 280 Mitarbeitenden und rund 2’800 freiwillig Engagierten ist dies die bedeutendste Fachorganisation in den Bereichen Alter, Altern und Generationenbeziehungen.
Damit Pro Senectute Kanton Zürich älteren Menschen und ihren Bezugspersonen in den sieben Dienstleistungscentern sowie Fach- und Beratungsstellen im Kanton Zürich weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen kann, ist die Stiftung auch auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Unter dem Motto «Wir sind da, wenn Einsamkeit die einzige Gesellschaft ist» sammelt Pro Senectute Kanton Zürich auch dieses Jahr Spenden.
Haben Sie schon einmal daran gedacht, Ihre Lebensgeschichte für kommende Generationen festzuhalten? Für die Familie oder einfach so? Vielleicht wurden Sie sogar schon darauf angesprochen. Und das ganz unabhängig davon, ob Sie einen Nummer-1-Hit in den Charts hatten, einen Nobelpreis oder Wimbledon gewonnen haben. Fakt ist: Jedes Leben verdient es, gewürdigt zu werden. Denn alle haben ihre Geschichten, die für die Nachwelt von Bedeutung sein können.
Schon seit einiger Zeit gibt es Angebote für Menschen, deren Biografie auch ihr Vermächtnis ist. Ghostwriter verfassen in deren Auftrag persönliche Biografien, die dann wahlweise im Selbstverlag erscheinen. Auch Plattformen wie «Meet-My-Life» in Zürich bieten diesen Service an: Sie wollen, so steht es auf der Website, «möglichst viele der sonst nur mündlich überlieferten Lebensgeschichten verschriftlichen».
Doch die Form der Schrift ist nicht mehr die einzige Möglichkeit. Im Zeitalter von Sozialen Medien, in denen Videos oft mehr Gewicht haben als das geschriebene Wort, eröffnet sich ein neuer Weg: das Interview vor der Kamera. Einer, der sich auf solche filmischen Biografien spezialisiert hat, ist der Höngger Fredy Schwyter.
«Ich habe realisiert, dass viele Menschen daran interessiert sind, ihre Geschichte den Nachkommen zugänglich zu machen», sagt er. In seinem jüngsten Film porträtiert er Katharina Spörri-Egli, eine Frau, die sich in den 1960er- und 1970er-Jahren in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen konnte: Sie war die erste Zürcherin, die erfolgreich eine Gärtnerlehre absolvierte. Ein Stück Stadtgeschichte, das ohne dieses Porträt etwas weniger Beachtung finden würde. Das Video ist heute frei zugänglich und auf der Website «Unsere Geschichte» des Historikers Heinz Looser zu sehen.
Viele Facetten
«Um zu verstehen, warum ich heute diese Video-Biografien mache, muss man nur mein eigenes Leben betrachten», erklärt Schwyter im Interview. Sein Leben ist ebenso vielschichtig wie die Porträts, die er erstellt. Ursprünglich Flugzeugmechaniker, arbeitete er später als Hochschuldozent. Auch Sport, Psychologie, Musik und Tanz spielen seit je eine grosse Rolle in seinem Alltag. Gitarre, Tauchflaschen, Trompete, Tango – alles gehört zu seinem persönlichen Repertoire. «Freunde, Abenteuerlust, aber auch die Freude an gegenseitiger Unterstützung prägten meinen Lebensweg ebenso», sagt er.
Und Schwyter, der Pensionär, ist auch heute noch schwer beschäftigt. Nicht nur wegen seiner Videoarbeit, auch mit seinen Hobbys, und seiner Engagements in diversen Vereinen. So ist er Mitglied bei den Höngger gospelsingers.ch, aber auch bei den Zürcher Film- und Videoamateuren oder im Limmatclub Zürich – um nur einige zu nennen.
Der Entscheid, sich vermehrt kreativen Projekten zuzuwenden, fiel nach seiner Pensionierung. In London absolvierte er den Master in Filmproduktion. Seither drehte er mit seiner Produktionsfirma «más allá film» bereits diverse Videos, etwa über Projekte der Stadtentwicklung Zürich oder für den Architekturblog Asaz und «zuerivitruv». Technisch arbeitet er mit einer professionellen Ausrüstung, aber auch mit dem Smartphone. «Es muss nicht immer die grosse Kamera sein», sagt er. Wichtig sei die emotionale Nähe zum Menschen.
