Kategorie: Recycling

  • Aus den Augen, in den Sinn

    Aus den Augen, in den Sinn

    Seit 1993 und der Einführung der Kehrichtsackgebühr nimmt Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) an seinen Wertstoff-Sammelstellen flächendeckend nebst Glas und Altöl auch Kleinmetalle entgegen. Sieben solche Sammelstellen gibt es in Höngg, alle mit den charakteristischen, dunkelblauen Containern. Wobei jene an der Riedhofstrasse, Ecke Wieslergasse gemäss Bauausschreibung durch Unterflur-Behältnisse ersetzt werden sollen, wogegen wohl kaum jemand aus der Anwohnerschaft Einsprache erheben wird. Gesamtschweizerisch gibt es über 30‘000 Sammelbehälter für Aluminium, in praktisch jeder Gemeinde zumindest einen. So sammelt die Schweizer Bevölkerung jedes Jahr 13‘000 Tonnen Aluverpackungen, nebst Dosen auch Tierfutterschalen, Tuben, Joghurtdeckel und was sonst noch alles in einem Haushalt an Aluverpackungen anfällt. Rund 1,6 Kilogramm pro Person. 2007 wurde in der Stadt Zürich an allen aktuell 162 Sammelstellen total 931 und 2015 bereits 1019 Tonnen Altmetall gesammelt, von der Blechbüchse über Pfannen bis zum Aluminium in jeglicher Form. Der Anstieg ist wohl eher auf die wachsende Bevölkerung denn auf erhöhte Sammelleidenschaft zurückzuführen. Eingeworfen werden darf übrigens alles, die Senftube zum Beispiel ebenfalls, auch wenn sie noch Reste enthält und den Deckel obenauf hat (siehe Infobox). Natürlich wäre es besser ohne, doch mal ehrlich: Wer lagert gerne offene Senftuben und macht sich dann beim Recyceln, auf dem Weg zum Einkaufen, gerne die Finger schmutzig? Die Verschmutzung ist jedenfalls kein Thema. Das bestätigte auch der Fahrer des Entsorgungslastwagens des ERZ, als der «Höngger» ihn beim Leeren eines Containers fotografierte und staunte, was da noch alles an Fremdmaterial im Einwurfschlitz für Metall gelandet war, vom PET bis zu Robidog-Säcklein einfach alles. «Erstaunlich, nicht wahr?», meinte er, «doch das gilt bei der Annahmestelle noch als sehr sauber, die jubeln dort immer, wenn wir vorfahren». Wie hoch der Aluminiumanteil an der Gesamtsammelmenge ist, kann das ERZ, wie dessen Sprecherin Leta Filli sagt, nicht beziffern. Was man jedoch weiss ist, dass alleine 2016 weitere 750 Tonnen Aluminium in den normalen Kehricht gelangten und der thermischen Verwertung zugeführt wurden, wie der Vorgang in einer Kehrichtverbrennungsanlage benannt wird. Hier mitgerechnet ist nicht nur der Hauskehricht, sondern alles, was auf öffentlichem Grund in Abfalleimern landet oder von Strassenkehrmaschinen zusammengewischt wird, denn all dieser Abfall wird nirgends nachsortiert, sondern eben «thermisch verwertet», sprich einfach verbrannt. Danach übrig bleibt Rohschlacke. Und noch immer bestehen rund 3.5 Prozent der Stadtzürcher Schlacke aus Aluminium – ein Wert, der das Herz jeder Bergbaufirma höherschlagen lässt. Nicht von Ungefähr wird deshalb zum Beispiel in der Deponie Riet in Winterthur, wo jährlich rund 15’000 Tonnen Schlacke der Winterhurer gelagert wird, von einer privaten Recyclingfirma das Altmetall aus der Schlacke gefiltert. 1’200 Tonnen Altmetall allein im Jahr 2012. Seit Herbst 2016 werden auch praktisch alle Metalle aus der Schlacke der Zürcher zurückgewonnen, die dafür nach Hinwil in die ZAV Recycling AG transportiert wird. Was danach noch übrig bleibt, wird auf der Deponie Chrüzlen in Oetwil am See endgelagert.

