Kategorie: Expats

  • Höngg ist statistisch betrachtet multikulti

    Höngg ist statistisch betrachtet multikulti

    Als 2016 die letzte Volkszählung durchgeführt wurde, zeigten die Zahlen, dass von den total 23’423 in Höngg lebenden Personen 5’785 ausländischer Herkunft waren und diese aus 120 verschiedenen Nationen hierher gezogen sind. Das war knapp ein Viertel (24,7 %), während der Anteil über die ganze Stadt betrachtet knapp ein Drittel betrug (32,1 %). Die Zahlen dürften sich seither nur unwesentlich verändert haben.
    Anders sieht das aus, wenn man den Zeitraum 1993 bis 2016 betrachtet. In diesen 23 Jahren hat die Bevölkerung in Höngg um total 4305 Personen zugenommen. Die meisten Neuzuzüger waren deutscher Nationalität (1522 Personen), gefolgt von Schweizerinnen und Schweizern (1234) und, mit grossem Abstand, den österreichischen Staatsangehörigen (153). Auf Rang vier folgt bereits China mit 150 Personen, und erst dahinter tauchen «traditionelle» Einwanderungsländer wie Italien, Frankreich und Portugal auf (siehe Abbildung 1). Betrachtet man die elf Nationen mit den meisten Zunahmen in Höngg nach Prozenten, so staunt man im ersten Moment nicht schlecht: Obenauf schwingt mit einer Zunahme von 577% China, gefolgt von Deutschland (plus 310%) und Polen (plus 261%). Auf dem letzten der elf Plätze erst folgt die Schweiz mit einem Plus von 8 Prozent (Abbildung 2).
    In absoluten Zahlen betrachtet relativiert sich der Eindruck natürlich, dass Höngg – wie es in früheren Zeiten ja für die ganze Welt heraufbeschworen wurde – von Chinesischen Staatsbürgern überschwemmt werde: lebten 1993 noch 26 Personen aus China in Höngg, waren es 2016 auch erst deren 150. Für «die Dütsche» gelten die Zahlen 491 (1993) und 2’013 (siehe Abbildung 3 und 4) und die Schweizer selbst bleiben in der Mehrheit, 1993 mit 16’404 Personen und 2016 mit deren 17’638. Aus allen anderen Nationen fielen die Veränderungen moderat aus. Nicht miteinberechnet ist die Zunahme an Schweizerinnen und Schweizern durch Einbürgerung, doch diese fällt kaum ins Gewicht: Für das Jahr 2014 liegen Zahlen vor, die besagen, dass sich in Höngg nur 119 Personen einbürgern liessen.

    Jede zehnte Person zieht in die Stadt Zürich

    Dass Zürich, und somit auch Höngg, für ausländische Zuwandernde besonders attraktiv ist, zeigt auch das «Factsheet Zuwanderung» des Präsidialdepartements, dem die Stadtentwicklung und auch die Integrationsförderung unterstellt ist: «Knapp jede fünfte ausländische Person, die aus dem Ausland in die Schweiz migriert, zieht in den Kanton Zürich – mehr als die Hälfte davon in die Stadt Zürich. Jede zehnte ausländische Person, die in die Schweiz einwandert, kommt damit in die Stadt Zürich», heisst es dort. In Zahlen für das Jahr 2016 ausgedrückt: Von den total 244’859 Personen (ständige und nichtständige Wohnbevölkerung), die in die Schweiz zogen, zogen 9,37 % in den Kanton Zürich und 10,01% in die Stadt. «Die Bedeutung der Stadt Zürich als Eintrittsportal ist seit Jahren ein Fakt – und damit auch die Bedeutung der Stadtzürcher Willkommenskultur in der schweizerischen Integrationslandschaft», konstatiert das Factsheet. Zu dieser «Willkommenskultur» gehört eine Vielzahl an integrationsfördernden Massnahmen.

    Der Ausländerbeirat des Stadtrates

    Eine davon ist der Ausländerinnen- und Ausländerbeirat der Stadt Zürich (ABR), mit dem seit 2010 ein Gremium aus aktuell 23 Personen mit Migrationshintergrund, derzeit aus 17 Ländern, besteht, das den Stadtrat beraten soll. Der ABR nimmt für die ausländische Bevölkerung eine «Sprachrohrfunktion» wahr, damit diese ihre Bedürfnisse gegenüber Politik und Verwaltung formulieren kann. Der ABR kann gegenüber der Stadt Empfehlungen abgeben und direkt bei der Stadtpräsidentin – oder dem Stadtpräsidenten – Anträge einreichen sowie eigene Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Im Jahresbericht 2017, der bereits eine Bilanz der Legislatur 2015 bis 2018 zieht, ist zum Beispiel erwähnt, dass Zürich dank dem ABR der Städtekoalition gegen Rassismus beigetreten ist und dass Rassismus zumindest unterschwellig noch immer ein Thema sei. In diesem Zusammenhang stand auch die Polizei im Fokus, der vorgeworfen worden war, Personenkontrollen nach rassistischen Kriterien, einem «Racial Profiling», vorzunehmen. Der ABR lobt jedoch die Polizei dafür, unterdessen reagiert zu haben. Die Arbeitsgruppen des ABR engagieren sich ferner zu den Themen «Sans-Papiers», «Gesundheit und Alter», und vehement für ein Mitbestimmungs- beziehungsweise Stimmrecht für Ausländerinnen und Ausländer auf Gemeindeebene.

