Kategorie: Krippen

  • Ist in Höngg der KITA-Bedarf gestillt?

    Ist in Höngg der KITA-Bedarf gestillt?

    Auch in Höngg ist von blossem Auge sichtbar, dass es heute mehr Kindertagesstätten gibt als früher. Seit der Frauenverein Höngg 1947 die erste eröffnete, hat sich einiges getan. 1992 gesellte sich die Krippe Heizenholz, als ergänzendes Angebot des Wohn- und Tagesheimes Heizenholz dazu. 1995 folgte an der Regensdorferstrasse das Montessori-Kinderhaus Quelle, keine eigentliche KITA, aber ein Tageskindergarten für Kinder ab zweieinhalb Jahren. 1996 folgte die erste von heute zwei KITAS für Studierende und Mitarbeitende der ETH Hönggerberg. Unter dem Namen «Tabaluga», heute «Minido», eröffnete im Jahr 2000 die KITA im Rütihof, 2006 und 2007 je ein «Chrabelschloss», 2011 die erste «Schiguna», 2013 «Wallaby» im Heizenholz und 2016 die zweite «Schiguna».
    Die letzten zwei Jahre ging es dann Schlag auf Schlag. Alleine 2017 eröffneten drei KITAs: Im Obergeschoss der ZKB-Filiale die KITA «Fugu» und dann, dort wo vorher nahe beim Zwielplatz die Büros einer Baufirma waren, zog «Kiddi4nature» ein und im ehemaligen Lebensmittelgeschäft direkt am Zwielplatz eine «Globegarden»-KITA. Und kommenden April wird im Neubau der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Höngg im Frankental die Kinderkrippe «Bambi» weitere 44 Plätze anbieten.

    Mehr Kinder, mehr KITAS – aber auch genug?

    Natürlich hat sich die Anzahl Krippenplätze in Höngg entsprechend mitentwickelt: von rund 77 im Jahr 1992 auf 443 im 2018 – sofern nicht noch weitere hinzukommen (Abb. 2).
    Diese Entwicklung spiegelt nicht nur das gesellschaftliche Bedürfnis nach mehr Betreuungsplätzen, sondern auch die generelle Zunahme von Kindern in Höngg: Lebten gemäss Statistik der Stadt Zürich 1993 nur 836 Kinder der Altersgruppe 0 bis 4 in Höngg, waren es 2016 bereits 1324 – ein Plus von fast 60 Prozent.
    Das heisst, dass heute für gegen 1400 Kinder rund 440 Kita-Plätze zur Verfügung stehen. Oder mit anderen Worten: Fast 63 Prozent aller Höngger Kinder im Vorschulalter könnten an zwei Tagen pro Woche im Quartier eine KITA besuchen. Nur noch knapp 32 Prozent sind es, wäre jeder KITA-Platz jeweils die ganze Woche von nur einem Kind belegt. Die Stadt Zürich weist in ihrem «Report Kinderbetreuung 2016» für Höngg noch 388 KITA-Plätze für 1364 Kinder und damit eine Versorgungsquote von 50 Prozent auf. Ab 70 Prozent Versorgungsquote betrachtet die Stadt Zürich den Bedarf als gedeckt (siehe Artikel auf Seite XY). Ist Höngg also trotz dem deutlich gestiegenen Angebot noch unterversorgt? Schwer zu sagen, denn die Stadt erhebt ihren 70-Prozent-Anspruch über das ganze Stadtgebiet betrachtet und nicht auf einzelne Quartiere. So gleicht es sich aus, wenn zum Beispiel eben in Höngg statistisch nur eine viel tiefere Quote erreicht wird, denn in der Innenstatt ist bezogen auf die dort tatsächlich lebenden Kinder ein Überangebot vorhanden: 2016 zum Beispiel im Gebiet Hochschule mit 804 Prozent und in der City mit sogar 1079 Prozent. Und die dortigen KITAs werden von jenen Eltern – darunter sicher auch aus Höngg – genutzt, welche ihre Kinder nahe dem eigenen Arbeitsort betreuen lassen wollen.

    Wie sehen das die Höngger KITA-Betreiber?

