Kategorie: Architektur

  • Ein Haus mit Geschichte

    Ein Haus mit Geschichte

    Der Kranzweg gehört zu den idyllischsten Strässchen im Zentrum Hönggs. Der schmale, leicht versteckte Weg verbindet die Bläsistrasse mit der Gsteigstrasse. Wer dort entlang schlendert, fühlt sich unwillkürlich in eine andere Zeit zurückversetzt. Genauso wie am Gässli, das vom Meierhofplatz parallel zur Gsteigstrasse verläuft und diese in der grossen Kurve schneidet. Genau dort, wo das Gässchen auf den Kranzweg trifft, befindet sich eines der ältesten Häuser Hönggs.

    Georg Sibler bezeichnet dieses in seiner «Ortsgeschichte Höngg» sogar als das «älteste erhalten gebliebene Privathaus von Höngg». Erbaut wurde das Gebäude im Jahr 1525. Damals stand das auf der anderen Strassenseite der Gsteigstrasse liegende «Haus zum Kranz», das heutige Ortsmuseum, bereits: Es wurde 1506 erbaut. Doch im Gegensatz zu diesem Repräsentationsbau, der vom Fraumünster-Kloster erstellt worden war, stellt das Haus am Kranzweg ein «damals gewöhnliches Bauernhaus» dar, typisch für die «damaligen Durchschnittsbauten in einem Dorf bei der Stadt Zürich», wie der «Höngger» im Jahr 1993 zu berichten wusste. Erbaut wurde es als Ständerbau mit Bohlenwänden, die später, im Laufe des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, durch Fachwerk und Mauern ersetzt wurden. Nur rund die Hälfte des Gebäudes wurde als Wohnhaus genutzt, der talseitige Teil des Hauses diente als Scheune.


    Das Haus am Kranzweg 9 im Jahr 1990. (Foto: Baugeschichtliches Archiv Zürich)

    In Höngg ist noch viel Platz

    Zu den Zeiten, in denen das Haus erbaut wurde, war Höngg noch ein kleiner Weiler: Betrachtet man alte Karten aus dem 16. Jahrhundert, sind im Dorfkern nur rund 30 Häuser zu finden, die sich im losen Abstand um die Kirche gruppieren, das Haus am Kranzweg 9 befindet sich noch weit ausserhalb des Zentrums. 100 Jahre später, im 17. Jahrhundert, ist das Zentrum bereits deutlich gewachsen, der Ortskern dichter bebaut – und auch das Haus hat seinen Umfang verdoppelt: Es hat einen Anbau erhalten, welcher als Trotte diente.


    Vor der Sanierung: Im Jahr 1990 wirkte das Haus baufällig, sein ehrwürdiges Alter war ihm nicht anzusehen. (Foto: Baugeschichtliches Archiv Zürich)

    Ein Abbruchobjekt?

    Im Laufe der Jahre wechselte das Haus mehrfach seine Besitzer und erschien zunehmend abgewohnt und baufällig. Es wurde «vor allem in der jüngsten Zeit wenig gepflegt, was (…) zum heutigen eher verwahrlosten Bild führte», beschrieb etwa der «Höngger» die Situation im Jahr 1993. Dennoch erweckte es zu Beginn der 1990er-Jahre die Aufmerksamkeit von Ruedi Wiedmer. Er war selber Bauherr und hatte bereits einige Liegenschaften in Höngg erstanden, um sie zu sanieren. Er klopfte beim Besitzer mit der Frage an, ob das Haus zu verkaufen sei und hatte schliesslich Erfolg: Gemeinsam mit Jürg Ryser, Rheumatologe mit eigener Praxis direkt am Meierhofplatz, konnte er das Haus käuflich erwerben – als Abbruchobjekt. Anstelle des Hauses planten sie einen Neubau, der Wohnungen und Büros enthalten sollte.

    Das vergessene Haus

    Doch es kam anders als geplant. Denn nach der Baueingabe bei der Stadt erhielten sie eine Absage für ihr Bauprojekt. Es handle sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude, so die Begründung. Das war den neuen Eigentümern nicht bewusst gewesen – und dies nicht nur wegen des bescheidenen Äusseren des Gebäudes: Im Inventar des Denkmalschutzes war es nicht enthalten. Offensichtlich war das Haus bei der Inventarisierung vergessen gegangen.