Und diese Erfahrung gibt er auch weiter: Studierende der Hochschule Chur haben bei ihm Videopraktika absolviert und gelernt, wie entscheidend die menschliche Komponente in solchen Projekten ist.
Erinnerungen bewahren
Persönliche Erlebnisse haben ihn dabei geprägt: So begleitete er filmisch über sechs Jahre hinweg das Leben seiner Ex-Schwiegermutter, die damals in Australien lebte. «Es war mir ein Anliegen, ihre Persönlichkeit festzuhalten, da sie eine spannende Frau war.» Er erinnert sich: «Meine Schwiegermutter war begeistert von dem finalen Video.» Die Arbeit an diesen Biografien ist für ihn bereichernd. Das Filmen sei Erleben pur, denn das Leben bestehe aus Beziehungen. «Ich will erfassen, was einen Menschen ausmacht und wofür er steht.»
Mit Wehmut erinnert sich Schwyter an einen weltgewandten Freund, der seine Geschichte ebenfalls auf Video festhalten wollte. Geplant war ein aufwendiges Projekt, doch die Umsetzung scheiterte am Widerstand der Ehefrau. Kurz darauf erlitt besagter Freund einen Schlaganfall, er konnte nicht mehr sprechen und starb später. «Seine Geschichte, in seinen Worten, existiert nicht mehr», sagt Schwyter nachdenklich. Solche Erlebnisse bestärken ihn in seiner Arbeit. Dabei webt er auch Fotos und Dokumente in das Video ein, je nach Bedarf.
Das Konzept reicht von Familienbiografien über Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bis hin zu Firmenporträts. Das Ergebnis ist immer individuell – von einfachen Varianten bis hin zu aufwendigen Produktionen. Die Kosten variieren entsprechend.
Dass Videos im digitalen Zeitalter eine enorme Bedeutung haben, ist für Schwyter klar. Vielleicht sind seine Biografien auch eine Antwort auf den Trend, das eigene Leben in Sozialen Medien festzuhalten. Das sei ein interessanter Ansatz, sagt er. Ein Gedanke drängt sich auf, wenn Schwyter von seinem Leben und seiner Leidenschaft fürs Filmen erzählt: Warum gibt es noch keine Video-Biografie über ihn selbst? Er weicht dieser Frage aus. Zu gross scheint das Interesse an den Geschichten der anderen.
Im Fokus: Wertvolle Jahre
Der «Höngger» veröffentlicht auch in diesem Jahr verschiedene Artikel, die sich der Lebensrealität von Betagten und Menschen mit Behinderung widmen. Diese Reihe entsteht mit freundlicher Unterstützung der Luise Beerli Stiftung, die sich für solche Menschen stark macht.
Der Verein Silbernetz Schweiz ermöglicht ein telefonisches Gesprächsangebot für ältere Menschen. Laut einer Medienmitteilung von «malreden» wurde dieses Angebot für den «Swiss Diversity Award 2025» nominiert.
Diversität bedeutet, Unterschiede sichtbar zu machen und als Bereicherung in unserer Gesellschaft zu verstehen. Der bewusste Umgang mit dieser Vielfalt trägt zu sozialem Zusammenhalt und gleichberechtigter Teilhabe bei. Bei «malreden» wird Diversität seit Anbeginn grossgeschrieben.
Dass das telefonische Gesprächsangebot für den renommierten «Swiss Diversity Award 2025» in der Kategorie «Age» nominiert ist, würdigt dieses Engagement für gelebte Vielfalt in der Schweizer Gesellschaft.
Brücken zwischen Generationen und Lebenswelten
«malreden» richtet sich an ältere Menschen, die sich Austausch und ein offenes Ohr wünschen. Es ist kostenlos, anonym, vertraulich und für alle zugänglich – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder sozialem Hintergrund.
Auch die Freiwilligen, die sich als Gesprächspartner*innen engagieren, spiegeln die Vielfalt der Gesellschaft wider. Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Lebenswegen bringen ihre persönlichen Erfahrungen ein und schaffen dadurch einen wertvollen Dialog.
