Kategorie: Schulen Höngg

  • Tagesschule: Ausführungsbestimmungen regeln Details

    Tagesschule: Ausführungsbestimmungen regeln Details

    Die Zürcher Schulpflege (ZSP) hat nach einem breiten Vernehmlassungsverfahren verschiedene Detailfragen im Zusammenhang mit der flächendeckenden Einführung der Tagesschulen geklärt. Diese sind in den Ausführungsbestimmungen zur Verordnung über die Tagesschulen der städtischen Volksschule (AVTS) geregelt, schreibt das Schul- und Sportdepartement in einer Medienmitteilung.

    Die Tagesschule umfasst die Auffangzeit am Morgen, den Unterricht, die Mittage mit Nachmittagsunterricht (gebundene Mittage) sowie die Mittage ohne Nachmittagsunterricht (ungebundene Mittage), die offenen Betreuungsangebote am Nachmittag und die betreuten Aufgabenstunden.

    Unterrichtsbeginn auf Primar- und Sekundarstufe
    An den Tagesschulen wird auf Primar- und Sekundarstufe ein einheitlicher Schulbeginn eingeführt. Bei vier Lektionen Vormittagsunterricht beginnt die Schule für Schüler*innen der Primar- und Sekundarstufe um 8.20 Uhr. Sind fünf Vormittagslektionen nötig, beginnt der Unterricht auf beiden Stufen bereits um 7.30 Uhr.

    Auffangzeit im Kindergarten um 8 Uhr
    Die Auffangzeit für Primar- und Sekundarstufe beginnt um 8 Uhr. Diese Auffangzeit wird in den AVTS auf den Kindergarten ausgedehnt. Dies wird zu zusätzlichen Personalkosten von 1,4 Millionen Franken jährlich führen. Wie bisher beginnt der Unterricht im Kindergarten um 8.35 Uhr.

    Grundsätzlich findet die Auffangzeit für alle Stufen in den Schulgebäuden statt. Für die Auffangzeiten werden in der Regel Lehrpersonen verantwortlich sein. Diese werden für den zusätzlichen Aufwand entschädigt. Die ZSP beantragt die dafür notwendigen Stellen beim Stadtrat.

    Einheitliche Mittagszeit
    An der Tagesschule dauert die Mittagszeit für alle Kinder zwischen 80 und 100 Minuten. Die konkrete Mittagsdauer legt das Kreisschulpräsidium auf Antrag der jeweiligen Schule fest. Für alle Schulkinder aus derselben Tagesschule dauert der Mittag gleich lang und findet gleichzeitig statt. Eine gestaffelte Verpflegung innerhalb der definierten Mittagszeit bleibt weiterhin möglich.

    Flexiblere Abmeldemöglichkeiten
    Neu ist eine semesterweise Abmeldung von sämtlichen oder auch nur von einzelnen gebun-denen Mittagen möglich. Auf Primarstufe können die Kinder von einem gebundenen Mittag abgemeldet werden. Auf Sekundarstufe ist je nach Schule auch eine Abmeldung von zwei gebundenen Mittagen möglich. Ab- oder Wiederanmeldungen sind für das Herbstsemester bis 31. Mai und für das Frühlingssemester bis 30. November möglich.

    Betreute Aufgabenstunden und offene Betreuungsangebote
    Alle Tagesschulen bieten betreute Aufgabenstunden an. Diese finden nicht während den gebundenen Mittagen statt. So können auch Kinder von den Aufgabenstunden profitieren, die sich von den gebundenen Mittagen abgemeldet haben. An Tagen mit Nachmittagsunterricht stehen den Schüler*innen unentgeltlich offene Betreuungsangebote bis 16 Uhr zur Verfügung.

    Sowohl von den betreuten Aufgabenstunden als auch den offenen Betreuungs-angeboten können die Schulkinder abgemeldet werden. Derzeit werden 30 Schulen als Tagesschulen geführt. Ab dem Schuljahr 2023/24 werden weitere vier Schulen dazukommen. Die AVTS treten am 1. August 2023 in Kraft.

    (Quelle: Medienmitteilung Stadt Zürich, Schul- und Sportdepartement)

  • Schule oder Spielen

    Schule oder Spielen

    Dass die Anzahl Schülerinnen und Schüler in der ganzen Stadt und insbesondere im Schulkreis Waidberg stetig wächst, ist mittlerweile bekannt. So werden in den Schulhäusern Riedhof und Pünten langfristig insgesamt 26 Primarklassen erwartet, heute sind es 17 Primar- und acht Kindergartenklassen. Bereits 2016 und 2019 wurden beim Schulhaus Riedhof deshalb zwei sogenannte Züri-Modular-Pavillons (ZM-Pavillon) als Provisorien aufgebaut. Gerade laufen die Arbeiten für den ZM-Pavillon Pünten I, der unterhalb des Schulhauses Pünten auf einem der vier Tennisplätze gebaut wird.

    Zwei Pavillons auf der Spielwiese geplant

    Wie Immo Zürich kommuniziert hat, werden nun noch zwei weitere ZM-Pavillons auf der Schulanlage Lachenzelg notwendig. Einer davon wurde am 2. Juni öffentlich ausgeschrieben und ausgesteckt. Die dreigeschossige Anlage kommt auf der Spielwiese zwischen den Schultrakten Lachenzelg West und Lachenzelg Ost zu stehen. «Dabei wird auf eine kompakte Anordnung geachtet, bei welcher der Aussenraum möglichst wenig tangiert wird», schreibt die Projektorganisatorin auf der Bauinformation. Und etwas konkreter wird die Immobilien Stadt Zürich (IMMO) auf Anfrage: «Der vorgesehene Standort auf der Schulanlage Lachenzelg liegt parallel zur Geländeböschung. Der ZM fügt sich dort gut in die Anlage ein und tangiert die Spielwiese dank der Lage am Rand so wenig wie möglich, sodass die Wiese nutzbar bleibt». Als alternativer Standort sei unter anderem auch der Allwetterplatz nördlich des Schulhauses Lachenzelg Ost geprüft worden. «Um den Allwetterplatz als ganzjährig nutzbare Fläche zu erhalten, wurde diese Option jedoch verworfen», so die IMMO. Baubeginn ist im Januar 2022, bis August sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Ein zweiter auf der Schulanlage Lachenzelg geplanter ZM soll im Schuljahr 2023/24 direkt an den ersten anschliessend auf der Wiese zu stehen kommen. «Auch bei der Ergänzung durch einen zweiten ZM bliebe die Spielwiese für die Schülerinnen und Schüler nutzbar», so die IMMO.

    Neue Schulanlage Riedhof für 2027 geplant

    Wie der «Höngger» bereits anlässlich des Fokusthemas «Schulraumplanung» berichtete, ist der Platzbedarf in den Primarschulhäusern in Höngg und insbesondere im Schulhaus Riedhof zurzeit besonders gross. Aus diesem Grund steht der Bau einer weiteren Schulanlage neben dem Schulhaus Riedhof im Vordergrund. Dieser soll bis im Jahr 2027 bezugsbereit sein und Platz für zwölf bis achtzehn Klassen bieten. Auch auf dem Areal des Waidpitals soll eine neue Schulanlage für insgesamt 18 Klassen gebaut werden, das Schulhaus «Höngg Ost». Der Bezug ist auf das Jahr 2029 geplant. Damit sollen sowohl die Schulhäuser Bläsi und Vogtsrain sowie das Schulhaus Waidhalde entlastet werden.