    Das ausgezeichnete Vorzeigeprojekt

    Das Vorzeigeprojekt des ABR heisst jedoch «Gemeinsam ausbilden». 2009 als Projekt «Migration = Chance» lanciert und 2011 umbenannt, hat es zum Ziel, Ressourcen, die sich aus einem Migrationshintergrund ergeben, nutzbar zu machen und bisher nicht genutzte Arbeits- und Ausbildungsoptionen für Jugendliche bei Unternehmern zu schaffen, die selbst einen Migrationshintergrund mitbringen. So sollen vom Kurzpraktikum bis zu normalen Lehrstellen dort neue Angebote geschaffen werden, wo ein Migrationshintergrund auf besonders viel Verständnis stösst. Seit 2012 arbeitet man dafür mit der «Stiftung Berufslehr-Verbund Zürich» (bvz) zusammen. Diese tritt für die Lehrlinge in 22 Berufen (Stand Juni 2017) als verantwortlicher Lehrbetrieb auf, schickt seine 180 Lernenden für die praktische Ausbildung aber in einer der 150 Partnerbetriebe, für die er die ganze Administration übernimmt, die Verantwortlichen im Betrieb schult und sie und die Lernenden gleichermassen begleitet. 840 Lernende haben so bis Mitte 2017 erfolgreich eine Berufslehre abgeschlossen – der Arbeitsweg steht offen, wohl einer der besten Wege zur Integration. Das fand auch die Menschenrechtskommission des Europarates, welche das Projekt als «Good practice example» auszeichnete.

    Der Ausländerinnen- und Ausländerbeirat der Stadt Zürich wird per 1. September 2018 neu gewählt. Die Ausschreibung für die Amtsperiode 2018 bis 2022 läuft noch bis zum 31. März 2018. Als Mitglied bewerben können sich in der Stadt Zürich wohnende Ausländerinnen und Ausländer.
    Weitere Informationen und Bewerbungsformulare unter: www.stadt-zuerich.ch/auslaenderbeirat
    Telefon 044 412 37 73

    Infobox zu Abb. 3
    Weitere Nationalitäten 2016 in Höngg:
    51 bis 100 Personen: Brasilien, Indien, Kosovo, Niederlande, Russland, Schweden, Serbien, Ungarn, USA.
    21 bis 50 Personen: Belgien, Bosnien und Herzegowina, Dominikanische Republik, Eritrea, Finnland, Iran, Japan, Kolumbien, Liechtenstein, Luxemburg, Mazedonien, Rumänien, Slowakei, Slovenien, Sri Lanka, Thailand, Tschechische Republik.
    11 bis 20 Personen: Afghanistan, Algerien, Australien, Chinesisch Taipei, Dänemark, Indonesien, Irland, Kamerun, Kanada, Marokko, Mexiko, Peru, Philippinen, Somalia, Südkorea, Tunesien, Ukraine.
    1 bis 10 Personen: Ägypten, Albanien, Angola, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Bangladesch, Belarus, Chile, Costa Rica, Côte d’Ivoire, Ecuador, Estland, Gambia, Georgien, Ghana, Guatemala, Guinea, Haiti, Honduras, Irak, Island, Israel, Jamaika, Kambodscha, Kenia, Kirgisistan, Kongo (Brazzaville), Kongo (Kinshasa), Kuba, Lettland, Litauen, Malawi, Malaysia, Moldova, Montenegro, Mosambik, Myanmar, Nepal, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Pakistan, Paraguay, Ruanda, San Marino, Senegal, Seychellen, Simbabwe, Singapur, Staat unbekannt, staatenlos, Südafrika, Sudan, Syrien, Tansania, Togo, Turkmenistan, Uganda, Usbekistan, Venezuela, Vietnam, Zypern.

  • Editorial

    Gut, vielleicht lehnt man sich mit dieser Aussage etwas aus dem Fenster, immerhin basiert sie nicht auf einer quantitativen Studie oder sonstigen Statistiken. Ausserdem ist Höngg nicht repräsentativ für jedes Quartier der Stadt. Aber ist es letztendlich nicht so, dass hinter Kategorien, die Gruppen beschreiben sollen, Menschen stehen, Individuen mit unterschiedliche Geschichten, Motivationen und Zielen? Die Personen, die sich für ein Gespräch angeboten haben, meinten selber, sie seien vielleicht kein gutes Beispiel für einen richtigen «Expat». Aber was ist das überhaupt? Das Klischee zeigt einen jungen Anzugträger, vorzugsweise aus der Banken- oder IT-Branche, der in einer teuren, vom Arbeitgeber bezahlten, Wohnung im Seefeld wohnt, dessen Frau die Kinder mit dem SUV in die Privatschule am Zürichberg fährt und sich danach mit ihren Freundinnen, ebenfalls Expats, zum Lunch trifft. Nach drei Jahren zieht das Ehepaar mit den Kindern weiter, wahrscheinlich nach Singapur oder Hongkong. Soweit das Vorurteil. Ob es stimmt? Wir wissen es nicht. Tatsache ist: In Höngg und Wipkingen haben wir keine Person getroffen, die diesem Bild entspricht. Stattdessen haben wir Menschen kennengelernt, die aus unterschiedlichen Gründen in die Schweiz gekommen sind: Ein neuer Job, eine bessere Zukunft oder einfach aus Zufall. Manche lernen das Quartier erst kennen, andere haben hier Wurzeln geschlagen, wieder andere nannten Höngg bereits nach wenigen Monaten ihre «Heimat». Wie erleben sie das Leben unter uns? Was gefällt ihnen hier, worüber ärgern sie sich? Und wieso sind viele von ihnen länger geblieben, als sie anfänglich dachten? Wagen Sie einen Wechsel der Perspektive, vielleicht gibt es Neues zu entdecken.