So baut «malreden» Brücken zwischen Generationen, Lebenswelten und fördert soziale Teilhabe im Alter. «Bei uns zählt nicht, wer man ist oder woher man kommt – entscheidend ist die Offenheit für ein Gespräch», sagt die Co-Geschäftsleiterin Eve Bino von malreden.
Das Telefonangebot von «malreden» steht schweizweit auf Deutsch zur Verfügung. Dazu gehört das Alltagstelefon, ein Gesprächstandem und die Infovermittlung zu weiteren passenden Angeboten von Fachstellen oder Organisationen. Alle Anrufe auf die Nummer 0800 890 890 sind kostenlos, anonym und vertraulich.
Unterstützt und finanziert wird das Telefonangebot von der Gesundheitsförderung Schweiz, diversen namhaften Stiftungen, durch die öffentliche Hand und Spendengelder.
Der Award
Der Award des Vereins Swiss Diversity zeichnet seit 2019 jährlich Persönlichkeiten, Organisationen und Projekte aus, die sich besonders für Vielfalt und Inklusion engagieren. Der diesjährige «Swiss Diversity Award» wird am 6. September 2025 im Kursaal Bern verliehen.
Das Problem ist bekannt: In Schweizer Krankenhäusern und Pflegeinstitutionen ist das Personal Mangelware. Und die Situation wird sich weiter verschärfen: Gemäss den Zahlen des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums könnten es bis zu 20 000 Pflegende sein, die bis zum Jahr 2029 schweizweit fehlen. Die Gründe dafür sind vielfältig. So sorgt die demografische Entwicklung für einen steigenden Bedarf an qualifiziertem Personal.
Gleichzeitig ist der Alltag der Pflegenden von hoher Belastung geprägt. Die Arbeitszeiten, schlechte Entlöhnung und nur bedingt mögliche Kombination von Familie und Beruf machen den Job auf Dauer unattraktiv, die Fluktuation ist hoch. Mit der Pflegeinitiative, die Ende 2021 angenommen wurde, wird auf Bundesebene versucht, die Pflegeausbildung zu stärken und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Auch in der Stadt Zürich wird das Problem in Angriff genommen. Wie dies konkret geschieht, das erläuterte Stadtrat Andreas Hauri gemeinsam mit Vertreter*innen des Stadtspitals Zürich und der Gesundheitszentren der Stadt Zürich an einer Medienkonferenz im Juni. Sie informierten über das Programm «Stärkung Pflege», das im Jahr 2022 gestartet wurde.
Das Massnahmenpaket
Das Programm beinhaltet ein Massnahmenpaket, das aus den vier Punkten Flexibilität, Entlastung, Empowerment sowie Aus-, Weiter- und Fortbildung besteht. Der Punkt Flexibilität bezieht sich auf den Berufsalltag und soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.
So sollen Einsatzpläne durch die Pflegenden in Zukunft mitgestaltet werden können. Der Arbeitsbeginn soll flexibel gestaltet werden können, geteilte Dienste werden flächendeckend abgeschafft. Jobsharing wird vermehrt auf allen Ebenen ermöglicht, Löhne werden angepasst und die Ferien erweitert.
Entlastung und Empowerment sollen erstens in Form von fachlicher Unterstützung gewährleistet werden, aber auch in der Schaffung von neuen Berufsbildern und Ausbildungswegen. Dazu gehört etwa der Fachbeauftragte Geriatrie oder der CAS Intercare, die sich auf die Pflege älterer Menschen konzentrieren, aber auch der Ausbildungsweg Advanced Practice Nurses, der die Kompetenzen der Pflegenden gegenüber Ärzten stärkt. Generell soll bei den Beschäftigten das Potenzial besser erkannt werden, ein Talentpool die Förderung besonderer Talente ermöglichen.
Das Zwischenfazit, das die Stadt nun zieht, ist positiv. In den vergangenen drei Jahren seien die Löhne erhöht und die Ausbildungsplätze erhöht worden. Rückläufig sei dagegen die Fluktuation in den Gesundheitsinstitutionen, die sich seit 2022 deutlich gesenkt habe. Und während die Massnahmen wie Lohnerhöhung und Ausbildungsförderung natürlich Kosten verursachten, habe der Abbau von Temporärstellen zu Einsparungen von rund 11,5 Millionen Franken geführt.