    Grünfläche an Riedhofstrasse

    Bei einer kurzen Besichtigung vor Ort fiel eine eingezäunte Grünfläche auf, die fünfzig Meter vom Schulhaus Lachenzelg, an der Kreuzung Riedhofstrasse, Imbisbühlweg, liegt. Ein Schild weist darauf hin, dass die Fläche per Verfügung von 1971 den Schüler*innen zum Fussballspiel vom 1. April bis Mitte Oktober offensteht. Die Wiese ist jedoch unbewirtschaftet. Die Verwaltung der Grünfläche sei vor Kurzem an Grün Stadt Zürich (GSZ) übertragen worden, sagt Marc Werlen, Leiter Kommunikation bei GSZ auf Anfrage. Sie sei bisher kaum genutzt worden. Die Grünfläche liegt in einer Freihaltezone Sport- und Badeanlagen und soll daher auch künftig dem Sport gewidmet werden können. «Wie das genau erfolgen wird, ist noch nicht festgelegt und wird zusammen mit dem Sportamt erörtert», ergänzt Werlen.

  • Sichere Schulwege, Chinesisch-Kurse und eine neue Schulleiterin

    Sichere Schulwege, Chinesisch-Kurse und eine neue Schulleiterin

    Am Dienstag, 30. Juni, waren abends alle Plätze im Mehrzwecksaal der Schule Scherr besetzt. Zu Beginn der Versammlung wurden die Aufgaben der Verkehrskommission vorgestellt. In Zusammenarbeit mit der Dienstabteilung Verkehr und dem Tiefbauamt wird nach baulichen Lösungen gesucht, wenn sich ein Schulweg als zu wenig sicher erweist. Dazu werden bei Bedarf auch Begehungen vor Ort gemacht. So konnten im Laufe des letzten Jahres elf schwierige Situationen entschärft werden. Den Kommissionsmitgliedern wird die Arbeit vorläufig aber nicht ausgehen, auf ihrer Pendenzenliste kommen immer wieder neue Fälle hinzu.

    Fühlen sich die Kinder wohl?

    Die Kommission zur Integration fremdsprachiger Kinder hat einen ganz anderen Aufgabenbereich. Zu ihren Pflichten gehören die Schulbesuche in den Kursen für heimatliche Sprache und Kultur. So erzählte deren Präsident, wie es den Schulpflegemitgliedern ergeht, wenn sie eine Lektion in Chinesisch beurteilen müssen, obwohl sie kein Wort verstehen. Aber auch da ist es möglich, zu erkennen, ob sich die Kinder wohlfühlen und sich aktiv am Unterricht beteiligen. Unterstützt werden Schule und Behörde dabei von den Sprach- und Kulturvermittlern. Diese werden auch dann beigezogen, wenn es darum geht, bei Elterngesprächen zu übersetzen und das Zürcher Schulsystem zu erklären. Zu den erfahrensten Übersetzerinnen gehört Bienvenida Komotar. Im Laufe der letzten zwanzig Jahre hat sie nicht nur unzählige Male übersetzt, sondern den spanisch sprechenden Eltern auch die hiesige Kultur nähergebracht. Da sie das Pensionsalter erreicht hat, muss sie ihre Arbeit im Dienst der Schule beenden. Ihre Verdienste wurden vom Schulpräsidenten Urs Berger mit einem Blumenstrauss und einem Präsent verdankt.

    Verabschiedungen und Begrüssung

    Zwei Behördenmitglieder musste der Schulpräsident verabschieden: Ursula Zatti und Franco Pavone verlassen nach einem Jahr die Kreisschulpflege wieder. Beide hatten sich gut in ihr Amt eingelebt, müssen dieses jetzt aber aus beruflichen Gründen wieder abgeben. Der letzte Blumenstrauss war für eine Begrüssung vorgesehen: Rahel Häsler wird auf Anfang August ihre Stelle als Co-Schulleiterin der Schule Waidhalde antreten. Die 35-jährige Primarlehrerin und zweifache Mutter wird nebst ihrer Leitungstätigkeit auf der Mittelstufe unterrichten. Rahel Häsler freut sich, ihren Horizont vom Klassenzimmer auf die ganze Schule zu erweitern und ist aber froh, das Unterrichten trotzdem nicht ganz aufgeben zu müssen. Gemeinsam mit dem langjährigen Schulleiter Ernst Hüsler wird sie die Geschicke der grossen Schule in Wipkingen an die Hand nehmen.
    Zum Schluss würdigte Urs Berger die Arbeit der Behördenmitglieder. In einem Schulkreis, in dem gegen 1‘000 Personen in allen Bereichen der Schule arbeiten, jährlich etwa 600 Kinder in den Kindergarten eintreten und insgesamt 4‘500 Kinder unterrichtet werden, braucht es auch seitens der Schulpflege ein grosses Engagement, um alle Aufgaben zu meistern. Dass dies gelingt, zeigt sich nicht zuletzt an der guten Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Schulen und ihren Behördenmitgliedern. So gehen sie auch gemeinsam den künftigen Herausforderungen, wie zum Beispiel der Umsetzung des Lehrplans 21, an.

    Eingesandt von Ruth Stössel, Aktuarin Kreisschulpflege Waidberg

  • Schulen in Höngg, letzter Teil: Wie Menschen lernen

    Schulen in Höngg, letzter Teil: Wie Menschen lernen

    «Wir lernen nur von jenen, die wir lieben» − von dieser Weisheit ist der Schreibende zutiefst überzeugt. Man mag nun einwenden, Kinder oder Erwachsene könnten oft auch schwierige Situationen bewältigen, ja würden von äusserem Druck und Herausforderungen geradezu angespornt. Das trifft unter einer ganz bestimmten Voraussetzung zu: Die Lernprozesse finden in einem wohlwollenden Grundklima statt, das Fehler nicht bestraft, sondern als Lerngelegenheiten begrüsst werden. Wer als Kind über längere Zeit einem lieblosen, unterdrückenden oder gewalttätigen Milieu ausgesetzt ist, verfügt letztlich nur noch über zwei «Lern»-Optionen: Er wird entweder gegenüber Schwächeren selber zum Unterdrücker und setzt alles daran, in der sozialen Hackordnung stets oben zu bleiben. Oder er wendet die Aggressionen gegen sich selber und entwickelt psychische Störungen, die oft in eine Sucht führen und im Erwachsenenalter nur mit grösster Anstrengung überwunden werden können. Ausnahmen von dieser Regel − damit sind Kinder gemeint, die auch grobe Schwierigkeiten während des Aufwachsens weitgehend unversehrt überstehen − bezeichnet man als Resilienz. Deren Wurzeln liegen sowohl in der genetischen Ausstattung wie im Glück, ausserhalb des eigenen, schädigenden Umfeldes auf Erwachsene zu treffen, zu denen das Kind eine von Vertrauen geprägte Beziehung aufbauen kann.

    «Antiautorität» ist nicht gleich Vernachlässigung

    Über den Schulreformer Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) wurde im ersten Teil dieser Artikelserie bereits berichtet. Ein moderner Pionier humanistischer Lernformen war der Schotte A.S. Neill (1883-1973), dessen Buch: «Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung – das Beispiel Summerhill», 1969 für viele, auch für den Schreibenden, eine Offenbarung bedeutete. Neill selber hat den reisserischen Titel der deutschen Übersetzung und den Begriff «Antiautorität» stets abgelehnt. Er befürchtete, dass sein philosophisch-pädagogischer Ansatz mit einem verwöhnenden oder vernachlässigenden Erziehungsstil verwechselt werden könnte. Tatsächlich wird «Antiautorität» seit Jahrzehnten schlecht geredet und für allerlei Missstände verantwortlich gemacht. Diese sind aber in erster Linie Umwälzungen in Wirtschafts-, Arbeits- und Familienstrukturen, in Wissenschaft und Technik sowie den daraus resultierenden konsum- und genussorientierten Lebensstilen geschuldet.
    Hierzu nur ein (banales?) Beispiel: Die Klagen über unsere ausgangswütige, dabei Alkohol oder andere Drogen konsumierende und im Rausch nicht selten gewalttätige Jugend sind nur allzu bekannt. Der Hauptauslöser dieser Entwicklung war die Deregulierung des Clubwesens, verbunden mit der Abschaffung der Polizeistunde und der Einführung von Nacht-ÖV an Wochenenden: Wirtschaftsliberales Laisser-faire zugunsten von renditeversprechendem Konsum, nicht «antiautoritär» erziehende Eltern! Man darf diese neuen Freiheiten, die von einer Mehrheit zur genussvollen Entspannung genutzt werden, durchaus begrüssen, müsste die «Nebenwirkungen», die sie begleiten, aber richtig verorten. Um beim Thema zu bleiben: Auch Ordnungsstrukturen haben einen wesentlichen Einfluss darauf, was und wie Menschen lernen.
    Wer sich seriös mit dem Buch von A.S. Neill auseinandersetzt, erkennt schnell, worum es ihm ging: Er übertrug den Grundsatz der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht konsequent, der jeweiligen Entwicklungsstufe der Lernenden angemessen, auf den Umgang zwischen Lehrkräften und Schülern. Was soll daran schlecht sein?