    Trotz statistisch tiefer Versorgungsquote ist man sich bei den Höngger KITA-Betreibern mehrheitlich einig, wie eine Umfrage dieser Zeitung zeigte: Ja, der Bedarf scheint gedeckt, wenn auch nicht in allen Regionen von Höngg gleichermassen. Jedenfalls werden kaum mehr Wartelisten geführt und die meisten KITAs haben für einzelne Wochentage je nach Altersgruppe noch Plätze frei. Gerade jene KITAs, die erst eröffnet haben, spüren, dass der Markt momentan gesättigter ist als auch schon. Brigitte Mutter, Inhaberin und Krippenleiterin der Kinderkrippen Schiguna, die 2011 nach Höngg gezogen sind, findet die Zunahme in den letzten Jahren markant und sagt, sie merke dies entsprechend: «Die Plätze an allen Tagen voll zu besetzen ist heute schwieriger geworden». Gerade Neugründungen von grossen KITA-Ketten sieht sie mit gemischten Gefühlen zu, denn diese haben, wenn es eng wird im Markt, den längeren finanziellen Atem. Doch mit höheren Ansprüchen der Eltern aufgrund der grösseren Auswahlmöglichkeiten sei sie nicht konfrontiert, sagt Brigitte Mutter: «Das Wichtigste für die Eltern ist und bleibt, dass ihre Kinder liebevoll betreut werden. Die grösste Angst aller Eltern ist es, dass ihr Kind in einer KITA auf Unverständnis für seine Bedürfnisse trifft oder man lieblos an ihm vorbei arbeitet».
    Eine Beziehung zu jedem einzelnen Kind aufzubauen sei denn auch das «A» und «O», das eine Krippe zu leisten hat, sagt sie: «und Kinder sollen Kinder sein dürfen, sie müssen nicht auf Biegen und Brechen nach Plan gefördert werden, sondern die Betreuenden müssen mit ihnen bedürfnisorientiert umgehen und sie dort fördern, wo Bedarf besteht». Das brauche eben auch eine Liebe zum Beruf, die ein Verständnis für die Kinder miteinschliesse und das habe für Eltern noch immer den viel höheren Wert als zum Beispiel, dass eine KITA zweisprachig nach Stundenplan arbeite, fügt die erfahrene Krippenleiterin und Mutter an.
    Auch Alessandra Di Roma, Leiterin der Kinderkrippe «Wallaby» im Heizenholz, sagt, sie spüre eine Sättigung im Markt, der Bedarf an KITA-Plätzen sei in Höngg derzeit gestillt: «Früher führten wir eher noch Wartelisten, was sich nun merklich reduziert hat und sich auf einzelne Tage beschränkt». Auch bei ihr macht sich bislang nicht bemerkbar, dass Eltern vermehrt die Wahl haben, von gestiegenen Ansprüchen merke sie nichts: «Welche Krippe Eltern wählen, hat auch viel mit Sympathie zu tun: Die einen finden es hier, in diesem Häuschen mit vielen Räumen und der Treppe ˂heimelig˃, andere haben gerade wegen den Treppen Bedenken. Eltern achten natürlich auch auf das Personal, wie das Haus eingerichtet ist und wie das Konzept aussieht, alles ganz individuelle Kriterien». Für Alessandra Di Roma selbst ist es am wichtigsten, dass es in ihrer Krippe genug Personal hat und die Stimmung im Team gut ist, denn: «das sehen und merken auch die Eltern – und vor allem die Kinder».

    Gemäss Erhebung des «Hönggers» sind die Höngger KITAs auch gewichtige Arbeitgeber: Rund 130 Personen arbeiten allein in der direkten Kinderbetreuung, davon 70 Ausgebildete, 35 in Ausbildung und 25 in einem Praktikum. Weitere, vom «Höngger» nicht erfasste Stellen sind in Küchen, Verwaltung usw. entstanden.

  • Alle in die KITA?