    Mehr als kostendeckend

    Wie und wem die Kosten der Sammlung verrechnet werden ist in der Verordnung für die Abfallbewirtschaftung in der Stadt Zürich (VAZ) geregelt. Wie hoch die Kostenfolge pro Sammelstelle und Bewohner in Zürich ist, konnte das ERZ auf Anfrage nicht beziffern. Doch dem Bericht «Kostenstruktur in der kommunalen Abfallwirtschaft 2014» des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) ist zu entnehmen, dass der Siedlungsabfall 2014 bei – wie allen hier folgenden Werten durchschnittlich gerechneten 366 Kilogramm pro Person lag und für die Gemeinden 90 Franken pro Einwohner an Kosten verursachte. Davon entfallen 52 Franken auf «Logistik und Sammelstellen» und nur ein einziger Franken auf das Sammeln von Aluminium und Stahlblech. Davon eine Tonne zu verarbeiten kostete laut Bericht 69 Franken. Gemeindeeigene Sammelstellen kosten zwölf Franken pro Jahr und Einwohner. Der Erlös aus der Alu- und Stahlblech-Sammlung hingegen betrug im 2014 pro Tonne 100 Franken. Dieser Betrag ist seit Juli 2007 mit den Recyclingbetrieben als pauschale Entschädigung und als Anteil aus dem vorgezogenen Recyclingbeitrag vereinbart. Der Absatzmarkt für Recycling-Metall ist etabliert aber schwankend: Die Preise variieren je nach Marktlage stark, gemäss dem Bericht des AWEL erhielten die Gemeinden 2014 zwischen 29 und 165 Franken pro Tonne.
    Alle Ausgaben und Einnahmen zusammengerechnet, erzielten die Gemeinden so durchschnittlich einen Kostendeckungsgrad von 104 Prozent, sie verdienten mit dem Abfall also gutes Geld. Nur vier Gemeinden verfehlten die volle Kostendeckung. «Die Reserven wachsen bei vielen Gemeinden jährlich weiter», schreibt das AWEL und kritisiert im Bericht offen, dass «Tarifsenkungen kaum vorgenommen werden».

    Was gehört in die Metall-Sammelcontainer?
    Kleinmetall aller Sorten, Getränkedosen, Alufolie, Konservendosen, Draht, Tuben aus Aluminium. Dosen zusammendrücken, das spart Transportkosten. Hingegen spielt die Verschmutzung keine wesentliche Rolle: Zum Beispiel Tuben müssen nicht ausgewaschen sein und dürfen sogar noch den Deckel draufhaben.

    Was gehört nicht hinein?
    Batterien und Akkus, alle Arten von Glühbirnen und Leuchtstoffröhren, Elektronikgeräte. Und vor allem keine Gasflaschen oder auch Spraydosen jeglicher Art: Sie enthalten Restgase, die bei der Pressung im Werk zu Explosionen führen können. Auch Kaffeekapseln gehören nicht in die Container, sondern in das Recycling der Hersteller oder in den normalen Abfall.

    Übrigens…
    Manche Privatpersonen bringen leere Aludosen auch direkt in einen der 170 schweizerischen Recyclingbetriebe, wo sie pro Kilo rund 1.30 Franken erhalten.

  • Editorial: Alles Alu oder wie?

    Würde eine Rücklaufquote von 75 Prozent nicht erreicht, müsste für Getränkedosen aus Aluminium und PET-Flaschen von Gesetz wegen eine Pfandpflicht eingeführt werden. Doch wer überprüft diese Zahlen und wie werden sie überhaupt erhoben? Zählt da jemand Flaschen und Dosen? Und überhaupt: Was geschieht eigentlich mit einer Getränkeverpackung, die wir in Höngg der Wiederverwertung zuführen oder bedenkenlos in den Müll werfen? Diese Fragen stellten wir uns auf der Redaktion, rätselnd vor den eigenen Sammeltaschen stehend. Doch bevor wir auf Antworten stiessen, mussten wir uns zuerst entscheiden: PET oder Alu? PET wäre naheliegender gewesen, denn der Verband PET-Recycling Schweiz hat seinen Sitz an der Naglerwiesenstrasse in Höngg. Der von der Redaktion hochgehaltene «Bezug zu Höngg», den möglichst jedes Thema im «Höngger» haben sollte, wäre offensichtlich gewesen. Warum also entschieden wir uns für Aluminium? Weil wir den offiziellen Zahlen der Rücklaufquote noch weniger trauten als jener des PET. Die Alubranche möge uns dieses Misstrauen nachsehen. Doch egal, denn offenbar werden beide Quoten problemlos eingehalten – als wir das aber feststellten, war das Meiste zum Thema Aluminium bereits recherchiert und die Kontakte geknüpft. Der Weg, den eine Getränkedose aus Aluminium nimmt, hat uns zuerst zur Geschichte des Recyclings in Höngg geführt, dann in die Tiefen des Internets und dort durch Statistiken, Tabellen und Berichten hin zu Fachleuten und an einen archaischen Ort in Regensdorf. Gefunden haben Patricia Senn und ich interessante Antworten, die wir in verschiedenen Artikeln dieser Ausgabe zusammengefasst haben. Kommen Sie mit auf die Reise und verfolgen Sie eine Aludose auf ihrem Weg in den Sammelcontainer und von dort über Umwegen wieder zurück in Ihren Alltag – als Dose, Tube, Katzenfutterschale, Auto, Flugzeug und und und….

