Kategorie: Höngg – Quo vadis?

  • Das Schliessgespenst geht um

    Das Schliessgespenst geht um

    Nun ist es gewiss: Die Apotheke Drogerie und Parfümerie Hönggermarkt schliesst Ende September. Ein Schock, denn damit verschwindet nicht nur ein grösserer Betrieb, sondern es endet an dieser Stelle eine Tradition: Die einstmalige «Dorfbach-Drogerie» bestand seit den 1920er-Jahren.
    Seit diesem Frühjahr, man muss es leider deutlich sagen, hat man sich in Höngg beinahe an Geschäftsaufgaben im Zentrum gewöhnt. Das Schliessgespenst geht um, besonders entlang der Limmattalstrasse: «Wohnderbar», Ende April weggezogen. «Schoggikönig», seit Ende Mai zu. Wo bis Anfang 2016 das Blumengeschäft «Gardenia» war, zog «Lekka Design» ein und schloss erst kürzlich wieder. Hier gibt es allerdings auch eine gute Nachricht: Ende Oktober, Anfang November eröffnet hier zum ersten Mal in Höngg eine Buchhandlung. Oder die Modeboutique «Dialog», gleich neben der UBS. Sie schloss Anfang 2016. Eingezogen ist eine Fahrschule, deren Räume meistens nur abends genutzt werden.
    Was war einst im kleinen Lokal Ecke Limmattalstrasse 206/Schärrergasse? Dort zog Anfang 2010 die Firma PrintAs.ch ein, die verschiedenste Kunstdrucke anbot und nicht lang überstand. Auf sie folgte ein Aikido-Dojo, das tagsüber auch keine Kundenfrequenz in die Gegend bringt.

    Hin und weg am Meierhofplatz

    Stetig und mit Einfluss auf einen lebendigen Laden-Mix vollzogen sich diverse Wechsel rund um den Meierhofplatz. Aus der «Dorfmetzg», geschlossen im August 2011, wurde nach Leerstand zuerst ein «Jean Keller Bistro», eine zu jenem Zeitpunkt an diesem Ort überflüssige Bäckerei. Erst nach deren Konkurs folgt ein Lichtblick mit der Eröffnung der Bar «Caprileone» Anfang dieses Jahres. Als 2015 am Meierhofplatz die Apotheke Höngg schloss und mit der Drogerie Hönggermarkt fusionierte, zog nach Leerstand und einer Zwischennutzung ein Friseur ein. Der Hundeshop «Hunter Store», 2015 an der Regensdorferstrasse eröffnet, schloss 2018 wieder, dafür zog Anfang dieses Jahres Coiffeur Tanya vom Zwielplatz um in die neu gestalteten Räume. Ihr Platz am Zwielplatz nahm ein: Ein Friseur.
    «Foto Video Peyer»? Gibt es noch, ist aber nach dem Besitzerwechsel aus dem Zentrum weg in Richtung Schwert gezogen: Dort standen, nach der Schliessung von TV Reding und dem Wegzug von B&O Höngg, zwei Ladenlokale leer. Ins zweite zog ein Architekturbüro.
    Eine Odyssee hat der «Jet Schneider» hinter sich: Er zog vom Meierhofplatz unter die Bögen an der Limmattalstrasse 195. Wo er wegzog, zog an bester Lage eine weitere Fahrschule ohne Kundenfrequenz ein. Enttäuscht von der schlechten Passantenlage zog der «Jet Schneider» bei erster Gelegenheit wieder zurück an den Meierhofplatz, in die inzwischen freigewordenen Räume von «Foto Video Peyer». Und was hat sich an seiner Stelle unter den Bögen in der städtischen Liegenschaft einquartiert? Überraschung: Ein weiteres Nagelstudio. Per Ende September auch angekündigt ist die Schliessung des «Gwunderfizz» am Meierhofplatz. Dort zumindest laufen, so hat der «Höngger» erfahren, vielversprechende Verhandlungen zur Weiterführung unter neuer Inhaberschaft. Und was ist mit Restaurants? Da will man gar nicht erst mit Nachdenken beginnen, so häufig folgten Schliessungen auf Wiedereröffnungen und Besitzerwechsel, seit Jahrzehnten. Der «Rebstock», die «Alte Trotte» und das Restaurant «Rütihof» blieben letztlich für immer geschlossen, um nur die drei aktuellsten zu nennen. Wenigstens hat der Rütihof seit Anfang August mit dem «CaBaRe» wieder ein Restaurant erhalten. Ermüdet von den traurigen Aufzählungen? Nun, leider ist diese Aufzählung weder vollständig geschweige denn abschliessend. Fakt ist: Das Schliessgespenst geistert seit Jahren durch Höngg.

    Stete Unruhe im Hönggermarkt

    Auch im Hönggermarkt, wo nun die gleichnamige Apotheke-Drogerie schliesst, kam es immer wieder zu Wechseln und Leerständen. Um nur einige aufzulisten: «Fawer Radio TV» schloss 2012. Kurz darauf zog «Sandra Schuhe» gleich gegenüber weg. Es folgte ein Leerstand, bis dann der «Hong Kong Take-Away» einzog. Was einst das Restaurant «Al Porto» war, mutierte nach längerem Leerstand Ende 2014 zur Weinhandlung der darunterliegenden Coop-Filiale, auf die Höngg kaum gewartet hatte. Im Geschäft nebenan zog eine Firma für Hörgeräte ein, keine 50 Meter entfernt von einer zweiten dieser Branche.

    Wem «Lupfts dä Huet»?

    Nächsten Montag, 16. September, wird von der Reformierten Kirchgemeinde Zürich im Rahmen des Zwingli-Jahres am Meierhofplatz eine Kopie der Zwinglistatue aufgestellt. Als ob sie es gewusst hätte, hat sie «Wirtschaft» zum Thema. Gemeint sind nicht Restaurants. Zu einem passenderen Zeitpunkt könnte dieser Zwingli Höngg kaum heimsuchen, denn es wäre an der Zeit, wenn es mal nicht nur dem guten alten Reformator den sprichwörtlichen «Hut lupfen» würde, sondern endlich mal noch ganz anderen Höngger*innen.

