Kategorie: Schulraumplanung

  • Mehr Schulen für den Waidberg

    Mehr Schulen für den Waidberg

    Die letzte Ausgabe des «Hönggers» beschäftigte sich im Rahmen der Fokusreihe «Schulraumplanung» mit der Geschichte der Höngger Schulhäuser, von den ersten dokumentierten Unterrichtsstunden im 16. Jahrhundert bis heute. Nun soll der Blick in die Zukunft erfolgen und die Pläne und Strategien des Schulamtes im Hinblick auf Bevölkerungswachstum und Platzbedarf in den Schulhäusern des Quartiers etwas näher beleuchtet werden.

    Fast 20 Prozent mehr Schüler*innen

    Die Gesamtbevölkerung der Stadt Zürich steigt, nach einem zwischenzeitlichen Rückgang während der 60er bis in die 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, seit den 1990ern wieder deutlich an. Eine Ausnahme macht den neuesten Daten der Bevölkerungsstatistik zufolge das Jahr 2020, was aber zumindest teilweise wohl auf die Pandemie zurückzuführen ist. Mit der Zunahme der Stadtbevölkerung nimmt auch die Anzahl der Schüler*innen in der Stadt zu: So geht das Schulamt in seinem jüngsten Bericht zur Schulraumplanung aus dem Jahr 2020 für das Jahr 2027/2028 insgesamt für die gesamte Stadt von einem Wachstum von rund 18 Prozent im Vergleich zum Ist-Zustand aus. Das bedeutet, dass bis 2028 zu den 33400 Kindern und Jugendlichen, die momentan auf Stadtgebiet eine öffentliche Schule oder einen Kindergarten besuchen, rund 6000 weitere dazukommen werden. Mit der Schulraumplanung steht die Schulbehörde daher vor der Aufgabe, anhand möglichst verlässlicher Prognosen genügend Schulhäuser, Klassenzimmer, Lehrpersonen und Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, um diesem Wachstum gerecht zu werden.

    Vielfältige Gründe für Wachstum

    Für den Anstieg, so das Schulamt in seinem Bericht, sind verschiedene Gründe verantwortlich: da ist zum einen die anhaltend hohe Zahl von Geburten, ein Trend, der sich, wenn auch in etwas abgeschwächter Form, nach Ansicht der Stadt weiter fortsetzen wird.
    Andererseits führen die Bautätigkeiten in den einzelnen Quartieren zu einer Zunahme der dortigen Wohnbevölkerung. In den letzten drei Jahren wurde besonders viel gebaut – so entstanden dem Bericht zufolge 2018 «in der Stadt 3360 neue Wohnungen. Das ist die intensivste Neubautätigkeit seit 1954.» Dazu kommt die zunehmende Verdichtung von Wohnraum. Damit verbunden ist ein positiver Wanderungssaldo, was bedeutet, dass deutlich mehr Personen in die Stadt ziehen als aus der Stadt ausziehen. Und auch die Verschiebung des Einschulungstermins in den Kindergarten spielt eine Rolle: weil schrittweise das Stichdatum für die Einschulung um mehrere Wochen verschoben wird, vergrössern sich die Klassengrössen bestimmter Jahrgänge. Zu guter Letzt führt zudem die integrative Förderung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen, die eine Integration der Kinder in die Regelklassen vorsieht, zu einer Vergrösserung der Regelklassen, einer intensiveren Nutzung von Therapie- und Gruppenräumen sowie dem Wunsch nach grösseren Klassenzimmern. 

    49 neue Schulklassen im Waidberg

    Auch für den Schulkreis Waidberg lässt sich dieser Wachstumstrend beobachten. Der Schulkreis umfasst die Quartiere Höngg, Wipkingen, Unter- und Oberstrass. 5800 Kinder und Jugendliche besuchen in den 15 Schulhäusern des Kreises die Primar- und Sekundarschule. Vergleicht man die Zuwachszahlen der sechs städtischen Schulkreise, gehört Waidberg momentan neben Letzi und Uto zu den drei am stärksten anwachsenden Kreisen. Hier rechnet die Stadt bis zum Schuljahr 2027/28 mit einer Zunahme von rund 930 Schüler*innen.  Das bedeutet, dass hier insgesamt rund 49 neue Schulklassen entstehen werden, für die Platz gefunden werden muss. Dabei sind es selbstredend nicht nur die Klassenzimmer, die Raumbedarf verursachen, sondern zudem die Betreuungsreinrichtungen wie Horte, Räumlichkeiten für Musikangebote, Sporteinrichtungen, Büro- und Verwaltungsräume sowie im Hinblick auf die Einführung der Tagesschule zusätzlich noch Küchen und Aufenthaltsräume, in denen die Schüler*innen ihr Mittagessen einnehmen können.