    Fredy Haffner, Redaktionsleiter «Höngger»

  • Die allermeisten bringen ihre Dosen zurück

    Die Schweizer Getränkeimporteure und -produzenten sowie der Lebensmittel- und Detailhandel sind Mitglieder der 1989 gegründeten IGORA-Genossenschaft. Diese koordiniert das Alu-Recycling in allen Landesgegenden, stellt Sammelbehälter zur Verfügung und entschädigt via Recyclingbetriebe die Gemeinden und Städte für ihre Sammelaktivitäten – kurz: Sie stellt sicher, dass das Recyclingsystem reibungslos läuft. Die Händler und Produzenten melden ihr, wie viele Dosen sie verkauft haben – IGORA erhält pro Stück 1 Rappen – und liefern so kumuliert die Information, wie viele Aludosen in der Schweiz im Umlauf sind. Gleichzeitig führt die unabhängige Umweltberatungsfirma Carbotech AG das ganze Jahr hindurch bei verschiedenen Recycling-Betrieben Stichproben durch, anhand welcher sie aussagen kann, wie viele Aludosen sich durchschnittlich in einem Sammelbehälter finden. Zusätzlich melden die Recyclingbetriebe der IGORA, wie viele Tonnen Aluminiumverpackungen sie verarbeitet haben. Aus diesen Angaben lässt sich schliesslich die Rücklaufquote ermitteln. Die Verordnung für Getränkeverpackungen (VGV) schreibt eine Quote von mindestens 75 Prozent vor, würde diese nicht erreicht, könnte der Bund ein Pfand einführen, dies wurde bislang allerdings nicht in Erwägung gezogen.
    In den vergangenen 16 Jahren hat die Menge an verbrauchten Getränkedosen exponentiell zugenommen: Waren es im Jahr 2000 noch 2000 Tonnen, lag der Absatz 2015 bei 10‘510 Tonnen. Davon kamen im vorletzten Jahr 9‘590 Tonnen zurück in den Recycling-Kreislauf, woraus sich eine beeindruckende Wiederverwertungsquote von 91 Prozent ergibt. Bei den Aluschalen und Tuben liegen die Quoten bei rund 80 respektive 60 Prozent.

     

  • Brachiale Schönheit

    Brachiale Schönheit

    Es ist eisig kalt in den hohen Hallen des Metallrecycling-Betriebs Metallum in Regensdorf. Das Dröhnen, das schon von weitem zu hören war, schwillt an – das ist hier kein Smartphone-Shop, hier wird richtig gross und laut gearbeitet. Als hätte der Weihnachtsmann einen wirklich grossen Sack mit silbernen Verpackungsschleifchen ausgeleert, türmt sich in einer Ecke ein Berg von Aluspänen. Späne brauchen viel Platz und bringen wenig Gewicht, viel praktischer sind da die Presslinge im nächsten Abteil, zylinderförmige Briketts, die sich gut für den Transport eignen. In diesen sogenannten Fächern, so gross, dass ein Lastwagen bequem darin parken könnte, sind die Metalle sortenrein gelagert, das heisst, nach Legierung geordnet. Meistens liefern die Firmen sie bereits sortiert, denn je sauberer das Material, desto höher der Preis. Weiter hinten schimmern rotgoldene Kupferdrahtlandschaften neben ausgedienten, kilometerlangen SBB-Oberleitungen, es ist ein wahres Mekka für jeden Altwarenhändler und Altmetall-Fan.

    Gelebter Bubentraum

    Der Lärm steigt auf Tinnitusniveau, als Metallhändler Markus Sidler von der Metallum die Gruppe näher zum Herzstück des Rundgangs führt: Die Alusortieranlage. Ein kleiner Kran mit grosser Kralle, der so manches Buben- und offensichtlich auch Männerherz höherschlagen lässt, gräbt seine «Finger» in einen Haufen farbiger Büchsen aus Weissblech und Dosen aus Aluminium und hievt die Ladung über ein im Boden eingelassenes Gitter. Ein Mitarbeiter sortiert die grösseren Fremdmetalle aus, die nicht durch die Querverstrebungen fallen. «Ursprünglich war die Idee, dass man die beiden Metalle bereits an der Sammelstelle trennt», schreit Sidler gegen den Lärm an, und man erinnert sich an die kleinen Magnete an den Containern, die anzeigten, was Blech war und was nicht. «Das hat nicht gut funktioniert. Es hatte oft Konservendosen im Aluminium, und wenn das zusammen eingeschmolzen wurde, wurde das Aluminium zu eisenhaltig, der Kunde wollte es so nicht mehr». Über ein senkrechtes Förderband gelangen die Büchsen nun in die Höhe. Es bebt und rumpelt im Schacht, hier versteht man kaum ein Wort und staunt nur über das, was vor sich geht: Immer wieder fliegen einzelne Büchsen blitzschnell in die Luft und bleiben an einem anderen Laufband kleben. Magie? Wohl eher Physik: Der Überbandmagnet zieht die Weissblechdosen an und bringt sie weg. Sie werden ebenfalls gesammelt und nach Oberrüti in die Elektrozinn AG transportiert, dort wird das Zinn, das als Korrosionsschutz dient, vom Weissblech getrennt und weiter vermarktet, während das Stahlblech im Stahlwerk eingeschmolzen wird.