    Geschichte der Drogerie Hönggermarkt, «Von der Handlung zur Fusion», «Höngger» vom 7. Mai 2015 unter www.hoengger.ch

  • Schliessung nach turbulenten Jahren

    Schliessung nach turbulenten Jahren

    Offenbar hörte man die Ketten dieses Schliessgespenstes  auch in der Apotheke Drogerie Parfümerie Hönggermarkt schon länger rasseln. Dem erwähnten, kurzgefassten Kundenschreiben ist zu entnehmen, dass nebst den Sanierungsarbeiten in der Limmattalstrasse (2012, Anm. d. Redaktion), die «Abgänge langjähriger Mieter, gefolgt von lange leerstehenden Ladenlokalen» turbulente Zeiten bedeutet hätten. 
    Dr. Rudolf Andres, Geschäftsführer der Rotpunkt-Pharma AG, präzisiert auf Nachfrage des «Hönggers», was im Kundenbrief knapp formuliert war: «Mit jedem Abgang oder Wechsel im Zentrum ‹Hönggermarkt› nahm die Frequenz ab und während den Gleissanierungen damals war die Umsatzeinbusse mit bis zu 50 Prozent dramatisch». Auch vom Zentrumsumbau 2014 hatte man sich mehr erhofft, doch weder die neu gebaute Treppe direkt zur Regensdorferstrasse, noch die Öffnung des Eingangsbereichs brachten mehr Kundenfrequenz. Ebenso wenig die Versuche der Zentrumsverwaltung, nach dem Umbau einen kleinen Markt ins Leben zu rufen. Dabei gab es früher vielversprechende Versuche seitens der Mieterschaft, selbst einen solchen Markt zu etablieren, doch Dr. Andres sagt, der Kampf für einen selbstorganisierten Markt sei einer gegen Windmühlen gewesen: «Bei der Verwaltung hatten wir jedes Jahr neue Ansprechpartner, die uns Besserung versprachen und uns auf später vertrösteten». Was die Verwaltung in letzter Zeit dann zum Thema «Wochenmarkt» anstiess, bewies – warum auch immer – weder Vielfalt noch Kontinuität.
    Doch die Frage der Kontinuität muss sich nun auch die Rotpunkt-Gruppe gefallen lassen: Erst Ende 2011 hatte sie die Drogerie Hönggermarkt übernommen und sie dann 2015 mit der Apotheke Höngg fusioniert. Und nun bereits die Schliessung? Nein, die Fusion sei auch aus heutiger Sicht richtig gewesen, sagt Dr. Andres: «Wir konnten dadurch Miet- und Personalkosten einsparen». Erklärend und sehr kritisch führt er an, dass die Mieten für Ladenlokale in Höngg bei Verträgen, die vor mehr als fünf Jahren abgeschlossen wurden, meistens viel zu hoch seien. Dabei sei es längst zu einem Wechsel vom Vermieter zum Mietermarkt gekommen. Das heisst, das Angebot an Verkaufsflächen ist grösser als die Nachfrage. Bloss reagieren die meisten Vermieter darauf nicht mit Mietzinssenkungen, sondern nehmen lieber Leerstände in Kauf. Ja, so absurd es klingt, doch mit Leerständen fahren Liegenschaftsbesitzer – insbesondere grössere Firmen – besser als mit tieferen Mietzinseinnahmen, denn diese schlagen als Reduktion des Liegenschaftswertes zu Buche. Kreditgebende Banken, Pensionskassen und andere Player der Branche interessiert nur der theoretisch mögliche Ertragswert – ob tatsächlich auch vermietet ist, ist ihnen egal.

    Das Problem in einer grösseren Dimension

    Im Gespräch fasst der Rotpunkt-Chef die Vermieter nicht mit Samthandschuhen an. Er wirft ihnen Fantasielosigkeit bei der Regenerierung der Bausubstanz vor und fordert sie auf, endlich «von passiven Verwaltern zu aktiven Bewirtschaftern zu werden, die sich nebst den Liegenschaften auch um das Wohl des Quartiers und um jenes der Mieterschaft kümmern». Allgemein hebt er, nicht als einziger, das Problem auf eine höhere Ebene, wenn er sagt, dass Liegenschaftsbesitzer auch aktiv werden müssten, wenn es um die Gestaltung der öffentlichen Plätze und des Verkehrs in Höngg geht: «Ein Zusammenschluss und damit ein gemeinsames Auftreten gegenüber der Stadtregierung werden nötig sein, um die Verkehrsmisere am Meierhofplatz zu beheben». Das Herz von Höngg, so resümiert er, sei eine verstopfte Verkehrskreuzung, statt ein Ort für die Bevölkerung, wo man einkauft, sich trifft und sich gerne aufhält.
    Der Mann weiss, wovon er spricht, denn er engagiert sich seit Jahren auch in der City Vereinigung Zürich und der Vereinigung Bellevue/Stadelhofen, dem Standort seiner eigenen Apotheke. In zahlreichen Gesprächen mit dem Stadtrat wurde schon gefordert, den leidenden Detailhandel mehr zu unterstützen. Und zwar durch Entlastung: Hört man Dr. Andres und anderen zu, so ist der bürokratische Aufwand, um einen Laden, ein Geschäft zu betreiben, ins Uferlose gewachsen. Für die simpelsten Umbauten müsse man mit verschiedensten Ämtern verhandeln und Gebühren entrichten, oft helfe nur ein Anwalt.
    Was nach allen Ausführungen bleibt: Am Montag, 30. September, um 19 Uhr, schliesst die Apotheke Drogerie Parfümerie Hönggermarkt und fusioniert mit der Apotheke Im Brühl. Die Parfümerie- und Drogerieartikel wechseln zusammen mit den Drogistinnen in die Limmat Apotheke. Auch das andere Personal wird vollständig übernommen, versichert Dr. Rudolf Andres: «Die Flexibilität der Mitarbeiterinnen und ihr Verständnis für diesen Schritt hat uns sehr gefreut. Man spürt, wie sehr ihnen die Kunden und Höngg als Arbeitsort am Herzen liegen».