    Neue Schulhäuser im Riedhof und beim Waidspital

    Aufgrund dieser Entwicklungen sind in den nächsten Jahren im Schulkreis nicht nur weitere provisorische Ergänzungen durch die bekannten «Züri Modular –Pavillons», sondern zusätzlich mehrere Erweiterungs- und Neubauten von Schulhäusern in Planung.
    Bei den Primarschulhäusern in Höngg ist insbesondere im Schulhaus Riedhof der Platzbedarf zurzeit besonders gross. Um hier den Bedarf zu decken, so die Stadt, «steht die Erweiterung respektive der Bau einer weiteren Schulanlage neben dem Schulhaus Riedhof im Vordergrund.» Der Erweiterungsbau soll bis im Jahr 2027 bezugsbereit sein und Platz für zusätzliche zwölf bis 18 Klassen bieten. Eine gänzlich neue Schulanlage ist zudem auf dem Areal des Waispitals geplant, das Schulhaus «Höngg Ost». 18 Schulklassen sollen hier untergebracht werden können, der Bezug ist auf das Jahr 2029 geplant. Damit können die Häuser Bläsi und Vogtsrain sowie das Schulhaus Waidhalde entlastet werden.
    In Wipkingen kann der Platzbedarf «vorerst mit einem Provisorium auf der Lettenwiese gedeckt werden. Für das Wachstum im Letten ab 2024 bis zum Bezug eines neuen Schulhauses auf der Lettenwiese muss noch eine Strategie der Bedarfsdeckung entwickelt werden. Weitere Massnahmen sind in Prüfung.»
    In der Oberstufe wird die Anzahl der Schulklassen voraussichtlich im Zeitraum bis 2027/28 um rund acht bis zehn Klassen steigen. Um den Platzbedarf auf Sekundarschulniveau zu decken, sind Pavillons vorgesehen.

    Ausserschulische Betreuung

    Auch das Betreuungsangebot ausserhalb der Schulzeit, sprich die Anzahl der verfügbaren Hortplätze, wurde in den letzten Jahren kontinuierlich erweitert. Für den Schulkreis Waidberg gibt die Schulbehörde folgende Daten an: für die 5448 Schüler*innen inklusive Kindergartenkinder, die im Jahr 2020 hier zur Schule gingen, standen 2829 Hortplätze zur Verfügung, was einem Betreuungsschlüssel von 52 Prozent entspricht. Weil viele der Kinder den Hort lediglich Teilzeit besuchen, ist die Betreuungsquote de facto noch etwas höher. Auch in diesem Bereich wird ausgebaut – in Vorbereitung ist etwa bereits die Eröffnung eines weiteren Horts im ehemaligen Restaurant Rütihof, der 40 Kindern Platz bietet (der Höngger berichtete). Im Hinblick auf die Einführung der Tagesschule wird sich die Betreuung jedoch ohnehin entscheidend verändern.