    Sortiert und «gebündelt»

    Doch zurück zu den Aludosen. Diese sind inzwischen beim Wirbelstromabscheider angelangt: Am Ende des Bandes werden alle Teile elektrisch geladen, die leitfähigen Aluminiumteile werden dadurch an die Wand eines weiteren Schachts katapultiert, während die nicht leitfähigen Teilchen wie Papier, Plastik und anderer Unrat durch einen Spalt nach unten fallen. Es fällt schwer sich von diesem Schauspiel loszureissen, auch Daniel Frischknecht von der IGORA-Genossenschaft, welche das Alu Recycling in der Schweiz koordiniert, ist immer wieder fasziniert davon. Es sind robuste, klobige Gerätschaften, kein Touchscreen weit und breit, solide Maschinen, die rütteln und rattern und wahrscheinlich schon seit den Anfängen eingesetzt werden und noch immer brav ihren Dienst tun. Auch wenn sich die Augen nicht daran sattsehen können, die Ohren danken es, als die Gruppe endlich die schmale Leiter hinunterklettert. Unten kontrolliert ein Arbeiter noch einmal von Hand, dass sicher nichts durchgerutscht ist, was nicht Aluminium ist. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Spraydosen: Diese enthalten Rückstände, welche hochexplosiv sind und auf keinen Fall in die Presse gelangen dürfen. Neben ihm stehen einige kleinere Container mit weiteren Dingen, von denen jemand dachte, dass auch sie in die Alusammlung gehören: Da gibt es einen dunkelroten Toaster, einen alten Ghettoblaster und sogar einen Bürostuhl. Wie der ins Loch gepasst hat, bleibt für immer ein Geheimnis. Schliesslich werden die Aludosen in der Paketierpresse zu hübschen, farbigen Kuben gepresst. In dieser Form lassen sie sich am besten transportieren und brauchen viel weniger Platz als im losen Zustand. Im Zwischenlager warten sie neben Blöcken aus Autonummern, Mayo- und Senftuben mit oder ohne Deckel und schon fast kunstähnlichen Würfeln aus silbrigen Alusträngen darauf, verladen zu werden. 

  • Aus Alu wird wieder Alu

    Ein eigenes Schmelzwerk würde in der Schweiz mit jährlich 13 Tonnen Aluverpackungen wenig Sinn machen ─ alleine ein grösseres Mailänder Werk verarbeitet 40 Tonnen im Monat. Der Transportweg fällt bei der Nachhaltigkeitsrechnung nicht stark ins Gewicht, da sich auch die anderen Schmelzwerke in relativer Näher zur Schweizer Grenze befinden. Zuerst werden die organischen Anteile der lackierten, bedruckten und beschichteten Verpackungen bei etwa 500 Grad Celsius aufgeschmolzen, weshalb auch kleinere Lebensmittelrückstände oder sonstige Verunreinigungen keine grösseren Probleme darstellen. Dieser Prozess geschieht unter Sauerstoffausschluss. Dadurch oxidiert das Aluminium nicht und kann vollumfänglich zurückgewonnen werden. Schliesslich gelangt das blanke, zerkleinerte Material zur Aufbereitung als Sekundäraluminium in die Schmelzöfen. Das hier gewonnene Aluminium dient zur Herstellung weiterer hochwertiger Produkte. Das ist der Vorteil des Metalls: Das recycelte Metall behält ─ ähnlich wie Gold ─ immer dieselbe Qualität, die es zuvor hatte. Manche Schmelzwerke stellen daraus selber wieder Dosen her, andere giessen das Leichtmetall in Blöcke, die sich gut transportieren und weiterverkaufen lassen. Für die Herstellung von Sekundäraluminium werden fünf Prozent des Energieaufwands benötigt, die bei der Erstproduktion anfällt.