  • Höngger Geschäfte: Eine Schliessung, eine Verlagerung

    Höngger Geschäfte: Eine Schliessung, eine Verlagerung

    Bei der Boutique Dialog besagt ein Zettel an der Türe «Bis auf weiteres geschlossen» und beim Blumengeschäft Gardenia hat der «Raus-Verkauf» begonnen. Der «Höngger» hat bei beiden Geschäften nachgefragt. Die Inhaberin der Modeboutique will keinen Bericht in der Zeitung. Sie habe sich frühpensionieren lassen, sagt sie, und mit dem Thema abgeschlossen, das Konkursverfahren sei eingeleitet. Der Laden wird folglich, entgegen dem Schild an der Türe, wohl nicht mehr aufgehen. Gemäss unbestätigten Informationen wird eine Fahrschule mit Theorielokal die Räume im Frühjahr übernehmen.

    Laden zu, Geschäft besteht weiter

    Anders ist die Situation im Blumengeschäft Gardenia, wo Inhaberin Esther Schwank klar kommuniziert. «Das letzte Geschäftsjahr hat uns veranlasst, unser Dienstleistungskonzept zu ändern», schreibt sie dem «Höngger», und weiter: «Nach fast 29 Jahren verlassen wir das Ladenlokal an der Limmattalstrasse 197 per Ende März.» Wichtig zu wissen sei jedoch, dass Gardenia weiterhin Bestellungen telefonisch oder per Mail entgegen nimmt und Blumenwünsche erfüllt – man erweitert unter dem Motto «Sie bestellen, wir liefern» sogar den Lieferradius über die Stadt und Region Zürich hinaus bis ins Zürcher Unterland und ins Klettgau. «Nach jetzigem Stand entstehen unsere floralen Kreationen ab 1. April bis auf weiteres ausserhalb von Höngg», so Esther Schwank, «interessierten Kundinnen und Kunden werden wir im März weitere Details bekannt geben.»
    Damit schliessen beziehungsweise verlassen wieder zwei Detailgeschäfte Höngg, die über viele Jahre das Dorfbild geprägt haben. Zu hoffen bleibt, dass die Schaufenster nicht so lange unbelebt bleiben wie an anderen Stellen im Dorfzentrum.

  • Umfrage Höngg: Ein Ergebnis ohne Folgen?

    Ende 2012 wurde unter dem Patronat des Vereins Handel und Gewerbe Höngg (HGH) die grosse Umfrage zum Thema «Höngg – quo vadis?» lanciert und im Januar 2013 durchgeführt. Der «Höngger» informierte später über die Ergebnisse (siehe Infobox).
    Die Arbeitsgruppe, welche jene Studie ausgearbeitet hatte, traf sich weiterhin unter dem nichtoffiziellen Namen «Netzwerk Höngg». Anfänglich von engagierten Personen aus dem Umfeld des HGH dominiert, stiessen Schritt für Schritt weitere aus anderen Höngger Vereinen, Institutionen und der Politik hinzu – alle nicht als offizielle Vertretung ihrer Organisation, sondern lediglich in Botschafterfunktion. Man wollte dabei und informiert sein, ohne sich gleich festzulegen.
    Zusammen wollte man die Voraussetzung schaffen, um die Bedürfnisse der Höngger Bevölkerung zu erkennen, den Austausch zu fördern und Aktivitäten zu koordinieren. Alles mit dem Ziel, die Besonderheiten und das Image von Höngg auch längerfristig positiv zu prägen.
    Vor diesem Hintergrund führten vier im Departement Wirtschaft der Kalaidos Fachhochschule Schweiz Studierende zwischen Juli und Ende August dieses Jahres im Auftrag des «Netzwerks Höngg» eine Online-Umfrage durch, um die Ergebnisse der ersten Umfrage zu präzisieren.

    Nicht repräsentativ, trotzdem wertvoll

    320 vollständig ausgefüllte Fragebögen konnten die Studierenden auswerten, was sie als «eine ordentliche Stichprobe» sehen, die aber «wissenschaftlich nicht als repräsentativ gewertet werden kann». Die Ergebnisse, ausgewertet in einer 29-seitigen Präsentation und einem 64-seitigen Marketingkonzept unter dem Titel «Stärkung des „Wir-Gefühls“ der Höngger Bevölkerung» sind trotzdem interessant.
    Als Fazit heisst es da: «Das Produkt- und Dienstleistungsangebot bildet das grösste Defizit, welches aber mit kreativen Lösungen angesprochen werden könnte» und weiter: «Fakt ist auch, dass die Bevölkerung sich mit dem Quartier identifiziert. Die Einwohner sind grundlegend mit Höngg und der gebotenen Wohnqualität zufrieden.» Verbesserungen seien jedoch für die Altersgruppe 25 bis 50 nötig: «Hierzu müssen kreative Einkaufsmöglichkeiten geboten, die Verkehrssituation angegangen und die Strukturen und das Marketing gefördert werden.»
    Die Datenauswertung ergab weiter, dass die Wohnqualität der wichtigste Einflussfaktor auf die Zufriedenheit ist – in Höngg wird die Wohnqualität sehr geschätzt. Die Studierenden folgern, dass dies vermarktet werden müsste. Die Quintessenz sei, die Bevölkerung auf die bestehenden, gebotenen Stärken zu sensibilisieren und mit der Redensart «Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah» zu konfrontieren.

    Die Studie verrät im Detail auch anderes

    So zeigen zum Beispiel «Wortwolken» − Ansammlungen von Wörtern, in denen häufig genannte Begriffe grösser erscheinen als andere −, grafisch auf, wo Höngg der Schuh drückt. Auch wenn die Erkenntnis nicht neu ist, aber es stechen die Worte «Meierhofplatz», «Verkehr», «Verkehrssituation», «Zentrum» und «fehlt» hervor. Auf der Positivseite sind es dafür Begriffe wie «Lage», «Nähe», «Wald», «Aussicht», «Stadt», «Limmat», «Werdinsel», «Hönggerberg», «Dorfcharakter» und Ähnliches. Ebenfalls in Wortwolken wird aufgezeigt, wie aus Sicht der Antwortenden die Verbundenheit mit Höngg weiter gesteigert werden könnte. Hier stechen die Begriffe «Vereine», «Kinder», «Restaurants», «Cafés», «Einkaufsmöglichkeiten», «Meierhofplatz», «Junge» und «Treffpunkt» hervor. «Der Meierhofplatz», so werten die Studienverfasser aus, «wird von den meisten als Kernproblem genannt.» Als Massnahme wird angeregt, den Platz allgemein «politisch im Fokus zu behalten» oder, etwas konkreter, es seien «autofreie Sonntage, abends Tempo 30 und bauliche Massnahmen» zu prüfen. Doch zu diesen Problemzonen ist die Stadt Zürich im Rahmen des «Mitwirkungsprozesses Verkehr Kreis 10» seit längerem am Abklären, ohne bislang greifbare Ergebnisse liefern zu können (siehe «Höngger» vom 20. November 2014).