    Tagesschulen

    Auf lange Sicht sollen die Zürcher Schulhäuser im Rahmen des Projekts «Tagesschule 25» zu Tagesschulen umstrukturiert werden. Das bedeutet, dass den Schüler*innen an den Tagen, an denen sie nachmittags die Schule besuchen, ein Betreuungs- und Mittagsangebot zur Verfügung gestellt wird. In einem Pilotprojekt haben zwischen 2015 und 2018 die ersten sechs Schulen mit dieser neuen Struktur gestartet, darunter etwa die Höngger Schule Am Wasser. Momentan läuft bereits die zweite Projektphase, in der insgesamt 30 Schulen zu Tagesschulen umgewandelt werden. Ab 2023 ist vorgesehen, die Struktur flächendeckend und etappenweise an allen Schulen einzuführen. In der ersten Etappe im Schuljahr 2023/24 sollen die Schulhäuser Rütihof und Lachenzelg umfunktioniert werden, Letten und Waidhalde 2026/27, Riedhof-Pünten, Bläsi und Vogtsrain sollen schliesslich in der letzten Projektetappe 2028/29 folgen. Bevor die Einführung der Tagesschulen definitiv erfolgen kann, ist jedoch noch die Zustimmung des Stimmvolks vonnöten. Hierzu ist im Mai 2022 eine Volksabstimmung geplant. Die zeitliche Umsetzung der Pläne ist demnach also unsicher, der Einstiegszeitpunkt der einzelnen Schulen in das Modell kann noch starke Veränderungen erfahren, wie Barbara Willimann, Leitung Schulraumplanung, dem Höngger auf Anfrage bestätigt.

  • Schulraum ist ein knappes Gut

    Schulraum ist ein knappes Gut

    In der Stadt Zürich allgemein und in Höngg im Besonderen wächst die Bevölkerung und mit ihr die Zahl der schulpflichtigen Kinder. So hat die Anzahl der Schüler*innen und Kindergartenkinder im Schulkreis Waidberg seit dem Schuljahr 2011/12 um 1376 Kinder und um 65 Klassen zugenommen. Es ist zu erwarten, dass mittelfristig 610 und langfristig nochmals 320 Kinder mehr die Schule und den Kindergarten besuchen werden. Voraussichtlich braucht es weitere 49 Schul- und Kindergartenklassen. So steht es im Papier «Schulraumplanung Stadt Zürich – Raumbedarfsstrategie Schulen», der Fachstelle für Schulraumplanung, das im Juli 2020 publiziert wurde. Die neue Fokusreihe befasst sich deshalb mit dem Thema der Schulraumplanung in den Quartieren Höngg und Wipkingen, die beide dem Schulkreis Waidberg angehören. Wie die meisten vergangenen Fokusreihen, beginnt auch diese mit einem kleinen Stück Geschichte aus dem Archiv der Höngger Quartierzeitung.

    Lange Zeit reichte ein einziges Schulhaus

    Einen ersten Hinweis auf schulische Aktivitäten in Höngg liefert nach Markus Eisenring (1945-2019), der sich vor sechs Jahren für diese Zeitung ausführlich mit der Geschichte der Schulen in Höngg auseinandergesetzt hat, ein Eintrag in der Kirchengutsrechnung aus dem Jahr 1579. Es handelt sich dabei um eine Lohnzahlung an Schulmeister Oth (Otto) Guldibeck in der Höhe von zwei Pfund für ein halbes Jahr Unterricht. Zusätzlich mussten die Schüler*innen jede Woche Schulgeld abliefern. So variierte der Lohn des Lehrers auch nach Jahreszeiten, denn im Sommer mussten viele Kinder im Elternbetrieb mitarbeiten und blieben deshalb der Schule fern. Im Winter hingegen unterrichtete Guldibeck an die 100 Schülerinnen und Schüler, schreibt Eisenring. Eine beachtliche Zahl, zählte Höngg im Jahr 1634 doch erst 629 Einwohner*innen. Zwingend wurde der Schulbesuch jedoch erst viel später, nämlich 1874, als die obligatorische, kostenlose Primarschule in der Bundesverfassung verankert wurde. Unterrichtet wurde vorerst im Haus des Schulmeisters, 1615 richtete die Gemeinde Höngg ein Schulzimmer im Gemeinde- und Gesellenhaus Rebstock beim Meierhofplatz ein. Irgendwie schienen Schule und Gesellenbetrieb aber nicht so richtig zusammenzupassen, weshalb man froh war, im Jahr 1643 das erste Höngger Schulhaus am Wettingertobel einrichten zu können, dort wo heute ein Kindergarten, eine Klasse der heilpädagogischen Schule, ein Hort sowie Räume für das Musikkonservatorium untergebracht sind. Im Unterricht ging es in erster Linie darum, Lesen und Schreiben zu lernen, rechnen konnten nur wenige. Während es bis 1750 vorrangig um kirchliche Erziehung ging, beeinflussten ab dem 19. Jahrhundert verstärkt Aufklärer wie Pestalozzi und Rousseau die Art und Weise, wie unterrichtet wurde.