    Nur ein Dosenproduzent in der Schweiz

    Produziert werden die 700 Millionen Aludosen, die in der Schweiz im Umlauf sind, überwiegend in Deutschland, ein Teil davon in Österreich. Eine Ausnahme bildet die Red-Bull-Dose: Im St. Gallischen Widnau füllt das Werk der Firma Rauch jährlich 2,6 Millionen Energiedrinks ab, welche weltweit verkauft werden. Seit 2015 produziert Ball Beverage Packaging, einer der weltweit führenden Aludosen-Produzenten, gleich im Nebengebäude die benötigten Gebinde.

  • Nachhaltig nur dank Recycling

    Aluminium ist fest, aber zugleich leicht formbar, hat eine hohe elektrische Leitfähigkeit, wenig Gewicht und ist korrosionsbeständig. Obwohl es das dritthäufigste chemische Element der Erdkruste ist, wurde es erst 1808 von Sir Humphry Davy entdeckt. Dies mag damit zusammenhängen, dass es unter normalen Bedingungen nicht in seiner reinen Form als Metall vorkommt, sondern in Verbindungen mit verschiedenen Mineralien. An der Weltausstellung 1855 in Paris wurde Aluminium als «Silber aus Lehm» angepriesen: Man wollte möglichst alles daraus fertigen. Zeitweise überstieg der Preis des Leichtmetalls sogar den von Gold. Mit der technologischen Entwicklung und der Möglichkeit der Massenproduktion sank der monetäre Wert von Aluminium, während die Nachfrage stetig zunahm: Weltweit werden heute jährlich über 40 Millionen Tonnen Aluminium produziert, in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts waren es gerade mal 300’000 Tonnen.

    Aufwendige Primärproduktion

    Der wichtigste Rohstoff für die Aluminiumherstellung ist Bauxit, dieses kommt überwiegend in tropischen Klimazonen vor. Das gemahlene Sedimentgestein wird unter Zusatz von Ätznatron, Druck, Hitze und weiteren chemischen Zusätzen zu Aluminiumoxid (Tonerde) verarbeitet und schliesslich in einem Elektrolyseprozess zu Aluminium. Diese Herstellung ist extrem energieaufwendig: Für ein Kilogramm Aluminium werden zwischen 13,5 und 20 Kilowattstunden Strom benötigt. Zum Vergleich: Mit einer Kilowattstunde lassen sich 70 Tassen Kaffee kochen und 2.500 Männer können sich rasieren ─ abhängig vom Gerät, das sie benutzen. Umweltverbände kritisieren ausserdem die Schädigung von Land und Menschen durch den Bauxit-Abbau und den Bau von Staudämmen in den betroffenen Regionen. Wahrscheinlich kam in den 1980er Jahren mit dem gesteigerten Umweltbewusstsein in der Bevölkerung die Dose aus Aluminium deshalb in Verruf, und der schlechte Ruf scheint ihr auch heute noch anzuhaften ─ ohne Recycling sogar zurecht, denn landet sie im gewöhnlichen Abfall, wird sie aufgrund ihrer energieaufwendigen Herstellung tatsächlich zum ökologischen Sündenfall, sofern sie nicht, wie es in der ZAV Recycling AG in Hinwil der Fall ist, aus der Schlake zurückgewonnen wird, siehe Seite XY. Umso wichtiger ist es deshalb, den wertvollen Rohstoff in das Wiederverwertungssystem zurückzuführen. Die Industrie- und Baubranche tut dies aus wirtschaftlichen Gründen bereits zuverlässig ─ der Aluminium-Verband Schweiz meldet Quoten zwischen 85 und 95 Prozent ─ denn neues Aluminium ist teuer und mit altem verdient man Geld.

    Hohe Rücklaufquote bei Verpackungen

    Die IGORA-Genossenschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch die Sammelquoten von Alu-Verpackungen zu steigern und konnte dort bereits grosse Erfolge erzielen: Die Recycling-Quote von Aludosen liegt heute bei über 90 Prozent. Eine vom Bundesamt für Umwelt 2014 in Auftrag gegebene Studie zum Thema Ökobilanz von Getränkeverpackungen kommt zum Schluss, dass «Aludosen (…) dank dem leichten Gewicht und der hohen Rezyklierfähigkeit trotz hohem Herstellungsaufwand (…) Umweltbelastungen aufweisen, die im Bereich der Bierverpackungen mit den tiefsten Umweltbelastungen liegen». Doch auch die Autoren der Studie geben zu bedenken, dass das gute ökologische Zeugnis, das der Aludose im Vergleich zu anderen Getränkeverpackungen ausgestellt wird, in ihrem leichten Gewicht und ihrer hohen Recyclingquote begründet ist. Nur PET schneidet besser ab, dennoch verwenden viele Schweizer Getränkeproduzenten bislang lieber Glas, Edelstahl oder eben Alu. Grund dafür ist neben der Haptik vor allem der Schutz des Inhalts der Verpackung. Dieser spiele eine wesentliche Rolle in der Nachhaltigkeitsberechnung, immerhin handle es sich dabei um Lebensmittel, gibt Daniel Frischknecht von der IGORA zu bedenken. Würden diese zu schnell verderben, hätte dies einen negativen Einfluss auf die Ökobilanz. Gemäss BAFU Studie erzielt eine Aludose rund 150 sogenannte Umweltbelastungspunkte (UBP). Dies entspricht ungefähr einer Autofahrt von 450 Metern in einem durchschnittlichen Personenwagen oder den Punkten, die ein Schweizer mit einem durchschnittlichen Lebensstil in sieben Minuten generiert.