    Die Fachwerk des geschichtsträchtigen Hauses kommt heute wieder zur Geltung. (Foto: Dagmar Schräder)

    Damit kam ein Abbruch des Gebäudes nicht mehr infrage, stattdessen wurden Sanierungsarbeiten geplant. Das machte die Bauarbeiten aufwendiger als geplant. Bis die Baubewilligung für den Umbau erteilt wurde, vergingen fast fünf Jahre und 1995 konnte schliesslich mit dem Umbau begonnen werden. Auch finanziell war die Sanierung eine Herausforderung: Fast eine Million Franken teurer als ursprünglich budgetiert sei das Projekt geworden, erklären die beiden Hausbesitzer dem «Höngger» bei einer Begehung des Gebäudes.


    Hier ist das alte Gemäuer zu sehen. (Foto: Dagmar Schräder)

    Interessante Funde

    Bei den Sanierungsarbeiten wurde die verputzte Fassade entfernt und das darunterliegende Fachwerk im ersten Stock des Hauses wieder freigelegt. Die alten Trägerbalken wurden durch neue ergänzt, auch der Dachfirst wurde neu aufgebaut. In den Innenräumen des Hauses mischen sich nun alte Balken und Gemäuer mit modernen architektonischen Elementen.


    Neue Treppe, alte Balken. (Foto: Dagmar Schräder)

    Die Gartenansicht nach der Renovation. (Foto: Dagmar Schräder)

    Die alte Trotte, die abgebaut wurde, wurde durch einen neuen Anbau ersetzt, der sich heute zum Garten hin durch eine durchgehende Fensterfront auszeichnet.

    Spektakulär war die Vorgehensweise zur Unterkellerung des Gebäudes: Um dem Haus ein Untergeschoss zu verleihen, musste das gesamte Gebäude an Balken «aufgehängt» und abgestützt werden. Bei den Grabungen machten die Arbeiter zudem einen ganz besonderen Fund: Im Garten wurde ein alter Mühlstein freigelegt, der ausgehoben und als Anschauungsmaterial vor das Gebäude gelegt wurde.

    Im Jahr 1996 schliesslich konnten die neuen Bewohner einziehen. Sie haben sich das Haus aufgeteilt: Der Bereich der ehemaligen Scheune gehört Wiedmer, hier bewohnt seine Tochter eine Familienwohnung. Das Ehepaar Ryser besitzt den ehemaligen Wohnteil mit Anbau, worin sich drei Mietwohnungen befinden.


    Wiedmer vor seinem Haus. (Foto: Dagmar Schräder)
  • «Röschi 79» ist bald bezugsbereit

    «Röschi 79» ist bald bezugsbereit

    Man hat sich schon fast an das Bild gewöhnt: Seit gut zwei Jahren wird direkt am Rö-schibachplatz, hinter den mit lokaler Kunst verzierten Wänden, gebaut (die «Wipkinger Zeitung» berichtete). In dem Grossprojekt, das von Concept Architekten AG im Auftrag einer privaten Bauherrschaft durchgeführt wird, wurde das ursprüngliche, fast 100-jährige Gebäude abgerissen und seither wird es durch einen Neubau namens «Röschi 79» ersetzt.

    Anfang Mai feierte der Neubau nun Richtfest. Und ab dem 1. August können die ersten Mieter*innen einziehen: Die Gewerberäume stehen dann für den eigenen Innenausbau zur Verfügung. Nach Auskunft von Luc Gigaud der Zelos Verwaltung GmbH sind drei der vier Gewerberäumlichkeiten bereits vermietet, für den grössten Geschäftsraum seien noch Verhandlungen mit mehreren Interessenten zugange.

    Bei der Auswahl seien, so Gigaud, lokales Gewerbe oder zumindest ortsansässige Personen berücksichtigt worden, der Fokus habe auf dem Mehrwert fürs Quartier gelegen. Einziehen wird nun ein Coiffeurgeschäft, die Gelateria di Berna zusammen mit dem ViCafé sowie das lokale Ladencafé Chez Nous, ein kleines Detailhandelsgeschäft mit Bistro, das bereits im Altbau als Pop-up startete.

    Grosses Interesse

    Auch die 23 Wohnungen in der Grösse zwischen zweieinhalb und viereinhalb Zimmern sind bereits vergeben. Hier wird der Erstbezug ab Ende Oktober möglich sein. Das Interesse sei sehr gross gewesen, die Anmeldefunktion auf der Website habe innerhalb von drei Wochen deaktiviert werden müssen, weil sich bis dahin bereits über 400 Interessent*innen angemeldet hätten, berichtet Gigaud.