    Früher, da wurden Kinder bis zur «Gvätterlischuel» zu Hause betreut. Mutter hatte ja Zeit, schliesslich arbeitet sie ja nicht – und das, was Frau im Haushalt leistete, wurde nicht wirklich als «Arbeit» betrachtet. Stimmt so natürlich alles nicht! Schon früher wurden Kleinkinder extern betreut und über die Betrachtungsweise, was Haushaltsarbeit bedeutet, denkt heute auch kein normaler Mensch mehr im Diminutiv nach. Doch dass es sich Familien leisten konnten, von nur einem Erwerbseinkommen zu leben, ist noch gar nicht so lange her – und wer es sich heute noch leisten kann, ist bereits wieder privilegiert. Überdies ist es doch längst selbstverständlich, dass auch Frauen trotz Kindern ihren Beruf nicht aufgeben und ihn, wenn auch oft nur teilzeitlich, weiter ausüben wollen. Ganz abgesehen von all den alleinerziehenden Frauen, die schlicht und einfach auf das eigene Erwerbseinkommen angewiesen sind.
    So sind die Gründe, weshalb Kinder im Vorschulalter fremdbetreut werden, heute gar nicht so anders als damals, in der «guten alten Zeit». Einzig von einer «Verwahrlosung der Jugend», was in besagter alten Zeit zur Gründung der ersten Kinderbetreuungsangebote führte, wird heute kaum noch jemand reden. Zumindest nicht öffentlich. Wenn schon, dann geht es allenfalls darum, Kinder bereits im Vorschulalter pädagogisch betreut zu wissen oder ihr Sozialverhalten positiv zu beeinflussen.
    Kinderkrippen, ursprünglich hauptsächlich auf die Initiative von Privaten oder Fabrikbesitzern hin gegründet, sind heute vom Staat weitgehend reglementiert, werden gefördert und kontrolliert. Zürich strebt «einen Krippenplatz für jedes Kind» an, das einen braucht. In Höngg ist die Dichte an Kindertagesstätten und -plätzen in den letzten Jahren stark gewachsen. Warum dem so ist und anderen Aspekten rund um das Thema Kindertagesstätten widmet sich der «Höngger» im Fokus dieser Ausgabe, denn wie sich die Anzahl Kinder nach oben entwickelt, ist quartierrelevant.

    Fredy Haffner, Verlagsleiter «Höngger»

  • Als die Verwahrlosung der Jugend überhandnahm

    Als die Verwahrlosung der Jugend überhandnahm

    Das, worunter man heute eine Kindertagesstätte (KITA) versteht, lässt sich in seiner historischen Entwicklung nicht von Beginn weg als Begriff klar definieren. «Kinderhort» und «Kindergarten» vermischen sich dort leicht. Klar ist, dass beide Bereiche einen gemeinsamen Ursprung hatten: Das Ansinnen, die im Zuge der Industrialisierung öfters tagsüber sich selbst überlassenen Kinder zu betreuen. In Höngg, so ist in der Mitteilung Nummer 14 der ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg nachzulesen, bot die Gemeinde auch deshalb Hand zur Eröffnung eines Kindergartens, weil «die Verwahrlosung der Jugend, auch der vorschulpflichtigen, infolge der Fabrikarbeit der Mütter seit 1874 in der Seidenstoffweberei immer mehr überhand» genommen habe.
    Fast 100 Jahre früher, 1780, hatte Johann Heinrich Pestalozzi die Idee aufgebracht, ein Kinderhaus mit einem einfachen Bildungsangebot für bedürftige Kinder einzurichten. Doch erst 1826 wurde in Genf eine Betreuungseinrichtung für Kinder eröffnet, deren Eltern, um die Familie ernähren zu können, beide einer Arbeit ausser Haus nachgehen mussten. Es stand dort also vielmehr der Gedanke der Armenpflege als Pestalozzis Bildungsanspruch im Vordergrund. Auch das historische Lexikon der Schweiz schreibt, dass diese und andere danach gegründete Institutionen «eher Bewahranstalten gegen schädliche Einflüsse als kindgerechte Bildungseinrichtungen waren». Zumal es eine eigentliche Ausbildung für Lehrerinnen noch gar nicht gab. Der deutsche Pädagoge Friedrich Fröbel (1782 – 1852), ein Schüler Pestalozzis, war es dann, der die Idee eines «Gartens für Kinder» erstmals formulierte. Der erste nach diesem Konzept errichtete Kindergarten der Schweiz öffnete 1845 in Zürich-Riesbach seine Tore, doch erst mit der 1873 in St. Gallen gegründeten Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen gelang den Kindergärten in der Deutschschweiz allmählich der Durchbruch.
    Auch bei der Entwicklung der Kinderhorte bildeten soziale Anliegen die treibende Kraft. In der Hoffnung, damit Probleme der Eltern wie lange Arbeitszeiten und Armut begegnen zu können, von denen anfangs des 19. Jahrhunderts grosse Bevölkerungsteile betroffen waren. Zwar begann sich die Schulpflicht allmählich durchzusetzen, doch ausserhalb der Unterrichtszeiten blieben die Kinder oft sich selbst überlassen. Im Zuge der Industrialisierung entstanden in Zürich bereits ab 1800 sogenannte «Kleinkindaufbewahrungsanstalten»: Da die tiefen Löhne auch Mütter und ältere Geschwister vermehrt zur Erwerbsarbeit ausser Hause, eben in den Industrien, zwangen, war niemand mehr zu Hause, der sich um die Kleinsten kümmerte. So waren es denn auch oftmals Fabriken – wohl nicht zuletzt aus Eigeninteresse – welche in Zürich erste Kinderhorte realisierten. Und während die Mütter und Väter in den Fabriken arbeiteten, wurde im Kinderhort «Volkserziehung» gelebt: Eine «nützliche Beschäftigung, Handfertigkeit, Verstand und Gemüt anregende Unterhaltung sowie Bildung» standen im Vordergrund. Der Gemeinnützige Frauenverein Zürich (GFZ) gründete 1895 an der Hallwylstrasse seine erste Krippe, der dann weitere Krippen folgten.