    Voraussetzung für Alugebrauch ist dessen Recycling

    Auch eine Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs­ und Forschungsanstalt St. Gallen (EMPA) aus dem Jahr 2003 attestiert der Aludose, dass «sie und der mit ihr verbundene Kreislauf von Herstellung, Verteilung und Recycling wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit erfülle». Über die letzten zwanzig Jahre hinweg konnte eine Senkung der Umweltbelastung um den Faktor 3 ermittelt werden. Diese Verbesserung führen die Autoren der Studie auf die Verminderung des Dosengewichts bei gleichzeitiger Verdoppelung der Recyclingquoten zurück. Mittlerweile wird bei der Herstellung der Dosen 25 Prozent weniger Aluminium verwendet, dadurch konnte auch der CO2-Ausstoss um den Faktor 2.5 gesenkt werden. Wird irgendwann die energieintensive Herstellung von Primäraluminium hinfällig werden, weil alles aus recyceltem Material hergestellt werden kann? Markus Sidler, Metallhändler bei der Metallum in Regensdorf, hält dies für unwahrscheinlich, da die Nachfrage weltweit zunimmt und die Einsatzmöglichkeiten von Aluminium immer vielfältiger werden. Die gute Nachricht ist, dass gemäss Angaben der «World Aluminium Organisation» rund drei Viertel des je produzierten Alus noch immer im Umlauf sind. Aluverpackung zu recyceln ist deshalb nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern Voraussetzung dafür, dass die Herstellung dieses Metalls überhaupt gerechtfertigt werden kann.

    Stichwort Kaffeekapseln

    Kaffeekapseln, insbesondere Nespresso, stehen immer wieder in der Kritik, nicht ökologisch zu sein. Der Weltmarktführer führte deshalb 1991 mit 34 Sammelstellen, heute sind es über 2700, das Sammelsystem für gebrauchte Kapseln in der Schweiz ein. Nebst diesen gibt es seit 2012 auch den Dienst «Recycling@Home», bei dem der Pöstler neue Kapseln liefert und die gebrauchten zum Recyceln mitnimmt. Auch der darin enthaltene Kaffeesatz ist recycelbar: Nach der Umwandlung in Biogas trägt er energetisch zur Produktion neuer Kapseln bei. Nespresso recycelt aus ökologischen Gründen, wie das Unternehmen auf Anfrage bekannt gibt. Und die Recyclingquote liege aktuell bei rund der Hälfte, Tendenz steigend. Recycliert wird gleich im Waadtland und was an Aluminium gewonnen wird, kann danach wieder für neue Kapseln verwendet werden. Rein ökologisch betrachtet, so eine andere Quelle, fallen die grössten Umweltbelastungen so oder so nicht bei der Aluminium-Verpackung an, sondern bei der Kaffeeproduktion selbst. So betrachtet sind Kaffeekapseln sogar umweltschonend, weil sie für einen Kaffee viel weniger Kaffeepulver brauchen als andere Systeme.