    Ideen und Massnahmen, aber kein «Netzwerk Höngg»

    Die Kalaidos-Studie nennt in einigen Bereichen interessante Lösungsansätze. Das daraus abgeleitete Marketing-Konzept der Studierenden hält zu Recht fest, dass Höngg ein hervorragendes Fundament für den zukünftigen Erfolg als Vorzeigebezirk in Zürich hat und sicherlich nicht in einer schlechten Verfassung ist. Sie empfehlen, «einen Dachverband zu schaffen, welcher sich nicht an konkreten „Mikro-Zielwerten“ orientiert wie eine Partei oder ein Handel- und Gewerbeverein, sondern sicherstellt, dass übergreifende Marketingmassnahmen weiter vorangetrieben werden und konkrete Massnahmen nach aussen getragen werden».
    Doch Höngg steht nun wie bereits nach der HGH-Umfrage vor der Frage, wer sich an die Umsetzung dieser Ziele macht. Und mit welcher Legitimation. Dies zu klären, war das Ziel des «Netzwerks Höngg». Doch die Geschichte kam anders. An zahlreichen Sitzungen wurde über Sinn, Zweck und Zusammensetzung des als Verein geplanten Netzwerks gerungen. Dabei war die Skepsis, um nicht zu sagen Angst, der beiden grossen Höngger Vereine − des Quartiervereins und des HGH – vor einer Konkurrenzorganisation unüberhörbar. Schliesslich einigte man sich darauf, das Netzwerk als «Think-Tank» zu verstehen, der lediglich Bedürfnisse aufgreift, thematisiert und jene vernetzt, welche bereit sind, etwas umzusetzen Doch auch dagegen entstanden Bedenken. Als sich dann auch noch die beiden letzten Botschafter des HGH aus dem kurz vor der offiziellen Vereinsgründung stehenden «Netzwerk Höngg» zurückzogen, war die Luft draussen. Ein auf den 20. November angesetzter Podiumsabend wurde kurzfristig abgesagt. An der letzten Sitzung am 4. November wurde von einzelnen Privatpersonen und Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik geäussert, man wolle einzelne Massnahmen auf anderer Ebene thematisieren und konkretisieren. So zum Beispiel einen Weihnachtsmarkt oder einen eigentlichen Dorfplatz. Auch hat der Botschafter des Quartiervereins (QVH) angekündigt, dass gewisse Ideen auch vom QVH weiter verfolgt werden können.

    Die Studienergebnisse und das daraus abgeleitete Marketingkonzept sind hier abrufbar.
    Die Artikel zur HGH-Umfrage und andere zum Themenbereich sind im Dossier «Höngg – Quo vadis?» unter www.hoengger.ch, Archiv, Dossiers abrufbar.

  • Kommentar: Naiv und trotzdem richtig

    Kommentar: Naiv und trotzdem richtig

    Und heute, nach zwei Jahren? Was hat es gebracht? Ich bin weniger naiv. Und ja: auch persönlich enttäuscht. Dass die Idee einer neutralen Organisation wie dem «Netzwerk Höngg» scheitert, war im Nachhinein betrachtet vorhersehbar. Aber genau da liegt in Höngg wie andernorts auch seit vielen Jahren das Problem: Auf den Verdacht hin, etwas sei «vorhersehbar», wird es gar nicht erst versucht. Bloss, damit kommt man nirgends hin. Man bleibt stehen – und zurück, denn das Umfeld zieht weiter. Ich glaube nicht, dass mich meine Erinnerung täuscht, wenn ich einen Satz zitiere, den ich eigentlich furchtbar finde: «Früher war das besser». Aber heute? «Man» nennt fehlende zeitliche oder finanzielle Ressourcen als Grund, etwas nicht anzugehen. Oder ist es der fehlende Mut zur Veränderung?
    Was ich ganz persönlich bedaure ist, dass mit den beiden Umfragen und den Artikelserien dazu in Höngg Fragen aufgeworfen und gewisse Erwartungen geweckt wurden, die nun niemand beantwortet und erfüllt. Und der «Höngger» war, vielleicht über seine Informationspflicht hinaus, Verkünder der zweifelhaften Botschaft. Asche auf mein Haupt, dafür entschuldige ich mich bei allen, welche sich die Zeit nahmen, um die Umfragen zu beantworten. Bei allen, die sich ein lebendigeres Höngg wünschen. Aber als Meilensteine auf einem Weg, der vielleicht – von wem auch immer – dereinst weiter begangen wird, waren beide Umfragen wichtig.

    Was mir bleibt ist, jenen Menschen zu danken, die sich in der Arbeitsgruppe des HGH und dem «Netzwerk Höngg» bis zuletzt engagiert haben: Ihr habt es zumindest versucht, ihr habt viel Zeit und zum Teil auch Geld investiert, ihr habt heftig diskutiert, kreative Ideen gesponnen, wieder verworfen und nicht aufgegeben. Erst ganz am Schluss und auch da nicht alle. Nein, das «Netzwerk Höngg» ist nicht tot, aber es liegt auf der Intensivstation – und das Pflegepersonal ist abgewandert oder im Bummelstreik. Ich hoffe, die eine oder andere Massnahme wird doch noch umgesetzt. Ich denke da an die Idee Dorfplatz oder an den Weihnachtsmarkt. Eines ist sicher: Ich werde mich – naiv hin oder her − persönlich für das eine oder andere Projekt weiter engagieren und der «Höngger» ist jederzeit bereit, um für alles, das sich konkretisiert, die unabhängige Medienplattform zu sein.
    In diesem Sinne wünsche ich allen Hönggerinnen und Hönggern eine versöhnliche Adventszeit!