Ein internationales Problem
Doch das Problem ist bei Weitem nicht nur lokaler oder nationaler Natur. Das machte die Podiumsdiskussion «Wer pflegt uns morgen?» der Nichtregierungsorganisation Solidarmed Ende Mai deutlich. Denn der Mangel an verfügbaren Fachkräften im Inland hat einen Dominoeffekt zur Folge: Weil der Bedarf an Pflegenden hierzulande nicht gedeckt werden kann, rekrutiert die Schweiz Personal im Ausland – rund 30 Prozent der Beschäftigten haben, so Zahlen aus dem Jahr 2021, ihre Ausbildung im Ausland absolviert. Sie stammen fast alle aus den europäischen Nachbarländern.
Und um deren eigene Personallücken zu decken, rekrutieren diese Länder selber im Ausland – etwa im europäischen Osten oder den Ländern des Südens.
Mit gravierenden Konsequenzen: Sei die Migration für das einzelne Individuum verständlich und legitim, so Roswitha Koch vom Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer, stelle sie für die Gesundheitssysteme der Herkunftsländer eine wahre Katastrophe dar. Die Zahlen der WHO untermauern dies: So stehen in 83 Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika nur rund 22,8 Gesundheitsfachkräfte pro 100 000 Menschen zur Verfügung. Nicht einmal die elementarste Gesundheitsversorgung kann so gewährleistet werden.
Hilft ein internationaler Kodex?
Initiativen wie Solidarmed unterstützen die Länder des Südens darin, die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen im eigenen Land zu verbessern, um den Verbleib von Fachpersonal zu fördern. Doch es braucht auch Bemühungen innerhalb der Industrienationen.
Auf internationaler Ebene existiert daher seit 2010 der Verhaltenskodex «zur internationalen Rekrutierung von Gesundheitspersonal» der WHO. Er hält die Mitgliedsstaaten an, dem Mangel an Gesundheitsfachkräften abzuhelfen und aus eigener Kraft die Versorgung mit Fachkräften sicherzustellen. Allerdings sind die Vorgaben wenig bindend und werden nicht konsequent umgesetzt.
Im Gegenteil: Die Rekrutierung im Ausland hat seither auch hierzulande weiter zugenommen. Lösungen sind hier schwer zu finden. Die Pflegeinitiative sowie die städtischen Programme könnten kleine Schritte in die richtige Richtung bedeuten. Doch es bedarf mit Sicherheit noch grosser Anstrengungen, um die Situation lokal, national und international zu entschärfen.
Im Fokus: Wertvolle Jahre
Der «Höngger» veröffentlicht auch in diesem Jahr verschiedene Artikel, die sich der Lebensrealität von Betagten und Menschen mit Behinderung widmen. Diese Reihe entsteht mit freundlicher Unterstützung der Luise Beerli Stiftung, die sich für solche Menschen stark macht.
«Ge-GLÜCK-tes Altern» lautete das Motto des Nachmittags. Untertitelt mit: «Von der Kunst, im Alter Glück zu finden». Eingeladen hatte der reformierte Kirchenkreis zehn Mitte Mai in das Kirchgemeindehaus Höngg. Rund 25 Personen, viele davon bereits im gesetzten Alter, folgten der Einladung. Suchten sie alle das Glück? «Ich bezeichne mich als glücklich», meinte eine Besucherin im Vorfeld gegenüber dem «Höngger». Und ergänzte: «Aber man ist nicht jeden Tag glücklich, manchmal gelingt es, manchmal nicht.» Vielleicht, so hoffte sie, erhalte sie ein paar gute Tipps.
Zunächst begrüsste zum Auftakt der Sozialdiakon Peter Lissa die Anwesenden. Er hatte den Themennachmittag organisiert. «Glück kann man nie genug haben», sagte er und das erste Schmunzeln ging durch den Zwinglisaal. Dann übernahm Dr. Heinz Rüegger das Wort. Seine Botschaft: Auch im Alter lässt sich Glück erfahren. Und das sei weder Schicksal noch Glückssache. Man könne sehr wohl etwas dafür tun.