    Zurück in den Mittelpunkt

    Nun rückt die moderne Bildungswissenschaft die Persönlichkeit jener, von denen wir lernen, sowie die Art und Weise, mit der sie die Perspektive der Schüler wahr- und ernstnehmen, wieder in den Mittelpunkt gelingender Lernprozesse. Das ist ein erfreuliches Ergebnis in einer derart von Technik und Maschinen dominierten und abhängigen Welt wie der heutigen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Mit diesen Ausführungen sollen nicht etwa moderne Lernmethoden wie computergestütztes und selbstorganisiertes Lernen abgewertet oder gegen den lehrerzentrierten Frontalunterricht, der bis in die 70er-Jahre vorherrschte, ausgespielt werden. Es geht darum, den Prinzipien von wirkungsvollem Lehren und Lernen nachzuspüren.

    Die Lehrperson ist entscheidend

    In die Arbeit von John Hattie, einem 1950 in Neuseeland geborenen Bildungsforscher, sind mehr als 800 Meta-Analysen, die wiederum über 50‘000 Einzelstudien zusammenfassen, eingeflossen. Insgesamt werden Daten von 250 Millionen Schülern ausgewertet. Seine Schlussfolgerungen hat er 2013 im eingangs erwähnten «Hattie-Bericht» veröffentlicht. Aus all den Zahlen generiert Hattie eine ganz persönliche Botschaft: «Lehrpersonen gehören zu den wirkungsvollsten Einflüssen beim Lernen. Lehrpersonen müssen direktiv, einflussreich, fürsorglich und aktiv in der Leidenschaft des Lehrens und Lernens engagiert sein».
    Nun gibt es Forschungsaussagen, wonach die Bildungsnähe der Eltern und deren Beteiligung an der Schule sowie die Gruppe der Gleichaltrigen eine ebenso grosse, wenn nicht gar wichtigere Rolle spielten als der Unterrichtsstil oder die Persönlichkeit des Lehrenden. Das ist allerdings kein Widerspruch zum Hattie-Bericht, denn dieser fokussiert auf Faktoren, die veränderbar sind. Aufgrund eigener Erfahrungen seien drei von sieben «Wegweisern», die John Hattie Lehrenden auf der ganzen Welt mitgibt, hervorgehoben:
    Zum einen müssen gemäss Hattie Lehrer das Lernen durch die Augen ihrer Schüler sehen und eine genaue Vorstellung entwickeln, wie der Lernprozess beim Einzelnen abläuft. In der Regel geschieht im Kopf des Schülers nicht das, was sich die Lehrperson bei der Vorbereitung einer Lektion vorstellt. Und letztlich entscheiden die Lernenden selbst, was sie lernen werden. Hattie spricht deshalb von der Wichtigkeit des Feedbacks zwischen Lehrenden und Lernenden während des gesamten Lernprozesses. Das ist im Kern mit «Lernen sichtbar machen» gemeint – und didaktisch sehr anspruchsvoll. Zum zweiten ist es gemäss Hattie entscheidend, alles Üben in Lernformen höherer Ordnung einzubinden. Denn: Üben ohne Bezug zu einem herausfordernden Ziel sei stumpfsinnig, repetitiv und wirke dem Engagement der Schüler für das Lernen entgegen. Und nicht zuletzt hält er es für wichtig, dass die Lernenden eine tiefe Grundlage an Faktenwissen erwerben und einen konzeptuellen Rahmen, eine Art geistigen Kompass entwickeln, damit sie in der Lage sind, neues Wissen und Informationen, zum Beispiel auch aus dem Internet, aufzunehmen, einzuordnen und zu verarbeiten.

    Quellen:
    – «Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung – das Beispiel Summerhill» von A.S. Neill, Reinbek: Rowohlt Taschenbuch 1969, ISBN 3499167077
    – «Lernen sichtbar machen», von John Hattie, übersetzt und überarbeitet von Wolfgang Berwyl und Klaus Zierer, Schneider Verlag, 2013, ISBN 978-3-8340-1190-9

     

    Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u.a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.

     

    Alle Artikel
    15. 1. 2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29. 1. 2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5. 2. 2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    26. 2. 2015: Vogtsrain mit Wettingertobel
    12. 3. 2015: Das Schulhaus Rütihof
    26. 3. 2015: Riedhof-Pünten
    30. 4. 2015: Am Wasser
    21. 5. 2015: Bläsi
    Der «Höngger» dankt dem Autor für die ehrenamtlich verfasste Artikelserie.
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch / Archiv, Dossier Schulen Höngg

  • Schul-Projektwoche in «Respektistan»

    Schul-Projektwoche in «Respektistan»

    Damit Freundlichkeit, Zusammenarbeit und Freude die Welt regieren, braucht es ein kleines Wörtchen, das beachtet werden muss: Respekt. Man hört anderen zu, macht aufmerksam mit, beleidigt niemanden, wirkt auf andere freundlich, versucht Streitereien zu vermeiden, lobt andere und hilft allen, die es wünschen. Das alles macht eine respektvolle Person aus. Menschen, die streiten, soll man allerdings nicht als unfreundlich und böse abstempeln, jedenfalls, solange diese auch wieder Frieden schliessen können.

    Jedes Zimmer war ein Kanton

    Die Schule Riedhof-Pünten ist nun auf die Idee gestossen, zu diesem Thema ein Projekt für alle Kinder des Kindergartens und der Primarschule durchzuführen. Der Einfachheit halber erfanden die Lehrpersonen gleich ein ganzes Land: Respektistan. Jedes Zimmer wurde in einen kleinen Kanton verwandelt. Da kamen die lustigsten Kantonsnamen vor wie Gurkenschneidikon, Bubendorf, Schlaraff, Zähmungen, Wartbisdran, Wehrenbach, Entscheidikon.
    Für die Lehrerschaft war es nicht einfach, Posten zu gestalten, welche für die Kindergärtner nicht zu anspruchsvoll und für die Schüler der 6. Klasse nicht lächerlich sein sollen. Die Grossen erwarten Action, die Kleinen wohl eher Geborgenheit. Die Reise führte im Verlauf der Woche durch alle Kantone. Überall gab es etwas zu erleben: Geschichten schreiben, Zeichnen, Musik machen, Dance-Workshops, sogar Trickfilme und elektrisch geladene Wutpüppchen konnte man gestalten. Im Nachbarland Ostfiesland sperrte die Theatertruppe schon einmal die Lehrerin ins Geräteräumchen – natürlich nur im Namen der Mobbingforschung. Nachdem alles säuberlich als Fotoroman dokumentiert war, feierten «Täter» und «Opfer» gemeinsam die erfolgreiche Arbeit. Beim Kämpfen auf den Matten wurde auf Fairness geachtet, beim Musizieren musste man gut aufeinander hören und beim Kochen für vierhundert Personen war intensives Teamwork verlangt.