    Fredy Haffner, Verlagsleiter Quartierzeitung Höngg GmbH

  • Online-Umfrage zu Höngg

    In den vergangenen zwölf Monaten traf sich unter dem Arbeitstitel «Netzwerk Höngg» eine Gruppe von nunmehr 13 Höngger Personen aus Gesellschaft, Politik, Vereinen und Institutionen regelmässig zu Arbeitssitzungen. Auf der Basis der Ergebnisse der HGH-Umfrage von Anfang 2013, die relativ klar aufzeigte, wo Höngg seine Stärken, aber auch seine Defizite hat, sollen kurz- bis langfristigen Massnahmen ergriffen werden können. Welche, darüber herrscht noch Unklarheit. Nicht zuletzt deshalb, weil immer wieder festgestellt wird, dass wer an einem kleinen Rädchen dreht, zwangsläufig auch ein grösseres bewegt – und weil gut Ding bekanntlich Weile haben will. Anfang dieses Jahres bot die Kalaidos Fachhochschule für Wirtschaft an, Absolventen des Bachelor Of Business Administration eine Fallstudie zu Höngg erarbeiten zu lassen. Eine Gruppe von vier Studierenden hat eine Online- Umfrage erarbeitet, die helfen soll, die Ergebnisse der HGH Umfrage auf der operativen Ebene zu konkretisieren. Seit Mitte Juli konnten die Antworten von rund 200 Personen ausgewertet werden. Für ein repräsentativeres Ergebnis ist es wichtig, diese Zahl noch zu erhöhen. Die Online-Umfrage läuft noch bis am 31. August. Ende Oktober sollten dann die Ergebnisse vorliegen.

  • Auf Beck Baur folgt Marinello

    Auf Beck Baur folgt Marinello

    Am 24. Dezember schloss nach 37 Jahren die Bäckerei Baur am Meierhofplatz ihre Tore. Grundsätzlich bleibt Höngg im Backwarenbereich gut versorgt, doch die letzte echte Backstube ging verloren. Der «Höngger» hätte gerne im Vorfeld darüber berichtet, ist es doch nicht ganz unerheblich, was mit dem Lokal in der städtischen Liegenschaft weiter geschieht. Leider verweigerte Bäcker Paul Baur dem «Höngger» die Zusammenarbeit für einen Artikel, der auch sein Schaffen gewürdigt hätte. Mit der Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich, wo seit geraumer Zeit mit möglichen Nachmietern verhandelt wurde, stand der «Höngger» jedoch seit Anfang November in Kontakt. Die Zeitung «Zürich Nord», Ausgabe vom 12. Dezember, zitierte Bäcker Baur hinsichtlich eines möglichen Nachfolgers mit «Ein Interessent hat sich gemeldet. Er wollte mir sogar meine Maschinen abkaufen, was mir als Glücksfall erschien. Doch die Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich machte mir einen Strich durch die Rechnung. Der Interessent bekam Auflagen, die eine Investition von mehreren hunderttausend Franken mit sich gebracht hätte», was diesem zu viel gewesen sei. Deshalb sei es nun möglich, dass er, der nunmehr pensionierte Bäcker, «innerhalb kurzer Zeit meine Einrichtung verschenken und die Lokalitäten in den Originalzustand zurückbauen muss. Das wäre finanziell aufwendig für mich», wie es im Artikel weiter hiess.

    Auflagen verzögerten die Verhandlungen

    Das ist nicht ganz korrekt, wie Recherchen des «Hönggers» zeigten. Arno Roggo, Direktor der städtischen Liegenschaftenverwaltung berichtigt: «Die Berichterstattung ist insofern falsch, als es sich nicht um eine Auflage der Liegenschaftenverwaltung, sondern um eine des Umwelt- und Gesundheitsschutzes Zürich (UGZ) handelt.» Es geht darum, dass bei einem Mieterwechsel die veraltete Infrastruktur zwingendermassen den aktuellen Vorschriften angepasst werden muss. Und die Stadt Zürich kann bei eigenen Lokalitäten nicht Ausnahmen machen zu Vorschriften, welche sie bei jedem privaten Hausbesitzer genauestens kontrolliert und durchsetzt. «Insbesondere», so Roggo, «muss, wenn in dem Lokal weiterhin eine Backstube oder etwas Ähnliches betrieben werden soll, eine neue Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung erstellt werden. Da es sich beim Gebäude um ein denkmalgeschütztes Objekt handelt, nehmen die notwendigen Abklärungen einige Zeit in Anspruch. Ausserdem soll noch eine kostengünstigere Lösung gefunden werden.» Dies sei auch der Grund gewesen, warum ein grundsätzlich in Betracht kommender Interessent aus dem Rennen fi el: Er war, was auch eine andere Quelle des «Hönggers» bestätigte, auf einen umgehenden Entscheid angewiesen, da er andere Mietangebote hatte. Deshalb konnte er die nötigen baulichen Abklärungen nicht abwarten und zog sich zurück. Zu den von Bäcker Baur angesprochenen Rückbauten schrieb Roggo am 18. Dezember: «Der grosse Ofen gehört zur Liegenschaft und somit der Stadt. Was tatsächlich vom bisherigen Mieter beseitigt werden muss, und was der neue Mieter übernimmt, werden die laufenden Verhandlungen zeigen.»

    Am 13. Januar eröffnet Marinello

    Drei Interessenten hatten sich gemäss Arno Roggo auf das Inserat im «Tagblatt» hin gemeldet. Der Erste sagte aus genannten Gründen ab und einem weiteren habe der notwendige berufliche Hintergrund gefehlt. Der Dritte im Rennen war, wie in Höngg schon länger zu hören war, aber mit Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen von offizieller Seite nie bestätigt wurde, die stadtbekannte Marinello AG. In der Woche vor Weihnachten fand dann das letzte Treffen in der Bäckerei Baur statt und man wurde sich handelseinig: Die Marinello AG übernimmt Paul Baurs Laden und eröffnet ihn neu am Montag, 13. Januar. «Wir übernehmen das meiste der vorhandenen Infrastruktur, Paul Baur muss nichts zurückbauen», liess Geschäftsführer Luciano Marinello den «Höngger» telefonisch wissen, «am 13. Januar eröffnen wir mit einem Angebot an Backwaren, Sandwiches, Mittagsmenüs und Ähnlichem unsere siebte Filiale.» Auch Milch- und Käseprodukte des Labels «natürli us de Region Zürcher Berggebiet» wolle man auf der zumindest vorerst beschränkten Verkaufsfläche anbieten. Früchte und Gemüse seien derzeit hingegen nicht geplant, dies auch aus Rücksicht auf den samstäglichen Marktstand vor Ort. «Wir wollen in Höngg, wo übrigens meine Mutter aufgewachsen ist, etwas machen, das lebt», so Marinello weiter, «etwas, das sich laufend entwickeln darf und soll.» Die hörbare Vorsicht hat auch damit zu tun, dass der Laden im Moment nur als Provisorium eröffnet werden kann, denn wie gesagt müssen für einen Vollbetrieb mit Produktion vor Ort, was Marinello anstrebt, diverse Umbauten vorgenommen werden. Doch Luciano Marinello windet der Stadt ein Kränzchen: «Die Auflagen des Denkmalschutzes und vor allem des UGZ ziehen Kosten nach sich, die sich ein KMU-Betrieb nicht leisten kann. Dies hat nun auch die Stadt gemerkt und sie sucht intensiv nach möglichen Lösungen, auch in finanzieller Hinsicht.» Wie KMU-freundlich das Ergebnis der städtischen Bemühungen sein wird, dürfte ein Politikum sein, doch dass die Thematik nun genauer betrachtet wird, ist bereits ein sehr gutes Zeichen.