  • Die Quartiergruppe Höngg war Pionierin

    Die Quartiergruppe Höngg war Pionierin

    Abfall ist nicht gleich Abfall. Das wusste man seit jeher. Unterschieden wurde aber schon immer zwischen dem was wiederverwendbar ist und jenem, das – zumindest früher – Abfall war und in den nächsten Bach oder Fluss geworfen wurde oder auf einer Deponie landete. Erst im Mittelalter begannen die Schweizer Städte, die Kehrichtabfuhr wenigstens rudimentär zu organisieren. Auch wenn dies lange nur bedeutete, den Müll zu einer Sammelstelle zu tragen, anstatt ihn einfach auf die Strasse zu werfen. Oder wie in Winterthur: Dort musste man den Müll zu einem bestimmten Zeitpunkt in den Stadtbach werfen, der dann geflutet wurde. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Abfallentsorgung zur städtischen Aufgabe und mauserte sich im 19. Jahrhundert zum leistungsfähigen Abfuhrwesen, das in Zürich bis 1882 sogar Gewinn abwarf, weil Private alles aufkauften, was sich zu Dünger oder Kompost verarbeiten liess. Zürich nahm 1904 am Standort der heutigen Anlage Josefstrasse die erste Kehrichtverbrennungsanlage der Schweiz in Betrieb. Insbesondere aber während der Weltkriege wurden Altstoffe weiterhin gesammelt. Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs – ein Zeichen des wachsenden Wohlstandes und der Konsumgesellschaft – die Abfallmenge stetig an, der «Ochsnerkübel», 1902 eingeführt, wurde dann erst ab 1970 von den Kehrichtsäcken verdrängt.1971 legte das Gewässerschutzgesetz und ab 1983 das Umweltschutzgesetz Leitlinien für die Abfallentsorgung fest. Zahlreiche Verordnungen folgten, doch noch heute liegt der Vollzug in der Kompetenz der Kantone und der Gemeinden. Heute zielen diese vermehrt darauf, Abfall umweltgerecht zu beseitigen, wiederzuverwerten oder im besten Fall gar zu vermeiden.

    Die Quartiergruppe Höngg machte es vor

    Diesem Gedanken lebte die «Quartiergruppe Höngg» – nicht zu verwechseln mit dem Quartierverein, worauf sie selbst damals im «Höngger» hinwiesen – bereits 1978 nach. 15 Jahre bevor die Stadt selbst flächendeckend Altstoffe zu sammeln begann. Die Quartiergruppe engagierte sich damals in vielen Bereichen (siehe Infobox) und natürlich prägte der Umweltschutz, der damals erst richtig in Fahrt kam, die Gedankenwelt. Und man wollte etwas unternehmen in Höngg. Zuerst ging es um das Sammeln von Altglas, das abgesehen von Pfandflaschen zu jener Zeit meistens noch einfach im Kehricht landete. Ein kleiner Leserbericht im «Höngger» vom 2. November 1978 über ein spontanes Fest der Quartiergruppe auf der Schärrerwiese erwähnt zum ersten Mal, dass man sich eine Glassammlung überlege. Bereits am 22. November traf sich die Gruppe im «Sonnegg», um das Thema «Glassammlung und Kulturveranstaltung» zu besprechen, wie im «Höngger» unter Vereinsnachrichten erwähnt wurde. Bereits einen Tag später – der Text dazu musste schon vor der Versammlung an die Druckerei gesandt worden sein – publizierte die Gruppe einen Aufruf im «Höngger», Glas künftig zu sammeln, um es am 2. Dezember, der ersten Sammelaktion der Gruppe, entweder zur Tramendstation Frankental oder an den Meierhofplatz zu bringen. «Wir hoffen, alle Höngger benützen diese Gelegenheit zur direkten Beteiligung am Energiesparen, zum Schutze unserer Umwelt und werfen ihr Glas ab sofort nicht mehr in den Abfall, sondern bringen es an unsere Sammelstellen», schloss der Aufruf. Zusammengearbeitet wurde mit der «Vetrum Genossenschaft für Wiederverwertung». Sie lieferte leere Sammelgitter auf Paletten und holte sie noch am Sammeltag wieder ab. Mitglieder der Quartiergruppe sortierten das Glas feinsäuberlich. Man unterschied nicht nur nach Farben, sondern auch nach Mehrwegflaschen und Einweggebinden. Peter Ruggle, damals mit dabei: «Wir schauten auf das Eichzeichen, das unten am Rand des Flaschenbodens klein erkennbar war. Was ein solches Zeichen hatte, vor allem Weinflaschen, ging an die Wäscherei und danach wieder in die Abfüllanlagen. Einwegflaschen und Bruchglas sortierten wir aus».