    Vom Kindergarten- zum Frauenverein Höngg

    1887 zog man in Höngg nach: Eröffnet wurde aber nicht eine Kinderkrippe im Sinne einer heutigen Kindertagesstätte, sondern eine «Gvätterlischuel», wie man damals dem Kindergarten sagte – ein wunderbarer, heute fast vergessener Mundartbegriff, abgeleitet von «Gvätterle», womit sowohl das Spielen von Kindern als auch «etwas ohne Ernst zu betreiben» gemeint war. Und einen passenden Verein gab es natürlich auch: 1887 wurde von 90 Frauen und acht Männern der Kindergartenverein gegründet, der ab dem 8. Mai desselben Jahres im alten Schulhaus am Wettingertobel, wo die Gemeinde dafür einen Raum plus Heizung bewilligt hatte, den ersten Kindergarten von Höngg eröffnete. Kindergärtnerinnen nannte man damals noch «Gvätterlitante» oder einfach nur «Tante». Die erste Kindergärtnerin war selbst fast noch ein Kind: Gerade mal 16,5 Jahre alt war «Tante» Anna Frei, als sie die Stelle antrat, an der sie zwölf Jahre blieb, bis sie 1899 an den Kindergarten Wipkingen gewählt wurde. Sie habe die «zappelige Kinderschar, deren Zahl weit über das gewöhnliche Mass anstieg, energisch und doch liebevoll betreut», heisst es. Per 1. November 1913 wurde der Kindergarten der Primarschulgemeinde übergeben. Somit hatte auch der Kindergartenverein seine Zweckbestimmung erfüllt und nannte sich in «Frauenverein Höngg» um.

    Vom sozialen Engagement zum Geschäftsmodell

    In der Kinderbetreuung blieb man aber aktiv. 1939 war der Hauserstiftung Altersheim Höngg aus dem Erbe ihres ersten Präsidenten Martin Haug das Haus an der Limmattalstrasse 157 vermacht worden, das man dann im Herbst 1946 an den Frauenverein Höngg verkaufte. Bereits am 1. April 1947 eröffnete der Frauenverein dort die erste Kinderkrippe, wo die Kindertagesstätte heute noch, allerdings unter der Leitung des gemeinnützigen Frauenvereins Zürich (GFZ), betrieben wird. Bis 1992 war dies die einzige Kindertagesstätte in Höngg – dann ging es kontinuierlich aufwärts und demnächst wird die 15. KITA eröffnet (siehe Artikel auf Seite XY). Was einst als soziales Engagement, oft auch von bessergestellten Frauen initiiert, begonnen hatte, ist unterdessen ein Geschäftsmodell und eine gesellschaftlich breit akzeptierte Notwendigkeit, vom Staat gefördert, kontrolliert und mitfinanziert. Der Frauenverein Höngg ist, was Kinderbetreuung anbelangt, heute nur noch als Betreiber der Mittagstische im Rütihof, dem Altersheim Riedhof und dem «Sonnegg» aktiv.