    Die grossen Wohnungen seien ausschliesslich Familien vorbehalten und auch die Dreizimmerwohnungen würden nur an mindestens zwei Personen oder Familien vermietet, so Gigaud weiter. Konkrete Angaben zu den Mietpreisen macht die Verwaltung nicht, erklärt jedoch gegenüber der «Wipkinger Zeitung»: «Unter Berücksichtigung des Ausbaustandards und der Materialisierung erachten wir die Mieten als sehr fair, vor allem wenn man die Wohnungen mit gleichwertigen Objekten in der Stadt Zürich und der Agglomeration vergleicht.»

    Gigaud erwähnt abschliessend, dass man sich freue, dass trotz den diversen und erschwerenden Bedingungen das Projekt ein Erfolg geworden sei und nun bald Leben ins Haus komme.

     

  • Pionierprojekt Schule in der Kirche: Wettbewerb entschieden

    Pionierprojekt Schule in der Kirche: Wettbewerb entschieden

    Seit 2019 wird die Kirche Wipkingen nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt. Gleichzeitig steigt – wie in der ganzen Stadt – auch in der benachbarten Schulanlage Waidhalde der Raumbedarf. Darum wurde vom Stadtrat und der reformierten Kirchgemeinde Zürich beschlossen, die Kirche zukünftig für schulische Zwecke zu nutzen. Das Projekt von Vécsey Schmidt Architekt*innen BSA SIA mit Anderegg Partner AG, das den Architekturwettbewerb gewonnen hat, setzt die Umnutzung um, teilen die Stadt und die Reformierte Kirche mit.

    Das Erdgeschoss wird mit einer isolierten Decke überspannt. So können ein Mehrzweckraum, eine Bibliothek sowie Verpflegung und Betreuung ebenerdig untergebracht werden. Das neu geschaffene Obergeschoss mit einem grossen, ungeheizten, divers nutzbaren Raum findet unter dem Deckengewölbe der Kirche Platz. Alle Umbauten werden dabei reversibel und mit grosser Rücksicht auf den baulichen Charakter der Kirche ausgeführt.

    Hochbauvorsteher André Odermatt freut sich über die pionierhafte Lösung: «Der Umgang mit dem Bestand ist gegenwärtig eine der Top-Herausforderungen beim Bauen. Mit dem vorliegenden Projekt zeigen wir auf, wie attraktiv eine Umnutzung des Bestehenden sein kann».

    Entlastung für den Schulkreis Waidberg
    Die derzeitigen Prognosen gehen davon aus, dass im Einzugsgebiet der Schule Waidhalde bis ins Schuljahr 2031/32 Schulraum für rund sechs bis acht zusätzliche Primar- und Sekundarklassen geschaffen werden muss. Durch die neuen Räumlichkeiten in der Kirche werden in der bestehenden Schulanlage drei Klassenzimmer freigespielt. «Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und nutzen kreative Lösungen, um den anhaltend hohen Schulraumbedarf zu decken», erklärt Schulvorsteher Filippo Leutenegger. «Die tolle Zusammenarbeit mit der Kirche ist für uns ein grosser Gewinn».

    Auch Gabriela Rothenfluh, Präsidentin der Kreisschulbehörde Waidberg, freut sich über die gute Lösung: «Das Projekt zeigt, wie auch mit einer Umnutzung gut auf die Bedürfnisse der Schüler*innen und der Schule eingegangen werden kann».

    Erfolgreiche Zusammenarbeit mit der reformierten Kirchgemeinde Zürich
    Bereits seit 2019 führen die reformierte Kirchgemeinde Zürich und die Stadt einen regelmässigen Dialog mit dem Ziel, gemeinsam Projekte von allgemeinem Nutzen zu fördern. «Für uns ist die Umnutzung der Kirche Wipkingen ein wegweisendes Projekt aus dieser engen Zusammenarbeit mit der Stadt und eine Win-win-Situation für beide Seiten», ergänzt Michael Hauser, Ressortleiter Immobilien der Kirchenpflege. Es ist geplant, zukünftig auch weitere kirchliche Liegenschaften für andere Nutzungen zu öffnen. Im Sommer wird aus dem Kirchgemeindehaus Sihlfeld ein Kindergarten, geplant ist eine städtische Nutzung auch bei der Limmathall (als Musikschule) oder in der Kirche Suteracher.