    Viel Lesevergnügen wünscht

    Patricia Senn
    Redaktionsleiterin

  • Nur wegen des Geldes hier?

    Die HSBC London publiziert jährlich eine Studie mit dem Namen «Expats Explorer», die erfasst, wo und wieso sich die sogenannten «Expatriates», also die Auswanderer, am wohlsten fühlen. Die Gründe, die eigene Heimat zu verlassen, um in der Fremde eine neue Existenz aufzubauen, sind verschieden, genauso wie die Wahl des Landes, in das man geht. Für den «Expats Explorer 2017»-Bericht liess die HSBC 27’587 Expats aus 159 Ländern ihre Zieldestinationen nach drei Kategorien beurteilen: Wirtschaftliche Möglichkeiten, allgemeine Erfahrungen, Familienfreundlichkeit. Die Schweiz kam auf Platz 11 von 46 zu stehen, in erster Linie verdankt sie dieses gute Resultat der wirtschaftlichen Attraktivität: Laut HSBC verdienen Expats im Alpenland jährlich 193’006 US-Dollar – das weltweite Durchschnittseinkommen liegt bei 99’903 US-Dollar. Damit führt die Schweiz die Rangliste in der Kategorie «Wirtschaftliche Möglichkeiten» an. Obwohl die finanziellen Anreize durchaus entscheidend sind für die Expats, zieht nur rund ein Fünftel von ihnen aus wirtschaftlichen Gründen ins Ausland. Fast doppelt so viele sagen, dass sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung seien oder ihre Lebensqualität verbessern wollten. Die besten Erfahrungen im Kontakt mit Einheimischen, bei der Suche nach einer Wohnung sowie mit dem allgemeinen Wohlbefinden machen Expats in Neuseeland. Bereits zum dritten Mal in Folge belegt die Insel den ersten Platz, gefolgt von Spanien und Portugal. Die Schweiz erreicht in dieser Kategorie nur Rang 28, sogar die Türkei, Bahrain und Oman sind beliebter. Würde der allgemein als gut befundene Lifestyle den Schnitt nicht nach oben drücken, rückte die Schweiz sogar noch weiter nach hinten, da der Kontakt zu den Einheimischen als schwierig empfunden wird. In der dritten Kategorie «Familienfreundlichkeit» schnitt die Schweiz im «Expats Explorer» sogar noch schlechter ab: Sie rangierte nach Russland und gleich hinter den USA auf Platz 35, während Schweden, Norwegen und die Niederlande erwartungsgemäss unter den zehn beliebtesten Zielländern gelistet sind. Was bedeutet dies denn nun? Ist das Geld der einzige Grund, weshalb man in die Schweiz kommt? Sind die Schweizer wirklich so unnahbar und unfreundlich? Wieso bleibt dann eine nicht unbeträchtliche Anzahl der Expatriates hier hängen? Auf der Suche nach Antworten in Höngg stellte sich schnell heraus, dass es den Stereotypen «Expat» hier so fast nicht gibt. Es ist wie immer ein wenig komplizierter. 