Dr. Heinz Rüegger. (Foto: Monika Stock)
Acht Anregungen
Wie das gelingen kann, zeigte Rüegger anhand von acht Anregungen. Zunächst sei es entscheidend, das Alter zu bejahen und das Älterwerden anzunehmen – fernab der gesellschaftlich oft negativ geprägten Bilder. Dazu zeigte er die Zeichnung «Die Lebenstreppen des Mannes» (um 1850), die das Leben in zehn Stufen gliedert: Mit 50 sei Stillstand erreicht, dann gehe es bergab, so die Aussage der Zeichnung. Von solchen Vorstellungen müsse man sich lösen, sagt Rüegger. «Es geht nicht darum, möglichst lange jung zu bleiben, sondern selbstbewusst und offen für Neues alt zu werden.»
Ein Beispiel brachte er gleich mit: «Wenn Ihnen jemand sagt, Sie sehen zehn Jahre jünger aus, dann ist das kein Kompliment», erklärte er. Die passende Reaktion sei schon eher: «Wollen Sie mir meine gelebten zehn Jahre absprechen?». Denn in dieser Zeitspanne sei viel Wertvolles erlebt und gelernt worden.
Reifung und Lebenszufriedenheit
Rüegger geht bei seinen Anregungen von einem gesunden älteren Menschen aus. Dies vorausgesetzt, könne durch Reifung und Altersweisheit eine besondere Zufriedenheit entstehen. Wichtig sei, sich von starren Vorstellungen zu lösen und offen zu bleiben. «Es gibt keine Garantie, kein Versprechen. Also fördern Sie keine fixen Erwartungen darüber, wie das Alter sein müsste.» Ein zentraler Gedanke: «Glück gibt es nur zusammen mit Unglück.» Das Leben halte beides bereit. Doch selbst in schwierigen Zeiten könne man Glücksmomente wahrnehmen, nicht zuletzt dank Lebenserfahrung.
Oft bleibt das Negative länger im Gedächtnis als das Positive. Hier helfen bewusste Erinnerungen. «Verdrängen Sie nicht und setzen Sie lieber die Glücksbrille auf», riet Rüegger. Ein biografischer Rückblick helfe: Welche Zeiten waren von Glück geprägt? Warum war das so? War es verdient oder unverdient? Die Dankbarkeit, die dabei entstehe, fördere ein gutes Lebensgefühl.
Doch Glück finde man nicht nur im Rückblick. Es sei auch beglückend, sich für andere Menschen oder eine Sache einzusetzen. Etwa durch Freiwilligenarbeit oder die Unterstützung der Jüngeren. «Es müssen keine grossen Dinge sein, aber es lohnt sich, die eigene Bedeutsamkeit bis zum Schluss aufrechtzuerhalten.» Auch Beziehungen seien ein Glücksfaktor. Besonders im Alter, doch auch sie erfordern Arbeit: Interesse, Toleranz, Akzeptanz und Nachsicht: «Es stimmt nicht, dass früher alles besser war», sagt Rüegger.
Das pure Dasein
Bevor man aber rastlos durch den «goldenen Herbst» hetze, gelte es, empfänglich zu sein für das pure Dasein. Innehalten, Ruhe geniessen, sich selbst Zeit schenken. Ein Tag ohne To-dos? Kein Grund für ein schlechtes Gewissen. Schliesslich sprach Rüegger über die Kunst des Loslassens: von Überzeugungen, Aktivitäten, Positionen oder dem Anspruch auf Kontrolle. Nicht überall müsse man mitmischen. Man solle anderen den Vortritt lassen und nicht auf starren Standpunkten beharren. Daraus wachse eine innere Freiheit.
Mit Leidenschaft
«Ich bin leidenschaftlich gerne alt», sagte Rüegger während seines Vortrags. Dem «Höngger» erklärte er später, was er damit meint. Zum einen sei es sein Beruf: Er habe 25 Jahre in der Gerontologie gearbeitet und sich intensiv mit den Fragen des Alters auseinandergesetzt. Zum anderen aber auch die persönliche Erfahrung: «Mit der Pensionierung begann ein neuer Lebensabschnitt und ich suchte einen neuen Zugang zum Leben.» Die Analyse des eigenen Daseins empfand er als bereichernd: «Ich wusste, ich muss aktiv werden und mich einbringen.» Rüegger erwähnt weiter auch eine Krebserkrankung, die seine Sicht der Dinge ebenfalls beeinflusste. Heute sei er genesen und wisse daher zusätzlich, wie grossartig das Leben sein könne.