    «Gurkenschneidikon» und «Obstwaschingen»

    Bei allen scheint die Woche gut angekommen zu sein. Die meisten Buben konnte man in Bubendorf beim Kämpfen beobachten. Am Donnerstag führte sogar ein richtiger Schwinger, Daniel Reichlin vom Schwingclub Zürich, in seine Sportart ein. Beim Kletterturm, der mit ellenlangen gestrickten Bändern eingewickelt wurde, hielten sich Jungs und Mädchen etwa die Waage. Die Mädchen zeigten grosses Interesse für die Trickfilme, obwohl das doch sonst eher Jungs anzieht. Unterdessen haben andere Kinder in Gurkenschneidikon und Obstwaschingen für alle vierhundert Reisenden eine leckere Mahlzeit vorbereitet, welche dann in Tischsitten serviert wurde.
    Um halb zwei ging es dann jeweils weiter; die Kinder strömten in Scharen in die Kantone, in denen sie vormittags gearbeitet hatten. Bis um halb drei wurde dann nochmals tüchtig getüftelt, gelötet, geknobelt und getanzt, bevor die Gäste von der Reiseleitung in den wohlverdienten Feierabend entlassen wurden.

    Eingesandt von Aline Fuhrer, 6. Klasse Schule Riedhof

  • Schulen in Höngg, Teil 8:  Das Bläsi

    Schulen in Höngg, Teil 8: Das Bläsi

    Das 1977 abgetragene Bläsi-Schulhaus B mit vier Klassenzimmern wurde 1883 eingeweiht. Es war – 240 Jahre nach der Eröffnung der Schule «Am Wettingertobel» − das zweite Schulhaus in Höngg und lag östlich des heutigen Schulgebäudes. Bereits 1893 waren die vier Zimmer voll belegt. Man begann mit der Planung eines weiteren Schulhauses. Nicht zuletzt aufgrund einer Intervention des Turnvereins, der energisch nach einer Halle rief, beschlossen die Höngger 1906 mit 185:1 Stimmen den Bau des Bläsischulhauses A mit neun Klassenzimmern, Nebenräumen und einer Turnhalle. 1907 konnte es bezogen werden. Die neue Turnhalle begrenzte das Schulareal gegen Osten.

    Prägende «Container-Kultur»

    Seither wurde der grosse Schulhausplatz mehrfach umgestaltet. Wo einst Bäume Schatten spendeten und Bänke zum Ausruhen luden, kann heute im Hallenbad geschwommen und in der Halle nebenan Sport betrieben werden. Doch bekanntlich wird das Bläsi-Schulhaus zurzeit umfassend erneuert. Unterrichtet wird deshalb in Containern, die ziemlich genau am Ort der 1907 gebauten, längst abgerissenen Turnhalle aufgestellt wurden.
    Zum Gespräch wird der Berichterstatteter von Schulleiter David Zimmermann und von Carol Brogli, Leiterin Betreuung, in einem Zimmer der hinteren Schul-Container empfangen. David Zimmermann hat seine Stelle im August 2014 direkt im Provisorium angetreten. Carol Brogli ist seit dem 1. März 2013 im Bläsi tätig. Was das gesamte Schulteam − unabhängig von der Anstellungsdauer − verbindet: Allen steht diesen Herbst die Rückkehr ins renovierte Schulhaus bevor. Die anstehende, gemeinsam vorzubereitende Aufgabe, aber auch die räumliche Nähe, welche das Schulprovisorium erzwingt, schweisse das Team zusammen, berichten David Zimmermann und Carol Brogli. Natürlich sei es manchmal eng, laut und nicht einfach, den Alltag zu organisieren. Ein Vorteil liege aber darin, dass der Austausch unter den Lehr- und Betreuungskräften – neben den formellen Besprechungsgefässen das «Schmiermittel» guter Zusammenarbeit – direkter ist. Beide machen sich Gedanken, wie die positiven Aspekte der «Container-Kultur» ins erneuerte Bläsi-Schulhaus mitgenommen werden können.

    Tauschhandel mit Esswaren

    In den zwei Kindergärten und den sechs Primarschulklassen der Schule Bläsi werden 175 Schüler unterrichtet. 107 von ihnen besuchen an einem oder mehreren Tagen pro Woche den Hort, der in zwei Gruppen unterteilt ist. Die überschaubare Grösse unterstützt das Projekt «Lebensraum Schule», mit dem Unterricht und Betreuung zu einem «Gesamtpaket» zusammengefasst werden.
    Der Besuch an einem Donnerstag um 11:30 Uhr im Bläsi-Hort illustriert dies. In vier Räumen ist für rund 70 Kinder und die entsprechenden Betreuungspersonen gedeckt und jeder Platz mit einem Namenstäfelchen versehen. Die Hortleiter- und Betreuungsassistentinnen haben das von «menuandmore» gelieferte Essen − Teigwaren, Rindsragout, warme Bohnen sowie verschiedene Salate − fertig zubereitet und angerichtet. Die Atmosphäre ist gelöst, die Teamfrauen wirken routiniert. Ab 11:55 Uhr strömen immer mehr Kinder in den Hort und setzen sich an ihren Platz. Teller mit rohem Gemüse als «amuse bouche» warten auf sie. Nach einigen Erläuterungen zum Tag wird tischweise das Essen geholt. Regel Nummer 1: Es muss von allem etwas genommen werden. Amüsiert beobachtet der Schreibende danach am Tisch einen kleinen Tauschhandel! Das Menu schmeckt, die Kinder essen entspannt, die Stimmung ist friedlich. Das sei natürlich nicht jeden Tag so, versichert Hortleiterin Sue Georgantas – die schon so lange im Bläsi arbeitet, dass sie mittlerweile «Hort-Grossmami» ist! Ab 13 Uhr gehen die Kinder zum Spielen nach draussen, es wird ruhig im Hort. Der Schulnachmittag kündigt sich an.

    Erinnerungen einer alten Hönggerin

    Ursula Kuhn, am 12. April 89 Jahre alt geworden und seit 62 Jahren an der Brunnwiesenstrasse zu Hause, wurde 1932 im Dorf Höngg eingeschult. Ihre «Schulkarriere» beendete sie neun Jahre später im städtischen Quartier Zürich-Höngg. Die beiden Kinder der mittlerweile dreifachen Urgrossmutter gingen in den 1960er-Jahren ebenfalls ins Bläsi zur Schule. Die Unterstufe besuchte Ursula Kuhn im Bläsi A, für die Mittelstufe wechselte sie ins Bläsi B und die Oberstufe absolvierte sie wieder im Bläsi A, wo die Schulzimmer der Sekundarschule im 2. und 3. Stock lagen. Sie wohnte damals mit ihren Eltern und einem älteren Bruder im Rütihof an der Hurdäckerstrasse. Ihr erster Lehrer, Heinrich Leemann, habe gemeint, sie sei etwas klein für die Schule, aber man wolle es versuchen − immerhin musste die Erstklässlerin den langen Schulweg an manchen Tagen bis zu viermal zu Fuss bewältigen können. Sie habe sich am Morgen jeweils kurz nach Sieben auf den Weg gemacht, damit sie die Schule rechtzeitig erreichte, erinnert sie sich. Ihre «Wanderung» führte der Riedhofstrasse entlang über weitgehend offenes Land. Begleitet wurde sie von zwei älteren «Gspänli». Eines davon war Fritz Meier, Vater von Fredi Meier, der heute im Rütihof den letzten Bauernhof betreibt. Ursula Kuhn ging gerne zur Schule: sie sei ein glückliches Kind gewesen und habe andere oft zum Lachen gebracht. Französisch war ihr Lieblingsfach in der Sekundarschule. Ihr Vater, Hans Schaub, betrieb in Höngg ein Fotoartikelgeschäft. Alte Klassenbilder und Schulhausfotos sind mit seinem Namen gezeichnet. Der zweite Weltkrieg ist tief im Gedächtnis von Ursula Kuhn verwurzelt. Auch weil im Rütihof die Familie Schaub unter den ersten war, die einen Radioapparat besassen. Sie erinnert sich, wie sie manchmal angstvoll in der Stube gesessen ist und Hitlers aggressive Reden mithörte. Einer ihrer Sekundarlehrer, Jakob Schnetzer, kommandierte während des Kriegs als Oberstleutnant ein Panzerbataillon und fehlte deshalb oft in der Schule. Die Schüler waren stolz auf ihren «Schnasi», erst recht als sie einmal einer Demonstration seiner Truppe in Höngg beiwohnen durften. Gefragt, was ihr an Unterschieden aufgefallen sei, als ihre Kinder rund 30 Jahre später zur Schule gingen, meint Ursula Kuhn, die Jungen hätten es schwieriger als sie gehabt, die Leistungsanforderungen seien in diesen Jahren deutlich gestiegen.