  • Mit den Augen der Anderen

    Mit den Augen der Anderen

    Als Christine M. Grimm vor etwas mehr als zwei Jahren nach Zürich zog, wusste sie gleich, dass sie «angekommen» war. Die Deutschamerikanerin hatte ihr Leben zwischen Süddeutschland und Kalifornien verbracht, konnte aber weder da noch dort richtig Wurzeln schlagen. In München gründete sie schliesslich eine Familie, ihr Sohn ist mittlerweile Post-Doktorand an der Harvard University in den USA. Vor drei Jahren lernte die lebhafte Klangtherapeutin, Musikerin und Übersetzerin die Schweizer Jodlerin Nadja Räss kennen, damals noch die Leiterin der «Klangwelt Toggenburg». «Die Schweiz hat eine lange Tradition mit Klang und Stimme, das war ein Zeichen für mich, dass ich hier am richtigen Ort bin», erzählt Grimm. Durch die Bekanntschaft mit Räss wurde sie selbst ein Teil der «Klangwelt Toggenburg». «Die Türen haben sich geöffnet», erzählt Grimm. Heute arbeitet sie als Klangtherapeutin in der Gemeinschaftspraxis «Silent Power» in Altstetten, über eine Klientin fand sie schliesslich eine Wohnung in Höngg. Dass sie selber sehr offen ist und auf die Menschen zugeht, hat ihr bestimmt geholfen. Doch vor allem die Sprache, davon ist sie überzeugt, spielt eine wichtige Rolle, um Anschluss an die hiesige Bevölkerung zu finden. Ausserdem hat sie auf der Plattform «Meet-up.com» eine Gruppe «English in Höngg» eröffnet, wo Gleichgesinnte ihrer Anglophilie frönen können – auch eine Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. «Ich habe mich in der kurzen Zeit schon sehr angepasst, meine Schweizer Freunde nerven sich fast, weil ich oft überpünktlich bin», sagt Grimm mit einem Augenzwinkern. Sie möchte in der Schweiz bleiben. Hat man die Welt einmal gesehen, sei es ein wenig wie in der Janosch-Geschichte «Oh wie schön ist Panama», wo die Tiere am Ende bei einer Hütte ankommen, die so schön ist, dass es das lang ersehnte Panama sein muss. Und dann merken, dass es in Wirklichkeit ihr altes Zuhause ist.

    «Wie fühlt es sich an, Schweizerin zu sein?»

    Amélie* wuchs in der Gegend von Paris auf und besass schon immer eine grosse Leidenschaft für die deutsche Sprache und andere Kulturen. Wenn Autos mit ausländischen Kennzeichen durch ihr Dorf fuhren, wünschte sie sich, sie würden anhalten und sie nach dem Weg fragen. Kaum hatte sie ihr Abitur in der Tasche, ging sie zum Studium nach Wien, in dieser Zeit lernte sie auch ihren Mann, einen Deutschen, kennen. Nach sechs Jahren in Österreich und einem kurzen Aufenthalt in Deutschland, ergab sich für ihn die Gelegenheit, in der Schweiz zu arbeiten. Drei Jahre, so hatten sie abgemacht, danach würden sie wieder nach Wien zurückkehren. Das ist nun 16 Jahre her und sie sind immer noch hier – seit 14 Jahren in Höngg. Dabei war der Anfang schwierig für die junge Lehrerin: «Ich arbeitete die ersten zwei Jahre an der Rudolf-Steiner-Schule im Zürcher Oberland», erzählt sie in schnellem Deutsch. «Meine Lehrerkolleginnen und -kollegen waren alle schon älter und hatten bereits einen festen Freundeskreis, sie brauchten keine neue Freundin». Was sich ebenfalls als schwierig herausstellte, waren die vielen Regeln, vor allem beim Autofahren. «Ich wollte alles richtig machen, aber wie auch immer ich es anstellte, regelmässig erhielt ich diese Strafzettel», immerhin, mittlerweile kann sie darüber lachen. Und fühlt sich heute sogar freier, trotz, oder vielleicht gerade wegen der vielen Regeln. Es gäbe keine bösen Überraschungen und die Sicherheit sei nirgends so hoch wie hier, findet sie. Einmal in Höngg und mit einer neuen Anstellung an einer Bezirksschule im angrenzenden Aargau, fand sie schnell Anschluss, denn einerseits war das Kollegium ihrer neuen Schule grösser und jünger, andererseits leben in Zürich viel mehr Ausländer, die alle auch auf der Suche nach neuen Bekannten sind. Höngg ist in ihren Worten «genial»: «Man hat die Vorteile der Stadt und des Dorfes. Man kennt sich, kann alles zu Fuss machen», erzählt sie begeistert. «Ich habe mich noch nie so wohl gefühlt wie hier, und wir haben doch schon einiges von der Welt gesehen». Inzwischen hat sie einen grossen Freundeskreis, der sowohl aus Schweizerinnen als auch aus anderen Ausländern besteht. «Letztendlich geht es immer um die gemeinsamen Interessen, nicht um die Nationalität», davon ist Amélie überzeugt. Als Französischsprachige werde sie nicht oft mit Vorurteilen konfrontiert – die meisten Leute hören nicht, ob sie aus der Romandie oder Frankreich stammt. «Da haben es die Deutschen schon schwerer, die müssen sich viel öfter irgendwelche Sprüche anhören», weiss sie. Sie selber hatte keine wirkliche Vorstellung davon, wie es sein würde, in der Schweiz zu leben. Einmal hier, überlegte sie sich, wie es sich wohl anfühlt, Schweizer zu sein. «Welche Sprache sprechen sie in der Fussball-Nationalmannschaft? Welche Identität hat ein Schweizer in einem Land mit vier Sprachen?», solche Fragen interessieren sie. Mittlerweile hat sie eine Ahnung, was die Antwort sein könnte: «Man ist hier in erster Linie sich selber. Und dann ist man noch Schweizer». Seit letztem Sommer haben auch Amélie und ihre Familie den roten Pass. «Wir finden es wichtig, am politischen Leben teilzunehmen. Meiner Meinung nach ist es eine riesige Chance, dass die Bevölkerung hier so oft mitreden kann. Ausserdem sind unsere Kinder hier aufgewachsen, sie gehören hierher. Die Vorstellung, dass sie plötzlich in ein Land ausgewiesen werden könnten, zu dem sie gar keinen Bezug haben, finde ich beängstigend», gesteht die lebhafte Persönlichkeit.
    *Name der Redaktion bekannt