    Kosten und Termine
    Die Erstellungskosten werden gemäss Wettbewerbsprogramm auf rund 7,5 Millionen Franken (Kostengenauigkeit ± 25 Prozent, ohne Reserven, mit Mehrwertsteuer) geschätzt. Die jährlichen Mietkosten werden sich auf rund 180 000 Franken belaufen, inkl. Aussenräume. Stand heute soll die Umsetzung 2025 beginnen und auf das Schuljahr 2026/27 hin abgeschlossen sein.

    (Quelle: Medienmitteilung)

  • «Wipkinge erzählt»

    «Wipkinge erzählt»

    Erst kürzlich hatten die Kuratorinnen des «nano – Raum für Kunst» die Wipkinger*innen aufgerufen, von ihrem Leben im Quartier zu erzählen. Im sogenannten Geschichten-Büro wurden Erinnerungen an längst verschwundene Betriebe, an die ehemalige Nutzung von Plätzen und Pärken und insbesondere an die Menschen, die einst das Quartier prägten, wieder lebendig. Audio-, Video- und Fotomaterial sowie einige Objekte wurden dabei zusammengetragen. Eine Auswahl davon wird in der Ausstellung «Wipkinge erzählt» im Kunstraum zu sehen sein. An der Vernissage vom 5. Oktober wird zugleich auch die begleitende Publikation präsentiert.

    Willy Siegfried ist mit von der Partie

    Teil der Ausstellung werden auch ein Hörspiel über die Lebensgeschichte des umtriebigen Wipkinger Gastronomen Willy Siegfried und ein 3D-Modell seiner Wirkungsstätte, des ehemaligen Restaurants Anker, sein. Wie die «Wipkinger Zeitung» bereits berichtete, wurde das Gasthaus 1968 infolge der Zürcher Stadtentwicklung der 1960er-Jahre und des Baus der Westtangente abgebrochen. An der Wipkinger-brücke erinnert heute nichts mehr an die einst lebendige Beiz. Für die Ausstellung hat der Quartierverein in Zusammenarbeit mit dem Architekten und 3D-Künstler Diego Bazzotti eine Möglichkeit geschaffen, das stattliche Gebäude mit «Augmented Reality» wieder zum Leben zu erwecken: im eigenen Wohnzimmer oder direkt an der Wipkingerbrücke.
    Aber welche Persönlichkeit stand hinter dem «Anker»? Mit der Übernahme des Nachlasses von Willy Siegfried hat der Quartierverein Wipkingen die Initiative ergriffen, den Bewohner*innen Auszüge aus den Aktenordnern, Tagebüchern und Briefwechseln von Willy Siegfried in einer neuen Form zugänglich zu machen. Ein Hörspiel, produziert und gesprochen von Nina Wiegers, vermittelt in zeitgemässer Form, was Willy im Zuge der Stadtentwicklung bewegt hat.

    Alle Sinne angesprochen

    Für einen weiteren Augen-, aber auch Gaumenschmaus sorgt im Rahmen des Projekts «Wer kännt de Willy?» das Restaurant Damas. Dort werden nämlich die wunderschönen und reichlich verzierten Originalglasfenster des «Ankers» zu bewundern sein. In dieser einmaligen Atmosphäre wird der Wirt von Oktober bis Dezember ein Wochen- und ein Monatsmenü «à la Siegfried» servieren. Dank Siegfrieds Reisetagebüchern aus den 1920er-Jahren, in denen der damals junge Koch Notizen und Rezepte während seiner Entdeckungsfahrten nach Argentinien, Brasilien oder Montevideo festhielt, können sich die Wipkinger*innen und natürlich auch alle anderen Interessierten dort zu einer kulinarischen Reise verführen lassen.