  • Höngg, du brauchst wieder eine Vision

    Höngg, du brauchst wieder eine Vision

    Die Artikelserie im «Höngger» 2012 unter dem Titel «Dörfs es bitzeli meh si?» hatte zur Folge, dass unter dem Patronat des Vereins Handel und Gewerbe (HGH) im Januar 2013 eine Umfrage zu den Wünschen und Bedürfnissen der Höngger Bevölkerung bezüglich des lokalen Detailhandelsangebots durchgeführt wurde. Bemerkenswerte 1034 qualitativ aussagekräftig ausgefüllte Fragebogen wurden retourniert und ausgewertet. Am 18. April wurden die ersten Ergebnisse an der Generalversammlung des HGH präsentiert und danach in einer Artikelserie im «Höngger» analysiert (siehe Infobox auf Seite 7). Danach wurde es still in der Öffentlichkeit. Doch hinter den Kulissen gingen die Arbeiten weiter: Ende Juni traf sich die Spurgruppe des HGH, welche sich ursprünglich aus Sorge um die leer stehenden Ladenlokale im Dorfzentrum zusammengeschlossen und die Umfrage lanciert hatte, zu einer längeren Arbeitssitzung, um das weitere Vorgehen zu konkretisieren. Die Ergebnisse dieses Nachmittags wurden von einer kleinen Kerngruppe Ende Juli zu einem Visionspapier zusammengefasst, das nun dem Vorstand des HGH und dem «Höngger» vorliegt.

    Zentrale Rolle der Immobilienbesitzer

    Wenn es darum geht, welche Firmen sich in Höngg ansiedeln, spielen Immobilienbesitzer respektive deren Liegenschaftsverwaltungen eine zentrale Rolle. Deshalb wurde vor Wochenfrist für sie ein Informationsabend organisiert. Mit Interesse wurden die Studienergebnisse betrachtet und die erstmalige Präsentation des Visionspapiers verfolgt. Die Vision, welche von der Spurgruppe des HGH verabschiedet wurde, definiert den Wunsch nach einem Höngg, das ein lebendiges, urbanes und bedürfnisorientiertes Stadtquartier mit einer verträglichen Mischnutzung ist. Höngg soll wieder vorgehen Um dies zu erreichen, wurden übergreifende Ziele formuliert und mögliche Massnahmen angedeutet. Als Erstes soll das Quartierbewusstsein aller Beteiligten, also Anbietern wie Konsumenten und Immobilienbesitzern gleichermassen, gestärkt werden. Zum Beispiel über einen emotionalen Slogan, den viel gewünschten Ausbau des Wochenmarktes, die Wiederaufnahme eines grossen Weihnachtsmarktes oder andere Massnahmen, welche von allen Höngger Firmen im Interesse ihrer Kundschaft mitgetragen werden. Als Beispiel eines Wunsches aus der Umfrage seien hier nur die einheitlicheren Ladenöffnungszeiten genannt. So sollen die Besonderheiten von Höngg sichtbarer und ein positiveres Image gebildet werden – sinngemäss unter dem positiv doppeldeutigen Motto «Höngg gaht vor».

    Leerstände verhindern

    Damit soll auch das zweite Ziel unterstützt werden: die Stärkung der Wirtschaftsstruktur durch eine verträgliche Mischnutzung von Gewerbe, Dienstleistungen und Wohnen. Leerstände von Ladenlokalen, wie sie seit geraumer Zeit leider zum Ortsbild gehören, sollen verhindert werden, denn sie signalisieren offen den Stillstand und riechen nach Niedergang. Erst wenn Höngg und sein Zentrum als Markt wieder attraktiv sind, finden sich auch neue, innovative Firmen, welche hier ansässig werden wollen. Dass es seit längerer Zeit nicht einfach ist, Firmen aus hier untervertretenen Branchen für eine Niederlassung in Höngg zu begeistern, davon wussten einige der anwesenden Immobilienbesitzer zu berichten. Die Interessenten, so der allgemeine Tenor, stünden nicht Schlange, man müsse oft einfach akzeptieren, wer sich gerade anbiete. Die beabsichtigte Etablierung einer Kommunikationsplattform zur Förderung des Austauschs zwischen Liegenschaftsbesitzern und Mietinteressenten wurde daher begrüsst. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass Lokale nicht nur wegen Faktoren, für die man selbst mitverantwortlich ist – wie Mietzins, Zustand oder Objektgrösse –, schlecht vermietbar sind, sondern auch wegen Umgebungseinflüssen.

