Kategorie: Kunstszene

  • Pausieren mit Heiner Fierz

    Pausieren mit Heiner Fierz

    Der Kunstmaler Heiner Fierz mit dem Alias «41» wohnt in Zürich-Höngg. Er entwickelt seine Bilder seit über 30 Jahren. Bisher sind über 1000 Werke entstanden. In seiner aktuellen Ausstellung am Lindenhof zeigt Fierz dem Publikum neue Kunst. Die meisten Ölbilder malt er draussen in der Natur und im urbanen Umfeld. Dort findet er auch jene Menschen, denen sein Werk gefällt. Fierz möchte mit seiner Ausstellung in der Innenstadt die bisherigen Kunstliebhaber*innen ansprechen, aber auch die Spaziergänger*innen und Passant*innen.

    Im Fernporträt

    Sein Thema ist das Pausieren: Stadtlandschaften und Baustellen sind zu entdecken, einige südliche Lichtfänge kommen dazu. Dazu gesellen sich einzelne Bilder, die als «Fernporträt» entstanden sind. Es handelt sich dabei um ein Experiment mit der Streaming-Software Zoom: Das kontaktlose Porträtieren einer Person aus der Distanz. Ein innovatives Verfahren, das in der Pandemie entstand. Seither porträtiert Fierz Persönlichkeiten via Videostream.

    Heiner Fierz

    Galerie am Lindenhof
    Bis 2. Januar 2023, 11–19 Uhr (ohne 25. Dezember und 1. Januar)
    Pfalzgasse 3, 8001 Zürich

  • Kunstausstellung Litauen – Schweiz mit Höngger Künstler

    Kunstausstellung Litauen – Schweiz mit Höngger Künstler

    Nein, erinnern kann sich heute niemand mehr daran. Im August 1921, vor 100 Jahren, anerkannte die Schweiz die damalige Republik Litauen, die sich 1918 konstituiert und für unabhängig erklärt hatte. Wie die meisten von uns wissen, erlebte das Land, das mit Lettland und Estland zu den Baltischen Staaten gehört, später lange Jahre die Besetzung durch Deutschland und die Sowjetunion. Erst nach der Perestroika, 1990, erklärte sich Litauen als erste der Sowjetrepubliken erneut für unabhängig.
    Aktuell kommt nun eine Galerie ins Spiel, die mit einem Event der Unabhängigkeit dieses Landes gedenkt. Sie heisst Gamta ir kultūra (Natur und Kultur) und ist eine junge Kunstgalerie in Laukagalis, Litauen, etwa 90 Kilometer von der Hauptstadt Vilnius entfernt. Die Galerie liegt idyllisch im wald- und seenreichen Regionalpark Labanoras und organisiert vom 1. August bis 12. September eine Kunstausstellung aus Anlass des 100-Jahre-Jubiläums der diplomatischen Anerkennung.
    Tatsächlich hat Gamta ir kultūra, diese im Nordosten Litauens gelegene Kunstgalerie, zum Teil Schweizer Wurzeln. Lukas Handschin, ehemals Pressemann bei Grün Stadt Zürich, hat sie mit seiner aus Litauen stammenden Frau Vilija aufgebaut. Nach seiner Pensionierung nutzte Handschin, der einst in Basel eine Galerie geführt hatte und leidenschaftlicher künstlerischer Fotograf ist, sein Netzwerk mit Kunstschaffenden, um mit ihnen diese Kunstschau möglich zu machen. Je 14 Kunstschaffende aus Litauen und der Schweiz sind beteiligt.

    Wie eine Begegnung in Höngg bis nach Litauen ausstrahlt
    Handschin förderte immer wieder Künstlerinnen und Künstler. Auch war er oft in der Redaktion des «Hönggers» zu Gast, wenn eine Vernissage stattfand. Und exakt dort traf Kunstmaler Heiner Fierz anlässlich seiner eigenen Ausstellung 2018 wieder auf ihn, mit dem er eine frühere gemeinsame Vergangenheit bei Tamedia hat. Für sein Projekt nahm Handschin also schon vor etlichen Jahren Anlauf. Doch für Fierz bedeutete die Begegnung den Startpunkt fürs Abenteuer Litauen: Er wurde Teil der künstlerischen Gruppe. Fierz war und ist in den letzten zwei Jahren in Litauen präsent und fängt landspezifische Eindrücke malerisch ein. Den dort entstandenen Bildern stellt er Werke aus der Schweiz entgegen. So konzipiert er seinen persönlichen Auftritt an der Gruppenausstellung in Laukagalis. Dies ist sein Beitrag zur Feier, an der die ganze Gruppe eine symbolische Brücke zwischen der Schweiz und Litauen baut.
    Die Vernissage findet am 1. August in Laukagalis statt. Auch der Künstler Heiner Fierz wird anwesend sein. Passend zum 100-Jahre-Jubiläum wird von den Künstlerinnen und Künstlern je ein besonderes Werk zum symbolischen Preis von 100 Euro angeboten. Sollte jemand noch unschlüssig sein, wohin seine Ferienreise gehen soll, nicht zögern, es könnte ein unvergessliches Erlebnis werden. 