    Quellen:
    – Mitteilung Nr. 19 «Von der Bauernstube zur Gross-Schulhausanlage» von Reinhold Frei.
    – Ortsgeschichte Höngg von Georg Sibler
    Beide herausgegeben von der ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.

     

    Bisher erschienen
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5.2.2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    26.2.2015: Vogtsrain mit Wettingertobel
    12.3.2015: Das Schulhaus Rütihof
    26.3.2015: Riedhof-Pünten
    30.4.2015: Am Wasser
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch / Archiv

     

  • Schulen in Höngg, Teil 7: Am Wasser

    Schulen in Höngg, Teil 7: Am Wasser

    An den Ufern der Limmat entstanden im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Fabriken, welche die Wasserkraft als Energiequelle nutzten. Eine davon war die ab 1873 an der Ackersteinstrasse gebaute Seidenstoffweberei Höngg. Ein kurzer Kanal führte das Wasser ins Turbinenhaus, wo der Strom zum Betrieb der Maschinen erzeugt wurde. Heute gibt es im 1874 errichteten Gebäude im Obergeschoss einen Mehrzweckraum für die Schule, im Erdgeschoss ein Bistro mit Gartenrestaurant. Bis zum Ersten Weltkrieg war die Seidenstoffweberei Höngg eine der wichtigsten Arbeitgeberinnen der Region. Nach dem Krieg ging es mit der Textilindustrie bergab und so musste auch die Seidenstoffweberei Höngg ihre Tore schliessen. Das Areal blieb vorerst ungenutzt. 1942 kaufte es die Stadt auf und vermietete es fortan an Gewerbebetriebe. 1990 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, doch an Weihnachten 1992 zerstörte ein Grossbrand – dessen Ursache bis heute ungeklärt geblieben ist – erhebliche Teile der Anlage. Der Brand ermöglichte ein neues Kapitel in der Geschichte des Areals. Der 1996 aus einem öffentlichen Wettbewerb hervorgegangene Gestaltungsplan führte zu politischen Kontroversen, schliesslich aber zu einem Kompromiss im Gemeinderat. Denn Wohnungs- und Schulraumnot drängten. Im Jahr 2000 konnte das Schulhaus, 2002 die Siedlung Am Wasser mit 34 Wohnungen, einem Kindergarten und einem Hort bezogen werden. Das auf sechs Primarschulklassen angelegte Schulhaus gelangte wider Erwarten schnell an die Grenzen seiner Kapazität. Die starke Bautätigkeit entlang der Limmat in Höngg hatte viele Familien angelockt. Schon 2004 wurden deshalb auf der anderen Flussseite zwei Ersatz-Pavillons aufgestellt. Das Schulhaus «Am Wasser» bot mit der Erweiterung 2007 im Obergeschoss Platz für drei zusätzliche Klassen. Im Erdgeschoss wurden eine Bibliothek, ein Musikraum, ein Werkzimmer sowie die Räume für das Lehrerteam, die Schulleitung und die Hauswartung erstellt.

    Beziehungen als Basis für Lernprozesse

    Die 62-jährige Susanne Gauch ist seit 2004 Schulleiterin. Sie hat die Entwicklung der Schule «Am Wasser» massgeblich geprägt. Eindrücklich die «demografischen» Zahlen: Startete man im Jahr 2000 mit vier Klassen, zwei Kindergärten und zwei Horten, umfasst die Schule «Am Wasser» heute mit allen Aussenstationen fünf Kindergartenklassen, insgesamt zwölf 1. bis 6. Klassen und sechs Horte. Etwa zwei Fünftel der 365 Kinder kommen aus «Zürich West»; rund 80 Prozent besuchen an einem oder mehreren Tagen einen Hort. Susanne Gauch nimmt neben den «normalen» Schulleitungspflichten, die bereits in früheren Artikeln dieser Serie beschrieben worden sind, kein fixes Unterrichtspensum wahr. Die ehemalige Kleinklassenlehrerin vikarisiert bei Bedarf. Zudem entlastet sie das Lehrer-Team, indem sie die Betreuung von Kindern in Krisensituationen, bei denen ein Timeout angezeigt ist, bis zu einem halben Tag übernimmt – was immer wieder hohe Flexibilität fordert. Dass die Schulleiterin einen partizipativen Führungsstil pflegt und auf Kooperation setzt, wird bereits mit der Beschriftung «Teamzimmer» an der Türe des landläufig als «Lehrerzimmer» bekannten Raums deutlich. Ein Kernthema von Susanne Gauch ist die Beziehungsgestaltung. Sie ist der festen Überzeugung, dass stabile, von gegenseitigem Wohlwollen und Respekt getragene Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schülern unabdingbare Basis für gelingende Lernprozesse sind. Damit dies möglich wird, müssen alle Schnittstellen der Schule – die pädagogischen Stufenteams, die Elternarbeit, die Hortbetreuung, schulische Fachstellen und nicht zuletzt jene der Schulleitung zu den Lehrkräften – entsprechend gestaltet werden.

    Drei Bezugspersonen

    Die Schule «Am Wasser» nimmt denn auch am kantonalen Schulprojekt «Fokus starke Lernbeziehung» teil. Das Projekt will eine Antwort auf Nachteile des integrativen Unterrichts geben, der seit seiner Einführung die Zahl der Lehr- und Fachpersonen pro Klasse stark gesteigert hat – zu stark, wie viele Eltern, aber auch Experten meinen. Das Modell «Am Wasser»: Zwei Lehrkräfte teilen sich pro Klasse, abhängig von deren Bedarf, in 130 bis 180 Stellenprozente. Dazu kommt bei den meisten Kindern eine Bezugsperson im Hort. Um jeden Schüler – und dessen Eltern – bildet sich somit im Idealfall höchstens ein Trio von für ihn zuständigen Personen. Ausgebildete Heilpädagoginnen beraten punktuell und situativ Lehrkräfte und Betreuerinnen. Da das Projekt erst seit zwei Jahren läuft, fand noch keine der Öffentlichkeit zugängliche Evaluation statt.

    Ein besonderer Nachmittag pro Woche

    Eine weitere Besonderheit der Schule «Am Wasser» stellt der Projektunterricht am Dienstagnachmittag dar. Initiiert und konzipiert wurde das schulinterne Projekt von Käthi Mühlemann mit dem Ziel, zwei Lektionen pro Woche für die Begabungs- und Begabtenförderung einzusetzen. Der Projektunterricht am Dienstagnachmittag will nicht nur kognitive Begabungen fördern, sondern möglichst alle Intelligenztypen. Er bietet eine Alternative zu Ansätzen, die mit einer Auswahl von Hochbegabten arbeiten. «Wir wecken Neugier, Motivation, Interesse und Freude am Lernen», ein Leitsatz, der für alle gilt. Zur Organisation: Jede Lehrkraft der Schule «Am Wasser» bietet einen Kurs zu einem Thema aus den Bereichen Gestaltung und Musik oder Mensch und Umwelt an. Die Schüler wählen nach Neigung drei Angebote aus und werden danach klassen-übergreifend so verteilt, dass sinnvolle Kursgruppen entstehen. Die Unterrichtsformen sind das A und O für das Gelingen des Projektes. Kurze Fachinputs durch die Lehrkräfte und Kleingruppenarbeit wechseln sich ab. Die Schüler sollen, ihren Begabungen und Interessen angemessen, eigene Themen vertiefen können. Der Berichterstatter war in drei Kursen auf Stippvisite: Magnetismus, Gärtnern auf der Hardturmbrache sowie Ukulele-Unterricht. Er traf dabei auf eifrige, sich gegenseitig unterstützende und vergnügt arbeitende Schüler – und kam zum Schluss: Lernen und Üben macht besonders Spass, wenn Thema und Interesse zusammenpassen.