    «Wir sind alle gleich»

    Überhaupt keine Probleme mit den «gesesetzestreuen» Schweizern hatte hingegen Adriana, als sie mit ihrem Mann vor acht Jahren in die Schweiz kam. Im Gegenteil, die gebürtige Rumänin sieht viele Gemeinsamkeiten mit ihrer eigenen Mentalität. Eine Gesellschaft funktioniere ja erst, wenn sich ihre Mitglieder an gemeinsame Regeln hielten. Als junge Frau ging sie als Au-pair nach Chicago und merkte dort zum ersten Mal, was es bedeutet, wenn die eigenen Zeugnisse und Diplome – sie hatte Pädagogik studiert – nicht anerkannt werden. Also drückte sie noch einmal die Schulbank, um sich im Bereich Kinderbetreuung weiterzubilden. Sie lernte aber auch, dass alleine ihre Fähigkeiten wichtig waren, nicht ihre Herkunft: «Wir sind alle gleich, selbst wenn sich unsere Kulturen unterscheiden, die Liebe zu den Kindern verbindet uns», davon ist sie überzeugt. Als ihr Mann schliesslich für sein Studium nach St. Gallen gehen wollte, sah sie den Zeitpunkt gekommen, ihren langjährigen Traum einer eigenen Kinderkrippe zu verwirklichen. Vor 3,5 Jahren war es schliesslich so weit: Das KiddieLand in Wipkingen eröffnete, viele Expats – aber auch Schweizer Paare – nutzen die familiäre Einrichtung. «Oftmals leben die Grosseltern weit von den Enkeln entfernt und können deshalb nicht auf sie aufpassen, wenn die Eltern zur Arbeit müssen. Sie brauchen deshalb einen Ort, der diese Aufgabe übernimmt und auf den sie sich verlassen können. », erklärt Adriana. Vielleicht liegt auch hier ein Grund dafür, dass sie nichts gegen Regeln hat: Ohne einen strikten Plan herrschte bei so vielen verschiedenen involvierten Menschen und Ansprüchen das Chaos. Auch, dass man das Vertrauen der Zürcher erst gewinnen muss, entspricht ihren eigenen Einstellungen: «Alles basiert auf Vertrauen, auch meine Arbeit». Sie sagt von sich selber, dass sie die Menschen liebt, und stellt auch öfter fest, dass die Leute sich über ein kurzes Gespräch sehr wohl freuen, wenn man sie erst einmal angesprochen hat. Sie muss schon sehr lange nachdenken, bis ihr etwas einfällt, dass man kritisieren könnte: «Manchmal sind die Schweizer etwas unflexibel, sie können sich nicht so gut an neue Situationen anpassen», meint sie, und fügt sogleich an: «das hat mich aber selber dazu motiviert, strukturierter zu werden und besser zu planen. Das scheint mir eine gute Ergänzung zu dem dynamisch-spontanen Zugang zu sein, den ich aus Rumänien und den USA gewöhnt bin».

    «Die Schweiz hat mich gewählt»

    Bei Adriana im KiddieLand arbeitet Hara. Nach ihrem Master in «Intercultural Education» für Kinder im Kindergartenalter zog es die Griechin ins Ausland, sie wollte andere Kulturen und Lehrmethoden kennenlernen. Also schrieb sie Dutzende von Bewerbungen, davon alleine 80 nach Deutschland, weitere 20 nach Schweden. «Nur drei davon gingen an die Schweiz, und alle drei Arbeitgeber haben mich zu einem Probetag eingeladen», erzählt die lebhafte junge Frau, «deshalb sage ich immer: Die Schweiz hat mich ausgewählt, nicht umgekehrt». Doch die erste Zeit im neuen Land war hart für sie: «Es war dunkel, wenn ich zur Arbeit fuhr, und dunkel, wenn ich wieder zu Hause ankam. Die Leute sind sehr arbeitsfokussiert, abends gingen alle meist gleich nach Hause. In Griechenland sind nach Feierabend alle auf der Strasse, man trifft sich, hat eine gute Zeit». Dazu kam der Deutschunterricht, der für viele so frustrierend ist, weil er ihnen beim Schweizerdeutschen nicht weiterhilft. Aber so gehe es wahrscheinlich allen, die ins Ausland gehen: «Man muss viel arbeiten, alles geben und auch Aufgaben übernehmen, die man zu Hause vielleicht nicht akzeptieren würde. In den ersten Jahren fühlte ich mich wie im Militär», erzählt Hara. Rückblickend findet sie aber, es sei auch eine gute Lektion gewesen. «Ich habe das Gefühl, ich wurde erst hier richtig erwachsen. Ich bin unabhängig, habe einen Job, bin für alles selber verantwortlich». Wie die meisten Expats hat auch sie einen multikulturellen Freundeskreis. «Es ist wahr, ich habe viele griechischen Freunde. Das hat nichts damit zu tun, dass ich die Schweizer nicht mögen würde oder sie nicht nett wären. Dadurch, dass Griechisch meine Muttersprache ist und mir auch die Mentalität und den Humor der Griechen näher ist, fühle ich mich in deren Anwesenheit einfach besser, vor allem wenn es mal nicht so gut geht». Auch wenn es zwei anstrengende Jahre waren, fühlt sie sich inzwischen sehr wohl in Zürich und schätzt es auch, dass alles so reibungslos funktioniert. «Die Menschen hier denken eher quadratisch: Es muss alles in diese Schubladen passen, dann läuft es gut. Wir Griechen sind eher «Rund-Menschen», es ist chaotischer. In Griechenland war es oft von der Laune des Angestellten abhängig, ob und wie schnell man an einem Schalter bedient wurde. Vielleicht sind wir dafür etwas fröhlicher. Eine Mischung aus beidem wäre vielleicht das Beste», sinniert Hara.