    Kunstgalerie Gamta ir kultūra (Natur und Kultur) 1. August bis 12. September. Ausstellende Kunstschaffende aus der Schweiz: Christa Baumgartner, Kurt Bratschi, Marlys Bratschi, Zsofia Daniel, Andrea Eberhard, René Fehr-Biscioni, Heiner Fierz, Bruno Gasser, Mireille Gros, Dominik His, Myriam Kachour, Désirée Kägi Pedrina, Lucia Munuera, Stephan Spicher.

    www.gamtairkultura.com (in Englisch);
    www.facebook.com/gamtairkultura

  • Zehn Jahre Kunsterlebnis Art-Forum

    Zehn Jahre Kunsterlebnis Art-Forum

    Wenn man bei der Haltestelle Wartau aussteigt, sieht man an einem der Wohnhäuser gegenüber des ehemaligen Tramdepots immer noch das Schild des Art-Forums. Von Aussen wirkt das Gebäude eher unscheinbar. Wenn man das Art-Forum und dessen Geschichte nicht kennt, lässt nur wenig darauf schliessen, in was für verschiedene Welten man in den letzten Jahren in den Kellerräumen dieses Gebäudes eintauchen konnte. Denn genau darum ging es den Frauen, die dieses Projekt auf die Beine gestellt und über all diese Jahre weiterentwickelt hatten – in neue Welten eintauchen und die Kunst mit allen Sinnen erleben.
    Manuela Uebelhart, Rosmarie Lendenmann und Nora Dubach sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Im Gespräch wird jedoch sehr schnell klar, was die drei Künstlerinnen schon immer verbunden hat. Die Liebe zur Kunst. Und diese Liebe und Leidenschaft für die Kunst war auch der stetige Motor und Antrieb für die Weiterentwicklung dieses speziellen Galerie-Kellers in Höngg.
    Gegründet wurde das Art-Forum 2009. Es gab zwar schon das Ortsmuseum. Dieses organisierte jedoch nur alle drei Jahre Ausstellungen. Gemäss Uebelhart herrschte damals ein grosses Bedürfnis nach mehr Ausstellungen und Kunst in Höngg.
    Gemeinsam mit einem mittlerweile ausgetretenen ersten Gremium-Mitglied und Rosmarie Lendenmann eröffnete Manuela Uebelhart deshalb das Art-Forum. Nora Dubach, die dritte in der Gesprächsrunde, stiess etwas später zu den Gründungsmitgliedern des Art-Forums hinzu.

    Eine profitfreie Kunstoase

    Um Profit ging es den drei Frauen nie. Die Künstler*innen bezahlten eine sehr geringe Summe, um ihre Werke bei einer Ausstellung zu präsentieren und zu verkaufen. Vom Erlös der verkauften Werke ging dann ein kleiner Prozentsatz an das Art-Forum. «Alles Geld, das wir eingenommen haben, haben wir wieder in das Forum investiert», erklärt Uebelhart. Im Laufe der Zeit wurden die Kellerräume so zu einer immer professionelleren Galerie. Mit den Einnahmen wurden neue Böden eingebaut, Glasvitrinen für Skulpturen gekauft, die Beleuchtung verbessert und die Wände neu gestrichen. Ausserdem wurde davon auch die musikalische Begleitung der Vernissagen und reichhaltige Apéros finanziert. Für das Art-Forum scheuten die drei Frauen weder Kosten noch Mühen. «Wir wollten ein unvergessliches Erlebnis kreiieren. Und das taten wir mit voller Hingabe und Leidenschaft. Der Profit spielte für uns nie eine Rolle. Es ging wirklich nur um die Freude an der Kunst», sagt die mittlerweile 85-jährige Lendenmann.

    Ambitionierte Ziele und grosse Erfolge

    Neben dem einmaligen Kunsterlebnis für die Besuchenden hatten die Künstlerinnen auch andere Ziele mit dem Art-Forum. «Als wir 2009 das Art-Forum gründeten, war unser Hauptinteresse, die Künstler*innen von Höngg zu unterstützen und zu fördern. Ausserdem wollten wir das Art-Forum zu einer Art Treffpunkt für die Höngger Kunstszene machen», erklärt Uebelhart.
    Natürlich hatten Sie auch gewisse Ansprüche an die Ausstellungen. Ein gewisser qualitativer Standard musste erfüllt sein. Ihr Slogan war «Gute Kunst zu Atelierpreisen».
    Schon bald nach der Eröffnung wurden die Erwartungen erfüllt. Die Ausstellungen im Art-Forum erfreuten sich grosser Beliebtheit und hatten Erfolg. «Teilweise waren bei den Vernissagen über 100 Personen im Art-Forum», schwärmt Uebelhart.
    Eines der Highlights war die Ausstellung «Männerwelten» der drei renommierten Künstler Christian Mathis, Werner Muntwiler und Pietro Martini. Die vierwöchige Ausstellung generierte über 12000 Franken Umsatz. Gewisse Ausstellungen präsentierten Kunstwerke von bis zu acht verschiedenen Künstler*innen. Das Interesse war meistens sehr gross.