Die Reaktionen auf seine Vorträge seien durchweg positiv, erzählte er weiter – so auch an diesem Nachmittag in Höngg. Die Menschen sind stets offen für das Thema Glück. Gerade in einer Lebensphase, in der Altersdiskriminierung – auch die selbst auferlegte – ein Thema sei. «Wer sich zurückzieht, sich nostalgisch verhält, verliert oft den Zugang zum Glück.» Deshalb müsse man selbst aktiv werden. Von nichts komme eben auch nichts.
Im Fokus: Wertvolle Jahre
Der «Höngger» veröffentlicht auch in diesem Jahr verschiedene Artikel, die sich der Lebensrealität von betagten Menschen widmen. Diese Reihe entsteht mit freundlicher Unterstützung der Luise Beerli Stiftung, die sich für solche Menschen stark macht.
Die neue Studie «Digital Seniors 2025» von Pro Senectute liefert ein aktuelles Bild über die digitale Teilhabe älterer Menschen in der Schweiz, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Die Studie ergänzt die Erhebungen von 2010, 2015 und 2020.
Seit der letzten Erhebung vor fünf Jahren hat sich der digitale Graben weiter verkleinert, wie unter anderem der deutliche Anstieg der Internetnutzung zeigt: Neun von zehn Personen über 65 Jahre nutzen das Internet.
Das entspricht mehr als einer Verdoppelung seit der Erstbefragung im Jahr 2010. Die Altersgrenze der Offlinerinnen und Offliner hat sich indes weiter ins hohe Alter verschoben. Nach wie vor sind Personen über 85 Jahre seltener online.
Dies korreliert mit dem Befund, dass die Kompetenzprofile innerhalb der älteren Bevölkerung sehr unterschiedlich ausfallen: Während 88 Prozent der 65- bis 74-Jährigen grundlegende digitale Kompetenzen aufweisen, verfügen Personen ü85 über deutlich geringere.
Digitale Geräte gewinnen an Bedeutung
Die aktuelle Studie liefert eine erstaunliche Erkenntnis: Erstmals informieren sich mehr ältere Menschen über digitale Geräte wie Smartphone, Tablet und Computer (33 %) als über klassische Zugänge wie Fernseher (30 %), Printmedien (22 %) oder Radio (15 %).
Diese Entwicklung im Newskonsum könnte für die öffentliche Hand schneller als gedacht wichtig werden: «Wir sind überrascht über das Tempo dieses Umschwungs. Es ist unabdingbar, dass der Service public dem wandelnden Informationsbeschaffungsverhalten älterer Menschen Rechnung trägt», sagt Peter Burri Follath, Leiter Kommunikation bei Pro Senectute Schweiz.
Nichtsdestotrotz werden nie alle diesem Trend folgen können: «Aufgrund altersbedingter kognitiver oder körperlicher Einschränkungen werden wohl schätzungsweise stets fünf bis zehn Prozent der hochaltrigen Bevölkerung (wieder) offline sein», meint Burri Follath. Auch diese Personen dürften nach wie vor nicht vergessen werden.
Individuelle Unterstützung fördern
2025 reicht es nicht mehr, einfach online zu sein. Ältere Menschen müssen digitale Technik auch sicher, kritisch und zu ihrem Vorteil nutzen können. Dafür müssen digitale Inhalte und Anwendungen verständlich, anwendungsfreundlich und alltagstauglich gestaltet sein. Eine zunehmend individuelle Unterstützung beim Erlernen neuer Anwendungen ist ebenso zentral.
Dieses Bedürfnis hat Pro Senectute längst erkannt: «Unsere kantonalen Pro Senectute Organisationen setzen zunehmend auf Unterstützungsangebote, die gezielt auf die einzelnen Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren im Umgang mit der Digitalisierung eingehen. Das ermöglicht uns, ältere Menschen für eine digitale(re) Zukunft fit zu machen», so Alain Huber, Direktor von Pro Senectute Schweiz.