    «Das Wichtigste ist, sich mit den richtigen Menschen zu umgeben»

    Auch Clara erlitt einen kleinen «Schock», als sie mit ihrem Mann in die Schweiz kam, wie die Argentinierin lachend erzählt. «Es war Winter und die Leute waren so anders als in Südamerika», erinnert sie sich. Die Ingenieurin hatte das Gefühl, sie müsse sich zurücknehmen, um die Leute mit ihrer offenen Art nicht zu «überfallen», wie sie es nennt. Doch im Deutschkurs lerne sie Menschen in ähnlichen Situationen kennen und dadurch veränderte sich auch ihr Blick. «Ausserdem ist mein Mann Schweizer, so hatte ich von Anfang an Kontakt mit der hiesigen Bevölkerung. Heute setzt sich mein Freundeskreis aus einem bunten Mix verschiedener Nationalitäten zusammen». Als sie noch keine Kinder hatten, fehlte ihr in Höngg manchmal das soziale Umfeld, doch sobald der erste Sohn da war und sie die verschiedenen Angebote des GZ und anderen Organisationen nutzen konnte, änderte sich dieser Umstand sofort, «mit Kindern ist es automatisch leichter, den Anschluss zu finden», ist Clara heute überzeugt. Aber: Die Menschen hier öffnen sich nicht so schnell, das habe sie rasch gemerkt. Erst habe sie gedacht, dass die Schweizer grundsätzlich keine neuen Leute kennenlernen wollen, «heute weiss ich: Sie brauchen einfach mehr Zeit. Das akzeptiere ich und nehme es nicht mehr persönlich. Aber es war nicht immer einfach», erzählt Clara. Sie mag die Stabilität und Sicherheit im Land – im Zentrum von Buenos Aires könne man die Kinder nicht einfach bedenkenlos unbeobachtet lassen. Auch, dass sie kein Auto benötigt, um zum Beispiel zur Arbeit zu fahren, schätzt sie sehr. «Ich bin ein Fan des Öffentlichen Verkehrs, und hier funktioniert er auch», schwärmt sie. Dennoch, manchmal vermisst sie das Chaos ihres Herkunftslandes, das auch lustig sein kann. «Es lehrt einen, über sich selber zu lachen. Das fehlt den Schweizern ein bisschen. Etwas allgemein gesagt, führt der Hang zur Perfektion kombiniert mit dem fehlenden Selbst-Humor vielleicht dazu, dass die Leute hier weniger entspannt sind», formuliert sie vorsichtig. Die wichtigste Voraussetzung, um glücklich zu sein, sei ohnehin, sich mit den richtigen Menschen zu umgeben. Das sei auch ein Rat, den sie anderen Expats mitgeben würde: «Findet die guten Leute und lasst Euch nicht so schnell entmutigen. Auch wenn es frustrierend ist, nach einem Jahr Deutschunterricht an der Coop-Kasse zu stehen und völlig hilflos zu sein, wenn die Kassiererin fragt: <händsieessäckliwelle?>», sagt sie und lacht herzlich.

    «Wie im Flughafen-Terminal»