    Quellen:
    Schweizerisches Sozialarchiv
    Historisches Lexikon der Schweiz
    Ortsgeschichte Höngg und Mitteilungen 14 der ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg.

  • Stadt setzt auf subventionierte Betreuungsplätze

    Stadt setzt auf subventionierte Betreuungsplätze

    Gemäss dem «Report Kinderbetreuung» standen in der Stadt Zürich im Jahr 2016 9600 Betreuungsplätze für Kinder im Vorschulalter zur Verfügung, angeboten wurden sie von rund 300 privaten Kitas, die Stadt selber stellte zwölf zusätzliche Kindertagestätten. Erstmals seit Beginn der Datenerhebungen im Jahr 1991 schaffte die Versorgungsquote, also die Anzahl der Betreuungsplätze im Verhältnis zur Anzahl Kinder im Vorschulalter, die 70-Prozent-Hürde und erreichte 72.8 Prozent. Damit gilt die Nachfrage als gestillt, die Stadt war ihrem Ziel, mehr Menschen Zutritt zum Arbeitsmarkt zu verschaffen, einen Schritt näher gekommen. Es gab allerdings noch ein Problem: Die Kontingentierung der subventionierten Krippenplätze führte dazu, dass nicht alle Eltern mit Anspruch auf Vergünstigungen auch in deren Genuss kamen. Die Lösung: Die Aufhebung der Kontingente.

    Subventionierte Plätze für alle

    2016 wurden 3600 Plätze und damit 40 Prozent aller Betreuungsplätze in Kindertagesstätten von der Stadt Zürich subventioniert, bei den Tagesfamilien waren es sogar 90 Prozent aller Betreuungsstunden. Die Unterstützung der Eltern ist der Stadt rund 70 Millionen Franken wert. «Unsere Überzeugung ist es, dass es sich lohnen soll, arbeiten zu gehen», sagt Heike Isselhorst vom Sozialdepartement der Stadt Zürich. «Längerfristig zahlt es sich aus, wenn Menschen erwerbstätig bleiben und ihre Arbeitsmarktfähigkeit so erhalten». Für einkommensschwache Familien macht es oft keinen Sinn, dass beide arbeiten, weil die Kosten für die Kinderbetreuung das zusätzliche Einkommen übersteigen. Diesem Missverhältnis will die Stadt mit dem Strategieschwerpunkt «Lücken in der Kinderbetreuung schliessen» nun entgegenwirken. Mit der Aufhebung der bisher geltenden Kontingente sollen bis im Jahr 2020 620 zusätzliche subventionierte Kita-Plätze geschaffen werden. 2017 bewilligte der Gemeinderat dazu die Teilrevision der Verordnung über die familienergänzende Kinderbetreuung und gewährte zuvor bereits den Zusatzkredit, damit künftig allen anspruchsberechtigten Familien ein subventionierter Krippenplatz zur Verfügung steht.

    Kritik vom Verband

    Der vom Verband Kinderbetreuung Schweiz «kibesuisse» eingereichten und von 25 Krippen mitunterzeichneten Empfehlung zur Überarbeitung der Teilrevision wurde nicht Folge geleistet. Der Verband hatte unter anderem kritisiert, dass der neue Tagessatz von 120 Franken zwar höher sei, aber für weniger Tage pro Jahr und eine begrenzte Tagesöffnungszeit von 11.5 Stunden entrichtet werde. Isselhorst weist darauf hin, dass mit dieser maximalen Stundenzahl dem Angebot von rund 75 Prozent der Krippen in der Stadt Zürich entsprochen werde. Auf den Vorwurf, dass die städtischen Kitas rund 30 Prozent höhere Vollkosten generieren können und deshalb in der Lage seien, höhere Löhne zu zahlen, entgegnet sie, dass die Kitas der Stadt Zürich zwar tatsächlich im Schnitt 14 Prozent teurer seien, dies aber nicht in erster Linie auf höhere Löhne zurückzuführen sei. Vielmehr hätten die städtischen Kitas aufgrund des Mangels an qualifiziertem Personal in der Kinderbetreuung seit dem Jahr 2013 durchgängig Praktikums- durch Ausbildungsstellen ersetzt, was zu höheren Personalkosten führt. Ausserdem seien die Mietkosten der städtischen Kitas wegen teilweise alter Raumstrukturen um einiges höher als die in den Richtlinien festgelegten 25 Franken pro Quadratmeter. Letzteres trifft wohl auch auf die meisten privaten Kitas der Stadt zu. Ausserdem könnte man durchaus umgekehrt argumentieren, und sagen, dass die Krippen auf Praktikanten zurückgreifen müssen, weil die bezahlten Tarife nicht für mehr reichen.
    Die revidierte Verordnung trat per 1. Januar 2018 in Kraft, und das Sozialdepartement vermeldete bereits im November erste positive Auswirkungen: Die Anzahl der subventionierten Kita-Plätze habe sich erhöht, und auch der administrative Aufwand habe sich durch die elektronischen Vertragsabwicklungen reduzieren lassen. Etwas mehr als 80 Prozent der Kitas habe einen Subventionskontrakt mit der Stadt. Das Ziel, die Lücke in der Kinderbetreuung zu schliessen, soll bereits Ende 2018 realisiert sein.