Digitale Unterstützung
Genossenschaft Zeitgut
Jeden ersten und dritten Samstag im Monat, von 10 bis 11 Uhr, im «Höngger», Meierhofplatz 2 (kostenlos, ohne Anmeldung).
Jeden zweiten und vierten Samstag, von 10 bis 11 Uhr, in der Pfarrei Guthirt, Guthirtstrasse 3–7 (kostenlos, ohne Anmeldung). www.zeitgut-zuerich.ch
Gesundheitszentren für das Alter: Computercorner
Regelmässige Unterstützung in den Zentren Bürgerasyl-Pfrundhaus, Dorflinde, Eichrain, Langgrüt, Laubegg, Limmat und Wildbach. www.stadt-zuerich.ch/gesundheitszentren
Es gibt Situationen im Leben, vor denen sich wohl alle fürchten. Dazu gehört das Szenario, aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls urteilsunfähig zu werden und auf die Unterstützung, Pflege und auch die Entscheidungen des Umfelds, von Angehörigen, der Ärzteschaft und Pflegeverantwortlichen angewiesen zu sein.
Wie kann man sich sicher sein, dass diese im eigenen Interesse entscheiden? Wie lässt sich verhindern, dass medizinische Massnahmen getroffen werden, die man selbst ablehnen würde? Oder drastischer formuliert: Wer entscheidet für Betroffene, wie lange deren Leben noch lebenswert ist, wenn dramatische Schicksalsschläge eintreten?
Für viele sind diese Vorstellungen zwar furchteinflössend, liegen aber noch in weiter Ferne. Gerne werden die Sorgen ignoriert und die Beschäftigung damit auf später verschoben, bedeutet sie doch auch eine explizite Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit und dem Tod. Gleichzeitig haben die meisten Menschen jedoch klare Vorstellungen davon, welche Massnahmen sie für sich am Lebensende befürworten oder ablehnen würden.
Konkrete Wünsche festlegen
Damit aber diese Vorstellungen und Wünsche im Falle einer Urteilsunfähigkeit auch tatsächlich vom Fachpersonal berücksichtigt werden können, müssen sie schriftlich festgehalten werden – und dies bereits vor dem Eintritt einer Urteilsunfähigkeit. Auch den Angehörigen erleichtert es den Umgang mit bestimmten Situationen, wenn schriftliche Wünsche formuliert sind. Für diesen Zweck ist es möglich, eine Patientenverfügung aufzusetzen. Sie dient als Instrument, welches die medizinischen Fragen im Interesse der betroffenen Person regelt.
Konkret beinhaltet die Verfügung mehrere Punkte: So wird hier zunächst festgehalten, wer nach dem Gesetz und dem Willen der verfassenden Person vertretungsberechtigt wird. Auch die grundsätzlichen Einstellungen zum Leben und zum Tod werden thematisiert. Schliesslich werden die konkreten Behandlungsziele und medizinischen Massnahmen betrachtet: Die verfügende Person entscheidet, in welchen Situationen – wenn überhaupt – bei ihr eine Reanimation durchgeführt werden soll und erklärt, in welchem Rahmen lebenserhaltende oder lebensverlängernde Massnahmen durchgeführt oder unterlassen werden sollen.
Und wenn es keine Verfügung gibt?
Die Patientenverfügung tritt dann in Kraft, wenn die Urteilsunfähigkeit vorübergehend oder dauerhaft eingetreten ist und medizinische Massnahmen unternommen werden müssen. Für die Feststellung der Urteilsunfähigkeit ist ein Arzt zuständig. Falls keine explizite Verfügung vorhanden ist, kommt das Erwachsenenschutzrecht (Artikel 378, ZGB) zum Tragen.