    Quellen:
    – «1934-2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg», von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg
    – Grünzeit Zürich, Juli 2007, Spielplätze
    – Architekturbericht Schulanlage „Am Wasser“ vom 5.12.2007
    – Medienmitteilung der Stadt Zürich vom 7.12.2007 zum Erweiterungsbau Schulhaus „Am Wasser“

     

    Bisher erschienen:
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5.2.2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    26.2.2015: Vogtsrain mit Wettingertobel
    12.3.2015: Das Schulhaus Rütihof
    26.3.2015: Riedhof-Pünten

     

  • Schulen in Höngg, Teil 6: Riedhof-Pünten

    Schulen in Höngg, Teil 6: Riedhof-Pünten

    Die topografische Aufnahme des Kantons Zürich von Höngg und Umgebung aus dem Jahre 1851 zeigt im Massstab 1:25 000 für den Weiler Riedhof gerade mal vier Gebäude. Vom möglichen Erstbesiedler des Riedhofs, dem 1579 zum Hofmeier von Höngg gewählten Rudolf Appenzeller, existiert ein zeitgenössisches Bild, auf dem auch vier Mondgesichter abgebildet sind. Der gute Mann berichtete nämlich am 14. Juni 1581, er habe in der Nacht zuvor, etwa um ein Uhr, gleichzeitig vier Vollmonde am Himmel gesehen und sich über «eine söllichte Heiteri verwundret». Man hielt ihn zwar für «ein wahrhaffter Man, der auch nüt vertrunken»! Ob aber Fata Morgana, spirituelle Erleuchtung oder Vollrausch – der reale Hintergrund dieser Geschichte blieb im Dunkeln. Nach dem Brand des Riedhofs 1888 entdeckte man in einem Haus die Jahreszahl 1560. Sofern diese Zahl den ersten Hausbau im Riedhof markiert, wird der Ort seit 455 Jahren bewohnt.

    Pavillonstruktur bald zu eng

    Die meisten Häuser zwischen Wieslergasse und Giblen wurden ab Ende der 50er- bis Mitte der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts errichtet. Die stark steigende Bewohnerzahl und der daraus resultierende Kinderboom führten zum Bau der Schulhäuser Imbisbühl, Pünten und Riedhof. Das in den Hang westlich des Wildenwegs eingebettete Riedhof-Schulhaus verteilt auf zwei räumlich getrennte, gleich grosse Trakte zwölf Klassenzimmer. Neun davon werden heute noch als Klassenzimmer genutzt; dazu gesellen sich Räume für Musik, Handarbeit, Werken und die Bibliothek. Die Schulanlage wird durch einen Doppelkindergarten oberhalb sowie durch eine Turnhalle auf der untersten Höhenlage ergänzt. Aktuell besuchen 375 Schüler die Schule Riedhof-Pünten, die zwölf Primarklassen, fünf Kindergartenklassen, drei Tageshorte und einen Mittagshort umfasst. Für das nächste Schuljahr ist ein weiterer Hort geplant, denn die Nachfrage nach dieser familienergänzenden Betreuungsform ist gross. Das Riedhof-Schulhaus wurde wegen seiner Pavillonstruktur Anschauungsobjekt für Architekturstudenten aus der ganzen Welt.

    Zwei Personen, 120-Prozent-Schulleitung

    Ursula Sâadi und Claudio Bernasconi bilden gemeinsam die Leitung der Schule Riedhof-Pünten. Sie sprechen dem über 50 Jahre alten Architekturkonzept eine erhebliche Bedeutung für den Schulalltag aus. Positiv hervorgehoben wird die Raumstruktur, die mit vielen Nischen gezielt Gruppenunterricht ermöglichen und eine Abkehr vom Frontalunterricht befördern will. Nachteilig auf die Anpassung an neue schulische Bedürfnisse wirken sich die strengen baugeschichtlichen Vorschriften aus. Wegen Platzmangels ist vorgesehen, ab 2016 auf dem Areal Unterrichtspavillons aufzustellen. Ähnlich wie im Vogtsrain ist auch im Riedhof Treppensteigen Alltag. Das Schulhaus ist aber, da es über keinen Lift verfügt, nicht rollstuhlgängig.
    Ursula Sâadi amtete bereits von 2002 bis 2011, zusammen mit dem mittlerweile pensionierten Marcel Ruppen, als Ko-Schulleiterin. Heute setzt sie rund 20 Stellenprozente für die Schulleitung ein und erteilt zudem Unterricht. Claudio Bernasconi kam 2012 ins Riedhof-Schulhaus und ist zu 100 Prozent als Schulleiter angestellt. Er hat kein festes Unterrichtspensum, sondern springt bei Bedarf auf allen Stufen ein. Zu seiner eigenen Überraschung hätten es ihm seine Einsätze im Kindergarten besonders angetan. Bei den Kleinen könne man nicht «spetten», das heisst Kinder auf andere Klassen verteilen, wenn die Lehrkraft ausfällt. Da müsse jemand hinstehen und übernehmen.

    Keine «Timeout-Struktur» nötig

    In der Schule Riedhof-Pünten hat eine flache Hierarchie Tradition. Lehrkräfte und Betreuungspersonen stehen sich im Alltag nahe. Der Umgang untereinander ist von Respekt und Offenheit geprägt. Auch ihm sei, so Claudio Bernasconi, als neuer Schulleiter ein Vertrauensvorschuss entgegengebracht worden, der einen guten Einstieg ermöglicht habe. Mit «Blauäugigkeit» dürfe ein solches Teamklima nicht verwechselt werden. Soziale Nähe bedeute hinschauen, wenn nötig kritisch nachfragen, Anteil nehmen, Verbesserungspotenzial suchen, Ziele vereinbaren und überprüfen. Respekt und Selbstbehauptung sind denn auch Schwerpunktthemen für das Schuljahr 2014/15. Eine Projektwoche mit klassenübergreifenden Angeboten wird dafür eingesetzt.
    Für Ursula Sâadi hat sich der Lehrerberuf in den letzten drei Jahrzehnten so entwickelt, dass man von einer neuen Profession sprechen müsse. Solistentum ist nicht mehr gefragt. Der stark individualisierte Unterricht werde in der Regel mit der Teamkollegin oder Fachlehrkräften gemeinsam vorbereitet und gestaltet. Jeder einzelne Schüler bringt ihm eigene Begabungen, eine andere Lernbereitschaft und einen individuellen Hintergrund mit. Dieser Heterogenität gerecht zu werden, sei die grosse Herausforderung der heutigen Schule. Eine mehrheitlich an ihren Kindern interessierte und kooperative Elternschaft unterstütze die Ziele der Schule, halten Sâadi und Bernasconi fest. Es gebe wenig disziplinarische Probleme, weshalb man auch keine besondere «Timeout-Struktur» aufgebaut habe.