  • Wer einen subventionierten Kita-Platz erhält

    Wer einen subventionierten Kita-Platz erhält

    Im subventionierten Grundangebot beteiligt sich die Stadt mit maximal 240 Tagen und 11,5 Stunden am Tag an den Betreuungskosten. Familien, die sich um einen subventionierten Platz in einer Kita bewerben wollen, müssen den Nachweis erbringen, dass sie entweder erwerbstätig sind (auch freiwillig), sich in einer Aus- oder Weiterbildung befinden, oder, bei Arbeitslosigkeit, Kinderbetreuung benötigen, um vermittlungsfähig zu bleiben. Weiter können die Notwendigkeit der sprachlichen oder sozialen Integration des Kindes sowie physische und psychische Überlastung der Eltern als Grund für eine Unterstützung geltend gemacht werden.
    Die Eltern können über die Web-Applikation des Sozialdepartements «Mein Konto» direkt ein Gesuch stellen. Liegt der Betreuungsgrund in der sozialen oder sprachlichen Integration des Kindes oder der Überlastung der Eltern, müssen sich diese an die entsprechenden Fachstellen wenden, welche die Notwendigkeit bestätigen können. Der Antrag muss jährlich neu gestellt werden. Mit dem Online-Rechner kann einfach festgestellt werden, ob Anspruch auf Subventionen besteht und wie hoch die Betreuungskosten ausfallen.

    Krippengründung leichtgemacht?

    Am 1. Februar 2003 trat das Bundesgesetz über Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung in Kraft, ein befristetes Impulsprogramm, das die Schaffung zusätzlicher Plätze für die Tagesbetreuung von Kindern fördern soll, damit die Eltern Erwerbsarbeit respektive Ausbildung und Familie besser vereinbaren können. Gerade wird im Parlament die Verlängerung der Frist diskutiert. Mit dem Neuerlass der kantonalen Richtlinien über die Bewilligung von Kinderkrippen, welcher seit 2014 gilt, sollte es den Krippengründern erleichtert werden, eine Bewilligung zu erhalten. Gültig sind sie für Kinderkrippen, die Kinder bis zum Kindergartenalter aufnehmen, mehr als fünf Plätze anbieten und mindestens fünf halbe Tage oder 20 Stunden pro Woche geöffnet haben. Wer eine solche Einrichtung eröffnen will, muss mindestens drei Monate vorher ein Gesuch um Bewilligung einreichen. Darin enthalten sind neu nur noch ein pädagogisches Konzept, welches die pädagogischen Grundsätze, Ziele und Vorgehensweisen aufzeigt, sowie ein Notfallkonzept. Die Grösse der Gruppe ist auf elf Plätze beschränkt, wobei Kinder unter 18 Monaten 1,5 Plätze beanspruchen, Kindergartenkinder nur 0,5 und Kinder mit Einschränkungen je nach Betreuungsaufwand mehr als einen Platz. Die altersmässige Zusammensetzung der Gruppen steht den Krippen frei. In jeder Gruppe muss immer eine ausgebildete Betreuungsperson anwesend sein, ab sieben Kinder zusätzlich eine zweite Betreuungsperson. Pro Gruppe müssen rund 60 Quadratmeter zur Verfügung stehen, Nebenräume wie Nasszellen, Küchen, Korridor und Garderoben sind darin nicht enthalten. Weiter müssen die Räume kindergerecht und sicher sein und über ausreichend Tageslicht und Rückzugsmöglichkeiten verfügen. Neu müssen die Spielmöglichkeiten im Freien nicht in unmittelbarer Nähe der Krippe sein, solange sie gut erreichbar sind und dem Konzept der Krippe entsprechen. Was in den Richtlinien nicht erwähnt wird, ist, dass die Krippen dem Gastronomiegesetz unterstellt sind, welche neue Krippengründer immer wieder in schwierige bis absurde Situationen bringt. So sind dem «Höngger» Fälle bekannt, in denen beispielsweise ein zweites WC für Erwachsene eingebaut werden musste, obwohl die Kinder entweder noch Windeln trugen oder das WC noch gar nicht selber benutzen konnten. Der teure Umbau schlug sich in der Folge auf die Miete nieder. Mit der Krippenaufsicht hingegen haben die meisten Krippen gute Erfahrungen gemacht und erachten auch die Vorschriften als richtig und wichtig.