    Fast schon in den Genen hat Shanti* das Leben als Expat. Ihre Eltern stammen aus Indien, zogen aber nach Deutschland, und so wuchs Shanti in Köln auf, studierte Architektur an der RWTA Aachen und zog, nach ersten Berufserfahrungen, für eine deutsche Firma zuerst für drei Jahre nach Dubai und später nach Brüssel. Sie habe ein klassisches Expat-Leben geführt, sagt sie, und es sei durchaus aufregend gewesen in den Metropolen dieser Welt. Irgendwie aber auch wie in einem Flughafen-Terminal: «Das Leben ist geprägt von einer gewissen Hektik, es ist ein schnelllebiges Kommen und Gehen». So habe sie sich irgendwann nach Ruhe gesehnt, nach Entspannung und mehr Nähe zur Natur und den Bergen, nach einem Ort, der mehr ein Zuhause werden könnte, auch für eine Familie. Da ihr Partner bereits in Zürich lebte und arbeitete, beschloss man vor zwei Jahren, hier zusammenzuziehen. Vorausgesetzt, auch Shanti würde hier eine Stelle auf ihrem Beruf finden. Dabei half ihr ein Kontakt aus ihrer Zeit in Dubai: Ihren heutigen Chef hatte sie dort beruflich kennengelernt und so kam sie an die Stelle als Project Director Design Services bei einem internationalen Hotel-Konzern, der seinen Hauptsitz in Zürich hat. Als sie dann nach Zürich zog, war sie positiv überrascht, wie schnell sie, verglichen mit anderen Städten, bei der Anmeldung im Kreisbüro bedient wurde. Komplizierter werde es erst, wenn man sich hier beruflich selbstständig machen wolle. Die nötigen Zulassungen zu bekommen, sei sehr schwierig, das höre sie auch immer wieder aus ihrem Freundeskreis. Fast so schwierig sei es, trotz dem sehr guten Gesundheitssystem, einen Hausarzt zu finden. Als sie mal einen gebraucht hätte, habe es überall geheissen, man nehme im Moment keine neuen Patienten auf. Nur mit Glück habe sie einen Termin bekommen. Glück brauchte es auch bei der Wohnungssuche, und dass das Paar heute in Höngg wohnt, ist eher ein Zufall: Aus dem Freundeskreis kamen vor allem Empfehlungen für das Seefeld und Umgebung, «doch dann sind wir der Limmat entlang spaziert und haben Wipkingen und Höngg entdeckt», erinnert sie sich. Als eine passende Wohnung ausgeschrieben war, war sie bei der Besichtigung die einzige Deutschsprachige unter lauter Englischsprachigen. Seit dem Einzug schätzt Shanti die Ruhe hier, den Dorfcharakter mit allem Nötigen für den täglichen Bedarf in nächster Umgebung, die Nähe zur Natur und gleichermassen zur Stadt. Von Höngg wegziehen würde sie höchstens noch nach Wipkingen, weil das noch eine Spur lebendiger sei, denn bei aller Sehnsucht nach einem beschaulichen Leben, eine gewisse Betriebsamkeit, den 24-Stunden-Betrieb anderer Städte vermisst sie dann und wann doch, selbst an den Hotspots des Zürcher Nachtlebens: «Dubai zum Beispiel schläft nie, man trifft dort sieben Tage die Woche, auch nachts um drei noch überall Menschen». Und diese seien, so merkt sie kritisch an, schon generell aufgeschlossener als hier. Woran das liegt, darüber rätselt sie selbst. Vielleicht sei man sich in der Schweiz den Umgang mit Expats einfach noch nicht so gewohnt, wobei das für Zürich mit seinen vielen internationalen Konzernen eigentlich erstaunlich sei. Doch generell habe sie sich hier willkommen gefühlt, und beispielsweise beim Einkaufen werde man schnell wiedererkannt und nett gegrüsst. Bis man allerdings Kontakte zu Einheimischen habe, das brauche Zeit und sei ihr, selbst ein aufgeschlossener, positiver denkender Mensch, bis heute nicht gelungen. Selbstkritisch genug, hinterfragt sie auch ihren Anteil: Was könnte sie ihrerseits beitragen, um mehr Schweizerinnen und Schweizer kennenzulernen? Was müsste sie am eigenen Verhalten ändern? So überlegt sich die Sportbegeisterte zum Beispiel, einem Tennisverein beizutreten. Auch im Quartier würde sie sich gerne mehr engagieren, weiss aber nicht recht bei welcher Gelegenheit. Dass ihr berufliches Umfeld und der private Freundeskreis auch international ausgerichtet sind, ist natürlich auch nicht förderlich. Shanti ist Mitglied bei «InterNations», der weltweit grössten Expat-Gemeinschaft mit Vertretungen in 390 Städten, die alleine in Zürich rund 8000 Mitglieder zählt. Man tauscht sich aus, kann von wöchentlichen Aktivitäten profitieren, vernetzt sich – und bleibt trotzdem irgendwie unter sich, das ist ihr bewusst.

    * Nachname der Redaktion bekannt

    Anmerkung zur Personenauswahl
    Auch Flüchtlinge und Sans-Papiers sind «Auswanderer» und durchaus ein Fokusthema wert. Sie wurden in diesen Artikeln jedoch nicht berücksichtigt, denn die Umstände und auch die betroffenen Akteure und Ämter sind unterschiedlich, die Thematik komplex. Die Personen, die sich in dieser Ausgabe für ein Porträt zur Verfügung gestellt haben, gehören zu der sogenannten «Neuen Migration», die vor einigen Jahren viele gut ausgebildete Arbeitskräfte nach Zürich und in die Schweiz brachte. Die «Alte Migration» betrifft die Einwanderer aus Spanien und Italien der 60er und 70er Jahre.