    Ein Morgen im Kindergarten

    Zu Besuch bei der Kindergartenklasse von Rahel Ramsauer: 21 Räupli und Schmetterlinge sitzen um halb neun im Kreis. Mit einem Lied, das sie gekonnt am Klavier begleitet, sammelt die Lehrerin ihre Klasse für den Tag. Danach erklärt sie ihnen die Anwesenheit des Berichterstatters. Kaum haben die Kinder etwas von Zeitungsbericht gehört, melden sich die Forschesten unter ihnen für ein Foto. Nun geht es in Zweierreihen geordnet in die Turnhalle hinunter. Der zurzeit als Klassenassistent im Riedhof eingesetzte Zivildienstler, Jürg Läderach, hat bereits fünf Bewegungsposten aufgebaut. Es setzt ein munteres Treiben ein. Die Kinder klettern, springen, balancieren, versuchen Purzelbäume oder schwingen an Seilen durch die Luft. Gelegentlich klinkt sich ein Kind aus oder sucht Trost bei einer Lehrperson. Die meisten Kinder bewegen sich geschickt, keines fällt in seiner Motorik deutlich auf oder ab. Die Entwicklungsunterschiede unter den Kindern seien vor allem im Bereich sozialer Kompetenzen gross, erklärt auf dem Rückweg die Lehrerin. Es sei nicht einfach, allen stets gerecht zu werden. Aber sie liebe die Kinder und ihre Arbeit. Das ist aus Sicht des Schreibenden zentrale Voraussetzung für ein gutes Klassenklima und für gelingende Lernprozesse.

    Quellen:
    – «Das Neue Schulhaus» von Alfred Roth, Girsberger Zürich, 1961
    – «Ortsgeschichte Höngg» von Georg Sibler, herausgegeben von der Ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.
    – «1934–2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg», von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg

    Bisher erschienen:
    15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5.2.2015: Lachenzelg und Imbisbühl: Die Oberstufe
    26.2.2015: Vogtsrain mit Wettingertobel
    12.3.2015: Das Schulhaus Rütihof
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch / Archiv

 

 

 

  • Sechste Berufsmesse zeigte Teenagern rund 70 Berufe

    Sechste Berufsmesse zeigte Teenagern rund 70 Berufe

    In der Aula und den Werkräumen wurde für einmal weder gesungen noch gesägt, sondern an der eigenen Zukunft gearbeitet. Über 170 Oberstufenschülerinnen und -schüler der Schule Lachenzelg und erstmals auch der Sekundarschule Waidhalde und der Freien Oberstufenschule Zürich FOSZ besuchten die übersichtliche Berufsmesse mit 21 Ständen von Firmen und Institutionen, mit wenigen Ausnahmen alle aus Höngg.

    Ehrenamtliche Messeteilnahme der Firmen und Institutionen

    Judith Eschmann, Mitglied des Organisationskomitees des Elternrats der Schule Lachenzelg, erzählte, dass sich die teilnehmenden Firmen mehr Schüler und damit eine bessere Auslastung der Stände gewünscht hätten, da die Messeteilnahme doch ein beträchtlicher Aufwand sei, den die Firmen natürlich gerne, aber auch ehrenamtlich auf sich nehmen.
    So wurde die Sekundarschule Waidhalde angefragt und die Freie Oberstufenschule Zürich FOSZ, welche einige Schüler aus Höngg unterrichtet. Beide Schulen nahmen das Angebot gerne an. Die Schüler der FOSZ nahmen den Weg von Zürich-Affoltern nach Höngg gar unter die Füsse und spazierten mit Muskelkraft ins Schulhaus Lachenzelg.

    Lange Listen mit Fragen

    Von 13.45 bis 16.30 Uhr dauerte die Berufsmesse, die in Gruppen besucht wurde. So hatten die Teenager jeweils genug Platz und Zeit, um die Firmeninhaber, Angestellten und die ebenfalls zahlreich anwesenden Lehrlinge mit Fragen zu «löchern». Sie mussten sich im Voraus auf drei Berufe festlegen, die sie sich zu lernen vorstellen konnten, zwei weitere aus anderen Bereichen mussten sie sich ebenfalls aussuchen, um ein breiteres Bild der angebotenen Berufe zu erhalten. In den Händen hielten sie eine lange Liste mit Fragen, von denen sie sich einige aussuchen mussten – die wohl oft gehörteste war «Was verdient man in Ihrem Beruf?», gefolgt von «Was ist das Spannendste bei Ihrer Arbeit?».
    Die Ausstellenden wurden nicht müde, immer die gleichen oder ähnliche Fragen zu beantworten, schliesslich waren diese Informationen für jeden einzelnen anwesenden Teenager im Alter von 14 bis 15 Jahren wichtig.

    Zielstrebig wurden bestimmte Stände angepeilt

    Zielstrebig wurde etwa der Stand von Urs Kropf, Zimmermann, von der Kropf Holz GmbH, angepeilt, genauso wie der Stand der UBS-Filiale Höngg, die Kaufleute und Informatiker ausbildet. «Die Schülerinnen und Schüler sind oft etwas scheu und zaghaft – sind sie dann aber mal <aufgetaut>, dann haben sie viele Fragen und reden gerne», so der Tenor der Ausstellenden. Jörg Hanselmann, Geschäftsstellenleiter der UBS-Filiale Höngg, findet die Berufsmesse eine «super Sache»: «Es gibt so viele verschiedene Berufe hier, die den Schülern vorgestellt werden, dass sie einen guten Überblick bekommen. Viele Schüler haben das KV im Blick und suchen deshalb unseren Stand auf.»

    Wenn die Lehrlinge mit «Sie» angesprochen werden

    Noah von Fellenberg, im zweiten Lehrjahr als Augenoptiker bei He-Optik, freute sich, dass er von den Teenagern mit «Sie» angesprochen wurde – so kam er sich gleich noch erwachsener vor. Beobachten konnte man auch, dass die Schüler bei Lernenden weniger Hemmungen hatten, Fragen zu stellen. Genau aus diesem Grund nahmen einige Firmeninhaber und Institutionen ihre Lehrlinge mit oder überliessen nach einer Einführung gleich diesen den Stand – so dass frei von der Leber hinweg aus dem Lehr-Alltag erzählt werden konnte, was von den gut 170 Jugendlichen geschätzt wurde.
    Sandra Fioklu und Magali van Hecke, beides 2.-Sekundar-Schülerinnen der Schule Lachenzelg, waren gut vorbereitet und fanden, es sei wichtig, eine offene Perspektive zu haben: «Wir möchten hier ganz verschiedene Berufe genauer anschauen», so die beiden Mädchen.
    Organisiert wurde die Berufsmesse zum wiederholten Mal vom Organisationskomitee des Elternrates der Schule Lachenzelg, dem Judith Eschmann, Ruth Meister, Ali Yildiz und Carmen Fatam angehören. Für alle ist ganz klar, dass es auch im nächsten Jahr die Berufsmesse im Schulhaus Lachenzelg geben wird.

    Teilnehmende Firmen:
    Alterswohnheim Riedhof
    Apotheke im Brühl AG
    Centrum Drogerie AG
    Greb Sanitäre Anlagen
    Jaisli-Xamax AG
    Ref. Kirche Höngg
    Grisoni Klima Lüftung GmbH
    He-Optik
    Hebamme Kathrin Pfäffli
    Kneubühler AG
    Koller Metallbautechnik
    Kropf Holz GmbH
    Kieferorthopädie Christoph Schweizer
    Steiner Flughafebeck AG
    Velo Lukas GmbH
    Hairline for you
    Gasser Hoch- und Tiefbau
    ERZ
    ETH
    SBB
    UBS
    Alle an der Berufsmesse angebotenen Berufe aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen – es waren knapp 70.