    Zu viel Verkehr und kein Dorfplatz

    Damit waren Themen angesprochen, welche auch in der Umfrage als Probleme identifiziert worden waren. Zum Beispiel die von vielen als Belastung wahrgenommene Verkehrssituation im Zentrum. Zu viel und zu laut sei der Verkehr und ein Verlust an Aufenthaltsqualität die Folge davon – was ebenso kritisiert wird wie das Fehlen eines eigentlichen Dorfplatzes. Doch um solche Probleme positiv zu beeinflussen, braucht es ein gemeinsames Vorgehen aller Betroffenen und Beteiligten. Und ein solches fehlt bis anhin auf allen Ebenen, nicht zuletzt der politischen. Gemeinsam definierte Verbesserungsvorschläge zum Wohle von Höngg sind nirgends auszumachen. Kurz gesagt fehlt ein Quartiermarketing, das seinem Namen gerecht wird. Dies kommt auch im Visionspapier der HGH-Spurgruppe zum Ausdruck, wo als Massnahme die Schaffung einer interdisziplinären, breit abgestützten Arbeitsgruppe angeregt wird, bestehend aus HGH, Quartierverein (QVH), anderen Vereinen und Organisationen, Immobilienbesitzern und -verwaltungen, über Lokalpolitiker aller Parteien bis hin zu engagierten Bevölkerungskreisen und der Stadt Zürich respektive deren dem Präsidialdepartement angegliederte Stadt- und Quartierentwicklung. «Damit eine gesunde Entwicklung mit einem guten Ergebnis erzielt werden kann», so brachte es einer der anwesenden Immobilienbesitzer zum Ausdruck, «braucht es analog zur Medizin ein MRI, das zuerst eine Gesamtansicht des Patienten erstellt – und danach die Spitzenmedizin, welche die richtige Therapie verschreibt. Mit der durchgeführten Studie hat der HGH quasi das MRI gemacht.»

    Wie geht es weiter?

    Wer im übertragenen Sinn in Höngg die Rolle der Spitzenmedizin übernehmen wird, ist derzeit ungewiss. Der Vorstand des HGH hat deutlich gemacht, dass ihm dafür die personellen und finanziellen Ressourcen fehlen. Auch aus dem Quartierverein, dessen Präsident informell am Prozess beteiligt war, wurde bisher nicht die Bereitschaft signalisiert, eine Führungsrolle zu übernehmen. Vor diesem Hintergrund nimmt die bestehende Spurgruppe des HGH im November die Arbeit wieder auf mit dem Ziel, die Gründung des interdisziplinär zusammengesetzten «Netzwerks Höngg» zu prüfen, welches die im Visionspapier gesetzten Ziele verfolgen und die entsprechenden Massnahmen in die Wege leiten könnte. Anfang November sollen an einer Pressekonferenz die Höngger Detailhandelsstudie und das weitere Vorgehen der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der HGH, so hat dessen Präsident Robert Werlen zugesichert, wird das «Projekt einheitliche Ladenöffnungszeiten» Anfang 2014 prüfen. Und wenn die Gemeinderatswahlen 2014 vorüber sind, wird man sich dafür einsetzen müssen, einen überparteilichen runden Tisch zu etablieren, um Höngger Anliegen eine möglichst geeinte Stimme im Zürcher Rat zu verleihen.

    Zuversicht, Skepsis und Resignation

    Die Stimmung, welche nach besagtem Informationsabend für Immobilienbesitzer und -verwalter im Raum auszumachen war, schwankte zwischen Zuversicht, Skepsis und Resignation. Doch dies war in Anbetracht der Dimensionen, welche die Antworten auf die einfache Frage nach dem «Dörfs es bitzeli meh si?» unterdessen angenommen haben, auch nicht anders zu erwarten. Auch die Spurgruppe des HGH wird sich diesen Gefühlen stellen müssen – und weitergehen, denn Skepsis darf nicht in Resignation enden, sondern muss in gesunder Zuversicht aufgehen.

  • Kommentar: Zukunft mit Inhalt

    Kommentar: Zukunft mit Inhalt

    Hönggs Grösse hin oder her, aber diesbezüglich lebt man hier eben doch in einem der erwähnten Walliser Seitentäler: Auswärtige Propheten hatten es noch nie leicht. Zumal ein solcher nicht gratis zu haben sein wird. Das Strategiepapier, das nun erarbeitet wird, muss sich deshalb auch mit der Frage beschäftigen, ob anhand einer Liste der gefragten Fähigkeiten gezielt Personen aus Höngg zur Mitarbeit angegangen werden sollen − oder ob über einen offenen Aufruf Kräfte gesammelt werden, denn oftmals hat sich erst so das in Höngg versammelte Potential offenbart. Wie damals vor über zehn Jahren, als es um die Rettung dieser Zeitung ging: Der Aufruf zur Mitarbeit mobilisierte personelle und finanzielle Ressourcen, auf die Höngg stolz sein durfte und ohne die das Erscheinen des «Hönggers» damals eingestellt worden wäre. Welches Gremium gilt es also zu finden, das möglichst alle Beteiligten – und das ist ganz Höngg – und deren Bedürfnisse repräsentiert und entsprechend ernst genommen wird? Denn mit Einzelmassnahmen aus dem Detailhandel wie zum Beispiel einheitlichen Ladenöffnungszeiten oder neuen Kundendienstleistungen alleine wird es nicht getan sein. Es wird darum gehen, mit griffigen Argumenten an den richtigen Stellen Druck aufzubauen und das kann nur, wessen Ideen und Visionen ernst genommen werden und entsprechend legitimiert sind. Doch bei aller Aufbruchsstimmung, eines muss man sich heute bereits bewusst sein: Das gesuchte «Wir- Gefühl» wird auch Einzel- oder Partikularinteressen zuwiderlaufen. Um gemeinsam vorwärtszukommen, werden auch Abstriche unvermeidbar sein. Doch solange diese so ausgehandelt werden, dass sie verkraftbar sind, wird man sie auch vertreten und hoffentlich durchsetzen können. Ob sich dazu letztlich auf operativer Ebene aus Vertretungen des HGH und des Quartiervereins Höngg eine neue Organisation bilden wird oder ob sich eine ganz neue Gruppierung gründet, wird sich zeigen müssen. Der «Höngger» jedenfalls engagiert sich für dieses «Wir-Gefühl» − und hofft, Höngg so vielleicht etwas von dem zurückzugeben, das ihm Höngg damals schenkte: eine für alle attraktive Zukunft mit interessantem Inhalt.