    Reaktion auf rasantes Bevölkerungswachstum

    Das älteste Schulhaus nach dem Wettingertobel war das Bläsischulhaus B, welches 1883 eingeweiht wurde und vier Zimmer besass. Um 1900 lebten rund 3100 Personen in Höngg und Rütihof. 1907 wurde schliesslich das Bläsischulhaus A mit neun Zimmern und einer Turnhalle eröffnet. Bis das Bläsi B 1977 abgebrochen und 1978 das Hallenbad und eine Turnhalle eingeweiht wurden, war die Bevölkerung von Höngg auf über 17000 Personen gewachsen. 2013 bis 2015 wurde das Schulhaus gesamtsaniert.
    Nachdem die älteren Höngger Kinder jahrelang erst in Regensdorf und später in Oberengstringen in die Sekundarschule hatten gehen müssen, wurde ab 1871 im Wettingertobel die Sekundarschule Höngg-Oberengstringen eingerichtet. Später zog sie ins neu errichtete Bläsi A. Die Planung der heutigen Sekundarschule Lachenzelg begann bereits im Jahr 1933, wurde aber durch die Eingemeindung 1934 unterbrochen und erst 1943 wiederaufgenommen. 1953 konnte die Oberstufe schliesslich eröffnet und 1957 durch die Schulhäuser Imbisbühl und Pünten erweitert werden. Später wurden Lachenzelg und Imbisbühl zum Oberstufenzentrum umgebaut.
    1963 wurde das Riedhof-Schulhaus errichtet, welches wegen seiner Pavillonstruktur zum Anschauungsobjekt für Architekturstudenten aus der ganzen Welt wurde. 1973 folgten das Vogtsrain- und 1994 das Rütihofschulhaus. Letzteres war eine Antwort auf die rasante Entwicklung der letzten 40 Jahre im Satelliten-Dorf Rütihof: «Von rund 80 Personen in den 1970ern stieg die Einwohnerzahl des Rütihofs auf rund 4000 an – mit entsprechend vielen Kindern», schrieb Eisenring in einem seiner Texte.

    «Am Wasser» musste bereits erweitert werden

    Das jüngste Schulhaus Hönggs, «Am Wasser», stammt aus dem Jahr 2000. Es wurde als Teil eines grossen Bauprojekts im Verbund mit der ehemaligen «Seidenstoffweberei Höngg» geplant. Nach der Schliessung der Seidenstoffweberei hatte die Stadt das Areal 1942 gekauft und vermietete es an Gewerbetreibende. 1992 wurden grosse Teile der Anlage durch einen Brand zerstört, wodurch sich aber neue Möglichkeiten für das kurz zuvor unter Denkmalschutz gestellte Gebäude eröffneten. Da mittlerweile viele Familien an die Limmat gezogen waren, wuchs auch hier der Bedarf an Schulräumen, und so konnte im Jahr 2000 die Schule «Am Wasser» eröffnet werden und wenig später auch ein Kindergarten und ein Hort einziehen. Bereits 2004 mussten auf der anderen Seite der Limmat zwei Ersatz-Pavillons erstellt werden, 2007 wurde das Schulhaus «Am Wasser» im Obergeschoss erweitert.
    Wer genaueres zu diesen Schulhäusern nachlesen möchte, sei auf die Artikel aus dem Jahr 2015 verwiesen, Link in der Infobox. Im kommenden Teil der Fokusreihe Schulraumplanung wird es um die aktuellen Zahlen und die Prognosen für die kommenden Jahren gehen. So viel sei verraten: Mindestens ein neues Schulhaus im Schulkreis Waidberg ist in Planung.

     

    2015 erschien im «Höngger» eine Serie zu den Schulen in Höngg. Der 2019 verstorbene Autor Markus Eisenring erzählte die Geschichten der Schulhäuser in neun Teilen, nachzulesen unter www.hoengger.ch/dossiers. Dieser Artikel basiert auf seinen Berichten, wo auch weiterführende Literatur aufgelistet ist.