  • Die Zürcher Willkommenskultur

    Man soll sich in Zürich zu Hause fühlen und sich aktiv am wirtschaftlichen und sozialen Leben beteiligen. Das ist das Ziel der städtischen Integrationsförderung (IF) und entsprechend hatte der Stadtrat der nun ablaufenden Legislatur dafür 16 Ziele formuliert und den Stossrichtungen «Chancengleichheit erhöhen», «Gutes Zusammenleben fördern», «Eigenverantwortung ermöglichen», «Herausforderungen angehen», «Willkommenskultur pflegen» und «Aktive integrationspolitische Positionierung» zugeordnet. Angesiedelt ist die IF der Stadtentwicklung Zürich (STEZ), einer Abteilung des Präsidialdepartementes, die auch noch die Bereiche Stadt- und Quartierentwicklung, Wirtschaftsförderung sowie Aussenbeziehungen abdeckt. Man präsentiert sich als Kompetenzzentrum für nachhaltige Stadtentwicklung und als Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft, Bevölkerung und Verwaltung.

    Die Arbeit der Integrationsförderung

    Die IF legte im Januar den Jahresbericht 2017 vor, in dem Aktivitäten und Projekte aufgezeigt werden. Gemäss diesem sind letztes Jahr rund 22‘220 Personen mit einer mehr als vier Monate gültigen Aufenthaltsbewilligung nach Zürich gezogen, geschätzte 70 Prozent davon direkt aus dem Ausland. Ihre erste Station war, um sich anzumelden, das Kreisbüro, und dort erhielten sie von der IF bereits ein Begrüssungscouvert. Darin wurde auch auf sieben Begrüssungsveranstaltungen hingewiesen – 1535 Personen aus 90 verschiedenen Nationen machten davon Gebrauch. Auch die 66 speziell angebotenen Stadtführungen in sechs Sprachen wurden gut besucht. Ebenso der «Welcome Desk» im Stadthaus, der von 1351 Personen aus 111 Nationen genutzt wurde. Zwei Drittel jener, die dort Auskünfte verlangten, wohnten erst weniger als ein Jahr in Zürich, doch immerhin zehn Prozent auch bereits mehr als acht Jahre. Ihre Hauptanliegen betrafen Fragen nach Deutschkursen, Stellensuche, Aufenthaltsrecht und Wohnen. Auch telefonisch oder per Mail erteilte die IF Auskünfte oder informierte auf Einladung auch vor Ort, zum Beispiel bei Gruppen von Müttern mit Migrationshintergrund. Alleine die sprachgruppenspezifischen Informationsangebote wurden letztes Jahr von 2376 Personen genutzt. Zum Beispiel «In Zürich leben», der Integrationskurs für Frauen: 17 Kurse in neun Sprachen fanden statt, 227 Frauen besuchten die jeweils 16 Module, 162 davon erhielten ein Zertifikat.

    Die IF wirkt auch politisch

    Auch politische Entscheide beruhen auf der Vorarbeit der IF. Zum Beispiel wurde eine neue Grundlage für die Sprachförderung erarbeitet, der Stadtrat genehmigte das Konzept und der Gemeinderat sprach die nötigen Kredite. In vier Förderbereiche werden somit ab 2019 durch die IF selbst oder durch externe Anbieter Sprachschulungen angeboten. Ebenfalls beschlossen wurde, dass ab 2019 einkommensschwachen Kursteilnehmenden aus der Stadt Zürich die Kurse kostenlos angeboten werden. Ferner wurden Kredite gesprochen für Projekte, die das Zusammenleben in der Stadt fördern, und mit dem Kanton wurden für drei weitere Jahre Leistungsvereinbarung getroffen, welche die Umsetzung des kantonalen Integrationsprogramms in der Stadt Zürich, koordiniert durch die IF, bis 2021 sichern. Zudem, und dies nur als Beispiele, genehmigte der Stadtrat für die nächsten vier Jahre Beiträge an ein Kompetenzzentrum, eine Beratungsstelle und das Zürcher Forum der Religionen. Ferner wurden letztes Jahr 45 Finanzierungsgesuche für Projekte im Bereich «Begegnung, Mitwirkung und Engagement» von privaten Organisationen eingereicht. 35 davon wurden ganz oder teilweise genehmigt und der Kredit von 200‘000 Franken wurde ausgeschöpft. Voraussichtlich 2019 sollen erstmals «interkulturelle Programmwochen» durchgeführt werden.
    Auch auf «Vernetzung und Zusammenarbeit» wird Wert gelegt und unter diesem Titel Arbeitstreffen veranstaltet, Kontakte mit Vereinen und Migrationsorganisationen und religiösen Organisationen gepflegt. Die IF war an der Organisation der Zürcher Migrationskonferenz beteiligt, informiert auf seiner Website in 14 Sprachen – alleine die Deutschkursdatenbank verzeichnete über 18‘000 Zugriffe –, sammelt Facebook-Likes und versandte 2017 sieben Mal einen elektronischen Newsletter an 1140 Adressen. Die Hälfte der Adressaten las ihn auch. Der IF zeigte sich überdies an Fachreferaten, Workshops und Podien, wurde 2017 aber auch selbst besucht: unter anderem vom Menschenrechtskommissär des Europarats und von zwei Delegationen aus Südkorea. Die Liste, was der IF alles tut, liesse sich fast endlos erweitern, nachzulesen im Jahresbericht der IF.

    Jahresbericht 2017 der Integrationsförderung der Stadt Zürich (IF), abrufbar unter https://www.stadt-zuerich.ch/prd/de/index/stadtentwicklung/integrationsfoerderung.html