    Fredy Haffner
    Verlagsleiter Quartierzeitung «Höngger»

  • Die Arbeit hat erst begonnen – und wird dauern

    Die Arbeit hat erst begonnen – und wird dauern

    Freitag traf sich die Arbeitsgruppe des HGH zusammen mit Jost Kayser und Martin Hotz von der Beratungsfirma Fuhrer & Hotz zu einem Arbeitsnachmittag im Konferenzraum des Restaurants «Die Waid» mit dem Ziel, das weitere Vorgehen zu konkretisieren. In den letzten Wochen hatte Martin Hotz persönlich Interviews mit einigen Besitzern und Verwaltern von Geschäftsliegenschaften in Höngg geführt. Deren anonymisiert präsentierten Aussagen zeigen, dass man auch auf dieser Seite − zumindest in gewissen Punkten − mit den Ergebnissen der Umfrage einig ist. Aber es herrscht nebst Zuversicht auch Pragmatismus, ja gar Resignation. So zum Beispiel in der Aussage, dass die gewünschte Diversifizierung vermutlich Wunschdenken sei und bleibe. Es brauche nicht zwingend alles und – besonders nachdenklich stimmend − «Quartiere wie Höngg haben keinen Anspruch (mehr) auf eine Vollversorgung der Bevölkerung; im Fokus muss die Nahversorgung stehen.» Wohlverstanden: die Rede ist von einem Quartier mit rund 23 000 Einwohnern und nicht von einem Seitental im Wallis.

    Den Markt bestimmen die Mieter

    Gefragt, nach welchen Kriterien denn Neuvermietungen stattfänden, zeigen sich nur leichte Unterschiede zwischen jenen, welche selbst auch in Höngg heimisch sind, und jenen, die hier lediglich Liegenschaften betreuen, zum Beispiel für Immobilienfonds: Im Rahmen des Möglichen bemühen sich alle gleichermassen um eine bessere Verständigung zwischen Bewohnern und Unternehmen, versuchen also, einen ansprechenden Branchenmix zu bieten, ohne dabei das veränderte Kaufverhalten der Bevölkerung und die eigenen oder verwalteten finanziellen Interessen ausser Acht zu lassen. Wobei ihnen die Realität leider zunehmend im Weg steht. So käme etwa eine Fläche aufgrund der zu kleinen Grösse für viele Firmen von vornherein nicht infrage. Wartelisten gebe es keine und so werde der Markt durch die Mieter bestimmt, welche im Endeffekt selbst einschätzen müssten, ob sie den Mietzins tragen können. Bei bestehenden Mietverhältnissen, so eine der Aussagen, sei man aber bei Zahlungsschwierigkeiten auch schon zu Kompromissen bereit gewesen. Warum jedoch gewisse Eigentümer oder deren Verwaltungen über Monate oder gar Jahre hinweg Leerstände zulassen und entsprechende Einbussen in Kauf nehmen, blieb offen – die Antworten wären bestimmt aufschlussreich gewesen.

    Wer ist «in der Pflicht»?

    Nicht mit Kritik sparten die befragten Liegenschaftsbesitzer in den Antworten auf die Frage, wer denn «in der Pflicht» stünde, etwas zu unternehmen. Selbstkritisch ist noch die Aussage, das Profitdenken stünde im Vordergrund und man sei selbst zu wenig vernetzt, um etwas zu bewegen. Doch auch die Stadt betreibe mit vielen Vorschriften, Auflagen und Zonenplänen eine Verhinderungspolitik – es bräuchte mehr Einfluss auf die Quartierentwicklung, ja gar ein eigentliches Quartiermarketing. Mit Blick auf ansässige Firmen wurde aber auch festgehalten, dass bei Familienunternehmen gewisse Probleme hausgemacht seien und der inhabergeführte Handel es besser schaffen müsste, die gebotene Qualität aufzuzeigen und für die Kunden auch spürbar zu machen. Auch der HGH kommt nicht ungeschoren davon: «Den HGH habe ich bisher nur über den Kleber wahrgenommen, den man beim einen oder anderen Betrieb vorfindet», so eine der Äusserungen.

    Wo liegt die Lösung?

    «Ich sehe schlicht keinen Hebel für Veränderungen und Verbesserungen der Situation», wurde geantwortet, als neue Ideen gefragt waren. Aber auch, dass eine Verbundenheit, eine Einheit der Firmen geschaffen werden müsste, denn es könne und dürfe nicht sein, dass jeder als Einzelkämpfer unterwegs sei. Dies ist eigentlich die Kernaufgabe des Vereins Handel und Gewerbe Höngg (HGH), der sich in seinen Statuten selbst die Aufgabe gab, Handel- und Gewerbetreibenden in Höngg zusammenzuschliessen (§3a) und gute Beziehungen unter den Mitgliedern zur Erreichung eines loyalen gegenseitigen Verhaltens zu pflegen (§3d). Wie man dem auch gegen aussen − also mit Kundennutzen − vermehrt gerecht werden könnte, fragte man sich offen und kritisch auch am grossen Tisch des Konferenzraumes, an dem vornehmlich HGH-Mitglieder sassen, bevor danach in zwei Unterarbeitsgruppen erste Ideen und das weitere Vorgehen konkretisiert wurden. Die Ergebnisse dieser unter Kastanienbäumen im Gartenrestaurant entstandenen Ideen werden Daniel Fontolliet, Tiziana Werlen und der Schreibende an einem Treffen in den Sommerferien verdichten und zuhanden der ganzen HGH-Arbeitsgruppe ein Strategiepapier entwerfen, das diesen Herbst zusammen mit dem empfehlenden Abschlussbericht der Beratungsfirma Fuhrer & Hotz dem HGH-Vorstand überreicht wird, unter dessen Patronat die ganze Umfrage ja durchgeführt wurde. Das Dokument wird aufzeigen müssen, mit welchen Massnahmen kurz- bis langfristig für Höngg eine Art Quartiermarketing betrieben und finanziert werden kann, das seinen Namen auch verdient. Und das alle Involvierten zusammenführt, von den einzelnen Detaillisten inklusive Grossverteilern über die Liegenschaftsbesitzer bis hin zu Akteuren aus Politik, Verwaltung, Vereinen und natürlich Bevölkerung – über alle Interessensgrenzen hinweg. Es muss und wird um ein «Wir-Gefühl» gehen müssen, zum Wohle der Bevölkerung und aller ansässigen und zukünftigen Firmen. Die Umfrage des HGH hat die Basis gelegt – nun gilt es, darauf aufzubauen. Mit einem noch unbekannten, knackigen Slogan allein wird es nicht getan sein. Die Arbeit hat gerade erst begonnen und wird dauern.