  • Sie haben ein Haus im Garten

    Sie haben ein Haus im Garten

    Tiny oder Small Houses sind Gebäude, die das Leben auf kleinstem Raum ermöglichen. Ein Tiny House weist meistens eine Nettowohnfläche von weniger als 50 Quadratmetern auf und wird entweder als mobiles Eigenheim auf Rädern oder auf ein normales Fundament gestellt. Ein Small House ist in der Regel ein wenig grösser und hat bis zu 100 Quadratmeter Nutzfläche. Eine genaue Definition für diese Begriffe existiert bis anhin nicht – Hauptsache ist das Prinzip des Wohnens auf kleinstmöglichem Raum.
    Der kleine Holzbau befindet sich an der Nordstrasse, leicht zurückversetzt von der Strasse, auf dem Grundstück eines anderen Wohnhauses. «Wir haben als Familie vor Kurzem das Wohnhaus hier gekauft und wollten ursprünglich für meine Mutter eine kleine Einliegerwohnung einbauen. Das erwies sich jedoch bewilligungstechnisch als sehr kompliziert», erklärt Ariadna von Matt-Graf, die Besitzerin der Liegenschaft.
    Nach Beratungen mit einem befreundeten Architekten plante die Familie daher, statt des Umbaus ein kleines Haus im Garten zu bauen. Rein zufällig stiessen sie in den Skiferien auf eine Siedlung, die aus lauter Tiny und Small Houses bestand und begannen, sich eingehender mit dieser Wohnform auseinanderzusetzen. Die Idee, selbst ein solches Häuschen zu erstellen, liess sie nicht mehr los – der Rest ist Geschichte. Der im Garten verfügbare Platz reichte bis fast auf den Zentimeter genau aus, um ein Haus vom Typ «Small Green» zu erstellen. Zehn Monate vergingen, bis die Stadt die Bewilligung für den Bau erteilte – vor allem die Umgebungs- und Gartenplanung beanspruchte einiges an Zeit.

    Bau innerhalb von zwei Wochen

    Doch dann ging es schnell: Weil das Haus aus bereits vorgefertigten Holzelementen besteht, nahm der Aufbau insgesamt – nach dem Erstellen des Fundaments – nur knapp zwei Wochen in Anspruch, danach war der Innenausbau dran. Nun ist auf den nur 45 Quadratmetern Grundfläche ein komplettes Eigenheim für ein bis zwei Personen entstanden. Die Nettowohnfläche, die das dreistöckige Gebäude bietet, beträgt 88,5 Quadratmeter.
    Im Erdgeschoss befinden sich Küche und Wohnraum, der erste Stock beherbergt das Schlaf- sowie ein Badezimmer, unter dem Dach gibt es weiteren Wohnraum.
    Der Bau besteht komplett aus Holz, für die Fassade wird Kiefer, für den Innenraum Fichtenholz verwendet, das Parkett ist aus Eiche gefertigt. Alles Holz stamme, so Marc Lüllmann von der Firma SmartSmallHouse AG, die das Haus in Wipkingen erstellt hat, aus FSC-zertifizierter Forstwirtschaft. Die Holzelemente werden in Estland fabriziert und dann in die Schweiz geliefert.
    So klein das Haus von aussen wirkt, so geräumig erscheint es im Inneren. Der begrenzte Platz wird optimal ausgenutzt. In den Treppenaufgängen sind Einbauschränke eingebaut. Kühlschrank und Backofen sind in den Raumteiler zwischen Küche und Gang integriert. Bei der Raumaufteilung verfahren die Ersteller nach der Vastu-Lehre. «Sie stammt aus der vedischen Zeit, die vor über 2000 Jahren auch die europäische Bau- und Wohnkultur geprägt hat. Im Vastu dreht sich vieles um die richtigen Masse und Proportionen, damit sich der Mensch wohl fühlt und so sein Potenzial entfalten kann», erläutert Lüllmann.

    Auf dem Weg zur Energieautarkie

    Ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für eine derartige Wohnform ist die Nachhaltigkeit. Eine gebäudeintegrierte Photovoltaik-Anlage produziert den Strom, das sich damit annähernd selbst versorgen kann. Geheizt wird mit einer Holzpelletheizung. Zur Warmwasseraufbereitung kann die Bewohnerin auf eine Wärmepumpe zurückgreifen. Von grosser Bedeutung für die Energiebilanz ist auch die Isolation, die in diesem Fall aus Holzfasern besteht: «Mit der richtigen Dämmung kann man viel Heizenergie einsparen, weil der Wärmeverlust über die Fassade minimiert werden kann. Unser Haus ist in punkto Wärmedämmung sehr effizient und kann so mit geringem Aufwand beheizt werden. So sind wir auch in Hinblick auf die Energiekrise froh, uns für dieses Wohnmodell entschieden zu haben», freut sich die Hausherrin.