    Die Diversität der Kunst

    Das Art-Forum hat sich stetig weiterentwickelt. «Am Anfang hatten wir nicht wirklich ein Konzept. Wir haben einfach mal Ausstellungen organisiert. Mit der Zeit haben wir dann immer mehr auch thematische Ausstellungen entwickelt», erinnert sich Uebelhart.
    Die Kreativität kannte keine Grenzen. Es wurden verschiedenste Formen der Kunst zelebriert. Von Skulpturen über verschiedenste Formen der Malerei und Fotographie – im Art-Forum gab es nichts, das es nicht gab. Begleitet wurden alle Vernissagen von musikalischen Auftritten.
    Die drei Art-Forum-Damen berichten von einem Opernsänger, Panflöten, einem Klarinetten- und Geigen-Duo, Harfen, Popsongs auf der Gitarre, Tanzauftritten und vielem mehr. Beim Zuhören merkt man, wie die engagierten Frauen wieder ins Schwärmen kommen. Man spürt aber auch, was die Kunst, das Art-Forum und das hier Erlebte den drei bedeutet.
    Nora Dubach, die dritte im Bunde, ist eine mehrfach ausgezeichnete Buchautorin. Ihre Kunst ist neben ihren Skulpturkreationen vor allem die Literatur. So gab es im Art-Forum nebst Vernissagen auch immer wieder Buchlesungen.
    Für einzelne Ausstellungen wurden teilweise über 300 Einladungen von Hand verschickt. Dieses enorme Engagement war aber trotz der grossen Freude auch sehr zeitintensiv und hat die drei viel Energie gekostet.

    Das Ende einer Ära
    Im Dezember letzten Jahres, zehn Jahre nach der Eröffnung, fand im Art-Forum nun die letzte offizielle Ausstellung statt. Das Ende hatte sich schon in den letzten drei Jahren abgezeichnet. Verschiedene Probleme führten zum Entscheid, das Projekt Art-Forum in dieser Form nicht mehr fortzusetzen.
    Einerseits ging das Interesse für das Art-Forum gegen Ende stetig zurück. Es wurde weniger Kunst gekauft und auch der Andrang für die Ausstellungen liess zunehmend nach. «Kunst ist immer auch ein Luxus. In schwierigeren Zeiten wird weniger Kunst gekauft», meint Lendenmann.
    Entscheidender waren aber andere Probleme, wie das fehlende Engagement der Künstler*innen. «Mit dem Art-Forum fühlten wir uns gegen Ende manchmal etwas im Stich gelassen», sagt Uebelhart.
    «Die Organisation und Durchführung der Ausstellungen war ein enormer Aufwand, auch wenn wir es gerne gemacht haben. Für viele Künstler*innen haben wir mit dem Art-Forum eine perfekte Plattform geliefert. Leider ist teilweise nur sehr wenig Rückmeldung für diese freiwillige Arbeit und Unterstützung gekommen. So fühlte man sich manchmal auch ein bisschen ausgenutzt», erklärt Uebelhart stellvertretend für die drei Künstlerinnen.
    Hinzu kamen auch noch gesundheitliche Probleme. Lendenmann musste sich deshalb eine Weile zurückziehen, womit der Aufwand für Dubach als Assistentin und Uebelhart als Hauptverantwortliche noch grösser und anstrengender wurde. «Wir sind nicht mehr die jüngsten», sagt Lendenmann dazu schmunzelnd.
    Es sind also in den letzten Jahren gleich verschiedene Probleme gleichzeitig aufgetaucht. Dies führte zum Entschluss, das Forum in dieser Form nicht mehr zu betreiben.

    Zukunftspläne

    Eines ist aber sicher. Auch wenn vor allem gegen Ende aus verschiedenen Gründen nicht mehr alles so rund lief war es eine Zeit voller unvergesslicher Erinnerungen. Im Gespräch mit den drei Frauen spürt man noch immer, dass sie ihre Leidenschaft für die Kunst nicht verloren haben. Der Kreativitätsfunken und der Wille, Neues zu gestalten, scheint trotz dem Ende des Art-Forums noch lange nicht erloschen zu sein. So meint Uebelhart auch: «Ein Ende ist immer auch eine Chance. Und aus einem Ende kann auch wieder etwas Neues entstehen. »
    Ähnlich sehen es auch Dubach und Lendenmann. Alle drei sind überzeugt, dass noch viel passieren wird. Auch die Galerie soll weiterhin geöffnet bleiben und im kleineren Rahmen wollen die drei auch weiterhin Veranstaltungen planen. All das aber natürlich erst, wenn sich die Situation rund um das Coronavirus wieder normalisiert.
    So haben die drei Künstlerinnen nun Zeit, in sich zu kehren, das Erlebte dieser Ära zu verarbeiten und ihre Energie und Gedanken voll und ganz dem zu widmen, was die drei ihr ganzes Leben begleitet hat. Die Kunst.

    Die Werke von Uebelhart, Lendenmann und Dubach können aktuell im Galeriekeller jeweils freitags, samstags oder sonntags besichtigt werden.

    Telefonische Vereinbarung: 044 341 25 60