  • Kita ja oder nein: Eine individuelle Entscheidung

    Kita ja oder nein: Eine individuelle Entscheidung

    Wie viele Frauen heutzutage wusste auch Helena Götte, dass sie irgendwann nach der Geburt ihrer ersten Tochter wieder ins Berufsleben einsteigen würde. Sie stammt aus einer Familie, in der beide Elternteilte gemeinsam ein Geschäft betrieben und immer gearbeitet haben. Es war und ist ihr deshalb sehr wichtig, auch als Berufsfrau wahrgenommen zu werden. Das Ehepaar hatte sich deshalb bereits früh auf die Warteliste einer Krippe in Höngg setzen lassen. Als wenige Monate nach der Geburt ein vielversprechendes Jobangebot an sie herangetragen wurde, bot ihre Tante ihr an, einen Tag in der Woche auf das Kind aufzupassen. Ihr Ehemann konnte sein Pensum nach der Geburt der Tochter auf 80 Prozent reduzieren und übernahm einen weiteren Tag. So konnten sie auf den reservierten Krippenplatz verzichten. Die gleitenden Arbeitszeiten erleichterten die Organisation, und so blieb es auch nach der Geburt ihrer zweiten Tochter bei dieser Lösung. «Dass meine Tante so lange und auch gerne auf die Kinder geschaut hat, war natürlich ein Glücksfall», erzählt Götte, «und wir sind ihr bis heute sehr dankbar dafür». Auch die Schwiegermutter reiste regelmässig nach Zürich, um auszuhelfen, «so konnten wir die Kinderbetreuung sozusagen familienintern lösen». Als mit fünf Jahren Abstand das dritte Kind zur Welt kam, entschieden sie dennoch, den Jungen für die Krippe anzumelden, da ein Säugling neben zwei weiteren und älteren Kindern nochmals ganz andere Betreuung benötigt. Zeitgleich hatte Götte eine Stelle mit mehr Verantwortung übernommen und das Pensum auf 60 Prozent erhöht. Dass ihr Jüngster ab etwa 18 Monaten zwei Tage in der Woche in der Krippe verbrachte, ist für sie noch heute die richtige Entscheidung. «So konnte er mit gleichaltrigen Kindern in Kontakt kommen und hatte zur Abwechslung auch einmal Jungs um sich herum», meint Götte. «Selbstverständlich war es auch für mich wichtig, in einem Job zu sein und den intellektuellen Austausch mit Erwachsenen pflegen zu können». Nach den Vor- oder Nachteilen einer Krippenbetreuung gefragt, meint sie: «Natürlich ist das Vertrauen, das man in Familienmitglieder hat, wenn sie auf die Kinder aufpassen, ein anderes. Ausserdem wird ihr Verhältnis dadurch vertieft, dass sie regelmässig Zeit zusammen verbringen. Dafür fällt es leichter, eine Krippenmitarbeiterin kritisch darauf hinzuweisen, wenn man mit einer Vorgehensweise nicht einverstanden ist, als man es sich bei einer nahestehenden Person trauen würde». Aber es sei nie um die Grundsatzfrage Kinderkrippe ja oder nein gegangen, der Zufall und etwas Glück hätten zu der Konstellation geführt, und darüber seien sie heute noch sehr froh.