Dieses bestimmt der Reihe nach Personengruppen, welche Entscheidungsgewalt erhalten: Beistände, falls diese ein Vertretungsrecht bei medizinischen Massnahmen haben, Ehepartnerinnen, eingetragene Partnerinnen, Konkubinatspartnerinnen, Personen, die im selben Haushalt wohnen, Nachkommen, Eltern und Geschwister. Alle jedoch nur, wenn sie sich «regelmässig und persönlich kümmern und Beistand leisten». Ist von diesen Personengruppen niemand verfügbar oder bereit zu entscheiden, handelt das medizinische Personal «gemäss dem mutmasslichen Patientenwillen».
Vielzahl von Anbietern
Wer sich mit einer Verfügung absichern möchte, findet im Internet eine Vielzahl an Vorlagen und Dokumenten von den unterschiedlichsten Organisationen. So bieten etwa Pro Senectute, das Rote Kreuz, Exit, aber auch der Dachverband der Ärzteschaft FMH jeweils eigene Verfügungen an. Spezifischere Verfügungen, die sich auch auf konkrete Krankheiten beziehen, bieten Organisationen wie die Krebsliga oder Alzheimer Schweiz an.
Grundsätzlich gibt es in der Schweiz, wie eine Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft festhält, anders als in den Nachbarländern Österreich und Deutschland, kein standardisiertes Formular, sondern jeder Anbieter verfügt über ein eigenes. Deswegen unterscheiden sich die verschiedenen Verfügungen auch in ihrer Ausführlichkeit und der Detailliertheit der Angaben, welche die Menschen bezüglich ihres Willens machen können.
Ergänzt werden können die Verfügungen zudem durch Aussagen zu gewünschten Organspenden, zu Autopsie nach dem Tod oder zu Bestattung. Allgemein wird empfohlen, die Verfügung alle zwei Jahre anhand der aktuellen Vorstellungen und Wünsche zu aktualisieren und zu erneuern.
Auch für finanzielle Fragen kann vorgesorgt werden
Neben den medizinischen Fragen müssen im Falle einer Urteilsunfähigkeit natürlich noch eine Vielzahl weiterer Entscheidungen delegiert werden. Für finanzielle, persönliche und rechtliche Vertretung kann mit einem sogenannten Vorsorgeauftrag Abhilfe geschaffen werden. Hier wird genau geregelt, wer im Interesse der betroffenen Person handeln darf. Dabei kann es sich sowohl um eine natürliche Person als auch eine juristische Person, wie etwa eine Institution, handeln.
Wie die Patientenverfügung tritt auch der Vorsorgeauftrag bei Urteilsunfähigkeit des Betroffenen in Kraft, allerdings nur, wenn er, ähnlich wie ein Testament, von Anfang bis Ende handgeschrieben oder notariell beurkundet und durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) validiert wurde. Liegt kein Vorsorgeauftrag vor, sind lediglich Ehepartnerinnen oder eingetragene Partner*innen entscheidungsbevollmächtigt. Dies gilt jedoch nur für Alltagsgeschäfte. In allen anderen Fällen bestimmt die Behörde die Beistandschaft für den urteilsunfähig gewordenen Menschen.
Wer setzt eine Verfügung auf – und wer nicht?
Das Ziel der beiden Vorsorgeinstrumente Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag ist die Stärkung des Selbstbestimmungsrechts in der Schweiz. Mit dem im Januar 2013 in Kraft getretenen neuen Erwachsenenschutzgesetz wurde dieses auch gesetzlich verankert.
Und dennoch ist die Vorsorge noch lange nicht für alle ein Thema: Wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Pro Senectute aus dem Jahr 2022 ergab, liegt der Anteil der Bevölkerung, der eine Patientenverfügung verfasst hat, bei 24 Prozent der rund 1200 befragten Personen, 18 Prozent waren im Besitz eines Vorsorgeauftrags.
Dabei sind nicht nur in den verschiedenen Altersgruppen Unterschiede auszumachen – bei den über 65-Jährigen liegt der Anteil derjenigen, die eine Patientenverfügung aufweisen können, bei 53 Prozent – sondern auch regionale: In der Deutschschweiz sind die Vorsorgeinstrumente offensichtlich besser bekannt als in der Westschweiz und im Tessin.
Wie setze ich eine Patientenverfügung auf?
Hubert Kausch, Verantwortlicher für Patientenverfügungen beim Schweizerischen Roten Kreuz Kanton Zürich, beantwortet praktische Fragen.