  • Schulen in Höngg, Teil 5: Das Rütihof-Schulhaus

    Schulen in Höngg, Teil 5: Das Rütihof-Schulhaus

    Bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts umfasste der Kernweiler des Rütihofs gerade mal 14 Wohnhäuser, die Einwohnerzahl bewegte sich über lange Zeit um die 80 herum. Seither ist an Häusern und Menschen einiges dazu gekommen, der Quartierverein Höngg vermeldet auf seiner Website aktuell um die 4000 Einwohner. Das ruhige, naturnahe Quartier zog viele Familien mit Kindern an und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich aufgrund der wachsenden Kinderschar ein neues Schulhaus mit dem Einzugsgebiet Rütihof aufdrängte. Die Kinder aus dem Rütihof hatten zuvor stets lange Schulwege unter ihre Füsse nehmen müssen. Bis 1824 besuchten sie das Schulhaus am Wettingertobel, von 1824 bis 1928 das Schulhaus in Oberengstringen und danach, bis 1953, die Bläsi-Schulhäuser. Nur noch etwa halb so weit war der Weg für die jungen Rütihöfler ab 1953 ins Schulhaus Lachenzelg, ab 1963 ins Schulhaus Riedhof. Nach einem Architekturwettbewerb wurde das Schulhaus-Projekt Rütihof 1992 vom Zürcher Stimmvolk angenommen.
    Mit der Eröffnung im Jahr 1994 verbinden den Schreibenden persönliche Erinnerungen, trat seine Tochter doch in diesem Jahr im Rütihof in die erste Klasse ein. Sie hatte das Glück, die Unterstufe bei einer engagierten und liebevollen Junglehrerin besuchen zu dürfen. Kein Wunder, nannten viele ihrer Klassenkameradinnen wie auch sie selber als ersten Berufswunsch Lehrerin. Ihr damaliges Vorbild unterrichtet im Übrigen heute noch an der Schule Rütihof.

    Seit 21 Jahren eine Hönggerin in der Schulleitung

    Die 48-jährige Esther Zoller ist in Höngg an der Ottenbergstrasse aufgewachsen. Die Primarschule besuchte sie im Bläsi- und im Vogtsrain-, die Sekundarschule im Waidhalde-Schulhaus. Nach der Ausbildung zur Primarlehrerin am Seminar Unterstrass unterrichtete sie vorerst im Riedhof. Für die neue Schule am Rande des Rütihofs suchte der damalige Schulpräsident, Alfred Bohren, ein Team, das aus im Schulkreis bewährten und neu angestellten Lehrkräften gebildet werden sollte. Die anspruchsvolle, aber auch kreative Aufgabe, den Betrieb einer neuen Schule zu planen und vom ersten Tag an mit zu gestalten, reizte Esther Zoller. Mit Kollegen wechselte sie 1994 vom Riedhof in den Rütihof.
    21 Jahre später blickt sie mit Freude auf das Erreichte zurück. Bei der Eröffnung habe das Rütihof-Schulhaus mit seiner grosszügigen Aussenanlage − die Zeitungen schrieben 1995 von einem kleinen Stück Himmel und von einer Idylle – noch einer Baustelle geglichen. Erst ein Trakt war vollendet, der Platz knapp. Gerade dies habe die Bildung des neuen Schulteams beflügelt, denn man war aufeinander angewiesen, rückte zusammen und unterstützte sich gegenseitig. Für Esther Zoller ist dieser Pioniergeist bis heute lebendig geblieben und drückt sich in einem offenen, von Solidarität geprägten Teamklima aus. Das tägliche, gemeinsame Mittagspicknick im Lehrerzimmer sei eine wichtige «Station» im Tagesablauf. Seit dem Jahr 2002 wirkt sie zusammen mit Bettina Wyss als Schulleiterin, später stiess noch die dritte Ko-Schulleiterin, Agnes Weidmann, dazu. Das Trio teilt sich 120 Stellenprozente und trägt je die Verantwortung für Kindergarten, Unter- und Mittelstufe. Esther Zoller und Agnes Weidmann sind beide auch an der Pädagogischen Hochschule Zürich angestellt, wo sie Didaktik/Methodik unterrichten und als Mentorinnen für Junglehrerinnen wirken. Die Schule Rütihof ist Kooperationsschule der Pädagogischen Hochschule: Seit 2012 «üben» zukünftige Lehrkräfte im Rütihof und werden dabei von erfahrenen Lehrpersonen angeleitet.

    Etablierte Schüler-Vollversammlungen

    Zurzeit wird die Schule Rütihof von rund 350 Schülern besucht. Das Angebot umfasst zwölf Primarschulklassen, je zwei pro Jahrgang, vier Kindergärten und vier Horte. Der Schreibende begegnete der gesamten Schüler- und Lehrerschaft am 4. März anlässlich einer Schüler-Vollversammlung, die viermal pro Jahr in einer Turnhalle durchgeführt wird. Die «SVV» will das Gemeinschaftsgefühl fördern und stärken. Das Rütihof-eigene Schulorchester begleitet Lieder einzelner Klassen, die alle mitsingen dürfen, eine junge Geigensolistin spielt einen Czardas, eine Klasse zitiert Schulregeln, die das Motto «Ich bin wichtig für die Gemeinschaft, die Gemeinschaft ist wichtig für mich» unterstützen, eine 6. Klasse trägt vor, was sie als «Bläserklasse» der Musikschule Zürich gelernt hat. Die Freude an den Darbietungen ist spürbar. Das Ganze läuft ruhig und gelassen ab. Nach dreiviertel Stunden ist die SVV zu Ende, es folgt ein disziplinierter «Rückzug» ins Klassenzimmer. Im Kopf des Berichterstatters spielte ein 20 Jahre alter Film. Mit Rührung sah er seine kleine Tochter bei ähnlichen Schulveranstaltungen im gleichen Raum vor sich und staunte, wie kurz die Zeit erscheinen kann, die hinter uns liegt.

    Soziales Umfeld belastet den Unterricht

    Gefragt, was sich seit 1994 im Umfeld der Schule am stärksten verändert habe, nennt Esther Zoller den Zuzug von Familien in den Rütihof, die sozial belastet sind. Weil beide Elternteile arbeiten, damit das Familieneinkommen ausreicht, fehlen mancherorts Energie und Interesse für die Unterstützung der Kinder in der Freizeit oder in schulischen Belangen. Die Klassen seien schwerer führbar geworden. Auch die Rütihof-Schule setzt auf PFADE, das Programm zur Förderung alternativer Denkstrategien. Die Rütihof-Insel, in der Schüler zur Entlastung des Schulalltags eine Auszeit nehmen können, ist anders konzipiert als jene im kürzlich vorgestellten Schulhaus Vogtsrain: Aus dem Stellenplan der Schule wurden ausreichend Prozente für die Anstellung einer Lehrerin «extrahiert», die jederzeit in der Lage ist, Schüler für eine Stunde, einen halben oder einen ganzen Tag aufzunehmen. Die Insel-Lehrerin ist zudem für Aufgabenhilfe und die Begabtenförderung zuständig.

    ETH-Studie zu Physik-Unterricht

    An der Schule Rütihof haben musische Fächer einen hohen Stellenwert. Auf das bereits erwähnte, von einem Musik-Profi geleitete Schul-Orchester ist Esther Zoller besonders stolz. Mit einigem Schalk fragt sie, wieso es eigentlich einen obligatorischen Sporttag, hingegen keinen obligatorischen Musiktag gebe. Seit vier Jahren beteiligt sich die Schule aber auch an einer ETH-Studie, mit der geprüft werden soll, wie sich altersangemessener Physik-Unterricht ab Unterstufe langfristig auf Motivation und Kompetenz der Schüler in den naturwissenschaftlichen Fächern auswirkt. Es ist unverkennbar: Die Schule Rütihof will am Puls der Zeit bleiben.

    Quellen:
    – «Ortsgeschichte Höngg» von Georg Sibler
    – «Der Rütihof bei Höngg» von Georg Sibler, beide herausgegeben von der Ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg, erhältlich im Ortsmuseum Höngg, Vogtsrain 2.
    – «1934–2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg», von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg

    Bisher erschienen:
    15. Januar: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
    29. Januar: Der Schulpräsident und die Schulpflege
    5. Februar: Lachenzelg und Imbisbühl, die Oberstufe
    26. Februar: Vogtsrain mit Wettingertobel
    Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch / Archiv / Dossier Schulen Höngg

    Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u. a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.