    Probleme gab es verschiedene

    Die Sammlungen jeden ersten Samstag im Monat stiessen in Höngg auf grosses Interesse, allerdings war es nicht immer einfach, genügend Helfende an den Sammelstellen zu haben. So publizierte die Quartiergruppe im «Höngger» vom 1. Juni 1979 (nebst dem Hinweis, dass die Sammlung am 2. Juni nicht stattfinden werde, weil die Gruppe am Pfingstmarsch teilnehmen werde) einen Aufruf, sich zu engagieren: «Bis anhin beteiligten sich nur Leute aus der Quartiergruppe. Wir haben aber Angst, dass sich diese Sammelaktion mit der Zeit als selbstverständlich erweist». Genau das solle sie eben nicht sein, schrieb Max Ruckstuhl, heute Mediensprecher bei Grün Stadt Zürich, damals: «So wie es einen Konsum und eine Migros gibt, gibt es eben auch die Glassammlung? Nein!». Es seien Höngger Quartierbewohner gewesen, die aus Umweltschutzgründen damit begonnen hätten und so solle es auch bleiben. Und deshalb rief man zur Mithilfe an den Sammelstellen auf, mit dem Hinweis, dass man dabei auch viel lerne. Zum Beispiel über verschiedene Weinsorten (wegen dem Eichzeichen, nicht wegen dem Leertrinken, Anm. d. Red.) und über Höngger Probleme, von denen es nicht wenige gebe.
    Eines davon betraf, ähnlich den Recyclingstellen heute, auch die Disziplin der Sammelnden: So ist in den Hinweisen auf die Sammeltage auch immer wieder vermerkt, man möge doch die Sammelzeiten beachten und Säcke mit Altglas nicht nach 14 Uhr einfach noch deponieren, weil sie sonst vier Wochen liegenblieben, was für die Anwohner nicht angenehm sei. Das erlebte auch das ERZ, das Anfang der 1980er-Jahre selbst Versuche mit Glassammelmulden startete. Eine solche stand bei der Tramwendeschlaufe Wartau, musste aber dort nach Lärmklagen der Anwohner wieder entfernt werden. Der Quartierverein Höngg schrieb dazu Ende Juli 1980, die Behörden hätten 20 mögliche neue Standorte geprüft und verworfen – und bat die Bevölkerung um die Meldung möglicher Muldenstandorte.

    Ab 1980 sammelte Höngg auch Aluminium

    Am 2. April 1980 kündete die Quartiergruppe dann unter dem Titel «Stopp dem Aluverschleiss» im «Höngger» auch das Sammeln von Aluminium an. Schon damals wies man darauf hin, dass die Herstellung sehr umweltbelastend sei und «ungeheure Strommengen fresse»: Alleine die drei Aluminiumwerke im Wallis, die es damals noch gab, würden jährlich gleich viel Strom verbrauchen wie das gesamte SBB-Netz. Die Gruppe verteilte sogar Flugblätter, um aufzuzeigen, welche Produkte aus Aluminium sind und gesammelt werden können. Und man bat darum, das Sammelgut für die erste Sammlung am 12. April in «möglichst gewaschenem Zustand zu bringen, was nicht heisst, dass es auf Hochglanz poliert sein muss»! Peter Ruggle erinnert sich gut, wie vor allem ältere Personen dem Aufruf nachkamen: «Sie brachten ihre Zahnpasta-Tuben, die damals noch aus Aluminium waren, aufgeschnitten, flachgewalzt und restlos sauber zu uns». Er habe nie rausgefunden, ob sie dies taten, um sauberes Aluminium abzugeben oder ob es noch eine Angewohnheit aus den Kriegsjahren gewesen sei, in denen man Aluminium eben so sammelte und zudem auch darauf bedacht war, auch den letzten Rest Zahnpasta zu brauchen.

    Ab 1993 «übernahm» die Stadt

    Am 2. Dezember 1990 sagten 70 Prozent des Zürcher Stimmvolks Ja zum neuen Abfallkonzept und bewilligte gleichzeitig einen Kredit von 18 Millionen Franken für die Erstellung von Recycling-Plätzen. Auf Anfang 1993, gleichzeitig mit der Einführung der Kehrichtsackgebühr, standen die ersten Wertstoff-Sammelstellen des ERZ bereit und Zürich begann, «Abfall» zu sortieren: «Seit der Abfallsack etwas kostet und gleichzeitig gratis recycelt werden kann», so gibt Letta Filli, Sprecherin des ERZ Auskunft, «ist die Abfallmenge markant gesunken und die Menge an zurückgebrachten Wertstoffen markant gestiegen». Heute würden rund 43 Prozent aller Wertstoffe, vor allem Glas, Metall, Papier, Karton, Textilien, Elektrogeräte und Bioabfall, zurückgebracht oder für die Sammlung bereitgestellt.

    Die Quartiergruppe Höngg engagierte sich in den 1970ern und 1980ern für viele Höngger Belange. Unter anderem für den Erhalt der alten Bausubstanz im Dorfkern oder des Restaurants Mühlehalde. Auch zu Verkehrsfragen nahm man Stellung, und aus den Reihen der Gruppe kam der Impuls zur Gründung des «3.-Weltladens Höngg» 1984, aus dem später der heutige «Canto Verde» am Meierhofplatz hervorging. Aufruf: Wer der Mitglieder von damals hat noch Foto- oder andere Dokumenten zuhause? Oder erinnert sich sonst an die Aktivitäten der Gruppe? Bitte melden per Mail an redaktion@hoengger.ch oder Telefon 044 340 17 05.